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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"

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THE LIBRARY OF THE 

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NORTH CAROLINA 



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ENDOWED BY THE 

DIALECTIC AND PHILANTHROPIC 

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i Form No. 513 









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PHILOLOGISCHER 

ANZEIGER. 

p#3 

ALS ERGÄNZUNG - I 

PHILOLOGUS 

HERAUSGEGEBEN 



VON 



ERNST von LEUTSCH. 



VIERZEHNTER BAND. 



1884. 



GOTTINGEN 

VERLAG DER DIETERICHSCHEN BUCHHANDLUNG. 
1884. 



Nr. 1. Januar 1884. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutseli. 



1. Taylor, Isaac, the Alphabet, an account of the 
origin and development of letters. vol. 1. 2. London 1883. 

Es giebt bücher, wie z. b. das vorliegende, die eigentlich 
kein einziger recensiren kann ; das sind dann aber meistens auch 
solche, die ein einzelner nicht schreiben kann ; und wenn er sie 
doch schreibt, so muß er sich eigens eine reihe von kenntnissen 
zu erwerben suchen , die nicht allzu lange haften , so daß der 
verf. später oft in die läge kommt , sich aus seinem buche un- 
terrichten zu müssen. — Wenn nun aber eine derartige arbeit 
nothwendig ist, so müssen wir natürlich demjenigen dank wissen, 
der sich ihr unterzieht. Wir glauben es dem verf. gern, wenn 
er uns in den einleitenden worten versichert, daß sein buch die 
arbeit vieler jähre erfordert habe ; schon eine einfache inhalts- 
übersicht zeigt wie vielseitig und verschiedenartig die vorbe- 
reitenden Studien sein mußten. ' In der einleitung dieses hübsch 
ausgestatteten werkes bespricht er den unterschied zwischen al- 
phabetarischer und nicht-alphabetarischer schritt, von ideogramm 
und phonogramm , dann die bilderschrift der wilden , das chine- 
sische , japanesische, nebst keilschrift und hieroglyphen. Der 
zweite abschnitt ist de Eouge's hypothese gewidmet, daß die 
phoenicische schrift und also indirect auch die griechische aus 
dem aegyptischen stamme ; der verf. sucht dieselbe gegen de La- 
garde's zweifei sicher zu stellen. — Alles dieses durfte sicher 
in der einleitung erwähnt werden , aber sicher nicht in der 
breite und ausführlichkeit ; es ist doch ein unterschied , ob 
einer über die schrift oder über das aiphabet schreibt. Die 
chinesische, japanesische schrift;, ferner die später zu erwähnende 
Philol. Anz. XIV. 1 



2 1. Palaeographie. Nr. I. 

syllabare schrift der Cyprioten u. s. w. gehörten gar nicht in ein 
werk über das aiphabet und selbst die hieroglyphen nur soweit 
sie die grundlage für das phoenicische aiphabet abgegeben haben. 
— Die cryptographischen alphabete dagegen, die wirklich hier- 
her gehören, werden gar nicht erwähnt. — Im dritten abschnitte 
(1, p. 158) kommt der verf. dann zu seinem eigentlichen thema, 
namen, bedeutung und anordnung der buchstaben. Dann folgen 
in drei weiteren abschnitten die verschiedenen arten der phoe- 
nicischen , aramaeischen und südsemitischen alphabete. 

Den zweiten band (Aryan alphabets) eröffnet natürlich das 
griechische aiphabet, mit den alphabeten griechischen Ursprungs 
d. h. die italische und speciell die lateinische schrift. Merkwür- 
diger weise werden auch die griechischen uncialen und minuskeln 
(damit meint der verf. die palaeographie) nicht zu den Greeh Alpha- 
bets sondern zu den Alphabets of Hellenic Origin gerechnet ! Den 
beschluß dieses abschnittes bilden dann das koptische, slavische, 
albanische , die runen und die Oghams. In den beiden schluß- 
kapiteln springt der verf. wieder zu der linksläufigen schrift 
zurück, die direct aus der semitischen abgeleitet werden muß; 
man sieht daraus , daß seine eintheilung keine graphische ist 
sondern eine ethnographische. Bei einer graphischen eintheilung 
wie sie der gegenständ erforderte, mußte das X. kapitel indische 
alphabete direct mit den südsemitischen verbunden werden, daran 
hätte sich dann das IX. kapitei iranische alphabete anschließen 
können. — Ein epilog (kap. XI) den man auch als einleitung 
benutzen kann schließt das ganze. 

Indem wir den ersten theil den Orientalisten und linguisten 
zur beurtheilung überlassen, beschränken wir uns hier auf die- 
jenigen partien, die aus dem rahmen dieser Zeitschrift nicht her- 
austreten ; hier scheinen die Studien des verf. nicht ausgereicht 
zu haben. Was nun zuerst die geschichte des griechischen al- 
phabets betrifft, so ist es für die ersten abschnitte verhängnißvoll 
geworden, daß der verf. sich auf das Corpus inscript. graecarum 
beruft und die damals schon seit einem jähre erschienenen In- 
scriptiones graecarum antiquissimae nicht kennt. — - So groß auch 
die Verdienste waren, die Böckh sich damals durch bearbeitung 
und herausgäbe des ersten bandes erwarb , so wird heutzutage 
kein verständiger mehr leugnen, daß gerade die älteren und äl- 
testen inschriften, bei denen die wiedergäbe der buchstabenformen 



Nr. 1. 1. Palaeographie. 3 

von so großer Wichtigkeit sind , für graphische Untersuchungen 
mehr oder weniger unbrauchbar sind, theils wegen der mangeln- 
den autopsie der herausgeber, theils wegen der ungenügenden wie- 
dergäbe in typen oder f'acsimile. Wo der verf. sich also nicht aus- 
drücklich auf neuere zuverlässige piiblicationen, wie z. b. die von 
der Palaeographical Society beruft, da sind seine angaben und fol- 
gerungen in dem kapitel the Cadmean aiphabet mit großer vorsieht 
aufzunehmen. Ueberhaupt ist der ganze begriff einer cadmeischen 
schrift, der in Deutschland längst aufgegeben wurde, so unglück- 
lich wie möglich, namentlich im munde eines verf, der den Cadmus 
nicht für eine historische sondern mythische persönlichkeit hält. 
In demselben kapitel zeigt sich recht deutlich, wie der verf, 
sich manchmal durch zufällige äußerlichkeiten leiten läßt, wenn 
er z. b. (p. 43 u. 107 A.) das corinthische ß J -1 direct aus dem 
hieratischen anleiten will ; einmal ist die ähnlichkeit gar nicht 
so groß , da das hieratische zeichen vielmehr ungefähr der Ver- 
bindung eines nach links unten und eines nach rechts oben sich 
öffnenden spitzen winkeis entspricht; ferner aber würde dadurch 
das prineip vollständig durchbrochen, nach welchem das griechische 
nur durch vermittelung des phoenizischen mit dem aegyptischen zu- 
sammenhängt ; jenes corinthische ß geht vielmehr auf die gewöhn- 
liche griechische grundform zurück, nur daß der untere theil des 
buchstabens nach links gewendet wurde; was nothwendig wurde, 
weil die Corinther das spitzwinklige |ä bereits für E brauchten 
und Verwechselungen zwischen B und E natürlich vermieden 
werden mußten. Kirchhoffs auffassung (Studien p. 90) wird 
durch derartige dilettantische versuche nicht im mindesten er- 
schüttert ; ebensowenig wie in der frage nach dem alter der äl- 
testen inschriften. So vorsichtig wie möglich hatte Kirchhoff in 
seinen grundlegenden Studien die schwierige frage erörtert und 
festgestellt , daß sichere spuren nicht weiter als bis ol. 40 d. h. 
bis ungefähr zum jähr 620 v. Chr. zurückführen. Der beweis, 
daß die inschriften von Thera u.s.w. mehrere Jahrhunderte älter 
sein müßten und mit Taylor in das zehnte Jahrhundert v. Chr. zu 
setzen seien, würde sicherlich von verschiedenen seiten mit freuden 
begrüßt werden ; allein von einem beweise findet man bei Taylor 
(2, 40 — 41) auch keine spur. Der eigentliche sinn dieser un- 
motivirten polemik wird erst später klar bei der behandlung 
der inschriftähnlichen zeichen, die Schliemann in Troja ausge- 

1* 



4 I. Palaeographie. Nr. I. 

graben ; diese sind jetzt nicht mein' chinesisch , sondern nach 
Sayce cypriotisch , also hat man in homerischer zeit bereits ge- 
schrieben und die schrift muß älter sein als man gewöhnlich 
annimmt. Es braucht hier nicht ausgeführt zu werden, wie an- 
fechtbar die praemissen sind, aus denen solche Schlüsse gezogen 
werden. — In betreff der inschriften von Abu Simbel stellt der 
verf. sich auf Kirchhoffs seite, wenn er p. 44 sagt: The Abu Simbel 
record written at ihe end of the 7 th Century , affords the first ab So- 
lu tely firm standing ground. So könnte der verf. nicht sprechen, 
wenn er die- von ihm 2, p. 9 citirte abhandlung von Wiedemann 
(Rhein, mus. 1880, p. 364) wirklich gelesen hätte; der, ebenso 
wie Abel (Wiener Studien 1881, 161 — 184), die inschriften auf 
Psammetich II bezieht, und also dem 6. Jahrhundert zuweist. 

Bei der Lygdamisinschrift Inscr. gr. antiq. 500 war der 
aufsatz von Rühl im Philologus 41, p. 54 zu erwähnen, dessen 
resultat , wenn es richtig wäre , auch die datirung der inschrift 
selbst beeinflussen würde. 

2, p. 64 wird Kirchhoffs Classification der griechischen al- 
phabete ohne grund aufgegeben, um deren 7 geographische grup- 
pen an die stelle zu setzen. 

Den beschluß der griechischen schrift macht das cypriotische, 
das , wie gesagt , überhaupt in einem buche über die alphabete 
keinen platz hätte erhalten dürfen. Ob das cypriotische mit den 
neu entdeckten hittitischen inschriften verwandt ist, wird sich 
vielleicht später entscheiden lassen, wenn wir mehr vom hittiti- 
schen wissen ; wenn nicht mehr ähnlichkeiten vorhanden sind als 
die 2, p. 123 zusammengestellten, so ist es nicht gerade wahr- 
scheinlich. — Die kurze cypriotische inschrift 'Etsavdoov tov 
Ildcpov ßaaiXicog (2, p. 114) zeigt in den formen mehrere starke 
abweichungen von der originalpublication bei Cesnola, Cypern 
(deutsch von L. Stern) p. 265. 

Wenn wir nun zu den italischen alphabeten übergehen, so 
ist es zunächst zu bedauern, daß der verf. die linksläufigen und 
furchenförmigen inschriften gar nicht kennt ; was sich um so 
weniger entschuldigen läßt, als doch auch die Duenosinschrift 
schon im jähre 1880 gefunden wurde. Auf die italischen Zahl- 
zeichen und ihr verhältniß zum alphabet kommt der verf. zwei- 
mal zu sprechen, 1, p. 6 — 7 A. und 2, p. 139, um an beiden 
stellen gegen Ritschi und Mommsen, denen er sich im übrigen 



Nr. 1 . 1 . Palaeographie. 5 

anschließt, zu polemisiren wegen der herleitung des lateinischen 
X, das er nicht von ® herleiten will ; 2, p. 139 there is no 
valid reason why it should not he identified with EB. Es giebt 
aber allerdings einen triftigen grund , den der verf. übersehen 
hat, nemlich den, daß dieser buchstabe im dorisch-chalcidischen 
aiphabet überhaupt fehlt und Mommsen sowohl wie Ritschi ha- 
ben mit vollem recht darauf verzichtet, dieses aiphabet durch 
beliebige andere zu ergänzen. Das X wird dann halbirt, um die 
hälfte d. h. 5 zu bezeichnen ; die Etrusker verwendeten die untere 
hälfte A , die Römer dagegen die obere V . Gänzlich überflüssig sind 
daher die phantasien des verf. 1 , p. 7 A : The Etmscan 5 is A , 
apparently an ideogramm of the hand like tlie Roman f\ ; while | 
and >, which stand for 1 and 1 seem to represent respectively the 
forefinger and the forefinger partly doubled down. 

Auf eine reihe von einzelnheiten einzugehen, die theils man- 
gelhaft, theils fehlerhaft sind, verbietet hier der platz ; ich greife 
nur noch einiges wenige heraus. 2, p. 182 A. wird als sicher 
hingestellt, daß die alten bereits Stempel mit beweglichen typen 
gehabt hatten. Sicher ist die sache keineswegs. Dumont hat 
es allerdings behauptet, während A. Geffroy die frage unentschie- 
den läßt, und ebenso W. Hartel, der zuletzt darüber gesprochen 
hat, Zeitschr. f. oest. gymnas. 1879, p. 446-7. Wie die sache 
jetzt liegt, so sind die unanfechtbaren beweise, welche für diese 
wunderbare thatsache nothwendig wären, noch keineswegs geliefert. 

Hinter dem griechischen und lateinischen werden auch die 
abgeleiteten alphabete behandelt, u. a. auch die runen, die nicht 
lateinischen sondern griechischen ursjmmgs sein sollen (2, p. 214 
— 16). Da ich des verf. buch Greehs and Goths, a study on the 
Runes nicht kenne, in dem derselbe diese auffallende these begrün- 
det, so können wir diese frage hier auf sich beruhen lassen. 

Umgekehrt wird auf der anderen seite beim armenisch- 
georgischen aiphabet der griechische Ursprung geleugnet, den 
ich früher einmal in einem kleinen aufsatze in der Zeitschrift 
der deutschen morgenländischen gesellschaft 30, p. 74—80 zu 
erweisen bemüht war. Ich könnte daher schließen mit einer 
oratio pro domo. — Allein ich widerstehe dieser Versuchung um 
so leichter, als der verf. 2, p. 279 A. einfach behauptet, meine 
gründe bedürften gar keiner ernstlichen Widerlegung. Eine wirk- 
liche vertheidigung kann ich mir also ersparen, bis ein wirklicher 



6 2. Epigraphik. Nr. 1. 

angriff erfolgt ist. — Taylor will beide alphabete aus dem 
indo-bactrischen ableiten und erlaubt sich eine reibe von gewalt- 
samkeiten, um diese älmlichkeit fertig zu bringen , die meistens 
aber nur den erfolg haben, daß, wenn die ähnlichkeit auf der 
einen seite hergestellt ist, der unterschied auf der andern seite 
um so stärker hervortritt. Diese gewaltsamkeiten bestehen nicht 
nur darin, daß er das armenisch-georgische des 9. mit dem indo- 
bactrischen des 3. Jahrhunderts vergleicht, sondern auch darin, 
daß er die rechtsläufige schrift der Armenier und Georgier ein- 
fach nach links wendet , und die buchstaben , deren platz doch 
durch ihren zahlenwerth gegeben ist, ganz willkürlich neu ord- 
net, Mit solchen mittein läßt sich alles beweisen! — Vorsicht 
war hier um so mehr geboten , da ein gewisser grundstock von 
ähnlichkeiten ja auf beiden seiten zugegeben werden muß. Freund 
und feind sind darin einig, daß das armenisch-georgische aipha- 
bet in letzter instanz vom semitischen abzuleiten ist; nur das 
ist streitig, ob direct oder indirect, Die einzige methode also, 
welche hier zu sicheren resultaten führen kann , ist die , zu un- 
tersuchen, wie die Armenier und Georgier sich zu den reformen 
stellen, welche die Griechen mit dem ursprünglich semitischen 
aiphabet vorgenommen haben. Ich hatte demgemäß a. a. o. p. 75 
in der ersten columne die reformen der Griechen aufgezählt, um 
dann in der zweiten columne unmittelbar daneben zu zeigen, 
daß die Armenier und Georgier in allen diesen punkten von den 
Griechen abhängig sind. Ferner hatte ich mich auf das aus- 
drückliche zeugniß des Moses von Chorene berufen, der ausdrück- 
lich berichtet, daß der heilige Mesrop „die armenischen charac- 
tere nach dem muster der griechischen Schriftbezeichnung formte", 
wie es bei einem geistlichen der griechischen kirche überhaupt 
nicht anders zu erwarten war. Gestützt auf diese gründe , die 
doch wenigstens einer Widerlegung werth sind, hatte ich die von 
den französischen benedictinern und von Lepsius vertretene an- 
sieht vertheidigt, daß die Armenier und Georgier ihr aiphabet 
von den Griechen erhalten haben. V. Gardihausen. 

2. A. C. Merriam: the Greek and Latin inscriptions on 
the Obelisk-crab in the Metropolitan Museum. New York, Harper 
and Brothers. N. Y. 1883. 49 p. VIII. 

An dieser vortrefflichen und wichtigen publication der bei- 



Nr. 1. 2. Epigraphik. 7 

den Inschriften, die sich auf der scheere eines der jetzt im mu- 
seum zu New York aufbewahrten broncekrebse fanden, die man 
bei Untersuchung der basis des in Alexandrien aufrecht stehen- 
den obeliskes entdeckte, ist nur eine etwas zu große breite der 
darstellung auszusetzen. Der verf. weiht uns ganz unnöthiger 
weise nicht nur in den gang seiner Untersuchung ein, sondern 
wir erfahren auch, wie oft er das original besehen hat, wie er 
auf der bibliothek nach manchen misgriffen endlich ein gewünschtes 
buch erhielt, und dgl. dinge, die für Merriam sehr interessant sein 
mögen, für seine leser es aber keineswegs sind, und zwar ins- 
besondere deshalb, weil allen misglückten versuchen und vermu- 
thungen schließlich durch ein so einfaches und naheliegendes mittel 
wie die gründliche reinigung der bronce ein ende gemacht wurde. 
Nach dieser stellt sich gegenüber anderen unrichtigen publi- 
cationen die zweifellos richtige lesung folgendermaßen : 

L IH KAISAP % iU A N.O.i ~Wl CAESARIS 

BAPBAPO$ ANE0HKE BAEBARVS PRAEF 

APXITEKTGNOrNTO:£ -V A E GYrTD x ) POSVIT/ 

ÜONTIOr ARCHITECTAXTEPOKTIO 

Danach sind die publicationen von Lumbroso , Bulletino 
deirinstituto 1878 p. 54, und Mommsen , Ephemeris epigr. IV, 
p. 27, zu berichtigen, die beide auf eine flüchtige und unrichtige 
copie von Nerutsos zurückgehen. Die folgerungen, welche beide 
gelehrte an das falsch gelesene datum (L H, anno VIII) über 
die praefectur des P. Rubrius Barbaras (so heißt derselbe mit 
vollem namen nach einer inschrift von 'Monte Cassino C. I. L. 
X no. 5169 (Inscr. R. Neap. 4229) vgl. die gleich folgende inschr.) 
gezogen haben, fallen mit dessen richtigstellung. Die inschrift 
datirt von demselben jähre, wie jene von Wescher und Mariette- 
Bey auf der insel Philä entdeckte : AvToy.odioQi. xalaugi- ge- 
[jugkö Gcorrjoi xa\ tvsQjtzrj L IH in} Tlonliov Poßgtov BaoßctQOV 
(Bullet, dell'instit. 1866, p. 44 ff.). P. Rubrius war präfect von 
Aegyj)ten in den jähren 13/12 v. Chr., da diese inschrift nach 
der mit der eroberung Alexandriens (1. Aug. 30) anhebenden 

1) Es ist eine sehr ansprechende vermuthung des verf., daß diese 
merkwürdige Schreibung von Aegypti durch ein versehen des Griechen 
entstand, der die inschrift verfertigte und erst AirYPTUT schrieb 
(p. 26) ; dafür spricht auch die verhältnismäßige Schönheit des grie- 
chischen textes im vergleich zu der Ungeschicklichkeit mit der die 
lateinischen buchstaben gemacht sind. 



8 3. Thukydides. Nr. 1. 

aera datirt ist (Dio Cass. LI, 19). Da der monatstag nicht an- 
gegeben ist, so muß man mit rücksicht auf den ägyptischen 
neujahrstag beide jähre 13 und 12 als zulässig betrachten. 

Merriams monographie enthält außer diesen richtigstellun- 
gen eine anzahl von excursen zu den inschriften, die theilweise 
bekanntes enthalten, so das über die bedeutung von L auf in- 
schriften und münzen, über KAICAR = Augustus bemerkte, 
theils aber bemerkenswerthes , wie die Untersuchungen über die 
Eubrier und das über die ägyptischen präfecturen gesagte. Der 
tadel gegen Mommsen und Lumbroso ist nicht ganz berechtigt, 
da ihnen die einsieht in das original nicht möglich war und sie 
von der abschrift Nerutsos auszugehen hatten. Daß die in Lon- 
don an dem obelisk angebrachten inschriften nun auch falsch 
sind , ist amüsant , rechtfertigt aber die auszüge aus der Times 
auf drei selten einer wissenschaftlichen abhandlung denn doch 
keineswegs. Der architekt Pontius ist von Lumbroso mit recht 
identificirt mit dem HONTIOC A0HNAIOS einer fontainen-in- 
schrift aus den gärten des Mäcenas, und nachdem nun seine 
thätigkeit an dem alexandrinischen obelisken für das jähr 13/12 
feststeht , wird man Merriams vermuthung theilen können , daß 
er 10/9 v. Chr. mit der atifstellung der beiden für Rom be- 
stimmten obelisken betraut wurde und so in die hauptstadt ge- 
langte, wo ihn dann Mäcenas beschäftigte. Adolf Bauer. 

3. A. Fokke: Rettungen des Alkibiades. Erster theil: 
die sicilische expedition. Emden, Haynel, 1883. 8. 

In Alkibiades und Sokrates, ist des verf. meinung, läuft 
das griechische leben als in seinen höchsten spitzen aus. „Beide, 
der eine der träger einer neuen ethik und gottesanschauung, der 
andere mit seinen ideen vom Staate , ragen weit über die engen 
schranken der sie umgebenden weit hinaus, und wie der philo- 
soph an die pforten des christenthums, so pocht der politiker an 
diejenigen des modernen Staates". Nicht ein so niedriges ziel 
habe sich Alkibiades gesteckt, als das abgetragene diadem der 
Pisistratiden war. Ueber Hellas zu herrschen, das sei in Wahr- 
heit das, wonach Alkibiades trachtete, aber über ein zuvor durch 
ihn aus korinthisch - thebanischem particularismus heraus- und 
durch die freien institutionen seiner Vaterstadt über den athe- 
nisch-spartanischen dualismus hinausgehobenes Hellas ; nicht über 



Nr. 1. 3. Thukydides. 9 

ein durch tyrannenherrschaft geknechtetes, sondern über ein freies 
und geeinigtes Hellas, das nun nicht mehr in arger Verblendung 
sich selbst zerfleischt ; und endlich über ein starkes Hellas, wel- 
ches nach langer zeit mit aller aussieht auf erfolg das schwert 
wieder in die band nimmt , um mit dem alten feinde abzurech- 
nen, der niemals aufgehört hat, seine ansprüche zu erheben und 
bei der ersten gelegenheit anstalten machen wird, den freien hel- 
lenischen geist unter persischer barbarei zu ersticken. Aber wo- 
her weiß der verf. von dieser politik seines hehlen ? „Alkibiades 
ist deshalb", sagt er, „eine der tragischsten gestalten der Welt- 
geschichte, weil er in das grab sank, ohne daß die mitweit sein 
gewaltiges ringen hat erkennen können. . . . Die größten gei- 
ster seiner nation haben ihm nahe gestanden , aber obgleich So- 
krates , Plato , Aristophanes die Übermacht seines geistes aner- 
kennen, so haben sie doch nicht zu erfahren vermocht, wo die- 
selbe hinaus wollte. Der objektivste historiker suche ihm gerecht 
zu werden, doch seine ganze große erkenne auch er nicht". Also 
noch einmal , woher ist denn dem verf. die künde gekommen ? 
Schriftliche Zeugnisse aus dem alterthum fehlen freilich, aber der 
kaiser Hadrian habe auf dem grabhügel des großen Atheners 
zu Melissa dessen bildsäule aus parischem marmor aufstellen 
lassen und seine manen durch ein jährliches opfer zu ehren ge- 
boten. Aus welchem gründe anders , fragt er , als weil dieser 
kaiser des staatenbildenden und staatenregierenden Volkes in 
Alkibiades die kongenialität mit dem geiste des eignen volkes 
erkannt und in ihm den mann entdeckt hat, der die reihe jener 
Staatsmänner und feldherrn schließt, welche von Solon bis zum 
Perikles die herrschaft des kleinen Athen weit über die grenzen 
von Attika ausdehnten, und dem nun die aufgäbe gestellt wird, 
zu welcher die thaten jener die Vorbereitung waren, . . . Athen 
in Griechenland zu dem zu machen, was in Italien Eom gewe- 
sen war. Die schlichte notiz, was Hadrian in Melissa dem Al- 
kibiades zu ehren angeordnet, bekommen wir vom Athenäus XIII, 
575, die geheimen gedanken alle, die der kaiser dabei gehabt, 
kennt der verf. aus irgend einer besonderen gunst und verfehlt 
nicht, sie uns in beredter ausführung mitzutheilen. 

Auf dem wege dieser politik des Alkibiades nun, die nicht 
etwa eine pisistratische tyrannis , sondern eine alkibiadeische 
,,monarchie" Athens über das gesammte Hellas zum letzten ziele 



10 3. Thukydides. Nr. 1. 

hat, ist die sicilische expedition so zu sagen die erste etappe. 
Mit dieser zunächst hat es die vorliegende abhandlung zu thun, 
von den vier rettungen, die beabsichtigt werden, die erste. Die 
Athener seien nur einem naturnothwendigen zuge gefolgt, wenn 
sie darauf ausgingen, die insel zu erobern. In den Verhand- 
lungen mit Kerkyra stelle sich das erste moment dar, ihre ab- 
sichten auf festere basierung ihres handeis , in dem sicilischen 
kriege von 427 — 424 neben jenen die besiegung der Pelopon- 
nesier durch Zerstörung ihrer wichtigsten Verbindung , während 
in der letzten expedition alle momente vereinigt sind, mit dem 
materiellen des handeis die realen der politik und mit beiden 
wiederum die idealen des großen Staatsmannes, der weiter blickt 
als seine Zeitgenossen und, alle regungen des lebens seines Vol- 
kes verstehend und ihnen die ziele gebend, für Athen und Hellas 
die zukunft offen hält. Wenn aber dem so ist, worauf stützt 
sich denn, fragt der verf., das harte urtheil , das die modernen 
geschichtschreiber, ein Grote, Hertzberg, Curtius über die politik 
des Alkibiades fällen? Auf des Thukydides zeugniß, antwortet 
er, gewiß nicht, denn dieser historiker werfe in der angegebenen 
richtung nicht etwa eine schuld auf Alkibiades, sondern klage 
ausdrücklich diejenigen Athener an, welche aus furcht vor der 
beabsichtigten tyrannis jenen staaatsmann aus dem Staate ver- 
wiesen hätten. Und ebenso wenig wüßte er einen andern Schrift- 
steller der alten, auf den man sich nach dieser seite hin berufen 
könnte. Wenn das zeugniß und das urtheil des Thukydides 
hier maßgebend ist, wie es doch billig sein sollte, so steht es 
schlimm um diese rettung. Von den zwei stellen, die in betracht 
kommen, hat der verf. selbst die eine angeführt, £ 15, 11 (z. 
nach Bekker) : ottsq xeti aadsllsv vgti-qqv rrjf räv '^4&f]valcov 
nöhv ol% rjxiota. Was ist aber der inhalt dieses ottsq? Nichts 
anderes als daß Alkibiades , der schon bei allen durch seine 
maßlosigkeiten im verdacht der tyrannis stand, die sicilische 
expedition betrieb, um durch sie als ihr glücklicher fiihrer ta 
l8ia iQrnxaai ts xai 86b] cocpslrjoeir. Also aus eigennützigen ab- 
sichten trieb er die Athener zu dem zuge, und hat so durch 
dies unternehmen seine Vaterstadt zu gründe gerichtet. Wie es 
mittelbar dazu gekommen ist, sagen die folgenden worte, die 
freilich erst noch der erklärung bedürfen, z. 17 — 20: xctl 8>j- 
fioaia XQÜziara 8ia&dvta ra zov nolsfiov i8ia exaatoi toig eiti- 



Nr. 1. 3. Thukydides. 11 

tt]8evfjtaatv avrov d^&ecsdepzsg xal älloig stntgsxpavTsg ov 8ia 
paxQOV sacfrjlav z?jv tio'kiv. diadivti, was grammatisch unmög- 
lich ist, giebt nur eine schlechte pariser hdschr., die andern und 
unter ihnen also alle besten haben dia&svra. Daß der scho- 
liast zu Aal dlloig inirgtxpavzeg mißverständlich sich denkt: tot 
zot TJolipLOv, ist schon darum klar, weil das kommando bei den- 
selben männern verbleibt , die es vorher schon mitführten. Zu 
dlloig sni7Q¥\pavTi:g gehört das folgende rtjv noXiv, und soq:?])av 
ist auch zum vorausgehenden Öiadfvza heraufzunehmen , ganz 
wie das in solchen fällen bei Thukydides die gewohnheit ist. 
Die worte heißen also : „und obgleich er den krieg aufs beste 
führte, haben sie, indem ein jeder für sich im besonderen an 
seinem gebahren anstoß nahmen, durch ihre öffentlichen beschlüsse 
ihn zu fall gebracht und in bälde den staat, indem sie diesen 
andern anvertrauten". Es ist das also hier dasselbe urtheil des 
Schriftstellers, wie es schon ß 65, 24 ff. zu lesen war. Nach Pe- 
rikles tode war auch Alkibiades unter den volksführern einer der 
iGoi Tigog dXXtjXovg , und indem sie ein jeder strebten der erste 
zu sein, haben sie solche dinge unternommen, e£ chv rillet re 
nolld . . . rjviaQ7t'j&i] , neu 6 ig JZ/xsliav nlovg. Also gefehlt 
wurde schon dadurch , daß man nach Sicilien zog , wenn auch 
der Schriftsteller, um dem Alkibiades gerecht zu werden, hinzu- 
setzt: hg ov Toaoinov yvcofxrjg auvQT?ji.ta r\v nqhg ovg snijsaav, 
oaov oi ix7TBii,xpav7eg ov tu noöccpooa zotg oliopitvoig miyiyvcß- 
axoiTsg xzl. , daß diese Unternehmung nicht in dem maße ein 
fehler im plane war, wie durch die hinterher gefaßten beschlüsse. 
Aber wiederum auch diese nachfolgenden beschlüsse kommen 
auf des Alkibiades rechnung, der sie durch den verdacht seiner 
tyrannis zu wege gebracht hat, Thukydides urtheilt also hier 
an beiden stellen im sinne der politik des Perikles, wie er diese 
ß 65 A r orher dargelegt hat und mit den worten abschließt, z. 10 
zw.: zoaovzov zw IlsQiy.lai insQi'aasvae zoze aqp' <hv avzovg ttqo- 
syvco xai navv av gaSicog TzsQiysvsa&ai zmv nelonotvijaicop av- 
räv zw nolifxcp. Aber freilich unser verf. weiß es anders und 
er weiß mehr. Perikles selbst, sagt er, hätte bei längerem leben 
nach dem lauf der dinge seine politik nach außen wie im innern 
geändert, oder, wenn er dazu in sich keine neigung verspürte, 
das lieft der Staatsleitung in andere hände abgegeben, nach außen, 
um gegen den feind neue kriegsmittel zu gewinnen , im innern, 



12 4. Aristoteles. Nr. 1. 

um die safte des Staatslebens nicht stockig und faul werden zu 
lassen ; von der defensive mußte zur offensive übergegangen wer- 
den. Mit bloßen allgemeinen betrachtungen aber , wie es diese 
sind, ist ein Thukydides, ist ein Perikles nicht widerlegt. Der 
peloponnesische krieg war auch bisher von den Athenern nicht 
bloß defensiv, er war auch offensiv geführt. An den küsten 
rings um den Peloponnes hatten sie schon ihre festen acpog/xai 
eingenommen, Pylos, Kythere, Minoa, Methone, und von da sollte 
es dann rw nt£,cp äpa ex yrjg icpog/xaig ins innere gehen und so 
dem gegner die kehle zugepreßt und der athem benommen wer- 
den. Aber Alkibiades trieb nach Sicilien und hat gerade da- 
durch erst sich und dann mit sich durch seinen stürz auch den 
staat dem verderben zugeführt. 

Von den drei folgenden rettungen sollen sich die beiden 
letzten die eine mit Alkibiades nach seiner Wiedereinsetzung, die 
andere mit seinem verhältniß zu Sokrates beschäftigen. Ich 
wüßte nicht, was da gerettet zu werden braucht. Nach seiner 
wiedereinsetzuug ist Alkibiades der herkulische ringer und held, 
der aller ganze und unsterbliche bewunderung hat, und das ver- 
hältniß des Alkibiades und Sokrates zu einander ist so rein und 
lauter, daß es nicht bloß diese beiden männer mit neuer ehre 
umstrahlt, sondern überhaupt zeigt, wie solcher freundschaftsbund 
zwischen alt nnd jung seine weihe haben konnte. Die zweite 
rettung aber, die in aussieht gestellt wird, des Alkibiades über- 
tritt zu Sparta, scheint der art, daß man sie, meine ich, nicht 
unternehmen darf, so lange Vaterland und moral nicht leere 
namen sind. L. Herbst. 

4. Quae ratio inter vetustam Aristotelis Rhetoricorum trans- 
lationem et Graecos Codices intercedat. Dissertatio inauguralis, 
quam ad summos in philosophia honores ab amplissimo philoso- 
phorum ordine universitatis Wirceburgensis rite capessendos scri- 
psit Leonardus Dittmeyer. Monachii MDCCCLXXXIII. 
68 p. gr. 8. 

Lange glaubte man, daß die Aristotelische rhetorik ledig- 
lich in zwei stammen überliefert sei, dem ältesten und zweifels- 
ohne weitaus besten codex A c (Paris. 1741) und der gesammt- 
heit der übrigen handschriften , und daß der text ausschließlich 
aus A c herzustellen sei, so weit das hier dargebotene nur irgend- 



Nr. I. 4. Aristoteles. 13 

wie logisch und grammatisch möglich erscheint und nicht lttcken 
aus der anderen familie auszufüllen sind. Auf die äußerste spitze 
getrieben ist dieser grundsatz in Spengels ausgäbe. Ob freilich 
nicht mancher bloße Schreibfehler des codex oder seiner vorläge 
dadurch hier das bürgerrecht erhalten hatte, durfte von vorn 
herein bedenklich erscheinen; noch bedenklicher war es, daß die 
mittelalterliche lateinische Übersetzung zwar häufig mit A c , aber 
doch auch mindestens nicht seltener mit den vulgathandschriften 
übereinstimmt, aber man beruhigte sich bei Spengels wahrschein- 
lich klingender erklärung, daß dieselbe aus einem mit A c ver- 
wandten, aber nach einem exemplar der anderen familie corrigir- 
ten codex geflossen sei. Mit dieser annähme hatte es jedoch ein 
ende, als Vahlen (Ehein. mus. XXII, 1867, p. 102 f.) darauf 
hinwies, daß die vetusta translatio außerdem noch eine reihe ihr 
eigeuthümlicher , vielfach höchst beachtenswerther lesarten aufzu- 
weisen hat, und daß sich dieselben zum theil auch in A c von 
der nur im ersten buch erscheinenden hand des ältesten correctors 
beigeschrieben finden. Den unabweisüchen schluß hieraus , daß 
die alte Übersetzung einen dritten und keineswegs werthlosen 
stamm der Überlieferung darstellt, sprach Vahlen wenigstens so 
ausdrücklich noch nicht aus ; jetzt aber ist die richtigkeit des- 
selben durch Dittmeyers sorgfältige und verständige arbeit über 
allen zweifei erhoben worden. Spengel benutzte für seine aus- 
gäbe dieser alten, von Wilhelm von Moerbeke herrührenden Über- 
setzung außer den notizen von Vettori eine Münchener handschrift 
M (306) und den alten venetianischen druck vom jähr 1481, 
aber, wie Dittmeyer bei der nachvergleichung fand, oculorum in- 
firmitate impeditus non satis accurate excussit, und es ergab sich 
ferner, daß in der Münchener bibliothek noch eine zweite, von 
Dittmeyer verglichene handschrift (8003 = m) ist. Der verf. 
theilt zunächst die ergebnisse dieser neuen vergleichung mit (p. 
1 — 29), benutzt dann (p. 30) auch die von Jourdain gegebene 
probe aus einer Pariser handschrift zur herstellung von ein paar 
stellen, berichtigt hierauf (p. 31 — 37) eine reihe von irrthümern, 
welche Spengel bei der herausgäbe der Übersetzung sowie bei 
der erschließung der ihr zu gründe gelegten griechischen lesarten 
begangen hat (wobei ich nur 1359 b, 37 = 192, 29 Sp. Ditt- 
meyer nicht beistimmen kann), und theilt endlich (p. 37 — 41) 
mehrere richtige conjecturen mit. Hierauf folgt denn nun der 



14 4. Aristoteles. Nr. 1. 

beweis, daß es sich mit dem Ursprung der translatio wirklich in 
der angegebenen weise verhält : es wird eine auswahl von stellen 
gegeben, an denen dieselbe auffallend mit den andern handschrif- 
ten (p. 42 — 45), und von andern, an denen sie eben so auffallend 
mit A c übereinstimmt (p. 45 — 47), und schließlich, was die haupt- 
sache ist, werden die sämmtlichen eigenthümlichen lesarten der 
Übersetzung im ersten buche *) zusammengestellt (p. 48 — 68). 
Dabei ergiebt sich, daß uns außer jenem corrector von A c auch 
noch eine dritte spur von dieser dritten Überlieferung geblieben 
ist, indem nämlich auch der anonyme , bei Neobarius herausge- 
gebene commentator einen wenigstens theilweise ähnlichen codex 
vor äugen gehabt hat wie der Übersetzer. Das gesammtresultat 
aber bezeichnet der verf. (p. 68) vollkommen richtig dahin : es 
giebt stellen , an welchen der text lediglich nach dieser dritten 
quelle, es giebt andere, an welchen er lediglich nach den schlech- 
teren handschriften , es giebt sehr viele , an denen er lediglich 
nach A c zu gestalten ist : A c ist und bleibt die hauptquelle, aber 
Spengel ist in seiner ausschließlichen bevorzugung dieses codex 
viel zu weit gegangen, und in allen zweifelhaften fällen ist viel- 
mehr der grundsatz zu befolgen : si trium testium , qui ex eodem 
fönte, archetypum dico, Tiauserunt, duo idem praebent, auctoritate ple- 
rumque plus valent quam tertius ; doch ist selbstverständlich die 
alte Übersetzung mit großer vorsieht anzuwenden, und vor allem 
ist ihr Wortlaut durch benutzung anderer handschriften von ihr 
genauer als bisher festzustellen. Dittmeyer schließt : atque hoc 
proximum meum erit munus , und ich füge hinzu , daß zu diesem 
zwecke besonders ein höchst werthvoller Wiener codex zu ver- 

1) P. 1354 a, 12 adepti sunt. Dittmeyer meint aus guten gründen — 
Tsrv%riX(tGii>, aber mg. A c hat ntnoQixaciv und das ist entscheidend, 
wenn dies von der hand jenes ersten correctors ist. — 1355 a, 10 steht 
nach Vettori auch am rand von A c n&Qiaobv Ivmv&a ?o de. — 1356 a, 
25 7t] (AtQog n vet. trsl., exhibet etiam mg. A c prima manu: ich weiß 
nicht, woher Dittmeyer dies hat ; jedenfalls dürfte dann statt prima 
manu wieder rc. corr. 1 das richtige sein. — Auf weitere einzelneren 
kann ich hier nicht eingehen, manches zweifelhafte hat Dittmeyer 
mit aufgenommen, das ist ganz recht, aber es hätte wenigstens das 
zweifelhafte auch überall als solches bezeichnet werden sollen. Je- 
denfalls ist des guten zu viel geschehen: mir wenigstens ist es z. b. 
gar nicht zweifelhaft, daß Wilhelm 1356 b, 13 diixwo&at, las, obgleich 
er ostendere schreibt, s. Busse De praesidiis Aristotelis Politica emen- 
dandi, Berl. 1881, p. 25 f. Anderes fehlt, z. b. 1359 a, 20 y«p post 
Okvfimcc add. vet. trsl. et mg. rc. 1 Ac (was Spengel und Bekker 3 mit 
recht aufgenommen haben). 



Nr. 1. 5. Epikuros. 15 

gleichen ist, und indem ich mit aufrichtigem dank von dem verf. 
scheide, spreche ich zugleich die hoffnung aus, daß niemand die 
rhetorik aufs neue herausgehen wird anders als auf grund einer 
neuen, his ins kleinste genauen collation von A c , wie sie Vahlcn 
besitzt, aber auch nicht ohne neue revision der übrigen Bekker- 
schen handschriften an einzelnen stellen und auch nicht ohne 
eine neue vergleichung der Aldina, und ohne daß mit der alten 
Übersetzung jenes proximum munus Dittmeyers vorgenommen ist. 
Denn nur dann kann eine solche neue aiisgabe wirklich von 
wei'th sein. Fr. Susemihl. 

5. Epikurs brief an Herodot § 68 — 83 übersetzt und er- 
läutert von dr. A. Brieger. Halle 1882. 28 p. 4. (Gym- 
nasialprogramm.) 

Unter den erhaltenen resten von Epikurs Schriften bedarf 
kein anderer in höherem maße der eingehendsten und mühselig, 
sten sacherklärung als der „kleine auszug" aus der physik in 
form eines briefes an Herodotos bei Laert. Diog. X, 35 — 83, 
und gewiß kann niemand mehr berufen sein, sich an diese auf- 
gäbe zu wagen, als Brieger, dem selbst der neid es lassen muß, 
daß er zu den besten kennern des Lucretius und anderer uns 
gebliebener denkmäler epikureischer Weisheit gehört. Bisher setzte 
ferner der gerade hier völlig unbrauchbare zustand des in un- 
seren ausgaben fortgepflanzten textes einem solchen unternehmen 
unübersteigliche hindernisse entgegen, aber 1877 hat Bonnet im 
Bhein. mus. XXXII, p. 578 ff. die lesarten der sechs wichtig- 
sten handschriften veröffentlicht und 1881 Usener auf grund die- 
ser Codices eine textrecension der zehn ersten §§ (34 — 44) ge- 
liefert und zugleich vom ganzen versprochen. Man glaubt es 
Brieger auf sein wort, daß er lieber die erfüllung dieses Ver- 
sprechens erst abgewartet hätte; daß er dies nicht thun konnte, 
bringt indessen mindestens den vortheil mit sich, daß nunmehr 
seine probe umgekehrt für die neue kritische ausgäbe von nutzen 
werden kann. 

Brieger schickt einige treffende bemerkungen über den ge- 
sammtcharakter des briefes voraus (p. 6 — 8), in denen er kurz, 
aber einleuchtend nachweist, daß der letztere keineswegs zu den 
besten schriftstellerischen arbeiten des Epikuros zählt, sondern 
mit großer flüchtigkeit und nachlässigkeit abgefaßt ist. Im zu- 



16 5. Epikuros. Nr. 1. 

sammenhang hiemit setzt Brieger Useners annähme einer lücke 
in § 43 begründete bedenken entgegen. Außer dieser für ge- 
übtere (35) bestimmten piHgä imtofitj ngog 'Hgodorov (85) hatte 
Epikuros nach dem zeugniß der eingedrungenen schoben § 39. 
40. 73 und indirect seinem eigenen § 85 auch einen „großen 
auszug" (ßsydXr] inizofir}) geschrieben, und wenn schon hieraus 
erhellt, daß dies letztere compendium vielmehr auf anfänger be- 
rechnet war, so macht Brieger im höchsten grade wahrschein- 
lich, daß Epikuros dies selbst im anfang des erhaltenen kürzeren 
(35) sagt und hier selbst bezeugt, daß es vor diesem geschrieben 
ist. Denn Briegers Verbesserungsvorschlag avtog nagsaxevaaa 
für das verderbte handschriftliche amolg ■naQtoxsvaaa (naga- 
anhaaa mit folgender rasur hat nur ein codex, freilich der 
älteste) liegt der Überlieferung näher und ist dem Zusammenhang 
ungleich entsprechender als der Useners av rig naguaxsvaaai , ja 
man darf ohne Übertreibung sagen : seine richtigkeit ist fast 
zweifellos. „Wenn aber die große Epitome vor der kleinen be- 
stand, so kann es" wiederum „kaum einem zweifei unterliegen, 
daß die letztere aus der ersteren excerpirt, also ein auszug eines 
auszuges ist. Daraus dürfte sich manche eigenthümlichkeit der- 
selben erklären". 

In der nunmehr folgenden eigentlichen hauptmasse seiner 
arbeit hat Brieger die höchst zweckmäßige, ihm viel unnütze 
worte, seinen lesern viel zeit und mühe sparende einrichtung 
getroffen, das ganze in abschnitte zu theilen und jedem derselben 
eine Übersetzung des entsprechenden stücks nach seiner texther- 
stellung voraufzuschicken, um dann jedesmal die auseinander- 
setzung und begründung dieser herstellungen und herstellungs- 
versuche in Verbindung mit dem commentar folgen zu lassen. 
Auf einzelheiten einzugehen ist in der kürze nicht thunlich, ich 
muß mich daher mit der allgemeinen bemerkung begnügen, daß 
ich mich nach gewissenhafter prüfung dem verf. überall für 
reiche belehrung verpflichtet fühle, und daß nach meiner Über- 
zeugung ein jeder, der interesse an der sache nimmt, ihm 
auf das lebhafteste dankbar sein muß für den dargereichten 
Ariadnefaden in diesem labyrinth. Daß sich über manches strei- 
ten läßt, weiß Brieger selbst am besten und spricht es unum- 
wunden aus, läßt es auch stets unverhohlen, wo er selber keinen 
rath weiß. Aber wie seine erklärungen so sind seine conjecturen 



Nr. I. 6. Hippokrates. 17 

ausnahmslos beachtenswerth , großentheils sicher. Nicht zum 
wenigsten glücklich ist er in dem nachweis und, so weit es 
überhaupt möglich ist , der ergänzung zahlreicher lücken. Ein 
auffallender irrthum ist die behauptung , Aristoteles habe die 
weit als ein £qjov angesehen (p. 15), während derselbe bekannt- 
lich vielmehr die (platonische) annähme einer weltseele eingehend 
bestreitet ; daß er sich die sache zwar trotzdem verwandt , aber 
doch anders, und wie er sie sich dachte, kann man gerade aus 
der vom verf. fälschlich für seine meinung citirten stelle bei 
Zeller Phil. d. Gr. II 3 , 2, p. 455 f. und aus dessen vorangehen- 
der ausführung p. 422 f. auf das beste ersehen. Um endlich 
doch wenigstens etwas eigenes zu sagen, so stimme ich zwar 
Brieger (p. 8) vollständig darin bei, daß § 69 in den worten: 
fßOHSQ orav s| avtäv tä>v oyxmv [*eil,ov a&QOißfia ovozy, tjtoi imv 

7JQ007COV 1J TCÖJ' 70V olov < [i£V £%6t703V 71JV (fVGlT^ [AtyE&WV, Z(X>V 

Ö£ <(>Qatmv> 7/*os' iXartöiHßV) wie unter zwc 7iqg>7k>v die eigent- 
lich von Epikuros so genannten oyaot, die atomentheile, so unter 
täv 70V oXov y..7.X. die atomenganzen zu verstehen sind; wenn 
man aber die p. 13 f. gesammelten beispiele vergleicht, in denen 
Epikuros ausdrücke des seins prägnant für ausdrücke des den- 
kens setzt, so wüßte ich nicht, warum man nicht auch hier ein 
gleiches annehmen könnte, und was also der alle Schwierigkeiten 
beseitigenden erklärung: „mag man nun dabei an die eigentli- 
chen molekülen oder an die atome denken" oder mit andern Wor- 
ten : „bei der Zerlegung bis in die letzten grundbestandtheile 
oder nur bis in die atome zurückgehen" im wege stände. Und 
§ 73 verstehe ich unter naaav avynQiaiv nenFQaGfii-frjv im gegen- 
satz zu den Weltsystemen (nöafxoi) deren theile, die gestirne, die 
unorganischen körper, die einzelwesen. Endlich zu § 78 to ev- 
8t%o^irag xat allcog neos s%eiv war daran zu erinnern, daß 
Aristoteles in etwas anderem sinne bekanntlich ih ivSex6/j,£i>ov 
xai a),lo)g £%£iv als kunstausdruck für das wandelbare dasein 
gebraucht, was doch wohl auch dem Epikuros trotz des Unter- 
schiedes hiebei vorgeschwebt haben wird. Fr. Susemihl. 

6. Ioannes Ilberg, studia pseudippoeratea. Leipziger 
doctordissertation. Leipzig, Teubner 1883. 8. 64 p. 

Nach einem überblick über die litteratur, welche den Zu- 
sammenhang der hippokratischen Schriften mit der griechischen 
Philol. Anz. XIV. 2 



18 6. Hippokrates. Nr. 1. 

philosophie betrifft, geht verf. auf die frage nach den in dem 
buche negl aQ^alrig tijTQix/jg bekämpften Sophisten und den in 
die medizin eingeführten philosophemen ein, wie sie zu anfang 
jtsqI cpvaiog av&Qconov erwähnt werden. Auf welche philosophen 
gehn dieselben zurück ? namentlich die angäbe , daß die erde 
allein das urelement sei ? Ilberg kommt in dieser frage gegen 
Galen in so fern weiter, als er an dem beispiele des commenta- 
tors Sabinus zeigt , wie die alten durch miß Verständnis dessen, 
was über die lehren der älteren philosophen überliefert wurde, 
wie in diesem falle durch Hippolyt über Xenophanes, zu solchen 
falschen angaben kommen konnten. 

Zu den Schriften, die in den büchern nsgl cpia. äv&g. und 
nsgl aQ%. Itj-iq. bekämpft werden, gehört, wie schon Littre VI, 88 
sah, das buch nsgl cßvodöv, in welchem die luft als das alleinige 
lebensprincip und die alleinige Ursache der krankheiten ange- 
geben wird. Bei mehrfacher Übereinstimmung mit Anaximenes 
und Diogenes von Apollonia findet sich ein scharfer gegensatz 
gegen den letzteren in § 14, wo dem blute der hauptantheil an 
der denkkraft zugeschrieben wird, während Diogenes dieselbe aus 
der luft herleitet. Ilberg hebt nur diese eine abweichung her- 
vor , ich erlaube mir noch auf einige andere aufmerksam zu 
machen : Von der beseelung und dem vernünftigen denken , wie 
es Diogenes seinem demente zuschreibt , läßt sich in unserer 
schrift keine spur nachweisen. Hier ist unter luft, mag sie 
nvevy,a oder q>vaa oder arjQ heißen, schlechthin die von uns ein- 
geathmete atmosphäre mit ihren Veränderungen und bewegun- 
gen , sowie auch als dampfförmige feuchtigkeit zu verstehen. 
Ich halte es für Avahrscheinlich , daß unser autor in diesen Vor- 
stellungen nur dem Anaximenes gefolgt sei. Dafür sprechen 
noch einige andere indicien : Anaximenes sagte : die luft sei im 
ruhigen und gleichmäßigen zustande für das äuge nicht wahr- 
nehmbar, an der kälte jedoch und an der wärme, an der feuch- 
tigkeit und an den Strömungen erkenne man ihr dasein, s. Zeller 
I, p. 220, anm. 3. Ebenso unser Verfasser § 3 : Nach einer schif- 
derung von der gewalt der luftströmungen heißt es da: alXa 
\kh\v iazt ys ty fxsv o\psi äqiarijg , tw ds Xoyiapäj cparsgög (wo 
zugleich die Unterscheidung einer geistigen und einer sinnlichen 
Wahrnehmung nach der weise der vorsokratischen denker zu be- 
achten ist) . . . tovto xul %EiiAoot>og Kai ÖEQUog aifior, iv [tev t<jjT 



Nr. 1. 6. Hippokrates. 19 

yei/Amvi nvv.vov x«i \pv%gd>> yevöfAtvor, iv 8s zcp &sgti ngtjv xai 
yah]v6v. Ferner sagt Anaximenes , die luft umfasse die ganze 
weit, s. Zeller I, p. 221. Dasselbe wird in unserer schrift sehr 
energisch durch folgende sätze hervorgehoben: §3: ri yag dvtv 
tovts'ov ysvaixo o.v ; )} ztvog ovzog ansattv ; // iivi ov <-v[A7zag£ß7iv; 
anav yag zo fisra^b yijg zs xal ovgavov nvsv\iazog s\inlsöv iaziv 
und zu ende des § : xsvsöv zs ovSiv iaziv zovzov. Wenn sich 
ferner unser Verfasser die Vielheit der erscheinungen nur durch 
die Verschiedenheit des ortes erklärt, so dachte sich auch Anaxi- 
menes die luft als unveränderliches substrat ; nur ihre beständige 
bewegung brachte eine unendliche mannigfaltigkeit der erschei- 
nungen hervor, s. Zeller a. a. o. 

Auch der ausdruck deckt sich, wenn der gedanke des Anaxi- 
menes, daß die erde vermöge ihrer platten gestalt in der luft 
schwebe, vergl. Zeller I, p. 226 und Hippolyt. Refut, haer. I, 7 
7tjv 8s yijv nXaztiuv sivai in' 1 dsoog o^ovfASitjV sich in unserer 
schrift ende § 3 in der fassung wiederfindet: die luft sei zTjg yrjg 
o^ijua. Es ist demnach sehr wahrscheinlich , daß auch die in 
demselben § ausgesprochenen gedanken , daß die luft der sonne 
und den gestirnen zur nahrung diene, ferner daß das meer luft 
enthalten müsse, da die schwimmenden thiere nicht in demselben 
würden leben können , wenn sie nicht luft aus dem meerwasser 
einzögen, welch letzterer gedanke zuerst zu Diogenes angeführt 
wird , auch dem Anaximenes beigelegt werden müssen , zumal 
Diogenes auch in vielen anderen dergleichen punkten auf den 
schultern des Anaximenes stand und bereits Anaximander ähn- 
liches gelehrt hatte, s. Zeller p. 206 und 245. Einen einfluß 
des Diogenes anzunehmen nöthigt uns in dem ganzen buche 
nichts. Ich bemerke dies zugleich gegen Weygoldt, Neue jahrbb. 
bd. 123, p. 510. Von Diogenes ist ganz abzusehen, und es ist 
fraglich , ob man den Apolloniaten einer solchen inconsequenz 
beschuldigen darf, wie Galen, de plac. Hippocr. et Plat. II. a. E. 
(V, p. 283 K.) : xal abzog {^/loytvrjg) snilav&avöusvog zäv oi- 
xsioav öoyuüzmv aluä qiijatv shat zijv ipv%t]t> cag 'EfxnsSoxlijg xal 
Kgizi'ag vneXaßov. 

Dagegen läßt sich der einfluß des Empedokles noch weiter 
als bloß in der angäbe § 14 über die bedeutung des blutes als 
hauptträger der (pgövrjGtg erkennen. In der krankheitstheorie 
wird die Ursache der erkrankung meist in der einwirkung der 

2* 



20 6. Hippokrates. Nr. 1. 

luft auf das blut, den träger der wärme im menschlichen körper, 
gesucht. Diese einwirkung ist eine ähnliche wie die des qslsyfia 
in De morb. I. So wird Schüttelfrost durch eine geringere, starr- 
frost durch eine schon bedeutendere ahkühlung des blutes durch 
die luft erklärt. Uebermäßiges eindringen der luft in den kör- 
per wird hauptsächlich durch übermäßiges essen und trinken 
herbeigeführt. Denn wie in allen dingen , so ist auch in speise 
und trank luft enthalten (§ 7 und 8). Die beschreibuhg der hier- 
bei vorkommenden blutbewegungen beruht auf denselben Vor- 
stellungen wie die respirationstheorie des Empedokles : das ein- 
dringen der luft (des athems) in den körper und das zurück- 
weichen des blutes nach dem innern einerseits , das ausathmen 
und die ausdehnung des blutes im innern andrerseits stehen in 
steter Avechselwirkung, vgl. Emped. v. 348 — 350 und 364 Mullach. 
Schauerfrost und zittern beruhn nach unserer schrift auf einem 
höheren grade derselben Wechselbewegung, vergl. § 8 a. a. 'Ev 
ös zyai q>ginrjai aal öl zgöfxoi zov awfiazog xaza zorös yltorzai 
iov zgönov. zo aifia qioßsöfxsvov zijv nagovaav q>gi>tip> %vvTge%ei 
xai öiataasi Öia navzog zov owfiazog ig zu &sg[xözaza alzov. 
xa&akXopepov ös iov aifiazog in zätv axgaiTjjgicov iov atafiaiog 
ig ik caXäyxpa, igepsovoi (so ist mit der ältesten handschrift 
Parisin. A zu lesen). — Uebereinstimmend mit De morb. I, 25 
wird dann die entstehung des Schweißes aus dem blute erklärt, 
aber der Vorgang Avird liier ausführlicher beschrieben. Von dem 
erhitzten blute sondern sich die feuchten theilchen in form von 
dämpfen (in diesem sinne kommt hier § 8 nvsvfxa vor) ab ; diese 
schlagen sich in den schweißlöchern des körpers in form von 
wasser nieder: zimszai yag (io aipa) nvgoifisvov, aal ylrszai 
nvsviia «§ avzov ' iov ös nvsijjiazog ngogninzovrog ngbg zovg 
nögovg iov aoofxazog, ol lögmzeg yivovzai. io yag nvsvfia %vvi- 
Gidfisvov ig vöwg %ehai xat öicc zäv nogmv öis^sX&bv s£co ns- 
gaiovzai xzl. Damit vergl. Pseudogalen . de bist. phil. c. 36, 
XIX. p. 338 K. 'E/jneöoxlijg . . . lÖgäza not öängvov yivsa&ai 
iqxofAstov zov alfxazog xat ntgl zb lenzvrsö&ai dia%eofisvov. Es 
ist demnach hervorzuheben, daß der Verfasser von nsg). qvacöv 
sich trotz seiner Versicherung in § 3 gar nicht streng an das 
einheitsprincip gehalten hat. Die luft ist ihm wohl hauptbedin- 
gung für das leben, neben ihr erscheint aber bald das blut in 
seiner normalen beschaffenheit als mitträger der gesundheit und 



Nr. 1. 6. Hippokrates. 21 

.sogar als hauptsitz des denken*. Dem blute gegenüber hat die 
luft eiue ähnliche ätiologische bedeutung wie schleim und galle 
in De morb. I. In seiner pneumatheorie ist der Verfasser dem 
Anaximenes gefolgt, hat aber dann den diesen philosophen ent- 
nommenen Vorstellungen empedokleische beigemischt. 

Im stile stellt Ilberg diese schrif't mit den erzeugnissen der 
Sophistenschulen zusammen , besonders vergleicht er sie wegen 
ihrer förmlicbkeit in den übergangen mit dem ^Eyxcü/Aiov l E)J.vt]g, 
das dem Georgias zugeschrieben wird. Ich bemerke indessen, 
daß sich dieselbe erscheinung auch in andern Schriften der Samm- 
lung findet, die für echt gelten, z. b. sehr ausgeprägt in De aere 
aqu. loc. Auch eine reihe von antithesen , parechesen und der- 
gleichen figuren führt Ilberg auf die von Gorgias erfundenen 
Giratar u zurück. Interessant ist der nachweis des hier und da 
hervortretenden jambischen, trochäischen, anapästischen etc. rhyth- 
mus. Eine stelle aus dem proömium p. 90, bei Eusebius citiert, 
wurde von Valesius für würdig der sophokleischen oder äschy- 
leischen muse erachtet. 

Das l'esultat der Ilbergschen forschung", die schrift neol 
qvacöi sei das werk eines Sophisten, ist an sich nicht neu, er- 
hält aber durch die umsichtige und breit angelegte Untersuchung 
des verf. eine neue beleuchtung und bestätigung. Im 2ten theile 
der dissertation wird nachgewiesen, daß Ermerins die drei Schrif- 
ten Nöfiog, 7T£g} tgyvrjQ und tisq) aQ%uit]i; f'z/roix^t,' mit unrecht 
einem Verfasser zugeschrieben und zu einer abhandlung zusam- 
mengezogen habe. Die Zusammengehörigkeit dieser drei bücher 
wird weder durch die in den handschriften erhaltenen kataloge 
der Sammlung bewiesen , denn den handschriften , auf die sich 
Ermerins beruft, stehen Vaticanus 276 (12. jahrh.) und Parisinus 
2146 gegenüber, wo ein altes Verzeichnis erhalten ist, in dem 
negl Üq%. iqzQixijg und nsg} Jtprjg weit vom Nofxog getrennt stehen, 
noch durch die spräche gerechtfertigt. Verf. zeigt, wie der dialekt 
in den formen in den echten wie in den unechten Schriften schon 
vor Galen in Verwirrung gebracht war. Es ist dies um so glaub- 
hafter, als ja schon ein theil unserer textes Varianten dem Galen 
vorlag. Wenn also zwischen den drei büchern in den formen 
keine wesentlichen dialekt -discrepanzen vorkommen, so kann dies 
unter solchen umständen noch kein beweis für ihre Zusammenge- 
hörigkeit sein. Mit demselben rechte müßten De aere aqu. loc. 



22 6. Hippokrates. Nr. 1 . 

und De morbo sacro einem Verfasser zugeschrieben werden, da sie 
in den formen keine ab weichungen bieten, außer daß dort immer 
qSjg, in De morb. sacr. immer «j/pim nominativ überliefert ist, wes- 
halb die Littre'sche conjektur VI, 394 fallen muß. in rq> i]?qi ist 
dort als Wiederholung aus der zeile vorher mit Ilberg zu streichen. 

Beträchtliche unterschiede findet verf. in dem gebrauche ein- 
zelner ausdrücke. In dem sehr kurzen Nöfxog werden 7 unzwei- 
felhafte jonismen gezählt, aus der weit längeren schritt ttsq) rgp//ff 
blos slivvft angeführt, Beide Schriften sind dagegen einander 
ähnlich in dem reichlichen gebrauche von antithesen, paronomasien 
und dergl. rhetorischen figuren, die sich in nsfji, aQ%. Iijzq. nur 
spärlich finden. Ilberg faßt daher sein urtheil dahin zusammen : 
Tria opuscula ab Ermerinsio confidenter conglutinata tribus auctori- 
bus esse reddenda, quorum ei qui rofxov cornposuerunt et negi rr^vijg 
libellum sophistarum utebantur dicendi artificiis. Der Nöpiog ist 
eine in sich abgeschlossene schrift, in deren dreitheilung der einfluß 
des Gorgias, in deren haupttheil über die 6 erfordernisse zur 
erfolgreichen ausübung der kunst der dem Protagoras zugeschrie- 
bene satz cpiaecog xat daxi'jascog diSaoxaliu deirai. neu anb tso- 
rytog de otQt-ctfietovg 8siv fxav&ävstv (Cramer Anecd. I, p. 171) 
zu erkennen ist. Der Zusammenhang der bücher negl tsxvijQ und 
nsgl <xq%. itjZQ. ist durch die in beiden hervortretende liebhaberei 
für gewisse worte und begriffe nicht nur nicht erwiesen (der 
verf. zeigt dies an dem gehrauche von sigCansir, nach welchem 
man negi Siaitrjg d demselben Urheber zuschreiben müsse) , son- 
dern ganz ausgeschlossen. Der Verfasser von nsglrip'^g ist ein 
iatrosophist, der in der dialektik dem Melissos folgt und durch den 
gebrauch des wortes u8og = ova(a (in De aere aq. loc. bedeutet 
es nur „aussehen") seine bekanntschaft mit Piaton verräth. Was 
in nsgl Tep'ijg über den ausschluß der ivpi von der ärztlichen 
kunst gesagt wird , hält Ilberg für nachahmung ähnlicher erör- 
terungen in der schrift De locis in homine, ob diese letztere 
aber dem Piaton bekannt gewesen sei, halte ich nicht für er- 
wiesen (vergl. Piniol, anzeiger XIII, p. 706). "Während also der 
Verfasser von tteqi re'p'yg ein sophist ist, der aus Melissos und 
Piaton schöpfte, war der von ttsq} aQ%. iijtq. ein arzt, der die 
aus den lehren der älteren philosophen, namentlich des Empe- 
dokles *), in die medizin eingeführten theorien bekämpft und eine 

1) 'AXXä lovxo tfil XttTct/ucc&tlv tbv fjiilXovta ogfrwg &fganeveip roig 



Nr. 1. 6. ffippokrates. 23 

gesundheitslehre vorträgt, welche der erfahrung rechnung tragend 
auf dem boden der alkmäonischen isonomienlehre steht. Gegen 
die letztere ansieht, die schon von Littre I, 562 aufgestellt und 
durch Ilberg's Untersuchung bestätigt wird, wird sich schwerlich 
etwas einwenden lassen, wie aiich in der ganzen frage dem Ver- 
fasser gegen Ermerins recht zu geben ist , wenn auch einzelne 
«eiuer argumente an sich mir nicht zwingend erscheinen wollen. 
Betreffs des A'r'</ru' möchte ich noch auf eine eigenthümliehkeit 
hinweisen, nämlich auf die Vorstellungen und aiisdrücke, die aus 
den kreisen und der spräche der Mysterien entnommen sind. 
Wenn es am ende heißt : tu de iegu sottu ngrfl\iuTa iegolöiv 
icrügmnoiGi dtixivzut.' ßsßtjXoiai <5f, ov ß-tfit^ , ng\v /} te).sg&wgiv 
boylotoiv iniar^fitjg, so klingt das gerade, als wollte der Verfasser 
die ärztliche kunst mit dem nimbus der heiligkeit umziehen, 
welche mystische culte besaßen oder beanspruchten. Zur hebung 
des vielfach geschmähten ärztlichen Standes scheint es ihm noth- 
wendig , die zunft , deren bild nach der alten eidformel er vor 
äugen hatte, wieder zu beleben und nach außen abzuschließen. 
In dieser abgeschlossenen gemeinschaft soll die kunst gepflegt 
und vor profanierung gehütet werden. In diesem gedanken 
schwebte dem Verfasser der brauch der mysterien vor. Nur 
wer in diese genossenschaft aufgenommen und in die von ihr be- 
wahrten geh einmisse der kunst eingeweiht ist, aus dem kann ein 
angesehener arzt werden. Die lehren (öoj',««r«), Avelche die na- 
türliche anläge (yvGtg) durch die schule empfängt, Averden mit 
Samenkörnern verglichen , die dem schoße der erde anvertraut 
werden (vergl. § 3). Sowohl das bild als auch der ausdruek 
dcyfta scheint orphisch -mystischen kreisen entnommen zu sein, 
vergl. Zeller, Philosophie der Griechen I, p. 50, anm. In dem 
oben citirten satze sind ße'ßijXog (vergl. Lobeck, Aglaoph. I, p. 441 

urd-gmnovg. itlvn dt ctvnoißiv b Xöyog slg <fi\o6oyiuv y.ü&untg 'Efxntdoxlrjg 
rj aXkoi, oi' ntgi (fvGiog ysyprifjaoiv lf (tQX^ on ^Giiv iiv&goinog. Diesen 
satz hat Littre aus dem ältesten Parisinus, in dem allein er ihn fand, 
zuerst herausgegeben. Es scheint die ansieht zu bestehen, daß die 
worte sonst nirgends handschrittlich überliefert seien (vergl. Gomperz 
Beiträge zur erklärung und kritik griech. Schriftsteller III , p. 29). 
Es sei deshalb bemerkt, daß der betreffende satz auch im Marcianus 
269 (12. jahrh.) im texte steht, wie überhaupt dieser codex für unsere 
schrift auffallend mit Paris. A stimmt und mit demselben die hand- 
schriftliche grundlage für das buch ntgl ccg^- 'Vp- bildet. Ilberg ist 
durch eine neue vergleichung der 6 ersten capitel im Marcianus zu 
demselben resultate gelangt. 



24 7. Tibullus. NV. I. 

und 450 — 454) und rtltia&ai unzweifelhaft orphisch-mystische 
ausdrücke. Dasselbe gilt wohl auch von inrjßoXng § 2 und dem 
letzten wort von § 2 ßatös, welches in der prosa sonst nirgends 
vorkommt, wohl aber von Nonnos einigemale gebraucht wird. 

In einem epimetrum über die handschriftliche grundlage zu 
nsgi ag%. ujto. gelangt Ilberg zu dem in der anmerkung mitge- 
theilten richtigen resultat. Hierbei bemerkt Ilberg die Dietz'- 
sche collation des Marcianus 269, welche ihm zur hand war, 
scheine an genauigkeit manches zu wünschen übrig zu lassen. 
Ich kann dies urtheil aus eigener erfahrung bestätigen. Ueber- 
haupt ist eine neue zuverlässige collation der italienischen Hip- 
pokrateshandschriften nothwendig. Auch Littre giebt z. b. zu De 
cap. vuln. die lesarten des werthvollen Med. 74, 7 (11. jahrh.) 
nur mangelhaft an, worüber demnächst näheres an einer andern 
stelle. Möchten doch einmal einem durch Vorstudien vorbereite- 
ten freunde des Hippokrates zeit und mittel gewährt werden, 
sich der erwünschten arbeit im zusammenhange zu widmen. Sie 
Avürde in längstens einem jähre vollendet sein. H. Kühlewein. 

7. De codicibus Tibullianis capita tria. Scripsit Robertus 
Leonhard, dr. phil. Monachii, Theodor Ackermann, 1882. 8. 

Diese fleißige abhandlung behandelt denselben gegenständ 
wie Rothsteins dissertation „de Tibulli codicibus" (Berlin 1880), 
welche vom verf. , wenn auch nur nachträglich und in anmer- 
kungen, noch berücksichtigt werden konnte. 

Nach einer kurzen einleitung handelt Leonhard im ersten 
abschnitt „de vetustioribus carminum Tibullianorum fontibus" zu- 
nächst (p. 4 — 9) über das fragmentum Cuiacianum. Der ge- 
genwärtig allgemein anerkannte werth seiner lesarten wird rich- 
tig gewürdigt und die Schreibungen des fragments an den stellen 
IV, 1, 189. 210. 5, 1 mit recht gegen Bährens in schütz ge- 
nommen. Auf der anderen seite kann es nicht bezweifelt werden, 
daß an einer kleinen anzahl von stellen unsere handschriften das 
ursprünglichere bewahrt haben, so III, 4, 66 und IV, 5, 10. 
Mit recht nimmt Leonhard dies auch für IV, 1, 2 an; vgl. seine 
begründung p. 7. (Zweifelnd hatte sich über den vers Rothstein 
p. 7, 2 und p. 14, 1 ausgesprochen.) Ich halte es für wahr- 
scheinlich, daß diesen stellen noch IV, l, 175 hinzuzufügen ist. 
Unsere handschriften bieten hier ergo ubi praeclaros poscent tua 



Nr. 1. 7. Tihullus. 25 

facta triumphos , in F steht ierint statt poscent. Leonhard hält 
die lesart von F für richtig: „nam sicut dicunt pompam vel ex- 
eqiäas ire, ita certe autumari potest facta tua triumplios eunt u . 
Es leuchtet indessen ein, daß die angeführten Verbindungen keine 
passenden analogieen abgehen, da hier das Subjekt ein persön- 
liches ist. Scaliger und Lachmann wollten das ursprüngliche 
durch änderung der lesart von F herstellen: Scaliger schrieb 
per claros ierint , Lachmann praeclaros cierint. Beides unter- 
liegt gegründeten bedenken , welche gegen die Lachmannsche 
Schreibung von Rigler, gegen die Scaligersche von Leonhard 
(p. 8) geltend gemacht worden sind. Hiernach dürfte doch wohl 
die vermuthung berechtigt sein, daß auch hier unsere handschrif- 
ten das ursprüngliche bewahrt haben, poscent gibt, was Rigler 
vergeblich zu bestreiten suchte, einen passenden sinn: Messalla, 
sobald, er seine siegeslaufbahn vollendet hat und daher vor dem 
t r iumplie steht, solus utroque idem dicetur magnus in orbe. 
Auch Rothstein p. 16 findet poscent ohne anstoß. Die corruptel 
in F wäre bei dieser annähme wohl auf eine beschädigung in 
einer älteren handschrift zurückzuführen, in folge deren nament- 
lich der anfang von poscent zerstört war. — Ueber IV, 8 und 9 
stimme ich mit den bemerkungen des verf. (p. 6) durchaus über- 
ein : es kann sich, wie er treffend begründet, in 8 und folglich 
auch in. 9 nur um den geburtstag der Sulpicia handeln ; daher 
kann tuo 9, 2 nicht richtig sein. Entweder ist, wie Leonhard 
will, mit Huschke meo oder mit den Italienern tuae zu schreiben. 
Verfehlt ist dagegen die vermuthung des verf. über IV, 1, 55. 
Unsere handschriften bieten die arg corrupte lesart non valuit ciclops 
tempus avertere (so die interpolirten statt vertere) cursus. Statt 
ciclops tempus wird von Scaliger aus F lotos captos angeführt und 
hiervon ausgehend schreiben alle neueren herausgeber non valuit 
lotos coep t os avertere cursus (coeptos statt tempus steht bereits 
in interpolirten handschriften), Leonhard dagegen schlägt vor non 
valuit lotos captos avertere cursu, entschieden falsch, da die ganze 
episode den Odysseus verherrlicht und alles nur mit bezug auf 
ihn allein gesagt ist (reppulit — cessit nämlich dem Odysseus — 
vexit u.s.w.) ; auch ist das nackte captos wenig ansprechend und 
die änderung durchaus nicht leichter als die andere. — Beiläufig 
möchte ich noch auf eine kleine ungenauigkeit aufmerksam machen, 
welcher man seit Lachmann in der gesammten Tibull - litteratur, 



26 7. Tibullus. Nr. 1. 

und so auch bei Leonhard p. 2 begegnet; auch ich habe mir 
dieselbe vor kurzem zu schulden kommen lassen, Jahrbücher für 
philologie 1883, p. 273, anm. 1 (wo demgemäß ein sätzchen zu 
tilgen ist). Wir sind nicht berechtigt, mit bestimmtheit zu sagen, 
das fragm. Cuiacianum habe mit 111,4,65 begonnen; es kann 
vielmehr schon einige verse vorher begonnen haben ; jener vers ist 
nur der erste, der von Scaliger daraus angeführt wird, ohne daß 
er uns über den anfang genaue auskunft ertheilte; vgl. seine 
anm. zu I, 1, 1 und III, 4, 65. 

Der verf. spricht alsdann (p. 10 — 14) über die nicht weniger 
wichtigen lesarten der Freisinger excerpte. Mit recht bemerkt er, 
daß wir auf grund dieser excerpte die lesarten molli furtim dere- 
pere I, 2, 19, colu I, 3, 86, pussula II, 3, 10 für besser be- 
glaubigt halten müssen; ebenso Rothstein p. 22. Vollständig 
überzeugt hat mich die beweisführung Leonhards (p. 13 f.) von 
der richtigkeit der form Carnütis I, 7, 12; da die form Carnuti 
statt Carnutes auch bei Plinius nat. bist. IV, § 107 durch Detlefsen 
auf grund der Überlieferung beseitigt ist , fehlt es jetzt für die- 
selbe, wie es scheint, durchaus an sicheren Zeugnissen. Auf 
grund eigener prüfung der excerpte Aveist der verf. ferner (gegen 
Protzen) nach, daß in der Schreibung hämatis (IV, 3, 10) ledig- 
lich die quantität des a verdeutlicht werden sollte. Dagegen 
vermag ich es nicht zu billigen, daß er sich I, 7, 11 für auf- 
nähme der form Garonna in den text entscheidet. Hier hat er 
die sorgfältige Untersuchung Protzens (de exe. Tib. p. 14 ff.), die 
er kurz erwähnt, nicht gebührend gewürdigt. Protzen hat es, 
wie mir scheint, als das weitaris wahrscheinlichste erwiesen, daß 
Tibull Garunna geschrieben und daß demnach sowohl in der 
lesart der Freisinger excerpte (Garonna) wie in der der besseren 
Tibull-handschriften (Garumna) ein theil des ursprünglichen 
erhalten ist. Garunna hätte auch bei Claudian. in Ruf. II, 13 
aus guten handschriften hergestellt werden müssen. 

Es folgt ein kurzer abschnitt „de Vincentii Bellovacensis et 
Scahgeri eclogis u (p. 15 f.). Bereits Meyncke (Rhein, raus. 25, 
p. 375) hatte darauf aufmerksam gemacht, daß Scaligers „Ex- 
cerpta pervetusta u sich dem cod. Thuaneus der Excerpte (p) 
näher angeschlossen haben müssen als dem Nostradamensis (a). 
Leonhard erklärt es nun geradezu für das wahrscheinlichste, daß 
►Scaliger den Thuaneus selbst benutzt habe, und ich wüßte in 



Nr. 1. 7. TÜrallus. 27 

der that nicht, was dieser vermuthung entgegenstände. Freilich 
müßte man unter dieser Voraussetzung annehmen, daß sich Sca- 
liger hei seinen mittheilnngen über die excerpte einige kleine 
ungenauigkeiten habe zu schulden kommen lassen. Dieselben 
erklären sich aber sehr leicht. I, 1, 44 steht in p solio . Sca- 
liger gibt solo an (was er verkehrter weise für richtig hält). 
I, 5, 70 hat p (nach dem abdruck bei Meyncke) cibo statt cito : 
ein so offenbarer und geringfügiger Schreibfehler, daß Scaliger 
sich erlauben konnte ihn sofort zu berichtigen. Dasselbe gilt 
von I, 10, 49 , wo p uitet statt nitet hat. Etwas erheblicher 
würde die nachlässigkeit nur an der stelle III, 6, 45 sein : ne 
uos deeipiant steht in p , non vos deeipiant notirte Scaliger ; der 
Zwischenraum zwischen n und e in p (vgl. den abdruck) mochte 
vielleicht dieses versehen herbeiführen. Uebrigens ist die frage 
für die Tibullkritik ohne bedeutung. Auch die excerpte des 
Vincentius haben für uns jetzt keinen werth mehr. Von einigem 
interesse ist höchstens, daß I, 1, 34 Vincentius in Übereinstim- 
mung mit n est bietet. Dies stand also im archetypus des Flo- 
rilegiums, ebenso wie im archetypus unserer Tibull-handschriften, 
und es ist ein bloßer zufall, daß die Freisinger excerpte und p 
im weglassen von est übereinstimmen. 

Auch über die Pariser excerpte konnte sich der verf. kurz 
fassen (p. 17 — 20), da über die bedeutung derselben das urtheil 
im allgemeinen jetzt feststeht. Fraglich ist es , ob bereits für 
diejenige Tibull-handschrift, welche dem Urheber des Florilegiums 
vorgelegen hat (dem ..excerptor u , wie man ihn der kürze halber 
mit Leonhard nennen mag), interpolationen anzunehmen sind, die 
sich in unseren handschriften nicht finden. Soviel ich sehe, läßt 
sich die existenz solcher interpolationen nicht mit Sicherheit er- 
weisen. Ueber die falsche reihenfolge der verse IV, 1, 39 ff., 
welche Leonhard der Tibull-handschrift des excerptors zuschrei- 
ben will , vgl. Luc. Müller in den Jahrbüchern für philologie 
1869, p. 78, Rheinisches museum 37, p. 573. Die Verbesserung 
des alten fehlers gerit III, 3, 22 in regit liegt so auf der hand, daß 
man, wenn man sie dem excerptor beilegt, demselben keine allzu 
große ehre erweist. Ebenso leicht erklärlich ist es, daß er III, 6, 44 
beim umsetzen aus der zweiten in die dritte person zugleich tuo 
mit dem ihm leichter verständlich scheinenden accusativ ver- 
tauschte. Auch über I, 1, 43 urtheile ich anders als Leonhard, 



28 7. Tibullus. Nr. 1. 

Dieser findet in der lesart der excerpte parva seges satis est, uno 
requiescere lecto einen erotischen bezug und schließt hieraus folge- 
richtig, daß man sie nicht auf den excerptor zurückführen könne, 
sondern auf einen früheren abschreiber. Der hinweis auf die 
liebe des dichters wäre von demselben, wenn wir des verf. mei- 
nung billigten, so ungeschickt und abgeschmackt wie nur mög- 
lich angebracht. Mir kommt aber eine andere annähme weit 
wahrscheinlicher vor. In der Tibull - handschrift des excerptors 
stand in folge eines leicht erklärlichen Versehens satis est nur 
einmal im texte, das zweite satis est war vielleicht auf dem 
rande nachgetragen. Der excerptor also las es nur einmal und 
sah sich daher genöthigt den vers zu ergänzen. Dies that er 
durch hinzufügung von uno, aber nicht in dem sinne, den Leon- 
hard dem worte beilegt, sondern um damit die genügsamkeit des 
dichters zu bezeichnen, ebenso wie er I, 1, 6 assiduo in exiguo 
geändert hat: allerdings in überaus thörichter weise, aber nicht 
thörichter als I, 1, 6 und auch nicht thörichter als der vermeint- 
liche unmoralische interpolator , den Leonhard annimmt. Es ist 
sehr beachtenswerth, daß auch in der zweitbesten unserer Tibull- 
handschriften , im Vaticanus , satis est von erster hand nur ein- 
mal geschrieben ist. Der wegen dieser stelle von Rothstein (p. 37) 
für unmöglich erklärten annähme, daß der unmittelbarste arche- 
typus unserer Tibull-handschriften aus der Tibull-handschrift des 
excerptors stamme , steht , soviel ich sehe , nichts im wege. Die 
Überschrift des dritten buches kann der excerptor übersehen 
haben , und daß er die gedichte IV, 2 ff. für sein Florilegium 
nicht verwerthete würde nichts befremdliches haben. — Ein- 
leuchtend ist die bemerkung Leonhards, daß die in den excerp- 
ten vor II, 4, 1 1 befindliche Überschrift zu lesen ist de immodico 
dolore, nicht, wie bei Meyncke steht, de nimio dico dolore, womit 
die auffassung Rothsteins p. 25 hinfällig wird. 

In einem zweiten hauptab schnitt handelt Leonhard „de co- 
dicibus Laehmannianis et BaeJirensianis A V u (p. 21 — 42). Hin- 
sichtlich des alters von V hätte der Vollständigkeit wegen hin- 
zugefügt werden können , daß manche diese handschrift nicht 
dem ende des 14ten, sondern erst dem 15ten Jahrhundert zuwei- 
sen wollen: vgl. Zingerle, Kleine philol. abhandlungen I, p. 28, 
Zeitschrift für die österr. gymnasien 1879, p. 345. Wenn aber 
der recensent im Philol. anzeiger X, p. 183 für diese zeitbe- 



Nr. I. 7. Tibullus. 29 

Stimmung den von Thomas Seneca herrührenden vers hinter II, 
3,15 geltend macht , so beruht dies auf einem versehen : die 
handschrift, welche Bährens an dieser stelle mit V bezeichnet, 
ist ein jüngerer werthloser Vaticanus; der Vaticanus 3270 hat 
hier eine Kicke. — Mit unrecht hält Leonhard nicht bloß V, 
sondern auch A an einigen stellen für interpolirt: vgl Bheini- 
sches museum 37, p. 575. In folge dieser zu ungünstigen mei- 
nung über A und der zu günstigen über G erklärt er zuweilen 
die lesart von A gegenüber der von V für falsch, während viel- 
mehr das gegentheil anzunehmen ist: so I, 2, 97 (dedita A, de- 
bita V), II, 4, 43 (veniet A, veniat V) , II, 5, 112 (reperire A, 
reperisse V). Ebenso ist IV, 13, 15 das in A stehende hoc wohl 
das ursprüngliche; das vor sancta numina stehende, aber nicht 
damit zu verbindende haec scheint mir weniger gut. — I, 4, 56 
bietet A velit, V volet. Auch hier sehe ich nicht den geringsten 
grund, von A abzuweichen. Für den Wechsel von futurum und 
praesens conjunct. vgl. vss. 45 und 49; II, 6, 1 — 4; Lygd. 
2, 19 f. (mox etiam niveo fundere lade parent). Daß an un- 
serer stelle das letzte und erwünschteste in einer mehr hypothe- 
tischen form hingestellt wird, scheint mir eine beabsichtigte und 
ganz ansprechende Schalkhaftigkeit; doch dies ist sache des in- 
dividuellen gefühls. Uebrigens haben bereits Gujet und Voss 
velit vorgezogen. — Ueber IV, 1, 55 bemerkt Leonhard: „A 
solum exhibet vertere, cum librarius id quod in archetypo exara- 
tum erat non intellegens , sicut etiam alias fecit , particulam con 
plane omiserit'-. Hiernach hält er also (in widersprach mit p. 8) 
das in V stehende convertere für das ursprüngliche, wohl nur in 
folge einer Übereilung : denn convertere ist durchaus unpassend, 
und es kann keinem zweifei unterliegen, daß im archetypus 
ebenso wie in A vertere gestanden hat und daß sowohl das 
falsche convertere oder advertere (so B) wie das richtige avertere 
änderungen der Italiener sind. Zweifelhaft ist es, aber vollkom- 
men gleichgiltig, ob einige sich von selbst ergebende bessere les- 
arten in V auf die Italiener oder, wie Leonhard meint, auf den 
archetypus zurückzuführen sind: so z. b. I, 7, 57 nee V, ne A; 
II, 3, 78 iuvat V, iuvet A; IV, 4, 17 at V, ac A u. s. w. ; vgl. 
auch Rhein, museum 37, p. 569, anm. 1. — Kaum eine Ver- 
schiedenheit ist es, wenn IV, 1, 170 V Mnc, A huic bietet. Je- 
denfalls ist Mnc ohne anstoß und der conjeetur hie schon an sich 



30 7. Tibullus. Nr. 1. 

vorzuziehen: die möglichkeit des ackerbaus , Weinbaus u. s. w. 
wird als eine folge des gemäßigten klimas hingestellt (vgl. igitur 
v. 161). Ebenso wie Leonhard hält auch Rothstein p. 66 die 
lesart liinc für statthaft; das bedenken, welches er trotzdem ge- 
gen dieselbe vorbringt, ist mir unverständlich. — Dreimal fehlt 
die initiale in V, während sie in A fehlerhaft ist: II, 4, 1 ic V, 
sie A; III, 5, 1 os V, nos A; III, 6, 83 (wo im archetypus ein 
neues gedieht begann) i V, si A. Hierüber hat Leonhard p. 31 
vermuthlich richtig geurtheilt, wenngleich auch hier eine andere 
erklärung nicht ausgeschlossen ist, Ueber II, 1, 67 vgl. Rhein, 
museum 37, p. 574, anm. 1. Hier wie auch sonst zeigt es sich 
daß dem Vaticanus eine dem Ambrosianus ähnliche handschrift 
zu gründe liegt, in welcher aber bereits conjeeturen der Italiener 
dem texte beigeschrieben waren. 

Der Parisinus B (von welchem p. 31 — 34 die rede ist) zeigt 
auffällige Übereinstimmungen mit A. Der verf. meint, im gegen- 
satze zu Rothstein , B sei aus A herzuleiten. Dies ist als mög- 
lich zuzugeben ; aber bewiesen hat es Leonhard nicht, Seine 
erörterung beruht auch hier auf der meiner meinung nach un- 
richtigen beurtheilung des Guelferbytanus , aus welchem er auf 
die lesarten des Archetypus Schlüsse ziehen zu können glaubt. 
Die Übereinstimmungen zAvischen B und der ersten band von A 
lassen sich sämmtlich auf den archetypus zurückführen. Die 
meinung des verf, daß Übereinstimmungen mit A 2 durch herlei- 
tung von B aus A zu erklären seien, steht im Aviderspruch mit 
der angäbe von Bährens (p. VII) , wonach die zweite hand von 
A etwa um fünf decennien jünger ist als die erste: denn B ist 
im jähre 1423 geschrieben. Uebrigens ist bei den zahlreichen 
interpolirten lesarten in B die frage nach der abstammung dieser 
handschrift von sehr geringer Wichtigkeit. Sollte sich (was aber 
wohl nicht möglich sein wird), die ansieht Leonhards mit be- 
stimmtheit widerlegen lassen, so würden wir aus B die ziem- 
lich bedeutungslose Sicherheit gewinnen, daß eine anzahl von 
Schreibfehlern in A (die übrigens meistens auch in anderen uns 
bekannten handschriften wiederkehren) nicht dem Schreiber von 
A, sondern dem Schreiber des archetypus zur last zu legen sind : 
so I, 1, 19 felices; 4, 44 amiciat; 81 he heu; 5, 2 sortis; 16 
voea; 7, 57 ne; 8, 2 ferat; II, 3, 33 est; 5, 76 amnis; IV, 1, 
148 offerret; 1, 189 accitus. Bei Übereinstimmung der lesart in 



Nr. I. 7. Tibullus. 31 

A und V sowie an denjenigen stellen, wo A das bessere be- 
wahrt bat, ist die lesart von B bei der einen wie bei der ande- 
ren annähme gleichgiltig. 

Ueber die werthlosigkeit des cod. Eboracensis sowie der drei 
handschriften C gegenüber AV stimme ich mit Leonhard (p. 34 
—42) durchaus überein: vgl. Rheinisches museum 37, p. 570 ff. 
Die vier handschriften sind gleichfalls aufs stärkste interpolirt und 
weichen von A noch weit häufiger ab als der Parisinus. Die 
erörterung des verf. leidet indessen hier an einem erheblichen 
fehler, in folge dessen sie kavun zu benutzen ist : er zieht näm- 
lich häufig aus dem schweigen von Heinsius oder Broekhuyzen 
ganz bestimmte Schlüsse über die lesarten des Eboracensis und 
des Wittianus (und auf grund dessen des textes C) , ein ver- 
fahren, welches vollkommen unberechtigt ist. Auf diese weise 
werden z. b. p. 35 aus dem einem gedichte I, 10 nicht weniger 
als sechs durchaus unbezeugte lesarten mit bestimmtheit aus dem 
Ebor. angeführt. 

Was endlich -den dritten abschnitt, der vom Guelferbytanus 
handelt (p. 43 — 53) , betrifft, so habe ich mich hierüber bereits 
geäußert und meine von Leonhard abweichende ansieht begründet, 
Rheinisches museum 37, p. 572 ff. Vielleicht hätte auch Leon- 
hard anders geurtheilt , wenn ihm die bemerkungen von Götz 
(daselbst p. 141 ff.) bereits bekannt gewesen wären. 

Ein anhang (p. 54 — 65) beschäftigt sich mit einigen sj3e- 
cielleren kritischen fragen. In eingehender und zutreffender be- 
gründung wird die überlieferte reihenfolge von I, 1 gerechtfer- 
tigt. Von den vorzüglichen bemerkungen Vahlens (Monatsberichte 
der Berliner akademie p. 352 ff.) hatte Leonhard, wie es scheint, 
keine kenntniß. Unbegründet ist der anstoß, den er an v. 35 nimmt. 
Die warnende anrede an diebe und wölfe v. 33 f. dient, wie dies 
bei anreden so häufig ist, nur dem zwecke größerer lebendigkeit ; 
thatsächlich richtet sich der wünsch des dichters, daß seine heerde 
nicht durch raub geschädigt werde , an die götter ; daher wird 
er in durchaus angemessener weise mit der frömmigkeit des dich- 
ters motiviert. Dissens erklärung von hie ist , wie mir scheint, 
vollkommen ausreichend. Hiernach kann ich es auch nicht mit 
Leo (Philologische Untersuchungen LI, p. 31) für nothwendig 
halten, daß die sühnung der heerde ausdrücklich erwähnt werde. 
Vgl. auch Vahlen p. 355. — I, 4, 15 vermuthet Leonhard sin 



32 8. Cäsar. Nr. I. 

statt sed. So bereits Valilen p. 347 , der aber dann selbst die 
änderung für nicht nothwendig erklärt hat, Sitzungsberichte 1882, 
p. 267. — I, 4, 43 f. entscheidet sich Leonhard für die herstel- 
lung quamvis praetexens picea ferrugine caelum venturam admittat 
nimbifer eurus aqua/m: picea statt picta und admittat nimbifer statt 
amiciat imlrifer rühren von den Italienern her, eurus statt arcus 
von Huschke. Besser als nimbifer erscheint nubifer, eine andere 
conjectur der Italiener : vgl. Seitz De adiectivis poetarum Lati- 
norum coinpositis p. 21. picea und eurus halte auch ich für noth- 
wendig. Leo p. 18 will picta und arcus halten und gibt zum 
hexameter die erklärung : „die eintönige rostfarbe des kimmeis 
vor dem regenguß wird von den färben des regenbogens bemalt" ; 
der ausdruck arcus praetexit caelum picta ferrugine in diesem 
sinne (= arcus pingit ferruginem qua caelum praetextum est) ver- 
stößt indessen , wie mir scheint , allzu sehr gegen die logik , als 
daß man ihn dem Tibull zutrauen könnte. Für picea vgl. Zin- 
gerle, Zeitschrift für die österr. gymnasien 1879, p. 347. Am 
zweifelhaftesten bleibt der ausdruck venturam aquam admittere, 
wenn auch admittat von allen bis jetzt vorgeschlagenen verbal- 
formen die einzig denkbare ist. Eine wirklich passende parallel- 
stelle für diesen gebrauch hat noch niemand beigebracht; die 
kurze bemerkung Leonhard s hierüber ist ohne belang. — Die 
Überlieferung I, 6, 16 wird vertheidigt und richtig erklärt, ebenso 
die von Bährens vorgenommene Versetzung von versen aus I, 9 
nach I, 8 mit recht zurückgewiesen ; wenn aber Leonhard in 
I, 9 beziehungen auf I, 8 finden will , so ist dies falsch (vgl. 
quondam 8, 71) , ebenso freilich auch die entgegengesetzte an- 
nähme. Dieses verkehrte „hinübertragen von erklärungsmomen- 
ten aus einem gedieht ins andere" ist durch die schlagendeu 
bemerkungen Leos p. 23 hoffentlich ein für alle mal beseitigt. — 
III, 1, 8 will Leonhard, wie auch andere, mit Muret tuis statt 
meis schreiben und v. 12 tuum stehen lassen, so daß v. 7 — 14 
worte der musen seien. Mir scheint ein derartiger dialog zwi- 
schen dem dichter und den musen durchaus unmöglich ; doch 
gehe ich hierauf nicht näher ein, da der verf. seine ansieht ohne 
irgend welche begründung ausgesprochen hat. E. Hiller. 

8. Cäsars kommentarien und ihre literarische und kriegs- 
wissenschaftliche folgewirkung. Von Max Jahns, Major im 



Nr. 1. 8. Cäsar. 33 

großen generalstab , lehrer an der kriegsakademie. Beiheft zum 
Militär-wockenblatt. 1883. Berlin, E. S. Mittler und solin. 

Der Verfasser, bekanntlich ein gründlicher kenner der kriegs- 
geschichte, hat in sehr dankenswerther weise für alle diejenigen, 
welche Cäsars Schriften und seine kriegführung zum gegenständ 
eines eingehenden Studiums machen, eine ergänzung zu den großen 
werken von Grölers und Napoleons III. gegeben , nämlich eine 
Übersicht der gesammten literatur, welche in militärhistorischer 
wie in philologischer beziehung seit dem mittelalter bis auf die 
Jetztzeit über diesen feldherrn und schriftsteiler erschienen ist: 
ausgaben, Übersetzungen, erläuterungswerke, Schriften über ein- 
zelne seiner Unternehmungen wie über sein ganzes verfahren im 
felde und seine heereseinrichtungen , aufsätze über seine glaub- 
würdigkeit, urtheile über seine Schreibweise, alles ist hier in einer 
fülle vereinigt, wie man es in dieser Vollständigkeit nirgends 
sonst beisammen findet, und das in einer anordnung und Über- 
sichtlichkeit, welche das nachsuchen wesentlich erleichtern. Daß 
unter den ausgaben nicht alle textabdrücke, namentlich der neue- 
ren zeit haben aufgeführt werden können , noch auch dürfen, 
ist selbstverständlich; die zahl ist zu groß, und die meisten ha- 
ben in kritischer beziehung keinen werth; es genügt für alle 
zwecke , daß die grundlegenden aufgeführt , und sogar die ge- 
bräuchlichsten erklärenden Schulausgaben nicht übersehen worden 
sind. Auch die broschüren über einzelne Operationen sind in 
reichlicher menge aufgezählt , und schwerlich wird man eine 
beachtenswerthe monographie, irgend einen belangreichen journal- 
artikel vermissen. 

Besonders anziehend für den officier, wie neu für den phi- 
lologen werden die aufzählung der werke und abhandlungen, welche 
über die feldherrngröße Cäsars und seine art den krieg zu hand- 
haben, sich äußern, so wie die kurzen vom Verfasser daraus ge- 
gebenen auszüge gefunden werden. Gerade dieses fehl beherrscht 
der major besser als jeder andere; und nicht nur seine belesen- 
heit, sondern auch die schärfe seines urtheils in der heraushe- 
bung der betreffenden ausspräche verdient die größte anerkennung. 

Trotz des imposanten materials sind mir versehen nicht auf- 
gefallen. Nur die griechische Übersetzung des sogenannten mc- 
taphrasten dürfte jetzt wohl nicht mehr Maximus Planudes und 
dem vierzehnten Jahrhundert zuzuschreiben sein, uachdem ich, 
Philo!. Änz. XIV. 3 



34 9. Curtius. Nr. I. 

von einzelnen bemerkungen Schneiders ausgehend, unwiderleg- 
lich nachgewiesen habe , daß sie nach dem gedruckten text des 
Henricus Stephanus von 1544 von einem Franzosen angefertigt 
worden ist (Phil. XII.). — Vermuthlich von Cohausen's ansieht 
folgend, scheint der major (p. 364) Aduatuca (im V. buche) und 
das oppidum Aduatucorum (im II. buche) für identisch anzusehen ; 
ich habe zu wiederholten malen gezeigt, daß diese annähme, 
trotz der namengleichheit, nicht haltbar ist; das oppidum Adua- 
tucorum wird , nach Göler's ermittlung , auch allgemein auf dem 
mont Falhize (nicht Folhize , wie bei Jahns gedruckt ist) ange- 
setzt, während für Aduatuca, wie er auch angiebt, die meinungen 
immer noch weit auseinander gehen. 

Nur ein einziger druckfehler ist außerdem noch zu ver- 
zeichnen : mein aufsatz de codieibus Caesaris steht nicht im 
XXVII., sondern im XVII. band des Philologus. 

Die abhandlung des majors Jahns beweist eine so bedeu- 
tende kenntniß , eine so umfassende gelehrsamkeit, daß sie ihm 
persönlich und in seiner person unserm ganzen officierstande 
zur höchsten ehre gereicht. H. F. Heller. 

9. C. F. Kinch, Quaestiones Curtianae criticae , diss. 
inaug., Hauniae in librar. Gyldendal. 1883. 8. 108 p. 

Ohne zweifei eine der werthvollsten arbeiten, welche die 
Curtiuslitteratur der letzten Jahrzehnte aufzuweisen hat, glei- 
chermaßen durch Selbständigkeit und gründlichkeit der forschung 
wie durch consequenz der methode ausgezeichnet. 

Zunächst hat Kinch sich der mühe nicht überhoben, die 
Handschriften frage einer erneuten gründlichen Untersu- 
chung zu unterziehen , und ist dabei zu resultaten gelangt , die 
sicher als sehr beachtliche auch von denen angesehen werden 
müssen , welche dem verf. nicht zuzustimmen vermögen. Daß 
alle erhaltenen handschriften des Curtius gewisse auslassungen, 
Umstellungen und Verschiebungen gemeinsam haben , ist längst 
beobachtet und in der annähme eines gemeinsamen archetypus 
die naheliegende erklärung für diese erscheinung gefunden wor- 
den. Kinch hat sich damit nicht begnügt , der Sache weiter 
nachgeforscht und ist durch eine erneute sorgfältige collation 
des Parisinus no. 5716 und penible vergleichung desselben mit 
anderen handschriften zu der Überzeugung gelangt, daß von 



Nr. 1. 9. Curtius. 35 

diesem alten codex direkt oder indirekt alle übrigen 
abstammen. Bezüglich des Vaticanus 971 ist der nachweis 
hierfür nach des referenten ansieht von Kinch erbracht worden; 
auch was den ältesten Leidensis und Vossianus 8 ) betrifft, ist re- 
ferent durchaus geneigt dem verf. zuzustimmen, nicht in gleichem 
maße vermag er es bezüglich anderer handschriften , z. b. des 
Florent. A und Bernens. A, zu thun. Er kann auch den zwei- 
fei nicht unterdrücken, ob wirklich Kinch alle erhaltenen Codices 
auf den in rede stehenden punkt hin genau geprüft hat. Doch 
angenommen, dies sei der fall, was führt Kinch zur begründung 
seiner so weit tragenden behauptung an? Er weist auf einige 
wenige (11) stellen hin, wo sich die Verderbnisse der übrigen 
handschriften seiner ansieht nach aus der zufälligen beschaffen- 
heit des Parisinus erklären lassen. Wären diese Verderbnisse 
besonders charakteristische , die zahl der stellen außerdem eine 
erhebliche, so würde ohne zweifei diese Untersuchung von Kinch 
große beachtung verdienen. Allein nur 8. 13. 25 handelt es 
sich um eine sache von einigem belang (eine lücke von einigen 
zeilen), 4. 10. 29 um ausfall eines Wortes; sonst nur um minu- 
tien wie die irrthümliche Setzung, bez. weglassung von et, que, 
falsche kasusendungen usw. , also um versehen und irrthümer, 
wie solche in jeder handschrift auf jeder seite vorkommen. Ver- 
möchte Kinch 30 oder 40 stellen nachzuweisen , wo alle oder 
zahlreiche handschriften ungehöriges bieten und gleichzeitig ein 
plausibler grund der verschreibung in der beschaffenheit des Pa- 
risinus gefunden werden könnte, so würden auch die angeführten 
kleinigkeiten ins gewicht fallen. Aber das hat Kinch eben nicht 
vermocht. Daß beim abschreiben eines codex von 100 zeilen 
der copie eine mit demselben worte schließt wie die betreffende 
zeile des Originals, darf nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung 
wohl vorausgesetzt werden. Somit kann das, was dem Schreiber 
des Parisinus von Kinch zur last gelegt wird, füglich bereits ein 
abschreiber verschuldet haben, der lange vor der entstehung des 
Parisinus das geschichtswerk des Curtius copierte. Was aber sagt 
der verf. zu den zahlreichen abweichungen der übrigen hand- 

2) Die Überzeugung, daß ein besonders enger Zusammenhang zwi- 
schen diesen zwei handschriften und dem Parisinus bestehe , hat sich 
dem referenten schon vor jähren aufgedrängt; insbesondere theilen 
jene mit diesem nach seinen beobachtungen zahlreiche Übereinstim- 
mungen in der Verstümmelung von eigennamen. 

3* 



36 9. Curtius. Nr. I. 

Schriften vom Parisinus? Diese sind für ihn verschreibungen oder 
korrektorenänderungen , außerdem nimmt er noch an , daß ein- 
zelne handschriften (die besseren interpolati) nach einem alten 
guten verloren gegangenen codex auskorrigiert 
worden sind. In folge dessen legt er auf die allgemein so 
hoch gehaltenen, von vielen dem Parisinus völlig gleichgestellten 
4 optimi nur einen geringen werth ; sind diese für ihn doch nur 
abkömmlinge jener handschrift. Was sie abweichendes bieten, 
ist er geneigt als Schreibfehler oder bewußte emendation anzu- 
sehen. In ihr recht treten sie nur ein, wo der Parisinus lücken- 
haft oder gar zu arg verschrieben 'ist. Dagegen stehen gewisse 
interpolati, insbesondere der Florent. Gr (und H J), und der Bu- 
densis nr. 157, daneben auch die lesarten, welche Modius aus 
seinen handschriften notiert , bei ihm in hohen ehren 'propter 
servata interdum boni veteris codicis vestigia (p. 64) und er trägt 
kein bedenken, diesen sogar l plus auctoritatis 1 (p. 68) als dem con- 
sensus der 4 optimi zuzuerkennen, welche letzteren er p. 73. 79. 
85 u. 97 ohne irgendwelche bevorzugung einfach mit zu den 
deteriores oder recentiores rechnet. Das heißt denn doch meiner 
ansieht nach, wie Cicero sagt (p. Arch. 8): ad ea quae habemus 
nihil dicere, requirere quae habere non possumus. Das nebelbild 
jenes alten verlorenen codex , dem Kinch so eifrig nachgeht, 
kann nie eine feste, greifbare gestalt gewinnen , wenn nicht ein 
fand gethan wird. Bereitwillig sei zugegeben , daß zahlreiche 
lesarten der von Kinch bevorzugten interpolati sich im hohen 
grade empfehlen, sowie ferner, daß manche derselben durchaus 
nicht den eindruck von bloßen emendationen machen. Aber was 
will das besagen , so lange es an einem festen kriterium fehlt, 
ob die bestimmte einzelne lesart aus einer handschrift oder aus 
dem köpfe eines korrektors stammt? Des verf. kritisches ver- 
halten ist nach dem gesagten folgendes : die einzige volle auk- 
torität ist für ihn der Parisinus und (von 10. 8. 14 ab) der di- 
rekt von demselben abstammende Vaticanus 971. Bei jeder 
textkritischen Untersuchung geht er auf die schriftzüge des Pa- 
risinus zurück, wobei er sorgfältig zwischen erster und späterer 
band unterscheidet. Wenn die lesart desselben nur nothdürftig 
genügt, beruhigt er sich lieber bei derselben, als daß er diesem 
codex unrecht geben möchte gegenüber drei oder vier ebenfalls 
nichtinterpolierten. Ist aber eine änderung unabweisbar, so wen- 



Nr. 1. 9. Curtius. 37 

det er sich zunächst hülfe suchend an seine oben bezeichneten 
günstlinge , deren werth er nicht müde wird dem leser immer 
wieder nahezuführen. Thatsächlich haben ja alle herausgeber 
sich häutig genug entschlossen , lesarten der interpolati in den 
text zu nehmen , auch Zumpt , liedicke und der unterzeichnete. 
Aber doch nur um ihrer gute, nicht um der auktorität der hand- 
schriften willen, welche dieselben dem kritiker an die hand ge- 
ben. Kinch aber braucht nur noch einen schritt weiter zu thun, 
d. h. den verlorenen alten codex für ursprünglicher und werth- 
voller als den Parisinus zu erklären , und wir sind glücklich 
wieder auf den Standpunkt zurückgekehrt , welchen Foss seiner 
zeit in seinen Quaentiones Curtianae eingenommen hat. 

Ueber einzelheiten aus diesem kapitel mit dem verf. zu 
rechten, überläßt referent berufeneren ; schwerlich dürfte liedicke 
alle einwendungen ohne weiteres gelten lassen, welche gelegent- 
lich gegen seine kollatiou des Parisinus erhoben werden. Trotz 
alledem aber sind die Untersuchungen Kinch's über die hand- 
schriften des Curtius als höchst verdienstliche zu bezeichnen 3 ) ; 
sie haben zu dem und jenem neuen gesichtspuukt geführt, manches 
einzelne in ein anderes licht gerückt und dienen vielleicht dazu, 
daß manche Untersuchung , weiche lauge geruht hat , durch sie 
wieder iu fiuß kommt. 

Das hauptverdienst des schriftchens liegt aber nicht in den 
erörteruugen über die handschriftenfrage , sondern in der be- 
handlung zahlreicher (gegen 200) einzelner stellen von p. 30 — 
99. Nicht selten handelt es sich nur um die feststellung von 
miuutien nach maßgabu der besten handschriftlichen auktorität, 
an vielen anderen stellen aber auch um erheblicheres, sinn, Zu- 
sammenhang , grammatik und Sprachgebrauch. Auch insofern 
findet abwechselung statt, als der verf. bald für die lesarten sei- 
nes Parisinus, der ihm instar omnium ist p. 98, den er p. 62 
geradezu den codex archetypus nennt, vertheidigend eintritt, bald 
unumwunden deren unhaltbarkeit zugesteht und bei anderen 
handschriften hülle sucht, bald gegen gewaltsame abänderung 
des überlieferten einspräche erhebt, bald aber auch selbst zu 



3) Besonders werthvoll ist die Unterscheidung der verschiedenen 
bände, welche nach einander die korrektur des Parisinus sich haben 
angelegen sein lassen. 



38 9. Curtius. Nr. 1. 

konjekturen , zum theil ziemlich kühnen konjekturen seine Zu- 
flucht nimmt. 

Um mit dem sprachlichen zu beginnen, so beseitigt 
Kinch das wort super egr edi, das perfektum desilii, den plural 
macti, den nomin. masc. celebris, das absolute admovere, 
sodann tutus, cognosc er e und ing emiscere mit blossem ab- 
lativ , eximius mit genitiv, die harte construktion Cleandri 
metu = ob Cl. metum , equidem mit dritter person , cogere 
mit ut, ferner r ec ens er e, colloqui und sustinere mit acc. c. 
inf., praecip ere mit inf. pass. und imperare mit inf. activi, 
das jedenfalls höchst anstößige ab eV 5. 2. 5 = proximus ab eo, 
post eum ; ad haec 3. 10. 7 = praeterea (für ad /ioc), nefarius 
= nefastus 7. 5. 20, explere A ) supplicium 7. 5. 23 u. a. m. In 
der überwiegenden mehrzahl der fälle ist er sicher in seinem 
rechte , mitunter aber verfällt er unläugbar in den fehler , der 
Überlieferung gewalt anzuthun, um nur uniformität oder korrekt- 
heit herzustellen. So ist er geneigt (p. 97), vier stellen zu än- 
dern , damit indui nur mit dem accus, verbunden erscheine, 
zwei stellen (p. 35), damit das tonwort bei Curtius stets zwischen 
non. .modo eingeschoben sei, möchte bei non solum , quidem, quo- 
que am liebsten überall die gewöhnliche Wortfolge herstellen 
(p. 67) und schreckt nicht davor zurück (p. 51) an 6 stellen 
kleine - - vollständige oder abgekürzte — komparativsätze mit quam, 
die ihm überflüssig oder störend zu sein scheinen, als einschiebsei 
zu streichen 5 ). Aber derartige ausschreitungen, wenn es erlaubt 
ist , sie so zu nennen , finden sich doch nur vereinzelt. Im all- 
gemeinen zeigt sich der verf. der Überlieferung gegenüber viel- 
mehr bis zur peinlichkeit respektvoll und leistet mitunter schier 
erstaunliches in der vertheidigung derselben (so z. b. die bemer- 
kung über tarn levi auctore p. 55 , über perniciem sui p. 107). 
Die ganze feinheit der Madvig'schen grammatischen schule zeigt 
die behandlung von stellen wie 5. 8. 6, 6. 2. 11, 6. 7. 17, 6. 
10. 7, 7. 2. 2 6 ); als ein gründlicher kenner des Curtianischen 

4) Für explendi wird, jedenfalls mit recht, expetendi vorgeschlagen. 

5) Wer sollte auf den einfall gekommen sein, z. b. 8.14.20 quam 
ducis oder 9. 4. 30 quam respondit zur erklärung einzuschieben? 

6) Es finden sich dort feine beobachtungen über pluris aestimare 
c. abl. compar., die weglassung von qui in gewissen fällen, neque = 
neque enim in parenthesen, folgesätze abhängig von irrealen sätzen, 
den gebrauch von haud sane bei Curtius. 



Nr. 1. 9. Curtius. 39 

Sprachgebrauchs erweist sich der verf. aller orten. Die beden- 
ken, welche Kinch gegen maior patria 4. 3. 22, adnuere deditio- 
nem 8. 2. 28, subicere Asiam ohne dativ 8. 1. 37 u. a. erhoben 
hat, werden ohne zweifei in erwägung zu ziehen sein, wie nicht 
minder die von ihm erhobene einwendung gegen ag entium 
gratias 7. 2. 36 und transmitted- e = o?nitiere 9. 4. 17. 
Aber sicherlich ist Kinch nicht im rechte und meistert die Über- 
lieferung in ungehöriger weise , wenn er den substantivischen 
gebrauch von pra ecipuum bei guten autoren (p. 76) läugnet, 
in sustinere non posse eine unerträgliche tautologie findet 
(p. 52), primum 4. 8. 1 und 10. 6. 3 ohne weiteres in primo 
verwandelt. Ebensowenig wird es billigung linden, daß er ge- 
brauchsweisen , die dem schriftsteiler fremd sind, wie supra = 
praeterea, inrisui esse, pudorem conformare, das pathetische inunc 1 ) 
durch koujektur in den text bringen will. 

Aber Kinch hat nicht nur als grammatiker und Stilist den 
text seines autors sorgfältigst durchmustert, gar häufig beziehen 
sich seine bemerkungen auch auf die sache , den sinn und ge- 
daukenzusammenhaug. In der aufspürung von schaden bekun- 
det Kinch ohne zweifei einen großen Scharfsinn. Die heiluug 
derselben ist ihm natürlich nur dann und wann voll gelungen. 
Nach des referenten ansieht sind die von Kinch zu 3. 11. 4, 4. 
14. 15, 5. 7. 5, 6. 4. 18, 8.9.13 vorgeschlagenen Streichungen 
ebenso einleuchtend als die 7. 2. 2 , 8. 8. 14, 8. 10. 12 em- 
pfohlenen einschiebungen , wie auch die eine und andere der p. 
88 in Vorschlag gebrachten größeren transpositionen. Ob frei- 
lich ein herausgeber ohne weiteres alles das auszuführen wagen 
darf, was Kinch empfiehlt , ist eine andere frage. Welcherlei 
versehen, nachlässigkeiten, logische oder stilistische unfertigkeiten 
man einem autor zutrauen dürfe , das sind unendlich schwer zu 
beantwortende fragen und ein gewissenhafter herausgeber wird 
im zweifelsfalle es sicher vorziehen, an einer wenig zusagenden 
Überlieferung festzuhalten als gefahr zu laufen, an seinem autor 
unberechtigte korrektur zu üben. Nur einige wenige beispiele. 
Daß 4. 2. 22 die zeilen et quo . . mare nicht am platze sind, 
vortrefflich aber an den schluss von p. 19 passen würden, hat 
Zumpt so gut eingesehen wie die ganze reihe von herausgebern 
seit AWus und Giunta ; er hat sich aber doch nicht entschließen 
7) Bekanntlich besonders häufig bei Seneca. 



40 9. Curtius. Nr. 1 . 

mögen die transposition vorzunehmen. Ebenso wenig würde ich 
den muth haben, 8. 8. 12 die worte et sane . . . circumfluit mit 
Kinch nach § 9 einzuschieben, so einleuchtend auch dieser Vor- 
schlag ist. So steht es mit mancher der vorgeschlagenen Strei- 
chungen. Daß 4. 6. 23 urbis völlig entbehrlich ist und lästig 
dazu, da interiora urbis unmittelbar vorhergeht, sei bereitwilligst 
zugegeben, aber Curtius, wie Kinch selbst p. 75 zugiebt, wie- 
derholt recht häufig dasselbe wort nach kurzem intervall, sogar 

2, ja 3 mal (so undique 4. 3. 13 u. 14, wo es jedenfalls an 
einer stelle zu streichen ist, so ignis 8. 10. 8, ripa 7. 9. 5; su- 
pervenire 9. 5. 15). Das nämliche gilt von manchem Vorschlag 
anderer art, den Kinch macht. Außerordentlich einfach ist es, 

3. 6. 6 in den Worten satius est alieno me mori scelere quam metu 
nostro das neben nostro entschieden frappierende me zu streichen, 
aber Cicero läßt in Catil. 1. 22 nach kurzem intervall auf mea 
voce folgen nobis = mihi und Vell. Pat. 2. 111 schreibt sogar: in 
quaestura legatus . . . missus, quas nos . . acies hostium vidimus. Muß 
ein herausgeber im hinblick auf solche und ähnliche stellen nicht 
bedenken tragen , die Streichung vorzunehmen aus furcht , eine 
eigenthümlichkeit des Schriftstellers eigenmächtig zu beseitigen ? 

Wie viele oder wenige der von Kinch vorgeschlagenen än- 
derungen es verdienen , in den zukünftigen ausgaben aufnähme 
zu finden, darüber traut sich referent kein ganz unbefangenes 
urtheil zu. Er beschränkt sich daher auf einige wenige bemer- 
kungen, indem er die stellen kurz bezeichnet, wo e r mit voller 
entschiedenheit für oder gegen die aufstellungen Kinch 's partei 
nimmt. Unverständlich ist ihm die konjektur quam Choerili 8. 
5. 8 geblieben; p. 98 z, e. ist offenbar etwas ausgefallen, die 
letzten zeilen daselbst beziehen sich nicht auf 10. 6. 9, sondern 
auf 10. 6. 18 und die conjektur expetebat wird im hinblick auf 
das unmittelbar darauf folgende appeteret wohl niemandem an- 
nehmbar erscheinen. Ebenso wenig dürften 3. 11. 20 quo plus 
raperent, 5. 8. 1 regentibus, 5. 12. 16 amplissimis, 6. 11. 32 ra- 
tio für causa, 8. 10. 10 quidam, 10. 1. 26 aeque beifall finden. 
Dagegen findet referent in hohem grade beachtlich folgende 
Vorschläge: 4. 3. 22 in maiorum patria, 6. 11. 6 sollicitet quis 
praesit, 7. 7. 25 ex iis für extis, 9. 4. 23 duceret ut dis secundis. 
Nahezu evident aber erscheinen ihm die konjekturen : 3. 3. 20 
spiculo aureo, 7. 5. 10 succurrerent , 7. 5. 23 expetendi (s. o.), 7. 



Nr. 1. 10. Cicero. 41 

10. 4 trudi für tralä, 9. 4. 27 ro omüteret aut certe, 9. 5. 11 
subrecto, 10. 5. 28 ea ademerat und 10. 6. 19 sedi erant. 

Das mitgetbeilte wird genügen, auch weitere kreise der 
fachgenossen für das schriftchen von Kinch zu interessieren ; für 
diejenigen , welche sich mit Curtius besonders beschäftigen , ist 
der hinweis auf dasselbe von vornherein ja unnöthig gewesen. 
Daß seit langer zeit keine arbeit über diesen Schriftsteller er- 
schienen ist, welche so aus dem vollen geschöpft und so vielsei- 
tiges interesse zu erregen geeignet ist als die angezeigte des 
jungen dänischen gelehrten, darüber werden wohl alle fachmän- 
ner übereinstimmen , welche von derselben eingehend kenntniß 
genommen haben. Kinch hat sich eine genaue kollation des 
Budensis verschafft, ebenso eine solche von den letzten partien 
des Vatican. 971, also des codex, welcher von 10. 2. 10 bis 
10. 5. 8 und sodann von 10. 8. 14 ab ein gewisser ersatz für 
den dort lückenhaften, bez. abbrechenden Parisinus ist, hat end- 
lich die letztgenannte handschrift aufs neue und, wie es scheint, 
sehr sorgfältig selbst verglichen. Außerdem hat er die noten 
von Modius und Merula wie den handschriftlichen apparat Sna- 
kenburg's und Zumpt's ebenso genau wie mit selbständigem ur- 
theil nochmals durchgearbeitet. Schon aus diesen rücksichten 
muß seine arbeit als eine höchst dankenswerthe bereicherung 
unserer Curtiuslitteratur angesehen werden ; der werth derselben 
wird aber ganz erheblich noch dadurch gesteigert, daß Kinch 
nicht einseitig sich mit diplomatischer kritik beschäftigt, sondern 
auch als feinsinniger interpret des Schriftstellers und gründlicher 
kenner seines Sprachgebrauchs sich bewährt hat, wenn auch ohne 
zweifei manches von dem , was derselbe mit einer gewissen ke- 
cken Zuversicht behauptet , einer ruhigeren betrachtung gegen- 
über sich als unrichtig, wenigstens als sehr anfechtbar erweisen 
wird. Th. Vogel. 



10. Eduard Stroebel, De Ciceronis de oratore librorum 
codicibus mutilis antiquioribus. Diss. inauguralis. Erlang. 1883. 
76 p. 8. 

Der verf. dieser fleißigen abhandlung giebt mehr, als er 
ankündigt ; denn außer den älteren codd. mutili , welchen er 
die ersten beiden kapitel widmet, bespricht er in einem dritten 
die jüngeren mutili, in einem vierten die integri, und schließt 



42 10. Cicero. Nr. 1. 

in einem fünften mit variae adnotationes criticae. Für die bei- 
den ersten kapitel standen ihm eine neue kollation des Abrin- 
censis von Ferd. Heerdegen , eine von A. Luchs angefertigte 
des Harleianus und eine von ihm selbst besorgte des älteren 
Erlangensis zu geböte. Auf grund dieses handschriftlichen ap- 
parats unternimmt er es, eine jede der genannten handschriften 
unter berücksichtigung des umfangs der in ihnen enthaltenen frag- 
mente , der in ihnen angewandten schriftform und Schreibweise, 
sowie der auslassungen , zusätze und anderer Verderbnisse nach 
ihrem werthe zu prüfen und das Verhältnis derselben zu ein- 
ander sowie zu dem gemeinsamen archetypus festzustellen. Er 
thut dies in einer etwas weitschweifigen, bisweilen selbst ermüden- 
den weise, indem er unwesentliche oder auch allgemein bekannte 
und abgemachte punkte mit gleicher Umständlichkeit erörtert wie 
solche , welche für die förderung der Wissenschaft von belang 
sind. Dabei nimmt er zugleich an vielen stellen auf die lei- 
stungen der neueren herausgeber dieser schrift oder andere die- 
selbe betreffenden arbeiten zustimmend oder ablehnend bezug 
und macht gelegentlich auch selbständige vorschlage zur Ver- 
besserung des textes. Es kann nicht ausbleiben , daß er mit 
seinen vermuthungen und Schlüssen öfters auf bedenken oder 
Widerspruch stoßen wird. Nichtsdestoweniger kann dieser arbeit 
nicht jegliches verdienst abgesprochen werden , insofern die Zu- 
sammenstellung ähnlicher oder zusammengehörender punkte die 
Orientierung erleichtert und eine sichere und schnellere beur- 
theilung der vorhandenen schaden möglich macht. Der werth- 
vollste theil der ganzen abhandlung dürfte aber in dem ab- 
schnitt enthalten sein , in welchem der cod. Harlei. ausführlich 
besprochen und zu allgemeinerer kenntnis gebracht wird , ein 
cod. , welcher zwar flüchtig geschrieben und infolge dessen mit 
nicht wenigen , ihm eigen thümlichen fehlem behaftet ist , aber 
dessenungeachtet mehr glaubwürdigkeit als der ältere Erlanger 
verdient, abgesehen davon, daß in ihm einige abschnitte ent- 
halten sind, welche in den beiden übrigen älteren mutili fehlen. 
Sie umfassen von lib. I. die §§ 123—128 und 151 — 193, von 
lib. II. die §§13 — 19 und 234 — 245, welche im Abrincensis erst 
von jüngerer hand hinzugefügt sind, und in lib. III die §§ 149 
— 171, welche in derselben handschrift ebenfalls von einer spä- 
teren hand herrühren. Im übrigen behält der Abrinc. nach wie 



Nr. 1. 10. Cicero. 43 

vor den ersten platz unter diesen 3 Handschriften, deren gegen- 
seitiges Verhältnis der verf. so feststellt, daß der Abrinc. und 
Harlei. beide mittelbar, aber in gleich weitem abstände aus dem 
archetypus geflossen sind , während der ältere Erlang, erst aus 
einer schwesterhandschrift des Abrincensis herzuleiten ist. Es 
ist ihm gelungen, den beweis hierfür in ziemlich überzeugender 
weise zu führen. Demnach wird der Harleianus immer in erster 
linie nach dem Abrincensis zu berücksichtigen sein. 

Daß ref. mit dem kritischen urtheil des verf. nicht immer 
einverstanden sein kann, ist schon oben angedeutet worden. Um 
dies zu illustrieren , mögen einige ohne wähl herausgegriffene 
beispiele folgen. Lib. II. 55 , 224 bieten sämmtliche mutili die 
lesart locum, aus welcher die neueren herausgeber außer Kayser 
lotum gemacht haben, während Stroebel (mit ihm freilich auch 
Stangl) der von Kayser festgehaltenen vulgata locutum den Vor- 
zug einräumt. Aber zugegeben, daß locum aus locutum verderbt 
werden konnte, wie andere beispiele der mutili beweisen, so liegt 
es doch aus paläographischem gründe näher, lotum als ursprüng- 
liche lesart anzunehmen, welche zumal auch dem gedanken mehr 
entsprechen dürfte. Denn es kam doch nur darauf an, das zu- 
sammen sein im bade, natürlich zu dem zweck, zu welchem 
überhaupt bäder besucht werden, zu betonen. Auch in den vor- 
hergehenden beispielen wird immer nur ein zusammen sein mit 
den söhnen (essemus , eramus , assedimus) erwähnt, und durch lo- 
cutum würde lediglich ein fremdartiges und durch nichts moti- 
viertes moment hinzugebracht werden. Die partikel etiam spricht 
zum mindesten nicht für locutum. — [I. 44, 177, wo sämmt- 
liche hauptglieder der periode asyndetisch neben einander ge- 
stellt sind, würde et vor ex iisdem sogar im Widerspruch mit den 
handschriften fehlen müssen; um so auffälliger ist es, daß Stroe- 
bel es verlangt, während es die mutili nicht haben. — Daß ref. 
über II. 12, 52: ei qui heut anders denkt als vor 18 jähren, 
ist aus seiner anm. zu de or. I. 59 , 253 (2. aufl.) ersichtlich. 
— II. 13 , 57 ist ex clarissima quasi rhetorum officina von dem 
unterzeichneten wegen der handschriftlich beglaubigten Wortstel- 
lung geschrieben worden und dürfte trotz Adler festzuhalten 
sein. Wie quasi vor dem sing, rhetoris gerechtfertigt werden 
könnte, ist nicht recht erfindlich, da Isocrates ein wirklicher 
rhetor war, seine schüler aber nicht, wie Adler glaubt, bloß 



44 10. Cicero. Nr. 1. 

redner waren , sondern , obgleich rhetorisch gebildet , sich auch 
anderen berufszweigen zuwandten. Vgl. übrigens de Fin. V. 3, 
7: ex hac tamquam omnium artificum officina. — II. 17, 72 giebt 
der gedankenzusammenhang deutlich zu erkennen, daß aut tam- 
quam machinatione cet. nur die steigernde fortsetzung des durch 
das wiederholte aut gegliederten und nur durch die parenthese 
in quo saepe — deducendum est unterbrochenen Satzes enthält, 
welcher mit cum begonnen worden ist. Es kann daher aut vor 
tamquam nicht durch ein neues cum ersetzt werden. — II. 45, 
190 kann das hinter accesserit in den mutili stehende s nur als 
die von dem abschreiber selbst hinzugefügte Verbesserung des 
von ihm gemachten und bald bemerkten Schreibfehlers angesehen 
werden und daher nur accesseris richtig sein. — II. 28 , 125 
wird, mag man nun non hoc maxime oder hoc non maxime lesen, 
im folgenden doch quae semper statt ea semper nothwendig sein, 
wenn anders in quibus, wie es der gedanke erfordert, seine be- 
ziehung auf den mit sed haec beginnenden satz behalten soll. — 
III. 46, 180 ist et vor templa nicht bloß aus handschriftlichem 
gründe sondern auch darum wegzulassen, weil auf columnae das 
hauplgewicht ruht , welches eine beeinträchtigung erführe, wenn 
zugleich templa und porticus durch eine gliederung mittelst et — 
et mehr hervorgehoben würde. 

Solcher stellen , an denen ref. mit dem verf. nicht einver- 
standen ist, könnten noch manche angeführt werden. Aber an- 
drerseits ist auch anzuerkennen, daß er öfters das richtige ge- 
troffen und seine ansieht mit guten gründen gestützt hat. So 
z. b. ist auf p. 10 mit recht daran erinnert worden, daß IL 71, 
290 ebenso wie 57,234 deversorio und nicht diversorio zu schrei- 
ben ist. Gut ist auch auf p. 12 die bemerkung, daß III. 46, 
181 possit , nicht posset zu lesen, ferner auf p. 38, daß IL 82, 
333 est hinter vitanda einzufügen, auf p. 41, daß aliqui dolos 
statt aliquis zu setzen sein dürfte, sowie auf p. 45, daß die von 
dem unterzeichneten gewählten lesarten IL 57 , 233 und 77, 
314 ne quae und si quae statt ne qua und si qua handschriftlich 
nicht genügend beglaubigt sind. Ebenso ist auch p. 71 sehr 
wahrscheinlich gemacht worden, daß III. 29, 115 das in den 
ältesten mutili vor possit stehende facere nicht wegzulassen ist. 
Ueberhaupt geht aus dieser abhandlung, namentlich aber aus 
den verdienstvollen Untersuchungen Stangls als unzweifelhaft her- 



Nr. I. 10. Cicero. 45 

vor, daß von dem gegenwärtig bekannten handschriftlichen ma- 
terial die codd. mutili noch mehr auszunützen sind, als von dem 
unterzeichneten in seiner ausgäbe der bücher de oratore schon 
geschehen ist. Anders wird sich möglicher weise die sache her- 
ausstellen, wenn es gelingen sollte, durch eine noch ausstehende 
genaue vergleichung der integri den text des verloren gegange- 
nen cod. Laudensis festzustellen, in welchem falle die jetzt im 
Vordergründe stehenden handschriften leicht ihren vorrang ein- 
büßen können; denn daß dieser cod. immer nur in den vorher 
unbekannten theilen abgeschrieben , in den übrigen aber ledig- 
lich zur ergänzung und berichtigung herangezogen worden sei, 
wird heut schwerlich noch jemand glauben. Daß dies freilich 
von den Schreibern des lg. 3 und 6 geschehen ist, hat der verf. 
wahrscheinlich gemacht. 

Von den jüngeren mutili urtheilt er mit recht , daß sie ne- 
ben den älteren nicht mehr in betracht kommen. Der Erlang. 
II soll aus dem Abrincensis und nur in einem theile aus dem 
Harleianus geflossen, der Erfurtensis aber ganz auf den letzteren 
zurückzuführen sein. 

Uebrigens scheint der verf. über die handschriftlichen les- 
arten nicht immer ganz genau berichtet zu haben. Wenn er 
z. b. auf p. 33 mittheilt, daß 11.28, 128 im Abrinc, Erl. I. und 
Harleianus meae totius in dicendo orationis stehe, so ist zu bemer- 
ken, daß nach dem dem ref. vorliegenden handschriftlichen inate- 
rial so nur in A und H steht, und zwar in dicend orationis. Auch 
II. 55, 223 scheint in A nicht duos (lectores), sondern duo l. zu 
stehen-, IL 57, 233 fehlt in A tibi vor causam; 58, 237 steht 
in A parcendum autern est maxime , in H parcendum est autem 
maxime; 77, 315 findet sich nicht in A und E, sondern in A 
und H volgare atque commune, und ebenso beruht es wohl auf 
einem irrthum , wenn über III. 37, 150 mitgetheilt wird, daß 
dort in A und H est vor ponderandus stehe. Auch p. 47 ist 
rerum sed usu gewiß ein Schreibfehler statt in rerum vel usu. 

Was endlich das latein des verf. betrifft, so ist anzuerken- 
nen, daß er sich eines deutlichen und im allgemeinen gewandten 
stils bedient hat. Immerhin dürfte aber an einzelnen ausdrücken 
anstoß zu nehmen sein , wie z. b. auf p. 2 an [codicum) contem- 
plationc, p. 3 an der Verbindung von silentio mit praetermittam, 
dem häufig gebrauchten contendcre für unser behaupten, an 



46 11. Weltgeschichte. Nr. 1. 

probabiliter, wenn es einen erklärenden zusatz oder eine apposi- 
tion anknüpfen soll, für eine Wendung mit videri, sowie an ap- 
tae sunt, ut persuadeant (p. 24). Gustav Sorof. 

11. Ranke, L. von, Weltgeschichte. Bd. 1.2. 3. Zweite 
aufl. Leipzig, Duncker & Humblot 1881 — 83. 8. 

Die höchste aufgäbe , die der historiker sich stellen kann 
ist es ohne frage , eine Weltgeschichte zu schreiben ; und doch 
drohte dieser gedanke uns allmählich abhanden zu kommen. — 
Arbeitsteilung ist die parole des tages , d. h. auf dem gebiete 
der Wissenschaft : detailforschung und spezialisirung, die in einem 
umfange durchgeführt wird von dem man früher keine ahnung 
hatte. Namentlich das gebiet der geschichtsforschung zerfällt 
in zwei theile , die durch eine breite kluft getrennt sind : das 
alterthum auf der einen, mittelalter und neuzeit auf der andern 
seite ; und die forscher sind zu zählen , welche diese kluft zu 
überschreiten und auf beiden seiten selbständig zu arbeiten ge- 
wagt haben. — Die meisten beschränken sich entweder auf die- 
ses oder jenes gebiet, ja die beschränkung geht auf dieser, wie 
auf jener seite noch viel weiter. Viele sind nur beschäftigt 
bausteine zu formen und regelrecht zu behauen , ohne daß ih- 
nen jemals der gedanke kommt, selbstständig daraus ein gebäude 
aufzuführen. — Um so freudigeren empfang findet also der bau- 
meister , der auf der einen seite bereits eine reihe von pracht- 
bauten aufgeführt hat, und sich nun auch der anderen seite zu- 
wendet, um alles zu einer einheit zusammenzufassen. 

Man weiß in der that kaum, was man mehr an Ranke be- 
wundern soll, den muth in seinem alter ein so weitaussehendes 
unternehmen zu beginnen, oder die arbeitskraft und geistige 
frische mit der es ausgeführt wird, oder die Vielseitigkeit der 
interessen oder die geschickte gliederung und auswahl des fast 
unermesslichen Stoffes. Rankes Weltgeschichte will und kann 
kein handbuch für gelehrte forschung sein ; sie ist für gebildete 
(im besten sinne des wortes) und nicht für gelehrte geschrieben 
und daher von ersteren auch freudiger begrüßt worden als von 
letzteren. Fachleute können immer noch bei einer reihe von 
fragen mit recht behaupten, daß sie mehr und besseres davon 
verstehen als Ranke und noch kürzlich sind z. b. in einer ita- 
lienischen Zeitschrift eine reihe von ausstellungen besonders ge- 



Nr. 1. 11. Weltgeschichte. 47 

gen den ersten band gemacht, die zum theil ihre berechtigung 
haben, da Eanke sich für seine Weltgeschichte in eine menge 
von fragen einzuarbeiten hatte, die, wie wir jetzt sehen, auch frü- 
her nie gänzlich außer seinem horizont gelegen , aber doch mit 
seinem eigentlichen arbeitsfeld nur wenig berührung hatten. 
Daß der spezialforscher dem verf. hier oftmals überlegen ist, 
kann natürlich nicht in abrede gestellt werden. Allein dieser 
nachtheil, der nicht weggeleugnet werden soll, wird aufgewogen 
durch vortheile , die den verf. bei seiner arbeit unterstützten. 
Was wir an dem großen werke von Ranke besitzen , sieht man 
recht deutlich, wenn wir dasselbe mit anderen vergleichen, die 
denselben titel führen. Keiner der mit Ranke zusammen auch 
nur genannt werden dürfte, hat sich jemals dieses ziel gesteckt. 

Zunächst ist es natürlich von besonderem interesse , das 
urtheil eines geistreichen historikers zu hören , der völlig unab- 
hängig den jeweiligen schulmeinungen gegenübersteht ; sodann 
ist doch die historische methode, die bei der alten geschichte an- 
gewendet wird, schließlich dieselbe, welche beim mittelalter und 
der neuzeit angewendet wird : wer also hier sein äuge durch 
übung geschärft hat wird es auch dort zu brauchen wissen. 

Mit instinctiver Sicherheit erfaßt verf. den eigentlichen kern 
und das wesen der sache, während andere, die sich zu lange bei 
nebendingen aufhalten , den richtigen maaßstab bei Würdigung 
verlieren. Wer in dem maaße wie Ranke die ganze spätere 
geschichte beherrscht, der findet natürlich bei der alten ge- 
schichte eine menge von analogen Verhältnissen, die für ihn durch 
parallelen aus der späteren zeit sofort klar werden. 

Universalgeschichte ist das eigentliche fach des verf.; grade 
diejenigen partieen, wo die beziehungen und Verwickelungen sich 
häufen, wo die fäden hinüber und herüber führen, deren auffas- 
sung und darlegung also die meisten Schwierigkeiten bietet, sind 
sein element und wir bewundern seine klarheit niemals mehr 
als wenn er einen scheinbar hoffnungslos verwirrten knoten nur 
in die band zu nehmen braucht, um die verschlungenen fäden 
gleichsam von selbst sich entwirren zu sehen. — Seine darstel- 
lung ist einfach und klar, ohne tendenz und anachronismen, 
seine spräche frei von rhetorischem prunk und sucht eher durch 
eine allgemeine reflexion oder durch eine spezielle parallele 
zu erklären. Meistens läßt Ranke die Sachen selber wirken und 



48 11. Weltgeschichte. Nr. 1. 

bemerkt höchstens, weßhalb sie wichtig sind. Ohne durch that- 
sachen zu erdrücken, versteht er es meisterhaft sie so zu grup- 
piren , daß dem leser die eigentlich leitenden grundgedanken in 
ihrer eigenthümlichkeit klar werden. 

Den resultaten neuerer skepsis gegenüber verhält Ranke 
sich meistens sehr ■ — und wir können wohl hinzufügen — zu sehr 
skeptisch, während er andrerseits die positiven ergänzuugen der 
früher lückenhaften Überlieferung, wie sie uns z. b. die assyrio- 
logie bietet mit dank entgegen nimmt, trotz der principiellen be- 
denken, die vor wenigen jähren v. Gutschmid in dieser hinsieht 
ausgesprochen hat. — 

„Die erde war bewohnbar geworden und wurde bewohnt", 
„die Völker waren geschieden und standen in mannigfaltigen 
beziehungen unter einander; sie besaßen anfange der eultnr lange 
bevor die schrift erfunden war und auf diese allein ist doch die 
geschichte angewiesen" — so lauten die schönen und vielsagenden 
eingangsworte, die den leser sofort auf den richtigen Standpunkt 
stellen und eine reihe von unnützen fragen sofort abschneiden. 

Dann schildert er im ersten theil , dessen schwieriger Stoff 
besonders geschickt disponirt ist: die älteste völkergruppe und 
die Griechen: 1) Amon-Ra Jehova und das alte Aegypten, 2) das 
israelitische zwölfstämmereich, 3) Tyrus und Assur, 4) Medo-per- 
sisches reich, 5) das ältere Hellas, 6) zusammentreffen der Grie- 
chen mit dem persischen weitreich, 7) demokratie von Athen, 
8) antagonismus und fortbildung der ideen über die göttlichen 
dinge in der griechischen literatur, 9) persisch - griechische Ver- 
wickelungen, 10) die macedonische weitmacht, 11) Ursprung der 
macedonisch-hellenistischen königreiche, 12) ein blick auf Kar- 
thago und Syrakus. — Der zweite band führt dann die Welt- 
geschichte von Agathokles bis zu Augustus , nachdem im ein- 
gang natürlich die ganze ältere sage und geschichte des alten 
Roms nachgeholt ist. Ranke zeigt sich conservativer als Niebuhr 
und Mommsen ; ob Romulus und Nurna mythische oder historische 
Persönlichkeiten sind, läßt er unentschieden (2, 22) und auch eine 
reihe von aneedoten die in der älteren Überlieferung der Römer 
eine solche rolle spielen , bringt er nicht über das herz einfach 
zu streichen. Auf mehr Zustimmung kann er rechnen , da wo 
der anschluß an den vorigen band wieder erreicht ist und die 
geschicke von Italien, Sicilien, Hellas und Karthago anfangen 



Nr. 1. 11. Weltgeschichte. 49 

sich zu verflechten. Der erste halbband schließt mit der er- 
oberung von Nmnantia , der zweite trägt die Überschrift : Die 
römische republik und ihre Weltherrschaft, und schildert beson- 
ders ausführlich die sich ablösenden bürgerlichen unruhen, revo- 
lutionen und bürgerkriege , die sich dann wieder mit der äuße- 
ren politik verflechten. Bei aller anerkennung von Cäsars ge- 
rne hält Ranke sich doch von dem jetzt beliebten Cäsarkultus 
fern; auch Pompejus ist allerdings keine große ersten ranges, 
wird aber doch nicht lächerlich gemacht, ebenso wie Cicero, der 
gelegentlich mit Demosthenes in parallele gestellt wird. 

Der dritte band gibt dann die altrömische kaisergeschichte von 
Tiberius bis auf Constantin. Es ließ sich voraussehen, daß dieser 
band der schwächste des ganzen werkes werden würde , und, 
wenn ich nicht irre, ist er es geworden. Es hieße einem werke 
wie dem Rankeschen unrecht thun , wenn man in kleinlicher 
weise eine reihe von einzelheiten herausgreifen wollte, bei denen 
seine ausführungen zweifelhaft oder vielleicht gar falsch sind; 
denn derartiges ist bei der große und der Schwierigkeit des ge- 
genständes natürlich unvermeidlich und kann das gesammturtheil 
nur wenig modificiren. Ueber das was auf dem gebiete der kaiser- 
geschichte geleistet und was noch zu leisten ist wurde grade kürz- 
lich in dieser Zeitschrift (13, 3, 223) gehandelt bei besprechung 
der fast gleichzeitig erschienenen kaisergeschichte von Schiller, 
es mag also genügen, hier der kürze wegen darauf zu verweisen. 
Große Veränderungen bereiten sich hier vor, welche die kaiser- 
geschichte auf eine neue basis stellen, einige vorarbeiten sind 
bereits gemacht, für andere wenigstens neues material gewon- 
nen •, hier muß viel mühsame detailarbeit vorhergehen , ehe an 
eine abschließende kaisergeschichte gedacht werden kann. Diese 
Untersuchungen wollte der verf. nicht machen und konnte er 
nicht machen , selbst wenn er ihnen den ganzen rest seines le- 
bens gewidmet hätte. Wie mühsam es war das vorhandene ma- 
terial zu sammeln, lehrt z. b. ein blick in die Schillersche kai- 
sergeschichte, obgleich auch hier Vollständigkeit natürlich weder 
erstrebt noch erreicht wurde. Diese details konnten natürlich 
in ein werk nicht aufgenommen werden, das auf viel beschränkterem 
räum in großen zügen zeichnen will ; sie mußten also nicht einen 
theil aber doch die Voraussetzung eines derartigen werkes bilden. 
Wir besitzen bereits eine kaisergeschichte die durch einen 
Philol. Aaz. XIV. 4 



50 11. Weltgeschichte. Nr. 1. 

berühmten namen geziert ist. Aus Niebuhrs nachlaß ist im dritten 
bände seiner vortrage eine skizze der römischen kaisergeschichte 
gedruckt worden. Kann man nun sagen, daß Ranke einen be- 
deutenden fortschritt über Niebuhr hinaus bezeichnet? Wohl 
nur in einigen fragen ; in anderen dagegen nicht. Man hätte 
denken sollen , daß die universalhistorische auffassung und dar- 
stellung des verf. sich grade bei der kaiserzeit in ihrem glän- 
zendsten lichte zeigen würde , weil spezielle geschichte der ein- 
zelnen stamme und Staaten hier in die geschichte des gesammt- 
reiches aufgegangen ist. Diese erwartung wird aber nicht er- 
füllt, weil die provinzen ihre staatliche Selbstständigkeit verloren 
haben und hier also die hervorragenden punkte fehlen, an welche 
der verf. seine fäden anknüpfen könnte. Der hellenistische osten 
wird hier z. b. viel weniger berücksichtigt als in den vorher- 
gehenden partien, in denen er noch durch eigene fürsten regiert 
wurde. In der kaiserzeit wäre die Universalgeschichte eigentlich 
provinzialgeschichte geworden, die der verf., wie es scheint, ab- 
sichtlich nicht geben will. Bei der regierung des Titus , die 
kaum eine halbe seite (3 p. 257) füllt, wird Pompeji, das für 
kenntniß des municipalen lebens so wichtig ist, nicht einmal ge- 
nannt. Was er gibt, ist im wesentlichen , wie bei Tacitus , re- 
gentengeschichte 8 ), allerdings ergänzt durch eine skizze der litte- 
raturgeschichte , der entwickelung des rechts und des christen- 
thumes. Namentlich der Ursprung des christenthums und seine 
weitere entwickelung sind mit besonderer liebe und Sorgfalt aus- 
gearbeitet und werden namentlich denen erwünscht sein, welche 
den dogmatischen Standpunkt des verf. theilen. 

Daß andere , ebenfalls wichtige , gesichtspunkte dabei zu 
kurz kommen, läßt sich nicht leugnen; denn der räum für die 
darstellung ist ein sehr beschränkter, weil der verf. die zweite 
hälfte mit analecten d. h. kritischen erörterungen zur alten ge- 
schichte angefüllt hat, in denen er seine auffassung in den vor- 
hergehenden partien begründet und für einzelne fragen den werth 

8) 3 S. 108—9 bezweifelt der verf. z. b., daß Claudius von Agrip- 
pina vergiftet sei und fragt, aus welchem gründe sie das gethan ha- 
ben sollte ? Die antwort ist, wie mir scheint, ziemlich einfach : Weil 
nach ihren planen der thronwechsel zu einer zeit stattfinden mußte, 
in der ihr söhn noch einen vorsprung vor dem Britannicus hatte, der 
mit jedem jähre geringer werden mußte und aufhörte, wenn der tod 
des Claudius so spät erfolgte, daß sein eigener söhn ihm unmittelbar 
folgen konnte. 



Nr. 1. 12. Alte geschichte. 51 

der angaben des Josephus Diodor Polybius etc. einer prüfung 
unterzieht. — Ein anderer würde derartige Untersuchungen in 
irgend einer gelehrten Zeitschrift veröffentlicht haben und nicht 
einen monumentalen bau dadurch entstellt haben, daß er einen 
theil des gerüstes stehen läßt , der ihm bei der arbeit gedient 
hat. In diesen analecten sind manche feine und treffende be- 
merkungen vorhanden, namentlich in dem excurse über Tacitus; 
andere dagegen bleiben natürlich bestreitbar-, und mit einiger 
Wahrscheinlichkeit können wir für die zukunft programmen und 
dissertationen entgegen sehen, in denen die verf. sich ihre sporen 
verdienen wollen durch polemik gegen einen mann wie Ranke. 
Man begreift kaum, weßhalb der verf. und Verleger nicht lieber 
einen anderen ausweg vorgezogen haben. 

Druck und ausstattung des buches sind vortrefflich-, aber 
der preis ist hoch. 

12 Phönizier in Akarnanien. Untersuchungen zur phö- 
nizischen kolonial- und handelsgeschichte mit besonderer rück- 
sicht auf das westliche Griechenland von Eugen Oberhum- 
mer. München, Ackermann 1882. 86 p. gr. 8. 

Bei der beschäftigung mit den vorarbeiten zu einer ge- 
schichte Akarnaniens ist der Verfasser auf verschiedene spuren 
phoinikischer herrschaft, wie er glaubt, gestoßen, deren Verfol- 
gung es nothwendig machte , der Untersuchung sowohl geogra- 
phisch als in ansehung der einschlagenden Studienfächer eine 
weitere ausdehnung zu geben ; das ergebniß der mit eingehen- 
dem fleiß, mit gelehrsamkeit und kritischem streben gearbeiteten 
schrift dürfte , wenn auch vieles theils widerlegbar theils zwei- 
felhaft erscheint , doch in der hauptsache für gesichert gelten 
und dem verf. das verdienst zukommen, einen neuen mittelpunkt 
semitischer ansiedlung in Hellas wahrscheinlich gemacht zu ha- 
ben. Den weg zu diesem ziele bahnt er sich durch die Zusam- 
menstellung der in der nachbarschaft Akarnaniens von den Vor- 
gängern aufgefundenen spuren : so auf den inseln der namen 
Same, Ithaka (vgl. Utica), Molokas, Minoia und des cultes der 
Laphria-Britomartis ; andere, zum theil minder einleuchtende wer- 
den aus der Peloponnesos beigebracht; noch weniger möchten 
wir auf die epeirotischen geben : die Stadt Phoinike ist jungen 

datums , wie überhaupt noch in der mitte des vierten jahrhun- 

4* 



52 12. Alte geschiente. Nr. 1. 

derts es außer den hellenischen colonien keine städte in Epeiros 
gegeben hat. Geryones , wenn anders er als phoinikisch in an- 
sprach genommen werden darf, war weder ein könig der Am- 
philocher noch ist sein kämpf mit Herakles in die gegend von 
Ambrakia verlegt worden ; nur eine vermuthung des Hekataios 
war es , daß er könig zr/s rjntiQOv Trjg 7i?q\ ^A^ßQaniav tu aal 
' Anqilöiovg (Arrian Alex. II 16) gewesen sei, womit weiter 
nichts als eine Umschreibung des späteren namens Epeiros gege- 
ben werden soll, aber er meinte Nordepeiros , wo die Xaoivot 
ßnsi; zu hause waren, und dort nennt auch Skylax das angeb- 
liche Erytheia. Semitische, in Phoinikien (oder bei Phoinikern) 
wiederkehrende Ortsnamen Akarnaniens weiß verf. drei zu nen- 
nen : den der Stadt Marathos, deren läge er mit Wahrscheinlich- 
keit an der spitze Krithote sucht, der insel Karnos und der la- 
gune Melite , und es ist anzuerkennen , daß dem sprachlichen 
argument bei allen von dem verf. auch eine sachliche begrün- 
dung gegeben wird, wenn auch in der auseinandersetzung über 
Marathos manches bedenkliche untergelaufen ist: der eifer für 
seine sache hat ihn so weit geführt, sogar den acht griechischen 
namen Marathon für semitisch zu erklären, ohne sich an die be- 
deutung der endung cor und an analoga wie Sikyon Krommyon 
zu erinnern. Zu jenen Ortsnamen kommen religiöse culte : das 
opfer für die fliegen bei dem feste des Apollon «xr»o<,- (wie der 
verf. mit recht statt " Axnoi; schreibt) an der spitze von Leukas, 
welches gleich den ähnlichen des Heros Myiagros und Zeus 
Apomyios an den belzebub (fliegenbaal) der philister von Ekron 
erinnert ; der Heraklesdienst im hafen von Alyzeia und der 
gleiche, in der (freilich nur in römischer zeit genannten) Stadt 
Herakleia vorauszusetzende; das heiligthum der 'großen götter' zu 
Aktion, welche verf. nicht ohne anhält für die phoinikischen Ka- 
beiren (wörtlich die mächtigen, großen) erklärt; endlich den 
akarnanischen dienst der Aphrodite Aineias, welche wenigstens 
als unhellenisch angesehen werden darf. 

Das band, welches diesen vereinzelten, zum theil auch nur 
im allgemeinen auf den Orient zurückführenden hinweisen zu- 
sammenhält geben könnte, wäre eine alte Überlieferung von phoi- 
nikischen an siedlern , wie wir sie z. b. für Theben , Thasos, 
Thera und andere orte in der sage von Kadmos und seinen be- 
gleite™ besitzen. Eine solche ist in der that vorhanden , aber 



Nr. 1. 12. Alte geschichte. 53 

der verf. wirft sie, zur unzeit kritisch , bei seite. Im Etymolo- 
gicum magnum heißen die Taphier drixadtv &oivixeg iä>v petu 
Kuöpou aiaXhtmv: ohne zweifei galt ihr ahnherr Taphios d. i. 
die personilication des volkes , neben Kilix, Thasos und andern 
als ein begleiter des Kadmos. Der verf. meint, der gewährs- 
mann des lexikographen habe in den Taphiern deßwegen Phoi- 
niker zu erkennen geglaubt, weil sie diesen frühzeitig schifffahrt, 
seeraub und handel abgelernt hätten. Auf diesen grund hin 
hätte man aber mit ebenso viel recht oder unrecht jedes andere 
seefahrende volk von Hellas für nachkommen der Phoiniker an- 
sehen können und doch ist es niemand eingefallen, es darum 
von jenen abstammen zu lassen. Darin, daß die Odyssee zwi- 
schen Taphiern und Phoinikern unterscheidet, kann kein grund 
zur verwerfnng jener nachriebt gefunden werden : unter Phoi- 
nikern versteht sie bloß die angehörigen i des mutterlandes; die 
Taphier dagegen bilden ein volk für sich, gleichviel welcher 
abstammung, so gut wie die Kadmeier. Die Untersuchung über 
sie hätte der verf. gleich in diese schritt aufnehmen sollen, an- 
statt sie auf eine spätere zeit zu versparen. Die meisten Ho- 
mergeographen des alterthums haben die sitze derselben auf Ta- 
phos und die andern inseln zwischen Leukas und Akarnanien 
beschränkt, ohne zweifei deßwegen, weil der schiffkatalog , wel- 
cher die Taphier nicht erwähnt, auch Akarnanien im Kephal- 
lenenreich umfassen sollte ; um so glaubwürdiger ist die nachricht 
Strabons p. 461 , daß sie auch auf dem akarnanischen festland 
gewohnt hätten, zumal die Westküste nach ihren scheinbaren 
doppelgängern, den Teleboern, Telebois hieß und Taphios auch 
könig der Teleboer genannt wurde. Wer auf den namen der 
insel Karnos ein so bedeutendes gewicht in Sachen der Phoiniker 
Akarnaniens legt wie der Verfasser, der mußte auch die zwischen 
Karnos und Akarnanien gelegenen inseln mit ihren bewohnern 
eingehender berücksichtigen : waren diese von den Phoinikern 
verschieden, so fragt es sich , welches von beiden Völkern vor 
dem andern dort gesessen ist. Diese Unterlassung macht sich 
auch in einer andern frage fühlbar. Die technik der bogen- 
wölbung mittelst keilschnitt des steins, den anderen Hellenen un- 
bekannt, findet sich in bauresten von Oiniadai , Palairos und 
andern akarnanischen orten so gut ausgebildet wie in Etrurien 
und im tarquinischen Rom ; zuerst nachweisbar ist sie in Ninive. 



54 13. Archäologie. Nr. 1. 

Wenn sie, wie verf. annehmen möchte, aus Assyrien durch die 
Phoiniker nach Akarnanien gelangt ist, warum finden sich denn 
keine spuren in Phoinikien selbst? Wir denken bei diesen und 
anderen fällen 'pelasgischer' bauten Akarnaniens an die nach- 
richt des Pausanias I 28 , die tyrrhenischen Pelasger , welchen 
die akropolis von Athen ihre erste befestigung verdankte, seien 
dahin aus Akarnanien gekommen; auch die vom verf. passend 
hervorgehobene thatsache, daß so viele und so kunstgerecht an- 
gelegte cisternen wie in Akarnanien sich auf hellenischem boden 
nur in den felsanlagen vor dem melitischen thore Athens wie- 
derfinden, ließe sich auf diese weise erklären. Auf Verbindung 
der tyrrhenischen Pelasger mit den Phoinikern, welche sich als 
cisternenbauer jedenfalls schon vor der entstehung jener helle- 
nischen Wasserbauten ausgezeichnet haben, weist unter andern 
auch der Kabeirendienst der tyrrhenischen Pelasger von Boiotien 
(von wo , nicht unvereinbar mit Pausanias , Ephoros sie nach 
Athen wandern läßt) und Samothrake hin und wir stehen nicht 
an , für das volk des genealogischen heroenmythos , hinter des- 
sen namen der historische der tyrrhenischen Pelasger Akarna- 
niens verborgen sein muß , die Teleboer zu erklären : Teleboas 
ist enkel des Pelasgos , bruder des Oinotros und Peuketios , die 
Teleboer aber saßen römischen , ohne zweifei aus griechischer 
quelle geschöpften sagen zufolge auch an den gestaden des tyr- 
rhenischen meeres. U. 

13. A. Milchhoefer, die anfange der kunst in Griechen- 
land. Mit zahlreichen abbildungen. Leipzig, F. A. Brockhaus 
1883. VI und 227 p. 8. 

In diesem merkwürdigen buche sind zweierlei bestandtheile 
zu unterscheiden: die archäologische beschreibung verwandter 
denkmaler, die natürlich von den mykenäischen gräberfunden 
ausgeht, und die philologisch -historische construction der älte- 
sten culturzustände in Griechenland und ihrer quellen. 

Wie man von der umfassenden kenntnis des materials, wel- 
che der Verfasser in einer reihe von abhandlungen an den tag 
gelegt hat, erwarten konnte, ist dieses größere werk reich an 
feinen und belehrenden beobachtungen. Zwar macht die Schnel- 
ligkeit, womit er seine urtheile wechselt, über die dauerhaftig- 
keit dieser letzten ansichten einigermaßen mißtrauisch. So laßt 



Nr. 1. 13. Archäologie. 55 

er 1881 in seinem katalog, die niuseen Athens p. 88 die cultur 
der urzeit noch ganz auf dem boden des Orients stehen, jetzt 
beschränkt er dessen einwirkung bedeutend ; die berühmte Vor- 
stellung eines großen goldenen ringes nennt er dort p. 100 
„durchaus genrehaft" , jetzt erklärt er sie als Rhea mit ihren 
nymphen (p. 136); auf einer kretischen bronzeplatte hatte er 
den streit um die kerynitiscke hirschkuh erblickt, (Arch. zeitung 
1881 p. 68) , jetzt sieht er sich „veranlaßt", zu seiner frühern 
deutung ,,auf eine gewöhnliche jagdscene" zurückzukehren (p. 169). 
Aber niemand wird ihm verargen , wenn er in einer so schwie- 
rigen materie, wie die Würdigung der vor- oder früh-hellenischen 
denkmäler, einen tastversuch auf den andern folgen läßt. Be- 
denklicher erscheint die Zuversicht, womit p. 171 ff. die soge- 
nannten kyrenäischen vasen auf Kreta zurückgeführt werden, 
wonach um ol. 50 ein lebhafterer verkehr zwischen der insel 
und Afrika und mit Etrurien angenommen werden müßte. Auch 
gegen die starke ausbeutung der typentheorie , wie sie z. b. p. 
187 angewandt wird, ist mit recht von Veit Valentin in Lützows 
Zeitschrift für bildende kunst 1883 p. 29 Verwahrung eingelegt 
worden. Aber ein unbestreitbares verdienst hat der verf. durch 
die Unterscheidung der unter den mykenäischen fanden vorkom- 
menden stile und die ausführliche behandlung der sogenannten 
inselsteine, deren analogien sich in jenen gräbern finden, erwor- 
ben. Sein scharfsinnig und gelehrt ausgeführtes System umfaßt 
die demente und die entwicklung der vorhomerischen, aber im 
epos noch wahrnehmbaren kunst nicht allein in Griechenland, 
sondern auch in Italien, namentlich Etrurien, in einer dreifachen 
gliederung. In dieser nehmen die Pelasger die erste stufe ein, 
deren cultur durch berührung mit der überlegenen kunst der 
arischen bevölkerung von Kleinasien, der Phrygier, sodann durch 
einwirkung des semitischen Orients einer reicheren ausbildung 
zugeführt wird. Die Vollendung dieser kunst, wie sie das epos 
besonders in der beschreibung der Schilde darstellt, erfolgte auf 
einer insel, wo jene elemente sich vermischten , auf Kreta. 

Sicher und dankenswerth ist in dieser ausführung die Un- 
terscheidung einer zwiefachen metalltechnik , des guß- und prä- 
gestils und einer freien treibe- und flachkunst, sowie einer klei- 
nern zusammengesetzten gruppe , welche in beiden arten theils 
naturalistisch nachgebildete, theils stilisierte formen von pflanzen 



56 13. Archäologie. Nr. 1. 

und kleineren thieren enthält, bemerken swerth die Übereinstim- 
mung einer weit verbreiteten, in Kreta häufigeren klasse prähi- 
storischer gemmen, der sogenannten inselsteine, welche eingegra- 
bene Vertiefungen, somit eine dritte technik zeigen, die vom 
stein auf das metall übertragen worden ist , mit einigen myke- 
näischen funden , endlich die ähnlichkeit kretischer und myke- 
näiscber thongefäße. 

Aber sehr zweifelhaft ist die erklärung ihrer bilder und 
die ganze ableitung von den genannten örtlichkeiten. Auf einigen 
steinen, beiläufig acht , erscheint ein ungethüm , das meistens, 
aber nicht durchgehends einen pferdekopf auf einen vogelleib 
stellt , einmal in doppelgestalt von einem manne überwältigt 
wird, mehrmals löwen, stiere, hirsche auf den armen oder einem 
trageholze trägt. In wie weit darin eine Umbildung orientali- 
scher monumente erkennbar ist , wage ich, da mir das m.iterial 
nicht zu geböte steht, nicht zu entscheiden, es hat sich darüber 
zwischen 0. Roßbach und dem verf. eine polemik entsponnen 
(Arch. zeitung XLI, 3 u. 4.), die sich vorzugsweise um die 
künstlerische ähnlichkeit bewegt; mir fällt es schwer, in diesem 
hippalektryon mehr zu sehen als in den tragelaphen. Aber 
auf keinen fall vermag ich der pandämonistischen deutung des 
verf. zuzustimmen. Er nimmt keinen anstand jene wesen für 
Harpyien zu erklären, wobei das eigenthümliche Verhältnis ein- 
treten würde, daß in dem deutlichsten steine n. 44, a (p. 55) 
ihrer zwei von einem ungeflügelten boreaden bezwungen werden. 
Da eine solche roßgestalt ihrer bekannten bildung nicht ent- 
spricht, beruft sich der verf. auf die bekannten verseil. 16, 150 f. 
tovg etfxs Zeqivgcp avffxqp ° Agnvia IJudagy^ | ßnaxopiit] Isifjööri 
nctQa q6qv 'flxtarolo. Monstri similis war die mutter der pferde 
Achills und nach Stesichoros fr. 2. noch anderer rosse auch Heyne 
erschienen, Voß in seinen mythologischen briefen, worin er sich 
ausführlich über die gestalt der Harpyien verbreitet , denkt an 
eine Verwandlung der schönlockigen Jungfrau in eine stute: aber 
an eine mutter von füllen , die nur den köpf von einem pferde 
hatte, läßt sich in keiner weise denken. Die stelle ist meines erach- 
tens nach II. 20, 220 ff. zu beurtheilen. Wie dort Boreas sich den 
pferden des Erich thoneios zugesellt, so hier Zephyros einer wind- 
schnellen stute. Mir scheint der name ägnvia appellativisch ge- 
braucht zu werden, wie ein schneller vogel agntj, wie ein füllen 



Nr. 1. 13. Archäologie. 57 

jener Podarge agnayog heißt. Aber wenn dem auch nicht so 
sein sollte , ein roßköpfiger dämon war sie nicht. Noch mehr, 
die schmalen , insektenartigen beine jenes fabelthiers leitet der 
verf. p, 65 von der heuschrecke ab; sein Vorgänger Clericus zu 
Hesiod. Theog. 267 hatte die Harpyien kurzweg als heuschrecken 
gedeutet. Diese auffassung führt die deutung noch weiter. Eineß 
von diesen wesen (p. 68 nr. 46a) scheint ein gefäß zu tragen, 
auf einer andern gemme ebendaselbst 47b ist wenigstens ein 
gefäß daneben im felde gebildet. Da nun an jener stelle der 
Theogonie neben den Harpyien Aello und Okypete als dritte 
tochter des Thaumas und der Elektra Iris genannt wird, welche 
nach v. 783 das wasser der Styx in einem goldenen kruge holt, 
wird auch die schnelle götterbotin zu einem roßköpfigen dämon 
und zur veranschaulichung ein indisches relief, beiläufig aus dem 
3. jahrh. v. Chr. benutzt. Wenn sie nur wenigstens stierköpfig 
wäre, wie die gelehrten bei Plutarch. De plac. philos. 3,5 be- 
richten ! Auch in den pferdeohren der Satyrn erkennt man nach 
p. 72 „den rest einer ursprünglich pferdeköpfigen, gleichviel ob 
künstlerisch vorgestellten oder nur gedachten, bildung". Der- 
gleichen erklärungen werden nach p. 68 ,,für den ideenkreis, in 
dem wir uns hier bewegen, nichts befremdendes mehr haben". 

Sehr richtig meint der verf. p. 26^ „daß alle elemente des 
complicirtesten decorationsstückes in Kleinasien nachweisbar" 
sind. Er hätte sich dabei beruhigen können, vielleicht ohne 
den umweg über Kreta zu machen. Er läßt sich zum theil dazu 
durch die schwankenden namen der Daktylen und des Ida be- 
wegen ; auf Lobeck's Aglaophamus wird keine rücksicht genom- 
men. Unrichtig behauptet er p. 123, daß die kretischen Dak- 
tylen bestimmt als Phryger gekennzeichnet werden, ungenau be- 
zeichnet er das dämonengeschlecht der Daktylen , die durchaus 
nur als eisen- und erzarbeiter in der sage vorkommen , „als äl- 
teste metallarbeiter" überhaupt-, unrichtig spricht er p. 123 von 
„dem abgeschlossenen innern Phrygiens". Dasjenige Phrygien, 
worin die idäischen Daktylen hausten, lag an der see, in Troade, 
quae religionum Phrygiarum proprio sedes (Lobeck, Aglaoph. p. 1 120) ; 
denn es war das spätere Kleinphrygien. Dort und an der 
Westküste entlang kennt die Ilias ganz genau dieselbe art des 
goldschmucks, den man in Mykenä gefunden hat. Ein Dardaner 
vom Ida war Euphorbos, den Menelaos erschlug: u'tfiati ol öev- 






58 13. Archäologie. Nr. 1. 

ovzo xofjai XagiTsaaiv ofAoiat. — nln%[xoi &\ o'i%qvoco tc vtui aqyvQcp 
iöytjxcovzo (17, 52 vgl. 16, 807). Man erkennt leicht die 
goldhülsen und spiraldrähte Mykenaes. Daran reiht sich der 
schmuck eines Kariers , dg xal xqvoov s%g)v ntfofiov S' tev tjvts 
hovqt] (2, 872), die goldstrahlende rüstung des Lykiers Glaukos 
(6, 220. 285). Wenn also der goldreiche Pelops bei Pausan. 
5, 1, 6 ein Lyder, bei Strabo a. m. st. ein Phryger heißt, so 
läßt sich die einfuhr jenes goldes und dessen künstliche bear- 
beitung füglich, wie Köhler Mittheilungen d. athen. inst. IV und 
gleichzeitig ich in einem in Schliemanns gegenwart gehaltenen 
vortrage am 8. januar 1878 (s. Würzburger zeitung) gethan 
habe, ohne Schwierigkeit direkt von der Westküste Kleinasiens 
über die karischen inseln hinüber herleiten. Sehr glücklich be- 
zieht dem entsprechend der verf. den berühmten goldring auf 
Kybele Ehea ■ daß unter den übrigen frauen ihre Nymphen zu 
verstehen sind, bezweifle ich, da ich keine Nymphen der göttin 
kenne ; ich halte sie für sterbliche Verehrerinnen. 

Die gründe, wodurch der einfluß der kretischen kunst und 
jener ihr vorausgehenden misclmng verschiedener demente be- 
wiesen werden sollen , stehen auf schwachen fußen. Eine nä- 
here Verbindung mit der insel bezeugt allerdings das epos , in- 
sofern es Idomeneus zu Menelaos und diesen nach der insel 
reisen läßt; auch tritt in der Odyssee die kenntnis der ver- 
schiedenen stamme daselbst hervor; kretische Wanderungen nach 
Delphi , Böotien , Sikyon , Tegea werden bezeugt , aber nicht 
mehr als von und nach Kleinasien. Von kretischen kunstwer- 
ken in Griechenland weiß die sage und dichtung nichts. Un- 
verständlich ist mir die behauptung p. 197, ,,daß Kreta beson- 
ders auf die letzte gestaltung des homerischen epos unverkenn- 
baren einfluß geübt hat, dasselbe mochte sich immerhin in den 
händen der Ionier behauptet haben", übertrieben, ja unrichtig 
die bemerkung ebendaselbst, „es ist bezeichnend, daß die hand- 
lung beider epen sich in Griechenland fast ausschließlich auf 
dorisirtem boden bewegt. Nicht blos genaue kenntnis des lo- 
cals, auch manche naturbilder nöthigen uns, die Vertrautheit der 
sänger mit dem westen anzuerkennen; so das bild des Sonnen- 
aufgangs über der fläche des meeres, für welches Bergk (Griech. 
lit. 1,251) den Standpunkt geradezu in Kreta annimmt". Bergk 
hat das nicht gethan, er sagt: „wer in Hellas an der ostküste 



Nr. 1. 13. Archäologie. 59 

oder auch auf einer insel wie z. b. Creta [warum nicht Chios?] 
wohnt" u. s. w. Der verf. fährt fort : „die Odyssee zumal war 
besonders bei den Spartanern beliebt und soll von Lykurg sei- 
nen landsleuten über Kreta vermittelt worden sein". Warum 
denn allein die Odyssee? Dio Chrysost. 2, 5 spricht von Homers 
poesie überhaupt, die Lykurg entweder von Kreta oder aus Jo- 
nien herübergebracht habe. Die überwiegende tradition redet 
nur von Samos oder Chios. 

Einen meister nennt Homer an der bekannten stelle II. 18, 
590 in Kreta, Daedalos, wie anderswo Tekton und Ikmalios. 
Was er geleistet hat , ist streitig , hat man unter den Worten 
%oqov Tjoxrjotv die einübung oder die darstellung eines reigen- 
tanzes zu verstehen? Der verf. nimmt p. 144 das letztere an: 
er bezeichnet daher die plattierkunst , wie sie die eingelegten 
arbeiten von Mykenä besonders in der schönen dolchklinge in 
einer großen Vollendung zeigen , als „dädalisch" und vergleicht 
damit jene bronzeplatte aus Kreta , welche die fortdauer der ä 
jour gearbeiteten plattirung einer ebenen unterläge vor äugen 
führt (p. 170). Diese ausführung sowie die anwendung auf den 
schild des Achilles gehört zu den lesenswertesten und lehr- 
reichsten abschnitten seines werks. Aber die benennung „dä- 
dalisch" ist nur hypothese : Daedalos ist alles mögliche in der 
alten sage, ein kunstmensch , wie Böttiger den namen übersetzt, 
nur kein graveur, denn das verbum uaxsiv hat eine allgemeinere 
bedeutung. Gerade weil Homer nur den chor mit Daedalos werk 
vergleicht , folgt , daß er nicht den ganzen schild für dädalisch 
hält. Weder die dorische Kypseloslade noch die ionischen ar- 
beiten eines Bathykles hängen mit Daedalos oder Kreta zu- 
sammen. 

Aber der verf. braucht den namen. Weil die kretischen 
meister, Dipoenos und Skyllis, und ihre schüler hölzerne stand- 
figuren verfertigten , und jene wegen ihrer geschicklichkeit oder 
herkunft schüler oder söhne des Daedalos heißen, werden sie 
mit der dädalischen technik in Verbindung gebracht: „das be- 
scheidene kunsthandwerk, welches ihrer technik zur Voraussetzung 
dient, füllt die kluft von Jahrhunderten aus". Da nämlich der 
kästen des Kypselos unzweifelhaft älter ist und diesem nach 
Loeschke typen vorausgehen , welche auch einer ionischen reihe 
zu gründe liegen, also eine weiter zurückliegende typenreihe als 



60 14. Römische geschichte. Nr, 1. 

ihre quellen voraussetzen lassen, ist diese quelle in der dädalisch- 
kretischen kunst gefunden. Freilich fällt die Wirksamkeit jener 
„Dädaliden" nach Plinius erst in ol. 50. Das macht dem verf. 
keine Schwierigkeit. Er meint, daß diese Zeitbestimmung „auf 
theils willkürlichen , theils unsichern Voraussetzungen beruht". 
Dazu die anmerkung : „Vgl. zuletzt Klein , die Dädaliden , ar- 
chäoh-epigr. mitth. V, p. 94 ff." Jedermann wird dort einen be- 
leg dieser skepsis suchen. Was findet man ? „Als feststehende 
resultate darf man jetzt annehmen , daß ihre künstlerlaufbahn 
bald nach olymp. 50 begann , und daß es Kleisthenes war, der 
ihnen in Sikyon eine große aufgäbe stellte". 

Kurz ohne philologie und kritik tappt die archäologie in 
einem unhistorischen dunkel, das einzelne lichtblitze erst recht 
empfinden lassen. L. Urlichs. 

14. Ueber den Gallischen brand. Eine quellenkritische 
skizze zur älteren römischen geschichte von Georg Thouret, 
dr. phil. Besonderer abdruck aus dem elften supplementbande 
der Jahrbücher für klassische philologie. Leipzig, B. G. Teubner 
1880. 93 p. 8. 

In dieser ziemlich umfangreichen monographie sucht der 
Verfasser den beweis zu liefern, daß der sogenannte „Gallische 
brand" niemals stattgefunden habe. Der Verfasser giebt zwar 
zu, daß die besetzung Roms durch die Gallier ol. 98, 1 oder 
98, 2, oder nach Niebuhr 99, 3 oder endlich, wie Unger will, 
Ol. 99, 4 als eine unzweifelhafte thatsache gelten kann, daß 
aber Rom von den Galliern verb rannt worden ist, bezweifelter. 
Da nun die uns vorliegenden berichte , soweit sie für die quel- 
lenkritik in betracht kommen, sämmtlich mit ausnähme von Po- 
lybius von einem solchen brande sprechen, so hat der Verfasser 
einen schweren stand. Aber gerade Polybius verdient hier nach 
des Verfassers ansieht eine besondere beachtung, und zwar weil 
er sich auf die ältesten berichte stützt. Zunächst constatiert 
der verf. die thatsache, daß Polybius mit keiner silbe von einem 
brande oder einer Zerstörung rede. Diesen umstand führt der 
verf. darauf zurück , daß in der quelle des Polybius nichts 
darüber gestanden habe, und diese sei niemand anders als Fa- 
b i u s. Hatte aber Fabius , diese unzweifelhaft älteste quelle 
der römischen geschichte , nichts über den gallischen brand be- 



Nr. 1. 14. Römische geschichte. 61 

richtet, dann ist es wahrscheinlich, daß der letztere von den 
späteren Schriftstellern erst hinzugedichtet worden ist. Der verf. 
hat sich bei dieser argumentation das mißliche derselben nicht 
verhehlt. Denn daraus, daß Polybius nichts berichtet, folgt 
doch nicht, daß die erzählungen der übrigen quellenschriftsteller, 
namentlich des für die ältere geschichte sonst so zuverlässigen 
Diodor, rein erfunden sind. Solche ex silentio entnommene be- 
weise sind immer sehr fraglicher art, in diesem falle aber ganz 
besonders , da auch die an sich schon geringe beweiskraft des 
von dem verf. aufgestellten arguments ganz hinfällig wird, wenn 
er nicht als ergänzung dazu den weiteren nachweis führen kanö, 
einmal, daß des Polybius quelle wirklich Fabius und daß gleich- 
zeitig der letztere des Diodor quelle nicht ist, und dann, daß 
Fabius über den gallischen brand gar nichts berichtet hat oder 
haben konnte. Daß Fabius des Polybius quelle ist , wird wohl 
von vielen angenommen, von manchen aber auch bestritten. 
Aber die behauptung als solche zugegeben, folgt dann, daß Fa- 
bius gar nichts über den gallischen brand erzählt hat? Konnte 
Polybius , der überhaupt nur einige kurze notizen über diese 
dinge bringt , nicht gerade den über diesen theil der römischen 
geschichte gewiß ausführlichen Fabius gerade an stellen excer- 
pirt haben, wo von dem brande selbst nicht die rede ist? Der 
Verfasser sucht diese lücken durch eine eingehende und scharf- 
sinnige beweisführung auszufüllen , die wir hier im einzelnen 
nicht verfolgen können. Es sei hierüber nur im allgemeinen 
bemerkt, daß dieselbe uns um so weniger überzeugt hat, je grö- 
ßer der aufwand von Scharfsinn ist , mit dem der verf sich ins 
einzelne verliert, wobei er oft seine eigenen früher aufgestellten 
behauptungen und beweise widerlegt. Was kann z. b. dem 
schweigen des Polybius für eine bedeutung beigelegt werden, 
wenn, wie der verf. ausführt (p. 115), auch spätere Schriftsteller 
wie Aurelius und Eutrop , die doch sicher der vulgata gefolgt 
sind, nichts über die gallische Verwüstung enthalten? Oder was 
kann uns über das historische faktum das schweigen des Fabius 
viel aufklären, wenn der verf die möglichkeit annimmt (p. 136), 
daß die „sage" vom gallischen brand älter als Fabius, 
und nur ihre literarische fixierung in eine spätere zeit zu 
setzen sei? Mit dieser möglichkeit würde ja die ganze argu- 
mentation des Verfassers in sich zusammen fallen. Dergleichen 



62 15. Römische alterthümer. Nr. 1. 

dinge ließen sieh mehrere nachweisen. Trotz dieser ausstellun- 
gen ist die Untersuchung als eine anregende zu bezeichnen; 
auch legt dieselbe zeugnis davon ab , daß der verf. mit gründ- 
lichen Vorstudien an die von ihm behandelte frage herangetre- 
ten ist. M. Zoeller. 

15. Le senat de la rdpublique Romaine. Par P. Willems. 
Tome I. La composition du senat. Louvain Paris 1878. 8. 
Tome II. Les attributions du s6"nat. ib. 1883. 8. 638 und 
784 p. 

Dieses bedeutende werk, welches mit dem kürzlich erschie- 
nenen zweiten bände seinen abschluß erhalten hat , bietet eine 
auf vollständiger beherrschung des stoffs beruhende, in sich ab- 
geschlossene und einheitliche auffassung der römischen Staats- 
verfassung — wenigstens einer ihrer wesentlichsten Seiten und 
eines ihrer wichtigsten factoren , des Senats. Der verf. unter- 
nimmt es , die hauptsächlich durch Mommsen festgestellten und 
seit seinen „Forschungen" von der überwiegenden mehrzahl der 
gelehrten als feststehend betrachteten sätze von dem verhältniß 
des patricischen und des patricisch-plebejischen senats, von dem 
rechte der interregenbestellung, von der patrum auctoritas u.s.w. 
umzustoßen und eine neue auffassung des ganzen an ihre stelle 
zu setzen. Fassen wir die in dem 1. und in dem 2. bände ge- 
trennt behandelten fragen nach der Zusammensetzung und nach 
den competenzen des senats zusammen, so läßt sich die ansieht 
des verf. kurz so formulieren : der römische senat ist bis zum 
jähre 400 v. Chr. rein patricisch gewesen; erst durch die theil- 
nahme der plebejer an den curulischen ämtern sind dieselben 
auch in den senat und damit zugleich zur theilnahme an den 
dem letzteren zustehenden rechten der auctoritas und des 
consilium — in dem bekannten technischen sinne dieser aus- 
drücke — gelangt. Die auctoritas hat demnach gleich dem 
consilium dem Senate als solchem zugestanden: einen patri- 
cischen sondersenat hat es nie gegeben ; war der senat bis zum 
jähre 400 v. Chr. rein patricisch, so ist er seit diesem jähre pa- 
tricisch - plebejisch , wenn auch das plebejische element anfangs 
naturgemäß nur sehr schwach in ihm vertreten war und erst 
sehr allmälig zunahm; die competenzen dieses patricisch-plebeji- 
schen senats sind dieselben, wie die des rein patricischen. 



Nr. 1. 15. Römische alterthümer. 63 

Um diese ansieht glaubhaft zu machen, ist der verf. genö- 
thigt, die gesammte tradition zu verwerfen, I, 35 ff. Es ist wahr, 
daß dieselbe in mehreren Versionen uns entgegentritt: in der 
hauptsache ist sie aber durchaus übereinstimmend. Denn daß 
bei Zonar. 7, 9 und Serv. ad V. Aen. 1, 426 die aufnähme der 
plebejer in den senat schon auf Servius Tullius zurückgeführt 
wird, will ebenso wenig sagen, wie die angäbe eines scholion zu 
Cic. pro Scauro 34 (p. 374 ed. Orelli) , in dem drei elemente 
des Senats, der patres, der conscripti — die mit den gentes minores 
des Tarquinius identificirt werden — und der plebejer unter- 
schieden werden. Der unzweifelhaften und ganz bestimmten an- 
gäbe bei Paulus an verschiedenen stellen (p. 254. 41. 7) und 
des Livius 2, 1 gegenüber können die flüchtige angäbe des 
Dionysius 5, 13 — der die neuaufgenommenen plebejer zugleich 
in den patriciat erheben läßt — und die beiläufige notiz des 
Tacitus ann. 11, 25 — der die neuaufgenommenen plebejer 
wiederum vermuthlich mit den gentes minores des Tarquinius 
identificirt — nicht in betracht kommen. Keine einzige an- 
gäbe deutet auch nur im entferntesten an , daß die plebe- 
jer erst über 100 jähre nach gründung der republik theil- 
nahme am senat erlangt haben. Und doch darf man sagen, 
daß, wenn diese annähme von der späten aufnähme der plebejer 
in den senat richtig wäre, das absolute schweigen der quellen 
hierüber ganz unverständlich wäre. Handelte es sich bei dem 
ein Jahrhundert lang geführten kämpfe der patricier und plebejer 
um theilnahme der letzteren am consulat zugleich um theilnahme 
am senat , so dürften wir mit vollem rechte erwarten , daß bei 
den wiederholten behandlungen dieses themas einmal auch dieser 
seite der plebejischen ansprüche gedacht wäre. Denn es sind 
historische zeiten , mit denen man hier zu rechnen hat : waren 
im jähre 366 — wenn wir die annähme des verf. gelten lassen 
— etwa 10 plebejer in dem senate — eben die seit dem jähre 
400 zum consulartribunat gelangten — so wurde erst durch die 
leges Liciniae Sestiae resp. durch die Schaffung der curulischen 
aedilität den plebejern der regelmäßige weg in den senat eröff- 
net und bis über die mitte des 4. Jahrhunderts hatten die ple- 
bejer nur über einen geringen bruchtheil von stimmen in dem- 
selben verfügt: ein solches thatsächliches verhältniß hätte sich 



64 15. Römische alterthümer. Nr. 1. 

der historischen tradition, speciell der geschichtschreibung der 
pontificalen Annales maximi, nicht entziehen können. 

Wenn der verf. zur stütze seiner ansieht sich auf den um- 
stand beruft, daß bei den Senatsverhandlungen des 5. Jahrhun- 
derts v. Chr. niemals des plebejischen bestandtheiles des Senates 
erwähnung geschieht, von dem der verf. annimmt, daß derselbe 
auf seiten der plebejer und ihrer ansprüche hätte stehen müssen : 
so scheint er mir das verhältniß der plebejer und patricier falsch 
zu fassen. Einmal vergißt er, daß die Schilderung der senats- 
verhandlungen dieser zeit in ihrem detail zum allergrößten theile 
der phantasie der späteren historiker ihren Ursprung verdankt ; 
andererseits aber hat es auch durchaus nichts auffallendes, daß 
zwischen den plebejischen und den patricischen elementen des 
Senats im 5. Jahrhundert im wesentlichen wirklich Übereinstim- 
mung geherrscht hat. Der verf. vergißt, daß die plebejer nicht 
aus eigener initiative oder durch die plebs selbst in den senat 
gelangten, sondern ausschließlich durch die freie bestimmung 
der patricischen consuln, welche coniunetissimos sibi quosque legebant 
(Fest. p. 246). Man kann sich doch die plebs nicht von an- 
fang an als im gegensatz zu den patriciern stehend denken: 
sie war im gegentheil durch hundert bände an dieselbe gefes- 
selt und konnte erst sehr allmälig diese bände abstreifen. Der 
verf. hebt das ja selbst richtig wiederholt hervor, wenn ich 
auch andererseits ihm darin nicht recht geben kann , die plebs 
ganz aus freigelassenen und dienten einerseits, aus angehörigen 
der municipalstädte andererseits (I, 104) entstehen zu lassen, wor- 
auf näher einzugehen hier aber nicht der ort ist. Nur aus den 
zuverlässigen elementen haben die consuln die plebejischen mit- 
glieder in den senat gewählt, die einerseits als theilnehmer aus- 
schließlich am consilium , von den verfassungsmäßig notwendi- 
gen funetionen der auetoritas und des Interregnum ganz ausge- 
schlossen, schon hierdurch in eine untergeordnete Stellung gegen- 
über den patricischen Senatoren gedrängt wurden ; andererseits 
aber durch die protection der patricier, durch die ihnen conce- 
dierten ehren, durch antheilgebung am ager publicus, sowie durch 
das traditionell überkommene gefühl der pietät und die tbat- 
sächliche abhängigkeit ihres nur precario erworbenen besitzes in 
einer wirklichen Unterordnung den patriciern gegenüber sich be- 
fanden. So erklärt es sich zur genüge, daß unter den patrici- 



Nr. 1. 15. Kömische alterthümer. 65 

sehen und den plebejischen elementen des Senats bis zum Stän- 
deausgleich eine wesentliche Übereinstimmung geherrscht hat: 
mit andern Worten, daß in der plebs eine große partei vorhan- 
den war, die mit ihren wirklichen Sympathien oder durch die 
thatsächlichen Verhältnisse gezwungen auf Seiten der patricier 
stand. Nehmen wir diese Spaltung und haltung der plebs nicht 
an, so bleibt die ganze ältere geschichte der römischen republik 
unverständlich. 

Müssen wir also die ansieht des verf. von dem späten ein- 
tritt der plebejer in den senat im großen und ganzen verwerfen, 
so muß man auch gegen seine berechnungen des numerischen 
Verhältnisses der patricischen und der plebejischen senatsmit- 
glieder im einzelnen gerechte bedenken hegen. Der verf- nimmt 
au, daß bis zum plebiscitum Ovinium — welches er mit recht in 
oder unmittelbar vor das jähr 312 setzt (I, 156) — die ple- 
bejer gegen die patricier im senate weit an zahl zurückstanden ; 
daß durch das plebiscitum Ovinium erst den plebejern die mög- 
lichkeit geschaffen wurde , indem es namentlich den gewesenen 
tribuni plebis die aufnähme in den senat zusicherte (I, 166 f.), 
allmälig mit den patriciern in das numerische gleichgewicht zu 
gelangen, welches nach des Verfassers ansieht erst seit der lex 
Hortensia des jahres 286 datiert. Ich halte diese berechnung 
für nicht richtig und gehe, um das zu erweisen , etwas genauer 
auf diese frage ein. 

Sehen wir zunächst, wie viel männer durchschnittlich auf 
grund bekleideter curulischer würden in den senat kamen. Seit 
dem jähre 366 wurden jährlich zwei consuln sowie zwei curuli- 
sche aedilen gewählt , die nach ablauf ihres amts in den senat 
eintraten : denn von dieser annähme, daß die gewesenen curuli- 
schen beamten für die die lectio senatus vornehmenden consuln 
in erster linie in betracht kamen, muß man hier als der regel- 
mäßigen praxis ausgehen. Der verf. nimmt die durchschnittszeit, 
innerhalb welcher sich der senat erneuerte , zu 32 — 33 jähren 
an , indem er — ohne zweifei im ganzen richtig — das durch- 
schnittsalter für den eintritt in den senat auf grund der beklei- 
deten curulischen aedilität schon in dieser periode nicht unter das 
25. lebensjahr herabrückt und aufgrund comparativer statistischer 
berechnungen die dem 25 — 30jährigen noch zu erwartende le- 
benszeit auf 30 — 35 jähre fixiert. Nehmen wir 35 jähre als die 
Philol. Anz. XIV. 5 



66 15. Römische alterthümer. Nr. 1. 

durchschnittszeit einer völligen erneuernng des Senats an , so 
läßt sich ungefähr berechnen, wieviel gewesene curulische beamte 
durchschnittlich im senat saßen. Zunächst freilich liegt die be- 
rechnung nahe, daß in einer solchen 35jährigen periode 4.35 
curulische Senatoren in den senat eintraten. In Wirklichkeit 
aber reduciert sich diese zahl um fast die hälfte , da wir es 
schon für diese periode durchaus als regel ansehen dürfen, daß 
der gewesene curulische aedil einige jähre hernach consul wurde. 
Von den 4 curulischen aedilen, die wir in der zeit von 366 — 
312 nachweisen könnnen, sind 3 zum consulat gelangt, einer hat 
hernach wenigstens die würde eines magister equitum, sowie eines 
censor bekleidet: und diese beobachtung bestätigt sich auch in 
dem Jahrhundert 312 — 212, wo von 17 nachweisbaren curuli- 
schen aedilen 15 hernach consul, einer wenigstens praetor ge- 
worden ist. Die 70 consulares , welche in einer senatsperiode 
von 35 jahren — abgesehen davon, daß wiederholt ein und 
derselbe mehrmals die consularische würde bekleidet hat — in 
den senat eintraten, sind also zum allergrößten theile identisch 
mit den 70, welche auf grund der bekleideten curulischen aedi- 
lität schon im senat saßen : nur daß sie eben von jetzt an in 
eine höhere rangclasse im senat aufrückten. Zu diesen männern 
kommen nun noch diejenigen, welche, sei es magister equitum,, 
sei es dictator, sei es praetor, sei es censor gewesen waren. 
Aber auch in bezug auf sie gilt die beobachtung, daß es durch- 
gehend dieselben männer sind, welche diese würden und welche 
zugleich die der curulischen aedilität resp. des consulats beklei- 
det haben. Die liste der männer, welche magister equitum resp. 
dictator gewesen sind, haben wir jedenfalls ganz oder fast ganz 
lückenlos : aus ihr ersehen wir, daß von den 29 männern — 
patriciern und plebejern — , welche in der periode vom stände - 
ausgleich bis zum jähre 312 magister equitum gewesen sind, 19 
entweder vorher oder nachher zugleich consul (resp. consular- 
tribun), nur 7, welche ausschließlich — soweit wir wenig- 
stens wissen — magister equitum gewesen sind; 3 haben wenig- 
stens außer der würde des magister equitum noch ein anderes 
curulisches amt bekleidet. Und gleichfalls von den 27 dictatores 
dieser periode sind 20 wieder zugleich consuln gewesen ; 6 aus- 
schließlich dictator, einer ist wenigstens noch magister equitum 
gewesen. Man sieht, daß auch diese kategorieen der dictatorii 



Nr. 1. 15. Römische alterthümer. 67 

und der gewesenen magistri equitum nur ein sehr geringes con- 
tingent für den senat geliefert haben , eben weil sie schon vor 
ihrer ernennung im senat saßen. Und dasselbe gilt — nur in 
noch größerer ausschließlichkeit — jedenfalls von den censores, 
die wir allerdings nicht vollständig kennen, unter den 13 be- 
kannten dieser periode aber nur einen finden, der nicht vorher 
consul (resp. consulartribun) — wohl aber magister equitum und 
curulischer aedil gewesen ist. Und was endlich die praetorii 
betrifft, so ist unter den 10 bekannten namen dieser periode 
nur einer, den wir nicht zugleich als consul (resp. consulartribun) 
kennen. Man ersieht aus vorstehenden angaben, wie gering die 
zahl derjenigen gewesen ist, welche auf grund bekleideter curu- 
lischer würden dem senat angehört haben. Für die 35 jähre, 
die wir als die durchschnittliche erneuerungsperiode des Senats 
angenommen haben, kann man höchstens 100 männer rechnen, 
welche auf grund bekleideter curulischer würden in den senat 
eingetreten, demselben zu gleicher zeit angehört haben 

Prüfen wir nun , wie sich das numerische verhältniß der 
patricischen mitglieder einerseits, der plebejischen andererseits 
unter den curulischen Senatoren stellt, so läßt es sich nicht 
leugnen, daß hier ein nicht unbedeutendes plus auf seiten jener 
erscheint. Von den dictatores dieser periode 366 — 312 haben 6 
patricier diese würde ausschließlich ; von den magistri equitum 
5 patricier diese würde ausschließlich bekleidet: von den plebe- 
jern erscheinen nur 2 ausschließlich als magistri — und bei 
diesen beiden ist noch der zweifei nicht ausgeschlossen, ob sie 
wirklich plebejer gewesen — , keiner ausschließlich als dictator. 
Zur theilnahme an der praetur gelangten die plebejer bekannt- 
lich erst 336 und auch seit dieser zeit zunächst wohl nur aus- 
nahmsweise : wir kennen außer Q Publilius Philo nur einen ple- 
bejischen praetor bis 312. Zur censur aber gelangten die ple- 
bejer zuerst 351 und seit 339 war gesetzlich stets der eine 
censor plebejer. So sehen wir, daß in bezug auf die ordentlichen 
ämter — aedilität und consulat und bald auch die censur — 
plebejer und patricier ganz gleichberechtigt sind ; daß aber die 
außerordentlichen würden des magister und des dictator, sowie auch 
die praetur den reihen der patricischen curulischen Senatoren 
einen größeren Zuschuß zuführen. Aber kann man daraus wirk- 
lich schließen, daß den patricischen Senatoren überhaupt noch 

5* 



68 15. Kömische alterthümer. Nr. 1. 

in dieser periode die majorität gehört habe ? Keineswegs. Die 
magistri equitum, die dictatores , die praetores, welche in dieser 
periode diese resp. würden bekleidet haben, ohne vorher oder nach- 
her zu einem andern ordentlichen amte zu gelangen, sind selbst- 
verständlich aus den senatores pedarii genommen, d. h. die männer, 
denen man jene außerordentlichen ehren anvertraute, saßen schon 
vor dieser ihrer ernennung im senat, in den sie dann auch nach 
niederlegung ihres betr. amtes wieder zurücktraten : das darf 
man sosehr als die stehende regel betrachten , daß eine verein- 
zelte ausnähme von derselben überhaupt nicht in betracht kom- 
men kann. Durch das plus der patricischen senatores curules 
kann also das numerische verhältniß des senats überhaupt, spe- 
ciell des patricischen und plebejischen bestand theils desselben, 
nicht alterirt sein: nur die cur u lis ch e majorität ist zweifellos 
auf seiten der patricier gewesen. Da aber der verf. selbst — 
und wie ich glaube mit recht — gegen Mommsen die völlige 
gleichberechtigung der senatores pedarii mit den curules in bezug 
auf abstimmung (das ius sententiae dicendae) annimmt, so ist da- 
mit die annähme eines Übergewichts des patricischen elements 
ausgeschlossen. Und das ist nun jedenfalls ein fehler in den 
ausführungen des verf., daß er fast immer nur von den senatores 
curules spricht, die senatores pedarii — außer nach den ihnen 
zustehenden competenzen (I, 137 ff.) — bei seinen berechnungen 
kaum in betracht zieht. Und doch hat das numerische Schwer- 
gewicht in dieser periode noch durchaus bei ihnen gelegen : den 
kaum 100 curulischen Senatoren haben 200 pedarii gegenüber 
gestanden und haben bei allen abstimmungen den ausschlag ge- 
geben. Kann man wirklich annehmen , daß auch sie damals 
noch der majorität nach patricisch waren? Selbst wenn wir 
uns auf des Verfassers Standpunkt zu stellen vermöchten und 
demnach erst mit 400 ausnahmsweise, mit 366 regelmäßig die 
plebejer in den senat kommen ließen, so wäre auch so nach ab- 
lauf der ersten 35 jähre der ausgleich zwischen patriciern und 
plebejern in bezug auf den senat praktisch geworden. Denn 
die plebejischen consuln haben doch das recht der lectio gleich 
den patricischen geübt und damit ist von selbst gegeben , daß 
eine gleiche zahl von plebejern und patriciern jährlich in den 
senat gekommen ist. Denn daß noch einige male das gesetz 
verletzt und zwei patricische consuln gewählt worden sind, kann 



Nr. 1. 15. Römische alterthümer 69 

den völligen ausgleich höchstens um einige jähre hinausgeschoben 
haben. Dieses verhältniß mußte der verf. jedenfalls besprechen, 
da es die grundlage für die bestimmung des numerischen Ver- 
hältnisses der patricischen und der plebejischen Senatoren ist. 
Der durch die leges Liciniae Sestiae. sowie durch die Schaffung 
der curulischen aedilität vollzogene Ständeausgleich hat — das 
dürfen wir behaupten — auch den numerischen ausgleich der 
mitgliederzahl des senats — der patricier und der plebejer — zur 
praktischen folge gehabt: und nur das eine ist zuzugeben, daß 
die patricier an curulischen würden den plebejern in dieser 
periode noch überlegen gewesen sind, was aber auf die resultate 
der abstimmung ohne einfluß gewesen ist. 

In Wirklichkeit darf man nun aber viel weiter gehen und 
behaupten, daß schon seit der ersten aufnähme der plebejer in 
den senat die majorität des senats plebejisch war. Ich halte 
die angäbe der tradition , der bei Paulus p. 254 ausdruck ge- 
geben wird, für durchaus glaubwürdig: P. Valerius cos. propter 
inopiam patriciorum ex plebe adlegit in numerum senatorum C et LX 
et IV ut expleret numerum senatorum trecentorum. Der verf. macht 
sich eine ganz falsche Vorstellung von dem numerischen verhält- 
niß der patricischen gentes : die römische geschichte zeigt ein 
rapides zusammenschmelzen derselben. Von den 300 ursprüng- 
lichen gentes waren im anfang der republik noch 136 vorhanden; 
nachweisen während der zeit der republik lassen sich nur etwa 
60, im letzten menschenalter derselben nur noch 14 gentes. In 
der zeit von 400 -312 participieren nur 27 patricische geschlechter 
an den curulischen würden ; in dem der lex Ovinia folgenden 
Jahrhundert nur noch 15. Nur um die theilnahme an diesen 
curulischen würden hat sich der kämpf zwischen plebejern und 
patriciern gedreht: die theilnahme am senat ist ganz unabhängig 
hiervon. Denn im senat haben die plebejer ausschließlich am 
consüium theilgenommen : die auctoritas ist ihnen stets versagt 
geblieben : und damit kommen wir zu einem weiteren punkte, 
in dem wir dem verf. entschieden widersprechen müssen. 

Der verf. nimmt, wie schon oben bemerkt, an, daß consüium 
sowohl wie auctoritas stets dem gesammtsenat gehört hat ; daß 
demnach die patricier keine Sonderrechte in dieser beziehung 
gehabt haben. Nun kann aber der verf. selbst nicht umhin, 
wenigstens e i u Sonderrecht der patricier bestimmt anzuerkennen : 



70 15. Römische alterthümer. Nr. 1. 

das ist die interregenbestellung. Trotzdem das patricische de- 
ment im senat immer mehr zusammenschmolz und z. b. im jähre 
52 v. Chr. kaum 40 patricier unter 600 Senatoren waren , ist 
doch niemals dieses patricische Vorrecht interrex zu werden an- 
getastet worden und schon daraus geht zur genüge hervor, daß 
die patricier eben innerhalb des gesammtsenats eine geschlos- 
sene Corporation gebildet haben. Die annähme , daß der patri- 
cische interrex von dem seiner majorität nach überwiegend ple- 
bejischen senat ernannt sei , ist von vornherein viel unwahr- 
scheinlicher, als daß er von dem patricischen sondersenat, dem 
patricischen ausschusse ernannt ist: denn bei jener annähme muß 
man zwei völlig verschiedenartige dinge das eine aus dem an- 
dern erklären, bei dieser annähme dagegen stimmen beide that- 
sachen von selbst innerlich zusammen : der exclusiv patricische 
Charakter des interrex läßt auch auf den patricischen charakter 
derjenigen körperschaft zurückschließen, aus der jener hervorgeht. 
Um den ausdruck patres — auf welche bekanntlich die bestel- 
lung eines interrex der regel nach als recht zurückgeführt wird 
— auf den gesammtsenat zu deuten, ist der verf. genöthigt, den 
betr. stellen gewalt anzuthun. Denn wenn er (II, 24 f.) Liv. 
3, 40. 4, 7. 4, 43 — in denen ausdrücklich den patricii das 
prodere interregem beigelegt wird — durch den hinweis darauf 
zu erklären sucht, daß es sich hier noch um die zeiten vor der 
theilnahme der plebejer am senat handle — damals also nach 
des Verfassers ansieht der senat noch ausschließlich aus patriciern 
bestand — , so vergißt er dabei, daß Livius die plebejer schon 
im anfang der republik in den senat eintreten läßt , bei ihm 
also der ausdruck patricii auf alle fälle nur auf einen theil, 
eben den patricischen bestandtheil des Senats sich beziehen kann. 
Und die bestimmte angäbe des Asconius de patrieiis convocandis 
qui interregem proderent kann gleichfalls nur auf eine höchst ge- 
zwungene und unwahrscheinliche art beseitigt werden (II, 25 f.) 
Wie der verf. hier die patres als den gesammtsenat faßt, 
so erklärt er auch die auetoritas patrum als das recht des ge- 
sammtsenats (II, 33 f.) Ich will auf die frage nach der echt- 
heit der rede de domo hier nicht näher eingehen; daß die patres, 
denen die auetoritas gehört, die patricii und nicht der gesammt- 
senat, geht meiner ansieht nach genügend aus den zweifellosen 
stellen Liv. 6, 41. 6. 42, Gaius 1,3, Sali. Hist. 3, fr. 22 Ger- 



Nr. 1. 15. Römische alterthürner. 71 

lach (der verf. meint die rede des Licinius Macer) hervor, deren 
deutung , wie sie von dem verf. versucht wird , schwerlich je- 
manden überzeugen wird. Wenn so häufig — wie es in der 
that zweifellos ist — die patrum auctoritas in bestimmte bezie- 
hung zum gesammtsenat gesetzt wird , so erklärt sich das ein- 
fach aus der völligen interessengemeinsamkeit des gesammt- 
senats — der patricier und der plebejer : der patricische aus- 
schuß hat seine befugniß der auctoritas regelmäßig in völliger 
Übereinstimmung mit dem gesammtsenat ausgeübt : dieser letz- 
tere hat die frage , ob die auctoritas zu ertheilen , zunächst ein- 
gehend erwogen, besprochen, oft ein formelles gutachten darüber 
abgegeben ; und unter diesem drucke resp. in der durch die Vor- 
verhandlungen bewirkten Überzeugung der Zweckmäßigkeit und 
richtigkeit hat dann der patricische ausschuß seine sonderaucto- 
ritas ertheilt. 

In allen diesen für das verständniß des Senats grundlegen- 
den fragen muß ich demnach den resultaten des Verfassers ent- 
gegentreten : sie bedeuten für die forschung einen rückschritt 
bis hinter die ersten lichtbringenden Untersuchungen Niebuhr's. 

Weiterhin beschäftigt sich der verf. mit der patrum auctoritas 
in ihrer beziehung zu den Volksbeschlüssen (II, 57 ff.) Was die 
plebiscita betrifft , so freue ich mich , hier dieselben ansichten zu 
finden, die ich selbst wiederholt in meinen Vorlesungen über 
römische Verfassungsgeschichte vorgetragen habe. Der verf. tritt 
der beziehung der lex Valeria Horatia vom jähre 449 mit ihrer 
bestimmung : ut quod tributim plebis iussisset populum teneret auf 
die beschlösse der comitia tributa — wie sie Mommsen annimmt 
— entgegen und erklärt die bestimmung richtig von den ple- 
biscita. In diesem falle ist aber nicht mit Mommsen plebis in 
populus zu ändern, sondern die worte sind richtig überliefert. 
Durch diese lex Valeria Horatia sind die plebiscita überhaupt 
erst in die römische gesammtverfassung eingeführt, während sie 
bis dahin von den patriciern als ausschließlich die plebs selbst 
angehend betrachtet und dargestellt waren. Die motivirung die- 
ser lex, wie sie Livius (3, 55) giebt : cum velut in controverso iure 
esset tenerentume patres plebiscitis, ist daher völlig richtig und 
sachgemäß. Zweifellos ist freilich , daß die bestimmungen der 
lex noch weitere modalitäten enthalten haben müssen , da nicht 
anzunehmen , daß diese lex Valeria Horatia mit der lex Publilia 



72 15. Römische alterthümer. Nr. 1. 

Philonis vom jähre 339 (Liv. 8, 12 : ut plebiscita omnes Quirites 
tenerent), sowie mit der lex Hortensia vom jähre 286 (Gaius 1,3: 
ut plebiscita Universum populum tenerent oder wie Plinius es aus- 
drückt H. n. 16, 10, 37: ut quod plebs iussisset omnes Quirites 
tenerei) identisch gewesen sein sollte. Auch hierin stimme ich 
mit dem verf. überein. Die lex Valeria Horatia führte die ple- 
biscita in den Verfassungsorganismus ein , indem sie dieselben 
genau denselben bestimnmngen unterwarf, wie sie für die be- 
liebungen des populus in den comitia centuriata galten, d. h. in- 
dem sie die nachträgliche auctoritas patrum für dieselben noth- 
wendig machte. Dieser modus wurde durch die lex Publilia 
Philonis 339 für die comitia centuriata dahin abgeändert ut legum 
guae comitiis conturiatis ferrentur ante initum suffragium patres au- 
ctores ßerent. Durch dieses gesetz mußte aber auch der bisher 
beobachtete modus betreffs der plebiscita zweifelhaft werden : 
hatte die lex Valeria Horatia bestimmt, daß die plebiscita ebenso 
angesehen werden sollten wie die populiscita (der comitia centu- 
riata) — womit zugleich gegeben war, daß sie auch denselben 
erfordernissen betreffs ihrer gültigkeit unterworfen sein sollten, 
wie jene — so mußte diese bestimmung zweifelhaft werden, 
als eben für die gültigkeit der populiscita ein anderer modus 
(die voraufgehende auctoritas patrum) getroffen war : weshalb 
die wiederholte erklärung abgegeben wurde , daß auch unter 
diesen veränderten umständen die plebiscita den populiscita gleich- 
gestellt, d. h daß auch jene gleich diesen von nun an der 
voraufgehenden auctoritas patrum unterworfen sein sollten. 
Die lex Hortensia vom jähre 286 hat endlich die patrum aucto- 
ritas ganz abgeschafft, indem sie die unbedingte gültigkeit 
der plebiscita festsetzte. Der Zusammenhang der beiden leges 
Publiliae Philonis, deren eine ut legum quae comitiis conturiatis fer- 
rentur ante initum suffragium patres auctores ßerent ; deren zweite 
ut plebiscita omnes Quirites tenerent, bestimmte, scheint mir auf 
alle fälle sicher und unabweislich. Daß Livius (8, 12) die zweite 
an erster stelle anführt , ist zufall und ohne belang : sie ist im 
gegentheil erst durch die zweite (in der reihenfolge bei Livius 
a. a. o.) veranlaßt. Nur darin stimme ich natürlich nicht mit 
dem verf. überein , daß er die hier in betracht kommende au- 
ctoritas patrum wieder auf den gesammtsenat bezieht, während 
ich auch hier den patricischen ausschuß erkenne. In diesem 



Nr. 1. 15. Römische alterthümer. 73 

einzelnen punkte stimmt der verf. also eigentümlicherweise im 
wesentlichen mit Mommsen — trotz der großen kluft, die ihn 
sonst von diesem scheidet — überein : denn Mommsen läßt 
gleichfalls die plebiscita nur dann für die gesammtgemeinde ver- 
bindlich werden, wenn sie durch den Senat, d.h. dengesammt- 
senat, vorher gebilligt waren , indem er sich bierfür auf eine 
vereinzelte angäbe Appians b. c. 1,59 beruft; nur daß Mommsen 
die bestätigung durch den gesammtsenat als voraufgehenden 
Senatsbeschluß, der verf. — wenigstens bis 339 — als nach- 
folgend faßt. Ich muß hier mich durchaus auf seite des Ver- 
fassers stellen und kann nicht finden, daß in den berichten über 
den Standpunkt des senats den plebiscita einerseits, den populi- 
scita andererseits, gegenüber irgend ein unterschied zu erkennen 
ist. Die wiederholten und eingehenden Senatsverhandlungen 
über ein von den tribunen in aussieht genommenes plebiscitum 
schließen in keiner weise die nothwendigkeit aus, daß das von 
der plebs angenommene scitura der formellen bestätigung durch 
die patrum auetoritas bedurfte Wenn die letztere nicht bestimmt 
hervorgehoben wird, so erklärt sich das eben daraus, daß wenn 
die voraufgegangenen Senatsverhandlungen die Zustimmung 
des Senats zu der beliebung der plebs herausgestellt hatten, die 
nachfolgende auetoritas des patricischen ausschusses nur noch 
eine formalität war. Wenn — wie wiederholt hervorgehoben 
wird — eben die patricier die rechtsverbindlichkeit der ple- 
biscita für sich ablehnten : so erscheint gerade hier die auetoritas 
des patricischen ausschusses zur gültigkeit jener wie von selbst 
sich ergebend und ich wüßte nicht, wie man hier einen andern 
modus erwarten dürfte , als wie er für die leges des gesammten 
populus feststand. Die ganz vereinzelte angäbe Appians ?\- 
fffotvio rt fjrjdfi 87i anQo6nvXsvzoi> f~: 7t i Siipior s»<y FQetßai .' ry- 
inuinin-vni fjfi> nvzoa y.ui nnlut, nnnuXsfVftt'rnr 8 sx noXX'iv ist 
doch wahrlich allein nicht geeignet, um durch sie das im übri- 
gen dem Verfassungsorganismus , speciell der legislative , ganz 
unbekannte Senatsgutachten zu erweisen. Appian wird hier die 
patrum auetoritas mit dem senatus consultum verwechseln, wie diese 
Verwechselung bei Dionysius ja fast regelmäßig der fall ist. 

Was die andere seite der competenzen des senats, das con- 
silium, betrifft, so behandelt der verf. dasselbe in eingehendster 
weise, indem er in buch III (bd. II) zunächst in capitel I das 



74 15. Komische alterthümer. Nr. 1. 

consilium nach seiner allgemeinen bedeutung, capitel II in seiner 
beziehung auf die departements des innern und der Justiz , ca- 
pitel III des cultus, capitel IV der finanzen und der öffentlichen 
arbeiten, cap. V des auswärtigen , capitel VI des kriegs , capitel 
VII der provinzialverwaltung, capitel VIII in seinem übergange 
zur kaiserzeit erörtert. Näher auf diese darstellung einzugehen 
schließt sich für uns von selbst aus : es ist ein außerordentlich 
reiches material, welches hier vereinigt ist und welches uns die 
römische Staatsverwaltung nach allen ihren zweigen bis in die 
feinsten details zu verfolgen gestattet. Wir müssen dem verf. 
für die Sammlung und durcharbeitung dieses bedeutenden stoffs 
sehr dankbar sein. Was ich vermißt habe, ist eines: die rück- 
sicht auf das historische werden dieses rechtes des consilium. 
In der systematischen gestaltung dieser consiliären thätigkeit 
des Senats und in der vertheilung derselben nach den ver- 
schiedenen gebieten des öffentlichen lebens, wie wir dieselbe bei 
dem verf. finden, tritt dieses recht zu sehr einheitlich, ungewor- 
den entgegen: während meiner auffassung nach nichts so sehr 
ein produkt der zeit ist und den charakter des gewordenen an 
sich trägt, als gerade dieses recht des consilium des senats. Wer 
des Verfassersausführungen liest, muß annehmen, diese consiliäre 
thätigkeit des senats sei — solange derselbe überhaupt vorhan- 
den — stets dieselbe gewesen : und doch ist für mich, wie schon 
bemerkt, nichts sicherer, als daß dieselbe von haus aus über- 
haupt gar kein recht gewesen ist und daß der senat — der 
patricisch - plebejische gesammtsenat — erst schritt für schritt 
in dieses recht sich hineingedrängt hat : hauptsächlich auf 
kosten der fungierenden magistrate. Verfassungsmäßig ist 
von haus aus nur die auctoritas: und dieses recht hat nur den 
patriciern zugestanden ; das consilium ist in der that ursprünglich 
nur ein rath, d. h nichts verfassungsmäßig nothwendiges ge- 
wesen : aber er ist im laufe der zeit zu einem wirklich organi- 
schen gliede der Verfassung geworden. Darauf näher ein- 
zugehen muß ich mir aber hier versagen. 

So seien denn schließlich nur noch einige einzelheiten aus 
der großen summe anregender auffassungen und gedanken her- 
vorgehoben, die ich dem Studium des werkes verdanke. Aus 
der Untersuchung über das interregnum ergiebt sich mit Sicher- 
heit, daß die für die romulische zeit von Livius, Dionyeius u. a. 



Nr. 1. 15. Römische alterthümer. 75 

eingehend dargelegte Ordnung der interregenbestellung in der 
spätem zeit keine anwendung gefunden hat. Das wiederholte 
hervortreten desselben mannes als interrex ■ — z. b. des M. Fu- 
rius Camillus und P. Cornelius Scipio 392 und 389 — na- 
mentlich aber die wiederholte ernennung derselben beiden män- 
ner Q. Servilius und M Fabius Ambustus im jähre 355 in dem- 
selben interregnum und zwar in derselben Ordnung in der sie 
das interregnum begannen — zeigt, daß damals die interregen- 
ernennung auf freier bestimmung durch den Vorgänger beruhte: 
nur über die ernenuung des ersten interrex kann man zwei- 
felhaft sein. Läßt sich der ernennungsmodus, wie wir ihn bei 
Livius u. a. von der königszeit lesen, nur verstehen, wenn man 
den senat streng nach curien gegliedert sich vorstellt: so liegt an- 
derseits der Schluß nahe , daß diese Ordnung nach curien schon 
in der älteren zeit der republik nicht mehr die durchschlagende 
und allein gültige im senat, speciell unter den patricischen Se- 
natoren gewesen sein kann. Ich sehe den grund dafür in dem 
umstände, daß bei dem zusammenschmelzen der patricischen ge- 
schlechter manche curie ganz ausgestorben war — bezüglich 
ihrer patricischen bestandtheile : denn die erwähnte, von Momm- 
sen Forsch. 1, 218 ff. behandelte interregenordnung der königszeit 
beruht auf dem gedanken , daß bei einer vacanz der eigentlich 
regierenden magistrate jede curie und innerhalb derselben jedes 
geschlecht abwechselnd die regierung — speciell die auspicia — 
führt: aber auch das kann ich hier nur andeuten. Die annähme 
des verf., nur ein curulischer Senator habe interrex werden 
können, ist zu weit gehend: die spätere praxis mochte sich al- 
lerdings nur oder vorzugsweise an curulische männer halten. 
Sehr beachtenswerth für die bestimmung der ursprünglichen 
bedeutung des worts auctoritas, auctor ist die lehre der Augural- 
bücher über die tria genera fulgurum, wie wir sie bei Seneca 
Nat. quaest. 2, 30. Serv. Aen. 8, 524 (nicht 542, wie der verf. 
schreibt) finden , auf die , bislang nicht beachtet, der verf. auf- 
merksam macht : und doch kann dieselbe mich nicht davon über- 
zeugen , daß das wort nicht einen entgegengesetzten sinn von 
haus aus gehabt hat — eine auffassung, welche auch Lauge de 
patr. auct. II, 14 ff. vertritt. Die anwendung des worts aucto~ 
ritas in den XII tabb. (III, 7 bei Bruns Fontes) wiegt meiner 
ansieht nach den gebrauch des worts , wie wir ihn in den Au- 



76 15. Römische alterthümer. Nr. 1. 

guralbüchern finden , lange auf : denn diese können sehr wohl 
die lehre nach dem später in geltung befindlichen d.h. durch 
die veränderte praxis der auctoritas des patricischen senats gleich- 
falls veränderten gebrauche des worts dargestellt haben. Auetor 
ist „Urheber" und wird durchgehend in diesem sinne gebraucht: 
danach haben wir in der auctoritas der patricier das bestim- 
mungsrecht dieser als von haus aus von ihnen ausgehend 
zu erkennen. 

Als sehr beachtenswerth muß ich auch das II , 69 ff. über 
die datierung der lex Maenia gesagte bezeichnen. Es ist wahr, 
daß die annähme des verf. der bestimmten angäbe Cicero's Brut. 
14,55 widerspricht: aber ich halte es mit dem verf. für wenig- 
stens nicht unwahrscheinlich , daß hier eine Verwechselung vor- 
liegt und daß der von Cicero genannte Appius Claudius nicht 
der censor des j. 312, sondern der starre plebejerfeind Appius 
Claudius Crassus cos. 349 (Liv. 7, 6 ff.) ist Auf den umstand, 
daß sich bei Livius nirgends eine erwähnung der lex Maenia 
findet, woraus Mommsen Forsch. 1, 242 schließen zu dürfen glaubt, 
daß dieselbe nach 292 — dem Schlüsse der 1. dekade des Li- 
vius -— fallen müsse, lege auch ich kein gewicht: erwähnt Li- 
vius doch auch die lex Ovinia mit keinem worte. Mit berufung 
auf Liv. 7, 21 — in welchem berichte er den von Cic a. o. 
gegebenen wieder zu erkennen glaubt — sieht der verf. in dem 
Maenius, nach dem die lex benannt ist, den consul des j. 338 
C. Maenius. Es läßt sich jedenfalls nicht leugnen, daß diese 
datierung sehr viel für sich hat. Denn daß die im voraus zu 
ertheilende auctoritas patrum für die leges schon im j. 339 , für 
die wählen erst nach 292 gesetzlich bestimmt sein sollte, ist 
schwer verständlich , da beide bestimmungen doch im innersten 
zusammenhange stehen. 

Ueberzeugt hat mich der verf. auch in bezug auf den cal- 
ceus patricius, von dem er I, 123 ff. nachweist — gegen Momm- 
sen — daß derselbe später von den curulischen Senatoren über- 
haupt — also auch den plebejischen — getragen worden ist. 
Nicht minder bin ich , wie schon oben bemerkt, seiner meinung 
(vgl I, 137 ff.), daß die senatores pedarii dasselbe Stimmrecht 
(das ius sententiae dicendae) gehabt haben , wie die curulischen. 
Endlich muß ich auch zugestehen , daß es schwer ist , die von 
Cicero gebrauchten worte Cicero's selbst (Phil. 14,7,17 ad fam. 



Nr. 1. 15. Kölnische alterthümer. 77 

12, 24, 2) und des Cremutius Cordus (bei Senec. Suas. 6, 19 
ed. Kießling) anders zu verstehen, als daß Cicero wirklich — im 
jähre 43 — formell der princeps senatus gewesen ist. Aber es 
ist darauf hinzuweisen, daß diese ernennung eines plebejers zum 
princeps senatus in dem an Unregelmäßigkeiten und an unge- 
wöhnlichkeiten reichen jähre nach Cäsar's tode nicht auffallen 
kann. Daß auch Q. Lutatius Catulus princeps senatus gewesen, 
davon bin ich auch nach den ausführungen des verf. noch nicht 
völlig überzeugt, wenn ich auch zugebe, daß das — wie Momoi- 
sen will — patricische Vorrecht, den princeps senatus zu stellen, 
mir durchaus nicht sicher zu sein scheint. Der principat des 
P. Servilius Vatia Isauricus ist, um das noch zu bemerken, zu 
zweifelhaft, als daß man sich über ihn in vermuthungen einlassen 
könnte, wie der verf. thut I, 120 f. 

Was den inhalt der lex Ovinia betrifft , so kann ich darin 
mit dem verf. I, 157 ff. nicht übereinstimmen. Schon Lange 
hat sich eingehend mit den betreifenden ansichten des verf. be- 
schäftigt: vgl de plebicitis Ovinio et Atinio. 1879. Meine 
eigene ansieht über die einschneidenden bestimmuugen dieser 
lex würden ohne größere ausführungen nicht darzulegen sein, 
was sich für diesen ort ausschließt. 

Damit breche ich ab. Ich würde noch eine lange reihe 
von punkten anführen können, in denen ich, sei es mit dem 
verf. übereinstimmend , sei es von ihm abweichend, sehr beach- 
tenswerthe angaben erblicke. Jedenfalls ist das werk — na- 
mentlich so lange von Momtnsens Staatsrecht der dritte band 
noch aussteht — für jeden mit der römischen Verfassung, spe- 
ciell mit dem senat sich beschäftigenden unentbehrlich. Der 
hauptwerth desselben liegt für mich in der Sammlung des ma- 
terials : einmal der einzelfälle, in denen die competenzen des Se- 
nats nach allen ihren Seiten zum ausdruck kommen; anderseits 
der statistischen daten betreffs der Zusammensetzung des Senats. 
Denn obgleich die letzteren in hohem maße mit Wahrscheinlich- 
keiten und möglichkeiten rechnen müssen und vielleicht auch 
im einzelnen mannigfache rectificationen nöthig machen werden, 
so gewinnt man doch erst aus ihnen ein richtiges und klares 
bild über die Zusammensetzung des Senats , ohne deren genaue 
kenntniß auch die den senat leitenden und beherrschenden rich- 
tungen seiner politik unverständlich bleiben werden. O. Gilbert. 



78 Bibliographie. Nr. 1. 

Bibliographie. 

Ausgegeben ist : F. A. Brockhaus, verzeichniß ausgewählter 
werke , in eleganten einbänden ; ausgewählte werke aus dem 
Verlage der Weidmann 'sehen buchhandlung in Berlin. 

Es kündigt F. A. Brockhaus in Leipzig an: Troja, ergeb- 
nisse meiner neuesten ausgrabungen auf den bausteilen von 
Troja in den heldengräbern, Bunarbaschi und andern orten von 
Troas im jähre 1882, von dr. Heinrich Schliemann, mit vorrede 
von prof. AI. Sayce — bei dieser anzeige auch einige abbildun- 
gen und verzeichniß der frühem Schriften Schliemann's. 

Ferd. Dümmlers {Harrwitz u. Gassmann) Verlagsbuchhandlung 
in Berlin macht aufmerksam auf : Vergleichende syntax der in- 
dogermanischen comparation, insbesondere der comparationscasus 
der indogermanischen sprachen und sein ersatz von dr. Hermann 
Ziemer. — Dabei liegt: Register der vergleichenden syntax der 
indogermanischen comparation von H. Ziemer. 

Angezeigt ist : Jos. Jolowicz antiquarischer catalog no. 60 ; 
— und P. Neff, Ebner u. Seubert in Stuttgart, weihnachtscatalog 
im RAnz. no. 283. 291. 

Ausgegeben sind Cataloge der antiquare: P. Neff, Ebner und 
Seubert, festeatalog (mit vielen abbildungen) ; — J. A. Stargard 
in Berlin, bücherverzeichniß no. 141. 

Verzeichniß der wichtigeren publikationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft. 1884. I. 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

1. Apulei Psyche et Cupido , rec. et em. Otto Jahn. Ed. III. 
Leipzig, Breitkopf u. Härtel 1883. 18. X, 19 p. 1 mk. 50 pf. 

2. Augusti, res gestae Divi. Ex rnonumentis Ancyrano et Apollo- 
niensi iterum edidit Theod. Mommsen. Accedunt tabulae undeeim. 
Berlin, Weidmann 1883. 8. C, 223 p. 11 tabb. 12 mk. 

3. Bursian, Conrad, geschiente der classischen philologie in 
Deutschland von den anfangen bis zur gegenwart. 2 hälften. Mün- 
chen, Oldenbourg 1883. 8. VIII, 1271 p. 14 mk. 50 pf. (Geschichte 
der Wissenschaften in Deutschland. Neuere zeit, bd. 19.) 

4. Cicero's rede für den P. Sestius. Für den schulgebrauch er- 
klärt von R. Bouterwek. Gotha, Perthes 1883. 8. VI, 154 p. und 
VI, 54 u. 97 p. Ausg. A u. B. 1 mk. 50 pf. 

5. Commentaria in Aristotelem Graeca edita consilio et auetori- 
tate acad. r. boruss. Vol. II, 1 : Alexandri in Aristotelem Analytico- 
rura priorum commentarium, ed. Max Wallies. Berlin, G.Reimer 1883. 
8. XXII, 426 p. 14 mk. 

6. Crusius , Otto , analecta critica ad paroemiographos Graecos. 
Accedunt excerpta ex Demone ntgi TKtQot^nJJy grammatici incerti 
fragmentum paroemiographicum. Leipzig, Teubner 1883. 8. 176 p. 
4 mk. 

7. Eclogae poetarum Graecorum scholarum in usum composuit 
Hugo Stadtmüller. Leipzig, Teubner 1883. 8. XXIV, 434 p. 2 mk. 70 pf. 

8. Gilbert, Otto, geschichte und topograpbie der stadt Rom im 
alterthum. Erste abtheilung. Leipzig, Teubner 1883. 8.' 368 p. 

9. Josephus, Flavius, jüdische alterthümer, übers, v. Fr. Kaulen. 
2. aufl. Köln, Bachern 1883. 8. 696 p. 9 mk. 



Nr. 1. Bibliographie. 79 

10. Landwehr, Hugo, Papyrura Berolinensem no. 163 musei ae- 
gyptiaci commentario critico adiecto ediclit. Adiectae sunt tabulae duae. 
Gotha, Perthes 1883. 8. 1 tuk. 20 pf. 

11. Livius , T. , ab urbe condita über XXII. Für den schulge- 
brauch erkl. von Franz Luterbacher. Ausg. A u. B. Gotha, Perthes 
1883. 8. 117 u 56 + 55 p. 1 mk. 20 pf. 

12. — — Für d. schulgebr. erkl. v. E. W'ölfflin u. Franz Luter- 
bacher. Leipzig, Teubner 1883. 8. III, 90 p. 1 mk. 20 pf. 

13. Meyer, Elard Hugo, indogermanische mythen. 1. Ghandar- 
ven, Kentauren. Berlin, Dümmler 1883. 8. II, 243 p. 4 mk. 50 pf. 

14. Müller, Herrn. Friedr. , dispositionen zu den drei ersten En- 
neaden des Plotinos. Bremen, Heinsius 1883. 8. III, 102 p. 2 mk. 

15. Müller, Lucian, Quintus Ennius. Eine einleitung in das 
Studium der römischen poesie. St. Petersburg, Ricker 1884. 8. IX, 
313 p. 8 mk. 

16. Nitzsch, Karl Wilh., geschichte der römischen republik. Nach, 
dessen hinterlassenen papieren und Vorlesungen hrsg. v. Georg Thouret. 
Bd. I. Bis zum ende des hannibalischen krieges. Mit einer einleitung: 
Ueberblick über die geschichte der geschichtschrei bung bis auf Nie- 
buhr und einem anhang zur römischen annalistik. Leipzig, Duncker 
u. Humblot 1884. 8. XV, 203 p. 4 mk. 

17. Peipers, David, ontologia Platonica ad notionum terminorum- 
que historiam symbola. Leipzig, Teubner in cotnin. 1883. 8. XIV, 
606 p. 14 mk. 

18. Plauti, T. Macci, comoedia. Rec. instrum. critico et prole- 
gomeuis auxit Frdr. Rittchelius. Sociis operae adiunctis Gast. Loewe, 
Geo. Goetz, Frdr. Schoell. Tom IL fasc. 4. Stichus. Ed. IL a G. Goetz 
recognita. Leipzig, Teubner 1883. 8. XVI, 110 p. 3 mk. 60 pf. 

19. Sophocles Antigone. Für den schulgebrauch erkl. von Geo. 
Kern. Ausg. A. u. B. Gotha, Perthes 1883. IV, 68 und IV, 38 u. 
28 p. 8. 2 tafeln. 1 mk. 

20. Stanyl, Thomas, der sogen. Gronov-scholiast zu elf ciceroni- 
schen reden. Ueberlieferung, text und spräche auf grund einer neu- 
vergleichung der Leydener handschrift dargestellt. Prag, Tempsky 
u. Leipzig, Freytag 1884. 8. V, 82 p. 2 mk. 40 pf. 

21. Studien, Leipziger, zur classisehen philologie. Hrsg. von G. 
Curtius, L. Lange, O. Ribbeck, H. Lipsius. 6. bd. Heft. 2. Leipzig, 
Hirzel 1883. 8. V u. p. 193 — 331. 3 mk. 40 pf. 

(Inhalt: Curtius Rice. Opitz, de argumentorum metricorum la- 
tinorum arte et origine , p. 193— 196. J. Herrn. Lipsius, über die 
unechtheit der ersten rede gegen Aristogeiton, p. 197—331.) 

England. 

22. Aeschyli fabulae c I/.eridtg Xo^rfSoot in libro Mediceo mendose 
scriptae ex vv. dd. coniecturis emendatius editae cum scholiis Graecis 
et brevi adnotatione critica curante F. A. Paley. Cambridge, Uni- 
versity Press 1883. 8. 140 p. 7 sh. 6 d. 

23. Cicero de natura deorum. Libri tres, with introduetion and 
commentary by Joseph B. Mayor. Vol. 2. Cambridge 1883. 8. 330 p. 
12 .sh. 6 d. 

24. Cicero de finibus libri quinque. The text revised and ex- 
plained by J. S. Reid. 3 vols. Vol. 3 containing the translation. 
Cambridge 1883. 8. 186 p. 8 sh. 

25. Euripidfs Iphigenia among the Tauri. Edited with intro- 
duetion and critical and explanatory notes by E. B. England. Lon- 
don, Macmillan 1883. 12. 290 p. 4 sh. 6 d. 



80 Bibliographie. Nr. 1. 

'26. Ferrier, James Fredericl:, Philosophical works. 3 vols. Vol. 3. 
Lectures on greek philosophy. New ed. London, Blackwood 1883. 
8. 560 p. 14 sh. 

27. Sayce, A. H., the ancient empires of the east. Herodotus 1. 3. 
With notes, introductions and appendices. London, Macmillan 1883. 
8. 506 p. 16 sh. 

28. Smith, George Barnett, life of W. E. Gladstone. 11. ed. 
London, Cassell 1883. 8. 596 p. 3 sh. 6 d. 

29. Stephens, George, Prof. S. Bugge's Studies on nortbern my- 
thology shortly examined. London, Williams and Norgate 1883. 8. 
8 sh. 

30. Thompson, F. E., a syntax of attic Greek. London, Rivingtons 
1883. 8. 467 p. 8 sh. 6 d. 

31. Xenophons Hiero. With introduction, notes and critical ap- 
pendix by Hubert' A. Holden. London, Macmillan 1883. 12. 172 p. 
3 sh. 6 d. 

32. Zeller, Ed., a history of electicism in Greek philosophy, 
translated from the German by T. F. Alleyne. London, Longmans 
1883. 8. 320 p. 10 sh. 6 d. 

Frankreich. 

33. Fontaine , L. , l'armee romaine. Paris, Cerf 1883. 16. 143 p. 
et gravures. 1 fr. 

34. Gillet, Mathurin, Plutarchus quid senserit de pueris insti- 
tuendis. Paris, Guillaumin 1883. 8. 64 p. (These de Clermont.) 

35. Heuzi-y, Leon, les figurines antiques de terre cuite du niusee 
du Louvre. Ciassees d'apres le catalogue du meine auteur gravees 
par A Jaciiuet. Paris, Morel 1883. 4. 2 col. IV, 36 p. 60 plan- 
ches. 60 frcs. 

36. Homere, traduit par le docteur J. B. F. Froment. 2 vol. 
T. 1. Iliade. XL, 544 p. T. 2. Odyssee. 452 p. Paris, Plön, Nourrit 
et Cie. 1883. 8. 

37. Lafuye, G., de poetarum et oratorum certaminibus apud ve- 
teres. Paris, Pedone Lauriel 1883. 8. IX, 120 p. (These de Paris.) 

38. Livii, Titi, ab urbe condita libri 21 et 22, texte latin publ. 
avec une notice sur la vie et les ouvrages de Tite Live des notes cri- 
tiques explicatives des remarques sur la laugue, un index des noms 
propres historiques et geographiques et des antiquites, 2 cartes etc., 
par G.Rivmunn et E. Benoist. 3e tirage revu, Paris, Hachette 1883. 
16. XXIV, 380 p. 2 fr. 

39. Nicaise, Auguste, le cime'tiere gallo-romain de la Fosse Jean- 
Fat. Urnes a visage steles funeraires avec insciiptions et sculptures 
ä Reims. Chälons et Reims, Renart 1883. 8. 20 p. 

40. Robais , A. van, notes d'archeologie , d'histoire et de numis- 
matique. 3e serie. Abbeville et environs. Monnaies de Ponthieu, 
de Quentovic et de Montreuil surmer. Potiers gallo-romains. Abbeville 
188;$. 8. 76 p. 8. 5 pl. (Extr. des memoires de la societe d'emu- 
lation d'Abbeville.~) 

41. Tardieu, Ambroise et Fraj:9ois Boyer, la ville gallo-romaine 
de Beaudair commune de Voingt pres d'Herment (Puy de Dome) 
fouilles et decouvertes. Clermont-Ferrand 1882. 4. 14 p. 

Italien. 

42. Brunialti, Attilio, la democrazia antica e la democrazia rno- 
derna, in Biblioteca di scienze pratiche diretto da Attii'o Brunialti. 
Torino 1882. vol. I. 






Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 81 

Spanien. 

43. Seneca tragedias de, traducciön en verso de Angel Lasso d 
la Vega. Madrid 1883. 8. XXIX, 160 p. 2 reales. (Biblioteca 
universal vol. 87.) 

Rußland. 

44. Wlastnff, Georges, Prome'thee Pandore et la legende des 
siecles. Essai d'analyse de quelques legendes d'Hesiode. Edition de 
l'auteur. St. Petersbourg 1883. 8. IV, 242 p. 6 mk. 

Beilage B: Academica und dissertationen. 

München. 45. Appel , Ernst, de gene're neutro intereunte in 
lingua latina. Erlangae 1883. 8. 122 p. 

46. Bramhs , J. G., de auctoritate tragoediae Christianae quae 
inscribi solet Xoiarog nda^wv Gregorio Nazianzeno falso attributae. 
Eichstadii 1883." 8. 73 p. 

47. Frantz, Joh., die kriege der Scipiouen in Spanien 536—548 
a. u. c. München 1883. 8. 77 p. 

48. Gerutheivohl, Bernhard, die reiter und die centuriae equitum 
zur zeit der römischen republik. München 1883. 8. 34 p. 

49. Krumbacher, Carl, de codicibus quibus interpretainenta Pseu- 
dodositheana nobis tradita sunt. Monachii 1883. 8. 68 p. 

50. Stangl, Thomas, Boethiana vel Boethii commentariorum in 
Ciceronis Topica emendationes ex octo codicibus haustas et auctas ob- 
servationibus grammaticis. Gotha 1883. 8. 62 p. 

51. Traube, Lud., Varia libameuta critica. Monacii 1883. 8. 38 p. 



Kleine philologische zeitung. 

Ueber latifundien neuerer zeit, die zur kenntniß der im al- 
terthum gegründeten nützlich sind , findet sich im anschluß an 
E. Walcker's Landwirtschaftspolitik einiges in Allg. ztg. no. 300. 

Ueber das unter leitung von O. Devrient ausgeführte Luther- 
festspiel in Jena berichtet Allg. ztg. beil zu no. 360. 

Mannheim, 27. november 1883. Auf einem grundstücke des 
weinhändlers L. Dihl in Ladeuburg wurden fünf römische mei- 
lensteine aufgefunden. Ladenburg, in ältester zeit Vicus Lopo- 
dunum, dann Civitas Ulpia zu ehren Trajans, zuletzt nach Septi- 
mius Severus Civitas Ulpia Septimia Nemetum benannt , war das 
centrum eines römischen Verwaltungsbezirks bis nach der mitte 
des dritten Jahrhunderts, bis hier auf dem rechten Rheinufer 
die Alemannen der römischen herrschaft ein ende machten. 
Die meilenzeiger in diesem gebiet beziehen sich alle auf den 
hauptort Lopodunum als ausgangspunkt. Die vor sechs jähren 
in Heidelberg gefundenen acht römischen leugensäulen tragen 
sammt und sonders die worte : A LOP(oduno) L(eugae) IUI 
d. i. von Lopodunum 4 gallische Leugen = 6 römische meilen 
= 8,89 kilometer. Ebenso wie die Heidelberger wegesäulen sind 
die Ladenburger hauptsteine mit den namen einer ganzen reihe 
römischer kaiser geschmückt. Die inschriften lauten : 

[. Zu ehren des kaisers Gordian III., ums jähr 238 gesetzt: 

Philol. Änz. XIV. 6 



82 



Kleine philologische zeitum 



Nr. 1. 



///////// 

I I I I • CAES 
M • ANTONIO 
GORDIANO 
PIO • FELICI • AVG 
P ■ M • TR • P 
P • P C • S N 
L- I 



Imperatori Caesari 

Marco Antonio 

Gordiano 

Pio Felici Angusto 

Pontifici maximo tribunicia potestate 

Patri Patriae Civitas Septimia Nemetum 
Leuga I. 

Der maßangabe nach scheint dieser stein verschleppt zu 
sein, eine annähme, für die das fehlen des sockels spricht. — 

IL Zu ehren des kaisers Philippus Arabs und seines gleich- 
namigen sohnes im jähr 246 gestiftet. 
IMP II II III H Hl II II HU Imperatori Caesari 

Marco Iulio 

Philippo Pio 

Felici Augusto Tribunicia 

Potestate III consuli 

Et Marco Iulio 

Philippo 

Nobilissimo Caesari 

Civitas Ulpia Septimia Nemetum. 



M ■/////////'///////////// 

^i in ml in im ii ii in 

lAVGl/lllllfl/llll/ll 
V-Vllllllllillilllllllll 
v-illlllllllllllllillllll 

Wllllllilllllllllllllll 

NOB- II II II III Hl II III II 

0-V/////V 



III. Zu ehren des kaisers Decius im jähr 249 gesetzt. 



IMP. CAES 
C • MESSIO 
QVINTO 
TRAIANO 
DECIO • P ■ 
INVICTO 
AVG PMTP 



F 



Imperatori Caesari 
Gaio Messio 
Quinto 
Trajano 

Decio Pio Felici 
Invicto 

Augusto Pontifici maximo tribunicia po- 
testate patri patriae. 
Proconsuli Civitas Septimia Nemetum. 
IV. Zu ehren des zum thronfolger bestimmten jüngeren 
Decius im jähr 250 gesetzt. 



P-P 



PROCOS • C • S • N 



Q. HERENNIO 
ETRVSCO 
MESSIO DECIO 
NOBILISSIMO 

CAESARI- C-VL-S-N 
V. Zu ehren des 
254 gesetzt. 
IMPP. CAESS. 
P. LICINIO 
VALERIANO 
ET P • LICINIO 
GALIENO 
PIS • FELICIBVS 
AVGG • C • V • S • N- 



Q. Herennio 
Etrusco 
Messio Decio 
Nobilissimo 

Caesari Civitas Ulpia Septimia Nemetum. 
kaisers Valerian und Gallienus ums jähr 

Imperatoribus Caesaribus 

Publio Licinio 

Valeriano 

et Publio Licinio 

Galieno 

Piis Felicibus 

Augustis Civitas Ulpia Septimia Nemetum. 



Nr. 1. Auszüge ans Zeitschriften. 83 

Diese inschriften decken sich ziemlich mit den im jähre 
1877 in Heidelberg gefundenen und von Karl Christ in den 
Bonner Jahrbüchern heft LXI 10 ff. und LXIV p. 62 beschrie- 
benen steinen. Es steht zu hoffen , daß drei weitere leugen- 
weiser zu ehren des Elagabal, Severus Alexander und Maximin 
noch gefunden werden. Riesige Steinplatten von über zwei meter 
länge und dreißig centimeter dicke und ein großer quader lie- 
gen noch in der fundstätte in einer tiefe von etwa drei meter, 
hinter denen sich vielleicht noch manches birgt. [Kölnische 
zeitung 1883 2. dec. no. 3342.] 

Auszöge aus Zeitschriften. 

Literarisches centralblalt für Deutschland. Hrsg. u. verantw. re- 
dacteur prof. dr. Fr. Zarticke, 1883, no. 42: Hirschfeld, Otto, galli- 
sche Studien. Wien 1883, Gerold's söhn. 60 p. F. B{ühl). — Mor- 
purgo, A., Arbogasto e l'impero romano dal 379 — 494. Cenni storici. 
Triest 1883. 8. 34 p. 1 karte. Progr. — Lichtenheld, Ad., das Stu- 
dium der sprachen, besonders der classischen, und die intellectuelle 
bildung auf sprachphilosophischer grundlage dargestellt. Wien 1882, 
Hoelder. XVI, 259 p. 5 rnk. 40 pf. B(ru)gm(an). — Euclidis elementa. 
Ed. et latine interpretatus est /. L. Heiberg. Vol. I. Libr. I — IV. 
cart. Leipzig 1883, Teubner. X, 333 p. 3 mk. 60 pf. — z—r — 
Kuhfeldt, Ose, de capitoliis imperii romani. Berlin 1883, Weidmann. 
83 p. 2 mk. 

No. 43 : Jahresbericht der geschichtswissenschaft, im auftrage der 
histor. gesellschaft zu Berlin hrsg. von dr. F. Abraham, dr. J. Her- 
mann, dr. JEdm. Meyer. 3. jahrg. 1880. Berlin 1883, Mittler u. söhn. 
X, 162, 345, 294 p. 16 mk. — Matzat, Heinr., römische Chronologie. 
1. bd. Grundlegende Untersuchungen. Berlin 1883, Weidmann. XII, 
354 p. 8. 8 mk. — Gozzadini, Giov., di due Statuette etrusche e di 
una iscrizione etrusca dissotterrate nell'Apennino bolognese. Memoria 
ecc. Korn 1883, Salviucci. 9 p. 2 tafeln. 4. (Atti della R, Accad. 
dei Lincei anno 280.) Pa(uli). — De Feis, Leopoldo, i dadi scritti 
di Toscanella ed i numeri etruschi. Estratto dal Giornale Liguistico 
Ann.X. fasc. VII. VIII. Genova. 79p. 8. Itafei. Pa{uli). — Briefwechsel 
zwischen Aug.Boeckh und Karl Otfried Müller. Leipzig 1883, Teubner. 
X, 442 p. 9 mk. — Herder, Joh. Gottfr., denkmal Job. Winckelmann's. 
Eine ungekrönte preisschrift aus dem jähre 1778. Nach der Casseler 
hdschr. zum ersten male hrsg. und mit literarhistor. einleitung ver- 
sehen von dr. Alb. Duncker. Cassel 1882, Kay. XXXV, 61 p. 8. 2 mk. 
50 pf. — Winckelmann's briefe an seine Züricher freunde. Nach den 
auf der Züricher stadtbibliothek aufbewahrten originalen in verm. u. 
verb. gestalt neu hrsg. von Hugo Blümner. Freiburg i. Br. 1882, 
Mohr. X, 238 p. 8. 5 mk. H. J(anitschek). 

No. 44 : Hintner, Val., griechische schulgrammatik. Wien 1883, 
Holder. 2. verb. aufl. 252 p. 8. 2 mk. A. K. 

No. 45: Der Rigveda oder die heiligen hymnen der Brähmana. 
Zum ersten male vollständig ins Deutsche übersetzt mit comm. u. ein- 
leitung von Alfred Ludwig. 4. u. 5. bd. (Des commentars erster u. 
zweiter theil.) Prag 1881, Tempsky. XXXVIII, 435. 645 p. 8. 28 mk. 
Wi(ndisch). — Hihi , J. A. , la le'gende d'Ene'e avant Virgile. Paris 
1883, Leroux. 95 p. . 8. (Eiudes de religion et de litterature an- 
ciennes I.) E. Wr. — Münzet, Rob., Quaestiones mythographae. Ber- 
lin 1883, Weidmann. VI, 25 p. 8. 1 mk. 20 pf. Cr{usius), 



84 Literatur. Nr. 1. 

No. 46. Claudi Ptolomuei geographia. E codicibus recogn. pro- 
legg. annotat. indicibus tabulis instruxit Carol. Müller. Vol. I. p. 1. 
Paris 1883. 8. V, 570 p. B(erge)r. 

No. 47 : Historienrum Romanorum fragmenta coli. disp. Herrn. 
Peter. Leipzig 1883, Teubner. XXVIII, 428 p. 4 mk. 50 pf. S. — Ger- 
ber, A., et A. Greef, lexicon Taciteum. Fase. V. Leipzig 1883, Teub- 
ner. p. 481 — 576. 8. 3 mk. 60 pf. A. E{ußner), — Kr äff er t , Herrn., 
beitrage zur kritik und erklärung lateinischer autoren. Aurich 1883. 
8. 153 p. 3 mk. 60 pf. — Meier, M. H. E. u. G. Fr. Schümann, der at- 
tische proceß. 4 bücher. Eine gekrönte preisschrift. Neu bearb. v. 
J. H. Lipsius. Lieferung 1—4. Berlin, Calvary 1883. 8. 468 p. 17 mk. 

No. 48 : Enmann, Alex., Eine verlorene geschiebte der römischen 
kaiser und das buch de viris illustribus urbis Rornae. Quellenstudien. 
Göttingen, Dieterich 1883. 8. (Aus dem Philologus Suppl.-Bd. IV. 
p. 337 — 501.). — Erman, Heinr. , zur geschichte der römischen quit- 
tungen und Solutionsacte. Mit einem vorwort von Prof. Dr. Dern- 
biirg. Berlin 1883, Puttkammer u. Mühlbrecht. VII, 82 p. 8. 2 mk. 
— Rumpel, Jo. , Lexicon Pindaricum. Leipzig 1883, Teubner. 8. 
498 p. 12 mk. 

No. 49: Oberhummer, Eugen, Phönizier in Akarnanien. Untersu- 
chungen zur phönizischen colonial- und handelsgeschichte mit beson- 
derer rücksicht auf das westliche Griechenland. München, Ackermann 

1882. 8. 84 p. 1 mk. 80 pf. FR. — Monro, D. B., a grammar of the 
Homeric dialect. Oxford 1882. 8. Clarendon Press. XXII, 344 p. <S. 
Kinch, C. F., quaestiones Curtianae criticae. Kopenhagen, Gyldendal 

1883. 8. 108 p. A. E(vßner). 

Rheinisches museum für phüologie , bd. 38, heft 4: Herakleides 
Pontikos der kritiker, von G.F. Unger, p. 481. — Catalepton, scripsit 
F. Buecheler, p. 507. — Zu der eleischen inschrift aus Olympia no. 362. 
Aus Th. Bergk's nachlaß, p. 526. — Von welchen Staaten ist Rom in 
seiner kultur beeinflußt worden? von O.Weise, p. 540. — Straboniana, 
von B. Niese, p. 567. — Beiträge zur kritik der gallischen panegyriker, 
von Ä. Brandt, p. 603. — Ueber die verwerthung der bei den rhetoren 
sich findenden citate aus Demosthenes, von F. Blaß, p. 612. — Mis- 
cellen: Apollon bei den Hyperboreern (zu Pind. Pyth. X), von Th. 
Zielinski, p. 625. — Ephoros als quelle für die schlacht bei Salamis, 
von G. Busolt, p. 627. — Ephoros über die Verluste bei Salamis und 
bei Plataiai, von demselben, p. 629. — Noch einmal über das verfah- 
ren der Athener gegen Mytilene, von L. Holzapfel, p. 631. — Zu 
Tzetzes Hist. 118, von R. Foerster, p. 633. — De iteratis syllabis obser- 
vatiuncula, scripsit A. Biese, p. 634. — Klage eines ostgothischen 
Professors, von F. B., p. 637. — ANAPTYPOI, von Dvenos, p. 640. 

Literatur 1883, 
(dem Philologus und PkAnzeiger zugesandt). 

Weißbrodt, Wilh., miscellanea epigraphica numismatica grarnma- 
tica. Brunsbergae 1883. 4. 22 p. 

Guttmann, Carl, de earum quae uocantur Caesarianae orationum 
Tullianarum genere dicendi. Gryphisw. 1883. 8. 79 p. 

Probst, Arthur, beitrage zur lateinischen grammatik. I. Zur lehre 
von den partikeln und konjunetionen. Leipzig 1883. 8. p. 105 — 170. 

Clasen, Christ., histor.-kritische Untersuchungen über Timaios von 
Tauromenion. Kiel 1883. 8. 97 p. 

Benicken , Hans Karl , studien und forschungen auf dem gebiete 
der Homerischen gedichte und ihrer litteratur.* Das zwölfte und drei- 
zehnte lied vom zorne des Achilleus in N30 der Homerischen Ilias. 
Innsbruck, Wagner 1883. 8. 44 mk. CCXLVII, 1312 p. 



Nr. 2. 3. Februar, März 1884. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



16. Sylloge inscriptionum Boeoticarum dialectum populärem 
exhibentium. Composuit adnotavit apparatu critico instruxit 
Guilelmus Larfeld, Dr. Praemittitur de dialecti Boeoticae 
mutationibus dissertatio. Berolini apud Georgium Reimerum 
MDCCCLXXXIH. 232 p. 8. 10 mk. 

Es ist mißlich, nachdem ein kenner wie H. Röhl dem vor- 
liegenden buche durch seine besprechung in der Philol. Wochen- 
schrift 1883 no. 9 p. 269 ff. gewissermaßen einen empfehlungs- 
brief ausgestellt hat, dasselbe ebenfalls zu besprechen, ohne sich 
in gleicher weise dafür begeistern zu können. Darum aber mit 
dem eigenen urtheil zurückzuhalten, finde ich keinen grund. 

Das buch enthält nach Städten geordnet in chronologischer 
reihenfolge alle bis dezember vorigen Jahres bekannten inschriften 
Böotiens , soweit sie in dem böotischen dialekt geschrieben sind. 
Die fundstätten und jetzigen aufbewahrungsorte, sowie die buch- 
stabenformen werden in einem kurzen lemma angegeben, worauf 
die inschriften selbst, ergänzt und verbessert, soweit es gelingen 
wollte, in minuskeln folgen. Nur die kürzeren inschriften sind 
meist in majuskeln gegeben, die ältesten darunter genau in der- 
selben nachbildung, wie sie bei Bohl , Inscriptiones Graecae an- 
tiquissimae p. 45 ff. erscheinen. Darauf gibt der herausgeber in 
möglichster kürze alle nöthigen angaben über die früheren her- 
ausgeber , den inhalt , das muthmaßliche alter und einzelne be- 
sonderheiten der inschriften. Zu vielen inschriften fügt er noch 
am fuß der Seiten die varietas lectionum. Einen Index nominum, 
wie ihn einst Keil seiner Sylloge inscriptionum Boeoticarum an- 
hängte , wie er bei jeder inschriftensammlung gefordert werden 
Philo!. Anz. XIV. 7 



86 16. Epigrapbik. Nr. 2. 

sollte und für die böotischen Inschriften ganz besonders werth- 
voll wäre, seiner neuen Sammlung beizufügen hat der heraus- 
geber unterlassen. 

Im übrigen ist die ganze äußerst mühevolle arbeit mit gro- 
ßer Sorgfalt und aller Sachkenntnis ausgeführt. Auch ist dem 
herausgeber , soweit ich es beurtheilen kann , keine wesentliche 
inschrift oder sonst einschlagende pxiblikation entgangen. Nur 
finde ich den ausschluß der münzlegenden in keiner weise ge- 
rechtfertigt. Daß ferner fast jeder tag neue bereicherungen un- 
serer Sammlung liefert und schon jetzt nachtrage erforderlich 
sind, ist ein nachtheil, der mit jeder derartigen Sammlung ver- 
knüpft ist. Insoweit kann man also gegen das unternehmen 
nichts besonderes einwenden. Anders steht es, wenn man den 
zweck desselben ins äuge faßt. Da der herausgeber alle in- 
schriften prinzipiell ausgeschlossen hat, welche keine spuren des 
landschaftlichen dialekts enthalten , so ist seine Sammlung für 
alle rein historischen und antiquarischen forschungen zum min- 
desten unvollständig. Auch den paläographischen oder epigra- 
phischen fragen kann sein buch nicht dienen, da er nur eine 
kleine willkürliche anzahl von inschriften in facsimilierter nach- 
bildung gibt , deren zweck mir überhaupt unerfindlich ist , da 
sie neben den Röhl'schen Inscriptiones eine überflüssige Wieder- 
holung und ohne alle selbständige bedeutung sind. Sie scheinen 
mir einzig dem bestreben der Jetztzeit, fast jedes buch durch Il- 
lustrationen interessanter zu machen , ihren Wiederabdruck an 
dieser stelle zu verdanken. Der zweck des buches kann also 
nur der sein, den sprachlichen und sprachhistorischen Untersu- 
chungen über den böotischen dialekt das nöthige material in ge- 
nauer kritisch gesichteter bearbeitung zu geben. In dieser hin- 
sieht aber erscheint mir das buch nach der Sammlung der „in- 
schriftlichen quellen des böotischen dialekts" von ß. Meister in 
Bezzenberger's Beitr. V. 185 ff. und VI. 1 ff. durchaus überflüssig. 
Ich bewundere zwar die Selbstverleugnung , die es über sich 
bringt , eine schon von einem anderen ausreichend gut voll- 
brachte arbeit nochmals zu unternehmen, glaube aber nicht, daß 
dieselbe auf dank anspruch zu machen hat. Darauf könnte Lar- 
feld nur dann rechnen , wenn entweder das seit der Meister'- 
schen Sammlung neugefundene material so reichhaltig wäre, daß 
es schon eine neue Sammlung nöthig machte, oder die Meister'- 



Nr. 2. 16. Epigraphik. 87 

sehe arbeit so mangelhaft wäre, daß sie ihrem zweck nicht ent- 
spräche. Beides aber ist nicht der fall , und deshalb halte ich 
diese unmotivierte neubearbeitung geradezu für ein unrecht, weil 
sie stillschweigend der leistung des andern ihre bedeutung ab- 
spricht und sie in den hintergrund zu stellen sucht. Ich glaube 
im gegentheil, daß die Meister'sche arbeit der Larfeld'schen ge- 
genüber noch manche Vorzüge behauptet. Meister gibt allemal 
erst in fortlaufender minuskelschrift die auf dem stein erhaltene 
lesart ohne wortabtheilung , ergänzung und berichtigung, darauf 
erst die vervollständigte Umschrift; er erreicht dadurch, daß je- 
der eine klare anschauung der wirklichen Überlieferung erhält. 
Larfeld hingegen gibt die inschriften (mit ausnähme der weni- 
gen , welche er in majuskeln gibt) nur einmal , indem er nach 
einem äußerst künstlichen System verfährt : „Litteras in mediis 
versibus detritas punetis distinxi uncisque quadratis inclusi: [a] ; in 
initio et exitu versuum solurn uneum adhibui : «], \c. ; quarum litte- 
rarum reliquiae tantum in monumentis deprehenduntur , vel quarum 
loco falsae sive per errorem lapieidarum insculptae sive eorum qui 
descripserunt vitiis traditae sunt , uncis quadratis signavi : [a\ per- 
peram omissas rotundis : («) , vitiose textui intrusas uncis fractis : 
<<4>". Dazu kommen noch zahlreiche fragezeichen und Stern- 
chen, alles nur geeignet, das bild des wirklich erhaltenen zu 
verwirren. Es wäre sehr zu bedauern , wenn die von Larfeld 
erfundene transcriptionsmethode in zukünftigen inschriftenpubli- 
kationen nachahmung fände. 

Was die emendation und ergänzung der inschriften betrifft, 
so weicht Larfeld allerdings ziemlich oft von Meister ab , und 
man muß auch einräumen, daß er in manchen vermuthungen 
recht glücklich gewesen ist. Aber für die spräche und dialekt- 
forschung, die sich nur auf das sicher erhaltene stützen kann, 
bleiben die meisten derselben gleichgültig. Die Meister'sche 
darstellung des böotischen dialekts in seiner neubearbeitung des 
Ahrens'schen werkes ist vor der herausgäbe des Larfeld'schen 
buches erschienen, aber ich zweifle,, ob sie durch benutzung des- 
selben wesentlich anders ausgefallen wäre. — Larfeld scheint 
ganz besondere bedeutung seiner chronologischen anordnung der 
inschriften beizulegen, auf welche er die größte Sorgfalt verwen- 
det hat. In dem vorausgeschickten Wiederabdruck seiner Bonner 
dissertation De dialecti Boeoticae mutationibus gibt er rechen- 

7* 



88 17. Epigraphik. Nr. 2. 

schaft von den grundsätzen, die ihn dabei leiteten. Bisher habe 
man sich allzusehr von dem epigraphischen elemente bei der 
Zeitbestimmung der inschriften leiten lassen, wogegen man mehr 
auf die lautlichen Veränderungen der spräche rücksicht nehmen 
müsse. In Wahrheit aber hat man auf beides rücksicht genom- 
men und man hat von dem epigraphischen moment in Verbin- 
dung mit den sachlichen angaben der inschriften nur den not- 
wendigen ausgangspunkt für die Chronologie des böotischen vo- 
kalismus genommen ; dabei ist man freilich nicht zu so bestimm- 
ten resultaten gelangt , wie Larfeld , weil man nicht den muth 
hatte, etwas unbestimmtes als bestimmt hinzustellen. Die böo- 
tischen inschriften mit ihrer mannigfaltigkeit der Orthographie, 
ihrem steten schwanken zwischen phonetischer und historischer 
Schreibweise warnen einen jeden vor allzu bestimmter zeitlicher 
datierung. Auch verkennt Larfeld ganz, daß sich lautliche Ver- 
änderungen wie jede einzelne Umgestaltung des böotischen vo- 
kalismus nicht mit einem schlage, in einem bestimmten momente 
vollziehen und in der schritt ihren ausdruck finden. Daneben 
hätte das Verhältnis zwischen Schriftsprache und lebendiger mund- 
art genauere beachtung verdient. Um im einzelnen seine fest- 
setzungen zu widerlegen , müßte ich freilich nochmals eine ab- 
handlung de dialecto Boeotica schreiben. Doch kommt es 
überhaupt für die Sprachgeschichte nie auf absolute , sondern 
nur auf relative Chronologie an. 

Im ganzen also vermag ich dem fleiß und der Sorgfalt des 
herausgebers in der Sammlung und bearbeitung der inschriften 
meine anerkennung nicht zu versagen, muß es aber für nutzlos 
verwerthete mühe erklären das, was längst ausreichend gut be- 
handelt ist , nur darum von neuem zu behandeln , damit ein 
neues Sammelwerk entstehe, das doch immer und meist schon 
vor seiner Vollendung wieder lücken aufweisen wird. Ein knap- 
per nachtrag mit einigen sicheren ergänzungen und Verbesserun- 
gen zu Meister's arbeit wäre erwünscht und lohnenswerth ge- 
wesen. A. Führer. 

17. L. v. Urlichs, Pergamenische inschriften. Sech- 
zehntes programm des v. Wagnerschen kunstinstitutes. Würzburg 
1883. 31 p. 8. 

Die inschriften, welche in den „vorläufigen berichten" über 



Nr. 2. 17. Epigraphik. 89 

die ausgrabungen zu Pergamon veröffentlicht worden sind (Jahr- 
buch der kgl. preuß. kunstsammlungen I. [1880] p. 188 ff. III. 
[1882] p. 80 ff.) hat der Verfasser von neuem herausgegeben, 
indem er die historisch bemerkenswerthen in eine zusammenhän- 
gende darstellung der regierungsthätigkeit der pergamenischen 
könige (p. 7 — 20) einzuordnen suchte. Als grundlage der Un- 
tersuchung dienten die von Conze gemachten beobachtungen und 
bemerkungen, besonders der aufsatz „über die zeit der erbauung 
des großen altars zu Pergamon" (Monatsbericht der preußischen 
academie 1881 p. 869 — 876), in welchem die in Pergamon ge- 
fundenen inschriften ihrem schriftcharakter nach in 3 gruppen 
vertheilt sind , die den regierungszeiten der könige Attalos I 
(241 — 197), Eumenes II (197 — 159) und Attalos II (159—138) 
entsprechen. Die einzelnen inschriften sind zum theil so stark 
fragmentirt, daß die deutung ihrer beziehung auf bestimmte er- 
eignisse zweifelhaft bleibt. — Aus der zeit Attalos' I. findet sich 
(Urlichs n. 2) die Unterschrift einer statue des königs, welche 
Epigenes und die feldherrn und befehlshaber aus den kämpfen 
gegen Antiochos Hierax und die Gallier geweiht haben. Conze 
schrieb: 'Enr/n^t^ xai ol ijys^öte^ hu), dtQur^joi^, Urlichs aiija- 
7[/]oÖ7ra wohl druckfehler für atoar[t<y)7ai] , was aber auch 
nicht begründet wird. — Von den kriegsthaten Eumenes' IL 
(des erbauers des großen altars, wie Conze eben durch verglei- 
chung der buchstabenformen erkannt hat) wird der feldzug ge- 
gen Nabis (195 v. Chr.) in mehreren inschriften erwähnt. Auf 
die theilnahme am kriege gegen Antiochos DIL von Syrien be- 
zieht sich ein denkmal, das die achäischen hilfstruppen dem At- 
talos , dem bruder des königs und späterem könige Attalos IL, 
gesetzt haben; die inschrift (Urlichs n. 17) nennt als anlaß der 
Widmung tijv tv Avbla 7tuqu top 0gvyim noTa^ov ftajpjp, die 
Schlacht bei Magnesia. — In einer weihinschrift Attalos' IL wird 
ein feldzug erwähnt, dessen richtung unklar bleibt, da die rechte 
seite des Steines zerstört ist. Urlichs (n. 18) schließt sich der 
vermuthung von Conze an , der dieses denkmal auf den kämpf 
gegen Prusias (IL) von Bithynien bezogen hat. 

Den Schluß der Sammlung bilden die künstlerinschriften, 
großentheils kleine fragmente, an denen p. 26 ein nach 3 gene- 
rationen geordnetes Verzeichnis der pergamenischen künstler her- 
gestellt und durch das, was an notizen über die personen der 



90 18, Homeros. Nr. 2. 

künstler anderweitig bekannt war, erläutert wird. Beachtens- 
werth, wenn auch wohl nicht sicher, ist die p. 23 vorgeschlagene 
Verbesserung zu Plinius 34, 90 (19,33): Simon canem et sagittarium 
fecit, Stratonicus caelator ille philosophos , scopas uterque. Urlichs 
schreibt als vorletztes wort scyphas, so daß beiden künstlern 
neben ihrer thätigkeit als erzbildner die Verfertigung silberner 
becher zugeschrieben wird. Paul Cauer. 



18. AugustFick, die homerische Odyssee in der ursprüng- 
lichen sprachform wieder hergestellt. Göttingen 1883. 8. 330 p. 

Es galt bis vor kurzem als eine allgemein anerkannte, fast 
möchte ich sagen selbstverständliche thatsache , daß die spräche 
der homerischen dichtungen mit ihrem ungewöhnlichen formen- 
reichtum nicht der genaue reflex eines zur zeit des dichters von 
seinen landsleuten gesprochenen epichoren dialektes, sondern 
eine kunstsprache sei, basiert zwar auf dem fundamente des 
altionischen dialektes, aber durchsetzt mit mannigfachen alter- 
thümlichen und fremdländischen dementen, den producten einer 
langjährigen, von den Aeoliern zu den Ioniern gewanderten 
sangesübung. Die erscheinung selbst erregte im hinblick auf 
verwandte Vorkommnisse der litteratur nicht derartiges befrem- 
den, daß man an ihr irgendwie zu rütteln gewagt hätte. Man 
hat nur bei fortschreitender erkenntnis immer mehr den gedan- 
ken, als ob die homerische spräche aus allen möglichen dialekten 
gemischt sei und außer den bezeichneten dementen auch noch 
dorische enthalte , zurückzudrängen und den kreis der äolischen 
formen in engere grenzen zu ziehen gesucht. Den Standpunkt, 
den so die Wissenschaft bis vor kurzem allein anerkennen zu 
müssen glaubte, hat am besten Hinrichsin dem trefflichen buche, 
De Homericae elocutionis vestigiis aeolicis Berlin 1875, ausgespro- 
chen oder vielmehr festgestellt. Danach wurden viele dem spä- 
teren ionismus fremde sprachformen , wie namentlich das di- 
gamma, der altgriechischen spräche überhaupt vindiciert und 
die äolismen wesentlich auf das gebiet der formelhaften , aus 
einer älteren periode äolischen gesanges vererbten Wendungen 
beschränkt. So stand die sache bis vorkurzem, da kam im vorigen 
jähre der berühmte Verfasser des Wörterbuches der indogermani- 
schen sprachen, Aug. Pick und schlug in einem artikel der 
beitrage zur künde der indogermanischen sprachen einen ganz 



Nr. 2. 18. Homeros. 91 

neuen weg der erklärung der formenmischung in Homer ein. 
Die versuche Bentleys und Bekkers in die homerischen gedichte 
das digamma einzuführen wurden als unwissenschaftliche halb- 
heiten verworfen; wer den einen äolischen buchstaben einführe, 
müsse auch den muth haben dem Homer die äolischen formen 
überhaupt zurückzugeben ; die älteren lieder des Homer seien 
ursprünglich ganz im äolischen dialekt gedichtet worden und 
seien erst später, nachdem das geschlecht der Homeriden aus 
dem äolischen Smyrna nach dem ionischen Chios übergesiedelt 
sei, aus dem äolischen ins ionische übertragen worden. Zur 
probe wurde dort die erste hälfte des ersten gesanges der Ilias 
in die vermeintliche grundform zurückübersetzt. Jenem aufsatz, 
der durch die ingeniöse neuheit seiner gedanken überraschte und 
auch mich wie ein zweites ei des Columbus anfangs sprachlos 
zu machen schien , ist jetzt als supplementband der Bezzenber- 
ger'schen beitrage ein ganzes buch gefolgt. In demselben gibt 
der verf. nach einer orientierenden einleitung p. 1 — 36 die vier 
von Kirchhoff angenommenen alten bestandtheile der Odyssee, 
den alten nostos, die räche des Odysseus , den jüngeren nostos, 
hier mit kläglicher spracharmuth 'OSvaaecog voatog im gegensatz 
zum voatog 'OSvaaeeoc genannt, und die Telemachie in der vor- 
ausgesetzten äolischen urform. Auf dieselbe läßt der heraus- 
geber eine besprechung der jüngeren, weniger umfangreichen 
bestandtheile der Odyssee folgen , welche die zusammenfügung 
der vier alten, ehedem selbständigen epen zur heutigen Odyssee 
und deren abschluß durch die letzten anderthalb gesänge ent- 
halten sollen. Von diesen nimmt Fick an, daß sie von vorn- 
herein in dem ionischen mischdialekt und zwar von dem Home- 
riden Kynaithos aus Chios um ol. 29 gedichtet seien und gibt 
dann als probe jener künstlichen sprachform den Schluß der 
Odyssee und den Hymnus auf den delischen Apollo. Am Schlüsse 
steht noch ein ausblick, der uns nach einer äolischen Odyssee 
auch noch eine äolische Ilias und einen altthessalischen Hesiod 
in aussieht stellt , von welch letzterem uns vorerst eine probe 
aus Theog. 453—498 und 886—926 geboten wird. 

Den eindruck, den die erwähnte erste abhandlung Ficks 
auf mich machte, gebe ich am besten mit den worten wieder, 
welche ich vor dreivierteljahr in den prolegomenis meiner dem- 
nächst erscheinenden Iliasausgabe niedergeschrieben habe: hanc 



92 18. Homeros. Nr. 2. 

sententiam non magis ingeniöse excogitatam quam subtiliter proiatam 
cum primum perlegerem, me prorsus obstupef actum esse ingenue fa- 
teor ; sed cum paullatim animum revocassem , multa ei obstare et 
cardines eius facile effringi posse cognovi. Die zweite größere arbeit 
Ficks, die ausgäbe der Odyssee, bat mich weit kälter gelassen, 
nicht als ob sie weniger blendende geistesblitze enthielte oder 
weniger durch originelle auffassung und lichtvolle, des gelehrten 
ballastes entbehrende darstellung besteche ; aber der hauptinhalt 
wirkte auf mich nicht mehr mit dem reize der neuheit, machte 
vielmehr sofort auf mich den eindruck, daß der verf. damit der 
todtengräber seiner eigenen idee werde. Wie dieses? ich war 
von jeher mit den meisten litteraturhistorikern der meinung, daß 
dem ionischen Homer eine ältere äolische Vorstufe des helden- 
gesanges vorausgegangen sei, und theilte keineswegs die ansieht 
meines jungen freundes Sittl , der in einem aufsatz des Philolo- 
gus bd. XLIII p. 1 ff. ; die äolismen der homerischen spräche, den 
äolischen hintergrund der trojanischen sage und der homerischen 
poesie überhaupt zu leugnen gewagt hat. Bei dieser meiner 
anschauung verschloß ich mich nicht von vornherein dem ge- 
danken, daß möglicher weise die ältesten, in die Ilias aufgenom- 
menen lieder, wie die vom Zweikampfe des Paris und Menelaos 
und der aristeia Agamemnonos, noch in äolischem dialekte könn- 
ten gedichtet gewesen sein. Aber nun will Fick auch die Odys- 
see, welche doch den abschluß der Ilias bereits voraussetzt, noch 
der periode des äolischen epos zuweisen. Ja er beschränkt diese 
annähme nicht einmal auf den ältesten kern der Odyssee, den 
nostos Odysseos , sondern läßt auch die junge Telemachie , ja 
selbst die Theoklymenosepisode ursprünglich äolisch gedichtet 
sein. Was bleibt denn da von den homerischen dichtungen 
noch übrig? Kaum ein fünftel und dieses eine fünftel sollte die 
vier anderen fünftel zu sich hinübergezogen haben, trotzdem es 
an dichterischem werthe weit mehr noch als an umfang densel- 
ben nachstand ? Widerspricht das nicht allen naturgesetzen ? 
Kann man dazu auch nur ein analogon aus der übrigen litte- 
ratur anführen? Läßt sich nicht umgekehrt nachweisen, daß 
die Griechen an der ursprünglichen form der werke ihrer meister 
mit heiligem respecte festhielten, so daß selbst der Böoter Pin- 
dar im wesentlichen den dorischen dialekt seiner Vorgänger bei- 
behielt und die spartanischen Dorer beim bivouac die kriegs- 



Nr. 2. 18. Homeros. 93 

lieder des Tyrtaios in ionischer spräche sangen ? Und wie will 
man es bei Ficks hypothese erklären, daß Hesiod, dessen va- 
ter aus dem äolischen Kyme nach dem äolischen Böotien ausge- 
wandert war, sich gleichwohl, wenigstens nach der einstimmigen 
Überlieferung, des ionischen dialektes Homers bediente , daß die 
delphische priesterin stets , soweit unsere nachrichten zurückrei- 
chen, ionisch redete, daß der um ol 11 lebende korinthische 
dichter Eumelos seine genealogischen epen in homerischem, sein 
lyrisches prosodion in dorischem dialekte dichtete? Oder soll 
hier wirklich überall spätere umdichtung vorliegen ? und unter 
welchen einflüssen soll jene gewaltige revolution, von der die 
geschichte kein Sterbenswörtchen meldet, vorgegangen sein? Es 
ist sonst nicht üblich recensionen in ausrufen zu schreiben, aber 
gegenüber einer so ungeheuerlichen theorie muß es auch einmal 
erlaubt sein an die gesunde Vernunft und die natürlichen Ver- 
hältnisse zu appellieren. 

Aber Fick wird auf solche ausrufe nicht hören , er sagt 
schon im voraus p. 319: „auf Widerspruch bin ich gefaßt, ich 
werde denselben jedoch so lange unberücksichtigt lassen, bis es 
gelungen ist eine andere plausible erklärung für die beiden 
thatsachen zu finden, daß die äolische form im Homer der ent- 
sprechenden ionischen metrisch nicht gleichwerthig ist und daß 
die von einer vernünftigen kritik für jünger erklärten partien 
der Odyssee von festen ionismen wimmeln (?), während dieselben 
den älteren theilen fast völlig fehlen oder sich doch leicht be- 
seitigen lassen". Die metrisch gleichstehenden formen, wie Motu« 
und Mnüou, tj/xura und apiara , innovg und inaovg, neqievyotsg 
und necf.vryoTsg, ovgavuv und opcßroi-, ßovXtjv und ßölXav sollen 
also bei der controverse ganz außer betracht bleiben , es sollen 
nur die metrisch verschiedenen formen, wie nareu und pci.G7eu, 
antintfisv und unnpemifiev , ij^ti^ und u/jfisg , i/xtug und vfifxs, 
TZrtfTHidj' und naaüwr, noo'v7vxps und nooervxpe, ovtag und iovrag 
in die wagschale fallen. Man beachte von vornherein , um sich 
nicht leichtfertig im garne des gegners fangen zu lassen , die 
weise, wie Fick die ganze Streitfrage formuliert. Danach bieten 
ganze verse, ja was sage ich verse? ganze seiten keinen anhalts- 
punkt zur entscheidung nach der einen oder anderen seite ; un- 
ter so bewandten umständen will dann aber sehr viel das eigene 
eingeständnis des verf. p. 318 bedeuten, wonach jenes wimmeln 



94 18. Homeros. Nr. 2. 

von ionismen auf folgende bescheidene grenzen reduciert wird : 
„die 9000 verse des älteren bestandes sind zwar von festen io- 
nismen nicht völlig frei, dieselben sind jedoch fast immer durch 
leichte und einleuchtende änderung zu beseitigen ; dagegen ent- 
halten die ca. 3000 verse der jüngeren partie nahezu 300 feste 
ionismen, welche sich in den allermeisten fällen auch nicht durch 
conjectur beseitigen lassen". Thatsächlich läuft aber die über- 
wiegende mehrzahl der anstände auf die Vernachlässigung des 
digammas hinaus , dreht sich also der angelpunkt der contro- 
verse um die alte Streitfrage , ob nicht in den jüngeren partien 
der homerischen poesie das digamma einiger Wörter, wie sxaarog 
oh.oii ühog unfh seine volle kraft bereits eingebüßt oder doch 
einzubüßen begonnen habe. Als pure albernheit wird man aber 
doch diese annähme nicht bezeichnen dürfen, sintemal kein laut 
in keiner spräche urplötzlich über nacht verschwindet, sondern 
erst allmählich den platz räumt. 

Sodann sollen die partien mit festen ionismen dieselben 
sein , welche auch die vernünftige kritik für jünger erklärt. 
Dieser satz hat schon seine großen haken ; Fick ist nämlich in 
den fragen der composition der Odyssee ganz in den anschau- 
ungen Kirchhoff's befangen. Die vielen kritiker also , die von 
einer ehemaligen selbständigen Stellung der Telemachie, von der 
späteren zudichtung des 1. gesanges a 44 — 444, von dem hö- 
heren alter der Nekyia nichts wissen wollen, die staunend fra- 
gen , wie ein radikaler anhänger der zusammenfügungstheorie 
die selbst von Kammer, Einheit d. Od. 563 ff., verworfene Theo- 
klymenosepisode o 222 — 282 zu dem alten bestand der Odyssee 
rechnen konnte, werden die Übereinstimmung der neuen Weisheit 
Ficks mit den alten resultaten der Homerkritik nur mit großen 
einschränkungen zugeben können. 

Aber wir wollen den heiklen streit der Homerfrage ganz 
beiseite lassen und uns lediglich an die von Fick selbst gebo- 
tene Unterscheidung der beiden partien der Odyssee, der älteren 
äolischen und der jüngeren ionischen halten, da werden wir nun 
bei näherem zusehen bald inne, daß Fick die ohnehin so kleine 
zahl unterscheidender merkmale nur dadurch gewonnen hat, daß 
er einerseits eine reihe von versen lediglich aus sprachlichen 
gründen, also seiner theorie zulieb, verwarf, und daß er andrer- 
seits in seinen äolischen Homer eine unzahl von metrischen un- 



Nr. 2. 18. Homeros. 95 

geheuerlichkeiten einführte. Zum erweis der richtigkeit der er- 
sten meiner behauptungen hat Fick selbst p. 305 — 318 das 
material zusammengetragen. Es finden sich unter den dort ver- 
zeichneten einlagen allerdings mehrere verse, die schon früher, 
freilich zum großen theil erst von Kirchhoff verdächtigt worden 
waren und in der that nicht vom alten dichter der Odyssee her- 
rühren können. Auch gestehe ich gerne zu, da ja auch ich wie 
jeder Homerkritiker bei der athetese den unhomerischen Wörtern 
und formen ein großes gewicht beilege, daß Fick einige weitere 
von Kirchhoff belassene verse, wie y 480, e 54, | 228, mit 
recht aus sprachlichen gründen obelisiert hat. Aber an vielen 
stellen muß ich entschieden als patron für die von Fick seinem 
phantom zulieb verworfenen verse einstehen. Es genüge zwei 
fälle herauszuheben. In der stelle £ 121 ff.: 

üjc fifv hr ' SittQMDp' t)sm Qo8o8äntvXog '//cot,*, 

tocpQ« ol rjyaaads &soi Qtia ^coovzsg, 

soog uiv sp OgTvyit] ^ovaoÜQOvog Agtsuig ayvi] 

oig nyavotGi ßsXeöOiv &noi%ou£vrj 'Aarsnscprtv. 

mg d' onör" 1 IaGimvi ivnXoxitfjtog /JqfirjTijQ 

qp &Vf.i(p si^aaa (*iytj (piXoTijTt um svvrj 

tsim in tQinoXm' ov8s 8qv rjsv aavotog 

Zsvg, og fuv xazsTtscpvs ßaXmv agyr^zi xenuvvw 
verwirft Fick die verse 123 — 4 ?<ag . . xarsnsqipev] aber jeder 
sieht ein , daß dann nicht blos der nach roq>na zu erwartende 
gedanke fehlt, sondern auch der schöne parallelismus der beiden 
durch je 4 verse vertretenen beispiele gestört wird, so daß, 
wenn dann in der that der einsilbige gebrauch von mg nicht 
zu dulden ist, das verfahren Naucks, der statt die zwei verse 
herauszuwerfen , den eingang des ersten emendiert , weit mehr 
billigung verdient. In der Telemachie wird sodann von Fick 
die ganze partie y 36 — 64, wo so außerordentlich hübsch 
die dienstfertigkeit des jungen Nestoriden gegenüber den an- 
kommenden fremden geschildert wird , kurzweg verworfen, trotz 
der untadeligen Schönheit der verse und der in Iloaeidamvi 
avuKti , o'vvsxd ol ngorsQTj , zä8s Sgya liegenden anzeichen hö- 
heren alters. Anstoß bot gewiß Fick nur die gegen seine 
lehre verstoßende Vernachlässigung des digammas in f/sv ri8?og 
o'ivov, Ssnug qSt-'og oi'vov (auch in der Thebais fr. 2 Kink.) ; aber 
um der sache ein mäntelchen umzuhängen, fügt er hinzu, das 



96 18. Homeros. Nr. 2. 

emblem sei zur Verherrlichung des gleichnamigen ahnherrn des 
tyrannen Peisistratos gedichtet, als ob jener Peisistratos nicht 
noch wiederholt im 3. und 4. gesang in versen vorkomme, wel- 
chen auch Fick nichts anzuhaben vermochte. Gegen ein so 
leichtfertiges verfahren der athetese kann nicht entschieden ge- 
nug Verwahrung eingelegt werden. 

Auf der anderen seite hat Fick, um seine theorie durchzu- 
führen, einestheils in den jüngeren partien aus einer reihe von 
stellen, in denen das digamma noch position macht oder den Zu- 
sammenstoß zweier vokale hindert, durch textesänderungen die 
bedeutung des äolischen lautes zu eskamotieren versucht, und 
andrestheils in den älteren parfien durch einführung der äolischen 
formen den vers geradbrecht. So schreibt er <o 250 asinskt 
'iaaai statt des überlieferten aeixea eooai und gibt co 278 der 
Variante yvvaixag afii^niag tgya iSviug den Vorzug vor der 
durch concinnität des ausdrucks empfohlenen yvvaixag anv^ova 
sgya iSvCag, blos um den ionismen in diesem gesange eingang 
zu verschaffen. So läßt er umgekehrt in seinen äolischen par- 
tien wiederholt , wie in i'ega pge^av a 61 , zotavza ye pgf^oi a. 
47 , digamma cum liquida keine position machen , wiewohl selbst 
muta cum liquida selten bei Homer den vorausgehenden vocal 
kurz lassen; so läßt er einen kurzen schlußvocal vor einer muta 
dutzendmal, wie in äpps xazanuvtfAav ß 244, appe pekneai noii 
8(6(AaTa £ 297, ßaXe 3' im Stg^a 8 440, ov8s p8sg X 162, lang 
gebraucht sein, wiewohl diese freiheit nach den sorgfältigen Un- 
tersuchungen Harteis dem Homer entweder ganz abzusprechen 
oder doch in engste grenzen zu ziehen ist; so vermehrt er mit 
seinen äolismen die zahl der anstößigen hiaten , wie zavza fisv 
ovx 'tippe tu Xiaao/xai ß 210, ntggätyv appe, uXXa n 319, wiewohl 
ihm sonst hiaten als zeichen jüngeren Ursprungs gelten. Nimmt 
man noch hinzu die willkühr, mit der Fick durch einführung 
der form sonev an den ihm bequemen stellen den hiatus vor 
sinn zu entschuldigen sucht, die taschenspielerkunst, mit der er 
durch Verdoppelung des nachfolgenden consonanten die unfor- 
men 8iÖa&&i [xa^sd/jifjisvov xXiizze ztöiäazzog zu rechtfertigen oder 
vielmehr einzuführen weiß, die geringschätzung der leser, mit der 
er denselben formen, wie eivxopQg Z318 aufzutischen wagt, und 
man wird einsehen , was die paar hundert fälle , wo die äoli- 
schen partien die ionischen und die ionischen die äolischen for- 



Nr. 2. 18. Homeros. 97 

men nicht gestatten, zu bedeuten haben. Wollte überhaupt Fick 
uns für seine neue lehre gewinnen, so mußte er einen ganz an- 
deren weg einschlagen, so mußte er die methode befolgen, wel- 
che in geradezu musterhafter weise Nauck für derartige fragen 
der homerischen kritik vorgezeichnet hat. Statt einfach an einer 
stelle die contrahierten formen yij 'EQfjt7 t g z'cog dem alten Homer 
abzusprechen , ohne auch nur mit einem worte anzudeuten , ob 
die betreffende form auch noch an anderen stellen vorkomme, 
mußte er alle stellen, die gegen seinen kanon sprechen , zusam- 
menstellen und sich mit allen sei es durch athetese, sei es durch 
emendation abzufinden suchen. Dann hätte sich eher und leich- 
ter der leser über die Wahrscheinlichkeit des aufgestellten ge- 
setzes ein urtheil bilden können ; so vernehmen wir z. b. zu X 
304 nur den machtspruch 'der vers enthält die unhomerische 
form yijg für das homerische yalag\ statt daß wir erfahren, daß 
die contrahierte form auch noch 24, r/J 64, 1 482, v 232, q 237 
überliefert ist, und auf die oder jene weise dort beseitigt werden 
könne. Das war die methode, mit der philologen bisher immer 
derartige dinge behandelt haben und von der wir auch die lin- 
guisten nicht zu entbinden willens sind. Dann würde man z. b. 
gleich wissen , was man von der Wahrscheinlichkeit der lesung 
Ficks ?Cg d^/tog, zig yuia, tivsg ßgorol syyeydaai gegenüber der 
natürlichen Wortfolge in der überlieferten fassung zig yq, zig 8?/- 
fing, rCvsg «reges fyysydaoiv zu halten habe. 

Die sachlichen Verhältnisse , welche Fick zur begründung 
seiner hypothese anführt, sind nach seiner eigenen meinung ge- 
genüber den sprachlichen irrelevant. Von ihnen halte ich weit- 
aus für das bedeutendste den p. 323 gelieferten nachweis, daß 
das Städtchen Bolissos in Chios , wo die sage den Homer sich 
aufhalten ließ, von Ephoros eine nöhg aioUxrj genannt wurde. 
Im übrigen hat Fick vieles, was seiner ansieht von einem smyr- 
näischen Homer ungünstig war , einfach übergangen , wie z. b. 
daß der v. 404 ff. geschilderte eultus des Poseidon Helikonios 
offenbar mit der Verehrung des Poseidon Helikonios im Panio- 
nion (Her. I. 148) zusammenhängt, und daß die Schilderung von 
der über dem meere aufgehenden sonne W 227 und Q 13 'deut- 
lich, worauf Bergk, Griech. lit. p. 451 hingewiesen hat, auf einen 
inselbewohner oder einen bewohner des westlichen Griechenlands 
hinweist. Ganz verkehrt aber ist es, wenn Fick p. 326 in den 



98 19. Pindaros. Nr. 2. 

Lykiern des Sarpedon und Glaukos eine spur äolischen Ursprungs 
der homerischen gedichte sieht. Gerade das gegentheil ist wahr, 
da nach Herodot I 147 mehrere königshäuser Ioniens ihr ge- 
schlecht auf den Lykierkönig Glaukos zurückführten. 

Ich hätte noch manches auf dem herzen, wie z. h. daß es 
in einem Leo Meyer gewidmeten buche doppelt befremdet, wenn 
nur ein anlautendes , nicht auch ein inneres digamma angenom- 
men und geschrieben wird, daß bei unserer Unkenntnis der von 
Herodot I 115 bezeugten unterschiede des ionischen dialektes 
es unstatthaft ist , aus der spräche der schriftsteiler und in- 
schriften von Ephesos und Milet auf die spräche von Chios, 
und gar auf die spräche von Chios im 9. Jahrhundert zu schlie- 
ßen, daß man bei besprechung der äolischen idyllen des Theo- 
krit doch nicht so thun darf, als habe man nie etwas von den 
freiheiten der Hermannischen basis gehört, daß man doch bei 
der deutung der verse 14 — 18 des Hymnus auf den delischen 
Apollo die schweren bedenken , welche von den angesehensten 
kritikern gegen die ächtheit der verse vorgebracht wurden, nicht 
so einfach mit stillschweigen übergehen oder durch eine unwahr- 
scheinliche Versetzung stillschweigend beseitigen darf, daß Fick 
durch vergleichung der stellen Hesiod scut. 91 und II. T 118 
mit glänzendem Scharfsinn die lesart AJ1TEMENON als die 
ältere anstatt der überlieferten tßizofxijvop erwiesen hat. Aber 
ich breche lieber die ohnehin übermäßig lang gewordene recen- 
sion ab , einerseits weil ich weder lust noch fähigkeit habe die 
äolischen exercitien Ficks zu corrigieren , andrerseits weil ich 
nicht durch anpreisung der vielen scharfsinnigen und anregenden 
bemerkungen Ficks und durch billigung mehrerer von ihm em- 
pfohlenen formen, wie 'i'oöog i'aaaai qsavaa uft/AÖtaaa uygiov uygi] 
anstatt der überlieferten iaog laaoi. qäta ))rt/xötGca uygiog ijgtc 
meine grundsätzliche Opposition gegen den hauptgedanken des 
neuesten bearbeiters der Odyssee schwächen will. W. Christ. 



19. Lexicon Pindaricum composuit Joannes Kumpel. 
Lipsiae (B. G. Teubner) 1883. 498 p. 8. 12 mk. 

Dieses Lexicon ist von zwei (einem?) referenten im Litera- 
rischen centralblatt 24. nov. 1883 und in der Deutschen litera. 
turzeitung 29. sept. 1883 nur gerühmt worden; es ist lehrreich, 
beide besprechungen nachzulesen. Das lob ist völlig unverdient; 



Nr. 2. 19. Pindaros. 99 

denn unsern erachtens dürfte es nicht zu hart, nur gerecht sein 
die Eumpelsche arbeit als geradezu werthlos zu bezeichnen. 

Prüfen wir den beliebig herausgegriffenen buchstab N ge- 
nau (nur bisweilen aus anderen theilen des buches einschlägiges 
material heranziehend) , so ergiebt sich folgendes : 

1. Die grundlegende kritische ausgäbe von Tycho Mom ra- 
se n ist unbenutzt geblieben — ein umstand , der ganz allein 
schon hinreichen würde , um das buch zu entwerthen. Zweimal 
erwähnt Rumpel den namen Mommsen s. v. vöfiog , doch hat er 
das aus der Bergk'schen ausgäbe : s. v. aivtco steht sogar die 
Bergk'sche vermuthung ata&fiov. Ebenso steht es mit den be- 
treffenden citaten in anderen buchstaben ; vgl. «g«, fo'P. 4,179, 
twiaäsig, o£og, Tlv&eug. Das citat s. v. Qtnoj stammt aus Mez- 
gers commentar; über \xiv s. unten sub 6. 

2. Nach welcher ausgäbe er citiert, giebt verf. nirgends 
an ; man muß es also erst mühsam ausfindig machen oder statt 
des citierten verses längere stücke durchsuchen und bei Wörtern 
wie de auf die hülfe des lexikons überhaupt verzichten. Ich 
habe constatirt, daß Rumpel die fragmente wohl durchweg aus 
Bergk und zwar ed. IV entnimmt und daß er diesem meistens 
auch sonst folgt; doch benutzt er offenbar z. b. P. 4, 180 s.v. 
vuitKia die ausgäbe von Christ, desgleichen wohl auch tiva 
oikov P. 7, 6 s. v. vacm , ferner p. 5, 69 w s. v. vaioo, z. 1,36 
foeini'ixsiov s. v. lavayia, aber z. b. wiederum J. 5, 73 s. v. 
NdL&og nicht. Bezeichnend ist, daß unter den Add. et Corrj 
zwei lesarten Christs eigens nachgetragen werden ; wie viel hätte 
Rumpel nachtragen können! — Hat man das Verhältnis glück- 
lich entdeckt, so kommt man inmitten der vielfach abweichenden 
verszählung meistens durch ; dochj steht z. b. ratete bei Bergk 
nicht 0. 14, 2, desgl. vixag nicht J. 8, 4; und der umstand, 
daß die Bergksche Zählung bisweilen nur in klammern zugefügt 
wird z. b. von J. IV ab (aber auch 0. 2 , 78 s. v. väoog), er- 
schwert die benutzung abermals. Die von Bergk beibehaltene 
doppelzählung 0. 10 (11) und 0. 11 (10) finde ich bei Kumpel 
nicht; 0. 8, 78 schreibt Bergk xap — bei Rumpel fälschlich 
xri* s. v. vofiog und narä, u. a. m. 

3. Zur erklärung hat Rumpel neben dem Dissenschen com- 
mentar (erste [vollendete] ausgäbe von 1830), aus welchem er 
längere stellen (bisweilen ausführlicher als nöthig und trotz der 



100 19. Pindaros. Nr. 2. 

anführungsstriche nicht immer wörtlich — cf. s. v. vso-nziaroq, 
JVijgs'idsg, Nslloa) abdruckt, fast nur die (wie die ausgaben von 
Christ und Bergk bei Teubner erschienene) erklärung von Mez- 
ger eingesehen; überall begegnen uns die namen Dissen und 
Mezger, auf etwa 30 erklärungen nach Dissen kommen 15 nach 
Mezger neben 5 nach Boeckh — wobei ich diejenigen stellen 
in anrechnung bringe , wo Rumpel ohne namennennung Mezger 
benutzt hat, z. b. vava. 0. 12, 4, vsm 0. 6, 15, vöfiog P. 2, 86. 
Mezger zu benutzen ist ja freilich bequem, aber gefährlich. So 
tritt selbst Rumpels bedenken hervor s. v. vaistda P. 4, 180, 
vgl. s. v. ünÜQ%o) N. 4,46. Meistens aber werden uns solche 
ohne begründung vorgebrachte , oft älteren nachweisen entge- 
gentretende, alleinstehende deutungen Mezgers neben einer an- 
deren erklärung, oder auch für sich vorgeführt, z. b. s. v. viv 
und aäfitQov P. 12, 29 (s. schon Gurlitt dagegen), desgl. s. v. 
viv P. 8, 16, s. v. töos P. 6, 47, vovoov P. 4, 293 (also etwa 
auch epod. 12 von wirklicher heilkunst ?) •, vgl. &e\%av N. 4,3, 
igvaaäfttvot N. 9, 23, argt/Jg N. 5, 17, dvn Ö'sXvosv N. 10, 90 
(s. Böckh z. St.) und vieles a. m. Auch bekommen wir mit 
Vorliebe Mezgersche Übersetzungen wie s. v. «r^f'xet« 0. 10, 13 
„Zuverlässigkeit, der personificierte credit' 1 , s. v. snog N. 9, 3 
„einen sagensang", s. v. a/itgfju 0. 2, 50 „samenwurzel", s. v. 
ganrög N. 2 , 2 „sänger der zeilengedichte", s. v. htas P. 4, 
217 „zaubergebete" u. a. m. Zu P. 1, 95 werden wir belehrt, 
daß voov acc. limitationis ist; vstnog N. 6, 57 s. v. Ifinlntco 
heißt „zu schwerem streit". Mezgers lesart J. 7, 11 ff. nach 
Oehlschläger wird in zusammen 27 (!) zeilen unter den 5 Wör- 
tern 8tifA,a, na^Tkoo^'y fisgifiva, nagoi'jfpfAai, navco vorgeführt; un- 
ter jm«V (wo es am richtigsten wäre) fehlt die betreffende bemer- 
kung. — Unter uqovqü und Xsigiog wird Friederichs genannt, 
unter UQ%d Leutsch, unter Evßvfievtjc v. Leutsch et Eauchenstein 
(mit genauer Stellenangabe !), unter aldwg Fennel, unter xogvqd 
Friese u. s. w. — alles das stammt aus Mezger ! Woher die no- 
tiz Th. Fritzsche s. v. egtca stammt, habe ich nicht constatieren 
können. Neben Mezger wird Boeckh selten eingesehen, gewöhn- 
lich nur , wenn bei Dissen oder Mezger ein specieller hinweis 
auf ihn sich findet ; entstellt ist das citat s. v. väna. 

4. Daß in dem recht zuverlässigen Böckhschen Index voca- 
bulorum (aus welchem man übrigens die bei Pindar vorkom- 



Nr. 2. 19. Pindaros. 101 

menden flexionsformen ebenso gut ersieht wie bei Kumpel, der 
sie den einzelnen artikeln meistens vorausschickt) vätog P. 6, 4, 
vaieiv N. 10, 84, ru'xeog fr. 245, Ndtiog fr. 23, vüöog fr. 139 
fehlen, erklärt sich dadurch, daß der Böckhsche text diese Wör- 
ter nicht bietet; ausgelassen ist nur P. 5, 71 truooav und (aus 
naheliegendem misverständnis wegen des druckes p. 595) fr. 102 
(70) raonoloc. — Demgegenüber fehlt bei Kumpel fr. 115 
(81) Nu^og , auch hätte fr. 52 s. v. Nsonzölifiog aufgenommen 
werden sollen; s. v. vaög mußte auf pdiog , s. v. pi»a auf vi-aTw 
P. 11, 16 verwiesen werden. Außer stellen, wo accente fehlen 
und ähnlichen geringfügigen druckfehleru notiere ich : p. 304 B 
7 lies 91; p. 305 A 13 1. haisv, p. 306 A 43 fehlt Ne.; p. 
306 B 52 füge binzu (VIII 52); p. 307 A 6 lies VIII 46 statt 
VII 47: p. 315 B 27 1. Py. VIII. Sehr übel ist, daß N. 2,9 
viv.üv (inf. praes.) unter vixa gerathen ist. 

5. Die lexikographische anordnung stützt sich in der haupt- 
sache auf Passow, den ich s.v. laQÜocm P. 11, 42 („sie flat- 
tern zu lassen" Passow et Mezger) citiert finde. Passows ein- 
theilungen sind meistens verkürzt übernommen. Belege : roog 
1) vis cogitandi , 2) vis sentiendi (Kumpel) = 1) denkkraft, 2) 
empfindungsvermögen (Passow); ri/Aco ,,I) Act. 1) distribuo , dis- 
penso, 2) teneo, gubemo, rego; 2) [rect. II)] Med. 1) mihi tributum 
teneo atque colo , 2) de tempore: dego" (Kumpel) = ,,I) Act. 1) 
austheilen , vertheileu , ... 3) in seiner macht oder gewalt ha- 
ben; daher a) besitzen, haben, innehaben, b) innehaben, festhalten, 
dah. auch lenken, leiten, handhaben, beherrschen, regieren, ver- 
walten; .... II) Med. ... 2) als sein zugetheiltes, als seinen 
antheil oder sein rechtmäßiges eigen thum besitzen, innehaben, . . . 
c) mit einem objekt der Zeitbestimmung: hinbringen" (Passow). 
Aehnlich turn], »c'//o?, röazoc, vooror u. s. w. Auch die Trennung 
von vifiquog und tpjiqsiog stammt aus Passow; indes ist m. e. 
P. 3, 16 vvfxqr/.äv zu lesen (nicht ,,var. Ti>iicpi8iai" mußte Kum- 
pel (nach Bergk) zufügen, sondern ,,mss. vt)y,t$$iai/"\. Warum 
(von Passow abweichend) raotcü7ag zuerst als adj., dann als pro 
subst. angeführt wird, ist unerfindlich. Wo Passow im stiche läßt, 
kommen bisweilen die abenteuerlichsten dinge vor , wie väaog 
nach den inselnamen Aegina , Khodus etc. nebst Elysium , der 
artikel vuvg in Argo und nicht-Argo zerlegt wird. — Neben- 
bei ist augenscheinlich die interpr etatio latina Böckhs be- 
Philol. Anz. XIV. 8 



102 20. Piaton. Nr. 2. 

nutzt, daher z. b. vsoaiya2og novus splendidus que. — Von ver- 
werthung der lexikographischen arbeiten über Homer oder der 
vorzüglichen Synonymik J. H. H. Schmidts u. s. w. oder über- 
haupt von durcharbeitung des materials bemerke ich nichts. 

6. Der recensent des Literarischen centralblatts hat beson- 
ders rühmend „die zu knappen monographien ausgearbeiteten 
nachweise über partikeln wie dt' xai re" erwähnt. Ich 
habe keine neigung verspürt, gerade die angeführten zu prüfen, 
nachdem ich an den einfacheren , aber immerhin ähnlichen ar- 
tikeln über viv (fi.iv) und vvv (vvv) genug gehabt. Den aufsatz 
von Mommsen über viv in Jahns jahrbb. 83, 44 kennt Kumpel 
trotz Bergk zu 0. 4, 16 nicht; wenn Eumpel s. v. fiw N. 5, 
38, N. 3, 39, 0. 3, 28 aufführt, so mußte er auch 0. 7, 59, 
P. 1, 51, 0. 9, 32 beibringen; die zusammenfassende schlußbe- 
merkung ist falsch, weil fr. 231 (Mommsen fr. 152) bei Momm- 
sen ebenfalls viv steht, während fiiv bei Bergk offenbar fiüchtig- 
keit ist, und weil Eumpel, wenn er N. 5, 38 ausnimmt, dann 
auch P. 1, 51, 0. 3, 45 ausnehmen mußte, wo Bergk f/r/ hat. 
Noch viel weniger ist mit der Stellensammlung über vvv und vvv 
aufzustellen, deren einzelheiten wir hier nicht durchgehen können. 

7. Rumpels kenntnis von fragen pindarischer syntax 
mag ein beispiel zeigen. Ueber den verkürzten conj. aor. fin- 
det sich s. v. ai>8äo3 die bemerkung : „adversatur tarnen Dissenius 
probante Mezgero corripuisse Pindarum vocales negans il • s. v. 8(o- 
Qsoa „Boechhius conjunctivum esse pro dmo-itjoqTai censet , futurum 
Dissenius, cui nunc fere omnes assentiuntur" ; s. v. nuyvvfii ähnlich, 
während s. v. öafAOOfiai ohne weiteres das scholion nai^ca^isv und 
ayaycofisv beigefügt wird. — Aehnliches läßt sich zu re-xa<, et, 
den sämmtlichen präpositionen u. a. m. beibringen. 

Vorstehendes überhebt uns, weitere einzelheiten anzuführen, 
die überreichlich noch zur Verfügung stehen ; desgleichen ist es 
geboten , über allerlei äußerlichkeiten keine worte mehr zu ver- 
lieren. Wir bedauern die erfolglosigkeit der vom Verfasser und 
Verleger aufgewandten mühe und kosten. L. Bornemann. 

20. G. Schneider, Piatos auffassung von der bestim- 
mung des menschen. Gera 1883. 16 p. 4. 

Die kleine abhandlung erörtert in besonnener weise jene 
schöne gedankenreihe des platonischen Phädon, in der die selb- 



Nr. 2. 21. Dionysios Thrax. 108 

ständigkeit und Selbstgenügsamkeit der reinen geistesthätigkeit, 
und somit die befreiung der seele von den fesseln des leibes 
als das wahre ziel des weisheitsbeflissenen in eindringlicher und 
für jeden empfänglichen ergreifender darstellung geschildert wird. 
Kann und will, wie ich glaube , das schriftchen auch nicht den 
anspruch erheben, neiie aufschlüsse über eine stelle zu bringen, 
die, so umstritten auch ihre bedeutung für den Zusammenhang 
des ganzen dialogs ist, doch für sich betrachtet, wie es hier der 
fall ist, kaum einem mißverständniß räum gibt, so würde es doch 
ein au geringes lob sein , wenn man bloß anerkennen wollte 
daß nichts falsches und den gedanken Piatos trübendes in ihm 
enthalten sei. Denn, meinem gefühl nach wenigstens, berührt 
wohlthuender als die bloße darlegung des gedankenganges und 
gedankengehaltes die innere antheilnahme des verfs. an der 
platonischen denkweise , die sich in der abhandlung von anfang 
bis zu ende ausspricht. Man fühlt es überall durch , „seines 
geistes hat er einen hauch verspürt". Im strengsten siun hat 
die philologie ihr werk gethan, wenn sie das leben und die lit- 
teratur der alten bis zu dem überhaupt erreichbaren grade hi- 
storischer gewißheit klar legt und uns lebendig vor äugen stellt. 
Allein sie würde mehr oder weniger ein todtes gelehrtenwerk 
sein und von dem glänze, der sie umgibt, nicht wenig einbüßen, 
wenn sie sich nicht fortdauernd fruchtbar erwiese für das leben 
und die anschauungsweise der gegenwart. Die grundgedanken 
der platonischen weltansicht, mögen sie bald durch diese, bald 
durch jene tagesströmung zurückgedrängt werden, ja dauernd 
überwunden und beseitigt scheinen , werden doch immer wieder 
siegreich sich geltend machen, trotz aller dialektischen schwächen 
und mängel , die das System unleugbar hat und die der verf, 
wie mir scheinen will, nicht überall genügend würdigt. Möge 
denn das schriftchen , das , wie durch den anlaß , — es ist zur 
begrüßung des reußischen herrscherpaares bei gelegenheit seiner 
silbernen hochzeit verfaßt — so durch den ton der ausführung gleich 
erfreulich ist, sich einer wohlwollenden aufnähme bei den freun- 
den platonischer Weisheit erfreuen. 



21. Zur Wiederherstellung des ältesten occidentalischen com- 
pendiums der grammatik, von G. Uhlig. (Separat-abdruck aus 

8* 



104 21. Dionysios Thrax. Nr. 2. 

der Heidelberger festschrift zur 36. Versammlung deutscher phi- 
lologen und Schulmänner in Karlsruhe 1882.) 8. 

Diese kleine schrift macht es sich zur aufgäbe , eine orien- 
tierende einleitung für die demnächst erscheinende ausgäbe des 
Dionysios Thrax zu geben und mittheilung zu machen von den 
grundsätzen, welche für diese ausgäbe maßgebend sein mußten, 
sowie von den mittein und wegen, welche zur fixierung des tex- 
tes eingeschlagen worden sind. Zu dem zwecke macht verf. in 
neun abschnitten uns erstens mit der handschriftlichen Überlie- 
ferung bekannt, zeigt den werth der beiden ältesten handschriften, 
eines münchener codex saec. IX (trümmerhaft erhalten) und eines 
aus jenem abgeschriebenen cod. leidensis saec. XI, welcher das in 
ersterm fehlende ergänzt. Zweitens werden die scholien in um- 
fangreicherem maße ausgenutzt, als das bisher geschehen ist ; be- 
sonders findet die citiermethode der scholiasten , die eine ver- 
werthung derselben für restitution des textes vielfach erschwert, 
die nöthige beleuchtung und beachtung. Drittens wird zum er- 
sten male die armenische Übersetzung methodisch ausgebeutet, 
wobei zu berücksichtigen war , daß der Armenier an einzelnen 
stellen allerdings nicht auf der techne selbst, sondern auf äl- 
teren erklärungen derselben fußt, wofür mehre beweise beige- 
bracht werden. 

Der vierte abschnitt handelt über den werth der syrischen 
Übersetzung, welche zur controlle des Armeniers dient, wo jener 
von den handschriften der techne abweicht. Dabei folgt dann 
der nachweis, daß auch der Syrer theilweise auf alte erklärer 
zurückgeht. Der fünfte behandelt Zeugnisse anderer Schriftsteller 
(des Sextus Empiricus , Varro , Diomedes). Im sechsten wendet 
verf. sich der frage zu, ob die Überlieferung bei ihrer großen 
mannichfaltigkeit nun auch gewähr für die entsprechende Si- 
cherheit biete: und da kommt Uhlig zu dem resultat, daß 
die oft auf recht schwachen fußen steht, indem selbst die be- 
sten zeugen „in crassem unsinn übereinstimmen". Dabei be- 
merken wir u. a. die ausgezeichnete emendation löyog 8s bgti 
Xegsrnv awdsaig 8/avoiav avioTsltj StjXovaa in der definition des 
Xoyog, § 13 bei Bekker; ebenso die feine bemerkung, daß die 
fiht] <s-t\y\ir\ erst eine erfindung eines spätem grammatikers ist. 
Ja sogar die beispiele haben corruptelen erlitten, wie p. 77 nach- ' 
gewiesen wird. 



Nr. 2. 22. Florilegien. 105 

Gegen eins aber müssen wir uns erklären. Wenn (p. 77) 
unter den beispielen der iniQQ^fiaza u&Qoiasag uQÖr t v beanstan- 
det und dafür ädoocoi; gefordert wird,; so ist das nach unserni 
ermessen etwas zu weit gegangen. Betrachten wir nämlich die 
als beispiele angeführten adverbia mit ihrer form, so finden wir 
nur unter den imgo. fAscorqTo.; solche auf co» ausgehende, die 
von adjectivstämmen abgeleitet werden , alle übrigen beispiele 
sind von verbalen substantivischen und pronominalen stammen 
mit besonderer endung gebildet oder sogenannte prototypa , und 
somit würde agdtjv gan^ wohl in Übereinstimmung stehen , wäh- 
rend das vorgeschlagene a&QOcag seiner form wegen an dieser 
stelle sicher autfällig sein müßte. 

Ueberhaupt aber ist , wie im siebenten abschnitt nachge- 
wiesen wird, eine gewisse Zurückhaltung im emendieren geboten, 
wenn man anders nicht den schriftsteiler selbst verbessern will. 
Im achten abschnitte bespricht der verf. die sogenannten atona, 
deren herkömmliche Schreibung er verwirft, weil sie ihre exi- 
stenz nur der byzantinischen schulmeisterweisheit verdanken, 
welche diese von andern ihrem wesen nach verschiedenen und 
nur lautlich gleichen Worten graphisch zu scheiden suchte. Fer- 
ner spricht sich Uhlig für die Wiedereinführung der sogenannten 
interaspiration aus, für die Setzung des Spiritus im inlaut zusam- 
mengesetzter Wörter. Auch die interpunction will er auf der 
basis der lehre des Dionys ändern und vereinfachen ; ferner 
das t subscriptum wieder zu einem adscriptum erheben , wie es 
Dionysios nachweislich selbst aufgefaßt hatte. Das wird vorläufig 
wohl noch etwas fremdartig aussehen, ist aber in einer critischen 
ausgäbe des Dionysios nur consequent und durchaus zu billigen. 

Schließlich behandelt verf. die bekannte definition des ver- 
bum, die er folgendermaßen emendiert: Qqfiä iazi )>i%i$ unimzos 
'AaTijyögrjixu atj/xuirovou. 

"Wir begnügen uns mit dieser kurzen inhaltsangabe des 
schriftchens, da bei der sorgfältigen art, wie Uhlig arbeitet, ein 
weiteres schwierig sein dürfte. Georg Schoemann. 



22. Festschrift zur begrüßung der in Karlsruhe vom 27. 
— 30. September 1882 tagenden 36. philologenversammlung, ver- 
faßt von den philologischen kollegen der Heidelberger universi- 



106 22. Fiorilegien. Nr. 2. 

tat. Freiburg i. B. und Tübingen 1882 , akademische Verlags- 
buchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck.) 124 p. gr.8. 

Inkalt : I. Die Wiener Apophthegmensammlung. 
Herausgegeben und besprochen von Curt Wachs- 
in uth p. 1 — 36. II. Zu den sogenannten Proverbia Alexan- 
drina des Pseudo-Plutarch (cod. Laur. plut. 80, 13). Von Fritz 
Scholl p. 37—38. (S. ob. bd. XIII p. 320). III. Zur Wiederher- 
stellung des ältesten occidentalischen compendiums der gramma- 
tik. Von G. Uhlig p. 59—86. (S. oben p. 103). IV. Die Pe- 
riochae des Livius. Von Karl Zangemeister p. 87 — 106. (S.ob. bd. 
XIII p. 187). V. Bemerkungen zur Würzburger Phineusschale. 
Von F. v. Duhn. Mit 2 abbildungen. p. 107 — 124. 

C. Wachsmuth, der rastlose forscher auf dem gebiete der 
griechischen Florilegienlitteratur, hat in der ersten der oben an- 
gezeigten abhandlungen, auf welche sich die folgende besprechung 
beschränken soll, obwohl auch der sonstige inhalt der festschrift 
des interessanten und beachtenswerthen genug bietet, einen neuen, 
werthvollen beitrag zur erkenntniß der quellen des sogenannten 
Parallelenbuches geliefert. In seinen „Studien zu den griechi- 
schen fiorilegien" Berlin 1882, die ich kürzlich in diesem an- 
zeiger Jahrg. XIII Suppl.-heft 1 p. 683 — 705 einer ausführlichen 
besprechung unterzogen habe, hatte Wachsmuth darauf hinge- 
wiesen, daß eine nach den namen der autoren alphabetisch ge- 
ordnete Apophthegmensammlung unzweifelhaft dem Verfasser des 
Parallelenbuches zur quelle gedient habe 1 ), art und umfang die- 
ser quelle aber sich erst dann genauer würden bestimmen lassen, 
wenn gewisse umfassende Sammlungen dieser art aus dem dun- 
kel der bibliotheken ans licht gezogen wären 2 ). Eine solche 

1) Die benutzung einer gleichfalls nach autoren, aber ohne alpha- 
betisches prinzip geordneten Sammlung, die insbesondere auch excerpte 
aus Phaborinos enthielt, ist durch Freudenthals Untersuchungen, die 
sich auf mittheilungen aus einer sylloge des cod. Parisinus 1168 stü- 
tzen (Rhein, mus. 35 p. 408 sqq., cf. Wachsmuth Studien p. 131 sqq.) 
sichergestellt. Die bemerkung in meiner oben angeführten besprechung 
p. 696 sq., diese sylloge sei, wie Freudenthal darthue, auch von Diogenes 
Laertius in umfassendster weise benutzt worden, beruht auf einem miß- 
verständnisse. Die Sammlung wird von Freudenthal nur hypothetisch 
als quelle des Diogenes angenommen, während das schließliche ergeb- 
niß der Untersuchung dieselbe vielmehr umgekehrt als zum theil aus 
Diogenes excerpirt erscheinen läßt. 

2) Auf eine alphabetisch geordnete Sammlung von Sentenzen und 
apophthegmen , die sich in dem Frobenschen büchlein : Scriptores ali- 
quot gnomici Basel 1521 befindet, hatte zuerst wieder Wachsmuth in 
der Satura Saitypiana aufmerksam gemacht. Ebenderselbe hat nun 
im Rhein, mus. 37 p. 506 sqq. diese sylloge einer genauen prüfung 



Nr. 2. 22. Florilegien. 107 

nun ist es , die Wacksinuth hier aus dem Wiener cod. theol. 
CXLIX Ness. XCIII Lainbec. veröffentlicht. Die handschrift 
enthält nämlich nach dem 1291 abgeschriebenen commentar des 
Niketas zu den reden Gregors von Nazianz von einer nicht viel 
späteren band eine Sammlung von apopkthegmen , die aus zwei 
theilen besteht, einer Zusammenstellung von männersprüchen mit 
dem titel: anoyüiyiJiuza y.ai yim^ai diu<fotjtt>v (pi/.ooüqaiv xuza 
Giot%ciov, und einer viel kürzeren, welche die Überschrift trägt: 
unoqtdijjj.atu. yvvuixäv. Diese beiden theile haben , obwohl sie 
in der handschrift durch eine ganz fremdartige Sammlung von 
aussprüchen des Aristipp u. a. 3 j geschieden sind , offenbar ur- 
sprünglich ein ganzes ausgemacht und geben uns eine annä- 
hernde Vorstellung von jenem umfangreichen Apophthegmencor- 
pus , das außer den philosophensprüchen , auf welche die Über- 
schrift im Vindobonensis allein hindeutet , moralische aussprüche 
berühmter könige, feldherrn und redner, sowie eine anzahl sogen. 
jeXoio. a7io<iüi-/ l uuza enthielt. Zwar ist diese sylloge in unsrer 
handschrift nur in sehr verstümmelter gestalt erhalten (wir lesen 
von den männersprüchen nur solche, die mit dem buchstaben A 
anfangen , und dann nach einer großen lücke solche , die als 
anfangsbuchstaben Z— ß haben) ; aber das vorhandene, im gan- 
zen 190 nummern, ist noch immer reichhaltig genug, um uns 
über das verhältniß der Sammlung zu dem parallelenbuche so- 
wohl wie zu dem seit 50 jähren bekannten, aber bisher wenig 
ausgenutzten florilegium Monacense (und dem ihm völlig parallel 
gehenden flor. Leidense) sicheren aufschluß zu geben. Die apo- 
phthegmen der parallela, soweit sie nicht aus den pseudoplutar- 
chischen apophthegmata oder aus Stobaeus stammen, lassen sich 
in so zahlreichen fällen auf unsre Sammlung zurückführen , daß 
man auch für die noch nicht nachgewiesenen oder nicht nach- 
weisbaren die gleiche provenienz mit um so größerer Wahrschein- 
lichkeit wird annehmen dürfen, als auch die Wiener Sammlung 
keineswegs als eine vollständige copie des ursprünglichen cor- 



unterworfen und ermittelt, daß dieselbe dem cod. Voss. 68 entnommen 
ist und nichts enthält als einen aus Maximus, und zwar einer sehr 
reichhaltigen recension desselben, gemachten auszug, so daß sie aus 
der reihe der oben berührten Apophthegmensammlungen ganz auszu- 
scheiden ist. 

3) Aus dieser hat Diels im Rhein, mus. 29 p. 107 sqq. zwölf in- 
teressante Demiidea publicirt. 



108 ■ 22. Morilegien. Nr. 2. 

pus anzusehen ist, wie dies die vergleicliung mit dem Flor, mo- 
nacense (Leid.) lehrt. Dieses nämlich, das in seinem dritten theile, 
wie bereits Diels erkannt hat, einen sehr kärglichen auszug aus 
der ursammlung enthält, bietet doch in den vergleichbaren par- 
tien (A und 2 — ß) sogar zwei stücke, die im VS. (= Vindo- 
bonensis) fehlen, darunter auch einen Alexanderspruch (156), den 
Maximus unter mehreren unzweifelhaft auf unsere quelle zu- 
rückgehenden apophthegmen desselben königs anführt. 

Zu diesen auseinandersetzungen Wachsmuths habe ich fol- 
gendes hinzuzufügen : Die parallelstellen aus Maximus und An- 
tonius sind bei Wachsmuth nicht ganz vollständig verzeichnet. 
Der ausspruch des Cheilon nr. 158 findet sich bei Maximus 12 
p. 572 Comb. (= Arsen p. 189 Walz) mit dem lemma Demo- 
sthenes, die erste hälfte von dem diktum des Pittakos bei Max. 
6 p. 192, 36 Eib. (cf. die tabelle in Wachsmuths „Studien" p. 
120) und Ant. I, 24 als ausspruch des Nikokles (ebenso bei 
Apostolius V 98 a Deutsch). Nr. 122 (Hyperides) kehrt wieder 
bei Maximus 6 p. 550, freilich nicht in der form eines apo- 
phthegmas, sondern als eine dem Epiktet zugeschriebene gnome, 
die offenbar der Demokrito-epiktetischen Sammlung entnommen 
ist (cf. Gnom. Byzant. 166 bei Wachsmuth Studien p. 193). 
Vgl. auch nr. 55 mit Gnom. Byzant. 253, nr. 72 mit Gnom. By- 
zant. 98. Wie in diesen letzteren fällen der Verfasser der pa- 
rallelen ein apophthegma übergangen hat, weil er die in ihm 
enthaltene sentenz schon aus anderweitiger quelle aufgenommen 
hatte, so sind auch manche aussprüche, die bereits aus Stobaeus 
excerpirt waren, nicht aus dem Apophthegmencorpus wiederholt 
worden. Sicher gilt dies für nr. 9, 47, 51, 181 und wohl auch 
80 (Aristoteles), wo das dem Parallelenbuche und Stobaeus gemein- 
same, vom VS. abweichende lemma Kleanthes sich kaum an- 
ders erklären läßt. An anderen stellen ist die herkunft aus 
Stobaeus zwar möglich, bleibt aber zweifelhaft, weil das betref- 
fende apophthegma in der Wiener Sammlung nahezu in dersel- 
ben form wie bei Stobaeus überliefert ist. S. z. b. nr. 97, 98, 
128. Da nun ohne zweifei dem Verfasser des Parallelenbuchs 
oder, genauer ausgedrückt, dem excerptor des Stobaeus, der die 
unmittelbare quelle der parallelen bildete (Wachsmuth Studien 
p. 160) die Sammlung des Stobaeus in weit vollständigerer fas- 
sung als uns vorlag, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß ein- 



Nr. 2. 22. Florilegieu. 109 

zelne aus der zahl der noch unbelegten ausspräche bei Maxiinus 
und Antonius verloren gegangenen abschnitten des Stobaeus 
entnommen sind. 

Auf der andern seite könnte es auflallend erscheinen , daß 
kaum zwei fünftel der Wiener Sammlung im Parallelenbuche 
aufnähme gefunden haben, wobei die ausspräche der frauen nicht 
einmal mitgezählt sind , da sie mit ausnähme eines apophtheg- 
mas, dessen provenienz indes nicht sicher ist 4 ), im Parallelen- 
buche gar nicht vertreten sind. Hierbei ist aber zu bedenken, 
daß nicht wenige dicta, besonders solche von feldherrn und kö- 
nigen, sowie die große mehrzahl der witzworte zur aufnähme in 
eine Sammlung moralischer Sentenzen , wie das Parallelenbuch, 
ungeeignet waren. Auch scheint in den fällen, wo die Apo- 
phthegmensammlung mehrere, sei es einem und demselben, sei es 
verschiedenen Verfassern beigelegte ausspräche nahezu identi- 
schen oder doch sehr ähnlichen inhalts enthält, oft nur einer der- 
selben vom Verfasser der parallelen ausgezogen zu sein ; vgl. 
nr. 16 und 134, 20 und 30, 7 und Mon. 210. Wenn die 
Wiener Sammlung vollständig vorläge, würde sich sicherlich eine 
noch weit größere zahl solcher fälle anführen lassen. 

4) Es ist dies nr. 184, die sich bei Max. 13 p. 575, 18 und Flor. 
Laur. p. 240 , 3 M. wiederfindet , aber dort an stelle der im VS. ste- 
henden wörte: tl /uiv yvrjGioi aov tlciv die stark abweichende lesart: 
3i jxtt> fifi&KQot daiv bietet, die offenbar aus tl f^iv fxhqtoi daiv bei Diog. 
Laert. 2, 34, corrumpirt ist. Nun darf man freilieh nicht an Diogenes 
als quelle der parallelen denken ; aber nichts hindert uns anzuneh- 
men, daß dasselbe apophthegma in dem vollständigen corpus bereits 
unter dem namen Sokrates stand und aus jener stelle in das Paxal- 
lelenbuch übergegangen ist; eine annähme, die dadurch an Wahr- 
scheinlichkeit gewinnt, daß wir es hier mit einem aussprach e des So- 
krates, nicht der Xanthippe zu thun haben, und daß bei Maximus wie 
im Flor. Laur. in der that das apophthegma statt mit aav&inntjg mit 
2ü)xouTr}g beginnt. Uebrigens ließe sich der umstand, daß die yvvui- 
y.wv änoy&iyfiara im Parallelenbuche keine aufnähme gefunden haben, 
leicht durch die annähme erklären, es hätte diese partie dem exeerp- 
tor überhaupt nicht vorgelegen, wie dieselbe ia auch im Vindobonensis 
räumlich von den männersprüchen getrennt ist. Auch der Schreiber 
des zuerst von Ritschi veröffentlichten Gnomologium Vindobonense 
(ospusc. I. p. 560 sqq.; Mein. ed. Stob. flor. IV p. 290 sqq.) hat ver- 
niuthlich die männersprüche unsrer Sammlung abgetrennt von den 
frauensprüch'en vor äugen gehabt. Wenigstens scheint mir das vor- 
kommen der beiden Orionsprüche am anfang des Gnom. Vindobonense 
und zwar genau in derselben fassung, wie sie in unserm VS. am 
ende der männersprüebe (nr. 163 und 164; nr. 165 ist ohne zweifei 
späteres einschiebsei) stehen, daraufhinzuweisen, daß in der hand- 
schrift, aus der das Gnom. Vindobonense abgeschrieben ist, letztere 
Sammlung sich unmittelbar an unsere männersprüche anreihte. 



110 22. Florilegien. Nr. 2. 

Was das verhältniß unsres codex zum Flor. Monacense bez. 
Leidense betrifft, so zeigt die vergleichung der sich entsprechenden 
partien in beiden Sammlungen auf den ersten blick , daß wir 
hier in Wahrheit nur verschiedene recensionen einer und dersel- 
ben Sammlung haben , die in so auffallenden corruptelen über- 
einstimmen, wie die von Wachsmuth hervorgehobene : ioivoörfQov 
bez. ioivt)öratov statt des bei Stobaeus überlieferten rpy^ouiegov 
(Mon. 166 = VS. 79), oder wie das verkehrte top im Mon. 
258 = VS. 129 , für welches Meineke mit recht iömv oder 
6q<öv vermuthet. An einigen stellen wird auch durch VS. die 
lesart des Monacense bestätigt. So kann es jetzt nach VS. 128 
nicht mehr zweifelhaft sein , daß in dem ausspruche Philipps 
Mon. 259 zu lesen ist: Iva TiQoatQrjtai pev naXa. aal &sia } qjmvri 
de uv&Qwnit>ri xQtjzui, und daß Meineke und Cobet mit unrecht 
die im Monacense und bei Stobaeus überlieferten Schlußworte, ge- 
stützt auf das corrupte cpoonjaei bei Antonius und Maximus , in 
cpoovrj de av&gäniva verändert haben, eine conjektur, die sich 
freilich von vornherein wenig empfiehlt , indem sie den offenbar 
in dem spruche ausgedrückten gegensatz von gedanken und Wor- 
ten völlig verwischt, cf. Georgides p. 53 ed. Boiss. : 'AQiarori- 
Xovg • Xeyeiv fxev del wg oi nolkoC-, votiv de dog vi aoqioi. Zur 
sache vgl. noch Ps.-Plut. apoph. Phil. 16 und Cic. Off. 2, 48. — 
Andrerseits finden sich auch nicht wenige abweichende lesarten, 
die oft zur feststellung des textes der ursammlung von werth 
sind. Namentlich wird Monacense mehrfach durch VS. ergänzt und 
verbessert. So erhält die durch ihre lückenhaftigkeit räthsel- 
hafte sentenz Mon. 159 , die zwar schon durch Leid. 149 er- 
gänzt wird, doch erst durch VS. 13 ihre rechte fassung und be- 
ziehung zu der im Monacense vorhergehenden (cf. Wachsmuth p. 35). 
Aus VS- 147 ergiebt sich ferner, daß Mon. 263 statt ovg — 
rovrovg zu schreiben ist: o'lovg — Towvtovg. Daß Mon. 266 das 
überlieferte rpilovvza verkehrt sei , ergab sich schon früher aus 
exe. VS. 2 (Mein. Stob. fi. IV p. 290) und wird jetzt durch 
VS. 164 bestätigt. In der bereits angeführten sentenz 259 
bietet ebenfalls VS. 128 das richtige, nämlich Kala xctl &eia (cf. 
Stob. flor. 48, 21), während wir im Monacense ta xalä mit aus- 
lassung von &eia lesen. Das treffendste beispiel aber einer 
durch VS. zu heilenden verderbniß bietet Mon. 258 , wo es 
heißt: <T>ilm7iog zov (Mein. OQär oder tdoo* , s. o.) nluvoiov xat 



Nr. 2. 22. Florilegien. 111 

änaidevzov scpijas „nXoizog TzeQirjQyvQCopevog". Dasselbe apo- 
phthegma lautet im VS. 129: (PiXtnnog zbv nlovaiov y.ul unui- 
dsvzov thai s(pi]ös Qvnov nHQiijQyvntopiivov. Nauck wollte im Mo- 
uacense schreiben : nijXog obzog ntQiriQyvym^hog ; aber es ist, wenn 
mau die fassung des aussprucbs bei Theo Progymn. p. 97, 20 
Sp. vergleicht, klar, daß die ursprüngliche fassuug folgende ist: 
(pClianog iSoov (öyäv) nlovaiov aal unuideviov scpijas „Qvnog ob- 
zog 7iEQii]QyvQG)fJLivo$ u . Vgl. Menander Monost. 469: Qvnog ywq 
niqv/.Ev r}.QyvQ«>(Asrog. Das im VS. hinzugefügte thai beruht 
ebenso wie die Verwandlung des nominativs in den accusativ 
und die dadurch bedingte auslassung von abzog auf einer con- 
jektur, die der Schreiber des VS. vermuthlich schon in der 
ihm vorliegenden recension gefunden hat, da auch Maximus in 
allem mit VS. übereinstimmt. Es ergaben sich aber diese än- 
derungen als nothwendige consequenz der corruptel iöv für 
töcor, welche bereits in den dem VS. wie dem Monacense (Leid.) 
zu gründe liegenden archetypus eingedrungen war. — Aber auch 
der umgekehrte fall, daß Monacense das richtige aufbewahrt hat 
und VS. aus ihm zu verbessern ist, tritt mehrmals ein. So hätte 
VS. 63 Wachsmuth aus Mon. 163 (Leid. 155) und D. Laert. 1, 
105 nokXov statt nollöjv in den text setzen sollen. Im VS. 
89 lautet Aesops antwort: fx/j \aov ib tL8og , äXX' elg zbv rovv 
no6ö£%£. Auch hier bietet Mon. 167 (Leid. 157) das richtige: 
fxtj tiov zw e'idsi, ttXXa tm va> nnoatys, während Antonius und 
Maximus sowie noch drei andere von Wachsmuth zu der stelle 
angeführte Gnomologien sich an VS. anschließen. Es ist dies 
ein neues, zu vielen anderen hinzukommendes indicium dafür, 
daß die im Parallelenbuche benutzte recension des Apophtheg- 
mencorpus dem VS. viel näher stand als dem Monacense. Vgl. 
den kritischen apparat Wachsmuths zu VS. 12, 62, 63, 79, 
128, 129, 135, 164. Genauer indes wird sich das Verhältnis 
zwischen VS., Monacense und der dem excerptor der parallelen 
vorliegenden handschrift erst dann feststellen lassen, wenn die 
große lücke des VS. aus anderweitigen quellen ausgefüllt ist. 

Ich wende mich zu Wachsmuth's bemerkungen über den 
Vindobonensis zurück. Weitaus die meisten stücke der Samm- 
lung erscheinen in der! fassung von apophthegmen , die weni- 
gen, die eine solche vermissen lassen, theils reine sentenafön 
(ohne ein vorgesetztes ö 8nrn ecpij oder ähnliches), theils poeti- 



112 22. Florilegien. Nr. 2. 

sehe eklogen, sind sämmtlich vou Wachsmuth mit demselben 
rechte als spätere zusätze bezeichnet worden, wie dies umgekehrt 
mit den versprengten apophthegmen im Gnomol. Byzantinum ge- 
schehen ist 5 )- Am werthvollsten unter diesen einschiebsein ist 
die unter nr. 136-141 verschlagene partie eines poetischen 
Florilegiums , von der vier Sentenzen sich als euripideisch nach- 
weisen lassen und auch die beiden anderen mit großer Wahr- 
scheinlichkeit von Waclismuth demselben dichter beigelegt wer- 
den. Ich bemerke noch , daß von allen diesen Zusätzen sich 
weder bei Antonius noch bei Maximus irgend eine spur findet 
(142 steht zwar bei Maximus 26 p. 610, 33, aber als ein apo- 
phthegma des Zenon, das sicher nicht dieser stelle entnommen ist), 
was ebenfalls auf späteren Ursprung derselben hinweist. Ganz 
dasselbe gilt von den 4 (3) in den Monaceuse (Leidense) einge- 
schobenen Sentenzen, von denen Mon. 254 und 255 allerdings 
im Parallelenbuche wiederkehren, aber ohne zweifei dort aus dem 
Gnom. Byzant. 229 u. 27 herrühren, die im Mon. 267 enthal- 
tene gnome bei Max. 11 p. 566, 38 aus einer Sammlung plu- 
tarchischer Sentenzen stammt und Mon. 255 meines wissens im 
Parallelenbache überhaupt nicht vorkommt. 

In betreff der reihenfolge der echten apophthegmen führt 
Wachsmuth aus, daß, wenn auch innerhalb der namen mit dem- 
selben anfangsbuchstaben eine weitere alphabetische Ordnung 
nicht beabsichtigt ist, doch alle denselben namen tragenden aus- 
sprüche gewiß ursprünglich auch zusammengeschrieben waren, 
und daß demnach die ausnahmen, die die Wiener handschrift 
aufweist, auf zufälliger und späterer Verwirrung beruhen. Dies 
wird durch eine reihe signifikanter beispiele erläutert, zu denen 
ich noch folgende hinzufüge. Nr. 47 dürfte wohl aus den Bias- 
sprüchen unter die Antagorea versprengt sein (vgl. noch Arsen, 
p. 148 W.). Ob auch nr. 48 auf Bias zu beziehen ist, wie 
Wachsmuth zweifelnd fragt, wage ich nicht zu entscheiden. Nr. 
87, durch o avrog den Aristidessprüchen angereiht, gehört si- 
cher dem Aristoteles, wie die von Wachsmuth übersehene paral- 

5) Ich kann den einwendungen Freudenthals (Deutsche litteratur- 
zeitung 1882 p. 1416 sq.) gegen dieses verfahren Wachsmuths nicht 
beipflichten. Es handelt sich hier weniger um den inneren unter- 
schied zwischen apophthegma und gnome, als um ein rein äußerli- 
ches Unterscheidungszeichen. Jede gnome erhält eben dadurch die 
form eines apophthegmas, daß ihr ein 6 dilva f'gr»? vorgesetzt wird. 



Nr. 2. 22. Florilegien. 118 

leisteile Diog. Laert. 5, 19 zeigt. Uebrigens kehrt die darin 
enthaltene sentenz im Gnom. Byz. 224 wieder. Der zweite der 
beiden dem Timotheos zugeschriebenen spräche (114) wird Mon. 
246 unter einer reihe von Sokratessprüchen angeführt, was ver- 
muthen läßt, er sei im VS. nur aus irrthum dem Timotheos 
in den mund gelegt worden. Vielleicht gilt dasselbe von dem 
ersten apophthegma des Timotheos (113), das ganz im charakter 
der zahlreichen unter dem Damen des Sokrates gehenden und 
häufig von Stobaeus citirten ö,uoica^azu gehalten ist. Verdäch- 
tig erscheint noch (Iid(6Ticoi (131), da dem bei den späteren 
gnomologen beliebten miniographen sonst nur dichterische Sen- 
tenzen beigelegt zu werden pflegen (cf. Wachsmuth Studien p. 
122 sqq.) und überdies das hier citirte witzwort nach Athenaios 
dem Stratonikos, nach einer von Wachsmuth übersehenen stelle 
des Diog. Laert. (1, 104) aber dem Anacharsis gehört. Hinzu- 
kommt, daß das vorhergehende apophthegma (130), gleichfalls 
ein witzwort, offenbar zu unrecht den namen des Philistion trägt 
und, wie Wachsmuth erkannt hat, für Philemon in anspruch zu 
nehmen ist. Nr. 150, welche lautet: Xaßgiag igonijüstg, no- 
Tttfiog 7(3 yevei, sq>rj „xoa/ioysvrjg' 1 , weist Wachsmuth durch einen 
parenthetischen zusatz dem Chrysippos zu , doch wohl nur des- 
halb , weil das diktum dem Chabrias allzu wenig angemessen 
erscheint und die ausspräche des letzteren in der handschrift 
unmittelbar auf die chrysippischen folgen; denn die sonstige 
Überlieferung führt nirgends auf Chrysippos, sondern legt die- 
selbe antwort, freilich in anderer und vielfach wechselnder form 
(y.oafAoyzitjg im VS. ist, wie es scheint, ein ("na^ eioijijf'vov), bald 
dem Sokrates (Plut. Mor. p. 600 F. Cic. Tusc. 5, 108) bald 
dem Diogenes (cf. Lukian ßieav nnäaig c. S und Epiktet. Diss. 
1, 9, 1), bald dem Demokrit (fr. 225) oder auch dem Theodo- 
ros (Diog. L. 2, 99) oder Aristipp (Xenoph. Mem. 2, 1, 13) 
bei. Aber gerade bei dieser bunten manuigfaltigkeit der anga- 
ben dürfen wir um so unbedenklicher Chrysippos substituiren 
und eben diesem dann wohl auch nr. 148 vindiciren , wo das 
Parallelenbuch nach dem Zeugnisse von drei bearbeitern das 
lemma Xgvainnov bietet. Ob auch 151 den Chrysippeis zuge- 
rechnet werden muß , lasse ich mit Wachsmuth dahingestellt. 
Schließlich sei noch auf die echt byzantinische corruptel ^Vnia- 
xag für YLnza^ög in den beiden zwischen die Chilonea einge- 



114 22. Florilegien. Nr. 2. 

fügten apophthegmen nr. 159 und 160 aufmerksam gemacht, 
die um so auffälliger ist , als der unverfälschte Pittakos wahr- 
scheinlich ebenfalls in dem urcorpus vertreten war ; vgl. die im : 
Mon. 237 zwischen einem ausspruch des Plato und einem des 
' PcofAilo* stehende anonyme sentenz , die ursprünglich sicherlich 
den namen des Pittakos trug, dem sie nach Diog. L. 1, 78 
gehört. 

Darf man die bisher erwähnten irrthümer mit ziemlicher 
gewißheit oder doch mit einiger Wahrscheinlichkeit auf rechnung 
späterer redaktoren oder abschreiber der Apophthegmensammlung 
setzen, so bleibt es in anderen fällen zweifelhaft, ob die falsche 
autorschaft auf einem späteren versehen oder auf ursprünglicher 
fehlerhafter anordnung des Sammlers beruht. So paßt der spruch 
nr. 85 offenbar nicht auf Äristides, wohl aber auf Demetrios 
Phalereus, von dem ihn in der that Diog. L. 5, 82 (die stelle 
fehlt bei Wachsmuth) anführt. Eine entscheidung läßt sich hier 
schwer treffen. Dagegen ist es bei dem apophthegma des An- 
tisthenes nr. 97, das ursprünglich dem Simonides gehört (cf. 
Stobaeus 91, 31, dessen quelle Aristot. Ehet. 2, 16 p. 1391 a 8 
ist), dann aber auch dem Aristipp als antwort auf eine frage des 
tyrannen Dionysios beigelegt wurde, ganz klar, daß die irrthüm- 
liche und eben wegen der beziehung auf Dionysios unangemes- 
sene Übertragung auf Antisthenes älteren Ursprungs ist, da sich 
dieselbe nicht nur im Parallelenbuche, sondern auch bei Stobaeus 
3, 46 findet. Vermuthlich geht der vorhergehende spruch des 
Antisthenes (96), in dem gleichfalls Dionysios als Unterredner 
erscheint, auch auf Aristipp zurück. 

Uebrigens herrscht auch in derjenigen partie des Monacense, 
die der lücke des VS. entspricht (Mon. 168—250) stellen- 
weise eine Verwirrung der namen , an der schwerlich der ab- 
schreiber dieser epitome, ja vielleicht nicht einmal der epitoma- 
tor selbst allein die schuld trägt. So ist Mon. 195 unzweifel- 
haft ein ausspruch nicht des Epikur, sondern des Heraklit (cf. 
Diog. L. 9, 7), der dem letzteren dagegen beigelegte (Mon. 199) 
gehört dem Bion oder vielleicht auch dem Zenon (cf. Diog. L. 
7, 23), von dem drei ausspräche vorhergehen. Statt des Theo- 
phrast ist Mon. 201 sicher Epaminondas einzureihen (cf. Stob. 
54, 50; Max. 9 p. 560), während die folgende sentenz (202) 
eher auf den schüler des Aristoteles zu passen scheint. Mon. 



Nr. 2. 22. Florilegien. 115 

204 ist nicht auf Theokrit, dem 203 gehört, sondern auf den 
hier in der alphabetischen reihenfolge ganz am platze stehenden 
Thaies zu beziehen (cf. Diog. L. 1, 36). Mon. 206 ist aus dem 
fabelhaften 'l<7ox.outt]<; o' Pa/tai'xoQ wohl nach Meinekes vermuthung 
Käieov b 'Ptoftamog herzustellen. Mon. 214 ist der sfoidoQovpt- 
vog EvginiStje (unter A\) um so auffallender, als das diktum mit 
viel größerer Wahrscheinlichkeit bei Max. 10 p. 563 und Arsen. 
p. 206 dem Diogenes zugeschrieben wird. Am unerklärlichsten 
aber bleibt es, wie ein aussprach , den Max, 67 p. 684, und 
zwar nach seinem inhalte mit vollem recht, dem maier Apelles 
zuschreibt, im Mon. 252 auf Solon übertragen werden konnte. 

Bei der herausgäbe der Wiener Sammlung hat Wachsmuth 
dasselbe verfahren beobachtet, wie beim Gnomol. Byzantinum, und 
jedem Spruche ein verzeichniß der parallelstellen sowohl wie der 
abweichenden lesarten des VS. selbst und eben jener parallel- 
stellen beigefügt. Was den kritischen kommentar betrifft , so 
ist er mit sehr wenigen ausnahmen vollständig und zuverlässig. 
Auch mit der gestaltung des textes , bei der O. Hense durch 
einige glückliche conjekturen mitgewirkt hat, wird man im gro- 
ßen und ganzen sich einverstanden erklären müssen : die nicht 
sehr zahlreichen ausstellungen , die ich etwa zu machen hätte, 
sind meist von untergeordneter bedeutung. Dagegen ist das 
stellenverzeichniß nicht so erschöpfend, wie dies an dem Gnomol. 
Byzantinum gerühmt werden konnte (s. meine recension der Wachs- 
muthschen Studien a. a. o. p. 703 ; auch Freudenthal Deutsche 
litteratur- zeitung 1882 p. 1417 hat nur einige wenige nach- 
trage zu dem von Wachsmuth gesammelten material beibringen 
können); ja es fehlen bisweilen die wesentlichsten belegstellen. 
Ungern vermißt man auch die belege aus lateinischen Schrift- 
stellern, besonders Cicero und Seneca, die vielfach nicht nur 
dem inhalt, sondern auch der form nach die griechische Über- 
lieferung ergänzen oder bestätigen und gelegentlich sogar zur 
entscheidung über die construction des textes von werth sind, 
wie z. b. aus Seneca De benef. 5, 6, 1 hervorgeht, daß VS 
8 in der that, wie Wachsmuth unter dem strich vermuthet, iv 
7öT (ttjdevog (VS. (ttjdt'v) eig eisgysaiav Tjrzäa^cu zu schreiben 
ist ; Seneca sagt nämlich : Alexander Macedonum rex gloriari so- 
lebat a nullo se beneficiis victum. Ich muß hier aus rücksicht 
auf den räum darauf verzichten , diese behauptungen näher zu 



116 22. Florilegien. Nr. 2. 

erläutern und zu beweisen, und behalte mir vor, meine bemer- 
kungen zu den einzelnen stücken der Wachsmutlaschen ausgäbe 
an einer andern stelle zu veröffentlichen. Ich schließe mit einer 
kurzen zusammenfassenden besprechung des Charakters und der 
bedeutung unsrer sylloge. 

Die bereicherung , die unsere kenntnis der griechischen 
apophthegmen schon durch dieses bruchstück des großen Apo- 
phthegmencorpus erfährt, ist nicht gering anzuschlagen. Bei 
56 unter den 190 stücken der Sammlung hat Wachsmuth 
keine parallelstellen angegeben. Die zahl dieser nicht belegten 
stellen reducirt sich freilich durch meine ergänzungen auf 49, 
und es ist zu erwarten , daß bei genauerer nachforschung auch 
diese zahl sich noch etwas vermindern wird. Aber auch dann 
wird sicherlich die zahl der neuen ausspräche eine verbältniß- 
mäßig bedeutende bleiben. Hierbei verdient besondere beach- 
tung, daß zu den bisher bekannten apophthegmen selbst solcher 
männer, für die schon sonst die quellen reichlich fließen, noch 
einzelne hinzutreten. So bietet unsre Sammlung je vier neue 
spräche des Alexander, Philipp und Antisthenes, drei oder wenn 
wir nr. 86 hinzuzählen dürfen, vier des Aristoteles und einen 
des Anacharsis. Auch die äsopischen dikta werden um vier 
vermehrt, und von dem rhodischen dichter Antagoras , von dem 
bisher nur vereinzelte ausspräche überliefert wurden , werden 
uns drei in das gebiet der witzworte und Wortspiele fallende 
apophthegmen geboten , wie denn überhaupt die ysXota ano- 
fpdiyptara durch unsre Sammlung einen namhaften Zuwachs er- 
halten. Uebrigens zeigt die sylloge nur sehr wenige spuren 
späterer byzantinischer Überarbeitung. Außer der von Wachs- 
muth in eckige klammern eingeschlossenen nr. 165 sind es haupt- 
sächlich nur die verstümmelte anekdote von der begegnung des 
Aeschines mit Demosthenes (104), das den Schluß bildende, mir 
ebenso wie Wachsmuth unverständlich gebliebene apophthegma 
der Phryne und hin und wieder einzelne ausdrücke, die die un- 
geschickte hand eines Byzantiners verrathen. Auch die namen 
der urheber der einzelnen ausspräche deuten darauf hin , daß 
die Sammlung ihrem hauptbestandtheile nach auf verhältnißmä- 
ßig alte und gute quellen zurückgeht. Wenn man absieht von 
sonst unbekannten oder nicht näher zu bestimmenden autoren, 
wie Nikokles, Xenokles, Oinopides, Soranos b ^wyoütjo^ , Sosi- 



Nr. 2. 23. Cicero. 117 

genes, bei denen aber aueb kein indicium für eine spätere zeit 
spricht, so fallen von den übrigen, mit ausnähme der Kleopatra 
(182), unter der doch wohl die berühmte ägyptische königin zu 
verstehen ist, und des unter den ersten römischen kaisern le- 
benden Philistion, dessen name aber, wie wir gesehen haben, in 
nr. 130 und 131 sehr verdächtig erscheint, die jüngsten in das 
dritte vorchristliche Jahrhundert. Nur der noch immer räthsel- 
hafte ' Qqicov 6 qiiloaoqioii (163 und 164), über den Ritschi 
opusc. I p. 773 sqq. zu vergleichen ist, dürfte ebenso wie der 
im Mon. 238 angeführte 'Patavloc, welcher zu wiederholten ma- 
len auch bei Maximus und Antonius vorkommt, einem ziemlich 
späten Jahrhundert angehören. Sonst findet sich keine spur von 
den bei Stobaeus und in den byzantinischen Florilegien so zahl- 
reich vertretenen nachchristlichen autoren. 

Von der nahe liegenden erörterung der beziehungen der 
Wiener Sammlung zu Diogenes Laertios und Stobaeus sowie zu 
Athenaios und den Pseudoplutarchischen apophthegmen ist es 
gerathen vor der hand abstand zu nehmen, da, wie Wachsmuth 
am Schlüsse seiner abhandlung bemerkt, solche Untersuchungen 
erst dann mit nutzen aufgenommen werden können , wenn die 
noch in den bibliotheken lagernden , mit unsrer Sammlung ver- 
wandten stücke, insbesondere der von Freudenthal im Rheinischen 
museum 35 p. 42 kurz charakterisirte cod. Paris. 1168 f. 146 S 
162", ein cod. Patmensis aus dem 10. Jahrhundert und der bis- 
her nur durch einzelne excerpte im Walzschen Arsenius be- 
kannte cod. Vaticanus 151 publicirt und namentlich für die er- 
gänzung der lücke in der Wiener handschrift verwerthet wor- 
den sind. Ist dieses material zusammengebracht, dann wird 
auch der versuch zu machen sein, das ursprüngliche corpus in 
annähernder Vollständigkeit wiederherzustellen , wobei voraus- 
sichtlich dieselben grundsätze der zusammenarbeitung werden 
in anwendung kommen müssen , deren sich Wachsmuth bei der 
rekonstruktion des sogenannten Demokrito - epiktetischen Gnomo- 
logiums bedient hat (Studien p. 162 sqq.), und denen ich im 
gegensatze zu dem abfälligen urtheile Freudenthals in allen we- 
sentlichen punkten beipflichte. — (Vgl. Philol. XLIII,2 p. 218 ff.) 

F. Lortzing. 

23. P. Stamm, Adnotationes grammaticae et criticae ad 
Philol. Ana. XIV. 9 



118 23. Cicero. Nr. 2. 

M. Tullii de divinatione libros. Programmabhandlung des gym- 
nasiums zu Rössel. 1881. 10 p. 4. 

Der titel der abhandlung hätte des Zusatzes [adnotationes) 
grammaticae füglich entbehren können, denn die ausbeute für die 
grammatik bez. syntax ist ziemlich gering. Sie beschränkt sich 
im gründe auf folgendes (p. 6): In den worten De div. I § 116 
Hie magna quaedam exoritur neque ea naturalis, sed artificiosa som- 
niorum Antiphontis interpretatio" ist Antiphontis klärlich ein glos- 
sem, weil es sich an dieser stelle nicht um die einzelnen deuter 
der träume, sondern um die deutung selbst handelt. Das hatte 
schon Baiter (ed. Tauchn. adn. crit. p. XVI) erkannt , und C. 
F. W. Müller hat ihm in seiner Ciceroausgabe beigestimmt (adn. 
crit. p. XVII). Stamm versucht nun dem logischen nachweis des 
glossems eine grammatische stütze zu geben , indem er für die 
Stellung der beiden genetive, des subjeetivus und objeetivus, nur 
folgende Variationen bei Cicero für möglich hält und durch bei- 
spiele illustriert: 

1 . AntipJiontis somniorum interpretatio , 

2. Antiphontis interpretatio somniorum, 

3. somniorum interpretatio Antiphontis , 

4. interpretatio Antiphontis somniorum. 

Das ist nun zwar nicht neu und möglicher weise in dieser 
allgemeinheit nicht einmal richtig. Denn wenn ich auch , um 
meinen zweifei zu begründen , keine stelle aus Cicero zur hand 
habe, so kann ich doch mit der autorität Cäsars dienen. Wenn 
dieser im Bell. Gall. III 18. 6 sagen konnte: „Multae res ad 
hoc consilium Gallos hortabantur; superiorum dierum Sabini euneta- 
tio", so wird auch wohl Cicero unter umständen nicht vor die- 
ser Stellung zurückgeschreckt sein. Dazu kommt, daß an un- 
serer stelle das zu anfang stehende artificiosa und das schlie- 
ßende interpretatio dem ganzen satzgliede eine gewisse einheit 
verleiht. Selbstverständlich soll hiermit keine ehrenrettung des 
handschriftlichen Antiphontis gemeint sein. — Die adnotationes 
criticae bezeugen eine sichere und gewandte handhabung der 
methode von seiten des verf. , sie erstrecken sich auf 13 stellen 
des ersten und auf 10 stellen des zweiten buches und reden 
theils der handschriftlichen Überlieferung das wort (I § 46. 53. 
64. 65. 113; II § 3. 55. 103), theils suchen sie interpolationen 
nachzuweisen resp. zu bestätigen (I § 12. 30. 46. 65. 84. 116. 



Nr. 2. 23. Cicero. 119 

II § 36. 69. 124. 139), theils bemühen sie sich durch emen- 
dation hülfe zu schaffen (I § 12. 36. 65. 80. 88. 129 II § 11. 
62). Ich bin überzeugt, daß nicht wenige der vorgetragenen 
ansichten sich den beifall der fachgenossen erringen werden; 
manche indessen fordern auch energisch den Widerspruch heraus. 
Ich will das wichtigste herausheben. So erscheint mir gleich 
auf der ersten seite das zu I. 12 angewandte heilverfahren zu 
gewaltsam. Die stelle lautet: v Observata sunt haec tempore im- 
menso et in sig nific atione eventus animadversa et notata". 
Während nun Christ „in significationem eventus" mit Orelli vor- 
geschlagen , während Madvig „et significatio eventis" geschrieben 
wissen will und andere anderes vermuthet haben (s. C. F. Mül- 
ler : adn. crit. p. XIV), streicht Stamm einfach „in significatione 
eventus" als interpolation und schreibt flugs „et e venia animad- 
versa et notata' 1 , was doch den knoten mehr zerhauen als lösen 
heißt. Freilich , welche worte mit begründetem anspruch auf 
echtheit in den text zu setzen seien, wage ich nicht zu entscheiden. 
Der sinn ist klar, aber die worte harren noch einer glücklichen 
Verbesserung. — P. 4 behandelt Stamm die angefochtene stelle 
§ 65 „Sagire enim sentire acute est, ex quo sagae anus, quia multa 
scire volunt , et sagaces dicti canes ; is igitur , qui ante sagit quam 
oblata res est, dicitur praesagire , id est futura ante sentire". Es 
läßt sich nicht leugnen, daß uns diese ableitung des praesagire 
im Zusammenhang etwas frostig vorkommt, aber wir müssen fest- 
halten , daß die Römer eine eigenthümliche Vorliebe für derglei- 
chen fragliche notizen hatten, die uns in ihrer primitiven einfalt 
oft ein lächeln abnöthigen. Flicht doch selbst Vergil in seine 
dichtung zuweilen etymologisierende bemerkungen ein! s. z. 
b. VIII 331 und 332, 343 — 346. Ich bin also der meinung, 
daß verf. vollständig recht hat , wenn er die worte sagire — 
ante sentire als echt ciceronianisch gegen Hottinger und Baiter 
vertheidigt; auch C. F. W. Müller hat sie in seiner ausgäbe 
nicht anzutasten gewagt. Dagegen befinde ich mich mit Stamm 
im Widerspruch , wenn er „quia multa scire volunt" verdächtigt, 
um es am liebsten ganz zu tilgen oder wenigstens quia in quae 
zu verwandeln. „Scilicet idcirco, puto , anus Mae sagae dictae 
sunt, quia acute s entiunt , non ideo , quia multa scire volunt 1,1, 
sind seine worte. Stamm hat, wie es scheint, die bedeutung 
des verbums velle nicht erkannt. Dasselbe heißt hier nicht etwa 

9* 



120 23. Cicero. Nr. 2. 

„wollen, den wünsch haben", sondern „glauben, vorgeben, be- 
haupten", wie oft bei Cicero, s. z. b. De nat. deor. I 12. 29 
„quattuor enim naturas, ex quibus omnia constare censet, divinas esse 
vult". Nehmen wir es so , so ist alles in bester Ordnung , nur 
daß ich das zum Schluß stehende ante sentire in acute sentire ver- 
wandeln möchte : „sagire est acute sentire" war gesagt, also „prae 
sagire — futura acute sentire". — Eine viel umstrittene und von 
conjekturen heimgesuchte stelle ist II § 62 „Quod etiam coniector 
quidam et interpres portentorum non inscite respondisse dicitur e i, 
qui cum ad eum rettulisset quasi ostentum , quod anguis domi vec- 
tem circumiectus fuisset, tum esset, inquit, ostentum, si anguem vectis 
circumplicavisset". Daß bei den worten ei, qui, cum e. s. etwas 
nicht in Ordnung ist, leuchtet ein. Verf. sucht der construktion 
dadurch aufzuhelfen, daß er hinter qui eine liicke statuirt und 
zu schreiben räth : „quod etiam coniector quidam et interpres por- 
tentorum non inscite respondisse dicitur ei, qui ....,• qui cum ad 
eum rettulisset quasi portentum" (p. 8.) Nur schade, daß für die 
annähme einer solchen lücke kein triftiger grund vorliegt 5 lieber 
doch mit C. F. W. Müller „dicitur ei, qui quondam ad eum 
rettulisset" schreiben oder mit Vahlen „dicitur ei, cui cum" als an 
den ausfall mehrerer worte glauben, die für den sinn nur einen 
müßigen zusatz ergeben würden. — § 69 endlich „Aius iste Lo- 
quens , cum eum nemo norat , et aiebat et loquebatur , ex eo nomen 
invenit ; postea quam et sedem et aram et nomen invenit, obmutuit ? 
plaidiert Stamm für Streichung des „ex eo nomen invenit": ich 
glaube, daß man a conto des eben berührten etymologischen ki- 
tzeis der Kömer mit Christ und Müller „et ex eo nomen invenit u 
schreiben muß. 

Das latein der abhandlung ist korrekt und flüssig. In der 
ersten zeile steht ein häßlicher druckfehler, der cum concessivum 
den indikativ beigegeben; p. 2 (z. 6 von unten) „at equidem du- 
bito, num ita Cicero scripserit" laßt sich wenigstens aus Cic. pro 
Sulla 24. 68 belegen. Ob auch für p. 5 (med.) „nam ne quis 
credat, hoc uno loco particulam „denique" inusitatius usurpari a Ci- 
cerone, äff er alium eiusmodi locum ex oratione pro Flacco 73" 
eine solche parallele existiert ? Die öfter wiederkehrende Schreib- 
weise enunciatum statt enuntiatum sollte in einer philologischen 
abhandlung nicht mehr vorkommen. Ferd. Becher. 



Nr. 2. 24. Alte geschichte. 121 

24. G. F. Unger, Kyaxares und Astyages. 84 p. 4. 
Aus den Abhandlungen der k. bair. akademie I. Cl. XVI. bd. 
p. 237 ff. bes. abgedr. München 1882 in commission bei G. 
Franz. 

Abermals eine chronologische Untersuchung, -welche durch 
die von Rassam gefundenen keilinschriften, die sogenannten an- 
nalen Nabünähids veranlaßt wurde. Unger meint, daß auch 
ohne dieselben das richtige datum 550 für den stürz des Asty- 
ages durch Kyros aus der klassischen Überlieferung zu gewin- 
nen gewesen wäre. Da ich nur historiker und nicht Chronologe 
bin, und überdies die chronologischen ergebnisse dieser Untersu- 
chung für die herrschaftsdauer der persischen , jüdischen und 
ägyptischen könige hier keine besprechung finden können, so 
beschränke ich mich darauf, ein hauptergebnis Unger's allein 
einer kritik zu unterziehen , um so mehr , als es sich bei dem- 
selben um Herodot und Ktesias handelt. 

Es ist von zeit zu zeit nöthig manchen Chronologen vorzu- 
halten, was Oppert in der Revue historique XIII. p. 279 ff. und 
in seinen besprechungen chronologischer arbeiten in den Göttinger 
gelehrten anzeigen 1881 stück 4. gesagt hat. Auch in dieser 
schrift sind sowohl daten als ereignisse ausgerechnet, die der kri- 
tik nicht stand halten, die mit hülfe von gewaltsamkeiten gegen 
die Überlieferung gewonnen sind. Man sieht nicht mehr, was 
die texte bieten, weil man sich den blick durch zahlen allermög- 
lichen provenienz getrübt hat, weil man die autoren nicht liest, 
sondern nur auf die zahlen hin durchnimmt. 

So gelangt Unger zu folgenden entdeckungen : das richtige 
datum des Sturzes des Astyages (550 v. Chr.) findet sich über- 
einstimmend mit der erwähnten inschrift in den tyrischen Anna- 
len bei Josephus , ferner setzt Herodots darstellung der Lyder- 
geschichte dieses ereigniß für 550 voraus. Dem steht entgegen, 
daß Herodot in der medisch-persischen geschichte dasselbe 559 
ansetzt. Dies muß also erklärt werden: Herodot hat hier die 
regierungen der mederkönige um 9 jähre verschoben , so wird 
es auch möglich für die Sonnenfinsternis, die Thaies vorhersagte, 
das von den astronomen berechnete datum 28. mai 585 festzu- 
halten, während Herodots Chronologie 594 verlangen würde. 
Kyaxares ist 585 gestorben, der Meder Dareios, dessen das 
buch Daniel gedenkt, ist Astyages, der als thronnamen den na- 



122 24. Alte geschichte. Nr. 2. 

namen Dareios führte , auch Phraortes hieß als könig Astyages 
und wird mit letzterem namen bei Abydenos und Alexander Po- 
lyhistor bezeichnet. 

Der hergang von Astyages stürz war demnach folgender: 
559 besiegte ihn Kyros, ließ sich von ihm adoptiren und hei- 
rathete dessen tochter, nachdem er deren gemahl hatte umbrin- 
gen lassen. 550 erst erfolgte der vollständige stürz desselben 
und Kyros gewann in leichter weise die herrschaft über Medien 
auf grund der rechtsansprüche , die er erheben konnte. 

Das ist gewiß neu ; sehen wir zu , ob es auch wahr ist. 
Die sache steht folgendermaßen : Nikolaos , der im wesentlichen 
die darstellung des Ktesias wiedergibt, berichtet (fr. 66 Müll. III. 
p. 406) von einer schlacht des Kyros gegen Astyages, in der 
die Perser nach hartem kämpfe siegten, in folge derselben wird 
Kyros durch Oibaras an stelle des Astyages als könig ausge- 
rufen. Die beute wird nach Pasargadä gebracht. Da sich das 
gerücht von Astyages entthronung verbreitet, fallen die Sa- 
trapen ab und so wird es Kyros leicht, seinen ver- 
lassenen gegner in einer zweiten schlacht zu be- 
siegen und Astyages wird gefangen zu ihm ge- 
führt 6 ). 

Das excerpt aus Ktesias, das uns Photios (cod. 72 p. 106) 
aufbewahrt hat, besagt: Astyages flieht vor Kyros in 
Ekbatana und versteckt sich in dem gebälke des palastes da- 
selbst mit hilfe seiner tochter Amytis und deren gemahl. Beide 
sowohl als ihre kinder sollen gefoltert werden , Astyages gibt 

6) Ol ds FltQffca .... (xi.cc oQ/uji imdocc/uövisg i£a)9ov<nv ctvTovg {rovg 
Mtjdovg) ix tov ogovg , xccl xrelvovGiv ovx ikdzrovg iSccxiG/uvgicoy. ov /uijv 
'Aarvdytjg uqiGicno trjg nofooQXiccg. Hier setzen die excerpta de t rebus 
praeclare gestis et de Stratege?» atts ein. nokkmv ds dvttfitra^v ytvofii- 
vwv, Kvgog slg rrjv gxvjvtjv nccQtk&wv xa9-i£et fig tov tov Aotvdyov &q6vov, 

xccl t6 GxtjniQOv avrov kafißävti xccl fxtz ov nokv t) cptjfti] ndv- 

rij dn]yytkkt zijv 'AGivdyov tpvyifv n xal rßtccv . . . xccl oi äv&oionot d(fi- 
Giavto xccl w h'xhvt]. ngwiog cT 'Yqxccvwv kq/cov .... fAsrd dt o rt IJccq- 
&vcclog xccl 2dxt]g xccl ßdxrcjvog xccl ol iq>t%tjg ndvitg . . . . tig o 'Acivä- 
ytjg fiii 1 bkiyiov vnokt iqpd-i lg , ind^aurog (iti 1 ov nokv Kvqov xccl ix tov 
qccGtov fJtd^y XQctrrjGccvjog, cci^fidkiarog in' avrov dyiTcct*. Daß mit den 
bezeichnungen der zeit wie nokküv dt juitccc;v ytvo/xiv(av u. s. w. bei 
Nikolaos nichts anzufangen ist, beweist schon diese stelle; uem schließ- 
lichen sieg der Perser in der schlacht bei dem berge war die er- 
hebung des Kyros zum könig durch Oibaras und die bergung der 
beute in Pasargadä gefolgt. Das ist der inhalt der darstellung des 
Nikolaos. 



Nr. 2. 24. Alle gesehichte. 123 

sich, um dies zu verhindern selber an, Oibaras läßt ihn fesseln, 
Kyros aber befreien 7 ). 

Bei Herodot (I. 128 sq.) verläuft die sache in der weise, 
daß Astyages in einer schlacht von Kyros besiegt wird, da Har- 
pagos zu dem letzteren übergeht. Hierauf siegt Kyros noch 
einmal unter den mauern der hauptstadt und nimmt Astyages 
gefangen, so wurde dieser (130) der herrschaft beraubt und die 
Meder unterworfen. Dem Astyages geschah bis zu seinem tode 
nichts böses von Kyros. 

Unger behauptet nun p. 24, Ktesias (den auch er für die 
quelle des Nikolaos hält) erzähle den krieg anders und wahr- 
scheinlicher als Herodot, ,,er weiß nichts von verrath und über- 
tritt".- Das ist unrichtig, wie jedermann aus der oben vollstän- 
dig angeführten stelle ersehen kann. Unger fährt fort: „Nach 
einer lücke der bruchstücke, in welcher die von Herodot erzählte 
zweite schlacht in der weise erzählt gewesen sein kann , daß 
Kyros gegen Ekbatana zog und nach Überwältigung der letzten 
von Astyages zusammengerafften mannschaften die Stadt einnahm, 
setzt der auszug des Photios . . . aus Ktesias ein". Das ist 
gleichfalls unrichtig , denn Ktesias bei Nikolaos spricht deutlich 
von zwei schlachten , die zweite findet nach seiner darstellung 
statt wie bei Herodot , da Astyages schon von einem theil der 
seinen verlassen ist. 

Der bericht des Photios schließt sich also nicht so an das 
66. fragment des Nikolaos an, wie Unger behauptet. 

Charakteristisch ist ferner wie Unger die Stelle des Photios 
durch hinweglassung der flucht des Astyages nach Ekbatana verän- 
dert hat. „Als Kyros Ekbatana einnahm, wurde Astyigas . . . 
versteckt gehalten". Daß auch Ktesias eine schlacht unter den 
mauern von Ekbatana, (in folge deren Astyages vor Kyros' ant- 
litz flieht und sich versteckt), voraussetzt wie Herodot, deren 
nähere bezeichnung am Schlüsse des fragmentes doch wohl nur 
durch des Nikolaos 1 flüchtigkeit wegblieb, kann man aus dieser 
Übersetzung allerdings nicht mehr herausfinden. 

Photios excerpt setzt sich folgendermaßen fort: Kyros läßt 

7) ^rjalf ovu avrixa nsgl lov'Aßiväyovs, w? ovdtv avtov KÜQog rtgoi 
yivos IxgijuänCev ■ ovtoq cF« aiiiou 'Aarviyctv y.ahl rpvyilv 6i c'cno nnoßcö- 
nou Kvqov 'Aarvlyav iv 'ExßctTÜvoig xcd XQvqftrjvcti (v rolg xqvoxquvoh 
itüi> ßaaikiiüjv oixyuänjv .... 



124 24. Alte geschichte. Nr. 2. 

Astyages befreien und verehrt ihn wie einen vater, Amytis erst 
wie eine mutter, dann aber, nachdem er ihren mann hat tödten 
lassen, macht er sie zu seiner frau. „Also erzählt Ktesias über 
Kyros und nicht wie Herodot", und ferner berichtete er noch, 
daß die Baktrer, gegen die Kyros zu felde zog, sich demselben 
ergeben hätten , als sie erfuhren , daß Astyages der vater des 
Kyros, Amytis, dessen mutter und frau geworden seien. 

Demnach hat man, um beide berichterstatter recht zu ver- 
stehen, das Verhältnis des Ktesias und Herodot im äuge zu be- 
halten. Eine ernste differenz zwischen beiden findet sich erst 
in der darstellung der ereignisse nach der eroberung Ekbatanas. 
Um diese differenz richtig zu würdigen, muß der vorherstehende 
satz des Photios berücksichtigt werden: „(Ktesias) sagt, daß 
Astyages und Kyros nicht verwandt gewesen seien", was be- 
kanntlich Herodot's darstellung ist. Deswegen also , weil Kte- 
sias diesen irrthum Herodot's berichtigen wollte , erzählte er die 
adoptionsgeschichte nach der einnähme von Ekbatana, die vor- 
hergehenden ereignisse haben aber beide im wesentlichen gleich 
berichtet, weshalb auch Photios diesen theil der erzählung des 
Ktesias nicht erwähnt hat. Von Harpagos freilich, einem inte- 
grirenden bestandtheil der Herodoteischen Jugendgeschichte des 
Kyros, hat Ktesias bei der ersten schlacht nichts erwähnt, wie man 
aus Nikolaos schließen muß, allein der abfall der Satrapen nach 
derselben läßt auf ein gleiches factisches substrat beider berichte 
schließen , ganz abgesehen davon , daß wir bei Nikolaos nicht 
ein bloßes excerpt aus Ktesias besitzen und also kleine difle- 
renzen noch nicht beweisen , daß Ktesias gerade so wie Niko- 
laos erzählt habe. Demnach sprechen Herodot sowohl als Kte- 
sias von demselben ereignis, und es ist unrichtig, wie Unger 
thut, was Ktesias erzählt , 9 jähre früher anzusetzen , als was 
wir bei Herodot finden. Auch das erscheint nicht bedacht, 
daß Ktesias von dieser Verschiebung der ereignisse keine an- 
deutung macht , obschon er bekanntlich bestrebt war Herodot 
allüberall zu widerlegen und auch Photios geflissentlich alle ihre 
diflerenzen in seinem excerpte hervorhebt. 

Und nun noch die inschrift (vgl. meine Kyros -sage und 
verwandtes, Sitzungsberichte der Wiener akad. bd. 100 p. 499), 
welche besagt, daß Astyages nach Sammlung der medischen trup- 
pen gegen Kyros könig von Ansän zog .... daß hierauf die 



Nr. 2. 25. Griechische geschichte. 125 

truppen des Astyages gegen ihn revoltirten , ihn gefangen nah- 
men und Kyros auslieferten , daß Kyros Medien plünderte und 
die beute von Ekbatana nach Angan bringen ließ. Auch dieses 
zeugnis handelt von denselben ereignissen , die Herodot und 
Ktesias berichten , von dem abfall der truppen nnd der darauf 
erfolgenden einnähme der medischen hauptstadt. Astyages er- 
scheint hier deutlich als beherrscher Mediens und zieht als sol- 
cher gegen den Perser, nicht aber wie Unger's hypothese ver- 
langt, als bereits seit 9 jähren neben Kyros stehender schatten- 
könig. 

Das ist die Übereinstimmung unserer quellen über Astyages 
stürz , ein auseinanderreißen ihrer berichte und vertheilung der 
erwähnten thatsachen auf die jähre 559 und 550 widerstreitet 
aller methode und ist durch nichts zu rechtfertigen. Es kann 
sich nur darum handeln , ob man dem berichte des Ktesias von 
einer nach der eroberung Ekbatanas erfolgten adoption des Ky- 
ros durch Astyages und verheirathung mit dessen tochter glau- 
ben schenken will oder nicht. Ich gebe auf Ktesias „persische 
annalen" als quellen nicht viel , da sonst merkwürdige dinge 
genug bei diesem autor sich finden , in diesem falle halte ich 
seine nachricht deshalb nicht für richtig , weil die inschrift Na- 
bünähids dagegen spricht , und Herodots persische gewährsmän- 
ner davon nichts wußten. Trogus Pompeius (Iust. I. 6, 1 6) hat 
hier wie sonst (vgl. meine abhandlung a. a. o.) die angaben He- 
rodots und des Ktesias entweder selbst zusammen gearbeitet 
oder schon so von Deinon überkommen. 

Ueber alle anderen resultate dieser schrift , soweit sie auf 
dieser grundlage ruhen , kann ich hinweggehen , sie fallen mit 
dem nachweise, daß dieselbe durch unrichtige Schlußfolgerungen 
gewonnen ist. Adolf Bauer. 

25. Arnold Schäfer, Abriß der quellenkunde der 
griechischen und römischen geschichte. Erste abtheilung. Grie- 
chische geschichte bis auf Polybios. 3. aufläge. Leipzig, Teub- 
ner 1882. 2 bl. 112 p. 8. 

26. Desselben werkes zweite abtheilung. Die periode des 
römischen reiches, ibid. 1881. 2 bl. 199 p. 8. 

Das erscheinen der ersten abtheilung von Schaefer's Quel- 
lenkunde in dritter aufläge und das neuerscheinen der zweiten 



^26 25. Griechische geschichte. Nr. 2. 

abtheilung wird mit um so lebhafterer freude begrüßt werden, 
als beide werkchen eine empfindliche lücke in unserer histori- 
schen litteratur ausfüllen und namentlich der herausgäbe des 
die römische periode behandelnden theiles seit langem mit Span- 
nung entgegengesehen wurde. Nachdem es nun doch einmal 
zum dogma geworden zu sein scheint, daß für eine systemati- 
sche behandlung der antiken historiographie noch nicht die zeit 
gekommen ist, erkennen wir es um so dankbarer an, daß durch 
Schäfer's grundriß wenigstens den studirenden der geschichte 
des Verfassers umfassende kenntnis der geschichtsquellen des 
alterthums und der mit ihnen sich beschäftigenden modernen 
forschungen zu gute kommt. 

Nach den Worten der vorrede dazu bestimmt, Vorlesungen über 
quellenkunde der griechischen und römischen geschichte zur unter, 
läge zu dienen und den Zuhörern die wichtigsten nachweisungen und 
Zeugnisse an die band zu geben, beschränken sich beide grundrisse, 
sowohl was die auswahl der Schriftsteller, als die Verzeichnung der 
modernen litteratur anlangt , in der hauptsache auf denjenigen 
Stoff, welchen der Verfasser in seinen akademischen Vorlesungen be- 
handelt. An vielen stellen freilich hat Schäfer der Versuchung 
nicht widerstehen können, über jene eng gesteckten grenzen hinaus- 
zugehen und durch anführung einer reihe von wenig gekannten 
und genannten historikern, die aber nach irgendwelcher richtung 
für die entwicklungsgeschichte der antiken historiographie von 
bedeutung sind, durch ausführliche citate moderner Untersuchun- 
gen, endlich durch mitunter höchst werthvolle bemerkungen über 
die quellen und schriftstellerische methode einzelner geschichts- 
schreiber, über ihre benutzung durch spätere u.s.w. den grund- 
riß zu einer auch die interessen der forschung berücksichtigen- 
den quellenkunde zu erweitern. Weit davon entfernt, dem verf. 
daraus einen Vorwurf zu machen, hätten wir vielmehr gewünscht, 
daß er von vornherein wenigstens in der Verzeichnung der 
Schriftsteller Vollständigkeit erstrebt hätte. Abgesehen davon, 
daß die Unterscheidung zwischen geschichtsschreibern zweiten 
und dritten ranges eine sehr mißliche ist, auf alle fälle oft von 
dem subjectiven ermessen des einzelnen abhängt, wäre durch 
eine vollständige chronologische aufführung der antiken histo- 
riker, der sich außer den vom verf. gegebenen litterar- 
historischen und biographischen nachweisungen ohne große 



Nr. 2. 26. Griechische geschichte. 127 

Schwierigkeit ein etwa den litteraturangaben von Hübner's 
„Grundriß zu Vorlesungen über die römische litteraturgeschichte" 
entsprechendes verzeichniß der neueren Untersuchungen und kurze 
mittheilungen über den gegenwärtigen stand der forschung auf 
den einzelnen gebieten sich anreihen ließen, wenigstens die grund- 
lage für eine künftige gesammtdarstellung der antiken historio- 
graphie gegeben , ohne daß dadurch die interessen der stu- 
direnden, für die ja doch die Vorlesungen selbst den umfang 
des zu bearbeitenden literarhistorischen materiales bestimmen, 
beeinträchtigt werden müßten. Für die bedürfnisse der studi- 
renden scheint namentlich der in der zweiten abtheilung der 
quellenkunde behandelte stoff ohnehin öfters allzu karg bemes- 
sen : Während der annalistik der römischen republik , die doch 
zum großen theile eine rein compilatorische thätigkeit entfaltete, 
eine höchst ausführliche darstellung zu theil wurde — die fünf 
Schmerzenskinder Alfius, Procilius, C. Piso, Scribonius Libo und 
Annius Fetialis sind ihr wohl nur der chronologischen Schwie- 
rigkeiten halber nicht eingefügt worden — ist eine lange reihe 
von fragmentarisch erhaltenen griechischen originalquellen der 
kaiserzeit (Müller , Fragmenta historicorum Graecorum. Vol. 3 
und 4) ganz unberücksichtigt geblieben ; Bemarchius , Praxa- 
goras , Eustochius, Magnus aus Carrhae und Eutychianus, die 
biographen der kaiser Konstantinus , Konstans und Julianus 
hätten wenigstens kurz erwähnt werden dürfen. Neben den vom 
verf. aufgeführten selbstbiographieen des Hadrianus und Septi- 
mius Severus hätten wir auch die memoiren Trajans, die histo- 
rien des älteren Seneca und dessen von seinem söhne verfaßte 
biographie, ferner die durch ihre biographieen des Thrasea Pae- 
tus und Helvidius Priscus berühmt gewordenen Arulenus Rusti- 
cus und Herennius Senecio, von den späteren die chronik des 
Theodorus Lector und den für den geist seiner zeit so charak- 
teristischen Fulgentius gerne erwähnt gesehen. Eine ungleich- 
mäßigkeit der bearbeitung äußert sich, wie schon angedeutet, 
in des verf. notizen über die quellen der aufgeführten historiker ; 
wir können es zwar nur billigen, daß Schäfer über die in dies 
gebiet einschlagenden fragen im allgemeinen sehr vorsichtig und 
zurückhaltend sich ausspricht — nur zuweilen gibt er vermu- 
thungen, wie z. b. diejenige L. Keller's über die benutzung des 
Juba durch Appian und Dio und die von Niebuhr- Mommsen 



128 26. Griechische geschichte. Nr. 2. 

über die abhängigkeit des Diodor von Fabius Pictor als that- 
sachen — sind aber doch der ansieht, daß kurze orientirende 
bemerkungen über die wichtigsten controversen hinsichtlich der 
quellen des Plutarchus, Tacitus, Suetonius etc., ähnlich den vom 
verf. über die composition des Livianischen werkes gegebenen 
auseinandersetzungen , den werth des abrisses für manchen leser 
wesentlich erhöht haben würden. Dasselbe gilt von den angaben 
über die benutzung der einzelnen geschichtschreiber durch spä- 
tere — den aussebreibern des Herodian (p. 157) ist Jobannes 
von Antiochia hinzuzufügen — und von der anführung der neue- 
ren literatur, aus welcher zuweilen eine nur sehr spärliche und 
wohl kaum von festen gesichtspunkten ausgehende auswahl ge- 
troffen worden ist. In dem abschnitte über Joannes von Epi- 
phania war neben der Sammlung seiner fragmente bei Müller 
FHG IV 272 auch die Dindorf'sche Sammlung der Historici 
Graeci minores anzuführen und ebenso wäre ein consequenteres 
durchführen der citirung von Migne's Patrologie zu wünschen 
gewesen. Manche lücken (es fehlen z. b. Dellius, Claudius Ma- 
mertinus, Nazarius, Latinus Drepanius) und febler (z. b. p. 199 
Theophanes von Mytilene 167 statt 67) weist endlich der index 
auf, in welchem studierende den Alexander Polyhistor wohl kaum 
nur unter Cornelius suchen dürften. 

Möchten wir die zweite abtheilung bei der Veranstaltung 
einer zweiten aufläge , die ja bei der außerordentlichen brauch- 
barkeit des werkchens nicht lange auf sich wird warten lassen, 
gerne nach den angedeuteten richtungen hin erweitert und ver- 
ändert wissen , so freuen wir uns andererseits um so mehr , auf 
die mannichfachen Verbesserungen , welche die erste abtheilung 
in ihrer neuen bearbeitung erfahren hat, besonders auf die sorg- 
same benutzung und nachtragung der litteratur der letzten acht 
jähre hinweisen zu dürfen. Nur hätten wir gewünscht, daß die 
controversen über die Vollständigkeit und die Überlieferung von 
Xenophon's Hellenika kurz berührt und daß neben Skylax von 
Karyanda auch der Periplus des angeblichen Hanno und Py- 
theas erwähnt worden wären; zu der litteratur über Herodot, 
Ephorus, Theopomp, Timaeus und Aeneas sind die sebriften von 
Wecklein (1876), Holzapfel (1879), Egger (Mem. de l'institut. 
academie des inscript. et belles-lettres. T. 27 P. 2 p. 1 — 42), 
Kothe (1874) und Lange (1879) nachzutragen. H. Haupt. 



Nr. 2. 27. Griechische geschichte. 129 

27. G. Dum, Entstehung und entwicklung des spartani- 
schen ephorats bis zur beseitigung desselben durch könig Kleo- 
menes III. Innsbruck 1878. 186 p. 8. 3 mk. 

Nachdem der verf. in der einleitung seine gruudsätze bei 
der forschung auf dem gebiete der älteren griechischen geschichte 
dargelegt hat, wendet er sich im ersten kapitel (p. 11 ff.) gegen 
einige behauptungen neuerer forscher, die durch die quellen ent- 
weder in keiner oder in ganz ungenügender weise gestützt sind. 
So weist er nach , daß die weit verbreitete annähme , das ur- 
sprüngliche amt der ephoren sei die marktaufsicht gewesen, we- 
der durch irgend eine Überlieferung noch durch rückschlüsse 
aus den einrichtungen der historischen zeit gestützt werden könne. 
Auch sei die hypothese 0. Müllers, daß die nachweislich in äl- 
tester zeit von den ephoren verwaltete civilgerichtsbarkeit die 
grundlage gebildet habe, auf welcher sie allmählich eine aufsieht 
über den ganzen staat und selbst über die könige erlangten, 
unwahrscheinlich (p. 11 — 16). Ebenso wenig läßt sich zwischen 
der ermordung des königs Polydor zur zeit des ersten messeni- 
schen krieges und der entwicklung der ephorenmacht ein Zu- 
sammenhang nachweisen, wie ihn Schäfer, Curtius u. a. anneh- 
men (p. 16 — 21). Endlich widerlegt der verf. noch die hypo- 
these von Duncker, nach welcher der weise Spartaner Cheilon 
und der sühnpriester Epimenides von Kreta von einfluß auf die 
entwicklung des ephorats gewesen sein sollen. Eine anwesen- 
heit des Epimenides in Sparta läßt sich überhaupt nicht nach- 
weisen, und Cheilon wird nur in einer stelle des Diogenes Laer- 
tios (I, 68) zu der entwicklung des ephorats in beziehung ge- 
setzt; doch kann diese stelle wegen ihrer Unbestimmtheit (xal 
nfjcoTOi su'ijyijaaTn eepogova toi*- ßaaiXnai naga^svyvvvat), zumal 
da sie durch kein anderes zeugnis bestätigt wird, wenig bewei- 
sen, (p. 21—30). 

Im zweiten kapitel werden die berichte unserer quellen über 
den Ursprung des ephorats geprüft, zunächst die des Herodot 
und Xenophon (p. 31 — 33), dann die des Piaton, des Aristoteles 
und des Plutarch im leben Lykurgs (p. 33 — 39) und endlich 
der bericht Plutarchs im leben des Kleomenes III. (p. 39 — 54). 
Als der relativ beste erscheint dem verf. der letztgenannte. 
Die ephoren wurden hiernach zur zeit des ersten messenischen 
krieges vom könig Theopomp als Stellvertreter der könige für 



130 27. Griechische geschichte. Nr. 2. 

die civilgerichtsbarkeit eingesetzt. Erst später unter dem ephor 
Asteropos erweiterten sie ihre macht. 

Da uns über die entwicklung des ephorats nach seiner er- 
sten einrichtung durch Theopomp die quellen fast gar keine di- 
rekten Zeugnisse geben, sucht der verf. im dritten kapitel (p. 55 
— 93) aus der betrachtung der zustände der ältesten zeit, über 
welche unser ältester gewährsmann, Herodot, noch zuverlässige 
nachrichten besitzen konnte, die entwicklung der ephorenmacht 
zu erkennen. Er weist nach, daß der könig Kleomenes I. (etwa 
520 — 488) noch durchaus selbständig, wenn auch nicht unver- 
antwortlich , die auswärtigen angelegenheiten Spartas leitete , so 
lange er mit seinem kollegen einig war, daß dagegen im falle 
der Uneinigkeit der beiden könige die ephoren als Vertreter des 
Staats nach außen erscheinen. Er folgert daraus, daß schon da- 
mals ein gesetz existierte , welches forderte , daß die könige bei 
allen regierungshandlungen einig sein sollten , und für den fall 
ihrer Uneinigkeit die ephoren zu ihren Stellvertretern ernannte. 
Diese ansieht des verf. wird bestätigt durch den nachweis, daß 
mit der späteren dauernden ephorenherrschaft eine dauernde Un- 
einigkeit der beiden königshäuser hand in hand ging. 

Auf dieser grundlage betrachtet der verf. dann im 4. ka- 
pitel die entstehung und entwicklung des ephorats bis zum er- 
laß des gesetzes, welches den ephoren die Stellvertretung der 
uneinigen könige übertrug (p. 94 — 104), und im 5. kapitel die 
weitere entwicklung des ephorats bis zu seiner aufhebung durch 
Kleomenes III. um 226 (p. 105 — 186), in der er drei perioden 
unterscheidet: 1) die zeit der Wechselherrschaft zwischen köni- 
gen und ephoren bis zum tode des Kleomenes I., 2) die zeit 
der dauernden, aber gesetzlich geregelten herrschaft der ephoren 
bis etwa zur schlacht bei Mantineia (362), 3) die zeit der will- 
kürherrschaft der ephoren. Ausführlich, oft etwas zu breit, 
werden in diesem abschnitt die einzelnen rechte geschildert, die 
den ephoren durch das gesetz über die Stellvertretung der un- 
einigen könige theils unmittelbar (p. 111 — 138), theils mittelbar 
(p. 138 — 186) übertragen wurden. 

Der Schwerpunkt der ganzen Untersuchung liegt im dritten 
kapitel. Der vom verf. geführte beweis ist ihm , so weit dies 
überhaupt bei der dürftigkeit unserer quellen möglich ist, im gan- 
zen gelungen, wenn er auch bisweilen in dem streben, möglichst 



Nr. 2. 28. Griechische geschichte. 131 

viele belegstellen für seine ansieht beizubringen, mir zu weit zu 
gehn scheint. So kann ich ihm z. b. nicht zugeben , daß die 
eide der könige und ephoren, die Pseudoxenophon vom staat 
der Lakedaimonier 15, 7 überliefert, nothwendig aus der zeit 
der Wechselherrschaft zwischen königen und ephoren stammen 
müssen, da sie in der späteren zeit keine praktische bedeutung 
gehabt hätten. Wenn der verf. selbst annimmt , daß schon zur 
zeit des Kleomenes I. die könige verantwortlich waren, so konnten 
sie doch auch in anderer weise als durch ihre Uneinigkeit die 
gesetze übertreten. Andererseits konnte auch zur zeit der dau- 
ernden ephorenherrschaft der eid der ephoren die könige in den 
ihnen noch verbliebenen rechten vor willkürlichen eingriffen der 
ephoren schützen (vgl. p. 66). Wenn der verf, ferner p. 69 ff. 
aus den anordnungen , die die ephoren über die doppelte ehe 
der könige Anaxandridas und Ariston treffen, den schluß zieht, 
daß diese könige wenigstens zeitweilig uneinig gewesen seien, 
so möchte ich dagegen bemerken , daß dies keine eingriffe in 
die regierungsgeschäfte der könige sind , sondern daß sich die- 
selben vielleicht genügend aus dem aufsichtsrechte der ephoren 
erklären lassen. Im übrigen scheint mir die ansieht, daß die 
ephoren ihre macht vorzüglich der Uneinigkeit der könige ver- 
dankten, sehr wahrscheinlich, zumal da diese tradition, wie der 
verf. p. 67 aus Plut. Agis 12 nachweist, schon im alterthum 
vorhanden war. 

Unangenehm berührt haben den ref. einige stilistische ei- 
genthümlichkeiten des verf. , so besonders die Verbindung der 
Präpositionen während, wegen und statt mit dem dativ 
(vgl. p. 56, 96, 109, 115, 130, 132) und außer mit dem ac- 
cusativ (p. 145). Ebenso wunderlich klingt es, wenn der verf. 
p. 96, 114 u. ö. den griechischen ausdruck 7« rth] mit dem 
deutschen artikel d i e versieht und dann als fem. sing. (z. b. 
von der rä zilt]) gebraucht. A. Hoch. 

28. Emil Szantö, Untersuchungen über das attische 
bürgerrecht. Wien 1881. 8. 53 p. 

Unsere kenntnis des attischen bürgerrechts ist in den letzten 
jahren vielfach erweitert worden Die inschriften geben immer 
neuen stoff zur aufhellung dunkler punkte und zur berichtigung 
früherer irrthümer. Vorliegende schrift handelt in ihrem ersten 



132 28. Griechische geschichte. Nr. 2. 

theil über die Verleihung des attischen bürgerrechts. Die ge- 
wöhnliche formel in den attischen bürgerrechts - diplomen lautet 
bekanntlich: thai rbv delvu'A&r/vaio* »at tivut alzw ygäipaadai qivlijg 
aal d/jftov xa} q^arQiag qg et» ßovlijTßti. In einigen steht dafür 
SiöoaOai (dedößöai) rw Sein zijv nolizsCav xzX. Außerdem aber 
zeigen mehrere inschriften noch einen zusatz, wonach die mit 
dem bürgerrecht beschenkten fremden sich zuerst einer dokimasie 
vor einem gerichtshof von 501 heliasten zu unterziehen haben: 
tot g ds deofioütiutj tiaayayur uvtw xr\v doxifiuaCuv Big zo dixa- 
OTfjQiov. Hiernach zerfallen diese decrete in drei gruppen : die 
erste enthält nur die zuerst genannte formel, die zweite hat die- 
selbe formel mit dem zusatz betreffend die dokimasie in der he- 
liäa, die dritte zeigt die formel dtduaOai rtjv noltrsiat und gleich- 
falls den zusatz von der dokimasie. Szäntö weist nach , daß 
diese drei gruppen drei verschiedenen zeiten entsprechen. Die 
inschriften der ersten classe gehören nämlich alle der zeit vor 
ol. 120 an, von den inschriften der zweiten classe fällt keine 
vor ol. 120. Demnach läßt sich annehmen, daß die dokimasie 
für das verliehene bürgerrecht erst um ol. 120 eingeführt wurde. 
Eine stütze findet diese annähme in dem umstände, daß bei den 
Schriftstellern diese dokimasie nirgends erwähnt wird. Mit der 
in der rede g. Neaer. 105 erwähnten dokimasie der Platäer hat 
es eine andere bewandtnis, dort handelte es sich bei jedem ein- 
zelnen um eine prüfung, ob er Platäer sei oder nicht. In der- 
selben rede (89 ff.) wird der hergang bei bürgerrechtsverleihun- 
gen so beschrieben, daß wir daraus schließen müssen, daß eine 
dokimasie damals noch nicht bestand. Der redner bemerkt, daß 
es nach der zweiten abstimmung jedem Athener gestattet sei 
durch eine yQaqsij nayavünmv die Verleihung zu suspendieren 
(event. rückgängig zu machen). Szäntö erklärt sich mit recht 
gegen Hartel's interpretation dieser stelle und schließt daraus, 
daß bis Ol. 120 ungefähr zur anfechtung eines verliehenen bür- 
gerrechts die yQayi] 7ia(juiüfxo3i angewendet werden konnte, nach 
dieser zeit aber eine regelmäßige dokimasie stattfand. Eine 
solche ygagiij nagatüiimv nimmt Szäntö mit Kirchhoff und an- 
deren bei der Verleihung des bürgerrechts an Thrasybul und 
Apollodor, die mörder des Phrynichos, im jähre 409 an. Da 
in dem decret CIA I 59 nur dem Thrasybul das bürgerrecht 
verliehen wird, bei Lysias (XIII, 72) dagegen auch Apollodor 



Nr. 2 28. Griechische geschichte. 133 

genannt wird, so vermuthete Kirchhoff (Monatsberichte der ber- 
liner akademie 1861, p. 607 ff.), daß letzterem auf grund einer 
fgaqirj naQavnpitov vom gerichtshof das bürgerrecht wieder ent- 
zogen und daher das betreffende decret cassiert und durch ein 
neues ersetzt wurde, in welchem der name des Apollodor fort- 
blieb. Aber das Verhältnis der Lysias - stelle zu dem inschrift- 
lich erhaltenen decret wird durch diese hypothese nicht aufge- 
klärt. Das psephisma, welches der redner zuerst verlesen ließ 
(§ 71), soll nach Szäntö das erste (nachträglich cassierte) decret 
gewesen sein, das an zweiter stelle (§ 72) erwähnte soll das 
zweite (nur den namen des Thrasybul und die belobigungen 
für Agoratos etc. enthaltende) decret sein , dasselbe welches in 
CIA I 59 erhalten ist. Aber ist es denkbar, daß der redner 
ein cassiertes psephisma verlesen ließ? CIA I 59 soll in bezug 
auf Thrasybul nur eine Wiederholung des ersten beschlusses sein 
(der ihm und Apollodor das bürgerrecht ertheilte). Die Verlei- 
hung des bürgerrechts wird aber in einem amendement des 
Diokles ausgesprochen : warum beantragt der rath für Thrasybul 
nur belobigung und bekränzung und nicht auch das bürgerrecht, 
wenn es ihm schon früher verliehen war? vgl. auch Röhl Her- 
mes XI, 379 und Jahresberichte des philologischen Vereins III, 
39. — Was die Verhandlungen über Verleihung des bürgerrechts 
betrifft , so wissen wir aus der rede gegen Neaera , daß zwei 
Volksversammlungen stattfinden mußten : in der zweiten erfolgte 
geheime abstimmung bei anwesenheit von mindestens 6000 Athe- 
nern. Ganz unbegründet ist dem gegenüber Szäntö's behaup- 
tung, daß bei bürgerrecbtsverleihungen drei abstimmungen statt- 
finden mußten : er stützt sich dabei ausschließlich auf Hartel's 
theorie von der doppelten lesung in der Volksversammlung. — ■ 
Am Schlüsse dieses capitels erörtert Szäntö die gründe, aus de- 
nen bürgerrecbtsverleihungen in Athen erfolgten. Nach einem 
alten gesetz, welches Plutarch (Sol. 24) erwähnt, sollten nur 
solche- fremde das bürgerrecht erhalten, welche entweder aus 
ihrer heimat verbannt oder zur ausübung einer kunst nach Athen 
übergesiedelt waren. Ein späteres gesetz ([Dem.] gegen Neaer. 89) 
gestattete die Verleihung des bürgerrechts nur an fremde, die 
sich um den athenischen Staat wohl verdient gemacht (pij s£et- 
tui nnir t auadai ^idrjvuiov^ ov av ju/} oV av8(jayct&Cav eig tov 87]- 
fiov tiv 'ud&ijfcu'eov u^iot fi jtvioQcu aoXijtjv^. In den erhaltenen 
Piniol. Anz. XIV. 10 



134 28. Griechische geschichte. Nr. 2. 

Bürgerrechts - decreten wird durchweg als motiv der Verleihung 
diese arÖQayaOiu angegeben. 

Im zweiten capitel behandelt Szäntö einige punkte des ge- 
meindebürgerrechts. Er bespricht zuerst die inschrift aus dem 
demos Myrrhinus CIA II 578 , die unter anderem bestimmun- 
gen über die rechenschaftsablage der gemeindebeamten enthält. 
Sie fand vor einem euthynen und 10 gewählten statt: wenn 
diese den beamten verurtheilten , so konnte er an die gesammt- 
heit der demoten appellieren. Die entscheidende abstimmung in 
der demoten-versammlung durfte nur vorgenommen werden, wenn 
mindestens 30 demoten anwesend waren. Wenn man die von 
Dem. gegen Eubul. 9 angegebene zahl der demoten von Ha- 
limus (73) als die normale annimmt l ), so ergiebt sich als durch- 
schnittliche majorität in den einzelnen demen 30 — 40. Vielleicht 
also können jene 30 als die majorität aller demoten von Myrr- 
hinus angesehen werden. Bei der abstimmung nun, meint Szäntö, 
kann nicht das urtheil der majorität der anwesenden ent- 
scheidend gewesen sein. Er setzt den fall, daß die 10 gewählten 
einstimmig verurtheilten , in der demoten - Versammlung dagegen 
der beamte mit 16 gegen 14 stimmen freigesprochen wurde. 
Dann hätten 16 stimmen über 24 (einschließlich der 10 ge- 
wählten) gesiegt. Dies nennt Szäntö eine Ungeheuerlichkeit, er 
behauptet daher, daß ein einstimmiges urtheil der anwesenden 
zur giltigkeit nothwendig war. Dieser Schluß scheint mir nicht 
zwingend. Zunächst halte ich es nicht für sicher, daß die 10 
gewählten von der abstimmung in der demoten - Versammlung 
ausgeschlossen waren. Sodann war die abstimmung geheim : 
was hätte das für einen zweck gehabt, wenn einstimmigkeit nö- 
thig war ? Was geschah ferner , wenn die Versammlung nicht 
einig war, wenn nicht einstimmig freisprechung oder verurthei- 
lung erfolgte? Ueber diesen fall läßt uns Szäntö ganz im un- 

1) Die große der demen war jedoch sehr verschieden, wie man 
sowohl aus Thuk. II, 20 (auch wenn die zahl rgiaxdiot unrichtig ist) 
als aus Dem. gegen Eubul. 67 schließen muß. Szäntö meint, daß un- 
ter den hopliten aus Acharnae (bei Thuk.) sich auch solche befanden, 
die nur in diesem demos wohnten und nicht Acharner waren. Das 
glaube ich nicht. Nach Szäntö sollen sich auch die worte bei Dem. 
vcoi tu)v ixtyäkiav drjfxwv lere nur auf die einwohner- nicht auf die 
demotenzahl beziehen. Aber der redner spricht von den demoten- 
versammlungen, er kann also nur die zahl der demoten im äuge ge- 
habt haben. 



Nr. 2. 29. Römische geschichte. 135 

klaren. Galt der beamte als freigesprochen, wenn z. b. von 
30 anwesenden 28 verurtheilten und 2 freisprachen? Dies re- 
sultat wäre doch viel ungeheuerlicher. — Im folgenden handelt 
Szäntö über die einnahmen und ausgaben der demen , wobei er 
die schwierige inschrift der Plothäer CIA II 570 zu erläutern 
sucht, sodann über das iyxtijTixoi', welches die attischen bürger 
(und fremde) für grundbesitz in einem fremden gau zu zahlen 
hatten , und über die Verleihung der ürtlaia £yyaq?r/.oi> (CIA 
II 589). Den Schluß der abhandlung bildet die erörterung der 
frage, in welchem Verhältnis die phratrienzu den demen standen 
und was für ein Zusammenhang zwischen geschlechtern und 
phratrien (in der nachkleisthenischen zeit) bestand. Daß Kleist- 
henes neue phratrien einrichtete , welche kleiner waren als die 
demen (vielleicht unterabtheilungen der demen) , hat Buermann 
(Jahrbücher suppl. IX, 608 ff.) nachgewiesen. Zwischen diesen phra- 
trien und den geschlechtern waltete , wie Szantö ausführt , ein 
verschiedenes Verhältnis ob je nach der große des geschlechts und 
der zeit seiner gründung : die angehörigen großer und alter 
(vorkleisthenischer) geschlechter (z. b. des geschlechts der Ke- 
ryken) waren unter verschiedene demen und phratrien vertheilt, 
die kleinerer und jüngerer (nachkleisthenischer) gp.schlechter 
mußten denselben phratrien und demen angehören. Dem dijuo- 
nohj7Qc war gestattet, nachdem er den demos gewählt hatte, noch 
die phratrie zu wählen, weil in jedem demos mehrere phratrien 
waren. Die phratrien nehmen also eine mittelstellung ein zwischen 
der demen- und der geschlechter-verfassung. 

Leopold Cohn. 

29. Paul Devaux, e^udes politiques sur les principaux 
eVenements de l'histoire romaine. Bruxelles, librairie C. Muquard. 
Paris, librairie Hachette et Cie 1880. Tome I, 556 p., tome II, 
474 p. 

Der Verfasser dieses umfangreichen Werkes hat sich die auf- 
gäbe gestellt, die römische geschichte weniger vom quellen- 
kritischen als vom politischen Standpunkte aus zu be- 
handeln : nicht die Untersuchung des details , sondern die histo- 
rische entwicklung im allgemeinen ist der gegenständ der durch 
zwei starke bände sich hinziehenden darstellung. Die gesichts- 
punkte , die er dabei zu gründe legt, sind folgende: 1. die 

10* 



136 29. Römische geschickte. Nr. 2, 

durchweg kriegerische politik des römischen senats erklärt sich 
aus dessen bestreben, innere Unruhen zu beschwichtigen; 2. das 
hauptmittel der erweiterung und befestigung der römischen herr- 
schaft war die Verbindung mit den aristokratien anderer itali- 
scher städte. Dieselbe war ein hauptkitt der römischen macht, 
dessen stärke und festigkeit sich insbesondere in den kriegen 
mit Pyrrhus und Hannibal erweisen sollte. 3. Die plebs ist 
eine art tiers-etat; es sind in ihr zwei elemente zu unterschei- 
den: die reichen und die armen. Die resultate des ständekam- 
pfes kommen nur den ersteren zu gute; daher führte auch der 
ausgleich der stände nicht zur demokratie , sondern die letztere 
war erst eine weitere folge des kampfes der niederen plebs gegen 
die patrizisch-plebejische nobilität. 4. Ueberall in Italien gab es 
einen gegensatz zwischen aristokratie und demokratie, dessen 
geschickter ausnutzung Rom den größten theil seiner erfolge 
verdankt. 5. Als hauptkriterium bei allen unsicheren und zwei- 
felhaften Überlieferungen betrachtet der verf. die geschicht- 
liche Wahrscheinlichkeit. 

Was den ersten punkt betrifft, so wird die ansieht des verf. 
jedenfalls so lange nicht als ausgemacht gelten können, als man 
über die natur des Ständekampfes selbst noch im unklaren ist. 
Den zweiten und vierten punkt kann referent um so mehr un- 
terschreiben, als er in seinem „Latium und Rom" die hier 
ausgesprochenen ansichten des verf. ausführlich zu erweisen suchte. 
Der dritte punkt ist in den neueren darstellungen der römischen 
geschichte in Deutschland fast allgemein rezipiert. Was aber 
die methode des Verfassers angeht, so ist dieselbe eine durchaus 
veraltete , insbesondere für die beurtheilung solcher zeiten , in 
denen es an jeglichen positiven anhaltspunkten fehlt. Die er- 
eignisse müssen vor allem auf ihre Zeugnisse und quellen hin 
betrachtet werden, da eine sache an sich in einem gewissen an- 
genommenen Zusammenhang recht wahrscheinlich und doch quellen- 
mäßig durchaus unhaltbar sein kann. Das unzulängliche dieser 
methode zeigt sich vor allem deutlich in der behandlung der 
königsgeschichte, an die der verf. vom Wahrscheinlichkeitsstand- 
punkt politische betrachtungen anknüpft, die vollständig in der 
luft schweben, wenn man die königsgeschichte nicht als wirk- 
liche geschichte ansieht. Das letztere thut der verf. zwar nicht 
durchaus, vielfach schließt er sich sogar an bekannte ausein- 



Nr. 2. 29. Römische geschichte. 137 

andersetzungen von Mommsen , Schwegler und Ihne an •, aber 
im ganzen steht er nicht auf quellenmäßig kritischem, 
sondern rationalistischem Standpunkt; er untersucht nicht 
die erzählungen , er deutelt sie ; daher unterscheidet er auch 
nicht zwischen sage und mythus, für welch letzteren er auch nicht 
das geringste Verständnis hat. So verwirft er z. b. die alte kö- 
nigschronologie , gleichwohl aber versucht er die geschichte im 
sinne der alten Chronologie zu reconstruieren, ohne auf den my- 
thischen gehalt derselben im geringsten rücksicht zu nehmen. 
Ueber den Servius Tullius und die beiden Tarquinier enthält 
übrigens das buch nur politische betrachtungen ; solche haben 
aber gar keinen werth, wenn die ihnen zu gründe liegenden that- 
sachen nicht historisch sind. Ebenso steht es mit des verf.'s 
betrachtungen über die an die königsgeschichte sich zunächst 
anschließenden zeiten, die im Verhältnisse zu ihrer von dem verf. 
selbst angezweifelten glaubwürdigkeit mit großer breite psycho- 
logisch ausgemalt werden, so daß tradition und eigene ausspin- 
nung hier wundersam durcheinander fließen. Diese verschwom- 
mene art nimmt zu , je mehr wir uns der fest beglaubigten ge- 
schichte nähern , indem die vorher noch hie und da eingescho- 
benen kritischen betrachtungen jetzt ganz aufhören. In der dar- 
stellung der älteren geschichte ist hauptsächlich der umstand 
zu tadeln, daß das so wichtige verhältniß Latiums zu Rom nur 
sehr oberflächlich berührt ist. In bezug auf die Samniterkriege 
steht der verf. zwar im allgemeinen auf dem kritischen Stand- 
punkt der neueren forscher, aber nur insoweit, als er zwar die 
von der tradition angegebenen Ursachen und beweggründe, kei- 
neswegs aber die einzelnen thatsachen selbst in zweifei ziehen 
will. Mit dem was der verf. über die rolle Kampaniens wäh- 
rend der Samniterkriege sagt, kann sich rezensent im allgemei- 
nen einverstanden erklären , obwohl auch hier der reflexion die 
Quellenkritik vorausgehen müßte. Bei weitem interessanter und 
werthvoller als der erste bis zur lex Hortensia reichende band, 
dessen ausführungen uns im ganzen wenig befriedigt haben , ist 
der zweite theil, der abgesehen von einzelnen wichtigen bemer- 
kungen über den krieg mit Pyrrhus und den ersten punischen 
krieg eine ganz selbständige , von der bisherigen auffassung 
total abweichende, betrachtung des Hannibalischen kriegs enthält. 
Während nämlich bis jetzt der kriegszug Hannibals allgemein 



138 29. Römische geschichte. Nr. 2. 

als eine der genialsten thaten der Weltgeschichte Detrachtet wor- 
den ist, erklärt der verf. denselben für ein leichtfertig unternom- 
menes abenteuer, bei dem alle in rechnung kommenden faktoren 
sich als falsch erwiesen hätten , und auch die so sehr verherr- 
lichten taktischen siege des Karthagers nicht als eine leistung 
eines eminenten militärischen genies, sondern lediglich als folge 
der Unfähigkeit seiner gegner und der zufälligen Überlegenheit 
an reiterei anzusehen seien. Dem nachweis dieser von der bisherigen 
auffassung so sehr verschiedenen ansieht ist der größte theil des 
zweiten bandes gewidmet. Sehen wir uns die gründe des verf.s 
näher an. Zuerst sucht er den beweis zu führen, daß die ganze 
Verantwortlichkeit des krieges auf Hannibal allein zurückfalle. 
Hierbei sei vor allem die ansieht des Livius und Polybius zu- 
rückzuweisen , daß dem Hannibal von seinem vater der krieg 
mit Rom als eine heilige pflicht auferlegt worden sei Ganz ab- 
gesehen davon, daß der schwur des neunjährigen Hannibal sich 
als eine fabel erweise, sei eine solche einwirkung auf den letz- 
teren aus dem gründe nicht anzunehmen, weil die ganze aktion 
Hamilkars in Spanien sich auf den süden der halbinsel be- 
schränkt habe, was nicht der fall gewesen wäre, wenn schon er 
sei es für sich oder für seinen nachfolger den plan eines Über- 
gangs über die pyrenäen und alpen gehegt hätte. Und diese Verant- 
wortlichkeit laste auf Hannibal um so schwerer, weil die noth- 
wendigkeit eines zweiten krieges mit Rom durchaus nicht er- 
wiesen sei; derselbe habe entweder ganz vermieden oder doch 
später, wo Rom mit griechischen Staaten im osten engagirt war, 
unter günstigeren auspizien für Karthago geführt werden können. 
Als eigentliches motiv Hannibals bleibe demnach nur jene un- 
bezähmbare sucht nach abenteuern übrig, wie sie seit Alexander 
dem großen im geschmacke der zeit lag und in den zügen eines 
Pyrrhus und Agathokles ihren ausdruck fand. Mit dem unge- 
heuerlichen eines zuges über die pyrenäen und alpen habe Han- 
nibal der weit imponiren wollen. Die faktoren, die für die 
glückliche durchführung des Unternehmens in betracht kamen, 
haben sich nach des verf.'s ansieht sämmtlich als trügerisch er- 
wiesen. Zuerst zählte Hannibal darauf, daß er mit einem star- 
ken, mindestens 100,000 mann zählenden, heere in Italien ein- 
treffen werde ; statt dessen kam er mit 30,000 mann an, so daß 
er den angriff auf Rom selbst nicht sofort beginnen konnte. 



Nr. 2. 29. Römische geschickte. 139 

Aber gerade die raschheit der invasion , mit der er geglaubt 
hatte, alles vor sich niederwerfen und jeden widerstand im keime 
ersticken zu können , war ein faktor mit in seiner berechnung. 
Diese combination schlug gänzlich fehl , weil er in folge der 
schwäche seiner armee einen ganzen winter in Oberitalien zu- 
bringen mußte. Dies hing dann wieder mit einer anderen fal- 
schen berechnung zusammen. Denn die Gallier, auf deren ent- 
schiedenen beistand er gehofft hatte, unterstätzten Hannibal nur 
sehr saumselig, da ein zu früh begonnener aufstand ihrerseits 
kurz zuvor von den Römern blutig niedergeschlagen worden war. 
Die vierte rechnung aber , auf welche sich Hannibals plan auf- 
baute, nämlich die erhebung der italischen städte und Völker bei 
seinem erscheinen in Italien oder nach den ersten gewonnenen 
schlachten, ging vollständig in die brüche. Der einzig nennens- 
werthe abfall war der Capuas, und zwar erst nach der Schlacht 
bei Cannae , alle übrigen , namentlich die latinischen bundesge- 
nossen , hielten mit ausnähme der zu Hannibal übergegangenen 
Bruttier, in unerschütterlicher treue zu Rom. Dazu kamen noch 
ungeheure fehler in der ganzen anläge und durchführung des 
Unternehmens. Der bedeutendste war der, daß er Spanien, 
welches seine hauptstärke bildete und daher immer seine opera- 
tionsbasis hätte bleiben müssen , seinen unfähigen brüdern Has- 
drubal und Hanno überließ, deren niederlagen die wurzeln seiner 
macht zerstörten, da nur von dort wirksame ergänzungen seines 
heeres zu erwarten waren. Die folge davon war, daß sein heer, 
welches ohne Unterstützung blieb, immer mehr zusammenschmolz, 
während Rom zeit gewann , seine machtmittel zu entwickeln. 
Der mangel eines direkten succurses von Karthago erklärt der 
verf. durch die annähme , daß Hannibals partei in Karthago, 
entgegen Hannibals ansieht , es für nöthig gehalten habe , vor 
allem Spanien zu halten , welches die basis ihrer machtstellung 
in Karthago selbst war, und zu diesem zwecke alle verfügbaren 
Streitkräfte diesem theile des kriegsschauplatzes zuzuführen. Auch 
hätte Hannibal — und darin liegt nach des verf.s ansieht ein weiterer 
hauptfehler desselben — nach Cannae oder wenigstens nach Capuas 
rückeroberung durch die Römer die militärische Situation gleich 
seiner partei in Carthago richtig erkennen und dementsprechend nach 
Spanien zurückkehren sollen, um dort die karthagische herrschaft 
wieder herzustellen. Zuletzt tadelt der verf. Hannibal noch des- 



140 29. Römische geschichte. Nr. 2. 

halb , daß er sich in die Schlacht bei Zama eingelassen , ohne 
die ankunft der von Vermina geführten numidischen reiterei ab- 
zuwarten. Ueberhaupt stellt der verf. die siege Scipios weit 
über die Hannibals , der an der Trebia und am Trasimen nur 
durch grobe , ganz unfähigen führern gestellte , fallen und bei 
Cannae nur durch die Überlegenheit seiner reiterei gesiegt habe. 
Hannibal war nichts als ein etwas über die mittelmäßigkeit her- 
vorragender geschickter taktiker, aber kein Stratege, geschweige 
ein militärisches genie. 

Es ist nicht zu leugnen, daß der verf. seine ansieht über 
Hannibal mit vielem Scharfsinn und geschick durchgeführt hat; 
auch ist nicht zu verkennen, daß manches von ihm richtiger als 
früher erkannt und gefaßt und vieles in dem bisher theilweise 
überschwänglichen lob Hannibals auf ein richtiges maß zurück- 
geführt ist. Trotzdem können wir uns weder mit der gesammt- 
auffassung des verf.'s noch mit den wichtigsten von ihm hervor- 
gehobenen detailpunkten einverstanden erklären. Vor allem ist 
die charakterisirung des Hannibalschen zuges als eines aben- 
teuers ä la Pyrrhus entschieden abzuweisen. Der riesenkampf, 
der sich in Italien zwischen den zwei mächtigsten Völkern des 
alterthums um die herrschaft der weit abspielte, der die ent- 
scheidung darüber bringen sollte, ob fortan römische oder phö- 
nizische kultur in der weit den Vorrang habe, und den Karthago 
in folge der durch schnödeste behandlung tief in alle herzen 
seiner bürger gedrungenen Überzeugung begann, daß Rom es 
über kurz oder lang auf seine Vernichtung abgesehen habe — 
dieser kämpf war kein abenteuer im stile des Pyrrhus oder 
Agathokles. Daß ferner, wie der verf. fordert, ein so gewaltiger 
Staat wie Karthago, mit einem heere, wie es aus der schule Ha- 
milkars hervorgegangen war, und mit einem feldherrn wie Han- 
nibal sich mit verzieht auf seine weltstellung zu der rolle einer 
Stadt wie Massilia habe bequemen sollen, das ist eine naive zu- 
muthung, die sich nur aus den modern humanistischen anschauun- 
gen des Verfassers, aber nicht aus dem geist des alterthums, zum 
allerwenigsten aber aus dem der damaligen zeit, erklären läßt. 
Was aber die chancen eines längeren zuwartens betrifft, so 
war im gegentheil nicht eine Verminderung , sondern eine 
immer größere ausbreitung und festigung der römischen macht 
zu erwarten. Die faktoren, mit denen Hannibal rechnete, 



Nr. 2. 30. Archäologie. 141 

sind fast alle zugetroffen ; daß sie nicht in dem maße zuge- 
troffen, wie er gehofft, daranwaren die ungenügenden kenntnisse 
schuld , die dem alterthum überhaupt über länder und Völker 
zu geböte standen. Wodurch Hannibal hauptsächlich scheiterte, 
das war die unerschöpfliche volkskraft Latiums , die die Römer 
selbst in erstaunen setzte. Was ferner die militärische befähi- 
gung Hannibals anlangt , so können wir uns nicht überzeugen, 
daß jene weltberühmten schlachtensiege lediglich das ergebniß 
grober überlistung und des Übergewichts der karthagischen rei- 
terei gewesen seien. Zu einer solchen ausnutzung des terrains, 
wie wir sie an der Trebia , am Trasimen , bei Cannä und noch 
in einer reihe späterer kämpfe sehen , gehört doch wohl etwas 
mehr als ein etwas über der mittelmäßigkeit stehendes taktisches 
talent. Dann aber vergißt der verf. gänzlich , daß Hannibal 
sich nicht vorübergehend, sondern fast zwei Jahrzehnte in einem 
feindlichen lande behauptete, mit einer armee, die er durch sich 
selbst immer wieder ergänzen und durch den krieg selbst er- 
nähren mußte und die aus den verschiedenartigsten elementen 
zusammengesetzt nur durch eine kolossale Überlegenheit des gei- 
stes zusammengehalten werden konnte. 

Im ganzen dürfen wir in dem werke einen versuch erken- 
nen, die römische geschichte dem Standpunkte der deutschen 
kritik zu nähern. Doch begegnen wir in demselben nur selten 
selbständigen forschungen, sondern nur mehr oder minder 
selbständigen zum theil nicht uninteressanten politischen b e trach- 
tungen. Zu tadeln ist dabei die ungeheure breite und Weit- 
schweifigkeit, mit der dieselben durchgeführt sind und die nament- 
lich da unangenehm berühren , wo wie in der königsgeschichte 
keine historisch beglaubigten erzählungen zu gründe liegen. Die 
klarheit der spräche und Schönheit der diktion , der wir durch- 
weg begegnen, entschädigen übrigens für viele mängel des Wer- 
kes und fallen denen , die deutsche bücher zu lesen gewohnt 
sind, um so angenehmer auf, als die form der letzteren oft so- 
gar dem fachmanne die lektüre ungenießbar macht. M. Zoeller. 

30. Ernestus Kuhnert, de cura statuarum. (Berliner 
Studien für classische philologie und archäologie herausgegeben 
von F. Ascherson.) Erster halbband. p. 281 — 356. Berlin 
1883, Calvary. 8. 



142 30. Archäologie. Nr. 2. 

Wie jüngst Fabricius die beaufsichtigung öffentlicher bauten 
in Griechenland von seiten der gemeinde dargestellt hat, so wird 
hier, weiter fassend, die fürsorge nicht allein der gemeinde son- 
dern auch privater für statuen , nicht blos zu errichtende , son- 
dern auch schon errichtete gegenüber beschädigung durch mensch 
und thier , gegen die Witterung , endlich für ausschmückung bei 
festlichen gelegenheiten behandelt 1 ). Ob der gedanke das thema 
so weit zu fassen, und doch wieder im zweiten theil die statuen 
von andern heiligthümern abzusondern glücklich und frucht- 
bar war? 

Aus dem fleißig gesammelten inschriftenmaterial werden im 
ersten theil, nachdem kurz die verschiedenen officiellen bezeich- 
nungen der beaufsichtigung wie sriiyii'kiia , tjqÖvoio. nebst den 
zugehörigen verbis u. s. w. zusammengestellt sind , die publici, 
privati, sacri curatores, welche die anfertigung und aufstellung der 
statuen zu besorgen hatten, der reihe nach vorgeführt. Die pri- 
vati indessen erscheinen nur ausnahmsweis, da in der regel der 
private Stifter nicht wie die gemeinde einen mittler und Ver- 
treter gegenüber dem künstler gebraucht, und die sacri sind nicht 
blos unrichtig bezeichnet, sondern auch kaum gut den publici 
als besondre abtheilung gegenübergestellt. Denn während die 
publici und privati nach der Verschiedenheit des auftraggebers 
unterschieden werden , giebt für die absonderung der sacri die 
Verschiedenheit des beauftragten oder des aufstellungslocais den 
unterscheidungsgrund ab. In den angeführten fällen (p. 314 ff.) 
ist es nicht etwa das heiligthum oder die priesterschaft welche 
den auftrag giebt , sondern eben dieselbe gemeinde. Wie diese 
in der regel einen oder mehrere ihrer beamten, archonten, Schrei- 
ber, Strategen, ephoren, epimeleten, Senatoren, oder wie sonst die 
vom verf. aufgeführten magistrate heißen, beauftragt, weil in der 
regel auf der agora oder sonst an einem öffentlichen orte das 
Standbild aufgestellt werden soll, so wenn dieses in einem tempel 
stehen soll , öfters wenigstens die im heiligthum bestellten ge- 
meindevertreter , die priester. Daß es auch dann nicht immer 
und nicht nothwendig priester, namentlich nicht priester des zur 
aufstellung ersehenen tempels waren, sagt verf. p. 311 selbst, 

1) Von den drei unterabtheilungen des zweiten theiles hat nur 
die dritte eine Überschrift in der gebührenden form, die zweite dieje- 
nige eines haupttheiles, die dritte gleich I, 2 und 3 gar keine. 



Nr. 2. 30. Archäologie. 143 

wie er ja auch p. 301 den Perikles als curator der Parthenos 
genannt hat. 

Nur scheinbar noch pullici curatores erkennen wir, wenn die 
gemeinde in römischen Zeiten nicht ihren beamten, sondern ver- 
wandten des geehrten, ein paar mal auch ihm selbst den auftrag 
giebt (p. 301), namentlich aber wo die angehörigen die kosten 
des bildnisses und, da von einem auftrag nichts gesagt wird, 
nach des Verfassers annähme wohl auch die aufsieht übernehmen. 
In andern fällen freilich , wo nur der gemeindebeschluß , aber 
weder der auftrag noch die Zahlung erwähnt ist, hält der verf. 
an der bestellung von curatoren fest, die wohl auf den neben 
der statue errichteten aber uns verlorenen stelen , mit der voll- 
ständigen Urkunde, nicht aber in den kürzeren erhaltenen basis- 
inschriften genannt waren. Ob diese annähme richtig, hängt 
vor allem von form und maaß der inschriftsteine ab. 

Die aufsieht über fremde auswärts zu errichtende bildnisse 
übertrug man gesandten (p. 305 ff.). 

Vielleicht hätte verf. mehr dank verdient, wenn er das ge- 
sammelte inschriftenmaterial auch nach andern nicht lang zu su- 
chenden gesichtspunkten durchgearbeitet hätte, statt im zweiten 
theil eine etwas unkritische Zusammenstellung von notizen zu 
geben über statuenschutz durch aufgeschriebene Verwünschungs- 
formeln , Strafandrohungen, gesetze , wirkliche bestrafungen und 
abschließung, über reinigung und reparaturen , übermalung und 
metallbekleidung , über vermuthete oder bezeugte thätigkeit von 
agoranomen, phaidynten, endlich gar über kränzung, schmückung 
und bekleidung , notizen , die meist recht bekannt auch durch 
diese Zusammenstellung kein wesentlich neues licht gewinnen. 
Sicher aber wäre die darstellung klarer und präciser geworden, 
hätte verf. sie deutsch veröffentlicht , statt sie — so scheint es 
— in latein zu übersetzen, in ein latein, das stellenweise eines 
gewissen flusses nicht entbehrt, aber durch vielerlei incorreetheit 
(z. b. das gleich p. 285 und mit Vorliebe falsch gebrauchte 
nescio an] ein wahres raupennest p. 324 im satze von der Kon- 
dyleatis) nicht blos anstoß giebt, sondern das verständniß er- 
schwert 2 ). E. P. 

2) Die legende von der Kondyleatis hat gewiss einen anderen 
sinn als verf. p. 324 meint; die von Pausanias 3, 16 über die bilder 
der Hilaeira und Phoibe erzählte fabelei wird p. 329 als historisch 
erzählt und nochmals p. 342 benutzt. Ganz unbesonnen ist p. 326, 5 



144 31. Archäologie. Nr. 2? 

31. Ad. Gerber, naturpersonification in poesie und kunst 
der alten. Bes. abdr. aus dem 13. suppl.-bde der Jahrb. für 
class. philol. Leipzig, Teubner 1883. p. 241 — 317. 

Vorliegende arbeit — die nebenbei bemerkt, im mai 1882 
abgeschlossen , meine schrift „die entwicklung des naturgefühls 
bei den Griechen" Kiel, Lipsius u. Tischer 1882 nicht mehr be- 
rücksichtigen konnte — hat die aufgäbe zu untersuchen, „inwie- 
weit die Griechen, die Alexandriner und die Römer in der poesie 
und kunst der sie umgebenden landschaftlichen natur gestalt 
verliehen". Verf. scheidet personification : beseelung und Ver- 
körperung (mythologische, begriffliche, localpersonification), und 
personificierung : beseelung ohne Verkörperung (uneigentliche, 
wenn der naturgegenstand unter einwirkung göttlicher nähe, 
wunderbaren gesanges oder „gar nur im affect" persönlich ge- 
dacht oder wenn er redend eingeführt wird; eigentliche, wenn 
der dichter den naturgegenstand einen directen menschlichen 
antheil an menschlichen Vorgängen nehmen läßt). — Weder 
sprachlich noch sachlich kann ich diese Scheidung glücklich fin- 
den, das zeitwort „personificieren" wird dadurch doppeldeutig 
und giebt zu mißverständnissen anlaß. Ferner fließen die grenz- 
linien von eigentlicher und uneigentlicher personificierung leicht 
ineinander, da doch ein affect stets einen antheil involviert. End- 
lich fehlt bei dieser Scheidung ein drittes : Verkörperung ohne 
beseelung ! — Seinen stoff gruppiert der verf. nach den rubriken 
1. erde und länder ; 2. städte; 3. meer; 4. flösse und quellen; 
5. nymphen, silene etc. ; 6. berge. Es finden sich viele richtige 
und feine bemerkungen besonders in 4 und 5 wie p. 284 und 
286 von nymphen und silenen, „die mitunter eine Stellung gleich 
derjenigen des chores in der tragödie oder im satyrspiel ein- 
nehmen" u. a. m., auch in dem rein archäologischen theil, den 
in seiner polemik gegen Woermann, Heibig u. a. näher zu prüfen 
ich anderen überlassen muß. Aber die leitenden grundgedanken 
kann ich ebenso wenig wie die resultate, mit denen Gerber beson- 
ders gegen Woermann's rühmlich bekannte Schriften front macht, 



eine conjectur zu einer inschrift: daß ein silbernes bild durch ausfül- 
lung der basis mit gips nffta&/uos und ärii/u^roq wird, d. h. nicht Schä- 
tzung des werthes nach dem gewicht zuläßt, versteht man; wie es 
aber dadurch axtivtjiog werden könne hat sich verf. wohl selbst nicht 



Nr. 2. 31. Archäologie. 145 

für richtig halten. Sie gipfeln in den Sätzen, daß nicht bloß 
,ein gewaltiger unterschied zwischen hellenistischer und römischer 
naturanschauung l ) besteht", sondern auch erst bei den Kömern 
überall die eigentliche personificierung stattfindet (p. 306), sich 
eine anthropomorphische naturanschauung herausbildet und per- 
sönlicher antheil den naturgegenständen zugeschrieben wird. 
„Eine phantasie, welche in den äußeren erscheinungsformen der 
natur menschliche gestalten sieht, ist den Griechen überhaupt 
fremd" (p. 266). Ich möchte wissen, was denn anders die grie- 
chischen götter, die mythen und naturmärchen geschaffen, als 
jener plastische sinn der Hellenen, jener innere trieb, den em- 
pfangenen natureindruck in eine klare , fest umrissene, der idee 
und form nach harmonische d. h. schöne gestalt auszuprägen. 
Es ist eben dem menschen im gründe nichts so verständlich als 
das , was er in sich selbst erlebt , und so muß er bei betrach- 
tung und symbolisierung der natur anthropomorphisch oder an- 
thropopathisch verfahren. Die mythen bildende phantasie hyposta- 
siert das lebensvolle, das in den naturerscheinungen hervortritt, 
zu persönlichen göttlichen wesen , an die das fromme gemüth 
glaubt , und verwechselt diese mit den erscheinungsformen ; die 
phantasie des dichters vertauscht das in die erscheinung über- 
tragene ich mit dem gegenstände selbst ; so fühlt er sich den 
wellen des baches ein, und dieser scheint ihm jauchzend ins thal 
hinabzustürzen — aber es bleibt freier ästhetischer schein. Gerade 
eine solche poetische beseelung trat allmählich bei den Griechen, wie 
ich in meiner oben angeführten schritt dargethan habe , an die 
stelle der mythischen auffassung und führte so zum stimmungsbilde, 
in dem die gemüthsbewegung im gegensatz oder im einklang mit 
der naturscene steht , und zum reinen landschaftsbilde. Aber 
Gerber spricht nun die eigentliche personificierung den Griechen 
ab und leugnet eine antheilnahme der natur an den geschicken 
der menschen in ihrer poesie. Er thut es zunächst hinsichtlich 
der erde und länder (§ 1). Schon hier verräth sich sogleich 
der grundgedanke, der aufs äußerste von vorneherein befremden 

1) Ich kann nunmehr auf die soeben im druck vollendete fort- 
setzung meiner oben angeführten schrift verweisen: „die entwick- 
lung des naturgefühls bei den Römern" Kiel, Lipsius u. Tischer 1884, 
wo ich ausführlich dargethan habe, wie sich die römische naturan- 
schauung zu der griechischen verhält; vgl. hinsichtlich der Gerber' 
sehen ausführungen besonders p. 151 f. u. 192. 



146 31. Archäologie. Nr. 2. 






muß , daß die Kömer — die doch alles , was poesie und kunst 
heißt, von den Griechen gelernt haben ! — weit über diese hin- 
ausgegangen seien und eine ganz neue poetische naturauffassung 
begründet hätten. Und welche Römer sind es ? Vor allen im- 
mer wieder Claudian und Statius! Diese werden so mit ihren 
kalten, nüchternen, lediglich auf verstandesmäßiger reflexion be- 
ruhenden abstractionen — wie die Hispania in gold durch wirktem 
gewande, mit ölblättern im haar, die Gallia mit blondem haar etc. — 
in eine erstaunliche höhe der kunstleistung hinaufgeschroben. 
Wenn solche nur selten bei den Griechen sind , so ist es kein 
mangel , sondern ein vorzug ; eine lebensvolle , konkrete besee- 
lung oder Verkörperung — die nicht gleich den ganzen natur- 
gegenstand in eine menschliche gestalt braucht zusammenschrum- 
pfen zu lassen! — wiegt sie alle auf. Und solche lebensvollen 
personificierungen des erdbodens und der länder finden sich sehr 
wohl bei „Griechen und Alexandrinern" — um Gerber's etwas 
eigenthümliche Scheidung zu adoptieren — . Bei Vergil also findet 
Gerber Aen. III, 673 die tellus Italiae penitus exterrita, in angst 
und schrecken über das zornige gebrüll des geblendeten Poly- 
phem, und leugnet ähnliches für die griechische poesie. — Schon 
bei Homer heißt es II. XIX, 362 yslaaas 8s nnoa nsol x&wv, 
doch will ich das yshlv weder hier noch hymn. in Cerer. v. 15 
noch hymn. in Apoll, del. v. 118 das ptstStüv — urgieren, es 
mag da „glänzen" heißen ; wie steht es aber mit Theogn. v. 9 : 
iysXaaae 8s yala ttsXcüqt] | yq&TjGev 8s ßafivg jzovzog dX^g itoliijg? 
Doch ohne zweifei: es lachte . . und es freute sich. — Das 
ganze land um Troja haßt den Aias: Soph. Ai. 459 sx&st 8e 
Tgota nana Kai nt8ia rä8s, vgl. Eurip. Ion v. 919' itinst 6* a 
Jä\og nai ddcprai; | lursa qioivina nag aßnoxöpav ; bei Apollo- 
nios IV, 1169 lachen die gestade der insel und die bethauten 
pfade der gefilde ai d'iyeXaacaw ti-tuvss vrjaoio na! soai'jsaoat dnm- 
&sv j dtgannot neSicov, vgl. Lykophron Alex. 877 aXXovg 8s fit. 
vsg ot T« Tsv^EtQoov ns'Xag | [tvQftqxeg uid£ov<siv , Musaios v. 26 
äXtr^sa 7zoq&/uov Aßv8ov | sias'ti nov xXaCovta (togov Hat sgmra 
AsiivSqov. Eine volle und ganze personification im sinne Ger- 
ber's bietet uns Theokritos XVII, 64 ff., wo die insel Kos jauchzt, 
als auf ihr Ptolemaios geboren , und ihn mit segnenden worten 
in ihren armen wiegt: Köcog 5' oXoXv^sv löovaa, \ qä 8s xa&an- 
jo/jita ßgf'fpsog xsiQsaai ytlrjair, vgl. Jac. anth. II, p. 35 Anti- 



Nr. 2. 31. Archäologie. 147 

patr. Sidon. no. 99 : a lAtyuln 8" 1 A'tyvntog inr wh'xpaTO ^aitar | 
nu) nlaivg Evganag saTmrr/tjas döpog \ -au) 8' avzu 8iu nsvßog 
(tfjuvoco&siGa aiküta \ aotga xal ovgaviag atganttovg sltKsr. — 
Wird an diesen stellen nicht überall eine antheilnahme der natur 
vindiciert? — Ich füge gleich hier hinzu, daß ausätze hierzu 
sich auch in vielen anrufen von naturgegenständen finden. Gerber 
führt, — trotz seiner mehr spitzfindigen als scharfsinnigen bemer- 
kung auf p. 272, wo er scheidet, ob der dichter selbst oder nur 
der erregte mensch das an sich leblose beseelt, — selbst Oed. Tyr. 
1398 ff. an p. 303, vergl. ferner Aesch. Prom. v. 88 q> 8iog at- 
0>jQ . . Krönt . . nitfut . . yüj . .i8toß? «' o'ta , . kÜg^m, Soph. El. 
v. 86, Antig. 846, Philoct. 936,1080, 1452, Eurip. Herakl. 748, 
Herk. 790, Hipp. 979, 1126, Herk. 968 etc. — Die städte (§11) 
gehören streng genommen nicht zu der natur. In § III werden 
dem meer personification und personificierung „bei den Griechen 
und Alexandrinern" abgesprochen. Wo finden aber nach Ger- 
ber'scher theorie folgende stellen platz: Simon, fr. 37, 15: xs- 
Xouut 5' sbde ßgscpog, evSstw Ss kCitoc, bvöszoo 8 aftszgov y.nxcr, 
Aesch. Agam. 565 q &a\aog, svte nortog sv fisat]fißgtvalg\ xot- 
tatg u-avucov i^n'uoic evSot ksgcov vgl. Enrip. fr. ine. 146 Dind., 
Theokr. II, 37: hri8s Giyf t [asv Kovtag , atycövri 8' a-rjtai — ov 
oiyf, azsgviav fvroa&sv avia, Satyrios Jac. anth. II, 253 no. 5 in- 
dividualisirt hübsch rgrßvg aiyu (ASfAVxe Kogog, no. 6 yu\r\vnir\ 8s 
fiaXartaa [tsididei xgvsgär atgoptog e£ utsftoor vgl. Dionysii hymn. 
in Apoll. II, p. 230 no. 2, III, p. 215 no. 2 Theait. vnväsi 8s 
Oulnaan, Apollonid. 31, II, p. 226 xuiytt 8' apepi as — Atfgo- 
StTtj — noviog vnh £eq>vgoio nioijGir \ nßncv vnsg vcozov xvaisov 
yslüang. — Hinsichtlich der quellen und flüsse (§ IV) erkennt 
Gerber den Bukolikern Personifizierungen zu. Ich finde schon 
bei Aesch. Prom. 431: ßoiz 8s növtt,o< y.Xvdmr avfiKizrcov, ats'rsi 
ßv&og . . Kuyat & uyrogvriüv nmuuwr atstovaiv aXyog oixtgor, 
bei Pindar fr. 136: Üotqu ts Kai noxaytot xat xv^tuta kovtov | 
Ktoglav tav ativ uii/.y.'/ai'si (Härtung für uiaxalsi). In der helleni- 
stischen und späteren zeit ist dergleichen sehr häufig (Antiphilos! 
Jac. Anth. II, p. 165, no 39, Nounos!). — Auch in § V (nymphen, 
silene etc.) wird namentlich p. 292 viel zu viel den Römern im 
gegensatze zu den Griechen als originell beigelegt. Was bei 
diesen wirklich auf echter, in der anschauung schon dichtender 
poesie beruht, ist bei jenen nur zu oft nackte reflexion und ab- 



148 31. Archaeologie. Nr. 2. 

straction. — Auch was die berge (§ VI) , wälder und bäume 
anlangt, giebt es kaum etwas so stimmungsvolles bei den Rö- 
mern als das Alkmanische lied fr. 53 : svöovatv <5' cosoop xoqv- 
cpui ?£ na), qxkgayysg j nooöovs'g zu x«i ^agadgai y. r. X. Wenn 
Gerber Verg. Ecl. V, 62 ipsi laetitia voces ad sidera iactant j in- 
tonsi montes etc. anführt, so kann man einwenden, daß die natur 
in ihrem jubel unter der einwirkung der göttlichen nähe des 
zum himmel erhobenen Daphnis-Caesar steht — wie II. XIII, 
27 sich die woge vor freude theilt beim nahen des Poseidon 
oder wie Eurip. Bacch. 114 auch die natur vom dionysischen 
taumel ergriffen wird und das ganze land sich wirbelnd hebt 
im tanze; noch sinnvoller sagt Theokr. VIII, 41, daß die 
reizende Nais die natur in den bann ihrer Schönheit ziehe : wo 
sie weilt, ist allerwärts frühling, sprießen die weiden u. s. f. — 
Bäume, sterne, Schluchten, flüsse und thiere werden von den 
hirten Theokrit's als zeugen angerufen und wie mitempfindende 
wesen begrüßt I, 117, 132; II, 165; V, 124, VIII, 33— 38. — 
Ist nicht auch in Verg. Ecl. VI, 29 : nee tantum Phoebo gaudet Par- 
nasia rupes | nee tantum Rhodope miratur et Ismarus Orphea — wun- 
derbarer, göttlicher gesang einwirkend? Und wenn Gerber bei 
den Bukolikern z. b. Bion epit. Adon. v. 31 aota ndvra Xtyovri 
xou öuvsg ul tuv " sJdoortv x. r. X. dahin abschwächen will, daß 
Bion hier nur den natürlichen wiederhall der adonisklage als be- 
wußte antheilnahme auslegt, so müßte das gleiche doch auch von der 
angeführten Vergil-stelle Ecl. VIII, 22 gelten : Maenalus argutumque 
nemus pinosque loquentis Sempier habet, semper pastorum ille audit 
amores. Wie viel intensiver als das pinos loquentis, als das audit 
— oder pavet silva, pavent montes Val. Flacc. Arg. III, 584 — sind 
die beseelungen bei den Griechen ! Akontios in der Kallimachei- 
schen Kydippa sucht trost für seine liebesleidenschaft im walde 
und überträgt diese selbst in sentimentalem schmerz auf die bäume 
vgl. Dilthey p. 130. Schon bei Aristophanes heißt es Nub. 1008 
onorav nXarui'og tiieXecc \pidvoit,r h Theokr. 1,1:« niivg ro ipt- 
&V(jia[xa [xeXCödsrai , in der oaoiöTig v. 57: dXXijXatg XuXhivgi 
teop yd^ov al xvndgtaaoi, vgl. Nonn. III, 68, V, 354: y&sy^ua&e 
xoXwvai . . . eins KiOuinäv, XV, 297, 398 ff. . . ^aigsts juoi ano- 
mal je xa) o'vuka, ^aigtzs nrjyai x. t. X. XVI, 224. 270. 291. 
363 etc. Ich schließe mit der ganz modern romantischen Schil- 
derung des Longos I, 23 : ijoog iji» 'i'jStj zeXog aai öigovg uq%7] 



Nr. 2. 32. Miscellanea. 149 

xui nuizu tr otxfiß Öi>8(ju st> xagnoig, ntdui ev Xqioit; ■ r/deia (isv 
•zezuyaji' i t ^i t ' yXvxsla öt uucogag odfitj ■ Ttfjuvij ds noifivitnt ß^tjffl • 
gtxaatv «i 7t 5 - x«( toi'» notafiove adstv /jQSfmt gsoviag xui xoutj avsfiovg 
avniiztii iui± nizvaiv Eftni'sovius xui ta /lijXa sgcovza ninniv ya.yi.ai 
xui rot rjXtot <ptXoxuloi gptu auvtag unoövew. Alfred Biese. 

32. Symbolae Ioachimicae. Festschrift des königlichen 
Joachimsthalschen gymnasiums. Aus anlaß der Verlegung der 
anstalt veröffentlicht von dem lehrer-collegium. 2 bände. Berlin, 
Weidmannsche buchhandlung. 1880. 8. 

Bei der Verlegung des Joachimsthalschen gymnasiums aus 
Berlin nach Wilmersdorf hat das lehrer-collegium, von jeher durch 
einen oder den andern großen gelehrten ausgezeichnet, diesen 
alten ruf der anstalt aufrecht erhalten wollen und eine zwei- 
bändige festschrift mit beitragen fast sämmtlicher an derselben 
wirkenden wissenschaftlichen lehrer herausgegeben. Es befinden 
sich darunter neun der alten philologie angehörige und vier in 
lateinischer spräche abgefaßte abhandlungen, so wie eine gleich- 
falls lateinisch geschriebene geschichte des gymnasiums. Es sind 
dies, im ersten bände : 

1. Cäsars antesignanen , von H. Planer. Der Verfasser 
sucht zu zeigen, daß Cäsar seine antesignanen erst beim beginn 
des bürgerkrieges als etwas neues in die legion eingeführt habe, 
weil sie nämlich im gallischen kriege nirgends erwähnt werden ; 
daß sie nicht", wie etwas abweichend von einander Göler und 
Rüstow meinen, die vor der front kämpfenden truppen, ähnlich 
den früheren velites , gewesen sind, sondern daß sie das erste 
glied einer jeden in Schlachtordnung gestellten cohorte bildeten, 
in deren zweitem gliede sich die fahne befunden habe, und daß 
ihnen deshalb ihr name gegeben worden sei-, daß er sie als eigne 
truppe bei Ilerda (BCiv. I, 44) verwendete ; daß er am Ge- 
nusus die antesignanen der beiden legionen des nachtrabs zur 
Verstärkung der reiterei verwendet haben wird (BCiv. III, 75); 
endlich, daß die im BAfric. 75. 78 erwähnten electi oder expediti 
vielleicht mit diesen antesignanen identisch gewesen seien , we- 
nigstens dieselbe Verwendung gehabt haben. Nach dieser auf- 
fassung haben die antesignanen bei Cäsar eine andere Stellung 
eingenommen als die , welche ihnen bei Livius in den früheren 
Zeiten gegeben wird. Der Verfasser gesteht selbst ein , daß bei 
Philo!. Anz. XIV. 11 



150 32. Miscellanea. Nr. 2. 

dem mangel an genauen angaben über diesen punkt der römi- 
schen heereseinrichtung vermuthungen die Kicken der nacbrichten 
ergänzen müssen. Jedenfalls findet man in der abbandlung 
alles zusammengestellt, was von den alten Schriftstellern über 
den gegenständ mitgetheilt wird. 

2. Capitis deminutio, von H. Genz. Der Verfasser führt 
die fälle an, in denen die capitis deminutio maxima, welche die 
freiheit, media oder minor, welche das bürgerrecht, minima, welche 
die familie raubte, einzutreten pflegte, so wie die folgen, welche 
sie für den davon betroffenen nach sich zogen. Die deminutio 
minima war zwar nur der verlust der bisherigen familienstellung, 
berührte aber dadurch auch die bürgerliche Stellung, da man 
eben nur in der familie die geltung des bürgers hatte. Durch 
diese anschauung sucht der Verfasser eine einheitliche definition 
für caput und für capitis deminutio, verlust der bürgerlichen gel- 
tung, zu gewinnen ; er meint, daß die Unterscheidung durch jene 
beiwörter wenig wesentlich war, daß sie eigentlich nur von den 
Juristen theoretisch aufgestellt worden sei. 

3. Aphorismen zur beurtheilung der solonischen Verfassung, 
von H. Dondorf f. 

Dondorff glaubt, daß für ausbildung der Verfassungen in 
Griechenland in der zeit von 600 bis 500 mehr geschehen sei, als 
in den ruhmreichsten jähren desselben zwischen 500 und 400. Im 
ersten abschnitt seiner abhandlung beurtheilt er die solonische Ver- 
fassung im theoretischen sinne ; er hält sie, unter berücksichtigung 
der Verhältnisse , für die erdenkbar beste , besonders weil sie 
nicht nur das materielle wohl der bürger, sondern ihre ethische 
Vervollkommnung in's äuge fasse. Warum sie praktisch nicht 
sogleich boden gewinnen konnte , führt er in einem zweiten ab- 
schnitt aus; er findet den grund in dem durch die neuen ein- 
richtungen noch lebhafter angestachelten parteigegensatz der Pe- 
diäer , der Diakrier und der Paralier und ihrer führer Lykurg, 
Pisistratus und Megakles , welcher sich erst ausgleichen mußte, 
ehe, mit den modificationen des Klisthenes, die solonische Ver- 
fassung geltung erlangen konnte. 

4. Ad res sacras cognoscendas cuiusnam momenti sint 
scholia Aristophanea. Scripsit P. Stengel. 

Der Verfasser hebt zuerst von den auf die religionsgebräuche 
bezüglichen scholien diejenigen heraus, welche anderweitig ver- 



Nr. 2. 32. Miscellanea. 151 

bürgtes enthalten, sodann diejenigen, welche wahrscheinlich oder 
doch vermuthlich richtiges anführen, endlich diejenigen, welche 
entschieden falsches angeben; er glaubt, daß, wenn man auch 
nach andern richtungen hin die scholien gesondert haben wird, die, 
welche späteren Zeiten angehören und darum weniger glaubwürdig 
sind, von den älteren sich werden scheiden und ausmerzen lassen. 

5. Quibus ex fontibus petiverit Diodorus libr. III, capp. 
1 — 48. Scripsit Gr. F. Schneider. 

Schneider zeigt , daß Diodor das fünfte buch des Agathar- 
chides über das erythräische meer in den kapiteln 12 flg. aus- 
geschrieben habe; in einem excurse über das leben dieses Schrift- 
stellers kommt er zu dem schluß , daß derselbe zu ende des 
dritten und zu anfang des zweiten Jahrhunderts v. Chr. gelebt 
haben müsse. Die beschreibung Aethiopiens dagegen scheinen 
ihm Strabo sowohl wie Diodor aus Artemidorus hergenommen 
zu haben. Die vergleichung beider wird mit genauigkeit in 
allen einzelheiten durchgeführt ; dies macht das lesen des auf- 
satzes etwas mühsam, besonders bei dem hier und da wenig gut 
gewählten lateinischen ausdruck. Wenn man z. b. bereits behauptet 
hat (p. 229 j: Apud illos scriptae sunt quaedam res quae prorsus 
inter se discrepent , kann man wohl nicht fortfahren : Videamus 
igitur , quae res quam secum dissentiant , sondern vielmehr: Quae 
res quomodo (oder quantopere) inter se dissentiant iam erit videndum. 
— Der Verfasser hat seitdem besonders erscheinen lassen : De 
Diodori fontibus libr. I — IV, Berlin 1880. Gegen seine (und 
anderer) ansieht, daß Diodor in einzelnen theilen seiner biblio- 
thek nur immer eine quelle vor sich gehabt und ausgeschrieben 
habe, so wie gegen verschiedene einzelheiten erklärt sich Evers 
in „Ein beitrag zur Untersuchung der quellenbenutzung bei 
Diodor. (Festschrift zu dem fünfzigjährigen Jubiläum der König- 
städtischen realschule) Berlin 1882", in welcher abhandlung sich 
auch die ganze literatur dieser frage zusammengestellt findet. 
Schneider hat, worin er von Evers abweichen zu müssen glaubt, 
in seiner recension dieses programms in „Mittheilungen aus der 
historischen litteratur , herausgegeben von der historischen ge- 
sellschaft in Berlin, redigiert von Ferd. Hirsch" X. Jahrgang, 
4. heft p. 312 flg. angegeben, aber trotz einer erwiderung von 
Seiten Evers', ebenda p. 375 flg. , erklärt er in seiner replik, 
ebenda p. 378, bei seiner ansieht verharrend : adhuc sub iudice lisest, 

11* 



152 32. Miscellanea. Nr. 2. 

6. De titulis Graecis christianis commentatio altera. Scripsit 
dr. Julius Ritter. [Die erste abhandlung befindet sich im 
programm des Joachimsthalschen gymnasiums 1877.] 

Der Verfasser bringt in diesem zweiten theil seiner abhand- 
lung die von Kirchhoff im C. I. Gr. veröffentlichten inschriften, 
welche nicht von grabmälern herrühren, unter besondere rubriken, 
sich zugleich darüber aussprechend, warum diese art der christ- 
lichen inschriften sich zum theil von den heidnischen wenig 
oder gar nicht unterscheiden. 

7. Die absichtssätze bei Lucian. Erster theil: "Iva cot,- oncog. 
Behandelt von dr. H. Heller. 

Zur ausarbeitung dieses aufsatzes hat den Verfasser die Über- 
zeugung veranlaßt, daß die syntax der griechischen spräche noch 
nicht so vom Standpunkt der historischen grammatik behandelt 
worden ist, wie die der deutschen und der lateinischen ; zu einer 
solchen liefert er eine Vorarbeit, die für ein beschränktes feld 
in völlig erschöpfender weise das material zusammenbringt. 

Danach hat Iva Lucian nur sechsmal als relativ, hundertund- 
sieben mal in finaler bedeutung und zwar regelmäßig mit dem 
conjunctiv , selbst nach den Zeitformen der Vergangenheit , nur 
achtmal mit dem optativ, fünfmal mit dem indicativ eines histo- 
rischen tempus ; und von den letzten stellen sind noch einige 
angefochten, besonders wegen des dabei gebrauchten «/-, da nur 
eine stelle, und das auch nur gezwungen, die bedeutung „wo" 
gestattet. An zwei stellen scheint Iva in der bedeutung „so 
daß" aufgefaßt werden zu müssen. 

'.Qi,', damit, kommt bei Lucian über dreihundertmal vor, mit 
dem conjunctiv des präsens nach einem präsens oder futurum, 
mit dem optativ nach einem präteritum ; a>^ av mit conjunctiv 
und optativ. "Onca* bei ihm, wie bei andern Schriftstellern, über- 
wiegend mit dem futurum, doch auch mit conjunctiv und optativ. 
Die sämmtlichen beispiele sind abgedruckt. 

Absichtlich hat Heller auch die stellen wahrscheinlich oder 
zuverlässig unechter Schriften Lucians mit aufgenommen und sich 
auf die kritik der Überlieferung nur hier und da, und das ohne 
entscheidungen geben zu wollen, eingelassen. — Dies der erste 
band. Es folgen im zweiten bände : 

8. Tres Gymnasii Ioachimici aetates. Scripsit Oscar 
Schmidt. 



Nr. 2. 32. Miscellanea. 153 

Wenige waren wohl so berufen, die geschiente des gymna- 
siums zu schreiben wie der Verfasser, der ihm mehrere jähre 
hindurch als schüler, und bald ein halbes Jahrhundert als lehrer 
angehört hat. — Es sind dem bände drei ansichten beigegeben : 
1) die fiirstenschule zu Joachimsthal 1607 — 1636-, 2) gymnasium 
regium Joachimicum (zu Berlin) 1717 — 1880-, 3) das könig- 
liche gymnasium bei Berlin. 1880. 

9. Das vierte buch der öden und der säculargesang des 
Q. Horatius Flaccus. In den Versmaßen des Originals in's deutsche 
übertragen von dr. E. Buch holz. 

Wer Horaz schon kennt , wird sich auf das original be- 
schränken ; wer ihn in diesem nicht lesen kann, weil er der la- 
teinischen spräche nicht mächtig ist, wird durch diese Übersetzung 
nicht verführt werden, die bekanntschaft des dichters zu machen. 

Den schluß des zweiten bandes macht der director C. 
Seh aper mit der Schilderung des abschieds der Joachimsthaler 
von dem alten haus. Er hat auch mit seiner abhandlung den 
anfang des ersten bandes gemacht; ich habe sie bis zuletzt auf- 
gespart, weil ich über sie das meiste zu berichten habe: 

10. Caroli Schaperi, Quaestionum Vergilianarum liber 
primus. De eclogis. 

In dieser abhandlung unternimmt es der Verfasser, von ihm 
früher in seiner ausgäbe der bukolischen gedichte oder in Pro- 
grammen aufgestellte ansichten zu rechtfertigen , die gegen sie 
erhobenen einwendungen zurückzuweisen. Er hat früher be- 
hauptet, die verse 7. 8. 42. 43 der ersten ekloge könnten nicht 
im jähre 713 geschrieben sein, weil darin gesagt werde, daß für 
Octavian, was er nicht würde geduldet haben , opfer eingeführt 
worden seien (sacra instituta). Das brauchte gar nicht der fall 
zu sein , wenn ein einzelner aus dankbarkeit ihm privatim ein 
opfer brachte. Andererseits macht er keine einwendung dagegen, 
daß Octavian in dem in jenem jähre geschriebenen gedieht gott 
genannt werde , während er in einer anmerkung Philo und 
Mommsen citirt, um zu beweisen , daß derselbe über die anrede 
„gott" unwillig wurde. Wenn er die anrede nicht litt, mußte 
ihm in gleicher weise die benennung unangenehm sein. Er be- 
klagt sich, daß sein gegner Glaser sich auf dem räum von vier 
Seiten widerspreche ; er selbst widerspricht sich ganz sorglos auf 
derselben seite. Ferner führt er dafür , daß Augustus in der 



154 32. Miscellanea. Nr. 2. 

ersten zeit nicht für einen gott angesehen werden wollte, Hör. 
C. III, 25, 4 — 6 und Epist. II, 1, 15 an, übersieht oder ver- 
schweigt dagegen C. I, 2, 41 — 75 und 12, 51 — 54. Daß jene 
vier verse durchaus erst nach dem jähre 724 hinzugefügt sein 
könnten, wird Schaper schwerlich einem andern als sich selbst, 
nicht einmal seinen schülern einreden. — Für den 66. vers der 
ersten ekloge sucht er seine emendation 

Nos Scythiam, certe rapidum veniemus ad Oxum 
durch Aen. I, 326 

haud tibi vultus 

Mortalis nee vox hominem sonat, — o dea certe 
zu stützen. Aber hier soll certe die plötzlich deutlich gewordene 
Überzeugung von der Übereinstimmung der erscheinung mit dem 
bisher nur vermutheten Charakter der göttin ausdrücken. Wenn 
Meliboeus und seine leidensgefährten am ende ihrer Wanderung 
endlich den ihnen früher beschriebenen Oxus vor sich sähen, 
könnten sie, an seiner reißenden Strömung ihn erkennend, ausrufen : 

certe hie rapidus, quem cernimus, Oxus, 
nimmermehr aber konnte der hirt , der eben jetzt seine Wande- 
rung antritt und erst dahin gelangen soll, es mit den von Schaper 
ihm in den mund gelegten worten ankündigen. 

In der zweiten ekloge scheint ihm (wie schon Voß und La- 
dewig) der dichter nur mit Theokrit's 11. idylle gewetteifert zu 
haben und eine beziehung auf Vergil's persönliche Verhältnisse 
ganz ausgeschlossen zu sein. Gewiß richtig. Nur der grund, 
den Schaper beibringt, ist hinfällig. „Ziemte es dem dichter", 
meint er, „von dem griechischen schriftsteiler seine worte zu ent- 
lehnen , um die macht wahrer liebe auszudrücken , oder seine 
kunst zu erheben, oder das landleben zu loben"? Warum nicht? 
Vergil hat namentlich in der Aeneide so viel geborgt, daß man 
ihm auch das zutrauen kann. Oder hätte Göthe sich schämen 
müssen, wenn er, um die leidenschaftliche liebe Wilhelm Meister's 
zu schildern, einzelne züge den römischen elegikern entnimmt, 
und Schiller, weil er, um die Wirksamkeit der tragischen muse, 
seiner eigenen kunst , zu zeigen , in den kranichen des Ibykus 
Aeschylus' Eumenidenchor theilweise übersetzt hat? 

In der dritten ekloge weist Schaper die vermuthung Gla- 
ser's, die verse 95. 99. 102 möchten wohl Sticheleien gegen 
Damoetas enthalten, zurück und faßt sie wörtlich auf; sie schei- 



Nr. 2. 32. Miscellanea. 155 

nen ihm sogar — merkwürdiger weise — ernste und ge- 
wichtige dinge in scherzhaftem gewande zu enthalten. Aber 
noch merkwürdiger sind die begriinduugen. Um zu beweisen, 
daß die hitze wirklich die euter der schafe oder ziegen aus- 
trockne, führt er stellen aus Varro und Columella an, in welchen 
bemerkt wird , daß es für das vieh gut ist , ihm in der heißen 
Jahreszeit vor der mittagshitze schütz zu gewähren, nebenbei aus 
einer etwas ganz anderes sagenden stelle Vergil's (Georg. III, 
308), wo von der läge der stalle die rede ist, hinc largi copia 
lactis einschmuggelnd. Auch wir menschen suchen, weil es uns 
zuträglich ist, im sommer gegen die sonnengluth den schatten 
auf, aber nicht in der besorgniß, daß uns die milch eintrocknen 
könnte. — Die verse 84 — 91 scheinen ihm erst nachträglich, 
bei der emendation , dem gedieht einverleibt worden zu sein. 
Sollte Vergil , bei größerer reife des urtheils , es für passender 
gehalten haben als im beginn seiner dichterischen laufbahn , li- 
terarische urtheile in ein bukolisches gedieht einzuschalten ? 
Schwerlich. Und guckt nicht überall in den eklogen das gesiebt 
des literaten aus dem lose umgehängten Schafpelz des hirten hervor ? 
In der vierten ekloge vertheidigt Schaper seine ausstoßung 
des namens Pollio im 12. verse, zuerst aus metrischen gründen, 
weil von einer solchen elision vor einer interpunetion {Pollio ; et) 
kein beispiel weiter in den eklogen vorkomme (? vergl. VII, 8, 
III, 88). Auch eine Schleifung aus dem dritten in den vierten 
vers der sapphischen Strophe wie Iove non probante u — xorius 
amnis kommt in den öden des Horaz nicht wieder vor, und doch 
hat deshalb niemand diesen vers anzuzweifeln gewagt. Was 
nur einmal vorkommt, ist darum noch nicht verdächtig. Ferner 
giebt er sich viele mühe nachzuweisen , daß mit consule nicht 
Pollio, sondern nur Augustus gemeint sein könne, der demnach 
nicht bloß consul , sondern auch Apollo sein würde. Ich sehe 
alle diese Schwierigkeiten in der nennung Pollio's nicht; die 
Römer hatten einmal diese gewohnheit, sämmtliche ereignisse, die 
vorkamen, durch die angäbe der consuln des Jahres, in dem sie 
sich zugetragen hatten, zu bezeichnen, auch wenn diese sie nicht 
herbeigeführt hatten und ganz unschuldig daran gewesen waren. 
Nur daß man unter dem nascens puer, wie Benoist noch geglaubt 
hat annehmen zu können , nicht den längst geborenen söhn des 
Pollio zu verstehen hat, — ein dem Servius entlehnter einfall, 



156 Bibliographie. Nr 2. 

den Schaper mit mehr gründlichkeit als nöthig gewesen wäre, 
zurückweist. 

In seinen bemerkungen zur fünften ekloge widerlegt Schaper 
den italienischen gelehrten Agrestio , der vor kurzem in einem 
zu Neapel erschienenen buche Studii critici sulla Bucolica di Vir- 
gilio wieder die alte tradition, daß unter Daphnis nur Cäsar ver- 
standen werden könne, hervorgesucht hat. 

Zu der sechsten ekloge wiederholt Schaper seine ansieht, 
daß sie erst nach dem tode des Gallus geschrieben sein könne. 
Wenn auch apium nach Plinius bei dem zu ehren verstorbener 
gehaltenen leichenschmaus seine Verwendung fand , so kann es 
in dieser fiction, nach welcher Linus, mit ihm bekleidet, den 
doch damals noch lebenden Gallus führte, eine auf den tod deu- 
tende beziehung nicht gehabt haben. Und die römischen dichter, 
auch Vergil, haben uns doch hinreichend an Übertreibungen ge- 
wöhnt , um es uns nicht mehr auffallend finden zu lassen , daß 
ein neuling wegen der kunstbestrebungen , denen er sich eben 
erst widmet, gefeiert wird. 

Für die achte ekloge nimmt Schaper seine früher geäußerte 
ansieht, daß die verse 6 — 13 wahrscheinlich im jähre 30 v. Chr. 
verfaßt sind, so wie seine abtheilung der Strophen, ohne beibrin- 
gung neuer gründe, wieder auf. 

In der neunten weist er Glaser's vermuthung, daß der baupt- 
inhalt auf eine aufforderung des Varus hinauslaufe, dem dichter 
sein abermals (im juni 40) gefährdetes gütchen durch empfehlung 
bei Octavian erhalten zu wollen, zurück. 

In der zehnten tritt er der von Glaser adoptirten auffassung 
Gevers' entgegen, welcher in ihr eine reine parodie erkannt ha- 
ben will (ad risum captandum eam esse compositam). — Man muß 
Schaper recht geben , wenn er am eingang seiner abhandlung 
klagt, daß eine hauptschwierigkeit bei der erklärung der eklogen 
in der beseitigung so vieler verkehrter einfalle alter und neuer 
interpreten besteht. Schlimm genug , daß er seine eigenen hat. 

H. J. Heller. 



Bibliographie. 

Versendet ist ein bericht von G. Freitag in Leipzig über 
die in dessen verlag erscheinende Bibliotheca scriptorum Graecorum 
et Romanorum edita curante Car. Schenkl, von der eine reihe 
einzelner bändchen erschienen sind. 



Nr. 3. ' Bibliographie. 157 

F. A. Perthes in Gotha hat ausgegeben den dritten bericht 
der Bibliotheca Gothana , Schulausgaben griechischer und lateini- 
scher classiker. 

Angekündigt wird : „Norddeutsche Verlagsanstalt" von O. 
Gödel in Hannover, die auch philologische werke zu verlegen 
sich erbietet. 

Erschienen ist bd. I, hft. 1 der: Internationalen Zeitschrift 
für allgemeine Sprachwissenschaft unter raitwirkung von L. Adam 
. . . Wundt und andern gelehrten des in- und ausländes her- 
ausgegeben von F. Techmer. 8 mag. Leipzig, A. Borth: sehr 
schön gedruckt und mit vielen abbildungen versehen. 

Angekündigt wird : Centralblatt für bibliothekswesen . . von 
O. Hartwig und K. Schulz. Leipzig, Harrassowitz und heft 1 
ausgegeben. 

Probenummer und prospect ist erschienen von: „Blätter für 
höheres Schulwesen" von dr Fr. Aly in Magdeburg, verlag von 
Fr. Weiß nachfolger (H Söderström) : die „specielle Vertretung 
der berufs und standesangelegeuheiten der höhern lehrer" soll 
besonders ins äuge gefaßt werden und noch vielerlei anderes. 

Zugesendet ist : The Piatonist, an exponent of the philoso- 
phic truth, edited by Th. Johnson, hft. 1 des zweiten Jahrgangs ; 
besteliungen und Zusendungen sind zu senden nach Osceola St. 
Clair Co., Missouri. — Man sieht, an Zeitschriften mangelt es nicht. 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in 
Leipzig 1883, nr. 6 kündigt in abth. I an: Aristarchs home- 
rische textkritik , nach den fragmenten des Didymos dargestellt 
und beurtheilt von Arthur Ludwich: — Cassiani Bassi schola- 
stici Geoponica , recognovit H. Beckh ; — Scriptores historiae 
Augustae, iterum recensuit et apparatum critium addidit H. Peter. 

H Kerler 's antiquariat in Ulm offerirt eine reihe wichtiger 
philologischer werke zu billigen preisen , darunter M. Schmidts 
ausgäbe des Hesychius , Pindar's siegesgesänge und Sammlung 
kyprischer inschriften von demselben, Gaza von L. Stark u.s.w. 

Verzeichniß ausgewählter werke aus dem verlag der Weid- 
männischen buchhandlung in Berlin, welche zu bedeutend ermä- 
ßigten preisen zu beziehen sind. Gültig bis ende des j. 1884. 

Preisherabsetzung wichtiger werke aus dem verlag von 
Meier und Müller in Berlin, franz. -str. 38. 39. 

W. Lübke und C. von Liitzow denkmäler der kunst, fünfte 
aufl. bei P. Neff in Stuttgart, kostet jetzt 40 rak, früher 180 mk. 

Cataloge der antiquare : catalog nr. 80 des bücherlagers von 
J. Jolowitz in Posen ; — H. Kerler in Ulm, verzeichniß wichtiger 
werke; — W. Koch und Reimer in Königsberg i. Pr., Lagerka- 
talog nr. 1 Auetores Graeci et latini (s. Pt Anzeig. 1884, nr. 4); 
— W. J. Peiser, (Louis Mayer) in Berlin, lagercatalog fs. Keichs- 
Anz. nr. 294); — Schletter sehe buchhandlung (Franck u. Wei- 
chertj in Breslau, catalog nr. 12 (s. R Anzeig. nr. 8j; — C. T. 



158 Bibliographie. Nr. 3. 

Völcker in Frankfurt a. M. 105 verzeichniß des antiquarischen 
bücherlagers. 

Verzeichniß der wichtigeren Publikationen auf dem gebiete der alter- 

thumswissenschaft. 1884. IL 

Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

52. Adamy, Rud., architectonik auf historischer und aesthetischer 
grundlage. 2. bd. 1. abth.: architectonik der altchristlichen zeit, 
umfassend die altchristl. byzantin., muhamedan., karoling. kunst. 1. 
hälfte. Mit 60 holzschn. Hannover, Helwing 1884. 8. 144 p. 4 ink. 

53. — - , einführung in die antike kunstgeschichte. Mit 123 
illustr. Hannover, Helwing 1884. 8 V, 194 p. 3 mk. 

54. Album der ruinen Rom's in 12 ansichten und pläuen nebst 
einem Stadtplane vom j. 1877. Mit einleitung und tafelerklärung von 
F. Reber. Leipzig, Weigel 1883. 8. In leinw.- mappe. 30 mk. 

55. Anton , J. R. W. , de origine libelli nt-ol tpv%as xvGfiio xai 
gvmog inscripti, qui vulgo Tiuiaeo Locro tribuitur. Pars I, fasc. 1. 
Erfurt, Villaret 1883. 8. VII, 176 p. 6 mk. 

56. Archiv für lateinische lexicographie und grammatik mit ein- 
schluß des älteren mittellateins. Als Vorarbeit zu einem Thesaurus 
linguae latinae mit Unterstützung der bayerischen akad. d. wiss. her- 
ausgeg. von Ed. U 7 Slffiin. l.jahrg. 4 hefte. Leipzig, Teubner 1884. 8. 

57. Aristophanis Ecclesiazusae rec. Adph. v. Velsen. Leipzig, 
Teubner 1884. 8. VIII, 96 p. 2 mk. 40 pf. 

58. Autenrieth, Georg, Wörterbuch zu den homerischen gedichten. 
Für schüler bearb. Mit vielen holzschn. und 2 karten. 4. verb. aufl. 
Leipzig, Teubner 1884. 8. XVI, 361 p. 

59. Bolm, R., die stoa könig Attalos des zweiten zu Athen. Mit 
2 kupfertafeln. Berlin, Ernst u. Korn 1882. 4. (Aus Zeitschrift für 
bauwesen). 3 mk. 

60. Brambach, W. , die musikliteratur des mittelalters bis zur 
blüthe der Reichenauer sängerschule 500—1050 n. Chr. Karlsruhe. 
(Leipzig, Teubner in comra.). 1884. 4. II, 27 p. 2 mk. 

61. Buchholz, E., die homerischen realien. 2. bd. : öffentliches 
und privates leben. 2. abth.: das privatleben der Griechen im heroi- 
schen Zeitalter. Auf grundlage der homerischen dichtungen dargestellt. 
Mit 1 tafel. Leipzig, Engelmann 1884. XII, 332 p. 5 mk. 

62. Corpus iuris civilis. Ed. stereotypa fasc. XL Novellae XXII 
— XLIII recogn. Rud. Schoell. Berlin, Weidmann 1884. 8. (Bd. HI, 
p. 153—272). 

63. Du Gange , Carolus Du Fresne , dominus, glossarium mediae 
et infimae latinitatis conditum a ; auctum a monachis ordinis S. Bene- 
dicti cum supplementis integris D. P. Carpenterii, Adelungi aliorum 
suisque digestis G. A.L. Henschel, sequuntur glossarium Gallicum, ta- 
bulae indices auctorum et rerum, dissertationes. Ed. nova aucta plu- 
ribus verbis aliorum scriptorum a Leop. Favre. Tom I : A - Bar. 
Niort, (Berlin, Calvary) 1884. 4. LXXV, 576 p. 16 mk. 

64. Enmann, Alex., eine verlorene geschichte der römischen kai- 
ser und das buch de viris illustribus urbis Romae. Quellenstudien im 
Philologus hrsg. v. E. v. Leutsch. 4. suppl.-bd. heft 4. 

65. Euripidis fabulae ed. Rud. Prinz Vol. I, pars 4: Hecuba. 
Leipzig, Teubner 1884. 8. VII, 56 p. 1 mk. 60 pf. 

66. Furtwängler , A., der goldfund von Vettersfelde. 43. progr. 
zum Winckel mannsfeste der archäolog. gesellsch. -zu Berlin. Mit 3 
tafeln. Berlin, G. Reimer 1883. 4. 54 p. 3 mk. 

67. Genick, A. , griechische keramik. 40 taff. ausgewählt und 



Nr. 3. Bibliographie. 159 

aufgenommen. Mit einleitung und beschreibung von A. Furtwlinyler. 
Berlin, Wasmuth 1883. 4. in mappe. 24 p. 80 p. 

68. Gerhard, Ed., etruskische spiegel. 5. bd. Im auftrage des 
kais. deutschen archäolog. Instituts bearb. von A. Klügmann und G. 
Koerte. Heft 1. Berlin, Reimer 1884. 4. 16 p. 10 taff. 9 mk. 

69. Gregorovius, Ferd., der kaiser Hadrian. Gemälde der römisch- 
hellenischen weit zu seiner zeit. 2. neugeschrieb. aufl. Stuttgart, 
Cotta 1884. 8. X, 505 p. 12 mk. 

70. Grünauer, E., kritische Bemerkungen zum texte des Livius. 
Winterthur 1882. 4. 12 p. (Basel, Schneider). 

71. Guridt, Ludw. , die briefe Cicero's an M. Brutus. In bezug 
auf ihre echtheit geprüft. Im Philologus hrsg. v. E. v. Leutsch. 4. 
suppl.-bd. heft 5. p. 551—630. 

72. Homeri Odyssea ed. Guil. Dindorf. Ed. V correctior quam 
curavit C. Hentze. Leipzig, Teubner 1884. 8. 2 partes. XXII, 204; 
VI, 194 p. 1 mk. 50 pf. 

73. Hubrich , Theod., de diis Plautinis Terentianisque. Königs- 
berg (Beyer) 1883. 8. 134 p. 1 mk. 60 pf. 

74. Justus , J. . das christenthum im lichte der vergleichenden 
sprach- u. religionswissenschaft und in seinem gegensatze zur aristo- 
telisch-scholastischen speculation. Wien, Gerolds söhn in Comm. 1883. 
8. VIII, 244 p. 4 mk. 

75. Kleinpaul, Rud., Neapel und seine Umgebung geschildert. 
Mit ca. 150 illustr. Heft 1 ff. Leipzig , Schmidt und Günther 1883. 
fol. (ä 1 mk.). 

76. Koertiny, Gust, encyclopädie und methodologie der romanischen 
philologie. Mit besonderer berücksichtigung des französischen und ita- 
lienischen. 1. theil. [1. buch: erörterung der vorbegriffe. 2. buch: 
einleitung in das Studium der romanischen philologie.] Heilbronn, 
Henninger 1884. 8. XVI, 244 p. 4 mk. 

77. Lange, Ludw., de sacrosanctae potestatis tribuniciae natura 
eiusque origine commenfatio. Leipzig (Hinrichs sort.) 1883. 4. 43 p. 
1 mk. 60 pf. 

78. Lysias ausgewählte reden erkl. von Rud. Rauchenstein. 1. 
bdchn. 9. aufl. besorgt von dr. K. Fuhr. Berlin, Weidmann 1883. 
8. XIII, 165 p. 1 mk. 50 pf. 

79. Monumenta tachygraphica codicis Parisiensis latini 2718 trans- 
scripsit adnotavit edid. Guil. Schmitz. Fase. IL S. Iohannis Chryso- 
stomi de cordis compunetione libros II latine versos continens. Ad- 
ieetae sunt XV tabulae phototypicae notarum simulacra exhibentes. 
Hannover, Bahn 1883. 4. VII, 31 p. in mappe. 

80. Nissen, Heinr., italische landeskunde. l.bd.: land und leute. 
Berlin, Weidmann 1883. 8. VIII, 566 p. 8 mk. 

81. Ocerbeck, Joh. , Pompeji in seinen gebäuden, alterthümern 
und kunstwerken dargestellt. 4. im vereine mit Aug. Mau durchgearb. 
u. vermehrte aufl. mit 30 größeren ansichten u. 320 holzsch. im texte. 
Leipzig, Engelmann 1884. 8. XVI, 176 p. 20 mk. 

82. Ovidii Nasonis, P. fasti, scholarum in usum ed. O. Güthling. 
Leipzig, Freytag 1884. 8. XXIV, 141 p. 75 pf. 

83. Plato's ausgewählte dialoge erkl. von C. Schmelzer. 6. bd. 
Menon. Entyphron. Berlin, Weidmann 1883. 8. 111 p. Irak. 20pf. 

84. Roth, Carl Ludw., römische geschichte nach den quellen er- 
zählt. In 2. neu bearb. aufl. hrsg. von Adf. Westermayer. 1. theil: 
von der gründung der stadt Rom bis zur Stiftung des 1. triumvirats. 
Mit 15 orig.-abbild. Nördlingen, Beck 1883. 8. XII, 388p. 5 mk. 20 pf. 

85. Ranke, Leop. v., Weltgeschichte. 4. theil in 2 abtheil. Das 
kaiserthurn in Constantinopel und der Ursprung romanisch -germani- 



160 Bibliographie. Nr. 3. 

scher königreiche. 2. abth. Leipzig, Duncker u. Humblot 1883. 8. 
VI, 445; VI, 368 p. 20 mk. 

86. Sammlung Sabouroff, die, kunstdenkinäler aus Griechenland 
hrsg. von Ad. Furtwängler. 3. u. 4. liefg. 19 bl. text, 20 taff. Ber- 
lin, Asher u. Co. 1883. fol. in mappe. ä 25 rak. 

87. Scala, Rud. von, der pyrrhische krieg. Als dissertation ver- 
faßt, Berlin, Parrisius 1884. 8. VIII, 183 p. Dazu karte: Roms 
garnisonsystem im jähre 281 autogr. fol. 4 mk. 80. 

88. Schkemann, Heinr. , Troja. Ergebnisse meiner neuesten aus- 
grabungen auf der baustelle von Troja in den heldengräbern, Bunar- 
baschi und anderen orten der Troas im jähre 1882. Mit vorrede von 
prof. A. H. Sayce. Mit 150 abbild. in holzschn. und 4 karten und 
planen. Leipzig, Brockhaus 1884. 8. XLV, 462 p. 30 mk. 

89. Schnorr von Carolsfeld, Franz, katalog der handschrifteu der 
kgl. öffentl. bibliothek zu Dresden. Im auftrage der generaldirection 
der kgl. Sammlungen für kunst und wissensch. bearb. 2. bd. (Abth. 
I— M.) Leipzig, Teubner 1884. 8. IX, 588 p. 15 mk. 

90. Schrammen, J., über die bedeutung der formen des verbum. 
Heiligenstadt 1884, Delion. 143 p. 2 mk. 

91. Siebeck, Herrn., geschichte der psychologie. 1. theil. 2. abth.: 
die psychologie von Aristoteles bis zu Thomas von Aquino. Gotha, 
Perthes 1884. 8. XI, 531 p. 11 mk. 

92. Sylloge inscriptionum Graecarum ed. Quil. Dittenberqer. 
Leipzig. Hirzel 1884. 8. 2 fasc. VIII, 805 p. 16 mk. 

93. ünger , Geo. Fr., die Zeitverhältnisse des Anaxagoras und 
Empedokles im Philologus hrsg. v. E. v. Leutsch. 4.suppl.-bd. Heft 5. 
(p. 511—550). 

94. Voigt, Paul, Sorani Ephesii liber de etymologiis corporis hu- 
mani quatenus restitui possit. Gryphisw. 1882. 8. (Berlin, Mayer 
u. Müller.) 49 p. 1 mk. 

Skandinavien. 

95. Anna Komnena , Alexiade. Oversat fra Graesk og forsynet 
med historisk Inledning og Anmaerkninger af O. A. Hovgard udg. for 
Selskab til historiske Kildeskrifters Overforelse pä Modersmalet ved 
H. H. Lefolxi. To Dele. Kjobenhavn, Schanberg 1883. 8. 792 p. 
1 kort. 10 kr. 

96. Caspari, C. P., kirchenhistorische anecdota nebst neuen aus- 
gaben patristischer und kirchlich mittelalterlicher Schriften. Veröf- 
fentlicht und mit anmerkgn. und abhandl. begleitet. I. Lateinische 
schritten. Die texte und anmerkungeD. Universitätsprogramm zur 4. 
säkularfeier der geburt Luthers. Christiania, Aschehoug i comm. 1883. 
8. XXX, 360 p. 8. 4 kr. 25 ore. 

97. Drechsel , E. , den graeske Filosofis historiske Udvikling i 
korteste Omrids samt et Par Bemaerkninger om den mekaniske Ver- 
densanskuelse, Slagelse 1883. 8. 60 p. (Kjobenbavn , Scb.0nberg). 
60 p. 1 kr. 50 0re. 

98. Poestion, J. C , Graeske Digterinder. Et Bidrag til Kvimle- 
literatureus Historie. Autoriseret Oversättelse ved J. Getzsche og P. 
E. Benzon. Kj&benhavn, Hauberg 1883. 8. 210 p. 1 kr. 50 öre. 

99. Sofokles Elektra. Tragedie. Paa Dansk. Ved T. Sierstedt. 
Kj0benhavn, Reitzel 1883. 12. 100 p. 2 kr. 

100. Ussing , J. L., Fra Hellas og Lilleasieu i Foraaret 1882. 
Kjabenhavn, Gyldendal 1883. 8. 272 p. 1 kort. 3 kr. 50 0re. 

Niederlande. 

101. h'pkema, E., leerboek van de geschiedenis der oudheid. Med 



Nr. 3. Bibliographie. 161 

platen en afbeeldingen. Groningen, Noordhoffen Smit 1883. 8. VIII, 
286 p. 3 fl. 60 c. 

102. Es, A. H. G. P. van den, de Studie van de Grieksche Oud- 
heidkunde gedurende de laatste jaren. Redevoering etc. Groningen, 
J. B. Wolters 1888. 8. 31 p. 0,50 fl. 

103. Euripides Helena. Treurspel. In de oorspronkelijke vers- 
maat uit het Grieksch vertaald door A. Flament. Amsterdam , J. F. 
Sikkeu 1883. 8. XII, 71 p. 1,25 fl. 

104. Hertßerden, Henricus van, commentatio critica in Herodoti 
libros I et II. Trajecti ad Rh. J. L. Beijers 1883. 8. 48 p. 0,70 fl. 

105. Koe, S. S. de, de conjekturaal - kritik en het Evangelie 
naar Johannes. Utrecht, Kemink en zoon 1883. 8. VIII, 280 p. 3,75 fl. 

106. Yaleton, Matthee, Handboek der oude Geschiedenis. 11. De 
Romeinen met kaart. Groningen, J. B. Wolters 1883. 8. XII, 155p. l,90fl. 

England. 

107. Alford, H., Greek testament. With a critically revised 
text , a Digest of various readings, marginal references to verbal and 
idiomatic usage, Prolegomena and a critical and exegetical commen- 
tary. Vol. I: The four gospels. New edition. London, Rivington 
1883. 8. 1087 p. 28 sh. 

108. Catuloyl codicum manuscriptorum Bibliothecae Bodleianae 
pars IX Codices a viro cl. Kenelm Digby. Confecit G. D. Macray. 
London, Frowde 1883. 4. 10 sh. 6 d. 

109. Church, Alfred J., Roman life in the days of Cicero, Sket- 
ches drawn from bis letters and speeches. With illustr. London, 
Secley 1883. 8. 302 p. 5 sh. 

110. Dennis, George, the cities and cemeteries of Etruria. With 
map plans and illustrations. London, Murray. 8. I, 190 p. 21 sh. 

111. Duncker , Max., History of Greece from tbe eatliest times 
to the end of the Persian War. Translated from the German by S. 
F. Alleyne. Vol. 1. London, Bentley 1883. 8. 546 p. 15 sh. 

112. Dt/er, Thomas H. , The city of Rome its vicissitudes and 
mouuments. 2nd ed. revised. London, Bell u. Sons 1883. 12. 
480 p. 5 sh. 

113. Fergusson, James, the temple of Diana at Ephesus with 
special reference to Mr. Woods discoveries of its remains. London, 
Trübner 1883. 4. 5 sh. 

114. Mitchell, Lucy M., History of ancient sculpture illustrated. 
London, Paul, French and Co. 1883. 8. 222 p. 21 sh. 

115. Schliemann, Henry, Troja, results of the latest researches 
and discoveries on the site of Homers Troy and in the Heroic Tumuli 
and other sites made in the year 1882 and a narrative of a journey 
in the Troad in 1881. Preface by prof. A. H.Sayce with 150 wood- 
cuts and 4 maps and plans. London, Murray 1883. 8. 458 p. 42 sh. 

Belgien. 

116. Delattre, A., le peuple et l'empire des Medes jusqu'a la fin 
du regne de Cyaxare. Examen critique des travaux les plus re'cents 
sur cette matiere. Bruxelles 1883. 4. 200 p. (Memoire conronnee 
par l'ac. d Bruxelles). 

117. Willems, Alphonse, Notes et corrections sur l'Hippolyte 
d'Euripide. Bruxelles, van Trigt 1883. 8. 74 p. 3 fr. 

Frankreich. 

118. Berthele , J. , la question de Sanxay ä propos du memoire 
du pere de la Croix reponse a M. Hild. Poitiers 1883. 8. 35 p. 

119. Boissier , Gaston, la religion romaine d' Auguste aux Anto- 
ains. T. 1. 2. Paris, Hachette 1833. 8. XVI, 404, 419 p. 7 fr. 



162 Bibliographie. Nr. 3. 

120. Bouche- Leder q, A., Atlas pour servir ä l'histoire grecque 
d' JE. Curtius. Paris, Leroux 1883. 8. VIII, 128 p. 21 cartes. 12 fr. 

121. Choisy , Auguste, Etudes sur l'architecture grecque. 2me 
etude les mnrs d'Athenes d'apres le devis de leur restauration. Paris 
1883. 4. p. 43—84 et planche. 

122. — — , l'art de bätir chez les Byzantines. Paris 1883. fol. 
196 p. 25 planches par L. Bescherer. 

123. Delisle, Leopold, Notice sur plusieurs manuscrits de la bib- 
liotheque d'Orleans. Paris 1873. 4. 87 p. 

(Extr. des notices et mss. de la Bibliotheque nationale.) 

124. Hild, J. A. , Les fouilles de Sanxay ä propos du memoire 
archeologique sur les decouvertes d'Herbord , dites de Sanxay par le 
R. P. Camille de la Croix Niort 1883. Poitiers 1883. 8. 16 p. 

(Extr. du Bulletin mensuel de la faculte des lettres de Poitiers). 

125. Jacob, F., lexique etymologique latin francais precede d'un 
tableau de suffixis et suivi d'un vocabulaire des nonis propres. Paris, 
Delalain 1883. 8. LXXXVIII, 1276 en deux col. 

126. Jurien de la Graviere, les campagnes d'Alexandre. T. 2: 
PAsie sans maitre. Paris, Plön 1883. 18. XXXII, 261 p. 

127. Longperier, A. de, oeuvres. Reunies et mises en ordre par 
G. Schlumberger. T. 4 moyen äge et reuaissance. Premiere partie 
(1837-1858). Paris, Leroux 1883. 8. 423 p. 

128. Robert, Ulysse, Inventaire Sommaire des manuscrits des 
bibliotheques de France dont les catalogues n'ont pas ete imprimes. 
3 fascicule. Dijon a Nice; Paris, Champion 1883. 8. p. 259—448. 

Italien. 

129. S. Ambrosii Mediolanensis omnia ad MediolaDenses Codices 
pressius exacta curante Paulo Angelo Ballerini. Vol. V. Mediolani, 
typ. S. Josephi 1883. fol. 770 p. 

130. Boni, G., il colore sui monumenti. In Archivio Veneto N. 
S. vol. XXV, parte 2. 

131. Finzi, G., l'asino nella leggenda e nella letteratura. Con- 
ferenze ecc. Torino, Paravia 1883. 8. 43 p. 1,50 lire. 

13"2. Oberziner , Giov. Amennone , i Reti in relazione cogli an- 
tichi abitatori d'Italia : Studii storici e archeologici. Roma, tip. Artero 
1883. 8. XI, 262 p. 30 tavv. 10 lire. 

133. Ricagni, Giov., la morale di Orazio. Studio. Teramo 1883. 
8. 65 p. (Liceo ginnas. „Melcbiorre Delfico".) 

134. Taverni, Remeo, la teoria morale diAristotele nei X libria 
Nicomaco dichiarata in dieci lezioni. Roma, tip. Artero 1883. 8. 428 p. 

135. Urbini, Giulio, la vita i tempi e l'elegie de Sesto Properzio 
vol. I. Forigno 1883. 8. 108 p. 2 lire. 

136. Vetri, Paolo, Enna , dei primordii all 1 invasione araba : 
pagine storiche. Piazza Armerina 1883. 8. 302 p. 4 lire 50 c. 

Spanien. 

137. Suetonio Tranquilo, C., los doce Cesares traducciön derecta 
del latin por F. Norberto Castilh. Madrid, Luis Navarro editor 1833. 
8. 413 p. 14 reales. (Biblioteca cläsica t. 64.) 

Beilage B. Academica und dissertationen. 
Bonn. 138. Lübbert, Ed., diatriba in Pindari locum de Aegidis 
et sacris Carneis. Bonn 1883. 4. 21 p. 

139. — — , Prolegomena in Pindari Carmen Pythium nonum. 
Bonn 1883. 4. 22 p. 

140. — — , Prolusio in Pindari locum de ludis Pythiis Sicyoniis. 
Bonn 1883. 4. 22 p. 



Nr. 3. Bibliographie. 163 

141. Dehner, Sebastian, Hadriani reliquiae partic. I. Bonn 1883. 
8. 48 p. 

142. Hqffmann, Franc. Iosephus, Quoraodo quando Titus imperator 
factns sit. Bonn 1883. 8. 47 p. 

143. Hoyer, Rud., de Antiocho Ascalonita. Bonn 1883. 8. 52 p. 

144. Koepp , Frid. , De Gigantomaehiae in poeseos artisque nio- 
numentis usu. Bonn 1883. 8. 66 p. 

145. Marchs, Frid., Symbola critica ad epistolographos Graecos. 
Bonn 1883. 8. 54 p. 

146. Müntzel, Robert, de Apollodori tuqI ^wc libris. Bonn 1883. 8. 

147. Poppelreufer, Pet. Hab. , Quae ratio intercedat inter Posi- 
donii riioi nad-uii> noay/uuniag et Tusculanas disputationes Ciceronis. 
Bonn 1883. 8. 37 p. 

148. Schueth, Carl, de Poenulo Plautina quaestiones criticae. 
Bonn 1833 8. 47 p. 

149. Schurz, Guil., de niutationibus in imperio Romano ordinando 
ab imperatore Hadriano factis particula I. Bonn 1883. 8. 46 p. 

Greifs wa Id. 150. Guttmann , Carl, de earurn quae vocantur 
Caesariaaae orationum Tullianarum genere dicendi. Gryphiswaldiae 
1883. 8. 79 p. 

151. Hom, Eugen, de Aristarchi studiis Pindaricis. Ebda 1883. 
8. 90 p. 

152. Rassow , Job., Quaestiones selectae de Euripideoruui nun- 
tiorum narrationibus. Ebda 1883. 8. 74 p. 

153. Schueler, Carl, Quaestiones Vergiiianae. Ebda 1883. 8. 59 p. 

154. Schulz, Herrn., Quaestiones Ovidianae. Ebda 1883. 8. 41 p. 

155. Trabandt, Albert, de minoribus quae sub nomine Quintiliani 
feruntur declamationibus. Ebda 1883. 8. 42 p. 

Halle. 156. Keil, Henric , Emendationes Varronianae. Halae 
1883. 4. Ind. lectt. 1883/84. 10 p. 

157. — — , Observationes criticae in Varronis rerum rusticarum 
libros. Halae 1883. (Ind. aest. 1883). 12 p. 4. 

158. Degner, Eduard, Quaestiones de curatore rei publicae pars 
prior. Halis Sax. 1883. 8. 71 p. 

159. Ess, Franz Xaver. Quaestiones Plinianae. Halis 1883. 8. 45 p. 

160. Goerbig, Guil., Nominum quibus loca significantur usus Plau- 
trnus exponitur et cum usu Terentiano comparatur. Halberstadii 
1883. 43 p. 

161. Goetz, Oscar, Quaestiones de genetivi usu Thucydideo. Vra- 
tislaviae et Halis 1883. 8. 73 p. 

162. Gorges, 0., de quibusdam sermonis Gelliani proprietatibus 
observationes. Halis 1883. 8. 70 p. 

163. Grabenstein , Albertus, de interrogationum enuntiativarum 
usu Horatiano. Halis 1883. 8. 64 p. 

164. Heilig mistaedt, Ricardus , de enuntiatorum finalium usu He- 
rodoteo cum Homerico ex parte comparato. Pars prior. Halis 1883. 
8. 56 p. 

165. Herbst, Hugo, de sacerdotiis Romanorum municipalibus 
quaestio epigrapbica. Halis 1883. 8. 43 p. 

166. Heymann, Paul, In Propertium quaestiones grammaticae et 
orthographicae. Halis 1883. 8. 87 p. 

167. Karbaum, Herrn., de auctoritate ac fide grammaticorum 
Latinorum in constituenda lectione Ciceronis orationum in Verrein. 
Halis 1883. 8. 

168. Kauseh, Guil., de Sophoclis fabularum apud Suidam reli- 
quiis. Halis 1883. 8. 60 p. 

169. Kirchner, Jo. Ern., de litis instrumentis quae extant in De- 



164 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

mosthenis quae fertur in Lacriturn et priore adversus Stephanutu ora- 
tionibus. Halis 1883. 8. 40 p. 

170. Kleiber, Ludw. , Quid Tacitus in Dialogo prioribus scripto- 
ribus debeat. Halis 1883. 8. 90 p. 

171. Naumann, Maxim., de fontibus et fide Bruti Ciceronis. 
Halis 1883. 8. 36 p. 

172. Ulbricht, Friedr., de interrogationibus disiunctivis et an par- 
ticula apud Tacitum. Halis 1883. 8. 47 p. 

173. Panhoff, Theod., De neutrius generis adiectivorum substan- 
tivo usu apud Tacitum. Halis 1883. 8. 35 p. 

174. Puhl, Max. de Othone et Vitellio imperatoribus quaestiones. 
ibid. 1883. 38 p. 

175. Raßfeld, Frid., de versibus suspectis et interpolatis fabulae 
Sophocleae quae iüscrrbitur Oedipus Coloneus. Halis 1883. 8. 57 p. 

176. Roos, Carl, De Theodoreto Clementis et Eusebii compilatore. 
ibid. 1883. 8. 32 p. 

177. Schinkel, Jul., Quaestiones Silianae. Lipsiae 1883. 8. 77 p. 

178. Schoenaich , Gust., Quaestiones luvenalianae. Halis 1883. 
8. 39 p. 

179. Schwabe, Carl, de dicendi genere Isocrateo. Halis 1883. 8. 39 p. 

180. Staesche, Traugott, De Demetrio Ixione grammatico. ibid. 
1883. 8. 59 p. 

181. Vaders, Jos., de alis exercitus Romani quales erant impera- 
torum temporibus quaestionis epigraphicae pars prior. Halis 1883. 
8. 37 p. 

182. Völlers, K., das Dodekaphropheton der Alexandriner. Halle 
1882. 8. 31 p. 

183. Wangrin, Aemil., Quaestiones de scboliorum Demosthenico- 
rum fontibus. Pars prior : de Haipocratione et Aelio Dionysio Pausa- 
niaque atticistis. Halis 1883. 8. 39 p. 

184. Wolff, Ose, de enuntiatis interrogativis apud Catullum Ti- 
bullum Propertium. Paris 1883. 8. 62 p. 

185. Zimmermann, Ricard., Quibus auetoribus Strabo in libro 
tertio Geograpbicorum conscribendo usus sit quaeritur. Pars prior. 
Halis 1883. 8. 38 p. 

Heidelberg. 186. Bock, Rad., de codicis Isocratei Urbinatis 
(r) auetoritate. Brunsvigae 1883. 8. 46 p. 

187. Schuchhardt, Carl, Andronici Rhodii qui fertur libelli ntol 
na&wv pars altera de virtutibus et vitiis. Darmstadiäe 1883. 8. 84 p. 

188. Sickinger, Antonius, de lingua,e latinae apud Plutarchum et 
reliquiis et vestigiis. Friburgi Brisgoviae 1883. 8. 88 p. 

Helsingfors. 189. Forsman, Carl, de Aristarcho lexici Apol- 
loniani fönte. Helsingforsiae 1883 8. 129 p. 

Kiel. 190. Blaß, Friedr., de Gemino etPositonio. Kiliae 1883. 
4. (25 p.). 

Kleine phüulogisrhc zeifueig. 

Es wird im RAnz. nr. 10 empfohlen: das preußische schul- 
recht, von M. Ueberschaer, Hoyerswertha , G. Wentzel, es ent- 
hält die auf schulen bezüglichen gesetze von 1872 an. 

Göttingen, 15. jan.: die künde von einer hochbedeutenden 
wissenschaftlichen entdeckung ist soeben hei dem vorstand der 
gesellschaft für kirebenrechtswissenschaft eingegangen. Die äl- 
teste christliche kirchenordnung, die Jidaiui twv unooiolwr aus 
dem anfang des zweiten Jahrhunderts ist durch den metropoliten 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 165 

Bryennios von Nikomedien aus demselben codex publicirt worden, 
in welchem er die vollständigen Clemeasbriefe entdeckt hatte 
(vgl. über den betreffenden cod. Constantinopolitanus : Clementis 
Eomani epistulae textum rec. 0. de Gebhardt, Ad. Harnack (Pa- 
trum apostoll. opera fasc. I, part. I, ed. II, Lips 1876 Prole- 
gomena p. XI sqq.. — Die ganze bedeutung des fundes läßt 
sich noch nicht übersehen, doch steht schon jetzt fest, daß 1) nun 
die wurzel und das vorbild der gesammten orientalischen, unter 
den bezeichnungen z/tazrijac;, /]t,duaxu)Jou, Jmiayal, Kuioveg iwv 
unoaioXwv bekannten litteratur wieder entdeckt ist, und dies 
verworrene gebiet nun ins hellste licht gestellt erscheint, 2) dass 
für die älteste geschichte der christlichen Verfassung und des 
kultus eine grundlegende quelle gegeben ist , welche ungeahnte 
aufschlüsse gewährt. Professor dr. th. Ad. Harnack in Gießen, 
welcher der gesellschaft, zu deren auswärtigen mitgliedern er ge- 
hört, über den ihm von Bryennios mitgetheilten fund mittheilung 
machte, hat dessen wissenschaftliche verwerthung sogleich in an- 
griff genommen. (Hallische zeitung 1884, nr. 18, beilage.) 

Schliemann's Troja eine urzeitliche feuernehr opole. (Nach Köl- 
nische zeitung 1884, no. 13, 2. blatt.j Die Untersuchungen des 
hauptmanns a. d Ernst Boetticher zu Berlin bringen die frage 
nach der localität Troja's in eine neue richtung. Er weist zu- 
nächst die Unmöglichkeit „der verbrannten städte" Schliemann's 
nach , macht auf den geringen umfang des Hissarlikhügels auf- 
merksam und betont den Widerspruch zwischen Schliemann's an- 
nahmen und den aufgefundenen resten. Nach Boetticher's ansieht 
haben wir es in Hissarlik überhaupt nicht mit resten einer städti- 
schen niederlassung zu thun, sondern mit einem feuerbestattungs- 
orte. „Die kriterien von Hissarlik sind : abgeflachte kegelgestalt 
des hügel's, sein aufbau in Stockwerken (schichten), sein inhalt 
an Überbleibseln des todtenkults (menschliche knochen, schädel, 
ganze skelette , aschenurnen , todtenschmuck von edeln und un- 
edeln metallen , allerlei heilige gefäße und symbolische gegen- 
stände, dazu eine ganz besondere art riesiger thonurnen inmitten 
colossaler aschenmengen und spuren einer glut von 1100 grad C. 
und darüber. Diese kriterien wiederholen sich überall auf der 
erde, theils in nekropolen überhaupt, theils an statten des todten- 
brands". Boetticher bringt verschiedene bisher unbemerkt ge- 
bliebene momente in Hissarlik zu tage, so ist zu verzeichnen der 
nachweis und die profilirung von gangen , durch je zwei 0,50 
bis 1,50 m von einander abstehende parallelmauern gebildet, die 
innen unverbrannt sind , ja noch die spur weißgelber tünche 
zeigen , dagegen auf der andern viereckigen höfen zugekehrten 
seite bis zur verglasung die folgen der gluth zeigen. Diese 
brandspuren aber sind derart , daß sie eine künstlich bewirkte, 
oft wiederholte Verbrennung verrathen. Ein weiteres moment 
ist die gleichheit der fände zu Hissarlik mit den Überbleibseln 

Philol. Anz. XIV- 12 



166 Kfcine philologische zeitung. Nr. 3. 

des todtencults der ganzen weit. Für gesichtsumen und libir- 
gefäße (nicht „saugflaschen für kleine kinder" wie Schliemann 
will) hat Boetticher die analogieen in Zeitschrift für ethnologie 
XY, 188)3, heft 4, p. 157 ff. beigebracht, Die großen ni&ai 
aber erklärt er gewissermaßen als leichenverbrennungsöfen ; in 
ähnlicher weise seien am Euphrat und Tigris die todten ver- 
brannt- Von oben wurde der todte senkrecht in die Öffnung 
hineingelassen mit seinem todtenschmuck, nach der Verbrennung 
aber ward die asche sammt allen brandresten in eine aschenurne 
gelegt und als todtengabe ward anderes geschmeide beigefügt. 
Daher finden sich neben geschmolzenem gold (900 grad Celsius) 
und angeschmolzener bronze (1100 grad) unversehrt höchst dif- 
ficile filigranarbeiten. Die asohenurnen wurden auf der brand- 
stätte selbst beigesetzt. In Ilias XXIII, 255 

zoQvoixjai'to öf a7 t fjba Hs^BiXid Tfi nooßüXo.vTn 
vi(t($i. nvQtjv. — 
III, i)7 läiyo* $aoo j£t70Q> , a, VIII, 491 iv MadaacS odi Öi/ 
vtxioov ftitqwirizo x<x)(jug „wo die todtenstätte glühte" sieht Boet- 
ticher noch andeutupgen dieser bestattungsart. (Doch dürften 
diese stellen schwerlich so zu interpretiren sein. Die todtenstadt 
gehört vermiithlich einer viel früheren als der homerischen zeit 
an vgl. Köln, ztg, 1884 no. 19, 1.) Nicht unpassend erinnert 
er auch an die drei männer im feurigen ofen. Andere notizen 
des verf. findet man Kölnische zeitung 262, 1 , Neue illustrirte 
zeitung (Wien) no. 9. Ausland 1883, no. 51, 52. 

Hft, I des jahrg XII der mittheilungen aus der historischen 
Ütteratur , herausgegeben von der historischen gesellschaft in 
Berlin und redigirt von dr. Ferdinand Hirsch, Berlin, R. Gärtner 
Verlagsbuchhandlung (Heyfelder) enthält unter andern : Bauer : 
die Kjrussage und verwandtes, Hirschfeld, gallische Studien. 

Historisches taschenbuch von . . . M. Maurenbrecher , Leipzig, 
Brockhaus, III. jahrg. enthält unter andern A. Schaefer über 
das makedonische königthum. 

Gfötingen. Dr. G. Loewe f. Am 16. dec. 1883 verschied 
hier an den folgen eines unglücklichen Sturzes der custos der 
hiesigen Universitätsbibliothek dr. Gustav Loewe. In Grimma 
(18. febr. 1852) geboren und erzogen, auf der Universität Leipzig 
von Friedrich Ritschi gebildet , trat er ganz in die fußstapfen 
dieses seines liebsten lehrers und väterlichen freundes, der ihn 
berief die eignen forschungen fortzusetzen. Diese arbeiten 
Lowe's auf dem gebiete der lateinischen philologie insbesondere 
seine grundlegenden Untersuchungen über die lateinischen glos- 
sare und seine Plautusstudien sichern ihm einem bleibenden na- 
men in der geschichte der Wissenschaft. Nach beendigung des 
Universitätsstudiums sammelte er vier jähre (ende 1875rr-1879) 
in Italien und Spanien für die fortsetzung seiner arbeiten , nach 
der rückkehr ging er dann 1880 als bibliothekar nach Göttingen 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 167 

und hier war er eben so recht im begriff, die fruchte seiner 
reisen zu verwerthen, hier begann er durch die glänzenden pro- 
ben seiner Studien bedeutende erwartungen zu erregen, die ihm 
noch kurz vor seinem ende einen ruf als professor an die Uni- 
versität Kiel eintrugen, als sein beklagenswerther tod diese hoff- 
nungen jäh durchschnitt. Sein geschick fand eine außerordent- 
liche und allgemeine theilnahme, um so allgemeiner, als sie nicht 
nur dem gelehrten, sondern auch der persönlichkeit galt, die sich 
das vertrauen und die Zuneigung derer, die mit Löwe in berüh- 
rung kamen, sofort erwarb. Ehren wir sein andenken ! 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Deutsche litter aturzeitung hrsg. von Max Roediger. IV. jahrgg 
1883. n. 25. J. Kaufmann-Hartenstein, über die wichtigsten resultate 
der Sprachwissenschaft ... Solothurn, Jent & Gass in Comm. 1882. 8. 
99 p. 3 frcs. Jülg. — Discours de Ciceron pour le poete Archias. 
Texte latin d'apres les travaux les plus recents avec une nouvelle 
collation du Gemblacensis un commentaire critique et explicatif une 
introduction et un index par Emile Thomas. Paris, Hachette et Cie. 
1883. 8. 63 p. 2,50 fr. H. J. Müller. - A. Gerber u. A. Greef, 
Lexicon Taciteum. Fase. V. Leipzig, Teubner 1883. p. 481 — 576. 
Lex. -8. 3mk. 60 pf. Ig. Pranimdr. — Karl Sittl, die localen Verschie- 
denheiten der lateinischen spräche mit besonderer berücksichtigung 
des afrikanischen lateins. Erlangen, Deichert 1882. 8. IV, 162 p. 
2 mk. 80 pf. R. Thurnegsen. — Julius Jung, die romanischen landschaf- 
ten des römischen reiches. Studien über die inneren entwicklungen 
in der kaiserzeit. Innsbruck, Wagner 1881. 8. 574 u. XXXII p. 
12 mk. Otto Seeck. — Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen 
des allerhöchsten kaiserhauses. Hrsg. unter leitung des oberstkäm- 
merers Franz grafen Follio de Crenneville ... I. bd. Wien , Höltz- 
hausen 1883. 268 u. CXCI p. Fol. 120 mk. W. v. Seidlitz. 

No. 26. Sglloge inscriptionum Boeoticarum dialectum populärem 
exhibentium. Composuit... Guil. Larfeld. Praemittitur de dialecti 
Boeoticae mutationibus dissertatio. Berlin, GL Reimer 1883. 8. XXXVI. 
232 p. 10 mk. Gustav Hinrichs. — J. Mar qua f dt , das privatleben 
der Römer. II. theil. Mit 23 holzschn. (Handbuch d. röm. alterth. 
VII, 2). Leipzig, Hirzel 1882. 8. XII, p. 373-858. 10 mk. Ri- 
chard Förster. — Reinh. Kekule, zur deutung und Zeitbestimmung des 
Laokoon. Mit 2 doppeltaf. in lichtdruck und einigen Zinkätzungen. 
Stuttgart, Speemann 1883. 4. 47 p. 4 mk. Hugo Blümner. — Otto 
Lenel, das edictum perpetuum. Ein versuch zu dessen Wiederherstel- 
lung... Leipzig, Tauchnitz 1883. XXIV, 455 p. 8. 16 mk. 

No. 27: G. Michaelis, über die physiologie und Orthographie der 
zischlaute mit besonderer rücksicht auf die Heyse'sche regel. Zugleich 
als 2. auü. der schrift: Ueber die physiologie und Orthographie der 
S-laute 1863. Berlin, Mittler & söhn 1883. 8. 94 p. 2 mk. Wüh. 
Geiger. — F. Macci Plaut i Mercator rec. Fr. Ritschelius, editio altera 
ab Gen. Goetz recognita (Plauti comoediae t. II fasc. ni). Leipzig, 
Teubuer 1883. 8. XIII, 124 p. 3mk. 60 pf. A. Spengel. — West- 
deutsche Zeitschrift für geschichte und kunst. Hrsg. von F. Hettner 
und K. Lamprecht. Jahrg. I. u. Jahrg. n hft. 1. Trier, Lintz 1882. 
1883. 8. I. jahrg. VIII, 524 p. Correspondenzblatt 80 p. u. 7 taf. 
II. jahrg. 1. heft. 130 p. Correspondenzblatt 8 p. 6 taf. pro jahrg. 



168 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3 

10 mk. Reinhard Kekule. — Ludw. v. Sybel, kritik des ägyptischen 
Ornaments. Archäologische studie. Mit 2 lith. tafeln. Marburg, El- 
wert 1883. 8. 41 p. 1 mk. 20 pf. Justi. 

No. 28: Joh. Renner , kritische und grammatische bemerkungen 
zu Homer (Progr. v. Zittau). Leipzig, Teubner in comm. 1883. 4. 
29 p. Gustav Hinrichs. - Isaei orationes cum fragmentis a Dionysio 
Halicarnassensi servatis ed. H. Buermann. Berlin, Weidmann 1883. 
8. XIV, 156 p. 2mk.40pf. F. Blass. — Wilh. Tomaschek. zur histo- 
rischen topographie von Persien. I. Die straßenzüge der Tabula Peu- 
tingerana. Wien, Gerold's söhn 1883. 8. 89 p 1 mk. 40 pf. (Sitzungs- 
bericht d. Wiener ak. philos.-histor. cl. bd. 102). J. Partsch. 

No. 29: Imat/mes inscriptionum Graecarum antiquissimarum in 
usum scholarum composnit Herrn. Roehl. Berlin, G. Reimer. 1883 
kl. fol. 72 p. 4 mk. G. Hinrichs. — Hugo Gleditsrh , die cantica 
der Sophokleischen tragödien nach ihrem rythmischen bau besprochen. 
2. durch den abdruck des textes vermehrte bearbeitung der »Sopho- 
kleischen strophen« desselben verf. Wien , Konegen. 1883. 8. XV, 
276 p. 6 mk. E. Hüler. — Historische Untersuchungen. Arnold Schä- 
fer zum 25jährigen Jubiläum seiner akadem. Wirksamkeit gewidmet 
von früheren mitgliedern der historischen seminarien zu Greifswald 
und Bonn. Bonn, Strauss 1882. 8. V, 362 p. 13 mk. 50 pf. Otto 
Seeck. 

No. 30: Sophoniae in libros Aristotelis de anima paraphrasis. 
Anonymi in Aristotelis categorias paraphrasis. Edid. Michael Huyduck. 
(Commentaria in Aristotelem Graeca Vol. XXIII. 1. 2.) Berlin, G. 
Reimer 1883. 8 VIII, 175 p. IV, 85 p. 9 mk. E. Heitz. -Pau- 
lus Mvllensiefen , de titulorum laconicorum dialecto. Straßburg, Trüb- 
ner 1882. 8. 130 p. (Aus dissert. Argentorat.) G. Hinrichs. — L. 
Geiger, renaissance und humanismus in Italien und Deutschland. Mit 
Illustrationen und facsimilebeilagen (Allgem. geschiente in einzeldar- 
stellungen hrsg. v. W. Oncken. II. hauptabth. st 8.) Berlin, Grote 
1882 u. 1883. 8. 585 p. 13 mk. 50 pf. G. Voigt. —Karten von At- 
tika. Auf veranlassung des kais. deutschen archäolog. instituts . . . 
aufgenommen durch Offiziere und beamte des kgl. preuss. generalsta- 
bes. Mit erläuterndem text hrsg. von E. Curtnis und J. A. Kaupert. 
Hefe II. 4 bl. : Athen, Peiraieus, Athen- Hymettos, Kephisia, Pyrgos. 
49 p. text von Arthur Milch hoe/er. Berlin, G.Reimer. 1883. 4. 16 mk. 

No. 31 : Emil Rosenberq , die lyrik des Horaz. Aestbetiscb-cul- 
turhistor. studie. Gotha, Perthes 1883 8. IX , 168 p. 3 mk. F. 
Leo. — Georg Weber, allgemeine Weltgeschichte. 2. aufl. . . . III. 
bd. römische geschichte bis zu ende der republik und geschichte der 
alexandrin.-hellenischen weit. Leipzig, Engelmann 1883. 8. XVI, 
965 p. 7 mk. 50 pf. A. Bauer. 'Effqpsols «p^«»oiloy»x^ txduf. vno 
rijff it> 'A&rjvats ctQ%aiokoyt,XTis traiosiag. üfgiodog rohtj isv)(og nowiov. Athen 
1883. 4. ä jahrg. 16 drachmen. C. Robert. 

No. 32: Rieh. Meister, zur griechischen dialektologie. I. Bemer- 
kungen zur dorischen accentuation. II. Die excerpte ntgi dtidixicov 
namentlich in bezug auf die abschnitte ntgi Jwoidog. Göttingen, Van- 
denhoeck & Ruprecht 1883. 4. 16 p. 80 pf. (Progr. d. Nikolai- 
gym.). G. Hinrichs. 

No. 33: C. F. Kinch, Quaestiones Curtianae criticae. Kopenha- 
gen, Gyldendal 1883. 8. 108 p. Th. Vogel. — Le Metamorfosi di 
P. Ovidio Nasone espurgate e corredate di note italiane du Ferdi- 
nando Gnesotto. Due parti Secunda Edizione vol. III. Padova, Randi 
1883. 8. 278, 334 p. F. Leo. 

No. 34 : H. d'Arbois de Jubainville, introduetion ä l'etude de la lit- 
terature celtique. Paris, Thorin 1883. 8. 412 p. 8 fr. H. Zimmer. 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 169 

— Chr. Heimreich, das erste buch der Ilias und die liedertheorie. 
Ploen 1883. 4. 16 p (Progr. n. 258). G. Hinrichs. — Theodulfi 
episcopi Aurelianensis de iudicibus versus ab Hermanno Hageno re- 
cogniti. Bern, Delp 1882. 4. XIII, 31 p lmk.20pf. W. Watten- 
bach. — G. Perrot und Ch. Chipiez, geschichte der kunst im alter- 
thum. Autorisierte deutsche ausgäbe. Aegypten. Mit ungefähr 600 
abb. im text 4 färb. u. 15 schwarzen tafeln. Bearb. von Rieh. Pietsch- 
mann. Mit einem vorwort von Georg Ebern. Lieferung 1 — 16. Leip- 
zig, Brockhaus 1882 83. 680 p. a' lfg. 1 mk. 50 pf. A. Erman. 

No. 35: Abel Bergaigne , la religion vedique d'apres les hymnes 
du Bigveda. t 2 et 3. Paris Vieweg 1883. 512 370 p. 8. 27 mk. 
R. Garbe. — Clavdii Ptolrmaei geographia e codd. recogn. proleg. 
annotatione iudicibus tabulis instr. Carolus Müllerus. Vol. I, 1. Pa- 
ris, Didot 1883. 8. 570 p 15 fres. J. Partsch. — H. Blümner, 
Laokooustudien. 2. aufl Ueber den fruchtbaren moment und das 
transitorische in den bildenden künsten. Freiburg i/Br., Mohr 1882. 
8. VI. 79 p. 3 mk. G. Hirschfeld. 

No. 36: Giuseppe Barone de Vincenzo , Epimenide di Creta e le 
credenze religiosi de' suoi tempi. Studio storico-critico-filologico. 
Napoli 1880. 8. 204 p. L. 3 JD. — Plotini Enneades praemisso 
Porpbyrio de vita Plotini deque ordine librorum eius libello edid. 
Sie. Volkmann. Vol. I. Leipzig, Teubner 1883. 8 XXXIV, 350 p. 
3mk. 60 pf. H. F. Müller. — Max. K'einsehmit, de Lucili saturarum 
scriptoris genere dicendi commentatio. Marburgs Elwert 1883 8. 
VIII, 135 p. 2 mk. 80 pf. — Adolf Bötticher, auf griechischen land- 
straßen Berlin . Paetel 1883. 8. 256 p. 5 mk. Lolling. — Jos. 
Karabacek, die Theodor Graf'schen funde in Aegypten (Der Papyrus- 
fund von el-Fayüm. Die textilen gräberfunde). Wien, Gerold in 
comm. 1883. 4. 43 p. 1 mk. 20 pf. A. Erman. 

No 37: Rice. Wagner, Quaestiones de epigrammatis Graecis ex 
lapidibus collectis grammaticae. Leipzig, Hirzel 1883. 8. VI, 127 p. 
2 mk. G. Hinrichs. — Thomas Stangl , Boethiana vel Boethii com- 
mentariorum in Ciceronis Topica emendationes ex octo codieibus hau- 
stas et auetas observationibus grammaticis composuit (Diss. München 
1882.) Gotha, Perthes 1883. 8. IV, 104p. 2mk.40pf. Ders., Pseu- 
doboethiana (Jabrbb. für klass. philol. 1883. Heft 3. 193—208 lieft. 
4. 285 — 301.) R. Förster. — Exempla scripturae visigoticae XI ta- 
bulis expressa . . . edd. Paulus Ewald et Gast. Löwe. Heidelberg, 
Köster 1883. Text u. 41 taff. fol. 50 mk. W. WatUnbach. 

No. 38 : E Ellger , die zusätze zu dem prooemium der Hesiodi- 
schen theogonie (vers 36 -115.). Berlin, Gärtner 1883. 4. (Progr. 
d. Sophiengymn.) 20 p. E. Hiller. — G. Boissiere, l'Algerie romaine. 
2 ed. entierement et considerablement augmentee. 2 vol. Paris, Ha- 
chette 1883. 8. XXXVIU, 712 p. 7 fr. 

No 39: Edwin Hatch, die gesellschaftsverfassung der christlichen 
kirchen im alterthum Acht Vorlesungen. Vom verf. autoris. Über- 
setzung der 2. durchges. aufl. besorgt und mit excursen versehen von 
Ad. Hamack. Giessen , Ricker 1883. 8. VIII, 260 p. 4 mk. G. 
Heinrici. — Victor Hnry, Etüde sur l'analogie en general et sur les 
formations analogiques de la langue grecque. Paris , Maisonneuve 
1883. 8. VI, 441 p. 8 fr. H. Collitz. — Joh. Rumpel, lexiconPin- 
daricum. Leipzig, Teubner. 1883. 8. 498 p. 12 mk. H. — Georg 
Weber, allgemeine Weltgeschichte. 2. aufl. unter mitwirkung von 
fach gelehrten revidirt und überarbeitet. IV. bd. Geschichte des rö- 
mischen kaiserreichs, der Völkerwanderung und der neuen staatenbil- 
dungen. Leipzig, Engelmann 1883. 8. XIV, 864 p. 7 mk. Adolf 
Bauer. 



170 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

No. 40: Briefwechsel zwischen August Boeckh und Karl Otfried 
Müller. Leipzig, Teubner 1883. 8. X, 442 p. 9 mk. M. Hertz, 

— Theophanis chronographia rec. C. de Boor. Vol. I. Textum grae- 
cum continens.. Leipzig, Teubner 1883. 8. VIII, 503 p. 20 mk. 
Spyr. B. Lambros. 

No. 41 : Concordantiae supplenientariae omnium vocum Novi Te- 
stamenti Graeci et classibus secundum ternrinationes discributarum et 
derivatarum cum nativis verbis collocatarnm compositae a Frid. Zim- 
mer. Gotha, Perthes 1882. 8. IV, 76 p. 3 mk. Holsien. - M. 
Heinze, der Eudämonismus in der griecb. philosophie. I. Abh. Leip- 
zig, Hirzel 1883. 8 115 p. (Abh. d. sächs. gesellsch. d. wiss. VIII, 
6.) 4 mk. J. Freudenthal. — Arthur Probst, beitrage zur lateinischen 
grammatik. I. Zur lehre vom verbum. Leipzig, Zangenberg & Himly 
1883. 8. 104 p. 3 mk. F. Leo. - W. H. Röscher, Nektar u. Am- 
brosia mit einem anhang über die grundbedeutung der Aphrodite und 
Athene. Leipzig, Teubner. 1883. 8. VIII, 116 p. 3 mk. 60 pf, E.H. 
Meyer. — Der Periplus des erythräischen meeres von einem unbe- 
kannten. Griech. u. deutsch mit kritischen und erklärenden anmer- 
kungen nebst einem vollst. Wörterverzeichnisse von B. Fabricius. 
Leipzig, Veit & Co. 1883. 8. 188 p. 6 mk. J. Partsch. 

No. 42: G. P. Weygoldt, die philosophie der Stoa nach ihrem 
wesen und ihren Schicksalen für weitere kreise dargestellt. Leipzig, 
Otto Schultze 1883. 8. IV, 218 p. 4 mk. Ed. Wellmann - O. 
Schröder, Sprachvergleichung und Urgeschichte. Linguistisch-histori- 
sche beitrage zur erforschung des indogermanischen alterthums. Jena, 
Costenoble 1883. X, 490 p. 11 mk. — Alfred von Reumont, Lorenzo 
de' Medici il Magnifico. 2. vielf. veränderte aufl. 2 bände. Leipzig, 
Duncker & Humblot 1883. 8. X, 437, VI, 499 p. 18 mk. W. Bern- 
hardi. — K. Bächher, Griechenland. Handbuch für reisende. Mit 
einem panorama von Athen, 6 karten, 7 planen und andern beigaben. 
Leipzig, Bädeker 1883. CXXII, 371 p. 7mk. 50 pf. A. Furtwängler. 

No. 43: Joseph Neubauer, Anaximander Milesius siue vetustissima 
quaedam rerum universitatis conceptio restituta. Cum una tabula. 
Bonn, Cohen & söhn 1883. 8. XVI, 428 p. 8. 14 mk. - J. F. 
Marcks , Symbola critica ad epistolographos Graecos. Diss. Bonn. 
Georgi 1883. 8. 57 p. E. Maaß. — Maurice Albert , le culte de 
Castor et Pollux en Italie. (Bibliotheque des ecoles francaises d'A- 
thenes et de Rome fasc. 31.) Paris, Thorin 1883. 8. VII, 172 p. 
3 tafeln. 3 fr. 50 c. H. Jordan. — Otto Keller, der saturnische vers 
als rythmisch erwiesen. Leipzig, Freytag 1883. 8. II, 83 p. Fi, Leo. 

— A. Fokka, rettungen des Alkibiades. I. theil. Die sicilische ex- 
pedition. Emden, Haynel 1883. 8. IV, 87. 1 mk. 75 pf B Niese. 

No. 44: Quill. Breton, essai snr la poesie philosophique en Grece. 
Xenophane Parmenide Empedocle. Paris, Hachette et Ce. 1882. 8. 
267 p 5 fr. H. Diels. — Karl Penka, origines Ariacae. Linguistisch- 
ethnologische Untersuchungen zur ältesten geschichte der arischen 
Völker und sprachen. TeschenProchaska 1883. 8. VII, 204 p. 7 mk. 
A. Bezzenberger. ~ E. Schweder, beitrage zur kritik und chorographie 
des Augustus. III. th. über die chorographie, die römische quelle des 
Strabo und über die provinzialstatistik in der geographie des Plinius. 
Kiel, Schwers 1883. 8. 59 p. 2 mk. W. F. 

No. 45: M. J. Darmesfeter , Etudes sur l'Avesta observations sur 
le Vendidad. Extrait du Journal asiatique. Paris, Maisonneuve 1883. 
8. 102 p. 3 : 50 fr. Wilh. Geiger. — Piatonis opera quae feruntur 
omnia. Ad Codices denuo collatos ed. Martinus Schanz. Vol. II fasc. 
2. Charmides, Ladies, Lysis. Leipzig, Tauchnitz 1883. 8. VIII, 90 p. 
2 mk. 



Nr. 3. Literatur. 171 

No. 46: IlyuxTtxa liyf iv 'A&qvnis ctQ^aiokoytxr/i iiaioiccg inu 
'lavovaQiov 1882 f^f/Q 1 Invovaoiov 1883. Ev'A&^vaig 1883. 8. 103 p. 
3 taff. V. Robert. 

No. 47: Wiih. Dilthey, einleitung in die geisteswissenschaften. 
Versuch einer grundlegung für das Studium der gesellschatten und 
der geschichte. 1. bd. Leipzig, Duncker <fe Humblot 1883. 8. XX, 
519 p. 10 mk. 80 pf. J. Freudenthal — Aug. Auffarth, die platonische 
ideenlehre. Berlin, Dümmler 1883. 8. IV, 123 p. 2 mk. 40 pf. E. 
Heitz. Karl Zettel, Theokrits humor. Dargelegt au charakteristischen 
stellen seiner mimischen und bukolischen dichtungen. Regensburg 
1882/83. 8. 67 p (Progr.) E. Hiller. — A. Gellii noctium Attica- 
rnm libri XX ex rec. et cum apparatu critico Martini Hertz. Vol. I. 
Berlin. Hertz 1883. 8. VIII, 448 p. 10 mk. //. J. Müller. - An- 
ton Jleyerhöfer, die brücken im alten Rom. Ein beitrag zur römi- 
schen topographie. Mit einer karte. Erlangen , Deichert 1883. 8. 
96 p. 2 mk. H. Jordan. — F. W. L. Schwarte, Prähistorisch -an- 
thropologische studien. Mythologisches und culturhistorisches. Ber- 
lin, Hertz 1884. 8. VIII, 520 p. 12 mk. Elard Hugo Meyer. 

No. 48: F. Macci Ptuuti comoediae. Ptec. et enarrav. Ludov. Us- 
sing. Vol. IV pars II Pseudolum et Poenulum continens. Kopenha- 
gen, Gyldendal 1883. 8. VIII, 362 p. 10 mk. P. Langen. — H. 
Matzat, römische Chronologie. I. bd. Grundlegende Untersuchungen. 
Berlin, Weidmann 1883. Xil, 354 p. 8. 8 mk. Wilh Soltau. 

Neue Jahrbücher für philologie und pädugogtk, von A. Fleckeisen, 
CXXVII bd. 9 hft: 89. Das erste jähr des peloponnesischen krieges. 
Ein beitrag zur Chronologie des Thucydides, von H. Mül'er-Strübinq, 
p. 577-612. — 90. Zu Horatius (Epist. 11, 2, 44) von K. Schwer ihg 
und F Hullsch, p. 612 — 614. — 91. Die textüberlieferung der Niko- 
machischen ethik, von F. Susemihl, p. 615 — 621. — 92. Anz. v. W. 
Engelmann: Bibliotheca scriptorum classicorum. 8. aufläge, neu be- 
arbeitet von E. Preuß. 2. abtheilung (Leipzig 1882), von R. Kluß- 
manu , p. 621 — 624. — 93. Ein chorlied der Sophokl eischen Electra, 
von Th. P/üß, p. 625 — 630. 94. Pausanias und sein vertheidiger, 

von G. Treu, p. 631 — 634. — 95. Zu Aristophanes fröschen, (v. 1124), 
von A Drescher, p. 634 — 636. — 96. Zu Valerms Maximus, von H. 
Wensky, p. 637 — 641. — 97. Zu Tacitus Agricola, von E. Baehrens, 
p. 641—642. — 98. Zu Martialis, von W. Gilbert, p. 643— 648. -— 99. 
Zu Tacitus annalen, (IV, 57) von K. Zacher, p. 648-649. - 100. Dif- 
ferentiae sermonum, von <S. Widmann, p. 649 — 652. — 101. Zum iti- 
nerarium Alexandri , von H. Rönsch , p. 653 — 656. — 102. Zu den 
scriptores historiae Augustae, von J. Gotisch, p. 656. 



Literatur 1883, 
(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Ovidii Nasonis , P. , Ibis ex novis codicibus edidit scholia vetera 
commentarium cum prolegomenis appendice indice addidit R. Ellis. 
Oxonii. LXIV, 204 p. 

Matzat, Heinr., römische Chronologie. Erster band: grundlegende 
Untersuchungen. Berlin 1883. 8. 354 p. 

Washietl, Io. Andr. , de similitudinibus imaginibusque Ovidianis. 
Vindobonae 1883. 8. (Diss.) 193 p. 

Fraenkel, Arthur, die quellen der Alexanderhistoriker. Ein bei- 
trag zur griechischen litteraturgeschichte und quellenkunde. Breslau, 
J. U. Kern 1883. 8. 471 p. 12 mk. 



172 Literatur. Nr. 3. 

Beck, J. W., de differentiaruin scriptoribus latinis. Groningen 
1883. 8. 90 p. 

Ovid. Nasonis, P., carinina , edd. H. St. Sedlmayer, A. Zingerle, 
O. Güthliny. Vol. II. Metaniorphoses, ed. Antonius Zingerle. Lipsiae, 
Freytag 1884. 8. 1 mk. 25 pf. XXX, 334 p. 

Ruete , E. , die korrespondenz Ciceros in den jähren 44 und 43. 
Historische dissertation zur erlangung der doctorwürde bei .... zu 
Straßburg. Marburg, Elwert. 8. 122 p. 

Erdmann, M., zur künde der hellenistischen städtegründungen. 
Straßburg , Heitz. 4. 30 p. (Programm des protestantischen gyni- 
nasiums.) 

Weck, F., beitrage zur erklärung homerischer personennamen. 
Metz. 4. 36 p. (Programm des Lyceums.) 

Ilberg, J., Pseudippocratea. Dissertatio inauguralis , quam .... 
scripsit. Lipsiae. 8. 63 p. 

Ausfeld, A. , über die quellen zu Rudolfs von Ems Alexander. 
Donaueschingen. 4. 14 p. 

T. Macci Plauti Comoediae. Recensuit et enarravit J.L. TJssing. 
Vol. IV, p. 2. Pseudolum et Poenulum continens. Hauniae, Gyldendal. 
8. VIII, 362 p. 

Aristophanis Thesmophoriazusae. Recensuit A. von Velsen. Lips., 
Teubner. 8. VI, 88 p. 

Poetae latini minores. Receusuit et annotavit Aemüius Baehrem. 
Vol. V. Lipsiae, Teubner. 8. 466 p. 

Uistoricorum Romanorum fragmenta. Collegit disposuit recensuit 
Hermannus Peter. Lipsiae, Teubner. 8. XXVIII, 428 p. 

Zink, M. , bischof Victors von Vita geschichte der glaubensver- 
folgung im lande Africa. Programm. Bamberg. 90 p. 

The Alphabet, an account of the origine and development of 
letters by Isaac Taylor, M. A. , LL. D. 2 voll. London, Kegan Paul 
Trench and Comp. 8. XVI, 358, 399 p. 

Delectus inscriptionum Graecarum propter dialectum memorabilium. 
Iterum composuit Paulus Cauer. Lipsiae, Hirzel. 8. IX, 305 p. 

Der Gronovscholiast zu elf ciceronischen reden. Ueberlieferung, 
text und spräche auf grund einer neuvergleichung der Leydener hand- 
schrift dargestellt von dr. Th. Stanyl. Prag u. Leipzig, Freytag 1884. 8. 

Reiffer scheid, Aug., Anecdotum Fulgentianum. (Index lection. un. 
Vratislaviensis per hiemem 1883/84 habendarum.) Vratisl. 4. 10 p. 

Keil, Henr., oratio de jure ac ratione iustitutorum academicornm 
d. XII ~n. Martii habita. Hai. Sax. 4. (Index schob in un. Hai. p. 
h. MDCld .XXXII XIII habendarum.) 8 p. 

Keil, Uenr. , emendationes Varroniauae. Hai. Sax. (Ind. schob 
in un. Hai p. h. MDCCCLXXXIII— IV habendarum.) 10 p. 

Hillmanh de arte critica in Orphei Argonauticis factitanda capita 
duo. Lipsiae, Matthes. 8. 74 p. (Leipziger doctordissertation.) 

Paucker , r , supp ementum lexicorum latinorum. Fase. 1 — 3. 
Berolini 1883. c J 288 p. a 2 mk. 

Biographi Graeci qui fb Hesychio pendent, rec. loannes Flach. 
Berolini 1883. 8. X, 150 p. 

Jahrbuch, biographisches für alterthumskunde , hrsg. von Conrad 
Bursian. Fünfter Jahrgang 188.2. Berlin 1883. 8. 112 p. 

Nicolai, Rudolf, geschichte der griechischen litteratur für höhere 
schulen und zum Selbststudium. (Auszug aus dem größeren werke 
des Verfassers.) Magdeburg, Hein 'chshofen 1883. 8. 

Lyth, P. G., de usu praepositionis per apud Livium libri quattuor. 
Libri seeundi priorem partem de ptr cum temporalibus substantivis 
coniuneto. Holmiae 1882. 8. (Klemmings antiquariat.) 



Nr. 4. April 1884. 

Philologischer Anzeiger, 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



33. Umbriea interpretatus est Franciscus Buecheler. 
Bonn, M. Cohn u. söhn, 1883. 8. 224 S. 

Die grundlage zur entzifferung des Umbrischen , dessen 
gestaltung in den beiden letzten Jahrhunderten der römischen 
republik uns in den sieben, Opfervorschriften enthaltenden, igu- 
vinischen oder eugubinischen tafeln, theils im nationalen, theils 
im lateinischen aiphabet , in nicht unbeträchtlichem umfange er- 
halten ist, wurde bekanntlich durch Theod. Aufrecht und Ad. 
Kirchhoff in ihrem großen werke, Berlin 1849 — 51, gelegt. 
Ein weiterer fortschritt wurde durch Ed. H u s c h k e , Leipzig 
1859, und Mich. Breal, Paris 1875, versucht, während eine 
größere zahl kleinerer beitrage sich besonders in Kuhns Zeit- 
schrift für vergl. Sprachforschung und in Corssen' s werken 
zerstreut finden. Gleichzeitig mit Breal begann Fr. Bücheier 
seine publicationen, die sich nach und nach auf sämmtliche sie- 
ben tafeln erstreckten und jetzt von ihm gesammelt, verbessert 
und durch die übrigen reste des Umbrischen ergänzt, herausge- 
geben sind. 

Gewidmet ist das werk Herrn. Usener zu seinem 25jäh- 
rigen doctorjubiläum. Nach einem kurzen überblick über die 
bisherigen Veröffentlichungen und feststellung des Zweckes der 
arbeit folgen die alphabete der tafeln und einige Schriftproben. 
Dann giebt der Verfasser p. 1 — 27 den text der sieben tafeln, 
in der Aufrecht-Kirchhoff'schen reihenfolge , in lateinischer Um- 
schrift mit gegenüberstehender lateinischer Übersetzung , unten 
die nöthigen kritischen bemerkungen. Der commentar , auch 
in lateinischer spräche, beginnt mit der fünften tafel als der 
Philol. Änz. XIV. 13 



174 33. Umbrica. Nr. 4. 

leichtesten, die decreta fratrum enthaltend, p. 28 — 41. Es folgt 
die expiatio arcis oder montis lustratio, tafel I A und B bis z. 9 
incl. in umbrischer schritt, ausführlicher in lateinischer schritt 
tafel VI A und B bis z. 47 incl. umfassend, p. 42 — 83. Die 
populi lustratio enthält tafel IB 10 bis schluß-tafel VI B 48 bis 
Schluß nebst tafel VII. Letztere ist offenbar die jüngste und 
der lateinische schriftcharacter nähert sich der Sullanischen zeit. 
Der commentar reicht von p. 84 — 119. Die zweite tafel, p. 
120 — 149 enthält sacra instauraticia, februa, gentilicia; die dritte 
und vierte, p. 150 — 171 feriae arvales. Hieran schließen sich 
die sehr wenig zahlreichen Inscriptiones minores, darunter die 
münzinschriften von Iguvium und Tuder, p. 172 — 177. 

Der summarische abriß der grammatik p. 178 — 201 um- 
faßt die laut- und formenlehre und die präpositionen. Sehr er- 
wünscht wäre eine wortbildungs- und suffix- lehre gewesen, die 
allerdings noch mit großen Schwierigkeiten kämpft. Den schluß 
bildet ein sorgfältiger Index verborum, dem eine anzahl von Me- 
morabilia angehängt ist. 

Zunächst constatiren wir, daß kein anderer gelehrter durch 
umfassende kenntniß alles einschlägigen materials und langjäh- 
rige eingehende Studien auf dem gebiete der altitalischen spra- 
chen in gleicher weise wie Bücheier berufen und befähigt war, 
das umbrische entzifferungswerk fortzusetzen. Er hat denn auch 
über vieles noch dunkle eine fülle von neuem licht ausgegossen, 
sowohl sachlich durch heranziehung des mannichfachsten und oft 
entlegensten deutungsstoffes, theils aus den inzwischen erschlos- 
senen denkmälern, theils aus den nachrichten der alten, als auch 
sprachlich durch die scharfsinnigsten analysen und combinationen. 
Dadurch ist der allgemeine sinn der verschiedenen tafeln und 
abschnitte, der bisher für große theile des ganzen noch keines- 
wegs feststand, wohl durchweg gewonnen worden; von einem 
sicheren verständniß jedes einzelnen satzes und wortes und einer 
detaillirten durchdringung der erwähnten gegenstände und be- 
schriebenen handlungen aber, wie der sprachlichen stamme und 
formen, sind wir immer noch weiter entfernt, als oberflächliche 
kenntnißnahme der betreffenden forschungen sich denken mag. 
Täuschend wirkt in dieser hinsieht besonders die zur herstellung 
eines zusammenhängenden Übersetzungstextes für nothwendig er- 
achtete einfügung nicht weniger noch dunkler oder nur halb ver- 



Nr. 4. 34. Babrios. 175 

ständlicher oder erratheuer Wörter in mehr oder weniger latini- 
sirter umbrischer urform in die lateinische Übersetzung. Wie 
der Verfasser selbst darüber denkt, zeigt sich p. 120, wo er 
richtig, nach Coluniella , bemerkt „überhaupt im leben sei es 
höchst werthvoll , wenn man erst erkenne , daß man nicht 
wisse, was man wirklich nicht weiß". Es ist ein nicht geringes 
nebenverdienst des buches, daß der commentar nach allen rich- 
tungen hin die noch vorhandenen lücken unseres wissens auf- 
deckt , eine menge von scheinwissen erschüttert oder beseitigt, 
und zahlreiche winke giebt, an welchen puncten die forschung 
neu anzusetzen hat, um die altüberlieferten oder neu gefundenen 
räthsel zu lösen. Trotz aller glänzenden entdeckungen und aus- 
gedehnten , wie tiefgehenden Untersuchungen der neuzeit steht 
unsere kenntniß des altitalischen religiösen, socialen, sprachlichen 
lebens doch noch in den ersten anfangen und selbst das vor- 
handene material ist noch keineswegs bewältigt. In der allsei- 
tigen anregung , die es giebt , ruht ein besonderer Vorzug des 
werkes. Deutlich zeigt es auch, wie die altitalischen Studien 
für die tiefere erfassung des römerthums von hohem werthe sind, 
indem sie den boden enthüllen, auf dem dasselbe erwachsen ist. 
Eine durchnähme und prüfung der einzelnen neuen deutun- 
gen und auffassungen bedarf längerer zeit , als bisher verflossen 
ist, und größeren raumes, als hier gewährt werden kann. D. 

34. Babrius, edited with introductory dissertations criti- 
cal notes commentary and lexicon by W. Gunion Rutherford. 
London, Macmillan 1883. 8. CHI, 292 p. 12 sh 6 d. (Vol. 
I. der „Fabularum scriptores Graeci"). 

Der Verfasser des „neuen Phrynichus", der sich eben als 
feinsinnigen kenner der classischen gräcität bekannt gemacht hat, 
überrascht uns nach kurzer pause mit einer reichhaltigen aus- 
gäbe des Spätlings Babrius. Auf eine knappe vorrede folgen 
p. IX — CHI vier einleitende abhandlungen mit anhängen, p. 1 
— 131 text, kritische noten und commentar, schließlich ein lexi- 
con nebst andern indices. 

Das erste capitel der einleitung („Babrius") enthält sach- 
liche notizen über den dichter, insbesondre über seine lebenszeit 
und metrische kunst. Rutherford giebt hier durchweg, bis in 
einzelheiten hinein , die vom ref. {de Babrii aetate, Leipz. stud. 

13* 



176 34. Babrios. Nr. 4. 

IL p. 164 sqq.) entwickelte ansieht wieder, nach der Babrius 
als ein griechisch schreibender Römer aus dem anfang des drit- 
ten Jahrhunderts nach Chr. zu betrachten ist. Doch ist die be- 
ziehung des ' AXs^apÖQog prooem. II 1 auf Alexander Severus 
(„beyond disput" Rutherford p. XXIII) nun doch fraglich gewor- 
den durch die scharfsinnige Untersuchung K. J. Neumann's Rhein, 
mus. XXXV. p. 301 ff., welche Rutherford übersehen zu haben 
scheint. Hiernach wäre mit jenem ' Al&luvdQO^ vielmehr Cara- 
calla gemeint, mit seinem söhne Elagabal. 

Das zweite capitel bringt eine zwar skizzenhafte, aber licht- 
volle und anregende geschichte der griechischen fabel. Vor al- 
lem dankenswerth ist die übersichtliche Zusammenstellung der 
wichtigsten Zeugnisse. Was ref. a. a. o. geboten hat, findet er 
hier meist verwerthet 1 ). Ein kräftiges wort spricht Rutherford 
p. XLIX gegen die unmethodische art , mit der man über die 
herkunft der fabeln abzuurtkeileii pflegt. Doch geht sein skep- 
ticismus vielleicht zu weit. Durch eine sorgfältige Statistik der 
fabelstoffe dürfen wir wohl noch zuverlässigere kriterien kennen 
zu lernen hoffen, als die sind, mit denen man bisher zu operi- 
ren wagte. Sehr gespannt darf man sein auf die ausführungen, 
die Rutherford im nächsten bände seines werkes über diese fra- 
gen zu geben verspricht. 

Die darstellung der spräche des Babrius im dritten capitel 
geht aus von einer treffenden Charakteristik des hellenistischen 
idioms und tritt den von A. Funck übersetzten einleitenden Un- 
tersuchungen im ,, neuen Phrynichus" [growth of the Attic dialect) 
ebenbürtig zur seite. Zu bedauern ist , daß sie nicht zugleich 
mit jenen dem philologischen publicum Deutschlands zugänglich 
gemacht werden konnte. 

Mit der geschichte des textes (viertes capitel) wird eine in- 
struetive einleitung in die kritik des Babrius gegeben. Doch 
ist die cardinalfrage nach dem Verhältnis der beiden ausgaben 
(resp. bücher) nicht gefördert; ref. denkt an anderer stelle dar- 
auf zurückzukommen. Die sorgfältige und mit methodischer schärfe 

1) P. XL bringt Rutherford die hypothese, daß die Jixa/Liv9icc des 
Nikostratos quelle des Babrius gewesen sei mit der Schlußbemerkung 
„See also Rhodius (!), Rom. p. 326 adu. 1". Es ist E. Rohdes buch 
über den griechischen roman gemeint. Richtiger wäre verwiesen auf 
des ref. abhandlung ,,de Babrii aetate" p. 228 sq., aus welcher die 
hypothese, wie das lateinisch gefasste citat entlehnt ist. 



Nr. 4. 34. Babrios. 177 

geführte Untersuchung' über werth und Verhältnis der wichtig- 
sten textquellen führt zu resultaten , welche von den aufstel- 
lungen Knöll's wesentlich abweichen. 

In der annähme von interpolationen geht Rutherford noch 
erheblich weiter als seine Vorgänger. Die mit den fabeln nicht 
zusammenhängenden versificierten epimythien hatte schon Eber- 
hard mit recht durchweg als interpoliert bezeichnet. Rutherford 
bezweifelt p. LXXXVIII nun auch viele jener fälle, wo eine 
lehre oder sentenz in den schluß der fabel selbst verwebt ist, 
meist so , daß sie von einer handelnden person ausgesprochen 
wird. Hier kann ref. dem verf. nicht überall folgen. So glaubt 
er, daß fabel 104 durch Streichung der beiden letzten Zeilen ge- 
radezu verstümmelt wird; weniger würde man die schon von 
Eberhard bezweifelten verse fab. 33 vermissen , aber auch die 
Phädrusparaphrasen (Romul. p. 90 Oesterl.) bieten eine ganz 
ähnliche schlußwendung (vgl. de Babr. aet. p. 207). Warum 
man 63, 12 als „manifeste a Christiano epimythiasta profectum" 
betrachten soll , vermag ref. gleichfalls nicht abzusehen. Mit 
dem Schlüsse von fabel 31 wird dem dichter ein hübscher, 
dem heldenepos nachgebildeter zug geraubt; fab. 42 ist in den 
(bisher noch nicht recht erklärten) letzten versen gerade die 
pointe enthalten , wie ref. in den „Studien zu Babrios" (Fleck- 
eisen's Jahrbücher 1883 p. 244 f.) nachzuweisen versucht hat. 
Ebenso liegen fabel 79. 86. 95. 102. 134 keine geradezu zwin- 
genden verdachtsgründe vor. Berechtigter erscheint die schon 
von Eberhard vorgenommene athetese fab. 22 und 98 (wo aber 
die doppelinterpolation den echten ausgang verdrängt haben wird). 
Eine gleich erhebliche anzahl von versen streicht Rutherford 
p. LXXXIX in den fabeln selbst,' mit recht überall, wo er an 
Eberhard sich anschließt, ferner besonders 64, 8 2 ) und vielleicht 
prooem. I. 3 — 5 3 ). In manchen andern fällen kann ref. nicht 
beistimmen. Fab. 12 v. 14 f. glaubt er durch Umstellung hinter 
den von Rutherford gleichfalls ausgemerzten , aber mit leichter 

2) Von den beiden parallelversen 8 und 9 strich Lachmann viel- 
mehr 9; aber bei Rutherford 's annähme erklärt sich die entstehung 
der interpolation besser (aus falsch verstandenem zai [= auch.]) 

3) So schon Lachmann , der aber vers 6 das wiederholte xQ vßs ^ 
corrigierte: dies entspricht aber, wie auch Rutherford bemerkt, ganz 
dem saloppen stil des Babrius und seiner Zeitgenossen : vgl. ,,de Babr. 
aet." p. 201. 



178 34. Babrios. Nr. 4. 

änderung zu corrigierenden v. 17 4 ), fabel 52, 3 und 131, 16 
durch richtige erklärung hinreichend gerechtfertigt zu haben. 

Rutherford verwirft aber auch mehrere ganze fabeln als un- 
babrianiscb. Sein hauptkriterium leitet er ab aus der erwägung, 
daß Babrius seine Sammlung einem kinde gewidmet habe , für 
welches obscönitäten , wie sie fabel 48. 54. 110. 116 geboten 
würden, unpassend seien. Gleich unpassend erscheinen dem ref. 
von diesem gesichtspunkt aus verschiedene gegen die herkömm- 
liche götterverehrung gerichtete stücke. Aber der BQtiy%og des 
ersten proömium's war wohl lediglich eine fingierte person (de 
Babr. aet. p. 154 2 ), und dann kann er bei diesen fragen nicht ernst- 
lich in betracht kommen. Dem im zweiten proömium angerede- 
ten prinzen aber werden allerlei gelehrte notizen über natur und 
herkunft der fabel mitgetheilt, wie wir sie in den rhetorisch-so- 
phistischen handbüchern zu lesen gewohnt sind (ib. p. 229); er 
wird also sicher das Jünglingsalter erreicht haben ; nach Neu- 
mann ist es — Elagabal unmittelbar vor seiner ernennung zum 
kaiser. Ref. glaubt nicht, daß man in diesen kreisen gar zu 
strenge anschauungen von Sittlichkeit und schicklichkeit hatte, 
kann also den f olger ungen Rutherford's nicht beistimmen. Merk- 
würdig ist es nur, daß sich derartige elemente in der Jahrhun- 
derte lang als Schulbuch benutzten athoischen recension erhalten 
haben, gerade wie bei Phädrus. 

Das zweite kriterium (p. XCI), was aber nur in einem falle 
zur stütze des ersten dienen kann (fabel 116), ist formeller na- 
tur : eine kürze als schlußsilbe des verses. Babrius pflegt aller- 
dings als gegengewicht gegen den sprachaccent auf der vorletz- 
ten silbe die (nach meiner ansieht mit dem versictus versehene) 
letzte silbe zu längen (de Babr. aet. p. 165 1 . 194). Aber man 
wird weder Wörter wie rjtig und monsQ am Schlüsse beanstanden 
dürfen, da ihr zweites element schon wegen seiner ursprüngli- 
chen Selbständigkeit schwerer wiegt, noch nominal- und verbal- 
endungen mit den volleren vocalen o und a (Eberhard); das 
flüchtige s findet sich nie, außer in dem völlig verstümmelten 
fragment 141. Obendrein ist es sehr wohl denkbar, daß Ba- 
brius hierin in den beiden zu verschiedenen zeiten verfaßten 

4) Rutherford meint hier allerdings „quid velit Crusii coniectura 
[At) ßivov viro sobrio non liquet" (eine öfter gebrauchte wendung). Ref. 
kann auf die „Studien zu Babr." a. a. o. p. 236 verweisen , wo die 
stelle eingehend behandelt ist. 



Nr. 4. 34. Babrios. 179 

und in der athoiscben recension durcheinander geworfenen Samm- 
lungen nicht völlig gleichmäßig verfahren ist. 

So wird man ein vereinzeltes vorkommen jener kürzen kaum 
als instanz gegen die echtheit der betreffenden nummern anfüh- 
ren dürfen. Ref. hält daher, trotz der scharfen äusserungen Ru- 
therford's, auch fabel 106 immer noch für babrianisch und ist 
nach wie vor der meinung, daß sie sich, wie die meisten auf 
das Verhältnis von löwe und fuchs bezüglichen , durch märchen- 
haft-ausführliche darstellung auszeichnet und der perle der gan- 
zen Sammlung, der erzählung vorn hirsch ohne herz (95), im 
tone ganz nahe steht. 

Die textconstituierung im einzelnen beruht auf einer neuen 
collation des Athous. Die handschriftlichen lesarten haben aber 
nur an schwierigen stellen aufnähme gefunden in den critical 
notes unter dem texte ; das gros wird p. XCIII ff. mitgetheilt, 
jedoch nicht nach der reihenfolge der fabeln geordnet, sondern 
nach corruptel-classen gruppiert. So lehrreich diese Zusammen- 
stellungen sind , so sehr ist damit den „raore minute scholars u 
(p. XCVII) die feststellung der urkundlichen lesart in jedem 
einzelnen falle erschwert. Und wer weiß, wie mancher von Ru- 
therford stillschweigend corrigierter „Schreibfehler" nicht doch 
noch anlaß zu weiteren fragen geben wird ! Ref. kann dies von 
der herkömmlichen art abweichende verfahren nicht für nach- 
ahmungswerth halten. 

Der text steht im ganzen der Überlieferung näher, als der 
Eberhard'sche, von Gitlbauer zu schweigen. Etliche emenda- 
tionen erwiesen sich als lesarten des Athous (z. b. 95, 45) und 
an nicht wenigen stellen wird das überlieferte vertheidigt, wohl 
meist mit recht (so 36, 2. 77, 1; zweifelhaft 115,4. 156, 3). 
Die von anderen gebotenen Verbesserungsvorschläge sind mit 
gesundem urtheil und sicherem takte benutzt ; eine stattliche 
reihe neuer vermuthungen zeugt von eindringendem Scharfsinn 
und einem gut geschulten talente für conjectural-kritik. Doch 
scheinen Rutherford's änderungen dem ref. kaum nöthig 97, 12. 
107,3-, unsicher oder bedenklich 99, 3. 107, 7. 128, 7. 131,4. 132, 
3. 134,4 (gegen eine beobachtung Lachmann's) 135, 10; gar 
zu kühn 70, 2 ff. 5 ). Sehr ansprechend wird emendiert prooem. I 

5) Ist v. 3 für das glossem üq^i; (anders Rutherford) vielleicht iis 
civ zu lesen = „niemand"? 



180 34. Babrios. Nr. 4. 

18, fab. 21, 5. 27, 2. 52, 1 6 ) 59, 10. 107, 10, evident 34, 8 (^sr) 
91,4 («»tr) 129, 5 (äAfT^sJco)). 

Die kritischen noten sind lateinisch geschrieben. Gerade 
für die textkritik bietet das neu-latein eine knappe, scharf ge- 
prägte terminologie, welche man immerhin auch neben einer mo- 
dernen spräche anwenden mag. Aber Rutherford macht sich diese 
vortheile keineswegs zu nutze. Seine darstellung ergeht sich in 
behaglicher breite und er kann sich nicht versagen, allerhand 
muntre ein- und ausfälle an den mann zu bringen (vgl. zu fabel 
8. 29. 31, 19 = 49, 15. 75, 6). Derartiges liest sich in sei- 
nem schneidigem englisch denn doch besser, als in seinem „no- 
tenlatein". Auffällig ist die stereotype Wiederholung von lieblings- 
wendungen, wie viro sobrio liquet, supra solitum, non sine fiducia. 

Der englisch abgefaßte exegetische theil des commentars 
trägt einen durch und durch individuellen Charakter. Ueberall 
spricht der Verfasser des neuen Phrynichus zu uns , der sein 
werk verbessert und ergänzt und uns blicke thun läßt in seine 
reichen Sammlungen zur geschichte des attischen verbums. Ei- 
nige noten sind geradezu kleine sprachgeschichtliche monogra- 
phien geworden (vgl. zu 1, 6. 2, 6. 7, 15 u. s.w., am breitesten wohl 
50, 6. 86, 10). So werthvoll diese bemerkungen sein mögen, so 
stehen sie hier doch schwerlich am richtigen orte. Die eigent- 
liche erklärung des dichters tritt ihnen gegenüber zu sehr in 
den hintergrund. Unwahrscheinlich scheint dem ref. Rutherfords 
Übersetzung von 12, 4; sie ist 131, 6, wo dieselbe gespreizte 
phrase wiederkehrt, jedenfalls nicht zulässig. 

Der ton der commentare hätte hie und da wohl ohne schaden 
für die sache weniger herb und derb sein können (75, 6. 95, 9). 

Beigegeben ist ein Lexicon totius graecitatis Babrianae von 
H. Duff. Völlig abschließend und erschöpfend kann es jedoch 
nicht genannt werden, trotz seines titeis. Es fehlen die gebräuch- 
lichsten partikeln, wie *ai de yÜQ, für deren richtige lexikalische 
behandlung in neuerer zeit mehrfach mustergültige beispiele ge- 
geben sind. Ferner ist die urkundliche Überlieferung nicht 
überall gleichmäßig berücksichtigt. Ref. vermißt z. b. ö[it]gsv(a, 
was 39, 4 erste lesart des Athous ist und erst von Rutherford 
durch das beigeschriebene eiqtjvsvg) (mit falschem spondeus) er- 
setzt wurde. Ebenso fehlen, gegen die sonstige praxis des ver- 

G) Aehnlich ref. „Stud. z. Babr." a. a. o. p. 246 anm. 51. 



Nr. 4. 35. Timaios. 181 

fassers, die worte aus etlichen nach Butherford interpolierten Ver- 
sen (z. b. 3, 2. 131, 16, der wohl habrianisch ist). Doch kön- 
nen solche kleine ausstellungen den dank nicht verkürzen , den 
wir dem verf. für diesen mühevollen beitrag zur „scientific lexi- 
cography of the Greeh langnage" (ß. p. VII) schuldig sind. 

Der druck des buches ist correct 7 ) und geschmackvoll, die 
ganze ausstattung hat jenen charakter solider pracht , den man 
an Londoner publicationen gewohnt ist. 

In einem zweiten bände verspricht Verfasser die prosapara- 
phrasen zu veröffentlichen. Hoffentlich wird er auch den grund 
legen zu einer urkundlichen ausgäbe und textgeschichte der von 
Babrius unabhängigen Sammlungen, auf die wir in Deutschland 
bisher vergebens gewartet haben. Möchte ref. in diesen blättern 
recht bald über den fortgang des in mehr als einer hinsieht 
wichtigen und verdienstlichen Unternehmens berichten können. 

O. Crusius. 

35. Clasen, Christian, historisch-kritische Untersuchungen 
über Timaios von Tanromenion. Kiel, Lipsius u. Tischer, 1883. 
97 p. 8. 2 mk. 40 pf. 

Den äußeren lebensgang des Timaios berührt der verf., da 
über ihn alles nöthige bereits festgestellt sei , nur ganz im vor- 
übergehen, Auch auf die frage nach der gestaltung seines ge- 
schichtswerks läßt er sich nicht näher ein. In dieser beziehung 
schließt er sich im wesentlichen an die ergebnisse der von J. 
Beloch in den Neuen Jahrbüchern für klass. philologie bd. 123 
(1881), p. 697 — 706 veröffentlichten Untersuchung an und sucht 
(p. 6 f.) nur das, was er die „italische geschichte" des Timaios 
nennt, noch etwas näher zu bestimmen. Seine eigentliche auf- 
gäbe erblickt er in dem versuch zur lösung des offen zu tage 
liegenden Widerspruchs dazwischen , daß einerseits Timaios sich 
als einen mann von höchster frömmigkeit und streng sittlicher le- 
bensanschauung darstelle und von mehreren antiken Schriftstel- 
lern mit hohen lobsprüchen bedacht, von sehr vielen in weitge- 
hendster weise benutzt , andrerseits aber auch , namentlich von 
Polybios, auf das heftigste angegriffen werde. Das rechte mittel 

7) Von druckfehlern sind dem ref. noch aufgefallen : p. XIX anm. 
2(8chr. vaQ&r]%); p. LXXV anm. 1 (sehr. Trier); p. 18 crit. not. zu V. 
17 (sehr, /uij); p. 189 sp. 2, z. 15 (sehr. 3 9, 9) ; p. 192,1,1 (sehr. "Slaie). 



182 35. Timaios. Nr. 4. 

zur erreichung dieses ziels findet er in einer durchgängigen prü- 
fung der von Timaios herzuleitenden Überlieferung auf ihren 
thatsächlichen werth hin und verhehlt dabei von vornherein nicht, 
daß diese auf eine ganz wesentliche beschränkung jener abfälli- 
gen, auch in die moderne anschauung nur zu sehr übergegan- 
genen beurtheilung hinauszukommen haben werde. 

Nach dieser formulirung der frage gestaltet sich die arbeit 
im ganzen zu einer fortlaufenden, vor allem gegen Polybios ge- 
richteten antikritik. In diesem sinne wird zunächst (p. 10 f.) 
zusammengestellt, was sich aus den unter Timaios' namen er- 
haltenen fragmenten selbst über ziel und methode seiner for- 
schung entnehmen läßt, wird ferner der Vorwurf mangelhafter 
geographischer kenntnisse (p. 11 ff. ) ? der Vorwurf der tadelsucht 
und gehässigkeit ebensowohl gegenüber historischen persönlich- 
keiten wie gegenüber seinen Vorgängern auf dem gebiete der 
geschichtschreibung (p. 18 ff.), endlich derjenige der deisidaimo- 
nie (p. 38 ff.) geprüft, wobei zugleich der auf die älteren zeiten 
bezügliche theil der timäischen tradition erledigt wird. Hierauf 
werden gruppenweise (p. 45 — 56 „die sicilische expedition"; p. 
57—71 „Dionysios I. und II., Dion" ; p. 72 ff. „Timoleon") die 
ereignisse der späteren zeit in entsprechender weise beleuchtet. 
Der verf benutzt hier in weiterem umfange, als bis dahin, nicht 
bloß die unter dem namen des Schriftstellers überlieferten frag- 
mente, sondern auch die umfassenderen partien timäischen ma- 
terials, die anderweit sich als solche erkennen lassen. Hinsicht- 
lich der letzteren kann er mit seinen darlegungen zum guten 
theil auf den bereits von andern gefundenen resultaten fußen, 
zum theil aber, so besonders in dem abschnitt über Timoleon, 
schafft er sich selbst erst durch eingehendere quellenkritik die 
erforderliche basis dafür. Betreffs der sicilischen expedition — 
um seine ansichten in aller kürze zu skizziren — hat Timaios 
in der hauptsache aus Thukydides, Philistos, vielleicht Kleide- 
mos, jedenfalls auch aus Ephoros geschöpft und so ein bild der 
thatsachen hergestellt, welcheö bei mehrfachen einseitigkeiten 
doch keineswegs die dagegen gerichteten einwürfe verdient. In 
der darstellung Dionysios' I., die bei Diodor zum großen theil 
noch vorliegt, zeigt sich Timaios als gegner desselben, ohne daß 
jedoch in den von ihm überlieferten thatsachen als solchen eine 
bewußte entstellung zu finden wäre. Dionysios II. wird von 



Nr. 4. 35. Timaios. 183 

ihm in etwas günstigerem lichte dargestellt, von Dions charakter 
und Wirksamkeit gab er ein bild, welches ansprach auf den na- 
men der Zuverlässigkeit und Unparteilichkeit erheben kann. Für 
Timoleon benutzte den Timaios, die hauptquelle für die kenntniß 
dieser geschichtlichen episode überhaupt, am ausführlichsten und 
genauesten Plutarch, und zwar schon für die ereignisse vor der 
abfahrt nach Sicilien ; von da an bis zu dem gefecht bei Hadra- 
non that es auch Dioclor, um, nach einer aus Theopomp entlehn- 
ten partie , vom beginn des karthagischen kriegs an abermals 
mit Plutarch jenem ersteren zu folgen. Die biographie bei Cor- 
nelius Nepos ist ein auszug aus Timaios. Dieser hat nun, das 
wird zugegeben, den Timoleon allerdings in mehrfacher hinsieht 
weit über gebühr erhoben, und das herrschende vor allem durch 
Plutarchs darstellung beeinflußte urtheil über den letzteren wird 
entschieden zu modificiren sein. Betreffs des Agathokles haftet 
auf Timaios von alter zeit her gerade der entgegengesetzte Vor- 
wurf, und daß er leidenschaftlich gegen denselben aufgetreten 
ist, wird nicht in abrede gestellt werden können ; daß er aber 
zu Ungunsten desselben die thatsachen als solche entstellt habe, 
ist in ermangelung ausreichenden materials mindestens nicht zu 
erweisen. Für seine darstellung des Pyrrhos fehlt überhaupt 
jede unterläge. 

Gewiß hafteten also — das stellt sich als Schlußresultat 
heraus — an Timaios mehrere der ihm vorgeworfenen fehler ; 
aber sie erklären sich leicht theils aus der rhetorisirenden rich- 
tung der geschichtschreibung seiner zeit, theils aus seinen per- 
sönlichen anschauungen und aus den wechselfällen seines lebens. 
Andrerseits sehen wir in ihm einen mann von edler moralischer 
gesinnung, durchdrungen von tiefem religiösen ernst und hoher 
patriotischer begeisterung, einen historiker von reiner Wahrheits- 
liebe und idealer auffassung seiner aufgäbe. Die thatsachen 
selbst erzählte er getreu, wie sie überliefert wurden, aber in der 
Interpretation derselben folgte er zu oft und zu leicht seiner 
subjeetiven neigung. Anerkennung hat schon von alters her sein 
fleiß in der Sammlung des materials gefunden. Wenn er nicht 
gerade bemerkbar ins praktische staatsieben eingegriffen hat, so 
ist er doch auch nichts weniger als ein bloßer Stubengelehrter 
in unserm sinne gewesen. Er hat seine quellen mit selbständi- 
gem urtheil verwerthet, durch reisen und durch das Studium von 



184 35. Timaios. Nr. 4. 

Urkunden und denkmälern sie controlirt und seinen anschauungs- 
kreis erweitert; durch seine chronologischen forschungen bezeich- 
net er geradezu eine neue epoche der griechischen geschicht- 
schreibung. Jedenfalls bedeutet, was von ihm verloren gegangen 
ist, einen unersetzlichen verlust. 

So etwa der Verfasser. Soweit nun seine arbeit sich im 
geleise der zeitüblichen quellenuntersuchungen bewegt, sei hier 
nicht näher darauf eingegangen. Für die hauptmasse des Stoffs, 
der dabei in betracht kommt, stand doch, wie er auch selbst 
anerkennt, das wesentliche bereits fest. Einer kräftigeren Her- 
vorhebung von Volquardsens verdienst um die angelegenheit 
würde ich persönlich gern begegnet sein ; gewiß ist von dessen 
aufstellungen einiges zu beschränken, sonst aber ist von solchen, 
denen er doch erst die bahn eröffnet hatte, weit über gebühr 
daran gemäkelt worden. Wo der verf'., dem übrigens auch nicht 
etwa ungerechter weise das letztere nachgesagt sei , über jenen 
feststehenden stamm hinausgeht, ist seinen ausführungen , soweit 
sie wirklich neu sind, überwiegend der grad von probabilität 
zuzugestehen, der meines erachtens in solchen dingen überhaupt 
das höchste erreichbare ziel darstellt. Für das übrige, was da- 
runter zur zeit noch nicht einbegriffen werden kann, trösten wir 
uns damit, daß es einstweilen unter der ihm gegebenen beleuch- 
tung im verein mit dem andern ein ganz annehmbares bild bie- 
tet, — - bis einmal der nächste kommen wird , der das kaleidos- 
kop dreht, und durch eine neue gruppirung der trümmerstücke 
sicherlich ein in seiner art auch wieder ansprechendes bild er- 
zielen wird. Anerkennung verdient, daß der verf. in bezug auf 
die uns vorliegenden Schriftsteller nicht unbedingt der einquel- 
lentheorie huldigt und eine richtige ahnung von dem umsetzungs- 
proceß hat, welchem das material der Überlieferung auf dem 
wege von den primärquellen bis zu der niederschrift durch jene 
unterliegen konnte, wenn auch nicht in jedem falle oder immer 
in gleichem grade unterliegen mußte. Und daß nach allen Un- 
tersuchungen der hier berührten art gerade erst noch der we- 
sentlichste theil der aufgäbe von der sachlichen kritik zu erle- 
digen ist, diese anschauung und der versuch ihrer durchführung 
bildet ja das recht eigentlich charakteristische merkmal seiner 
arbeit. 

Betrachten wir sie unter diesem gesichtspunkt, so werden 



Nr. 4. 35. Timaios. 185 

wir anerkennen müssen, daß der verf. einen sehr richtigen ge- 
danken gefaßt hat, jedoch nicht ohne hinzuzufügen, daß derselbe 
noch eindringlicher hätte erfaßt und strenger durchgeführt wer- 
den mögen. 

Ich lege kein allzuhohes gewicht auf äußerlichkeiten und 
einzelheiten , deren ich doch zu meiner rechtfertigung hier auch 
einige anführen muß. Die schrift ist wenig übersichtlich gestal- 
tet, was sich mit rücksicht auf ihren umfang doch störend be- 
merklich macht; die drei von p. 45 an eingestreuten kapitel- 
überschriften helfen dem durchaus nicht hinreichend ab. Recht 
sachgemäß wäre es gewesen , — was nur zu häufig unterlassen 
ist, — den behandelten Timaiosfragmenten jedesmal auch die 
nummer der nun einmal zur zeit noch recipirten Müllerschen 
Sammlung , den anfuhrungen aus neueren Schriftstellern das ge- 
naue citat beizufügen 8 ^ Der verf., dem alles das freilich leben- 
dig vor der seele steht , sollte doch nicht bloß auf den engsten 
kreis der eingeweihten reflectiren. Diese kennen sich zwar schon 
aus , bekommen aber immerhin eine überflüssige mühe auferlegt, 
und für den fernerstehenden bleibt jedenfalls manches unver- 
ständlich, geht also die beabsichtigte Wirkung zum nachtheil des 
Verfassers selbst und seiner sache verloren. Auch die correct- 
heit des drucks läßt mehrfach zu wünschen übrig 9 ). 

In sachlicher hinsieht möchte ich in dieser Verbindung ein- 
spruch erheben z. b. gegen den versuch (p. 6 f.j, der „italischen 
geschichte" eine Stellung als einem abgesonderten bestandtheil 
innerhalb der ' Iotoqi'ui oder neben denselben anzuweisen. Der- 
selbe ist ebenso unbegründet, wie die in Verbindung damit ent- 
wickelte anschauung von der behandlung der römischen geschichte 

8} Z. b. p. 16, z. 10 1.: „Beloch a. a. o. p. 704", auch kommt die- 
sem nicht sowohl fr. 34, als fr. 55 in betracht; p. 17, z. 6 v.u. (text), 
wo der verf. selbst die fragmentnummer einzusetzen beabsichtigte, 
fehlt sie; p. 29, z. 2 v. u. (text) fehlt das citat zu „Unger"; p. 37 
anra. 1 1.: „VoLquardsen p. 92 f."; p. 57 anm. 1 zu ende ist „und 120'' 
unverständlich; desgl. p. 69, z. 3, wo man 1.: „Pfalz, M., Dion. etc., 
Chemnitz (Progr.), 1877, p. 19 sqq."; p. 70, anm. 1, z. 8 v. u. 1.: „Mül- 
ler p. 8"; p. 80 z. 5 1.: ,.Volquardsen p. 99" u. dgl. m. 

9) p. 5, anm. 3 1.: „Gumbinnen 1851"; p. 16, z. 3 1.: „fr. 32— 
34"; p. 22, z. 8 v. u. (anm.) 1.: „Freiburg"; p. 27, z. 11 1.: „(XII, 4 a)"; 
p. 30, anm. 2 1. : „91 a" statt 91, auch der unmittelbar darauf ge- 
brauchte ausdruck „öfter" beruht wohl auf einem versehen; p. 31, z. 
5 1.: „1346 (1349)"; p. 42, z. 11 „ngcggTjai^- p. 52, z. 9 „än^aria" ; 
p. 75, z. 3 „dvväoTai" ; p. 76 , z. 9 u. 8 v. u. „ xutaGigaTtjyrjd-syitg 11 u. 
dgl. m. 



186 35. Timaios. Nr. 4. 

durch Timaios innerhalb jener. Weiter ist es methodisch sicher- 
lich nicht richtig, wie es p. 13 unten geschieht, hinsichtlich der 
zahl der Rhonemündungen — (denn um sie, nicht um die durch 
ein unliebsames versehen genannten Pomündungen handelt es 
sich) — zwar anzuerkennen, daß der verschiedenen tradition ein 
zeitweilig verschiedener Sachverhalt zu gründe gelegen haben 
könne, dann aber immer noch die frage zu discutiren , ob nicht 
doch schließlich Timaios eigentlich recht, Polybios unrecht ge- 
habt habe, zumal da dem ersteren diese und jene anderweitigen, 
späteren schriftsteiler gefolgt seien ; wobei obendrein in mecha- 
nischer herübernahme der von Müller zu fr. 38 gegebenen ci- 
tate 10 ) betreffs dessen, was Plinius (III, 4, 33) wirklich giebt, 
ein irrthum unterläuft (für den stand der sache sei der kürze 
halber auf Müllenhoff, Deutsche alterthumskunde I, p. 197 f. ver- 
wiesen). Aehnliches ist dagegen einzuwenden, wenn p. 21, z. 
6 ff. der Schluß auf die annehmbarkeit einer timäischen etymo- 
logie darauf basirt wird, daß eben in dem betreffenden Zusam- 
menhang Timaios „im gegensatz zu andern historikern als au- 
torität genannt werde", oder wenn p. 26 die frage betreffs Phlegra 
einer betrachtung unterzogen wird , als könne es sich hier noch 
um etwas anderes handeln , als einfach um die feststellung der 
geschichte der tradition. Die sache mit den Sikanern (p. 23) 
steht keineswegs so einfach, wie der verf. meint. Der p. 31, z. 
11 f. monirte Widerspruch ist nicht vorhanden, schon weil nach 
Timaios Aeneas gar nicht der gründer Roms ist. Darüber, wie 
über einiges weitere, was Timaios und seine bedeutung anlangt, 
hätte der verf. an verschiedenen stellen im ersten band meiner 
geschichte der Karthager, wo der von Timaios behandelte stoff 
zu einem großen theil eingehend zu behandeln war , einige hin- 
weise, bez. ausgangspunkte zu weiteren Untersuchungen, gefunden. 
Doch möchte ich begreiflicherweise gerade hierbei nicht länger 
verweilen , außer etwa um nochmals den hinweis auf die eigen- 
thümliche bedeutung zu wiederholen, welche Timaios dem grün- 
dungsjahr Karthagos für die fixirung anderweitiger chronologi- 
scher bestimmungen zuwies. Gerade in dieser beziehung , wo 

10) Entsprechend ist p. 16, z. 3 f. mit einer von Müller zu fr. 37 
— (so ist in anm. 1 zu lesen, wo auch noch das citat aus Niebuhr 
der verification bedürfte) — leichthin aufgestellten ansieht und ihren 
unterlagen verfahren, wo doch eine nachprüfung recht am platze ge- 
wesen wäre. 



Nr. 4. 35. Timaios. 187 

noch eo manches zu eruiren sein müßte, thut der verf. überhaupt 
kaum mehr als die bekannten allgemeinen lobsprüche auf seinen 
autor, so wie sie schon vom alterthum her überliefert sind, zu 
wiederholen. Aebnlich hat er es sich — um von Pyrrhos zu 
schweigen — doch mindestens betreffs der auf Agathokles be- 
züglichen partie des timäischen geschichtswerks etwas zu leicht 
gemacht; hier wollte vor allem die läge nach der durch A. 
Enmanns Untersuchungen über die quellen des Trogus Pompeius 
ihr zuletzt gegebenen gestalt geprüft sein. Ich erwähne zum 
Schluß noch in dem hier verfolgten Zusammenhang, daß p. 75, 
anm. 1 statt der aufzählung griechischer benennungen der ari- 
stokraten vielleicht passender die bemerkung gestanden hätte, 
eine umsichtige beobachtung des gebrauchs solcher ausdrücke, 
z. b. bei Diodor, könne möglich er weise hier und da nützliche 
fingerzeige in der quellenfrage geben, endlich daß mit der p. 45 
ausgesprochenen , sehr berechtigten warnung gegen übereilte 
Schlüsse aus dem vorkommen wunderbarer thatsachen auf Ti- 
maios als quelle einige spätere äußerungen (p. 77. 82. 86) nicht 
völlig harmoniren. 

Desiderien solcher art erheben sich schließlich wohl gegen- 
über jeder arbeit; die vorstehenden werden manchem noch einer 
ergänzung bedürftig erscheinen, bei anderen auch selbst wieder 
einsprach finden. In der that scheint mir gerade im vorliegen- 
den falle das urtheil vor allem davon abhängig zu sein, wie die 
gesammtaufgabe zu stellen war und vom verf. erfasst ward, und 
in dieser beziehung möchte ich die oben gethane, nicht allseitig 
und unbedingt anerkennende äußerung noch in der kürze zu be- 
gründen versuchen,. 

Timaios bedarf keiner „rettung" : — dieser Standpunkt aber 
ist es, über den der verf. im ganzen nicht hinauszukommen ver- 
mocht hat. Er thut — das ist anzuerkennen — besseres und 
begründeteres als die , welche ausgerüstet mit den bekannten, 
auf ihren Ursprung hin nicht weiter untersuchten schlagworten 
von dem 'Enm'paiog und der rQaoovW.SKTQta und mit einer für 
diesen bedarf merkwürdigerweise allemal vorhandenen Überzeu- 
gung von der urtheilsfähigkeit des Polybios unter dem jeweili- 
gen eindruck dieser oder jener Überlieferungsgruppe timäischen 
Ursprungs, die ihnen irgendwie in den weg tritt, über ihren Ver- 
treter nur allzuleicht das übliche verdict fällen; aber er bleibt 



188 35. Timaios. Nr. 4. 

doch im wesentlichen auf derselben höhe stehen, wie sie. So 
kommt der leser, bei aller guten absieht des Verfassers und bei 
aller richtigkeit zahlreicher unter seinen feststellungen, doch über 
den eindruck des feilschens um einzelheiten nicht recht hinaus. 
Timaios bedarf vor allem oder — soll ich richtiger so sa- 
gen — nur einer sachgemäßen darstellung. Daß es , um das 
material für eine solche zu erreichen, nothwendig ist, weit über 
den kreis der unter seinem namen überlieferten fragmente hinaus- 
zugreifen, hat der verf. richtig gefühlt. Nur würde diese thä- 
tigkeit einen noch viel größeren umfang annehmen müssen , als 
es bei ihm der fall ist, und sie würde ihn mit überraschendem 
erfolg annehmen können. Mir schwebt seit jähren der plan vor, 
vor allem einmal zusammen drucken zu lassen, was noch auf 
Timaios zurückzuführen ist, und es würde das voraussichtlich 
einen ganz stattlichen band ergeben, — ein bild, nicht lücken- 
hafter, sondern vielleicht noch vollständiger , als wie wir es für 
manchen andern schriftsteiler besitzen, über den wir wunder wie 
gut unterrichtet zu sein und urtheilen zu dürfen glauben. Die 
frage über die anordnung dieses Stoffs, die bisher überwiegend 
das interesse der bearbeiter in anspruch nahm , würde dabei 
selbstverständlich auch ihre berücksichtigung zu finden haben, 
doch schließlich nur eine mehr untergeordnete rolle spielen. 
Persönlich bin ich in dieser hinsieht der Überzeugung , daß in 
der von Beloch mit genialer intuition gezeigten richtung die lö- 
sung zu finden sein wird, wenn auch einige der von Holm im 
28. bände des Jahresberichts f. d. klass. alterthumswissenschaft, p. 
159 f., erhobenen einwände die vollste beachtung verdienen. 
Uebrigens spreche ich von der interessanten und in jeder bezie- 
hung überaus lohnenden aufgäbe hier als von einer solchen, di€ 
ich selbst in absehbarer zeit doch nicht durchführen könnte und 
somit gern in anderen , wohl auch noch besseren händen sähe 
Wer an sie geht, müßte allerdings, wenn seine bemühung die 
rechte frucht tragen soll, an umsieht und vorsieht es nicht feh- 
len lassen, möchte am liebsten schon auf weiteren gebieten, ah 
sie die übliche arbeitsmethode in angriff zu nehmen liebt, einige 
erfahrung gesammelt haben , dürfte jedenfalls die strenge arbeii 
einer reihe von jähren nicht scheuen, nicht bloß so im handum- 
drehen, wie es nur zu häufig geschieht und unsrer wissenschaft- 
lichen produetion oft recht empfindlich schadet, nach kaum er 



Nr. 4. 35. Timaios. 189 

folgter umpfiügung des ackers auch schon die ernte sehen 
wollen. 

Ist so das material rein an sich, ohne jede rücksicht auf ir- 
gendwelches überlieferte urtheil darüber , zusammengestellt und 
wird dann in gleicher weise die leistung des Timaios in ver- 
gleich gestellt mit dem, was vorher für das von ihm bearbeitete 
gebiet vorhanden war, so wird sich für uns ganz von selbst der 
richtige Standpunkt der beurtheilung ergeben und auch für das 
verständniß des Schicksals, welches ihm weiterhin, speciell von 
seiten des Polybios, zu theil geworden ist, der Schlüssel gefun- 
den sein. 

Wohl macht sich augenblicklich eine Strömung bemerklich, 
welche in Polybios schließlich auch weiter nichts als einen der 
vielen irgendwelche Vorgänger ohne verständniß ausschreibenden 
compilatoren sehen möchte. Sie wird nicht bestehen bleiben 
gegenüber der auf umfassenderer durcharbeitung des stoffs be- 
gründeten Überzeugung, daß derselbe vielmehr nach dem von 
Thukydides unternommenen anlaufe der erste Vertreter einer 
wirklich kritischen geschichtschreibung in unserm sinne war, 
wenn auch mit einschluß aller der mängel, welche selbst dem 
bestgemeinten menschlichen thun überhaupt und allezeit anhaf- 
ten. Freilich wird f sobald die oben bezeichnete Vorarbeit ge- 
than ist , vom Standpunkt auch der letztgenannten Überzeugung 
aus zugestanden werden müssen, daß dem Polybios jener ehren- 
titel eigentlich nur zukommt, sofern er der erste in noch leidlich 
erkennbarem zustand erhaltene Vertreter der betreffenden rich- 
tung ist. Vor ihm hat bereits Timaios diesen Standpunkt ein- 
genommen. Timaios hat zuerst im angesicht einer herannahen- 
den großen geschichtlichen Wendung einen bis dahin nur epi- 
sodenhaft behandelten stoff, die geschichte der Westgriechen mit 
berücksichtigung der zu ihnen in beziehung stehenden Völker 
und länder, als in sich geschlossenes ganzes erfaßt und darge- 
stellt. Er hat für diesen kreis zuerst ein einheitliches chrono- 
logisches System geschaffen und dasselbe zu den ereignissen des 
Ostens, welche er gleichzeitig rücksichtlich ihrer chronologischen 
grundlage in umfassendster weise revidirte , in festen bezug zu 
setzen gesucht. Er hat für das von ihm zu behandelnde gebiet 
das vorhandene litterarisch überlieferte material in weitestem 
umfang herangezogen, hat dasselbe, wo sich die füglichkeit bot, 
Philol. Anz. XIV. 14 



190 36. Plato. Nr. 4. 

durch urkundliche forschung controlirt und mit eingehender kritik 
verarbeitet. Sein werk würde, wäre auch nur ein einigermaßen' 
nennenswerther theil in originaler fassung erhalten, bis auf äu- 
ßerlichkeiten herab, in der bücherzahl und der disposition des 
Stoffs, wie im ton der behandlung desselben und in der art der 
polemik, voraussichtlich geradezu überraschende analogien zu 
demjenigen des Polybios ergeben , und darin wäre , wie in dem 
umstand , daß letzterer doch direct an die von Timaios behan- 
delte zeit anknüpfte, seinerseits schon die beste thatsächliche an- 
erkennung für denselben ausgesprochen. 

Selbstverständlich hört, wenn wir in Timaios' werk für die 
von ihm behandelte zeit eine quelle von gleichem rang erkennen, 
wie in demjenigen des Polybios für die seinige, das amt der sach- 
lichen kritik jenem gegenüber ebensowenig auf, wie das gegen- 
über dem letzteren selbst von seinen aufrichtigsten Verehrern 
je gefordert worden ist. Nur wird sie ihre kriterien in keiner 
weise dem gebiete entnehmen, auf welchem Polybios mit seiner 
polemik gegen Timaios fußte. Diese ist vielmehr von rein pa- 
thologischem interesse mit bezug auf ihren Urheber. Sie erklärt 
sich für den, der sich in Polybios' Stellung nur einigermaßen zu 
denken versteht — und das material dazu giebt derselbe in aus- 
reichendem maße — ohne große Schwierigkeit, übrigens auch 
ohne daß sein gesammtwerth dadurch wesentlich alterirt würde ; 
aber sie ist auch ebendeswegen s. v. Polybios, nicht mehr s. v. 
Timaios, weiter zu behandeln. Otto Meltser. 

36. Theodor Bergk, Fünf abhandlungen zur geschichte 
der griechischen philosophie und astronomie. Herausgegeben von 
Gustav Hinrichs. Leipzig, Fues's verlag 1883. 189p. 8- 

Diese fünf abhandlungen des verstorbenen Bergk, deren 
Veröffentlichung wir der treuen mühwaltung Gustav Hinrichs' 
verdanken , bilden den würdigen abschluß einer langen und 
fruchtbaren forscherthätigkeit. Lassen sie in beziehung auf for- 
melle durchfeilung und abrundung hie und da auch die letate 
hand vermissen, so bringen sie doch das sachliche fast durchweg 
voll und klar zur geltung, wie sie denn ohne ausnähme die ei- 
genthümlichen Vorzüge aller Bergkschen arbeiten erkennen lassen : 
ein weit ausgebreitetes lebendiges und schlagfertiges wissen, ver- 
bunden mit einer regen combinationsgabe und unermüdlichem 



Nr. 4. 36. Plato. 191 

Spürsinn, der sich durch die trümmerhaftigkeit der Überlieferung 
eher gereizt, als abgeschreckt fühlt. Wir legen der besprechung 
dieser wichtigen Untersuchungen , die zum größeren theil der 
alten philosophie, und hier im besonderen wieder der platonischen 
forschung zu gute kommen, diejenige Ordnung zu gründe, in 
der sie uns in dem buche geboten werden. Der erste aufsatz 
handelt über die abfassungszeit des Theätet. 

Die endlosen versuche, die schriftstellerei des Plato auf ei- 
nen chronologischen faden aufzureiben , müssen durch ihre viel- 
fach widerspruchsvollen und sich gegenseitig aufhebenden ergeb- 
nisse auf den ferner stehenden Zuschauer den eindruck machen, 
als quäle man sich an einer wahren Sisyphusarbeit ab. Sieht 
man indeß näher zu, so bemerkt man, daß der mangelhafte er- 
folg dieser bemühungen nur zum theil in der natur der aufgäbe 
überhaupt , zum größeren theil vielleicht in der untauglichkeit 
der mittel ihren grund hat, die man zu ihrer lösung angewandt 
hat. So viel scheint angesichts des angehäuften „schätzbaren 
materials" sicher, daß die für eine bestimmte reihenfolge geltend 
gemachten gründe um so weniger wirkliche beweis- und Über- 
redungskraft haben , je ausschließlicher sie den inneren bezie- 
hungen des lehrgehaltes der einzelnen dialoge auf einander und 
dem gegenseitigen verhältniß der darin sich kundgebenden phi- 
losophischen Standpunkte entnommen sind. Nicht als ob die 
aufspürung und erörterung dieser beziehungen überhaupt zu ver- 
schmähen wäre. Allein , soweit es auf erledigung der hier be- 
rührten frage ankommt , steht diese aufgäbe nicht am anfang, 
sondern in gewisser weise erst am ende der Untersuchung ; sie 
setzt streng genommen die wenigstens theilweise lösung derselben 
schon voraus. Denn irre ich nicht, so liegt die sache doch so : 
man will ein bild der inneren entwicklung Piatos und seines 
philosophischen denkeus gewinnen. Das aber ist nur möglich, 
wenn man die kenntniß der äußeren reihenfolge der Schriften 
besitzt , in denen diese entwickelung ihren ausdruck gefunden. 
Sucht man nun diese kenntniß lediglich durch vergleichung des 
philosophischen gedankengehaltes zu gewinnen, so kann das nur 
geschehen auf grund einer schon vorgefaßten Vorstellung von 
dem allmählichen Werdegang der platonischen philosophie , mit 
andern Worten nur durch eine petitio principii Nun ist allerdings 
zuzugeben, daß, wenn erst auf anderem wege , sei es durch be- 

14* 



192 36. Plato. Nr. 4. 

nutzung einer unmittelbaren Zeitangabe, sei es durch historische 
combination , ein oder der andere sichere punkt gewonnen ist, 
jene dem inneren gehalt zugewandte betrachtungsweise helfend 
und weiterführend eintreten kann. Aber sie darf weder zum 
ausgangspunkt der ganzen Untersuchung gemacht, noch für sich 
allein angewandt werden. So willkommen also auch ihre ergeb- 
nisse entweder als mittelglieder der Untersuchung, oder als be- 
stätigendes moment am ende derselben , als eine probe auf die 
rechnung sein mögen, so bieten sie doch für sich allein keine 
ausreichende handhabe, um des gesuchten gegenständes herr zu 
werden. Sie gewähren , selbst angenommen , daß sie für ihren 
Standpunkt nicht verzeichnet sind, doch nur perspectivische an- 
sichten, die je nach dem gesichtspunkt, aus dem sie genommen, 
die nämlichen gegenstände bald größer, bald kleiner, bald näher, 
bald ferner, bald mehr auseinander gerückt, bald enger zusam- 
mengeschoben erscheinen lassen. Damit aber ist offenbar noch 
nicht erreicht, was wir suchen : wir brauchen eine geometrische 
prqjection , welche die angäbe der wirklichen abmessungen zum 
zwecke hat und in der sich die läge der einzelnen theile und 
ihre wechselseitigen entfernungen bestimmt und objectiv fest- 
stellen lassen. Mit einem wort , wir müssen bestimmte äußere 
merkmale zu gewinnen suchen, um uns die sicheren standlinien 
zu schaffen , von denen aus wir die weiteren abmessungen vor- 
nehmen können. Diese äußeren merkmale aber können in er- 
ster linie keine anderen als rein historische data sein. Gelingt 
es, die beziehung auf ein fest datirbares zeitereigniß festzustellen, 
so ist damit ein sicherer halt, gewissermaßen eine trigonome- 
trische Station geschaffen. 

Erst in zweiter linie können sprachliche beobachtungen und 
kriterien in betracht kommen, eine behauptung, die selbst gegen- 
über den ausgezeichneten und dankenswerthen Untersuchungen 
Dittenbergers aufrecht erhalten werden muß. Denn ist für 
mich auch die theilung in die zwei großen gruppen, die er un- 
terscheidet , vollkommen überzeugend , so muß doch einerseits, 
um das zeitverhältniß der gruppen zu einander zu bestimmen, 
schon anderweitig ein und das andere datum gegeben sein, wi- 
drigenfalls man nicht entscheiden könnte, ob nicht beide ihren 
platz zu vertauschen haben. Und zweitens ist innerhalb jeder 
der beiden gruppen die anordnung rein nach sprachlichen krite- 



Nr. 4. 36. Plato. 193 

rien höchst unsicher und überhaupt auf diese weise kaum end- 
gültig festzustellen. Wenigstens führt die bloß statistische ver- 
gleichung der häufigkeit des Vorkommens gewisser partikelver- 
bindungen zu recht willkürlichen und mechanischen ansätzen. 
Ich will dies nur an einem beispiel erläutern. Die echtheit des 
Parmenides bezweifelt zwar Dittenberger , doch stellt er ihn, 
seine echtheit vorausgesetzt , nach seinen sprachlichen kriterien 
in die letzte zeit der platonischen schriftstellerei. Ich bin nicht 
der meinung , daß dem Plato eine perle aus der kröne gerissen 
werde, wenn ihm dieser dialog genommen wird, würde mich viel- 
mehr, wenn er ihm einmal abgesprochen wird, freuen, wenn dies 
in unwiderleglichster weise geschähe , auf daß er aufhöre , den 
platonikern indigestionen zu bereiten. Läßt man aber den Plato 
weiter vatersteile an dem dialog vertreten , so liegt nicht der 
mindeste grund vor, den Parmenides unter die letzten Schriften 
zu verweisen. Vor allem kein sprachlicher grund. Denn ist es 
auch an sich richtig, daß der Parmenides die Verbindungen xal 
prqv und aü.a fit]* verhältnißmäßig in ungleich größerer fülle 
hat , als die Republik , der Phädrus und der Theätet , so ist es 
doch ganz ungerechtfertigt , daraus irgend welchen Schluß auf 
die abfassungszeit desselben im verhältniß zu den genannten 
dialogen zu machen. Es muß doch vor allem der Charakter des 
gespräches beachtet werden : als eine yvfivaaia kündigt er sich 
bestimmt genug p. 135. C. D an, und als ein ganz streng ab- 
gemessenes, nach festem und regelmäßigem plane durchgeführtes, 
in stereotypen formen sich bewegendes exercitium, das man sich 
versucht fühlt mit den touren eines contretanzes zu vergleichen, 
stellt er sich in der that dar. Wie man es also als Zuschauer 
auf dem exercirplatz ganz selbstverständlich findet, wenn man 
innerhalb einer reihe von evolutionen, die alle aus den gleichen 
elementen , wenn auch in immer neuen Zusammensetzungen be- 
stehen, wieder und wieder die nämlichen Wendungen und bis 
zum Überdruß die nämlichen commandos hört, so ist es auch 
kein wunder, wenn in unserem dialog die einführungen und Wen- 
dungen der Schlußfolgerungen, die xai ni]v und aXXa [t-qv in so 
gehäufter zahl unser ohr treffen. Und dabei ist wohl zu be- 
achten, daß diese -mu ptjv, dlXä firjr , ti [itjv, ye \ii\v und auch 
ovds prjv (Dittenberger, Hermes 16, 323 anmerk. 2) bis auf ein 
einziges «JA« ycrp — und auch dies im munde des Parmenides — 



194 36. Plato. Nr. 4. 

sammt und sonders im zweiten theile des dialogs sich finden, 
in dem Plato genau die formen der eleatisch - megarischen dia- 
lektik nachahmt. Eben aus dem letzteren umstand erkläre ich 
mir den gebrauch des dlXti \ti\v im Syllogismus; denn ich finde 
es gar nicht unwahrscheinlich , daß dieser gebrauch eben der 
eleatischen und megarischen schule seine ausprägung verdankt *). 

1) Der gebrauch von dkkd fifjv im Syllogismus findet sich schon 
bei Melissos Simplic. in Arist. Phys. fol. 22b s. Mullach Fragm. 
phil. I, p. 261. Bewegt sich die argumentation in diesem bruchstück 
auch nicht in einfachen Schlüssen, sondern in einer schlußkette, zum 
theil mit enthymematischer Verkürzung, so ist sie doch streng syllo- 
gistisch entworfen. Und was hier mit dkkd [ayjv eingeführt wird, ist 
nichts anderes , als der Untersatz des Schlusses , nur daß er in ver- 
kürzter form gleich mit dem Schlußsatz verbunden ist. Melissos näm- 
lich hat erst bewiesen, tö iöv sei utihqov, und weiter, wenn änttgov, 
so sei es auch tv. Dann fährt er fort: dkkd fiyv tl (?6 ibv) dnetgov 
(Ion), xal dxivtjiöv {l<sn), denn was tv ist, muß auch dxivyTov sein. 
Bringt man das letztere auf die regelrechte, d. h. in diesem fall die 
erste schlußfigur, so lautet der Schluß: to tv Icxt dxivrjrov • dkkd /utjv 
t6 ibv tv loxt, xb Ibv dga dxivtjTov. Man sieht, es ist der Untersatz des 
Schlusses , der bei Melissos mit dieser partikelverbindung eingeführt 
wird, nur gleich in Verbindung mit dem Schlußsatz, was für das wesen 
der sache völlig gleich ist. Wer das dkkd (xr t v in dem einen falle brauchte, 
für den war der gebrauch auch in dem andern falle selbstverständ- 
lich, ohne natürlich für einen von beiden fällen den gebrauch von di 
auszuschließen, das bei minder kräftiger rnarkirung eintrat. So sagt 
Melissos unmittelbar vorher bei ganz der nämlichen schlußweise tl 
dt dnttoov, tv, nicht dkkd fxrjv tl dnti.gov. Wie hier in der schlußkette 
die beiden partikeln wechseln , so muß es auch nach allen gesetzen 
der analogie im einfachen Schlüsse gewesen sein. In beiden fällen 
ist es der Untersatz, um dessen einführung es sich handelt. Im Par- 
menides wechseln beide formen des Syllogismus, der einfache schluß 
und der kettenschluß, und gerade dieser Wechsel läßt den leser recht 
deutlich erkennen, wie selbstverständlich der gleiche partikelgebrauch 
in beiden fällen ist, weil eben beidemal die nämliche geistesoperation 
zu gründe liegt, nur in etwas veränderter Ordnung. Wenn es z. b. 
Parm. 140 A, in der form genau so, wie oben bei Melissos, heißt: 
rov yt tvos X^Q^S iffdvtj xtjv rpvctv xb xavxöv. 'Akkd /uyv ti n nenov&t 
^wptff rov tv ilvai to tv, nktioj dv tlvat ntnov&ot y tv (die übrigen fälle 
von dkkd (jitjv im kettenschluß sind 136 C, 140 C, 144 A, 162 C), so 
zeigt die Verwandlung in die regelrechte form der ersten schlußfigur 
wieder, daß dkkd juyv den Untersatz einführt. Nämlich: to ntnov&ös 
Ti #copt? jov tv tlvat, nkttta dv tlvat ntnövftoi ij tv dkkd [xijv xb tv 
ninovS-i ti (nämlich to xavxöv tlvai) /oiglg rov tv • nktito dga tlvat nt- 
nov&t to tv % tv. Beide fälle lassen sich, wie man sieht, inbeziehung 
auf den gebrauch der beregten partikeln gar nicht trennen. 

Fanden nun die Megariker dies dkkd fiqv zur einführung des Un- 
tersatzes abwechselnd mit de schon bei ihren meistern, den Eleaten, 
vor, so ist es bei ihrer übertriebenen hervorkehrung des dialektischen 
und syllogistischen sehr leicht denkbar, daß gerade sie die gelenk- 
bänder des Syllogismus durch gewiß nicht ausschließliche, aber häu- 
fige Verwendung der stärkeren partikeln möglichst kräftig zu marki- 
ren suchten. Bei schulmäßigem betrieb der eristischen dialektik, die 



Nr. 4. 36. Plato. 195 

Aus alle dem ergibt sich , daß bei aller richtigkeit der Ditten- 
bergerscben beobachtungen für sich , der Parmenides doch eben 
so gut an den anfang wie an das ende der zweiten schriftstel- 
lerischen periode des Plato fallen kann. Ueberhaupt wird die 
rücksicht auf das von Plato beabsichtigte individuelle colorit 
noch zu mancher beschränkung und modification der Dittenber- 
gerschen aufstellungen führen. Sehr richtig und völlig unab- 
hängig von Dittenberger macht z. b. Bergk p. 112 anmerk. 2 
dieser abhandlungen auf den öfteren gebrauch von rC [u\v in den 
gesetzen gerade im munde des Kreters und des Lakonen 
aufmerksam. 

Eine objective historische Zeitbestimmung wird also immer 
den relativ größten werth behaupten. Der werth aber einer si- 
cheren datirung wird dann um so höher anzuschlagen sein, wenn 
sie einen dialog betrifft , dessen chronologische fixirung den si- 
cheren terminus a quo für eine reihe anderer dialoge bildet. Das 
ist bekanntlich mit dem Theätet der fall und darum ist es be- 
greiflich , daß sich die aufmerksamkeit und der spüreifer der 
forscher gerade diesem dialog in den letzten jähren mit beson- 
derer Vorliebe zugewandt hat. Und zwar hat es ein eigenthüm- 
licher zufall gefügt, daß durchaus unabhängig von einander zwei 
scharfsinnige gelehrte ganz den nämlichen weg einschlugen, um 
zu einer chronologischen eingrenzung zu gelangen. Etwa um 
dieselbe zeit , als E o h d e' s aufsatz in Fleckeisens Jahrbüchern 
1881, p. 321 ff. erschien, starb Bergk, dessen nachgelassener 
aufsatz sich auf der nämlichen grundlage aufbaut, wie der Roh- 
desche. Durch diese wenigstens hinsichtlich der grenze , hinter 
welche der Theätet auf keinen fall zurückgelegt werden kann, 
zu völlig gleichen resultaten führenden Untersuchungen ist unser 

das syllogistische verfahren weit über seinen wahren werth hinaus- 
hob, mußte sich das wie von selbst machen. Allein dem sei, wie ihm 
wolle, so viel ist sicher, daß der in frage stehende gebrauch von älXä 
fxrjv schon dem Melissos nicht fremd war. Was für unsern dialog dar- 
aus folgt, ist im text angedeutet. 

Doch wozu sich weitläufig auf Megariker und Eleaten berufen, 
wo doch die berufung auf Plato selbst vollauf genügt? Braucht 
Plato nicht auch in andern dialogen als dem Parmenides dies dkXa 
firjv im schluß zur einführung des Untersatzes? Zweifellos! Es findet 
sich im stricten schluß z. b. Soph. 228 C, und, wenn Galen de placit. 
Hippocr. et Plat. V, 729 Kühn, wie ich glaube, recht hat, auch Phaedr. 
262 A. Für stellen dieser art reicht die Unterscheidung zwischen regel- 
rechten Syllogismus und fortschreitender gesprächsentwicklung nicht aus. 



196 36. Plato. Nr. 4. 

dialog in der that nach der einen seite hin so festgelegt, daß 
ein versuch, ihn wieder in das jenseitige gebiet hinüberzuziehen, 
schwerlich auf erfolg rechnen kann : wenigstens scheint mir das 
seil, mit dem er festgeschlungen ist, stark und widerstandsfähig, 
und nicht, wie des Hudibras strick, aus sand gedreht zu sein. 

Rohde schließt folgendermaßen : jene worte des schönen 
zwischengespräches über den gegensatz des redners und des phi- 
losophen, in denen auf den ahnenstolz gewisser fürsten und de- 
ren rednerische Verherrlichung angespielt wird (174 D), kommen 
nur dann zu ihrem recht, wenn man sie auf einen herrscher be- 
zieht, der ein Zeitgenosse Piatos war. Das kann aber aus si- 
cheren gründen kein anderer sein, als Agesilaos, wenigstens 
kein früherer als er. Eine lobrede auf ihn kann aber nicht vor 
dem Euagoras des Isokrates geschrieben sein , da in seinem 
Euagoras Isokrates ausdrücklich bemerkt , daß dies der erste 
versuch sei, einen Zeitgenossen in einer prosaischen lobrede zu 
verherrlichen. Da der Euagoras aber nach 374 v. Chr. ge- 
schrieben ist , so muß auch der Theätet nach diesem jähre ge- 
schrieben sein, vielleicht sogar nicht unerhebliche zeit später. 
Wenigstens könnten für eine ein gut theil spätere abfassung 
mancherlei gründe geltend gemacht werden, wenn gleich dieselben 
nicht zwingender natur sind. 

So weit, d. h. gerade bis dahin, wo Rohde aufhört, stimmt 
Bergk's Untersuchung im wesentlichen mit Rohde überein. Allein 
Bergk geht weit über Rohde's vorsichtige ansätze hinaus. Denn 
er läßt erstens jenes syxoo/xiov , auf das sich die platonischen 
worte beziehen , erst nach dem tode des Agesilaos geschrieben 
sein. Sodann will er die bitteren bemerkungen des Plato über 
die unbeholfenheit des philosophen vor gericht im gegensatz zu 
der pfiffigkeit und um die wirksamen mittel nie verlegene welt- 
gewandtheit des redners auf ein Plato selbst widerfahrenes be- 
gegniß dieser art beziehen. Dies aber findet er in dem proceß 
des Chabrias 363 v. Chr., an dem sich Plato zu gunsten des 
Chabrias betheiligt habe. Die dabei gemachten unerfreulichen 
persönlichen erfahrungen sollen aus den worten der stelle un- 
zweideutig herausklingen. Damit aber noch nicht genug: auch 
zwischen diesem erlebniß und der abfassung des dialogs soll 
noch ein Zeitraum von 7 bis 8 jähren liegen , so daß wir also 
in die allerletzte lebenszeit des philosophen verwiesen werden. 



Nr. 4. 36. Plato. 197 

Die worte nämlich 174 D enthalten nach Bergk entschieden eine 
anspielung auf den zweiten aufenthalt Piatos in Syrakus und 
seinen mißerfolg am dortigen hof. Die veranlassung aber zu 
dieser apologie soll ihm gegeben worden sein durch einen schar- 
fen angriff des Isokrates. Ueber das verkältniß dieses redners 
zu Plato handelt sodann der lang ausgesponnene letzte theil der 
scharfsinnigen abhandlung, wobei noch mancher wichtige beitrag 
zur Chronologie der platonischen dialoge beigebracht wird. 

Ich vermag mir die folgerungen des ausgezeichneten for- 
schers nur so weit anzueignen, als er mit Rohde zusammengeht. 
Seinen weiteren kühnen combinationen kann ich schon aus dem 
gründe nicht folgen, weil der ausdruck atiin'i i-uftai , über den 
sich eine polemik zwischen Susemihl und Rohde erhoben hat, 
deutlich darauf hinweist , daß die betreffende lobrede noch zu 
lebzeiten des Agesilaos geschrieben ist. 

War es in diesem ersten aufsatz ein rein zufälliges zusam- 
mentreffen , das den verdienten Veteranen mit einem jüngeren 
forscher auf die gleiche bahn führte, so verdankt die zweite ab- 
handlung über „Piatons Gesetze" geradezu ihre entstehung 
der arbeit eines jungen gelehrten über dies letzte werk Piatos, 
nämlich der schrift von Ivo Bruns ,, Piatos Gesetze vor und nach 
ihrer herausgäbe durch Philippus von Opus, Weimar 1880". 
Eilte Bergk im ersten aufsatz, von den gleichen schranken aus- 
laufend , mit fast jugendlicher Schwungkraft weit über seinen 
jüngeren genossen hinaus , so zeigt er sich in der zweiten ab- 
handlung zwar gerade so kühn, wie es dem forscher ziemt, aber 
doch dem jüngeren gegenüber im ganzen mehr einschränkend, 
hemmend und am gegebenen festhaltend. 

Bruns hat mit scharfem blicke erkannt, daß in dem großen 
nachgelassenen werke Piatos bestandtheile vereinigt und in ein- 
ander gefügt sind , die , wenn sie auch in der hauptsache von 
Piatos hand herrühren, doch in der Zusammensetzung, in welcher 
sie uns vorliegen, unmöglich von Plato selbst gedacht sein können. 
Treffend weist er nach, daß es mehrere, auf völlig verschiedener 
grundanschauung beruhende entwürfe sind , die sich in unserem 
werke durchkreuzen und mehr oder weniger mechanisch in ein- 
ander verarbeitet sind. Im Zusammenhang damit stellt er die 
kriterien fest, die für die Unterscheidung derselben maßgebend 
sind und führt die sonderung der massen im einzelnen durch. 



198 36. Plato. Nr. 4. 

Es ergiebt sich auf diese weise, daß an eine in sich zusammen- 
hängende und zusammenstimmende hauptmasse, gebildet durch 
den größten theil der bücher III — XII sich schlingpflanzenartig 
andere bestandtheile angesetzt haben, vor allem buch I und II, 
sodann partien des 5. und 12. buches. Inder hauptsache stammt 
auch das , was sich als dem grundstock unseres werkes fremd- 
artig erweist, nach Bruns von Plato selbst; es ist ein früherer, 
ihn nicht befriedigender und darum zurückgelegter entwurf. 
Daneben aber glaubt er doch in ziemlichem umfang auch selb- 
ständige zuthaten und gedanken des herausgebers Philippos zu 
erkennen. Dies im großen und ganzen die ansieht von Bruns. 
Stimmt nun Bergk in der frage quid facti, d. h. in der an- 
erkennung des mit einander unverträglichen und in der Schei- 
dung der massen im wesentlichen mit Bruns überein , so weicht 
er um so entschiedener in der frage quid iuris, d. h. in der er- 
klärung der so erkannten thatsachen von ihm ab. Wenn Bruns 
der meinung ist, die mit der hauptmasse nicht zu vereinbarenden 
bestandtheile seien, abgesehen von den Zusätzen des Philippus, 
frühere anlaufe Piatos, von deren fruchtlosigkeit er sich im ver- 
laufe der arbeit überzeugt habe , so meint Bergk in dem werke 
selbst den deutlichen hinweis darauf zu finden , daß Plato die 
bestimmte absieht gehabt und durchgeführt habe, nach der Jlo- 
XiTEi'n in einem großen zweigeteilten werke zwei weitere , der 
Wirklichkeit sich progressiv nähernde Verfassungen zu schildern, 
von denen die eine zwischen dem ideal und der Wirklichkeit die 
mitte halten, die andere auf dem boden der Wirklichkeit stehen 
sollte. Die zwei vor allem entscheidenden stellen für diese auf- 
fassung sind V, 739 (vgl. p. 48) und III, 682 (vgl. p. 112), 
die allerdings kaum einer andern deutung räum lassen, als der 
Bergkschen. Danach wäre es die absieht des Verfassers gewesen, 
in einem großen werke zunächst eine nolnsia devrega , von 
Bergk passend Nöuoi noörsgot genannt, sodann eine tqi'tt] no- 
lizeia, als Nofiot. devtsgoi von Bergk bezeichnet, zu schildern. 
Das geht aus der stelle des 5. buches klar hervor, welche .un- 
zweideutig von einer agiairj, einer dsvre'ga und einer Tglttj no- 
lirsia spricht, die er theils dargestellt habe, theils darstellen 
werde. Nach dem Zusammenhang, in dem sich die betreffenden 
worte finden, mußte man, unaufgeklärt über die composition des 
ganzen, annehmen, daß eben die Schilderung, innerhalb deren 



Nr. 4. 36. Plato. 199 

sie stehen, nämlich der Verfassungsentwurf der neu zu gründenden 
kretischen kolonie, die dtvrfoa nolirsla sei, und daraus ergab 
sich die weitere annähme, daß Plato das versprechen einer zqi'tij 
no).i7?ia nie eingelöst habe. Allein das, was Plato hier, an- 
geblich als 8tV7FQrt nnXizsia gegeben hat, entspricht in keiner 
weise dem b egriff dieses zweiten Staates, den er selbst ge- 
kennzeichnet hat. Denn die Schilderungen , weit entfernt sich 
dem begriff der 8tv7ina no\i7tla gemäß dem idealstaat noch ver- 
hältnißmäßig nahe zu halten, lehnen sich fast durchweg an die 
Wirklichkeit an , wie schon Aristoteles bemerkte. Für die ver- 
sprochene dritte Verfassung blieb also sachlich gar kein räum 
mehr. Das gegebene kann selbst nichts anderes als dieser dritte 
Staat sein : die Verfassung der kretischen kolonie ist die ver- 
sprochene 7oirr\ nnXntia und jene worte des 5. buches gehören 
demnach ursprünglich nicht hierher, sondern in die tjqÖisqoi vöfioi. 
Das unterscheidende hauptmerkmal für die nporsooi und Ssvtsqoi 
vöfini ist dies, daß die ersteren an die bestehende kretische und 
spartanische Verfassung anknüpfen, deren bestimmungen zum aus- 
gangspunkt für reformen im ganzen noch mehr idealer natur 
gemacht werden, die letzteren dagegen den entwurf für eine ganz 
neu zu gründende, dem leben sich entschieden annähernde ko- 
lonie entwickeln. Jede von beiden hatte u. a. ihre besonderen 
einrichtungen für trinkvereine. Und Plato bezieht sich , wie 
Bergk meint, in den Ssviepm vnßoi ausdrücklich auf die ver- 
wandten bestimmungen darüber in den tiq/itsooi vöftoi. „Daraus 
erhellt, daß nach Piatos intention die beiden abtheilungen der 
vn/itni ein zusammenhängendes werk bilden sollten", (p. 71). 

Daß Plato auch die nnörsoni vofioi, von denen uns jetzt 
nur noch trümmer vorliegen , in allem wesentlichen vollendet 
habe , sucht Bergk durch den nachweis wahrscheinlich zu ma- 
chen, daß in den dsvtsgoi vouoi durchweg bezug genommen wird 
auf den ersten theil, wie sich denn mehrfach Verweisungen auf 
verloren gegangene partien der tiq^t^qüi vo/ioi finden (vgl. u. 
a. p. 115). Durch einen unglücklichen zufall muß der größere 
theil der letzteren vernichtet worden sein. 

Dies die ebenso einfache wie scharfsinnige lösung des räth- 
sels, die Bergk gibt, und die für mich völlig überzeugend wäre, 
wenn nicht eben jener „unglückliche zufall" als ein factor mit 
in die rechnung aufgenommen werden müßte. Abgesehen davon 



200 36. Plato. Nr. 4. 

scheint mir die Bergksche bypothese vor der Brunsschen den 
Vorzug zu verdienen. Je natürlicher und leichter sich nach der 
ersteren der scheidungsproceß vollzieht, je ungesuchter sich vor- 
kommende Verweisungen und beziehungen erklären , die für Un- 
tersuchungen der vorliegenden art ja in gewisser weise die an- 
gelpunkte bilden, um so mehr hat sie anspruch auf Wahrschein- 
lichkeit. Je gewaltsamer anderseits nach der zweiten vielfach 
verfahren werden muß, um ihr zu ihrem rechte zu verhelfen, je 
öfter namentlich der Zusammenhang einer an sich ganz unver- 
dächtigen stelle durch herausreißen eines gliedes aus der kette, 
das sich der theorie nicht fügen will, gestört werden muß (vgl. 
namentlich p. 112 und besonders p. 113 anm. 2, ferner p. 115 
der Bergkschen abhandlung), um so mißtrauischer wird man 
gegen diesen erklärungsversuch werden. Anscheinend sehr lä- 
stige Wiederholungen, ungeschicktes zurückgreifen und zurück- 
weisen auf nahe zuvor verhandeltes verlieren ihr störendes durch 
die annähme Bergks , daß die betreffenden partien ursprünglich 
viel weiter von einander abstanden, indem sie sich auf die bei- 
den großen massen des werkes vertheilten. Dann war die rück- 
beziehung, ebenso wie die zum theil abweichende fassung der 
sache erklärlich. 

Freilich geht es auch bei Bergk nicht ohne anwendung 
einiger kräftigerer mittel ab, wie Streichung von tvv und afiix(j(S 
und dgl. bei Verweisungen, die sich nach seiner hypothese auf 
weiter zurückliegendes beziehen müssen. Allein das nimmt sich 
sehr unschuldig aus gegenüber der gewaltsamkeit^ mit der Bruns, 
genöthigt durch seine gesammtansicht über die composition des 
Werkes, ganze stellen streicht und dem Philippus in die schuhe 
schiebt, von denen man sich schwer überzeugen kann, wie Phi- 
lippus auf ihre abfassung gekommen sein sollte. 

Und dies führt auf einen andern wichtigen punkt, nämlich 
auf den antheil, welchen Philippus an der darstellung hat. Bruns 
sieht sich schon aus dem oben angeführten gründe genöthigt, 
diesen antheil nicht ganz gering anzuschlagen. Aber er setzt 
noch weit mehr, als bloße Zwischenbemerkungen und Verwei- 
sungen auf seine rechnung. Ganze gedankenreihen, wie den 
Schluß des zweiten buches, soll Philippus auf eigene hand hin- 
zugefügt haben. Dem tritt Bergk auf das entschiedenste ent- 
gegen und kann das mit um so größerem erfolg, als durch seine 



Nr. 4. 36. dtulihtQ. 201 

hypothese eine anzahl ohne sie unerklärlicher Verweisungen sich 
von selbst erledigt. Er hat von der pietät des herausgebers 
einen ebenso hohen , wie Bruns einen niedrigen begriff. Nach 
Bergk hat Philippus eigene gedanken so gut wie gar nicht ein- 
gemischt, sondern seine ganze aufgäbe darin erkannt, das, was 
er von Piatos hand vorfand , mit möglichster Schonung zusam- 
menzufügen. Allerdings hat er öfters auf eigene hand zusätze 
eingeschaltet, aber immer nur zum zwecke der redaction, um die 
mangelnde Verbindung herzustellen, um seine anordnung der ihm 
vorliegenden bruchstücke zu rechtfertigen u. dgl. „Alle miß- 
griffe des Philippus entspringen aus einem irrthum , der aller- 
dings folgenschwer ward. Er hat nicht erkannt, daß er zwei 
wesentlich verschiedene entwürfe vor sich hatte, welche nach 
des Verfassers plane ein großes zweitheiliges werk über gesetz- 
gebung bilden sollten. Der versuch, aus diesen disparaten ele- 
menten ein einheitliches werk herzustellen , mußte nothwendig 
mißlingen" (p. 61.) 

Durch die arbeiten der beiden gelehrten ist meines erach- 
tens die frage im wesentlichen gelöst und wird auch weitere 
forschung noch manche einzelheiten aufklären, so scheint mir doch 
die arbeit im großen vollendet. 

Noch muß ich ein versehen berichtigen , das dem heraus- 
geber bei diesem aufsatz untergelaufen ist. P. 66 nämlich ist 
bei dem absatz in der vorliegenden fassung eine klaffende lücke 
zu bemerken. Denn nachdem von jenem gleichniß im 5. buch 
die rede gewesen , wonach das gemeinwesen ein gewebe sei, 
dessen zettel das volk, dessen einschlag die Üqxmtss bilden, ist 
im folgenden absatz von einer ganz andern Sache , nämlich von 
der einrichtung der trinkgelage die rede, und doch wird einfach 
nur von „dieser einrichtung" gesprochen. Offenbar gehört die- 
ser ganze absatz von p. 66 bis p. 68 entweder hinter den fol- 
genden abschnitt, der ja mit seinen anfangsworten (p. 68 „buch 
I, 637 D beginnt die erörterung über die «f'tfr/' etc.) überhaupt 
erst in diesen gegenständ einführt, oder er war als anmerkung 
zu diesem folgenden abschnitt unter den text zu setzen. 

Die di alt in «,*, über welche der dritte aufsatz handelt, 
sind eine unter den pythagoräischen nachlaß gerathene , kleine, 
im dorischen dialekt abgefaßte schrift (Mullach, Fragm. phil. I, 
p. 544 fi.), über deren bedeutung und namentlich über ihr ver- 



202 36. Aristarchos von Samos. Nr. 4. 

hältniß zu der unter des Arcbytas namen gehenden schrift negl 
t<w ovros vor allem Gruppe viel abenteuerliches zusammenge- 
fabelt hat. Bergk sucht den nachweis zu führen , daß dies 
schriftchen nichts weniger ist als ein erzeugniß pythagoräisiren- 
der speculation , daß es vielmehr aus den kreisen jener älteren 
Sophisten hervorgegangen ist, die um die wende des 5. und 4. 
Jahrhunderts v. Chr. lebten. Der Verfasser ist nach Bergk ein 
Zeitgenosse Piatos gewesen und genauer wird als zeit der ab- 
fassung unseres werkchens durch scharfsinnige verwerthung ei- 
niger andeutungen das jähr 383 v. Chr. ermittelt. Nicht niin- 
der sicher läßt sich nach Bergk der ort der abfassung bestim- 
men : es soll Cypern gewesen sein. Nicht als ob der Verfasser 
aus Cypern gebürtig wäre, sondern er hat nur dort, wie andere 
Sophisten, sein glück versucht und sich eine zeit lang in Salamis 
aufgehalten. Daraus erklärt sich auch wahrscheinlich der do- 
rische dialekt. „Denn das lehrbuch war für seine schüler be- 
stimmt. Der äolische localdialect der dortigen ansiedier war 
für diesen zweck nicht zu brauchen; fehlt doch überhaupt den 
Aeoliern eigentlich die schriftmäßige ausbildung der prosa. Der 
sophist bedient sich also des dorischen dialektes, da dieser den 
Aeoliern verständlicher war, als .die ias oder atthis". (p. 134.) 

Daß die schrift sehr mit unrecht unter das pythagoräische 
inventar gestellt worden ist, hat Bergk klar nachgewiesen ; ebenso, 
daß sie ein erzeugniß der skeptischen richtung ist. Daß dies 
nicht längst schon erkannt worden, kann man sich nur daraus erklä- 
ren, daß das schriftchen , einmal in die rumpelkammer gestellt, 
überhaupt wenige leser gefunden hat. Daß aber der Verfasser 
den älteren Sophisten beizuzählen und daß seine schrift in Cy- 
pern in dem besagten jähre abgefaßt sei, scheint mir wenigstens 
noch nicht so sicher, als es von Bergk hingestellt wird. 

Sehr zu beachten sind die bemerkungen, die Bergk bei die- 
ser gelegenheit über das vorurtheil gegen den nachlaß der py- 
thagoräischen schule macht, die er keineswegs geneigt ist, so 
kurzweg und unterschiedslos für gefälschtes gut zu halten. 

Eine ebenso dankenswerthe wie schwierige aufgäbe hat 
Bergk in der vierten abhandlung sich gestellt und sie nach ihrer 
philologischen seite wohl ziemlich erschöpfend gelöst : eine ge- 
schichte der heliocentrischen hypothese des Aristarch von 
Samos, dieses Kopernikus des alterthums. Er ist es in der 



Nr. 4. 3G. Aristarchos von Samos. 203 

that gewesen, der neben dem gedanken der axendrehung der 
erde zuerst den von der jährlichen bewegung der erde um die 
sonne, der dem System des Philolaos noch durchaus fremd war, 
nach mathematischen und erfahrungsmäßigen principien auf die 
Sternkunde anzuwenden suchte. Wir fühlen uns von bewunde- 
rung erfüllt für den geist eines mannes , der den muth hatte, 
eine idee zu fassen, die paradox und der bisherigen astronomie, 
ja dem himmel selbst widersprechend schien. Die geistige that 
eines solchen mannes verdient es, daß den spuren ihres Ursprungs 
und ihren weiteren Schicksalen nachgegangen werde. Hat Ari- 
starch Vorläufer gehabt, die ihm den rühm der entdeckung strei- 
tig machen könnten ? Oder, wenn dies nicht, hat von den frü- 
heren vielleicht irgend einer auf seine hypothese eingewirkt ? 
Sein lehrer Straton , der peripatetiker, sicherlich nicht, denn er 
ließ mit Aristoteles die erde ruhen. Herakleides Pontikus? Er 
kennt nur eine axendrehung der erde, keine fortschreitende be- 
wegung , wenigstens hat er eine wissenschaftliche begründung 
dieses gedankens nie versucht. Aber er hat nach gewissen mit- 
theilungen allerdings im vorübergehen , mehr als eine phantasie 
diesen gedanken hingeworfen (p. 150) und mag dadurch immer- 
hin dem Aristarch die anregung zu seiner hypothese gegeben 
haben. Trotzdem wäre es ganz verkehrt, wollte man behaupten, 
daß Aristarch von ihm sein heliocentrisches System entlehnt habe. 
Denn so weit es überhaupt wissenschaftlich ausgebildet ward, 
war es zweifellos das verdienst des Aristarch. „Er fügt zu der 
täglichen rotation der erde um ihre axe den jährlichen kreis- 
lauf um die sonne hinzu : nicht nur der himmel , sondern auch 
die sonne steht still, und zwar im centrum des weltgebäudes, 
während man bisher diese stelle der erde angewiesen hatte", (p. 153.) 
Aber die hypothese war zu kühn und widerstrebte zu sehr 
dem zeugniß der sinne , als daß sie auf allgemeine annähme 
hätte rechnen können. Indeß das hätte im gründe nur den 
großen häufen der laien abhalten sollen, ihr beizustimmen. Wie 
kam es aber , daß auch , mit einziger ausnähme des Seleukus, 
philosophen , mathematiker und astronomen sich ablehnend ver- 
hielten ? Den wahren grund deutet Bergk nur an : ihn weiter 
auszuführen, ist mehr sache des astronomen, als des philologen. 
Fragt man nämlich : welchen praktischen dienst konnte die hy- 
pothese der Sternkunde leisten , so lautet die antwort durchaus 



204 86. Philostratos. Nr. 4. 

unbefriedigend. Sie war namentlich nicht im stände , die Un- 
gleichheiten der planetenläufe zu erklären und bot für die be- 
rechnung ihrer bahnen dem astronomen geringere vortheile, als 
die geocentrische hypothese. Darum blieben die beobachtenden 
astronomen, wie Hipparch, der alten ansieht treu, ähnlich wie Tycho 
de Brahe sich mit dem kopernikanischen system nicht befreun- 
den konnte, weil es vor Keplers entdeckungen keine größere, 
sondern eine geringere Übereinstimmung mit dem himmel ge- 
währte, als das alte System. Es fehlte dem Aristarch der Kepler, 
der seine hypothese mit dem himmel in einklang gesetzt hätte. 
Diese astronomische seite der sache hat Bergk, wie gesagt, nur 
angestreift. Ihn beschäftigt in erster linie die philologische 
feststellung dessen, was über die Stellung der einzelnen gelehrten 
der folgezeit, des Stoikers Kleanthes, des Archimedes, des Krates, 
des Hipparchos zu Aristarchs hypothese überliefert ist. Dabei 
kommen recht verwickelte fragen zur erörterung, wie die über 
die textesgestaltung des Simplicius in dem commentar zu Ari- 
stoteles nsgl ovquvov , über den Wortlaut einiger stellen des Ar- 
chimedes u. a., deren Überlieferung der emendationskunst reich- 
lichen Spielraum bietet. Das geschichtliche ergebniß ist einfach 
dies , daß Aristarchs hypothese einsam und für die astronomie 
wirkungslos stehen blieb , und , fügen wir hinzu , auch in der 
folgezeit stehen geblieben ist. Denn Kopernikus hat, so viel 
wir wissen, ohne irgend welche künde von Aristarchs hypothese 
sein system entwickelt. 

In der letzten, der fünften abkandlnng erweist Bergk 
der familie der Ph ilos träte, die unter den Vertretern der so- 
phistik im zweiten und dritten Jahrhundert n. Chr. eine hervor- 
ragende stelle einnimmt, den philologischen liebesdienst eine ent- 
wirrung ihrer verwickelten Verwandtschaftsverhältnisse und einer 
sonderung und gerechten vertheilung ihrer schriftstellerischen hin- 
terlassenschaft. Er gelangt ad 1) zu dem ergebniß, daß vier Phi- 
lostrate zu unterscheiden sind, von denen der zweite der söhn des er- 
sten, der dritte der nefie des zweiten, der vierte der enkel des dritten 
gewesen ist; ad 2) daß dem ersten Philostrat zuzuschreiben ist der 
Nbqcov, dem zweiten Tu .%• iuv Tvaria '<4noX\ooviov, die Bioi aocpi- 
ormr, die 'Eniorolat i^coTinai und vielleicht der rv[ivotoiiito<s ; dem 
dritten die Eixorsg und der 'HgoatTtoa ; dem vierten das bruchstück 
der EixÖm^. Otto Ajpelt. 






Nr. 4. 37. Hephästion. 205 

37. Scholia Hephaestionea altera integra primum edita a 
W. Hoerschelmann. Dorpati Livonor. 1882. (Universi- 
tätsschrift.) 4. 

Der durch seine Studien auf dem gebiete der scholienlitte- 
ratur rühmlich bekannte herausgeber unternimmt es hier , zum 
ersten male vollständig, diese scholiensammlung mit methodischer 
kritik auf gesicherter handschriftlicher grundlage zu veröffent- 
lichen. Er basiert den text im ersten theile § 1— anfangs § 9 
(p. 13, 3), lediglich auf die diesen theil allein vollständig und 
am besten gebende handschriftenclasse X, welche die codd. P. 
= Parisinus 2881 , = Harleianus 5691 [vom herausgeber 
aufgefunden und zuerst benutzt], C = Cantabrigiensis, S = Bod- 
leianus umfaßt. Von den classen Z (V = Parisinus 2847 und 
R = Arundelianus 517 Gaisfords Norfolciensis) und Y (Vertreter 
p = Parisinus 2756, k = Parisinus 2757) giebt er nur die 
wichtigern Varianten. 

In der zweiten hälfte, § 9— § 20 (28) (p. 13, 4— p. 30), 
giebt Y das fundament ab , da classe Z , wenngleich auf einen 
guten archetypus zurückgehend , doch vielfach verstümmelt und 
sehr fehlerhaft ist. Nur wo diese classe die Urschrift genauer 
wiederzugeben schien, hat sie berücksichtigung gefunden. 

Für die beurtheilung des textes nun , wie ihn Hörschel- 
mann vorlegt, müssen zwei grundsätze , die derselbe voranstellt 
maßgebend sein : „in integri libri editione principe ante omnia ve- 
ram codicum speciem exliibendam esse' 1 , zweitens „contra artis cri- 
ticae rationem graviter peecet , si quis omnia non librariorum sed 
scriptorum menda correcturus sit. u 

Für die richtigkeit dieses letzteren grundsatzes ist ein evi- 
dentes beispiel der ganze § 5. — Was jenen ersten betrifft, so 
erhalten wir durch die Sorgfalt, mit der die discrepantia scripturae 
angegeben ist, ein deutliches bild der handschriftlichen Überlie- 
ferung , welche die allgemeine characteristik derselben , wie sie 
in der praefatio voraufgeschickt ist , nur bestätigt. Es sind un- 
zählige stellen dadurch corrigiert, aber auch die emendatorische 
thätigkeit des herausgebers zeigt sich in glücklicher weise auf 
jeder seite, so z. b. p. 1, 15 hqit^qiov für ze'a[x>'joiov] 19 Gvrtfx- 
nzcoaeig für Tzzcäatig] ,2, 10 naoädeiytiu. ib für nanaSsiynaia. 
So ist auch sicher 2, 19 üucpczsoa ds xaleiTut fieSi/jrog als in- 
terpoliert bezeichnet; gut ist auch der Vorschlag, 2, 20. 21 nv 
Philol. Anz. XIV. 15 



206 37. Hephästion. Nr. 4. 

ndliv und yoa agooayogsvopev zu tilgen. Viel Wahrscheinlich- 
keit hat die ergänzung der lücke 3, 15 mit qiavsgov •■ 6 yag . . 
— dem sinne nach ist unbedingt richtig 6, 16 — 18 hergestellt, 
ebenso 13, 32. 33, was Hörschelmann ohne bedenken in den 
text aufnehmen konnte. Zweifellos ist auch die Verbesserung 
xovga vlv für vlv xovga 12, 11, denn in gleicher weise ist auch 
auf der vorhergehenden seite aus dem acatalectischen dimeter 
ovo' 'Afieityiav ogäzs durch anfügung von vlv der hypercatalec- 
tische gemacht; und dies konnte ebenso in den text aufgenom- 
men werden. Und die bemerkung, daß 8, 1 orijog — 3 k'lazzov 
eine epitome imprudenter facta eorum quae antecedunt sei, ist sicher 
richtig. Mit recht ist auch 7, 24 die lücke angedeutet und 
5, 13 td stäf] als glossein gestrichen. Von den vorschlagen zu 
5, 17 ist der letzte an aD.qlmv slg äXXqXa sicher wohl anzu- 
nehmen. Endlich ist gut § 18 die Überschrift eingefügt neg) 
£idajv zoi i]Q<ai'xov. Die anderen kleineren Verbesserungen auf- 
zuzählen ist zwecklos. 

Einzelne punkte, in denen wir mit Hörschelmann nicht über- 
einstimmen, mögen hier folgen. Die einsetzung von uvzixuaüut 
yag 3, 28 ist nicht empfehlenswerth •, es schließt sich nach der 
parenthese der satz dv t'inri (s o statt unoi schreibt ref. mit be- 
nutzung von tXni] in C) unmittelbar an den hauptsatz an : y.ui- 
zot iv zolg ze%vixoig s^sy^ov ea%8v o ogog — av stay zig zag 
fiovoygafj^nizovg. In 4, 15 ist das handschriftliche sxdztgov wohl 
richtig. Gemeint sind beide erfordernisse des vyirjg ogog, welche 
angedeutet sind in denworten: vyiyg jag ogog . . . 6 [xrjdsv e|co- 
&ev zöov ogit,0(A,hvo3v 6V[A7ii:gila[/ßdrG)i> nai /Atjdev zäv ogi^o^ivwv 
xazalinäv. 7, 15 scheint zo %äpiev zijg nagaTqgijoEcog doch 
richtig zu sein. Dem Schreiber ist die erscheinung, daß durch 
ngöo&eoig die metra in umgekehrter reihenfolge als durch dcpai- 
geaig aus einander entstehen, etwas interessantes, niedliches, ar- 
tiges. Ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich meine, jfapte&I 
in dieser bedeutung und in ähnlichem zusammenhange in den 
scholien gelesen zu haben. 

Wenn 10, 19 sich der scholiast entschuldigt, daß er wegen 
des seltenen Vorkommens des iambischen pentameters nicht über 
dessen dno&iaeig reden will, so scheint es angemessen, daß er 
dasselbe auch beim trochäischen thut, falls er ihn zu übergehn 
gedenkt; es bedurfte seinerseits eventuell nur eines kurzen hin- 



Nr. 4. 37. Hephästion. 207 

weises auf jene erwähnte auslassung. Da eine solche aber 12, 
12 fehlt, so ist es wahrscheinlich, daß in diesem falle die re- 
daction Y vor X den vorzug verdient. Und wenn Z auch an 
der stelle abweicht, so lassen sich diese abweichungen doch leicht 
erklären, durch die Wiederholung so ähnlicher sätze, die ein ab- 
irren nur zu sehr ermöglichen. Ungenau ist allerdings die fas- 
sung beim acatalectischen pentameter nQnay.ti^irov zm tu.h zov 
„X/of" , indem dieses wort nicht ganz ans ende zu setzen, son- 
dern vor 8s einzuschalten ist ; aber dieser ungenaue ausdruck 
mag wohl auf rechnung des scholiasten selbst zu setzen sein, 
und veranlaßt ist das ganze durch seine einmal angenommene 
anordnung : brachycatalectisch , acatalectisch , catalectisch , hy- 
percatalectisch. So mußte er von einem verse ausgehen, der 
factisch nicht vorhanden war, vom brachycatalectischen, den er 
sich bildete, indem er Xiov durch 8s ersetzte. 

P. 20, 13 ist die Kicke mit unrecht angenommen. Denn da 
sich der ganze satz doch auf das vorhergegangene beispiel 

rji'iSsoj fiovotfg oux iyivovzo cpiloi 
bezieht, in dessen erster hälfte ein dactylus die erste, ein spon- 
deus die zweite stelle einnimmt , und da dies auch eben aus- 
drücklich erwähnt ist zu (iev tiq(ütov n£td>jiuixaQsg sötiv £'k 8ax- 
zvlov •/. a i a 7i o v 8 s i o v xai ouXlqßijg [xi<.y.näg , so konnte der 
scholiast unmöglich fortfahren ontQ saziv ute xai unqortQovg 
zoig nö8ag lni8t'^sz(i.i 8a.y.7v).ovg ?/ anoiSet'ovg <C?j zov nfjärov 
8äy.Tvlav xiu zov Ssvzeqov r>nor8£Wi'^> >j xat zov nqäzov cnov- 
dsTor y.a) tbv 8tvT£Qov Suxzvlov. Das oze xal mit seiner be- 
ziehung auf das vorherige verbietet, den eingeklammerten satz 
in den text aufzunehmen. 

Zum Schlüsse hat Hörschelmann das capitel nsoi oi(jocp?}g 
ÄttiazQoqtov xal sncpSov appendicis instar abdrucken lassen maxime 
ut in hoc libro quinquepartito ea locum non habere quivis intellegat, 
und mit recht, wie er schlagend beweist. 

Von druckversehen bemerke ich, außer einem falschen Spi- 
ritus, olx für ovx , einem dreifachen s in esse, nur p. 1 die 
zweite bemerkung der adnotatio critica, welche auf p. 2 zu zeile 
19 gehört, p. 5 zu 1 gehört ph del. Mendelssohn unmittelbar 
hinter vor || . p. 8 zu 3 steht dubito an 16 (statt 1). p. 20 
steht §14 statt 15. Endlich ist in dem § nsol no8är die bezeich- 
nung von abschnitt IV ausgefallen. Georg Schoemann. 

15* 



208 38. Cicero. Nr. 4. 

38. Rudolf Hirzel, Untersuchungen zu Ciceros philo- 
sophischen Schriften. IE. theil. De finibus. De officiis. 1 — 2 
abtheilung. Leipzig, S. Hirzel 1882. 913 p. 8. 18 mk. J ). 

Die erste abtheilung dieses IE. theiles der Hirzelschen Un- 
tersuchungen trägt die Überschrift : die entwickelung der stoi- 
schen philosophie (p. 1 — 566) und bildet ein selbständiges ganze 
für sich. Die zweite abtheilung hat folgenden inhalt: die schritt 
De finibus bonorum et malorum p. 567, 1. das dritte buch p. 567, 
2. das vierte und zweite buch p. 620, 3. das erste buch p. 669, 
4. das fünfte buch p. 691. Die schrift De officiis p. 721 , ex- 
curse I— VIII p. 737—911. 

I. Daß Hirzel die erste abtheilung als ein für sich beste- 
hendes buch von dem übrigen abgelöst hat , läßt sich am ende 
durch die erwägung rechtfertigen , daß eine gelegentliche und 
isolierte darstellung dieser theile nicht den grad von Sicherheit 
erreicht haben würde, den ihr zweck die grundlage für anderes 
zu bilden, erfordert (p. 2), aber nicht wohl zu rechtfertigen ist 
es 1 ), daß es dieser umfangreichen schrift an jeder orientierenden 
Inhaltsangabe fehlt. Wie leicht findet sich jeder z. b. in den 
entsprechenden abschnitten von Zeller zurecht, und wie schwer 
ist es ohne einen Wegweiser sich in diesen weitverschlungenen 
pfaden spinösester Untersuchungen nicht zu verlieren. Ref. glaubt 
sich daher den lesern des ebenso gelehrten wie belehrenden bu- 
ches nützlich zu machen , wenn er zunächst den inhalt in form 
einer übersichtlichen Inhaltsangabe reproduziert. 

Wenn man früher sich genügen ließ, das ganze des stoicis- 
mus als ein einheitliches System zu überschauen und die ge- 
stalten eines Zeno, Kleanthes und Chrysipp wohl in ihrer mensch- 
lichen eigenthümlichkeit, aber nicht in ihrer philosophischen be- 
stimmtheit vor sich sah , sucht Hirzel in die etwas vagen be- 
griffe von Zeno dem begründer , Kleanthes dem fortsetzer und 
Chrysipp dem Vollender des stoicismus leben und inhalt zu brin- 
gen und die philosophische Individualität der einzelnen aus den 
litterarischen resten möglichst herauszuschälen. Er beginnt mit 

Zeno — p. 44. Zeno ist nicht in der weise des rohen 
eklektikers verfahren, der blind tappend oder nach äußerlichen 
rücksichten aus den dementen fremder lehren die eigene zu- 

1) Dies war geschrieben , ehe der III. theil der Untersuchungen 
erschienen. Ref. behält sich vor auf das hier gesagte zurückzukommen. 



Nr. 4. 38. Cicero. 209 

sammengestellt, sondern er hat sich zunächst dem cynismus an- 
geschlossen und das princip desselben festgehalten , trotzdem er 
in der ethik neben den aya&d die ngorfffASva anerkannte, trotz- 
dem er die von Antisthenes verpönte naturphilosophie wieder in 
den kreis der Wissenschaft aufnahm. Es ist nicht zufällig oder 
willkürlich, daß er, den Xöyot; des Antisthenes vom moralisch- 
intellektuellen gebiet auch auf das der äußeren natur übertra- 
gend, dem Heraklit folgte, denn Heraklit konnte einem folgerich- 
tigen denken als der fortsetzer der kynischen lehre erscheinen, 
ja Zenon konnte die erweiterte lehre vom Xöyog als im geiste 
des Antisthenes liegend betrachten und voraussetzen, daß dieser 
eine solche consecjuenz zu andern zeiten auch selber gezogen 
haben würde. — Zenon's schüler, auch die dissentierenden, wur- 
den durch die Verehrung für Sokrates wie durch ein gemeinsa- 
mes band unter sich und mit ihrem lehrer verknüpft. Wo aber 
war ein dissensus? In der lehre von den nQOijyixhva. 

Ariston und Herillus ( — p. 58) kämpfen beide ge- 
gen diese nooiffuHcc, freilich jeder in seiner art. Ariston, indem 
er, nur mit dem ideal des weisen beschäftigt, lehrte : außer dem 
guten und bösen sei alles andere für uns ein d8tuq:oQop , He- 
rillus , indem er das leben auch der nichtweisen in den kreis 
seiner betrachtung ziehend und an Plato sich anschließend den 
namen der ngoyyfisva zwar aufgab, aber dafür die rnottliStg 
als in der menschlichen natur begründet und als für gewisse 
stufen der entwickelung nothwendig ansah. Zu den treuen Ze- 
nons zählte Persaeus ( — p. 84), der die lehre von dem „vor- 
zuziehenden, werthhabenden" zu der seinigen machte, sich über- 
haupt mit der theorie wie der praxis seines lehrers in voller 
Übereinstimmung befand. Uebrigens war er wohl mehr histori- 
ker und ein mann des praktischen lebens, denn ein systemati- 
scher philosoph. Er erinnert in dieser beziehung an Xenophon, 
der ihm in vielen stücken vorbild war, wenn er auch nicht sein 
lehrer sein sollte. — Die bisher genannten schüler Zenons faßten 
nur den moralischen theil von dessen lehre ins äuge, das system 
des meisters in seinem ganzen umfange ergriffen und fortgeführt 
zu haben, dies verdienst gebührt nach Hirzel 

Klean thes ( — p. 182). Inhalt seiner lehre — p. 169, 
form — p. 182. Kleanthes ist ein schüler Zenons, aber durch- 
aus kein beschränkter, buchstabengläubiger, sondern ein selbstän- 



210 38. Cicero. Nr. 4. 

diger in dem sinne, wie es jeder, auch der beste sein soll. Will 
man ihn dem meister gegenüber charakterisieren, so verdient er 
nicht ein strengerer cyniker, sondern ein konsequenter Herakli- 
teer genannt zu werden, wie dies z. b. auch die auffassung vom 
Xöyog offenbart, den er nicht als die individuelle Vernunft (Zenon) 
verstand, sondern als xuivcg Xoyog (Heraklit) zum sittlichen 
prinzip erhob. Herakliteer ist er auch in der naturphilosophie, 
der eigentlichen domäne des Ephesiers, so wahrscheinlich in der 
lehre vom entstehen und vergehen der weit, über den Ursprung 
der vernünftigen seele im menschen u. a. Ja wenn er eigent- 
liche theile der philosophie nicht gelten ließ, sondern nur theile 
der darstellung, so scheint er den anstoß durch Heraklit bekom- 
men zu haben, der nur das eine wissen von dem göttlichen in 
der natur anerkannte. Es war eben die gleiche dichterische 
Veranlagung , die den Kleanthes zu Heraklit trieb. Selbst in 
seinen prosaischen Schriften blieb Kleanthes so zu sagen dichter. 
Daß er trotzdem oder vielmehr gerade deshalb ein schlechter 
lehrer war und innerhalb der stoa nicht rechten boden fassen 
konnte, wer möchte ihm das verargen? — 

Chrysippos ( — p. 221). Sein verdienst liegt anerkannter- 
maßen in der ausbildung der dialektik , aber auch die zur dia- 
lektik gehörige erkenntnistheorie hat er um eine stufe weiter 
geführt, indem er die von Epikur zuerst aufgebrachte nQolqxpig 
auch den stoikern aneignete, während Zeno und Kleanthes neben 
der ttazaXijfiTixTj (pavraaia noch den ög&dg löyog für das krite- 
rium gelten ließen. Bei dieser gelegenheit wird die lehre von 
der xaTalrj7iTixr] (pavraola , dieser wichtige punkt der stoischen 
erkenntnistheorie, eingehend untersucht und xaraltj7zti>c6g gegen 
Zeller IIP, p. 83 passivisch gedeutet, so daß KaraXrjmim] cpav- 
taaia eine Vorstellung wäre, „welche ergriffen werden kann", 
das gegentheil ay.<xrä\rimog eine solche, bei welcher dies nicht 
möglich. Die vollkommene deutlichkeit und bestimmtheit soll 
nach Hirzel das wesentliche der xazahjnTi'Atj qiavTaoia sein. — 
In der stoischen theologie ist Chrysippos der erste, der den po- 
lytheismus streng faßte, denn es ist falsch, wenn man behauptet, 
über diesen kernpunkt seien die verschiedenen mitglieder der 
schule einstimmig gewesen ; vielmehr hat Zeno, der die Vernunft 
an ein bestimmtes element, das feuer, band, den keim zum pan- 
theismus gelegt, Kleanthes hat ihn weiter entwickelt, und Chrysipp 



Xr. 4. 38. Cicero. 211 

hat ihn zur vollen reife gebracht; nach ihm erstreckt sich die 
gottheit der seele gleich durch alle theile der weit, das r'r/e/xo- 
rixnv ist überall selbst im starrsten und leblosesten enthalten. 

Boethos ( — p. 230) nimmt eine eigentümliche Stellung 
in der schule ein und gewinnt in demselben maße, wie er sich 
von Chrysipp entfernt, wieder fühlung mit den älteren stoikern. 
Er hielt die weit nicht für ein „animal", sondern nur für ein 
„corpus natura gubemabile". — Nach Chrysipp tritt die ethik in 
den Vordergrund , während das interesse für den naturwissen- 
schaftlichen theil der philosophie zu erlahmen scheint. Dioge- 
nes, Antipater und Archedemus ( — p. 257), im wesent- 
lichen darin einig, daß sie in die eigentliche defmition des rilog 
im gegensatz zu Chrysipp die erfüllung der v.aütjv.otza aufnah- 
men , eine änderung resp. differenz , die durch die angriffe des 
Karneades hervorgerufen wurde, dessen Zeitalter alle drei ange- 
hören. Auch sonst haben sie den einwürfen der gegner etwas 
eingeräumt, wie z. b. Antipatros wahrscheinlich darin eine con- 
cession gemacht , daß er den äußeren dingen einen größeren 
werth für unser glück beilegte als die übrigen stoiker (Seneca 
Ep. 92, 5). In der lehre von den Schlüssen (Sext. Emp. Pyrrh 
hyp. II, 167 adv. dogm. II, 443) und de bona fama (Cic. De 
fin. III, 57) haben wir gleichfalls eine concession an die akade- 
miker zu konstatieren. — In der philosophie des Panaetius haben 
platonismus und akademische skepsis ihre spuren zurückgelassen. 

Panaetios und sein schüler Poseidonios ( — p. 535). 
Es ist bemerkenswert!!, daß sie nicht von nqoriyniva redeten, ei- 
nem terminus technicus innerhalb der stoa , sondern daß sie dem 
Verständnis und geschmack eines größeren leserkreises rechnung 
tragend das gemeinverständliche oiya&d setzten. Indessen es 
waren nicht formale rücksichten allein, die sie zu dieser abwei- 
chung von der stoischen schulsprache veranlaßten. Auch die 
stoische philosophie hat ihre Jugend und ihr alter gehabt , den 
glauben an ihre ideale und das verzweifeln daran. Der glaube 
der ersten stoiker an das ideal des weisen schleppt noch seine 
eierschalen aus dem cynismus nach, denn diese, die cyniker, gin- 
gen in ihrem dunkel so weit, dem Sokrates als einem fleisch und 
blut gewordenen ideal nicht etwa nur Herakles und Cyrus, son- 
dern sich selber an die seite zu stellen. In demselbem maße 
aber, wie sich der stoicismus auf eigene fuße stellte, schwand 



212 38. Cicero. Nr. 4. 

der glänz eines Antistbenes und Diogenes, ja der stern des So- 
krates selbst mußte erbleicben. Chrysipps ansiebt betreffs der 
Verwirklichung des weisen ist, so weit wir nachkommen können, 
sehr auf schrauben gestellt, jedenfalls aber steht so viel fest, 
daß er weder sich selbst noch einen seiner genossen oder lehrer 
für weise zu erklären wagte. Spätere stoiker leugneten schlecht- 
hin , daß jemals ein weiser existiert habe, und der erste, der 
diese ansieht vertrat, ist Poscidonios. Er setzte an die stelle der 
früheren aoepoi „die fortschreitenden" r?Qoy.6nTovzt<:, ja selbst ein 
Sokrates mußte sich diese degradation gefallen lassen. Im gründe 
aber näherte sich Poseidonios hierin dem Plato, der, wo er es genau 
mit dem worte aoepog nimmt, bekanntlich keinen menschen dieses titeis 
für würdig hält, sondern nur einen gott : der mensch kann es nicht 
über einen cpih'aocpog hinausbringen. Daß auch der Zeitgenosse 
des Poseidonios, Antiochos aus Askalon, ein fleisch und blut ge- 
wordenes ideal der Weisheit nicht anerkannte, geht klärlich aus 
der bei Cic. De fin. IV, 65 eingeschalteten frage hervor: „qui 
enim hoc (sc. sapiens est) aut quando aut ubi aut unde? u In der 
zeit der ersten kaiser ist dann das ideal des stoischen weisen 
noch einmal zu einem gewissen leben erwacht z. b. für Epiktet 
ist der weise nicht bloßes ideal, sondern kann wirklich werden 
und ist wirklich geworden (Sokrates, Heraklit, Diogenes u. a.). 
Die Kömer substituierten ihre weisen. Der erste Römer, der 
zur höhe des stoischen weisen erhoben werden sollte, ist P. Ru- 
tilius Rufus, der andere Cato. — Seneca's schwanken offenbart 
einerseits den von einer quelle zur andern flatternden dilettanten, 
zeigt andererseits aber auch, daß der glaube an den „<7o<poV 
doch bisweilen einer zweifelnden kritik unterzogen wurde p. 308. 
Es versteht sich, daß wenn die lehre vom weisen eine Umbil- 
dung erfuhr, dadurch auch das übrige System der stoiker, na- 
mentlich der wichtigste theil desselben, die moral, mit betroffen 
wurde. Leugnete man die existenz des weisen, so war die ein- 
fache consequenz , daß der weise , seine persönlichkeit und sein 
handeln aufhören mußte für die übrigen menschen Vorbild und 
gesetz zu sein. Man lockerte die ursprüngliche strenge der alt- 
stoischen moral und baute eine neue dem leben und der Wirklich- 
keit sich anschmiegende dissolutere auf, weise und unweise maß 
man mit verschiedenem maße, und zwei grundbegriffe der antiken 
moral, der der glückseligkeit und des guten, verloren ihre fest 



Nr. 4. 38. Cicero. 213 

bestimmte absolute gültigkeit. Zwar wird diese theilung der 
moral erst bei Seueca beobachtet (De vita beata 16, 3), aber 
Hirzel weist mit großer Wahrscheinlichkeit nach, daß schon Cic. 
De off. I, 9 und III, 7 den Poseidonios als vertheidiger einer 
solchen theilung im sinne gehabt hat; und Poseidonios wird nicht 
der erste gewesen sein , der sie vorgenommen , sondern er wird 
sich hierin seinem lehrer Panaetius angeschlossen haben. — Auch 
die psychologie des Poseidonios zeigt ein milderes, freundlicheres 
gesiebt , denn sie unterscheidet zwischen vernünftigem und un- 
vernünftigem seelentheil: es ist immer das für die späteren Stoi- 
ker charakteristische streben zu popularisieren und auf einen 
minder hohen Standpunkt der betrachtung zu treten. Es kam 
dazu, daß sie die autorität eines Plato für sich ins feld führen 
konnten , der in seinen Schriften zwischen einer idealen tugend 
und zwischen einer menschlich erreichbaren unterschied. Insbe- 
sondere ist es die tapferkeit , die von Plato und den späteren 
stoikern gleichermaßen herabgesetzt wird — j). 350. ■ — Der 
letzte gruud, weshalb Panaetius und sein nachfolger dem nQor t y- 
ftiiov in seiner technischen bedeutung aus dem wege gingen und 
statt dessen entweder aya&ov oder Xsybfjisvov uya&ov setzten, ist 
darin zu suchen, daß Panaetius sich mit einem idealbild des soma- 
tischen gesprüches trug. Was wir bei Cic. De off. I, 134 lesen: 
„sit ergo Mc sermo , in quo Socratici maxime cxcellunt , lenis mini- 
meque pertinax, insit in eo lepos", das war seine forderung. Er, 
eine vornehme natur , aus vornehmem hause stammend , konnte 
unmöglich an der mißhandlung der griechischen spräche , wie 
sie von Zeno und Chrysipp fast grundsätzlich betrieben wurde, 
gefallen finden ; er , der atticist unter den philosophen , brachte 
in der stoischen terminologie die gut griechische ausdrucksweise 
wieder zu ehren und setzte sich dadurch wieder in connex mit 
dem Sprachgebrauch des volkes. Wenn z. b. i'^cos nach der 
auffassung der stoiker die leidenschaftslose liebe bezeichnen sollte, 
so stand das in diametralem gegensatz zu dem sonst üblichen 
usus loquendi der Griechen, inwiefern derselbe grade die leiden- 
schaft der liebe in das wort hineinlegte. Panaetius half sich, 
indem er das, was dem weisen möglich, als für die große masse 
der menschen unmöglich erklärte, nämlich ohne Ieklenschaft zu 
lieben. Man sieht, es war das streben zu vermitteln und beiden 
theilen gerecht zu werden. Auch dem y.aO^xov ward der be- 



214 38. Cicero. Nr. 4. 

sondere engere begriff abgestreift, den die älteren stoiker diesem 
wort untergelegt: der weitere begriff des xa&tjxov ging in asl 
xa&tjxov und ovx. asl y.a&ijxov auseinander. So wird man auch den 
barbarischen ausdruck rtQorjypihov gemieden und dafür mit Po- 
seidonios entweder sv^ijäto» oder einfach aya&ov gesetzt haben 
— p. 430. — Dieselbe platonisierende und popularisierende rich- 
tung des Panaetius und seiner anhänger , die das schroffe der 
altstoischen moral einigermaßen zu glätten suchte , kommt auch 
in der auffassung des höchsten gutes zum Vorschein: $jv xard 
rag dsdonevag ijfitt' ix qivascog acfOQfxäg — ist die definition des 
Panaetius , die in ihrer berücksichtigung auch der individuellen 
natur (qftiv) viel mehr als eine bloß formale abweichung von 
der lehre der älteren stoiker manifestiert. Nicht minder charak- 
teristisch ist des Panaetius lehre von der jjdon} , die er als ein 
xarui qivaiv d. h. als gegenständ erster naturtriebe gelten läßt, 
und auch die absolute ändüeia findet an ihm keinen fürsprecher; 
nur daß der weise sich weder durch die lust noch durch den 
schmerz beherrschen läßt. In der that eine menschenwürdige 
auffassung! — p. 467 — 514 wird nachgewiesen, daß Stob. II, 
108, ein abschnitt, der gegen die definition des Panaetius vom 
höchsten gut zu sprechen scheint, weder ihn selbst noch Posei- 
donios zur quelle hat , sondern daß Hekaton muthmaßlicher Ur- 
heber der partie ist, trotzdem Panaetius citiert und seine defi- 
nition vorausgesetzt wird. ■ — Poseidonios' definition vom höchsten 
gut darf und kann nicht mit der Chrysipps verwechselt werden, 
denn wenn er auch, wie Chrysipp, die erkenntnis der gesammten 
natur in die bestimmung des höchsten gutes aufnahm , so soll 
doch nicht die menschliche natur überhaupt, sondern nur das 
innerste wesen derselben, der höchste seelentheil entscheiden, 
was sittlich gut ist. Poseidonios ist der vater des späteren stoicis- 
mus — p. 535. — Was sonst noch in dem buche — p. 566 
steht, betrifft des Stobaeus Unterscheidung von aigsröv und al- 
qstsov, von svSaifAovia und svöai/xornTv , und verschiedener arten 
adiäfpoga, und liefert den beweis, daß die ganze stoische dar- 
stellung des Stobaeus nichts weiter ist als ein excerpt aus den 
Schriften verschiedener stoischer philosophen. — Das ist in gro- 
ßen zügen der inhalt dieses umfangreichen bandes , den nie- 
mand schreiben konnte, der nicht mit einer umfassenden quel- 
lenkenntniß eine meisterhafte handhabung philologischer methode 



Nr. i 38. Cicero. 215 

verband. Die Überlieferung ist trümmerhaft, fast nirgends obne 
lücke, und doch sollte aus ihr die entwickelung der stoischen phi- 
losophie, wie sie sich in den einzelnen Vertretern dieser schule 
darstellt, reproduziert werden. Da galt es zu kombinieren und 
zu interpretieren und nötigenfalls durch kritik dem schadhaft 
überlieferten text aufzuhelfen. Wie geschickt Hirzel dies ge- 
than , will ich kurz nur an zwei beispielen zeigen. In der de- 
finition des Panaetius, die oben angeführt ist, hatte man bisher 
immer das wort rjpüv vernachlässigt. Hirzel weist schlagend nacb, 
daß mit gutem grund von Panaetius nicht zoig avöocänoig, son- 
dern ijfiir gesetzt ist, damit zwar die beziehung auf die allge- 
meine menschliche natur nicht ausgeschlossen, aber doch die Vor- 
stellung der individuellen jedes einzelnen erweckt werde. Wenn 
es sich um die entwickelung der stoischen philosophie han- 
delt, so ist es doch von Wichtigkeit zu wissen, daß Panaetius es 
gewagt^ an stelle der allgemeinen natur die individuelle zum 
maß des sittlichen handelns zu machen. — In der stelle bei 
Galen. De plac. Hipp, et Plat. p. 470 f. ist „otzsq iGodviufAri ?q3 
ö/AoXoyovfAtiat^ ahetv £5J*" unhaltbar, weil Posidon der erklärung 
Chrysipps, daß das o/yioloyovjXE'ymg ^ijv so viel sei als y.aru tfx- 
nmQiuv 7b.v y.uzu trjv o'Xtjv qiiaiv ovp>ßaiv('.vT03v t,l]i> , keineswegs 
ein lob ertheilen will, was doch in den überlieferten Worten lie- 
gen müßte. Dadurch daß Hirzel bessert: oxeij hodwa/xsTv rcr, 
ti/Aoloyovpt'rcog eine (sc. X(jvainnog) "Qqv , ist aller anstoß besei- 
tigt. Es leuchtet ein , daß diese emendation in dem mit den 
angeführten worten verbundenen satz „yrixa p>j iovto fxixQoni- 
7T(ßg awzeiv st eig tl> rwc ädtuqiOQtüv Tvyxdveip" eine änderung 
des avvrtltEi resp. eine rückkehr zu der handschriftlichen Über- 
lieferung avvr eiv e iv zur folge hat , denn die worte müssen 
als in dem gedanken Chrysipps liegend angesehen werden (vgl. 
p. 241 — 243). Ueber aller anerkennung aber, die wir dem 
Scharfsinn und der combinationsgabe des verf. schulden, dürfen 
wir nicht vergessen, daß mitunter die glieder, die zu einem ganzen 
zusammengeschweißt sind, etwas gewaltsam eingerenkt erscheinen. 
So z. b. halte ich das begeisterte lob, welches Hirzel dem Kle- 
anthes spendet, für nicht berechtigt. Ehrenrettungen sind etwas 
sehr schönes, aber sie müssen doch, wenn sie überzeugen sollen, 
auf thatsachen aufgebaut sein. Der sittlichen tüchtigkeit dieses 
Philosophen läßt alterthum wie neuzeit alle gerechtigkeit wider- 



216 38. Cicero. Nr. 4. 

fahren. Zeller nennt ihn einen mann von strengem und festem 
Charakter, seltener ausdauer, arbeitsamkeit und genügsamkeit, 
aber , fügt er hinzu , von langsamer fassungskraft und geringer 
beweglichkeit des denkens. Und anders haben auch die alten 
nicht geurtheilt , wenigstens hat Hirzel keine stelle beigebracht, 
aus der eine günstigere beurtheilung seiner geistigen begabung 
ersichtlich wäre. Denn wenn Cicero ihn „maiorum gentium Stoi- 
cus" nennt, so will das wahrlich nicht viel sagen, Hirzel ist 
doch auch sonst nicht geneigt, auf Ciceros urtheil ein so besonderes 
gewicht zu legen. Aber vielleicht hat er doch als echt phi- 
losophischer köpf die lehre seines lehrers und meisters selbstän- 
dig fortgeführt und etwa die mangelnde beweglichkeit des gei- 
stes durch eine desto größere tiefe ersetzt, die nur der oberfläch- 
lichen Schätzung verborgen geblieben. Hirzel will uns dies 
glauben machen, aber den beweis ist er meines erachtens schul- 
dig geblieben. Ich kann hier nur einiges, was Hirzel zu seiner 
rechtfertigung anführt, besprechen. Während Zenon die ge- 
wöhnlichen vier cardinaltugenden unterschied cpo6ri]aig, ctvögsid, 
omcpQoavvy , dixuioovrt], so setzte Kleanthes an die stelle der 
(pQovijaig die iyxQuitua, weil er, wie Hirzel meint, den logischen 
fehler seines meisters erkannte, der die yyot tjütg als die gemein- 
same grundlage aller tugenden bezeichnete und sie doch in die 
reihe der einander koordinierten tugenden aufnahm. Daß das 
ein Widerspruch war, ist klar, aber nicht klar ist es, ob Klean- 
thes dies erkannt und ob er wegen der wissenschaftlichen kritik, 
die er an Zenons lehre übte, unser uneingeschränktes lob ver- 
dient. Ich sehe nämlich keinen zwingenden grund anzunehmen, 
daß Kleanthes die (pQÜv^ön; als die gemeinsame grundlage aller 
tugenden gesetzt habe. Läßt sich aber dies nicht nachweisen, 
so schwindet auch die berechtigung die thätigkeit des Kleanthes 
in dieser beziehung rühmend hervorzuheben. Ebensowenig ist 
es ihm besonders hoch anzurechnen, daß er den xoivog X6- 
yo$ zum sittlichen princip erhob , denn wenn er sich in dieser 
beziehung von den cynikern entfernte , so war es die autorität 
des Heraklit, die ihn auf diese bahnen leitete. Ueberhaupt aber 
darf aus seiuer Vorliebe für Heraklit , die besonders in der na- 
turphilosophie zum Vorschein kommt und die Hirzel durch meh- 
rere beispiele — ■ nicht immer mit gleicher Schlagkraft der be- 
weise — stützt, nicht so ohne weiteres geschlossen werden, daß 



Nr. 4. 38. Cicero. 217 

Kleanthes dem Ephesier nun etwa kongenial gewesen sei. — 
Kurz über die von Kleanthes handelnde partie des buches 
möchte ich das wort setzen : „habet si cum iudicio legitur, quae- 
dam quae possis decerpere" . — Die eigenthümlichkeit der nara- 
)r l ntiy.(xl qtavraaiai soll, wie schon bemerkt, nach Hirzel in der 
vollkommenen deutlichkeit und bestimmtheit bestehen, womit sie 
sich uns darstellen, und wodurch sie sich vor den ay.ara.X7jn toi 
auszeichnen. Ich halte diese erklärung nicht für richtig, ent- 
scheide mich vielmehr für die von Ueberweg vorgetragene. 
Hirzel weiß gegen dieselbe auch kaum etwas anderes vorzubrin- 
gen, als daß, wenn der geist vermöge der aata)rj7TiiKT] qiavraaia 
die dinge außer uns ergreift, diese dann nicht als £va7zsacpoa- 
yiaixenj y.u) ivanofjief*ayf*svtj bestimmt werden könne. Aber heißt 
es denn nicht auch im lateinischen : „an imprimi quasi ceram ani- 
mum putamus"l (Tusc. I, 25, 61 vgl. auch Phil. II, 24, 58.) 
Cic. Acad. I, 11, 41 widerspricht der Ueberwegschen deutung 
durchaus nicht. Warum soll denn von einer solchen die dinge 
ergreifenden Vorstellung nicht gesagt werden können „iis solum 
(sc. qpavtaaiui^) adiungebat fidem (sc. Zeno) quae propriam quandam 
haberent declarationem earum verum quae viderentur"? Warum soll 
nicht •AUTa).?]niix!i cfavTuaia mit „id autem visum cum ipsum per 
se cerneretur, comprendibüe" erklärt werden können? — Wo Hirzel 
vom purismus des Poseidonios handelt, wird eine stelle Senecas 
citiert (p. 421 u. f.) und behauptet, dem Seneca habe das wort 
noorfinivov — von Poseidonios verschmäht — nicht vorgelegen. Das 
lasse ich mir gefallen. Nun erhebt sich die frage, wie denn das 
Senecasche commodum und incommodum wohl griechisch geheißen 
haben möge. Hirzel antwortet: tl^gi'jazijuu und 8va^Q^<jTj]^a ist 
nach Cic. De fin. III, 69 am besten durch commodum und incom- 
modum wiedergegeben. „Daß nun aber ein nach gefälligem aus- 
druck strebender Schriftsteller wie Poseidonios sich einer so plumpen 
bildung, wie tvxoi^Ttifxa ist, öfter in geringen Zwischenräumen 
bedient haben sollte, ist nicht glaublich. Er wird also statt 
dessen tv^Qrjoiop gesagt haben, dem commodum ebensogut ent- 
sprach und dessen sich die stoiker ebenfalls zur bezeichnung des 
TiQoijyflsrov bedienten". Heißt das nicht hypothese auf hypothese 
häufen , anstatt sich mit dem zu begnügen , was wir wirklich 
wissen können? — Anderes übergehe ich, nur das will ich 
noch erwähnen, daß ich vollkommen P. Schwenke beistimme, der 



218 38. Cicero. Nr. 4. 

die aus Verg. Aen. VI, 724 u. f. vgl. mit Lact. Inst. VII, 7 
gezogene Schlußfolgerung, als habe sich bei Zenon, wahrschein- 
lich in seiner [Jolirsta^ eine darstellung der unterweit gefunden, 
mit guten gründen widerlegt. — Trotz solcher ausstellungen aber, 
die nur dazu dienen sollen den lesern des buches eine gewisse 
vorsieht und kritik anzuempfehlen, stehe ich keinen augenblick an 
zu behaupten: die aufgäbe, die sich verf. gestellt, ist glänzend 
gelöst ; die einzelnen Vertreter der stoischen schule stehen in ih- 
rer philosophischen bestimmtheit vor uns. ■ — 

II. Was die quelle von De fin. III angeht, so hatte Madvig 
Excursus V p. 831 folgende ansieht vorgetragen : „quod autem 
§ 57 eos, qui post Diogenem fuerunt , Stoicos commemorat , poterat 
per ■/ weile . . . ex Panaetio aut Posidonio, quorum scripta magis tri- 
verat, huiusmodi aliquant sententiam de gloria et fama addere 11 . In- 
dessen beide , Panaetius wie Posidonius , können doch nur mit 
geringer Wahrscheinlichkeit das recht beanspruchen als Verfasser 
der von Cicero benutzten griechischen Originalschrift zu gelten 
und zwar aus dem einfachen gründe, weil sich ihre ansichten 
„de gloria et fama" nicht mit den im Cicero ausgesprochenen 
decken. Vielmehr ist Hekaton nach Hirzels sehr wahrscheinlicher 
hypothese der quellenschriftsteller , der ein umfangreiches werk 
über das höchste gut verfaßt hat. Zu ihm paßt vortrefflich die 
darstellung des wesens der leidenschaft, des strebens nach lust, 
zu ihm paßt das urtheil über den rühm , zu ihm paßt endlich 
die ganze art und weise, wie die ansieht über den rühm vorge- 
tragen wird. Auch die dreitheilung der fugenden in dialektische 
ethische und physische, die von Panaetius und Posidonius aufge- 
geben war, scheint der lehre Hekatons nicht zu widersprechen. 
Ich halte also diese Hirzelsche hypothese für Wahrheit. 

Im 4. und 2. buch hat Cicero ohne zweifei den Antiochus 
von Ascalon (aeQ*< rslmv?) zum führer gehabt, doch irrt Madvig, 
wenn er vorrede p. 62 sagt: „quartum et quintum totos ab An- 
tiocho esse . . ostendit Cicero 11 . Die kritik der stoischen Paradoxa 
(74 f.) , mit dem vorhergehenden überdies nur äußerlich zusam- 
menhängend, muß aus einer andern schrift genommen sein, viel- 
leicht aus der schrift eines skeptischen akademikers. Auch für 
das 2. buch ist, wie gesagt, Antiochus quelle trotz Madvigs „nee 
dubitari polest quin maxima pars Chrysippo debeatur" •, der philoso- 
phische Standpunkt des gewährsmanns kann kein stoischer ge- 



Nr. 4. 38. Cicero. 219 

wesen sein, das weist Hirzel überzeugend nach, sondern es wird 
ein und dieselbe schrift des Antiochus gewesen sein, der auch 
das 4. u. 5. buch entnommen ist, denn der inhalt dieser bücher 
läßt sich sehr wohl als zu einem ganzen verbunden vorstellen. 

Daß Cicero das 1. buch selbständig nach den quellen ge- 
arbeitet habe, ist nicht anzunehmen. Es muß vielmehr aus der 
schrift eines späteren Epikureers geflossen sein (vgl. 31. 66). 
Zweifelhaft freilich bleibt es , ob Zeno oder einer seiner anhän- 
ger Pbilodem (vgl. ende des 2. buches) als Cicero's gewährsmann 
anzusehen ist. 

Die quellenfrage des 5. buches ist einfach zu erledigen, denn 
Cicero macht kein hehl daraus , daß der inhalt desselben auf 
Antiochus zurückgeht. Hier erfährt die darstellung der peri- 
patetischen ethik bei Stobaeus (Ecl. II, p. 244 f.) eine ausführ- 
lichere erörterung (p. 693 — 720), aus der folgt, daß in dieser 
darstellung die excerpte aus den Schriften verschiedener 
peripatetiker vorliegen und daß keine einheitliche quelle zu sta- 
tuiren , namentlich auch die ansieht Madvigs unhaltbar sei „ab 
eodem Antiocho surnpta esse, quae apud Toannem Stobaeensem pro 
Peripateticis leguntur". 

Ueber die quellen Ciceros zu De offieiis hat uns die gunst 
des Schicksals sattsam nachrichten aufbewahrt, und hierdurch 
verführt stellte man die quellenfrage gar nicht ernsthaft (Teuffei, 
Heine). Feststeht , daß der größte theil der beiden ersten bü- 
cher dem gleichnamigen werke des Panaetius entnommen ist ; 
der schluß von I stammt aus Posidonius (s. Ep. ad Att. XVI, 11,4), 
der von II aus Antipater von Tyros oder Athenodorus Calvus. 
Für III könnte man Hekaton ansetzen, wahrscheinlicher jedoch, 
daß ein umriß der pflichtenlehre , den dieserselbe Athenodorus 
gegeben, dem Cicero vorgelegen (s. Ep. ad Att. XVI, 14, 4.) 

Von den exkursen , auf die ich hier natürlich nicht näher 
eingehen kann, hat mich der 5., ngaij-joifitru im unterschied von 
nQo?jyiAtia , und der 7., Polybius Stellung zur philosophie , am 
meisten interessiert. 

Hirzels Untersuchungen bilden keine leichte lektüre, aber 
um an- und übergelesen zu werden, dazu sind sie auch nicht da : 
sie wollen studiert sein. Wer sich forschend in sie vertieft, wird 
sich reichlich belohnt finden. Ferd. Becher. 



220 39. Grieschische alterthümer. Nr. 4. 

39. Sylloge inscriptionum Graecarum ed. Guilelmus 
Dittenberger. Fasciculus prior et posterior. Lipsiae apud 
S. Hirzelium 1883. 8. 

Diese Sylloge inscriptionum graecarum , 470 nummern umfas- 
fassend, enthält in minuskeln „eine Sammlung derjenigen griechi- 
schen inschriften, welche für die erkenntniß der geschichte und 
der alterthümer der Griechen besonders nützlich sind". Begleitet 
werden die einzelnen inschriften , soweit sie der erklärung be- 
dürfen , von einem sprachlichen und sachlichen commentar, der 
in gedrängter kürze alles zum verständniß nothwendige bietet. 
Der erste fascikel enthält chronologisch geordnet 47 inschriften 
aus der zeit bis zum ende des peloponnesischen krieges, 70 aus 
der periode bis zum tode Alexanders des großen, 117 aus den 
Jahren bis zur Zerstörung Korinths und 57 aus der römischen 
zeit. Mit der hier getroffenen auswahl wird man sich vollstän- 
dig einverstanden erklären können. Die inschriften beziehen sich 
entweder auf ereignisse von historischer bedeutung oder enthalten 
aufklärungen über staatsrechtliche Verhältnisse oder geben nach- 
weise über die beziehungen der einzelnen Staaten zu einander. 
Daß die athenischen inschriften die mehrzahl ausmachen, ist so- 
wohl wegen der hohen bedeutung Athens als auch wegen der 
großen zahl dieser inschriften natürlich. Die inschriften des 
zweiten fascikels no. 394 — 470 beziehen sich auf die griechischen 
alterthümer und sind unter folgende rubriken gebracht: I. Res 
publicae. 1. Bei publicae forma ac partes, urbis et agri termini. 
2. Civium et peregrinorum honores et privilegia. 3. Senatus, magi- 
stratus, iudicia. 4. Varia. II. Res sacrae. 1. Templa et delubra, 
simulacra, donaria, supellex sacra. 2. Sacerdotia. 3. Sacrificia, 
pompae, mysteria aliaeque caerimoniae. 4. Certamina gymnica, mu- 
sica , scaenica. 5. Varia. III. Vita privata. Ein Studium der 
historischen inschriften im ersten fascikel wird denjenigen, wel- 
cher sich mit griechischer geschichte beschäftigt, in den ver- 
schiedensten beziehungen anregen und fördern. Zugleich kann 
eine solche Sammlung auch alle Urkunden enthalten, welche von 
wirklicher bedeutung sind. Das letzte ist bei dem großen um- 
fange des vorhandenen materials für die inschriften der zweiten 
classe nicht möglich. Der zweck einer solchen Sammlung kann 
deshalb auch nur der sein , durch Zusammenstellung einzelner 
Urkunden zu exemplificieren , wie sich das öffentliche, cultliche 



Nr. 4. 40. Griechische alterthümer. 221 

und private leben der Griechen nach verschiedenen richtungen 
hin gestaltet hat. Den zweck dagegen für ein selbständiges Stu- 
dium dieser Verhältnisse das material zu beschaffen kann eine 
solche auswahl nicht erfüllen. Ihr praktischer erfolg wird des- 
halb im besten falle nur der sein, in weiteren kreisen das inter- 
esse für die griechischen antiquitäten zu erwecken und zu selb- 
ständigem Studium anzuregen , das sich dann freilich mit dem 
hier gebotenen nicht wird begnügen dürfen. Wird aber dieser 
zweck erreicht, so ist damit schon viel gewonnen , und so trägt 
auch diese zweite Sammlung ihre hinreichende existenzberechti- 
gung in sich. Daß dem subjectiven ermessen bei der auswahl 
dieser auf die griechischen antiquitäten bezüglichen inschriften 
ein noch weiterer Spielraum gelassen ist , als bei der Sammlung 
der historischen Urkunden, liegt in der natur der sache, und es 
würde unrecht sein, deswegen vielleicht in dem einen oder an- 
dern puncte mit dem Verfasser zu rechten. Das gleiche gilt 
auch von dem erklärenden commentar, von dem man sagen kann, 
daß er in knapper, aber doch erschöpfender form musterhaft an- 
gefertigt ist. Der vollständige literaturnachweis, welcher für die 
einzelnen inschriften geboten wird, ermöglicht in allen fällen ein 
selbständiges Studium der an die einzelnen Urkunden sich knü- 
pfenden fragen. Gustav Gilbert. 



40. K. F. Hermann' s lehrbuch der griechischen anti- 
quitäten. Neu herausgegeben von H. Blüm n er und W. Dit- 
tenberger. In 4 bänden. 

Bd. IV. lehrbuch der griechischen privatalterthümer. Dritte 
vermehrte und verbesserte aufläge. Nach der zweiten von K. 
B. Stark besorgten aufläge umgearbeitet und herausgegeben von 
Hugo Blümner. Freiburg und Tübingen 1882. 8. 

Als die Verlagsbuchhandlung von Mohr in Freiburg in ih- 
rem Philologischen anzeiger 1883 no. 3 eine neue bearbeitung 
von K. F. Hermanns Lehrbuch der griechischen antiquitäten an- 
kündigte und in dem prospekt die grundsätze entwickelt wurden, 
welche für die neue aufläge maßgebend sein sollten , da mochte 
dies vorhaben mit freude begrüßt werden, wenigstens soweit man 
eine darstellung der griechischen alterthümer wünschte, „welche 
den anforderungen der gegenwart in jeder hinsieht entspräche 
und die ergebnisse der seit dem tode des ursprünglichen ver- 
Philol. Anz. XIV. 16 



222 40. Griechische alterthümer Nr. 4. 

fassers so erfolgreich fortgeschrittenen wissenschaftlichen arbeit 
zusammenfaßte". Aber vielleicht manchem mögen zweifei auf- 
gestiegen sein darüber, ob die bearbeitung von Hermanns alter- 
thümern , eines buches, das anerkanntermaßen an recht vielen 
mangeln litt und kaum einen vorzug aufzuweisen hatte, ein glück- 
licher gedanke sei; lag doch die befürchtung nahe, selbst wenn 
sich überhaupt aus dem buche etwas machen ließe , die heraus- 
geber möchten sich mehr als gut durch pietät gegen den ur- 
sprünglichen Verfasser gebunden fühlen. Man weiß ja, welche 
lästige fessel eine solche Verpflichtung ist , und das resultat ist 
immer mehr oder weniger flickwerk. Hätten sich die heraus- 
geber nicht zu einem ganz neuen werk verbinden können ! dann 
hätten sie viel zielbewußter zu arbeiten vermocht , hätten sich 
gewiß die frage vorgelegt, welche aufgäbe soll ein derartiges 
lehrbuch erfüllen; und dem ziele entsprechend wäre die darstel- 
lung eine andere geworden. Die grundsätze, nach denen im 
einzelnen verfahren werden sollte , änderung der druckeinrich- 
tung, gründliche revision der kritisch-exegetischen grundlage der 
darstellung, gewissenhafte verwerthung der wissenschaftlichen lit- 
teratur, ausnutzung des hinzugekommenen reichen epigraphischen 
materials dürften gewiß von vornherein auf allseitige billigung 
rechnen. — Zunächst ist nun der vierte band erschienen , die 
privatalterthümer, von Blümner bearbeitet. Mit den beiden frü- 
heren auflagen verglichen fehlt ihm der bisherige vierte haupt- 
theil: die rechtsalterthümer. Mit vollem recht sind dieselben 
abgetrennt. Nicht denselben muth hat Blümner gehabt dem er- 
sten haupttheil gegenüber „das griechische land und volk nach 
seinem physischen und sittlichen Charakter betrachtet". Und 
doch spricht er sich in der vorrede p. V also aus: „Dieser theil 
scheint sich auch an einem ungeeigneten platze zu befinden." 
(Richtiger wäre wohl : „befindet sich"). Aber die ablösung, meint 
er , sei bedenklich gewesen ; hätte nämlich derselbe als allge- 
mein orientirende einleitung dem ganzen werke vorangeschickt 
werden sollen, so hätte seine Umgestaltung eine so durchgreifende 
werden müssen, daß sie über den plan und den umfang des 
lehrbuchs hinausgegangen wäre. So kann ich, grade wie es mir 
paßt, alles entschuldigen : thatsache ist, daß auch in der neube- 
arbeitung der anordnung des Stoffes mängel anhaften, welche bei 
der. ursprünglichen entstehung des buches erklärlich waren, aber 



Nr. 4. 40. Griechische alterthümer. 223 

unter keinen umständen in die dritte verbesserte aufläge hin- 
übergerettet werden durften. Und wenn irgendwo, so war in 
diesem abschnitt eine gründliche Umarbeitung dringend erforder- 
lich und eine Vervollständigung nothwendig. So hätte beispiels- 
weise bei erbrterung der bevölkerungsziffer für Attika auf p. 4 
die treffliche behandlung dieser frage bei Fränkel, die attischen 
geschworenengerichte p. 3 ff . , verwerthet werden müssen. Nir- 
gends kommt das buch in seinem ersten theil über die allertri- 
vialsten dinge hinaus ; § 4 und § 5 weisen nicht viel mehr als 
allgemeine redensarten auf; hier findet sich ein fehler der me- 
thode , welcher auch in den folgenden partieen des buches sehr 
zum schaden der Wahrheit und richtigkeit vorkommt : nämlich 
die unbedachtsame Verallgemeinerung irgend welcher autoren- 
stelle. So fließt vielfach ununterschieden zusammen , was als 
charakteristischer besitz des griechischen volkes oder einzelner 
abtheilungen desselben und was als frei erworbenes eigenthum 
einzelner männer, besonders der philosophen, zu betrachten ist. 
Vor allen dingen muß das gesammtbild ein falsches werden, 
wenn die ergebnisse specifisch philosophischer Spekulation nicht 
ausreichend abgesondert werden von dem wirklichen thatbestand 
und den allgemein üblichen Vorstellungen. Die lokalen beson- 
derkeiten , die zeitlichen Veränderungen werden wohl zuweilen 
hervorgehoben , aber die leidige Lückenhaftigkeit des materials, 
welche einer systematischen darstellung unüberwindliche Schwie- 
rigkeiten entgegenstellt, verführt immer wieder zu übermäßiger 
generalisirung. So scheint es mir beispielsweise sehr fraglich, 
ob Od. XVIII, 328 in der weise verallgemeinert werden darf, 
wie es auf p. 125 und 127 geschieht. Danach soll Homer 
Schmiedewerkstätten ganz allgemein als nächtliche herberge hei- 
mathloser und bettler bezeichnen. Wenn Melantho den bettler 
gehen heißt xuXxijiuv i<; dc^of, so antwortet sie , meine ich, da- 
mit nur auf das anerbieten des vermeintlichen bettlers , für das 
feuer im königssaale sorgen zu wollen : Willst du feuer unter- 
halten, so geh in die schmiede, da kannst du es, hier brauchen 
wir dich nicht. Die auslegung halte ich für die einzig mögliche, 
mehr daraus zu folgern, für nicht angänglich. Ebenso verhäng- 
nißvoll für die darstellung ist das hineinspielen unserer moder- 
nen empfindungen und anschauungen, besonders auf dem gebiet 
der familie und der Sittlichkeit. Wer derartige Verhältnisse vom 

16* 



224 40. Griechische altertlriimer. Nr. 4. 

Standpunkt unsers modernen christlichen lebens beurtheilt, wird 
ungerecht ; die aufgäbe , die zu lösen ist , besteht vielmehr nur 
darin , eine andersgeartete lebensauffassung zu begreifen , nicht 
über sie abzuurtheilen •, so stellen z. b. in §30 (die ehe und ihre 
rücksichten) die allgemeinen erwägungen die bezüglichen erschei- 
nungen in falsche beleuchtung; hier ist die historische betrach- 
tungsweise die einzig zulässige. Der ehe ging einst der kauf 
voraus. Auch darüber , wie weit die blutsverwandtschaft ein 
hinderniß für die ehe ist, brauchen sich nicht immer die mei- 
nungen gleich zu bleiben oder zu decken , nur daß diese nicht 
immer und an allen orten dieselben waren, ist leicht erweislich, 
selbst mit bloßer berücksichtigung der griechischen geschichte. 
Auf dem umgang zwischen eitern und kindern ruht der fluch : 
das lehrt uns die Oedipussage. Nicht anstößig scheint in älte- 
ster zeit die geschwisterehe gewesen zu sein , sie spielt ja im 
mythos.eine hervorragende rolle. Bei Homer ist sie jedoch be- 
reits auf die götter und götterhafte personen beschränkt ; zwi- 
schen Stiefgeschwistern ist die ehe auch später noch als zulässig 
erachtet worden. — Doch sehen wir von diesen mehr prinzi- 
piellen fragen ab und prüfen wir, wie es mit der durchführung 
der von den bearbeitern selbst aufgestellten grundsätze steht. 
Die brauchbarkeit des buches sollte durch eine änderung der 
druckeinrichtung erhöht, die vertheilung des Stoffes zwischen text 
und noten im interesse größerer Übersichtlichkeit geändert werden. 
Und gewiß ist die benutzung des buches in dieser beziehung 
bequemer geworden, aber es hätte sich wohl manches noch prak- 
tischer anlegen lassen, besonders wenn man darauf ausgehen 
wollte , bei möglichster beschränkung des umfangs einen mög- 
lichst reichen inhalt zu bieten. Was hat es z. b. für einen werth, 
wenn die citate sich immer und immer wieder, nachdem bei be- 
ginn eines abschnittes die litteratur aufgezählt ist , wiederholen 
derart, daß bei jedem einzelnen punkt dieselben bücher ange- 
führt werden mit hinzufügung der entsprechenden Seitenzahl. 
Ich schlage § 37 leibesübungen auf. P. 341, anmerk. 4 werden 
die bücher von Grasberger und Krause citirt. Auf den nun 
folgenden zehn Seiten, welche den genannten gegenständ behan- 
deln, werden diese beiden werke fort und fort von neuem an- 
geführt, so daß der name Krause 15 mal, der name Grasberger 
sogar 25 mal begegnet. Das muß den leser denn doch ermüden 



Nr. 4. 4U. Griechische alterthümer. 225 

uud belästigen. Nach den worten des textes auf p. 347 : „der 
wurf mit dem diskos (ßtaxoßoXia)" werden wir in die anmerkun- 
gen verwiesen und dort aufgefordert zu vgl. Krause p. 439 ff. ; 
Grasherger I, 321 ff. ; III, 197. Zwei zeilen weiter werden wir 
wieder veranlaßt , unsere äugen nach unten zu richten , um da- 
selbst zu finden: vgl. Krause p. 465 ff.; Grasberger I, 327 ff.; 
III, 168 ff. Kaum vier zeilen weiter, und eine zahl im text 
lockt unsere blicke nach dem fuß der seite, wo wir dann lesen: 
Krause p. 497 ff. ; Grasberger I, 338; III, 205 ff. Eine solche 
citirmethode ist doch fast lächerlich und kann kaum einen an- 
dern zweck haben, als räum zu füllen. Dafür werden wir zum 
ausgleich auf derselben seite in vieler hinsieht im stich gelassen. 
Im text ist vom Speerwerfen die rede ; dazu sei ein mit einer 
schleife versehener speer benutzt. Ein denkender leser fragt 
sich : an welcher stelle des Speers befand sich denn die er- 
wähnte schleife? Ein handbuch der griechischen alterthümer 
braucht ihm, scheint es, darauf keine antwort zu geben und ihm 
zu sagen , daß die schleife in der mitte des Speers angebracht 
war. Zweitens kann natürlich auch gänzlich ignorirt werden, 
daß statt der schleife auch offene zweitheilige riemen demselben 
zweck dienten. Welches dieser zweck gewesen sei , danach hat 
ja natürlich ein handbuch der griechischen alterthümer auch nicht 
zu fragen, das sind wohl, wie Blümner vorrede XIII sich aus- 
zudrücken beliebt, details, welche dem charakter eines handbuchs 
nicht mehr angemessen sind, ähnlich wie p. 483, wo von der 
art und weise gehandelt wird , wie vier pf'erde vor den wagen 
gespannt wurden, wieder als überflüssig angesehen wird, zu be- 
merken, daß die stränge, an denen die äußeren pferde liefen, an 
der Vorderseite des wagenbügels befestigt wurden. Ferner wird 
behauptet, beim speerwurf habe es sich darum gehandelt, nicht 
nach einem bestimmten ziel , sondern so weit als möglich zu 
werfen und dafür auf Lucian Anach. 27 rekurrirt. Diese stelle, 
das muß anerkannt werden , berücksichtigt allerdings nur die 
weite des wurfes, ist denn aber damit ein bestimmtes ziel un- 
vereinbar? Man denke doch nur an unser ger- werfen; und 
dafür sprechen auch darstellungen, auf denen der werfende knie- 
end erscheint. Auch die anmerkungen dieser seite 347, soweit 
sie nicht, wie die drei erwähnten, aus nackten buch- und seiten- 
citaten bestehen, hätten mit Leichtigkeit inhaltsvoller gefaßt sein 



22Q . 40. Griechische alterthiimer. Nr. 4. 

und den Stoff vollständiger verarbeiten können. In anrnerk. 2 
ist die Schilderung des Myronischen diskobols bei Lucian Phi- 
lops. 81 (sie, soll heißen 18) abgedruckt mit der aufforderung 
Welcker, Alte denkmäler I, 417 ff. zuzuziehen. Dann wird eben- 
falls abgedruckt Luc. Anach. 27 allerdings nicht fehlerlos-, statt 
hinter noggco steht hinter (pilotiiiovftsvoi das interpunktionszeichen, 
statt imegßdlotzo giebt Blümner vnegßdlloim. Beide stellen 
dem Wortlaut nach vorzufinden, ist ja ganz angenehm, aber nütz- 
licher wäre es unbedingt gewesen , die bildwerke zu nennen, 
welche die verschiedenen momente des diskoswurfes veranschau- 
lichen. Wir sind ja in der glücklichen läge es zu können. Auch 
über große und schwere des diskos muß man orientirt sein, um 
sich ein urtheil über den werth eines wurfes bilden zu können. 
Was giebt da das handbuch ? Es wird erwähnt, daß ein antiker 
diskos von bronce aus Aegina sich im Berliner museum befinde 
mit darstellungen eines Springers und eines Speerwerfers. Ganz 
schön und gut, aber warum werden wir nicht durch die angäbe 
des gewichts (2 kgr.) und der große (durchmesser 21 cm) erfreut. 
Dafür hätten wir gerne verzichtet auf den satz : „die große des 
diskos (auch xvlldgaßtg genannt) für einen nalg ntriu&lag als 
festen vergleichungspunkt benutzt bei Paus. I, 35, 5". Was 
gewinnen wir damit? Nichts als selbstverständliches, oder sollte 
in dem orakelhaften des ausdrucks doch ein tieferer sinn liegen ? 
Ist es etwa nur die gelegenheit, um den ausdruck >iv7ddgaßig 
einzuführen? Steht es denn wirklich fest, daß der diaxog auch 
•AvlXdgaßig genannt wurde? Ich weiß nicht, woher diese be- 
zeichnung stammt, denn Hesych ist dafür der einzige gewährs- 
mann, jedenfalls kann sie nur als Epitheton omans des diskos 
fungirt haben oder dem n&adyy.vlov entsprechend in Eur. Phoen. 
1141 (siehe unten). Konnte er dem wünsche nach einem zweiten 
ausdrucke nicht widerstehen, so wäre es ohne zweifei passender 
gewesen, das Homerische wort <t6\og zu erwähnen mit angäbe 
des Unterschiedes zwischen beiden benennungen. Anmerk. 4 zu 
Speer beginnt uxoov , uy.6tn.or, unoropidg , atyvvvog, xovrog, Poll. 
III, 151. Was soll diese aufzählung von theilweise sehr seltenen und 
nur bei lexikographen sich findenden vocabeln? termini technici 
sind doch bekanntermaßen sehr constant ; der in frage kommende 
speer hatte den namen uxorziov , wenigstens von einer gewissen 
zeit an (Homer nennt für diesen zweck alyarirj , Pindar uxeor), 



Nr. 4. 40. Griechische alterthümer. 227 

das wort amvriov wird von allen stets gebraucht worden sein, 
und niemand hat aiyvvvog dafür gesagt. Und weiter, meint 
Blümner etwa, diese aufzählung stände bei Poll. III, 151, so 
irrt er; dort liest man y.at ri axottiov zur nvrzudktor y.alelzat 
unoTOfiev^ (A. unoznui] , C. utzotkuu^), worin ich als sinn ver- 
muthe : auch das Speerwerfen ist eine abtheilung des fünfkainpfs, 
so sehr dagegen auch Poll. X, 64, Hesych s. v. änozofiäöa und 
scholien zu Pind. Isth. I, 30 sprechen. Die schleife , lautet es 
weiter in der besagten anmerkung , heißt uszäy-Avlov (gemeint 
ist iiüßuyy.vloi). Ist das richtig? Ich dächte die schleife heißt 
«j'xi'A//, das hätte Blümner aus dem sonst so oft und gern ci- 
tirten Pollux (1,136) erfahren können ; ucijdyxvlov ist adjektivum, 
dem uv.nirioi als attribut beigelegt, weil die schleife in der mitte 
desselben angebracht war, so vertritt es denn dieses wort in 
dichterischer diktion (Eur. Phoen. 1141), oder Eur. Andr. 1133 
werden oifftol utaayy.vlni genannt. Anmerk. 5 enthält wieder 
bedenklichere druckfehler: statt Corp. Inscr. Att. IV, 316 muß 
es heißen II, 316 (und warum nicht, um räum zu ersparen, die 
ganz übliche abkürzung CIA?) statt y.a7U7ztlTcnftrtjg ist zu lesen 
xazanu/.rucfir'z^c. 

Und das sind alles ausstellungen, die eine einzige seite an- 
gehen. Kritik, Vollständigkeit, anschaulichkeit läßt zu wünschen 
übrig. Was gegeben wird, ist eine unzuverlässige, willkürliche, 
oberflächliche aufzählung. Bei auffallender Weitschweifigkeit und 
mäßiger stilisirung gewährt sie keineswegs eine anschauliche Vor- 
stellung. Schon die große zahl der mängel auf einer seite 
schließt die annähme aus , daß diese zufällig eine unglückliche 
des buches sei •, ich habe sie zunächst ganz willkürlich heraus- 
gegriffen. Auch stellen, wo nicht soviel positives material zu 
verarbeiten war, sind nicht besser gerathen. Seite 342 empfiehlt 
das lehrbuch eine scharfe trennung zwischen den leibesübungen 
der griechischen knaben und epheben einerseits und den kampf- 
arten andrerseits, die zu den festspielen des griechischen kultus 
gehörten und für deren Schaustellung sich einzelne athleten be- 
rufsmäßig einübten. Bei diesen letzteren sei demnach die kör- 
perübung als Selbstzweck , bei den ersteren lediglich als mittel 
zur allgemeinen ausbildung des menschen betrachtet worden, 
und demgemäß , heißt es weiter , wird auch im einzelnen jeder 
Schluß von dem einen gebiete auf das andere nur mit vorsieht 



228 40. Griechische alterthtimer. Nr. 4. 

zu machen sein , zumal die meisten Übungen , welche einen be- 
standtheil der athletik ausmachten, auch in der turnerischen ju- 
gendbildung angewandt wurden. Der letzte zusatz läuft der 
unmittelbar vorangegangenen behauptung schnurstracks zuwider : 
ist derselbe richtig, so fällt die voranstehende argumentation in 
sich zusammen. Was soll man zu einer solchen bearbeitung sa- 
gen? Noch ein anderes mal hat diese form, die zusätze unter- 
zubringen, den Zusammenhang gestört. P. 105 spricht der Wort- 
laut : „dazu kommen noch die gartengewächse , deren kultur 
gleichfalls in manchen gegenden eine große höhe erreichte, zu- 
mal man derartige anlagen häufig bei geweihten quellen oder 
in tempelbezirken anlegte" ohne weiteres für oder vielmehr ge- 
gen sich. 

§ 51 von den Verbindungsmitteln zu wasser und zu lande 
hat seinen ersten satz aus der 1. aufl. bis in die dritte verbes- 
serte hinübergerettet; dadurch ist er immer noch nicht besser 
und verständlicher geworden : „die Verbindungsmittel mit fremden, 
ja entlegenen gegenden mußten immer mehr erweitert und ent- 
wickelt werden". Der nächste satz ist zum theil neu, aber weil 
der gedanke, daß neuere genauere ortskenntniß die vermuthung 
widerlegt habe, in früherer zeit seien die landstraßen besser ge- 
wesen, als später, modificirend hinzutreten sollte , so leidet nun- 
mehr die ganze periode an einem offenbaren Widerspruch. Was 
nämlich der Vordersatz mit dem neu hinzugetretenen gedanken 
negirt, wird im nachsatz nichtsdestoweniger bejaht: „schriftliche 
Zeugnisse, wie deutliche spuren im lande selbst legten zeugniß 
für das einstmalige Vorhandensein von fahrbaren Straßen ab." Es 
wäre vielleicht rathsam gewesen , dem neuen gedanken nicht so 
uneingeschränkt räum zu geben ; er gründet sich auf die behaup- 
tung von Wyse, An excursion in the Peloponnes I, 250 und Bur- 
sian, Geogr. II, 105 (anmerk. 1), daß der einzig mögliche paß 
durch das Taygeton zwischen Sparta und Pherae, der sogenannte 
Langadapaß , nie für wagen zu befahren gewesen sei. Leider 
waren die akten in dieser Untersuchungssache noch nicht ge- 
schlossen. Daß der heut benutzte weg mit wagen, wie sie sich 
unserer Vorstellung aufzudrängen pflegen , nicht passirbar sein 
würde , das wird jeder , der den weg selbst gegangen ist , gern 
einräumen. Aber welches recht haben wir, gleich wagen un- 
serer struktur dort fahren zu lassen? Der griechische wagen, 



Nr. 4. 40. Griechische alterthümer. 229 

au den mau dabei zu denken hat, hatte zwei räder, diese waren 
sehr breit und von kleinem durchmesset' , der wagenkorb war 
leicht : mit solchem geführt kann man schon alle möglichen ter- 
rainschwierigkeiten überwinden. Davon abgesehen sind nun 
wirklich von einem Griechen Komninos die spuren eines antiken 
geleiseweges von Pherae durch die Langada nach Sparta nach- 
gewiesen worden. Die ergebnisse seiner Untersuchungen hat er 
schon 1874 veröffentlicht, und neuerdings haben sie bestätigung 
erhalten von Adolf Bötticher (Auf griechischen landstraßen, Berl. 
1883, p. 76). Während diese aufgefundenen spuren beweiskraft 
haben, bedeutet dagegen der p. 480 anmerk. 3 hervorgehobene 
umstand, daß der name dyuoaia noch erhalten sei für die ge- 
birgsstraße von Tegea zum Eurotasthai , gar nichts. An einen 
ununterbrochenen Zusammenhang des heutigen mit dem alten 
Griechenland glaubt niemand mehr , und wer die angezogene 
stelle in Bursians geographie nachliest, wird sich sofort über- 
zeugen, daß Blümner ihn gänzlich mißverstanden hat. Ein äu- 
ßerst geistreicher satz ist p. 481 f.: „was die fuhrwerke betrifft, 
so können die Streitwagen der homerischen helden hier begreif- 
licherweise zunächst nur insofern in betracht kommen , als ihre 
wesentlichen theile , als obergestell , achse , räder und joch auch 
auf jede andere art von wagen ihre anwendung finden", und 
wenn wir überdies noch in die anmerkungen verwiesen werden, 
um ihn verstehen zu lernen, und daselbst lesen : Plat. Theaetet. 
p. 207 A : dyan&nsv av ^(ür^dtv^sq o, n iarlv aualga, ei t/ofttv 
sineir rpojjot, «£&>»•, i'7i?qtsqiu s ur7vyeg, Lvyör, so wird die sache 
dadurch nicht besser-, es ist das eine zwecklose raumverschwen- 
dung und eine seltene geschmacklosigkeit, die das vergnügen an 
der lektüre des buches nicht erhöht. Und trotz alledem werden 
wir über das eigentlich charakteristische dieser wagen nicht un- 
terrichtet. Sich einen begriff zu machen von der weise , wie 
Blümner gearbeitet hat , könnte schon folgender fall allein aus- 
reichen. In § 12 die sklaven wird auf p. 85 über die preise, 
die für sklaven gezahlt wurden , gesprochen ; das einschlagende 
material dafür wird in anmerk. 4 beigebracht, darunter auch 
inschriftliche angaben. Nach CIA I, 277 stelle sich der preis 
in der regel auf 2 — 3 minen , nur die Syrer seien höher be- 
zahlt worden, mit 4 — 5 minen. Nun sind v. 15 — 30 folgende 
angaben sicher: 165. 135. 170. 105. 161. 220. 115. 144.121. 



230 40. Griechische alterthümer. Nr. 4. 

153. 174. 72 (für ein aatdior). 151. 170 drachmen, und auch 
Blümner rechnet p. 444 die mine zu 100 drachmen ; danach 
hätte sein resultat doch wohl sein müssen : durchschnittspreis 
1 — 2 minen. Und wenn der eine erwähnte Syrer 240, der an- 
dere 301 drachmen gekostet hat, so würde ich daraus als durch- 
schnittspreis berechnen 2 — 3 minen, wobei immer noch fraglich 
bleibt, ob diese preise den üblichen durchschnittswerth von Skla- 
ven ende des 5. Jahrhunderts repräsentiren. Es handelt sich 
um eine von staatswegen durch die poleten besorgte Veräußerung, 
der maximalwerth pflegt in solchen fällen selten erreicht zu 
werden. Doch das nebenbei; auch wird bisher mancher abge- 
neigt sein , den angeführten zahlen gewicht beizulegen , und in 
Blümners sätzen nur einen kleinen rechenfehler erblicken wollen. 
Leider wird diese annähme ausgeschlossen , wenn Blümner auf 
der folgenden seite 86 den beweis dafür, daß die sklaven der 
Griechen meist barbaren gewesen seien, durch eine inschrift er- 
bringt. Anmerk. 2 „auf einer inschrift in der 'Ayyuinl. 'Etp^ft. 
f. 1869, p. 337 n. 409, auf der eine liste verkaufter gegen- 
stände enthalten ist, sind die sklaven bezeichnet als u. s. w.". 
Daß dies keine andere inschrift ist, als die, welche er auf p. 85 
mit CIA I. 277 angeführt hat, das merkt Blümner nicht; mit 
welcher Sorgfalt muß er da gearbeitet haben ? Ueberhaupt ist 
die verwerthung der inschriften eine sehr mangelhafte und, wie 
man annehmen muß, vom zufall abhängig. 

So hätte z. b. bei der erwähnung des asylrechts bestimmter 
tempel (p. 90 f.) auch der in der mysterieninschrift von Andania 
enthaltenen diesbezüglichen bestimmungen gedacht werden kön- 
nen, ebenso konnten gewisse andere partien derselben den un- 
terschied illustriren zwischen freien und sklaven, so weit derselbe 
in der bestrafung für vergehen zum ausdruck kommt (auch Dem. 
24,167 vermißt man dabei ungern). Warum wird nicht p. 423 
CIA II, 11 citirt als beleg dafür, daß durch wechselseitige 
Staatsverträge fremde kaufleute dem eingebornen in allen rechts- 
fragen privater natur völlig gleichgestellt werden? Wo von der 
bedeutung der seher gehandelt wird (p. 475) , hätte auch Hie- 
rokles aus Oreos erwähnung finden sollen mit anführung von 
CIA IV, 27a, z. 66 und Aristoph. Fried. 1944«. In §49 kapi- 
talien und deren verwerthung würde mit nutzen eine inschrift 
verwerthet sein können (Revue archeol. 66, p. 352), welche 



Nr. 4, 40. Griechische alterthümer. 231 

uns ein consortium kennen lehrt, das zum gemeinsamen betriebe 
kaufmännischer geschäfte zusammengetreten war. 

Wie ist es andrerseits zu rechtfertigen, wenn p. 105, an- 
rnerk. 3 die inschrift der Hymettosgrotte noch nach CIG citirt 
wird statt CIA I, 425 , woselbst er auch eine richtigere lesung 
gefunden hätte? So steht ferner p. 432 anmerk. 4 Rangabo 
Antiquit. hellen. I, p. 52, n. 57 statt CIA, I, 324 und eben 
danach wird CIA I, 40, p. 424 anmerk. 2 angeführt. P. 495 
wird wieder nach CIG citirt statt CIA II, 86, während auf 
der folgenden seite 496 anmerk. 4 CIA II, 108 zu lesen steht 
und dann add. nov. 156, die letztere mit bösem druckfehler 
statt 15b. Ein und dieselbe inschrift wird p. 222 anm. 2 CIA 
II, 476 citirt und dann p. 440 anm. 3, 445 anm. 5, 456 anm. 6 
nach dem CIG. P. 492 hätte zu Curtius Inscr. XII, p. 13 auch 
noch der ort , wo die inschrift jetzt zu finden ist , hinzugefügt 
werden müssen: CIA II, 115. Welche consequenz liegt denn 
darin, wenn auf p. 492 f. die lokrische inschrift zunächst ange- 
führt wird nach Rangabe Ant. hellen. II, n. 356b und L. Roß, 
Alte lokrische inschrift, Leipzig 1854, dann auf der nächsten 
seite Rangabe II, no. 356b. Cauer, Delectus epigramm. (siel) 
p. 114 n. 94, und um das werk zu krönen, steht in derselben 
anmerkung die inschrift aus Teos (bei Cauer 1 n. 130j nicht nach 
Cauer citirt, sondern als Corp. Inscr. Gr. II, 3044, ebenso wie 
p. 433 anmerk. 3. Im § 39 von sterbefällen und leichenbe- 
gängnissen wird vielfach auf die Verordnung von Iulis auf Keos 
(jetzt IGA 395) bezug genommen, sie wird in einzelnen ab- 
sätzen öfters citirt, aber in nicht immer korrekter form. P. 363 
anmerk. 2 kommen zwei druckfehler vor, itdo^iati statt ivdvuari, 
tqgi^ statt ro?g. P. 367 anmerk. 3 [*e%gt to otjim statt [itXQi 
in) 7c arjpa. P. 369 anmerk. 5, z. 14 statt 13 f., iy.cptQsu statt 
igtpsQEiv. P. 372 anmerk. 2 tokv/.ogtuu (müßte wenigstens wohl 
als ableitung von tqiuxoot/j Tnuv/.oaruuf. lauten) statt roir^/.öciia. 
P. 365 anmerk. 5 wird aus dieser inschrift eine bestimmung re- 
ferirt , die (iiaivnfisvai betreffend und wer dazu zu rechnen sei. 
Statt sich den ganzen inhalt anzueignen, begnügt sich Blümner, 
weil ihm die entzifferung mühe macht, mit der ausweichenden 
erklärung: („bei der angäbe weiterer Verwandschaftsgrade ist 
die inschrift lückenhaft")* 

In welchem verhältniß steht das zu der im prospekt ver- 



232 40. Griechische alterthüraer. Nr. 4. 

heißeneu gewissenhaften verwerthung des neuen materials (vor- 
rede XI)? So wird auch p. 461 , wo die zur angäbe von hy- 
potheken dienenden oqoi erwähnt werden, vermißt die nennung 
von Martha, Bull, de corresp. hell. I, 235 mit der von diesem 
aufgestellten theilung solcher oqoi in vier klassen. In gleicher 
weise sind die ausführungen über die noohvia (p. 492) ungenau. 
Es fehlt Schubert, De proxenia Attica, Leipzig 1881 und der 
hinweis darauf, daß die Athener die proxenie als ehrentitel ver- 
liehen. Was über das wesen der noo^roi und über die &ewqoI 
und über gesandtschaften in der dissertation von M. Heyse, De 
legationibus Atticis, Gotting. 1882 zusammengestellt ist, konnte 
Blümner wohl noch nicht benutzen , aber das hätte er überall 
richtig erfahren können, daß die gesandtschaft, welche er p. 496, 
anmerk. 4 erwähnt (Dem. XIX, 158), aus 10 Athenern und 
einem Vertreter der bundesgenossen bestand , nicht , wie er an- 
nimmt, aus 3 mitgliedern. Selbstverständlich fällt damit auch 
das resultat seiner rechnung, es kommen als reisediäten der ge- 
sandtschaft pro mann und tag nicht 3 x /3 drachmen, sondern 1 
drachme heraus. Dieser fehler wäre an sich nicht so schlimm, 
er wird aber gravirend, weil er von einem irrthum in einer so 
bekannten sache ausgeht. Für die «juellen, auf die Blümner sich 
stützt, ist p. 492 anmerk. 4 höchst bezeichnend. Dort lautet es : 
„wie selbst eine gesandtschaft außer landes betrachtet ward , s. 
Poll. IV, 28". An diesem orte findet sich eine ganz wüste Zu- 
sammenstellung von ausdrücken, die der ngeaßti'a zukommen können. 
Gab es denn keine anderen belegstellen ? das „selbst" scheint 
aber noch eine irrthümliche anschauung zu verrathen. Heyse 
macht mit recht darauf aufmerksam, daß nur die vfjovxsg unter 
allen umständen als sakrosankt gelten, während gesandten nicht 
ohne weiteres die unverletzlichkeit garantirt war. Daraus er- 
klärt sich denn auch, daß die festnähme der spartanischen ge- 
sandten zu Athen auf Themistokles 1 rath (Tbuc. I, 91) nicht als 
Verletzung des Völkerrechts angesehen werden konnte, ebenso- 
wenig wie die gefangensetzung der lakedämonischen gesandten 
im jähre 378, als Sphodrias auf eigene hand in das attische 
land eingefallen war (Xen. Hell. V, 4. 20 ff.). 

Pollux figurirt, wie an der eben angeführten stelle, auch 
sonst unberechtigter weise viel zu oft-, seine werthlosigkeit ge- 
steht Blümner, wenn auch nur schüchtern, selbst p. 421 anra. 1 zu. 



Nr. 4. 40. Griechische alterthüiner. 233 

Wäre etwas kritischer in der auswahl des quellenmaterials verfahren, 
so wäre p. 451 gewiß die alte fabel von dem in Sparta verwendeten 
ledergelde gänzlich verschwunden. Dagegen hätten die angaben 
über spartanisches geld einer präciseren fassung bedurft : in Sparta 
wurde unedles metall als werthmesser bis zum ende des 4. Jahrhun- 
derts benutzt, silbermünzen erst nach der zeit Alexanders geprägt. 
Bis dahin tauschhandel, bei dem eisen die etwaige ausgleichung 
herstellte. Den Privatleuten war der besitz von gold- und sil- 
bergeld untersagt, doch wurde dies verbot nur theilweise re- 
spektirt, dasselbe wurde umgangen z. b. dadurch, daß das geld 
außer landes deponirt wurde, vgl. die inschrift IGA 68, die Blümner 
aber auch schon finden konnte in den Monatsberichten der Ber- 
liner akademie 1870, p. 51 ff. und Cauer x , 2. Wie die benu- 
tzung der inschriften , so ist auch die verwerthung der wissen- 
schaftlichen literatur nicht ausreichend ; die anführungen beruhen 
auch hier, wie man anzunehmen Ursache hat, auf zufall und ge- 
schehen nicht nach wohlerwogenen gründen. Wollte und konnte 
man nicht Vollständigkeit y ) erreichen, so mußte die auswahl nach 
dem werth der Schriften getroffen werden und alle unnöthigen 
citate verschwinden. Blümner ist sich dieses fehlers wohl be- 
wußt; er gesteht vorrede XIII ganz offen ein, daß er manches 
citire , was er nicht gesehen , geschweige denn gelesen habe, 
ebenso daß die im prospekt angekündigte beseitigung einer an- 
zahl von anführungen ganz werthloser und veralteter bücher im 
vorliegenden bände nicht in ausreichendem maße erfolgt sei. 
Und welches ist dafür die entschuldigung ? In Zürich waren 
die bücher nicht zu erlangen. Ja das ist recht zu beklagen, 
aber wer zwingt ihn denn unter solchen umständen die neube- 
arbeitung eines werkes zu übernehmen , wobei diese seite der 
arbeit von ausschlaggebender bedeutung ist? Hat er sich doch 
dazu verstanden, so hat die kritik das recht und die pflicht, 
diesen maugel gebührend hervorzuheben. 

1) Um über die Vollständigkeit der literaturnachweise ein ur- 
theil zu gewinnen, vgl. man was Blümner p. 436 anmerk. 2 über den 
bernstein mittheilt, mitWaldmann ; derbernstein im alterthuin, Fellin 
1882 p. 4 ff'. Blümner konnte die literatur bis zum jähre 1838 finden 
bei Ukert, über das elektrum und die mit demselben verknüpften sa- 
gen , Zeitschrift für die alterthumswissenschaft 1838, p. 425 ff. , die 
neuere litteratur bis 1876 in A. Baumstarks ausführlicher erläuterung 
des besonderen völkerschaftlichen theiles der Germania des Tacitus, 
Leipzig 1880, p. 267 ff. 



234 40. Griechische alterthümer. Nr. 4. 

Ungenauigkeiten , mögen es druckfehler oder irrthümer des 
herausgebers sein, sind in den anmerkungen in enormer anzahl 
vorhanden. P. 480 anmerk. 2 wird die oxiaiij oSö^ aus der 
Oedipussage berührt und dafür Soph. Oed. Tyr. 787 ff. citirt. 
Sollten die citate genau sein, so wäre v. 730. 733 (an dieser 
stelle steht die bezeichnung OQiozr] ödb^) mit 801 zusammen zu 
nennen gewesen, wozu außerdem noch der angeführte v. 1398 
kommen könnte, ebenso Paus. X, 5, 3. Wenn noch X, 35, 8 
hinzugefügt wird, so hätte mit gleichem recht noch IX, 2, 4 an- 
spruch auf erwähnung gehabt. 

Anmerk. 5 ist das citat Paus. X, 32, 6 ungehörig, die aus 
Pausanias abgedruckten sechs worte sind durch zwei druckfehler 
entstellt. 

Anmerk. 6 „reiten (ini innovg utaßaCveiv, innä&o&ai)". War 
es wirklich erforderlich, dem leser die griechischen ausdrücke 
für „reiten" an die hand zu geben, so hätten die richtigen worte 
gewählt werden müssen: im zov innov avaßai'veiv bezieht sich 
auf den dem reiten vorangehenden akt des aufsitzens, reiten 
heißt ilavmtv , ü^slßdai sqp' mnov. innu&odai ist selten und 
bezeichnet so viel wie Innov yvfxva'Qi.iv ein pferd tummeln. 

P. 481 anmerk. 3 statt Soph. Oed. Col. 113 zu lesen 313 
(eigentlich 311 — 314). P. 343 anmerk. 4 Longus {sie) de sublimit. 
P. 433 anmerk. 4 kommen in einem inschriftencitat von zwei 
zeilen nicht weniger als fünf fehler vor. 

Das mag genügen, um zu ersehen, wie weit die grundsätze 
des prospekts durchgeführt sind. Wenn Poehlmann (Historische 
Zeitschrift 1883, p. 302 f.) behauptet, die neue bearbeitung be- 
mühe sich, die abstrakte fassung der darstellung Hermanns mög- 
lichst zu beseitigen, wenn er ferner von einer äußerst gründ- 
lichen revision der kritisch - exegetischen grundlage der darstel- 
lung spricht und wenn er endlich die neuere Literatur mit gro- 
ßer Sorgfalt und Vollständigkeit verwerthet findet, so kann sich 
seine nachprüfung nur sehr an der oberfläche gehalten haben. 
Noch unbegreiflicher ist mir das urtheil, welches Saalfeld in ei- 
ner recension in den blättern für bayerisches gymnasialwesen 
(XIX, p. 287 f.) abgiebt. Nachdem derselbe die worte des Pro- 
spektes, ähnlich wie Poehlmann, paraphrasirt und das dort ver- 
sprochene als geleistet hingestellt hat, erhebt er sich zu der 
kühnen behauptung, Blümner habe die griechischen privatalter- 



Nr. 4. 41. Römische geschiente. 235 

thümer zu einem werke werden lassen , welches als epochema- 
chend angesehen werden dürfe. Beweis wird natürlich nicht 
angetreten, kein einziger punkt des buches kommt zur bespre- 
chung. Die bewunderung, die der rec. vor dem werke von so 
eminenter bedeutung hegt, verbietet es ihm ; kleinlich, meint er, 
wäre es, an dieser oder jener fassung des ausdrucks zu mäkeln 
oder in dem Zusammenhang des Stoffes tadelnd eine lücke ent- 
decken zu wollen, wo berechtigte absieht des herausgebers zu 
gründe läge. Man sieht, nichts als phrase. So kann man reden, 
ohne eine seite des buches auch nur gelesen zu haben. 

Wenn Saalfeld seine besprechung mit dem wünsche austö- 
nen läßt, daß die noch ausstehenden weiteren theile der grie- 
chischen alterthümer in ebenso erfreulicher weise zur herausgäbe 
gelangen mögen, so will ich nicht schließen, ohne noch meiner 
hoffnung ausdruck zu geben , die ich hege , daß die übrigen 
theile in sorgfältigerer neubearbeitung erscheinen werden. 

C. Schaefer. 

41. Schiller, H., geschichte der römischen kaiserzeit I, 2. 
Gotha 1883. 8. (S. Philol. anz. 1883, nr. 3, p. 223—29.) 

Rascher als wir zu hoffen gewagt ist die fortsetzung von 
Schillers Kaisergeschichte erschienen , welche die zeit von den 
Flaviern bis Diocletian umfaßt. Er theilt seinen stoff in vier 
kapitel, die jedes mal durch einen abschnitt über die quellen 
und die neueren darstellungen desselben eingeleitet und durch 
einen rückblick auf die innern zustände des reichs und seine 
eulturverhältnisse beendigt werden. Der vorliegende halbband 
beginnt mit dem II. kapitel [des II. buches.] Von Vespasian 
bis Trajan. Beginn der Umbildung des prineipats zur monar- 
chie. IU. kapitel. Von Hadrian bis Pertiuax. Die monarchische 
entwickelung in der reichsverwaltung. IV. kapitel. Von Sep- 
timius Severus bis auf Carinus und Xumerian. Entwickelung 
der absoluten monarchie. 

Man sieht also , daß der zweite halbband auf demselben 
räum, wie der erste, doppelt soviel zeit umfaßt ; diese ungleich- 
mäßigkeit hätte sich nur vermeiden lassen , wenn entweder der 
erste kürzer oder der zweite länger ausgefallen wäre. Nament- 
lich am Schluß des zweiten halbbandes ist alles in das vierte 
kapitel hineingezwängt, was eigentlich in drei abschnitte zerfällt : 



236 41. Römische geschickte. Nr. 4. 

1) Septimius Severus und seine dynastie — 235. 2) militärische 
anarchie, um den allerdings unpassenden namen der dreißig ty- 
rannen aufzugeben 235 — 268. 3) reconstruction des reiches und 
seiner theile von 268 — 84. Durch eine derartige eintheilung 
würde diese verworrene periode an Übersichtlichkeit und klar- 
heit entschieden gewonnen haben. — 

Die zweite hälfte ist genau so gearbeitet wie die erste, es 
genügt also hier einfach auf die früher voraufgeschickten allge- 
meinen bemerkungen zu verweisen. 

Daß der räum nicht ausreichte, zeigt sich namentlich bei der 
regierung des Titus sehr deutlich, die auf zwei seiten abgefertigt 
wird. F. 519 ist nur im allgemeinen von dem großen erdbeben 
die rede, welches im jähre 79 Campanien heimsuchte. Die ruinen 
Pompei's aber, welche eine der wichtigsten quellen für unsere 
kenntniß der cultur der ersten kaiserzeit bilden, werden nicht 
einmal genannt. Auch die Vollständigkeit der litteratur läßt 
mancherlei zu wünschen übrig. Ueber die nothwendigkeit des citi- 
rens kann man allerdings verschiedener meinung sein. Man kann 
ein citat auslassen, weil man das werk kennt und weil man es 
nicht kennt. Allein die art, wie der verf. an anderen stellen 
auch veraltete werke citirt, zeigt, daß er wenigstens stellenweise 
Vollständigkeit erstrebt hat, wie es bei einem handbuch zum stu- 
dieren um so mehr zu wünschen ist, als wir eine Bibliotheca hi- 
storica nach art der Engelmannschen Bibliotheca philologica, in 
der die einzelnen abhandlungen und monographien verzeichnet 
wären, leider nicht besitzen. 

Um also bei jenen zwei der regierung des Titus gewidmeten 
seiten stehen zu bleiben, so zeigen sie keine spur der bekannt- 
schaft mit folgenden umfangreicheren vorarbeiten : Heimbrod, 
Titi Flavii Vespasiani Romani imperatoris vita iterum edita. Ar- 
chiv für classische philologie 8,383 — 99; ferner Joguet, les Fla- 
viens. Paris 1876. Beule, Titus et sa dynastie. Paris 1871. 
0. A. Hoffmann, De imp. Titi temporibus recte definiendis. 
Marb. 1883. 

Bei Domitian p. 520 fehlt Imhof, T. Flavius Domitianus. 
Halle 1857 mit der anzeige von R. Sievers, Jahrbücher f. class. 
philologie 1881 ; p. 629 — 39. Bei der Schilderung von Domi- 
tians regierung tritt der gegensatz zum Tacitus wieder sehr deut- 
lich hervor. Der tadel des Tacitus verkehrt sich bei Schiller 






Nr. 4. 41. Römische geschichte. 237 

ins gegentheil , der den Domitian um jeden preis „retten" will. 
Selbst wenn dieser kaiser dem Decebalus einen jährlichen tribut 
bewilligt (p. 531), so wird das in einer weise beschönigt, die 
der offiziösesten unserer offiziösen Zeitungen als muster vorzu- 
halten wäre. — 

P. 538 nennt der verf. den Nerva einen „greis, jedenfalls 
über 60 jähre alt". Wir brauchen keine unnützen vermuthun- 
gen über das alter des Nerva bei seiner thronbesteigung anzu- 
stellen, denn wir wissen mit Sicherheit, daß Nerva den 8. nov. 32 
n Chr. geboren wurde Ueberhaupt hat der verf. die geburts- 
tage der kaiser nur dann angeführt , wenn sie in den buchmä- 
ßigen quellen erwähnt werden , dagegen die wichtigen angaben 
des CIL fast gar nicht ausgenutzt. 

Bei Hadrian fehlt merkwürdiger weise (p. 602) Gregorovius, 
Geschichte des römischen kaisers Hadrian und seiner zeit. Kö- 
nigsberg 1851 f jetzt in zweiter aufläge erschienen). 

P. 604 spricht der verf. davon , daß Hadrian mit leichtig- 
keit große Strapazen ausgehalten habe und bemerkt dazu anm 3: 
„vielleicht wird er deshalb auch auf münzen barhäuptig gebildet". 
Werden denn die anderen kaiser etwa nicht barhäuptig ge- 
bildet? 

Endlich mußte das eingreifen des Hadrian aber auch noch 
erwähnt werden bei der geschichte des colonats p. 651 ; weil 
wir aus dem edict des Commodus (Hermes 15,303) wissen, daß 
schon Hadrian in dieser hinsieht bestimmungen getroffen hatte. 

Marc Aurel wird oft von dem verf. mit überlegener kühler 
ironie behandelt und als philosoph verspottet. Wenn der kaiser 
seinen söhn zum thronfolger ernennt, so führt der verf. das zu- 
rück auf „die philosophische schule, welche den natürlichen und 
klaren verstand des kaisers getrübt". Hier ist aber doch sicher 
nicht die philosophie, sondern die vaterliebe des kaisers entschei- 
dend gewesen. — 

In bezug auf die auswärtigen und handelsbeziehungen hat 
der verf. eine interessante stelle übersehen bei v. Richthofen, 
China 1, p. 512 „die chinesischen annalen erzählen, daß im 
jähre 166 am kaiserlichen hof in Lo-yang eine gesandtschaft 
von dem kaiser An-Tun des reiches Ta-Tsin erschien. — Die 
gesandtschaft kam auf dem seeweg, landete in Ji-nan (Tongking) 
und wurde von dort zu lande nach der hauptstadt an den hof 
Philoi. Anz. XIV. 17 



238 41. Römische geschichte Nr. 4. 

des kaisers Hwan Ti escortirt. Der weg von westen her durch 
den continent war ihr versperrt gewesen. — Die Chinesen er- 
wähnen noch die abreise der gesandtschaft". Vgl. M^moires 
de l'acad. des insc. 10, p. 237. Der handel auf dem Rofhen 
meere nach Indien war damals sehr lebhaft, sogar in Cochin- 
china sind römische münzen des dritten Jahrhunderts gefunden 
(s. Eevue numismatique n. s. 9, 1864, p. 481), so daß auch eine 
gesandtschaft nach China in hohem grade glaubhaft erscheint. 

In bezug auf die bibliographie ist p. 635 nachzutragen: 
E. Renan, Marc-Aurele, Paris 1882, während dessen Eglise chre- 
tienne benutzt und citirt wird ; Edouard de Suckau Etudes sur 
Marc Aurele , vgl. Taine , Nouveaux Essais de critique et d'hi- 
stoire, p. 301—16-, Noel de Vergers, Essai sur Marc-Aurele, 
Paris 1860, vgl. R. Sievers, Jahrbücher für classische philologie 
83, 367 — 76 ; p. 724 „sie führten einen Guerilla". Wenn man 
so überflüssige fremdworte braucht, so soll man sie wenigstens 
richtig brauchen ; Gorilla mag mascul. sein ; guerilla können wir 
nur als femin. gebrauchen ; p. 705 beim Septimius Severus sind 
die wichtigeren werke von Höfner und de Ceuleneer allerdings ge- 
nannt; es fehlt aber J. G. Schulte, de imperatore L. Septimio 
Severo, P. I, Münster 1867; bei Caracalla, p. 739 und 743: 
Bockhoff, de expeditionibus M. Aurelii Antonini Caracallae, Mün- 
ster 1868; bei Elagabal p. 760: R. Salzer, die syrischen kai- 
ser und Severus Alexander. I. Heliogabal, Heidelberg 1866; p. 
779 — 80: Krebs, de Alexandri Severi bello contra Persas gesto. 
Düsseldorf 1847, Jahrbücher für class. philol. 52,345; bei Phi- 
lippus p. 904, anmerk. 1: Aube\ Le christianisme de l'emp^- 
reur Philippe, Revue arch^ol. n. s. 21, 1880, p. 140 — 152; p. 
811 : Th. Bernhardt, politische geschichte des römischen reichs von 
Valerian bis zu Diocletians regierungsantritt. 1. Berlin 1867; 
p. 823: Lucien Double, Les Cdsars de Palmyre, Paris 1877. 
Jos. Klein: Odaenathus Augustus. Rhein, mus. 35, 490; p. 851 : 
A. Becker, Imperator L. Domitius Aurelianus restitutor orbis. 
Münster 1866. F. Görres, De primis Aureliani principatus tem- 
poribus. Bonn 1868. 

Ich brauche wohl kaum hinzuzufügen, daß diese liste von 
herausgegriffenen titeln auf Vollständigkeit keinen anspruch macht. 

Den schluß bilden sehr umfangreiche enggedruckte berichti- 



Nr. 4. Bibliographie. 239 

gungen und nachtrage zum ersten bände. Doch auch dieses 
druckfehlerverzeichniß ist leider von druckfehlern nicht frei. 

Das register p. 947 — 80 ist allerdings ziemlich umfangreich, 
aber keineswegs vollständig , es fehlt eine reihe von wichtigen 
artikeln und sogar von kaisernamen. 

Gerade weil die Schillersche kaisergeschichte die einzige ist, 
mit der sich arbeiten läßt, so haben wir geglaubt, auf diese 
mängel hinweisen zu sollen , damit der verf. in einer zweiten 
aufläge, die sein buch hoffentlich erlebt, dieselben beseitigen kann. 



Bibliographie. 

Ueber A. Mayens Wiens buchdruckergeschichte bd. II , die 
jähre 1482 — 1882 umfassend berichtet A. Scherzer in beil. z. 
Allg. ztg. 1883. nr. 316 und hebt dasselbe als eine bedeutende 
erscheinung hervor. 

Den inhalt des Jahrgangs 1883 der Sitzungsberichte der aka- 
demie der Wissenschaften in Berlin der jetzt vollständig vorliegt, 
giebt Reichsanz. no. 44 an : aus ihm bemerken wir hier Zeller, 
über Antisthenes von Rhodos, in dem nachzuweisen versucht wird, 
daß der aus Polybios bekannte geschichtschreiber und der Ver- 
fasser der di<.ido%ai eine und dieselbe person sei ; — H Dessau, 
römische reliefs beschrieben von Pirro Ligorio; — Max Duncker, 
über den proceß des Pausanias ; — Theodor Mommsen, numisma- 
tische notizen , und zwar über einen goldstater des königs Pto- 
lemäus von Mauretanien, den römischen silberschatz von Maserä, 
die Victoriatenf unde von Tarent und Pisa , die Denarfunde von 
Compito und Garlasca ; — Valien, über Iuvenal und Paris (luven. 
Sat. VII)-, — R Lepsius, über die längenmaßen der alten (mit 
vergleichenden tabellen); — G. Hirschfeld, über Tarium, die 
hauptstadt der trokmischen Galater in Klein-Asien, einem haupt- 
kreuzungspunkt in dem römischen Straßennetze der halbinsel 
nebst karte. 

Im RAnzeiger werden kurz folgende cataloge von antiqua- 
ren angezeigt, in nr. 26 Schletter 'sehe buchhandlung in Breslau, 
(Frank und Weichert) nr. 185, in nr. 27 Lachmann und Lutz 
in Frankfurt a. M. nr. 45 ; ebendas. Joseph Baer in Frankfurt 
a. M. und Paris nr. 137, mathematik vorzugsweise enthaltend; 
in nr. 29 Joseph Jolowitz in Posen nr. 81. 

Verzeichniß der wichtigeren publikationen auf dem gebiete der alter- 
thumswissenschaft. 1884. III. 

Beilage A. Schulschriften und programme. 
191. Adamek, Otto, die senatsboten der römischen republik. Graz. 
8. 34 p. 

17* 



240 Bibliographie. Nr. 4. 

192. Alexi, C, über die unentbehrlichkeit der altklassischen Stu- 
dien in den höheren lehranstalten und über die nothwendigkeit einer 
zeitgemäßen reform dieser studien. Ein beitrag zur kritik der neusten 
reformbestrebungen auf dem gebiete des höheren Schulwesens in Deutsch- 
land. Mühlhausen. 4. 41 p. (Teubner 1883 no. 461). 

193. Angermann, geographische namen Altgriechenlands. Meißen. 
4. 31 p. (Teubner no. 494). 

194. Baar, A., Lucians dialog „der pseudosophist" erklärt u. be- 
urtheilt. Görz. 8. 22 p. 

195. Bilßnger, &., antike stundenzählung. Stuttgart (Eberhard- 
Ludwigs-gymn.). 4. 4l p. (Teubner no. 537). 

196. Breznik , Fr. , erziehung und Unterricht bei den Griechen. 
Rudolfswert, 8. 48 p. 

197. Caspers , de comparationibus Vergilianis. Hagenau. 4. 
18 p. (Teubner no. 459). 

198. Dittmeyer, Leonh. , quae ratio inter vetustam Aristotelis 
Rhetoricorum translationem et Graecos Codices intercedat. München, 
(Wilhelmsgymn.). 8. 68 p. 

199.' Durban, L., Horaz epistel an die Pisonen (übersetzt). Lahr. 
4. 23 p. (Teubner no. 550). 

200. Egger, Josef, Katharsis studien. Wien, (Franz-Josephgymn). 
8. 39 p. 

201. Eichler, Edmund, Demosthenes' erste Philippica doch eine 
doppelrede. Wien, (staatsgymn. im 2. bezirk). 8. 29 p. 

202. Erdmann, Martin, zur künde der hellenistischen städtegrün- 
dungen. Straßburg, (protestant. gymn.). 4. 30 p. (Teubner no. 466). 

203. Euler, über die abfassungszeit der Isokrateischen friedens- 
rede. Mengeringhausen, (progr. von Corbach). 4. 18 p. 

204. Föhlisch , Constantin , über die benutzung des Polybius im 
XXI. u. XXII. buche des Livius. Eine quellenuntersuchung. Pforz- 
heim. 4. 12 p. (Teubner no. 553). 

205. Gülkel, Hans, beitrage zur syntax des verbums und zur satz- 
bildung bei dem redner Antiphon. Passau. 8. 54 p. 

206. Groß, Eduard, kritisches und exegetisches zu Vergils Ae- 
neis. Nürnberg. 8. 44 p. 

207. Haas, Lorenz, über die Schriften des Sextus Empiricus. 
Freising. 8. (Progr. von Burghausen). 29 p. 

208. Hammer, C, Demetrius mqi ^Qfiijviias. Ein litteraturhisto- 
rischer versuch. Landshut. 8. 73 p. 

209. Hasenstab, B., studien zur variensammlung des Cassiodorius 
Senator. Ein beitrag zur geschichte der Ostgothenherrschaft in Italien. 
I. München, (Maximiliansgymn.). 8. 95 p. 

210. Hauser, Chr., C. Iulii Caesaris commentariorum de bello 
Gallico et de bello civili textus qui vocatur cum praeceptis gramma- 
ticis ab eodem scriptore in libris de analogia traditis comparatio. 
Villach. 8. 21 p. 

211. Hepp, Leo, politisches und sociales aus der Ilias und Odyssee 
in vergleichender darstellung. Rottweil. 4. 73 p. (Teubner no. 536). 

212. Holub, Joh., warum hielt sich Tacitus von 89 — 96 n. Chr. 
nicht in Rom auf? Quintil. X, 1, 104. Weidenau. 8. 22 p. 

213. Hoehle, J., Arkadien vor der zeit der Perserkriege. 1. theil. 
Meerane. 4. 44 p. (Teubner no. 517). 

214. Jaeger, H. , bemerkungen zur römischen satire insbesondere 
der des Horaz und einigen mit ihr verwandten dichtungsarten. Ried. 
8. 20 p. 

215. Johne, E., die Andromeda desEuripides. Eine Euripideische 
studie. Landskron in Böhmen. 8. 22 p. 



Nr. 4. Bibliographie. 241 

216. Kapp, Stefan, die griechischen und lateinischen gutturallaute 
im neugriechischen und in den romanischen sprachen. Wien, (gymn. 
im IX. bezirk). 8. 46 p. 

217. Karassek, Joseph, der infinitiv bei Herodot. Saaz. 8. 78 p. 

218. Kelber, Chr., anfang eines -Wörterverzeichnisses zu den libri 
matheseos des Iulius Firmicus Maternus. Erlangen. 8. 36 p. 

219. Kornitzer, Aloisius, de scribis publicis Atheniensium. Wien, 
(progr. von Hernais). 8. 35 p. 

220. Krumbacher , Carl , de codicibus quibus interpretamenta 
Pseudodositheana nobis tradita sunt. München , (Ludwigsgymn.). 
8. 68 p. 

221. Krug, A., Etüde sur la Phedre de Racine et l'Hippolyte de 
Seneque. Colmar. 4. (Programm von Buchsweiler). 31 p. (Teubner 
no. 456). 

222. Krupp, Franz, die homerischen gleichnisse zusammengestellt 
nach den verglichenen personen und anschauungskreisen, welchen die 
bilder entnommen sind mit angäbe der Vergleichspunkte. Zweibrücken. 
8. 35 p. 

223. Kubitscheh, Jos. Wilh., kritische beitrage zur cosmographia 
des Iulius Honorius. II. theil. Oberhollabrunn. 8. 36 p. 

224. La Roche, Jac, über die adiectiva zweier endungen auf os 
im griechischen. Linz. 8. 21 p. 

225. Lechner, Maxim., de pleonasmis Homericis. Pars II. Onoldi. 
8. 42 p. 

226. Liebl, Hans, beitrage zu den Persiusscholien. Straubing. 
8. 54 p. 

227. May, J., der entwicklungsgang des Horaz in den jähren 35 
—30 v. Chr. Offenburg. 4. 20 p. (Teubner no. 552). 

228. Mayer, Anton, stimmt der Cato und Atticus des Cornelius 
Nepos in spräche und stil mit den demselben Schriftsteller zugeschrie- 
benen vitae überein oder nicht. Cilli. 8. p. 5 — 22. 

229. Meinet, Georg, zur Chronologie des jugurthinischen krieges. 
Augsburg, (studienanstalt St. Anna). 8. 23 p. 

230. Müller, Anton, zu Plautus. Baden-Baden. 4. 25p. (Teub- 
ner no. 543). 

231. Munier, Moritz, die paläographie als Wissenschaft und die 
inschriften des Mainzer museums. Mainz. 4. 30 p. (Teubner no. 570). 

232. Nusser, Joh. , Piatons Politeia nach inhalt und form be- 
trachtet. Amberg. 8. 107 p. 

233. Orszulik, K., über das verhältniß der Doloneia zu den übri- 
gen texten der Ilias und zur Odyssee. Teschen. 8. 44 p. 

234. Paulus II. , abhandlung über die wähl der attischen Stra- 
tegen. Tübingen , (programm von Maulbronn). 4. 37 p. Teubner 
no. 530). 

235. Pawlitschek, Alfr., über die aai<pQoavytj in Platon's Charmides. 
Czernowitz. 8. p. 6—29. 

236. Petris, Stefano, Cenni storici sulle Absirtidi fino ad Augusto. 
Capodistria. 8. 35 p. 

237. Pf äff, Carl, de diversis manibus quibus Ciceronis de repu- 
blica libri in codice Vaticano correcti sunt. Accedit tabula heliotypa. 
Heidelberg. 4. 18 p. n. tafel. (Teubner no. 547). 

238. Reichenbach, Carl, über die echtheit des dem Vergil zuge- 
schriebenen Moretum nebst einigen kritischen und sachlichen bemer- 
kungen. Znaim. 8. 16 p. 

239. Reusch, die römischen alterthümer im museum zu Altkirch. 
4. 21 p. (Teubner no. 455). 



242 Bibliographie. Nr. 4. 

240. Renß, Friedr., L und die durcbschneidung der tironischen 
noten. Mit 9 zinl<ographirten tatein. Neubnrg a. D. 8. "23 p. 

241. Sadee, L., über Freiburger fragmente einer handschrift der 
Etymologiae des Isidorus Hispalensis. Freiburg i. ßrsg. 4. 34 p. (Teub- 
ner no. 546). 

242. Sauer, das daimonion des Sokrates. Heilbronn. 4. 18 p. 
Teubner no. 534. 

243. Schramm, Georg, beitrag zu einer genetischen entwicklung 
der unsterblicbkeitslehre Piatons. Würzburg. 8. 40 p. 

244 Schindler, Franz., Quid viri docti de prosodia latina egerint 
et qnid in his studiis profecerint. Brody. 8. p. 29-41. 

245. Seidner, K. , das Schlachtfeld von Pharsalus. Mannheim. 
4. 10 p. u. karte. (Teubner no. 559). 

246. Sbffel, Ludw. , das 2. buch der kommentare Caesars über 
den gallischen krieg ins deutsche übersetzt. Landau. 8. 21 p. 

247. Steinhausen, Fritz, zehn öden des Horaz in metrischer Über- 
setzung. Greifswald. 4. 15 p. (Teubner no. 119). 

248. Stitz, A., die Metapher bei Tacitus. Krems. 8. 32 p. 

249. Straub , Ioannos , de tropis et figuris quae inveniuntur in 
orationibus Demosthenis et Ciceronis. Würzburg. 8. (Programm v. 
Aschaffenburg.) 147 p. 

250. Strimmer, Herrn., der römische sklavenstand. Meran. 8. 36 p. 

251. Strobl , Martin, die bedeutung Homers für die griechische 
kunst. Mies. 8. 23 p. 

252. Tegge, zur latein. Synonymik auf gymnasien. Bunzlau. 4. 
16 p. (Teubner no. 162). 

253. Thielmann Phil., beitrage zur textkritik der vulgata insbes. 
des buches Judith. Speier. 8. 64 p. 

254. Vogrinz, Gr., nachtrage und berichtigungen zu dem vorjäh- 
rigen programmaufsatze „zur casustheorie". Leitmeritz. 8. p. 28—34. 

255. Wagner, Josef, zur athetese des dialogs Eutyphron. Brunn. 
8. 46 p. 

256. Walter, Jos. , M. Tullii Ciceronis philosophia moralis pars 
altera sectio V. Tullii ipsius quam maxime poterat verbis ad viam 
quandam et rationem revocabat. Böhm.-Leipa. 8. 46 p. 

257. Wang, Jacob, de Servii ad Verg. Ecl. XI et Georg. Hb. IV, T 
annotatis disputavit. Klagenfurt. 8. 14 p. 

258. Weck, Ferd., beitrage zur erklärung homerischer personen- 
namen. Metz. 4. 34 p. 

259. Weiß, Adolf, die römischen kaiser in ihrem Verhältnisse zu 
Juden und Christen. Schluß. — Wien, (k. k. akad. gymn.). 8. 24 p. 

260. Zettel, Karl, Theokrits humor. Dargelegt an charakteristi- 
schen stellen seiner mimischen und bukolischen dichtungen. Regens- 
burg. 8. 67 p. 

261. Zink, M., bischof Viktors von Vita geschichte der glaubens- 
verfolgung im lande Afrika übersetzt. Bamberg. 8. 90 p. 

B. Academica und dissertationen. 
Goettiugen. 262. Dierks , Herrn., de tragicorum histrionum 
habitu scaenico apud Graecos. Goett. 1883. 8. 51 p. 

263. Hallet, Frid., Quaestiones Propertianae. Goett. 1882. 8. 68 p. 

264. Seume, Herrn., de sententiis consecutivis Graecis. Gottingae 
1883. 8. 66 p. 

Marburg. 265. Birt, Theod. , de participiis latinis quae di- 
cuntnr perfecti passivi disputatio. Marburg 1883. 4. 24 p. 

266. Bormann , Eugen , Variae observationes de antiquitate Ro- 
mana, ib. 1883. 4. XIV p. 



Nr. 4. Bibliographie. 243 

267. Caesar, C. J. , Catalogi Studiosorum scholae Marpurgensis 
cum Annalibus brevibus coniuncti. Marburg 1883. 4. 52 p. 

268. Auffahrt, Aug. , die platonische ideenlehre. Marburg 1883. 
8. 58 p. 

269. Kleinschnitt, Maxim., de Lncili Saturarum scriptoris genere 
dicendi. Marburg 1882. 8. 73 p. 

270. Wendelmuth, Richard, T. Labienus. Marburg 1883. 8. 

271. Wortmann, Ern. Franc, de comparationibus Plautinis et 
Terentianis ad animalia spectantibus. Marburg 1883. 8. 61 p. 

Frankreich. 
Bordeaux. Faculte des lettres. 272. Baret, Adrian, Quid 
Anglica linguae Latinae debeat. Paris 1883. 8. 68 p. 

— Faculte de droit. 273. Campana, Henri, Etüde histori- 
que et juridique sur le colonat et le servage. Bordeaux 1883. 8. 352 p. 

Caen. 274. Denis, Jacques, Comedie nouvelle. Caen 1882. 8. 
Paris. Faculte des lettres. 275. Albert, Maurice, de villis 
Tiburtmis principe Augusto. Paris 1883. 8. 93 p. 

276. — — , le culte de Castor et Pollux en Italie. Paris 1883. 
8. 172 p. 

277. Antoine, Ferd., de casuum syntaxi Vergiliana. Paris 1882. 
8. 258 p. 

278. Bourgoin, Aug., de Claudio Mario Victore rhetore Christiano 
quinti saeculi. Paris 1883. 8. 116 p. 

270. Breton, Guill. , Metamorphoseon libros Ovidius quo consilio 
susceperit, qua arte perfecerit. Paris 1882. 8. 71 p. 

280. — — , essai sur la poesie pbilosophique en Grece. Xenophane. 
Parmenide, Empedocle. Paris 1882. 8. 270 p. 

281. Dumeril , H., de constitutionibus Marci Aurelii Antonini. 
Toulouse 1882. 8. 108 p. 

282. Etienne, E., de deminutivis intensivis collectivis et in malam 
partem abeuntibus in Francogallico sermone nominibus. Nancy 1883. 
8. 152 p. 

283. Henry, Victor, de sermonis humani origine et natura M. 
Terentius Varro quid senserit. Insulis (Lille) 1883. 8. 94 p. 

284. — — , Etüde sur l'analogie en ge'neral et sur les formations 
analogiques de la langue grecque. Lille 1883. 8. VI, 441 p. 

285. Larroumet, G., de quarto Tibulli libro. Paris 1882. 8. 78p. 

286. Lemaitre, Jules, Quomodo Cornelius noster Aristotelis poe- 
ticam sit interpretatus. Paris 1882. 8. 76 p. 

Paris. Faculte de theologie. 287. Lecoultre, Henri, Essai 
sur la psychologie des actions humaines d'apres les systemes d'Ari- 
stote et de Saint Thomas d'Aquin. Lausanne 1883. 8. 300 p. 

— Faculte de droit. 288. Bois, Gaston, du colonat en droit 
romain. Paris 1883. 8. 90 p. 

289. Bujon. Rene, les censeurs a Rome. Versailles 1883. 8. 127 p. 

290. Danjon , Maxim. , Compositions et revenus du domaine de 
l'etat. Paris 1883. 75 p. 

291. Deshayes de Merville , Louis, des effets de l'adoption et de 
l'adrogation en droit romain. Paris 1883. 8. 87 p. 

292. Guerin, Francois Robert Alexis, de la responsabilite des Ma- 
gistrats publics. Paris 1883. 8. 131 p. 

293. Morise , Raoul , de la procedure criminelle a Rome depuis 
l'etablissement de l'empire jusqu'ä la mort d'Alexandre Severe. Paris 
1883. 8. 116 p. 

294. Petit, Rene, les assemblees legislatives a Rome. Paris 1883. 
8. 92 p. 



244 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

Rennes. Faculte de droit. 295. Le JSourdelles, Rene-Au- 
gustin, du colonat. Rennes 1883. 8. 65 p. 

Toulouse. Faculte de droit. 296. Cammas, Paul, da co- 
lonage partiaire. Toulouse 1883. 130 p. 



Kleine philologische zeitung. 

Gedanken üher den sinn der Prometheus-sage , welche mit 
der des Hiob und Faust verglichen werden, veröffentlicht A. Biese 
in der Allg. ztg. 1883, beil. zu nr. 311. 

In dem „Neuen Lausitzischen magazin" band 59 , heft 2, 
ist ein aufsatz von dr. Theodor Pauer in Görlitz enthalten, be- 
titelt : „Dionysius unter den seeräubern in wort und bild". Der- 
selbe bespricht, ausgehend von dem homerischen hymnus , in 
welchem dieser mythus zuerst poetisch verwerthet ist, alle bis 
in das fünfte Jahrhundert n. Chr. von griechischen dichtem und 
plastischen darstellungen damit vorgenommenen Wandlungen. 

In Italien ist mit beifall aufgenommen die Storia delle let- 
teratura latina von Occioni, welche, wenn gleich vorzugsweise 
für schulen bestimmt, gelungene Charakteristiken der Schriftstel- 
ler und anderes beachtenswerthe enthalten soll: eine zweite auf- 
läge wird jetzt vorbereitet. 

Betrachtungen über die Lutherfeier, von der in der Allg. 
zeitung seit nr. 290 fast in jeder nummer berichtet und gehan- 
delt ist, giebt dieses blatt in beil. zu nr. 318 im anschluß an 
die rede des professor Bender in Bonn. 

Ueber die adresse, welche auf anlaß der Lutherfeier die 
Universität Oxford dem deutschen kaiser übersendet hat, berichtet 
Allg. ztg. beil. zu nr. 327 : es ist ein beachtenswertes aktenstück. 

„Das römische Pantheon" ist ein aufsatz von R. Schöner 
überschrieben, der in Allg. ztg. beil. zu nr. 320. 329. 336. 337 steht, 
der die ursprüngliche form des baues und die im laufe der zeit 
mit ihm vorgenommenen Veränderungen , meist mißhandlungen, 
nachzuweisen sucht, dabei aber auch den in neuerer zeit auf- 
getauchten plan bespricht, das gebäude zur begräbnißstelle der 
könige Italiens herzurichten. 

Ueber die zweite aufläge von Reumonts Lorenzo di Medici 
handelt Hüffer in Allg. ztg beil. zu nr. 328. 

Eine Schilderung des in gegenwart des deutschen kronprin- 
zen zu Madrid abgehaltenen stiergefechts giebt die Allg. ztg. 
nr. 333 : wir erwähnen dies, weil daselbst hübsch das benehmen 
des volkes bei diesem Schauspiel geschildert ist und man dies 
als parallele zu Schilderungen des benehmens des altgriechischen 
publicums bei ähnlichen gelegenheiten benutzen kann. 

In England bringt Schliemanns neuestes werk über Troja 
— s. PhAnzeig. XIII, 9, p. 504 — eine eigne bewegung her- 
vor, veranlaßt, wie es scheint, besonders durch die beigaben eng- 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 245 

lischer gelehrten. So brachte die Times noch ehe das buch 
ausgegeben war einen artikel über dasselbe , welcher die dem- 
selben vorangestellte vorrede von Sayce, professor in Oxford, ins 
äuge faßte : über ihn und die in ihm ausgesprochenen ansichten 
berichtet Allg. ztg. beil. zu nr. 333 — 346: in hinsieht auf His- 
sarlik als die stelle, wo Troja lag, stimmt Sayce Schliemann's 
ansichten bei , in anderen , die freilich sehr viel gewagtes ent- 
halten, weicht er von ihm ab Vgl. unt. p. 448. 

Ein aufsatz in der beil. z. Allg. ztg. nr. 345. 346 „Ur- 
sprung und einheit des menschengeschlechts" überschrieben, be- 
spricht die Origines arianae von K. Penka : diese art Untersu- 
chungen pflegen ihrer natur nach viel unsicheres und gewagtes 
zu enthalten, entstehen aber ich möchte sagen naturgemäß, wenn 
grade für die erforschung der ältesten zeiten neues und bedeu- 
tendes material an das tageslicht gezogen ist. So erscheinen 
z. b. die jüdischen quellen , seitdem eine gleich alte geschicht- 
schreibung bei benachbarten Völkern bekannt geworden, in einem 
ganz andern lichte und zwingen zum aufgeben oder doch zum 
ändern lang festgehaltener sätze. 

Fragment einer Ciceroliandschriß. In den blättern f. d. bayer. 
gymnasialschulwesen bd. XX , hft. 1 macht Georg Schepß ein 
blatt einer Cicerohandschrift bekannt, die zu dem ältesten gehört, 
was wir handschriftlich zu den Briefen ad Atticum besitzen. Es 
ist ein blatt , das ehedem von einer Jahresrechnung des Würz- 
burger bürgerspitals zum heiligen geiste für 1582/83 abgelöst 
ward ; es kam mit andern alterthümern bei einer Versteigerung 
in besitz des gutsbesitzers Broili zu Mühlbach bei Karlstadt un- 
weit Würzburg ; durch dessen söhn , einen schüler von Schepß, 
ward es diesem bekannt und ist durch seine Vermittlung jetzt der 
Würzburger Universitätsbibliothek überwiesen worden. Das blatt 
gehört zu einem pergamentcodex des XI. Jahrhunderts, von dem 
schon früher einzelne blätter gefunden waren, die L. v. Spengel 
und K. Halm bekannt machten. Im ganzen sind jetzt folgende 
stücke bekannt : I. doppelblatt, von Reuß gefunden, von Spengel 
behandelt, jetzt in Würzburg = Cic. ed. Orelli 2 1 845, T. III, p. 494, 
5_496, 15 (VI, 1. 2) und 500, 26 — 502, 19 (VI, 3. 4); — 
II. doppelblatt, das in rede stehende, Orelli 602, 11—607, 22 
(X, 11 — 15); — III. doppelblatt von Sand-Euland gefunden, 
von Halm behandelt, jetzt in der Vaticana? = Orelli 612, 25 
—614, 10 (XI, 4. 5. 6) und 626, 18—628, 22 (XI, 20—23); 
— IV. doppelblatt von Reuß gefunden, von Spengel behandelt, 
jetzt in München = Orelli 616, 4—619, 37 (XI, 7 — 12); — 
V. Ein fünfzeiliger streifen eines doppelblatts von Reuß ge- 
funden , von Schepß zu behandeln , jetzt in München = Orelli 
712, 26—30 (XV, 2), 714, 2—7 (XV, 4), 724, 3—10 (XV, 
15. 16), 725, 10—16 (XV, 18). Schepß giebt nun eine colla- 
tion des Mühlbacher doppelblatts und des Münchener Streifens, die 



246 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

vollauf bestätigt, was schon Spengel und Halm gesehen hatten, 
daß die auf den rändern der Basler ausgäbe 1528 (Cratander) 
mitgetheilten lesarten (im ganzen 660, davon 35 auf obige frag- 
mente entfallend) im engsten Zusammenhang mit der Würzburger 
handschrift stehen. Die hier vertretene recension ist aber älter 
als die des Mediceus und überhaupt das älteste was für Cicero 
ad Atticum vorhanden ist. 

Einen nachruf an Bursian aus Athen verzeichnet die Allg. 
ztg. nr. 346. 

Zur geschichte und zu der art der benutzung der päbstlichen 
archive bringt interessantes ein aufsatz in Allg. ztg. beil. zu nr. 
347. Vrgl. PhAnzeig. XIII, 10, p. 527. 

Daß für das kaiserliche museum in Wien ein sehr großer 
theil des papyrusfundes in El-Fayum erworben sei, berichtet die 
Allg. ztg. nr. 350. Vrgl. Philol. XLIII, 1, p. 106. PhAnzeig. 
XIII, 12, p. 577. 

Ueber neuendeckte r ö m i s c he gräber in Mainz berichtet 
Allg. ztg. beil. zu nr. 351. Vrgl. PhAnz. XIII, 12, p. 615. 

Ueber die geschichte von Ravenna und über die dortigen 
bauten , besonders zur zeit der Ostgothen handelt eine abhand- 
lung in Allg. ztg. beil. zu nr. 352. 355. 359. 361: auf die an- 
fange des christenthums daselbst wird rücksicht genommen. 

Sitzung des kaiserlich deutschen archäologischen instituts 
in Rom am 15. december 1883. De Rossi besprach zuerst 
die alte stadt Capena mit dem in ihrem gebiete belegenen haine 
und tempel der göttin Feronia. Die stadt Capena wurde bisher 
nach Civitucola , etwa drei miglien von Caprignano , der tempel 
meistens nach Rignano oder Nazzano gesetzt. Dagegen bewies 
de Rossi aus fragmenten von marmortafeln, die offenbar zur be- 
kleidung eines alten tempels oder ähnlichen gebäudes gehörten 
und reste der fasten heiliger spiele enthalten, daß vielmehr Ci- 
vitucola der ort des tempels sei. Die datirten stücke sind aus 
den Jahren 110,112, 130, 133, 135, 136, 146, 152, 158. Die 
spiele aber wurden gegeben von priestern oder magistern eines 
collegiums und waren, wie es scheint, verbunden mit dem feste 
der Iuvenalia. Daß aber diese wiederum mit dem berühmten 
feste der Feronia zusammenhingen, schloß der vortragende aus 
der erwähnung der iuvenes Lucoferonenses in einer antiken in- 
schrift und eines von einem magister und iuvenes in der colonia 
Iulia Felix Lucoferonensium erbauten amphitheaters. de Rossi 
hatte alle vorhandenen nachrichten über diesen ort zusammen- 
gestellt und zeigte, wie dieselben bis ins späte mittelalter hin- 
ein auf Civitucola führen. Dort also müsse der berühmte tem- 
pel der Feronia gewesen sein, an dessen wänden die fasten der 
capenatischen spiele eingehauen waren. In Civitucola sind au- 
ßerdem mehrere basen von statuen gefunden , deren inschriften 
die Capenates foederati erwähnen, de Rossi erklärte dieselben 



Nr. 4. Kleine philologische zeitung. 247 

durch eine andere inschrift , in welcher die magistrate der res- 
publica Capenatum bezeichnet sind als honoribus functi in tribus 
civitatibus, und verglich die Verfassung der Capenates foederati 
trium civitatium mit denjenigen der quattuor coloniae von Cirta 
in Numidien und der Vocontii foederati in Gallien , welche letz- 
teren gleichfalls drei städte umfaßten. — Der zweite secretair 
des instituts, prof. Heibig, behandelte hierauf die frage, ob die 
beginnende griechische kunst in der darstellung der menschlichen 
gestalt unabhängig gewesen sei oder nicht. Er legte seiner Un- 
tersuchung die in Athen beim dipylon gefundenen vasen zu 
gründe, welche jünger sind als die zeit, in der die homerischen 
Schilde entstanden, was, abgesehen von anderen thatsachen, sich 
daraus ergiebt , daß die auf ihnen abgebildeten schiffe bereits 
mit schnäbeln versehen sind , die dem homerischen Zeitalter un- 
bekannt waren , in welchem die schiffe nur als transportmittel 
dienten. Damit stimmt das homerische epitheton derselben, tlfi- 
q>i&ioaai, d. h. „auf beiden Seiten ausgeschweift", ähnlich den 
stachellosen phönikischen schiffen auf einem relief im palaste des 
Sanherib. Andrerseits können die dipylon - vasen von dem ho- 
merischen Zeitalter nicht weit abliegen, da sie viele berührungs- 
puncte mit der im epos geschilderten cultur erkennen lassen, 
namentlich aber in offenbarer beziehung zu der textilen kunst 
stehen , welche bereits im homerischen Zeitalter scenen der um- 
gebenden Wirklichkeit zur darstellung brachte. Für die frage, 
inwieweit die Vasenmalerei in der darstellung des menschlichen 
körpers unabhängig verfahren sei, ist besonders ein großes, sehr 
alterthümliches gefäß wichtig, auf dem eine todtenklage abge- 
bildet ist, bei welcher die klagenden frauen vollständig nackt 
erscheinen — eine darstellungsweise, die entschieden auf ein- 
flüsse einer fremden kunst hinweist, welche die frauen unter um- 
ständen nackt bildete. Unzweifelhaft aber ist dabei den anga- 
ben des epos zufolge zunächst an phönikische kunst zu denken. 
Producte derselben , welche sich in den mykenäischen gräbern 
gefunden haben, wie ein silberner kuhkopf und goldene astarte- 
figuren, außerdem uralte kriegerfiguren aus bronze, die aus phö- 
nikischem boden zu tage gekommen sind , endlich mancherlei 
kyprische denkmäler beweisen , daß die phönikische kunst in 
ihrem ältesten Stadium eine naturalistische richtung verfolgte, 
und in diesem Stadium bestimmte sie die ältesten bildnerischen 
versuche der Griechen. Die auf den dipylon-vasen dargestellten 
figuren zeigen dieselbe anordnung des körpers, wie die auf den 
ältesten phönikischen denkmälern dargestellten : gesicht und beine 
im profil, die brüst in der Vorderansicht, die beine parallel mit 
beiden fußen gleichmäßig auf den boden auftretend. Angesichts 
der nackten frauen , welche auf einer dipylon - vase den todten 
umgeben , denkt man unwillkürlich an die nackten in Mykenä 
gefundenen astartefiguren. — Nach allg. ztg. nr. 355. — Darnach 



248 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

tritt der Zusammenhang zwischen Phönikiern und Hellenen mehr 
und mehr hervor: besonders beachtenswerth erscheint auch das 
über Homer bemerkte. 

Professor Sayce und die „trojanischen inschriften" ist ein 
artikel A. Milchhöfers in beil. z. Allg. ztg. nr. 355 überschrie- 
ben, der darauf ausgeht das was Sayce als buchstaben auf von 
Schliemann gefundenen geräthen u. s. w. angesehen als rohe 
Ornamente nachzuweisen ; dabei vertheidigt er einzelne seiner 
behauptungen gegen Sayce's angriffe. Es handelt sich dabei um 
wenigstens jetzt schwer sicher zu entscheidende fragen : vorläufig 
wird geräthen sein die von beiden seiten auf etwas bedenklicher 
grundlage beruhenden behauptungen vorsichtig aufzunehmen 
und nicht sofort als historische resultate zu betrachten. Vrgl. 
ob. hft. 1, p. 54 flg. und die bemerkung Gardthausens ebendas. 
P- 3 flg. 

In anschluß an Zittel Beiträge zur geologie und paläonto- 
logie der libyschen wüste" schildert M. Neumayr in Allg. ztg. 
1884, beil. nr. 8 diesen landstrich , seinen wasserreichthum in 
der tiefe, seine culturfähigkeit u. s. w. und berücksichtigt dabei 
auch den zustand der gegend in der zeit der Griechen und 
Eömer. 

In Athen ist zwischen der akropolis und dem Dionysos- 
theater ein Venusköpfchen von unvergleichlicher Schönheit und 
ganz unversehrt gefunden: von dem österreichischen consul frei- 
herrn von Warsberg erworben ist es nach mancherlei Schwierig- 
keiten nach Berlin gelangt, daselbst ergänzt und in der gießerei 
der gebrüder Schulz zu abguß in gips reproduzirt. Näheres s. 
Allg. ztg. beil. zu nr. 19. Köln. ztg. 1884, nr. 28, 2: am aus- 
führlichsten berichtet aber Reich sanz. 1884, nr. 44. 

Zu der ob. hft. 3, p. 164 gemachten mittheilung über die 
auffindung der diatn^sig rönv anoarölmv, welche auch Allg. ztg. 
beil. zu nr. 25 bringt, veröffentlicht dieselbe zeitung in ihrer 
beil. zu nr. 29 folgendes: „die entdeckung, von welcher beil. 
.... mittheilung gemacht ist, ist allerdings für die geschichte 
des ältesten christenthums so bedeutend , daß sich ihre 
tragweite noch nicht übersehen läßt. Aber zur ehre des ent- 
decken , des metropoliten Bryennios von Nikomedien muß ge- 
sagt werden, daß er sich mit der sorgfältigen publication der 
neuen Urkunde nicht begnügt, sondern in umfangreichen prole- 
gomenen und gelehrten anmerkungen bereits den grund zu einer 
wissenschaftlichen bearbeitung derselben selbst gelegt hat". — 
Adolph Uarnach. 

In der Allg. ztg. nr. 28 giebt G. Bichell eine probe seiner 
bearbeitung des „prediger Salomo", in der diesem buche, jetzt 
einer ungeordneten masse, seine ursprüngliche schöne form wie- 
dergegeben werden soll. Es kann dies eine parallele für manche 
Untersuchung in der classischen litteratur abgeben. 



Nr. 4v Kleine philologische zeitung. 249 

In Hanau hat sich am 20. Januar ein comitö gebildet zur 
errichtung eines denkmals für die dort geborenen gebrüder Jacob 
und Wilhelm Grimm : s. Allg. ztg. nr. 29 : an der spitze desselben 
stehen der landgerichtspräsident Lang, stellvertretender landrath, 
regierungsassessor Bake und Oberbürgermeister Rauch : vorerst 
liegt diesem ob, die nöthigen geldmittel herbeizuschaffen und zur 
empfangnahme solcher sind ermächtigt die Schatzmeister Ludwig 
Limbert (vor dem Canalthor 2 h) und P. H. Zeuner (Sterngasse 1), 
briefliche anfragen und mittheilungen sollen an dr. Georg Wolf, 
(Grimmstr. 12) gerichtet und von diesem beantwortet werden. 
Dies und anderes führen zwei erlasse des comite's aus dem fe- 
bruar d. j. des weitern aus, deren einer zugleich das unterneh- 
men in passender weise begründet und zu beitragen und deren 
Sammlung anleitet und auffordert. Gewiß wird man überall gern 
folge leisten, schon um der Stadt willen, welche aus eignem an- 
triebe ihren berühmten söhnen ein würdiges denkmal zu errichten 
bemüht ist, dann selbstverständlich wegen der bahnbrechenden 
forschungen der brüder auf dem gebiete deutschen lebens und 
deutscher spräche, welche die bildung des volks gefördert und die 
Wissenschaft nach den verschiedensten richtungen hin tief erregt und 
vorwärts gebracht haben, endlich nicht weniger wegen der echt 
deutschen gesinnung, welche die brüder in allen zeiten ihres le- 
bens unter vielfachen entbehrungen und hemmnissen unwandelbar 
bewahrten. Es sei hier gestattet, an die 1881 erschienenen 
briefe der brüder aus der Jugendzeit zu erinnern, in welchen 
die keime klar vorliegen, aus welchen das leben dieser edelsten 
söhne unseres Vaterlandes emporwächst-, dieses würde sich in 
Göttingen zur schönsten blüthe entwickelt haben, hätte nicht eine 
rohe hand störend in dasselbe eingegriffen. — E. v. L. 

Der artikel in beil. z. Allg. ztg. nr. 34 „die lykischen 
relieffunde" giebt einen überblick des buches : „Homerische land- 
schaften von Alexander frhrn. von Warsberg. Erster band. I. 
Reich des Sarpedon. II. Rhodos. III. Im Aegäermeer". Wich- 
tige entdeckungen aus der blüthezeit griechischer kunst seien 
in dem werke nicht verzeichnet , wohl aber wichtige gräberfor- 
men und vieles für die handwerksarbeit interessante aus der zeit 
bis 200 v. Chr. : jedenfalls biete das werk neben manchem über- 
schwenglichen viel beachtenswerthes. 

Salamis. Die 'Ermnuia txoyatoloyixi) in Athen beabsichtigt 
den meeresboden der bucht von Salamis nach resten der in der 
Seeschlacht 480 v. Chr. untergegangenen griechischen und per- 
sischen schiffe untersuchen zu lassen. (Köln, zeitung 1884, 
no. 33, (2. blatt.) 

Bedburg, 13. febr. Auf dem grundstücke der dortigen Zu- 
ckerfabrik fand man in etwa 2 m. tiefe einen gut erhaltenen 
Sarkophag ungefähr 2 m. langl'/sm. hoch, der aus einem einzigen 
Sandstein gearbeitet ist. Nach hebung des deckeis fand man 



250 Kleine philologische zeitung. Nr. 4. 

das Untergestell halb mit angeschwemmtem boden angefüllt, bei 
dessen wegräumung ein schöner schädel, am köpfende ein aschen- 
krug zum Vorschein kamen. Vermuthlich ist der fund aus rö- 
mischer zeit. 

Sammlung Castellani. Die Sammlung des vor einigen monaten 
in Portici gestorbenen kunsthändlers Alessandro Castellani wird 
am 1 7. märz in Rom zur Versteigerung kommen. Pariser sach- 
verständige sind mit der auction beauftragt, und das verzeich- 
niß der antiken soll Fröhner geschrieben haben. Obgleich das 
britische museum zweimal bei Castellani bedeutende einkaufe 
machte, so ist die hinterlassene Sammlung noch ungemein reich, 
und fast alle gebiete der antiken kunst sind durch hervorragende 
stücke vertreten. Unter den gemalten vasen nimmt eine poly- 
chrome hydria, capuanischen fundorts, die erste stelle ein, ebenso 
sehr wegen feinheit der Zeichnung , farbenschmuck und Vergol- 
dung , als wegen des bildes , das die eleusinischen göttinnen, 
Apollo, zwei musen und eine auf dem omphalos sitzende Mänade 
darstellt. Eine attische lekythos schönsten stils zeigt den kran- 
ken Philoktetes (von L. A. Milani veröffentlicht) ; eine roth- 
figurige oinochoe den Apollon, der die Daphne verfolgt; ein 
krater die Verwandlung des Aktaion im beisein von Zeus, Ar- 
temis und Lyssa; eine capuanische hydria den kleinen schlan- 
genwürgenden Herakles, der neben seinem bruder Iphikles auf 
einer kline kniet. Hinter der kline erscheint Athene, auf den 
speer gestützt , rechts und links Alkmene und Amphitryon , der 
sein schwert aus der scheide zieht. Unter den mit reliefs ge- 
schmückten vasen zeichnet sich die herrliche, von Heibig be- 
schriebene, lekythos aus, mit scenen aus dem trojanischen kriege: 
Aias die Kassandra vom altare reißend, und ein junger Grieche 
der mit dem bogen auf einen bärtigen Trojaner schießt; von 
schalen calenischer fabrik sind drei da: eine mit dem abenteuer 
des Odysseus, die andere mit den namen der töpfer, Atisius und 
Canoleius. Unter den bronzen bemerkten wir eine schöne reihe 
etruskischer Spiegel, die Klügmann in den Sitzungen des archäo- 
logischen instituts besprochen hat, z b. Artemis auf dem hirsch 
reitend; Odysseus und Diomedes, welche dem thronenden Aga- 
memnon das geraubte Pallasbild übergeben. Der henkel einer 
pränestinischen eiste stellt die geharnischten dämonen Hypnos 
und Thanatos dar, den leichnam des Sarpedon vom schlachtfelde 
tragend. Die antiken gläser sind alle bedeutend, besonders die 
vielfarbigen schalen aus Toscanella und die goldene figur eines 
gladiators auf blauem gründe mit der (von de Rossi erklärten) 
inschrift: Stratonicae (sie) bene vicisti, vade in Aurelia(m). Die 
terracotten beginnen mit einer großen reihe etruskischer Antefixa 
und zahlreichen köpfchen aus Tarent. Von Tanagräerinnen sind 
etwa zwanzig da, nebst einer gruppe von acht eroten; sie ge- 
hören zu den zierlichsten und am besten erhaltenen dieser 



Nr. 4. Auszüge aus Zeitschriften. 251 

klasse. Aber den glanzpunkt dieser serie bilden die terracot- 
ten von Myrina , darunter das todtenmahl, das mädchen am 
Wasserbecken und die blumentragende Nike, die Fröhner in sei- 
nen Terres cuites (VAsie (tafel 2, 10, 19) publicirt bat. Eine 
große büchse, mit etruskiscben reliefs geschmückt und die von 
Robert herausgegebene figur eines declamierenden tragischen 
Schauspielers stehen unter den elfenbein-arbeiten. An sie reiht 
sich die berühmte silberschale von Salerno (kriegsthaten des Se- 
sostris); der goldschatz von Praeneste; der von Mariette gefun- 
dene dolch eines Pharaonen , wahrscheinlich des Amosis ; eine 
herrliche Sammlung etruskischer ohrringe , dann ein medaillon 
des kaisers Maximianus Herculius aus getriebenem goldblech. 
Unter den antiken ringen (etwa hundert) findet sich der oskische, 
von Bücheier erklärte, der Anactia. Den Schluß bilden münzen, 
geschnittene steine und einige marmor-sculpturen, z. b. ein herr- 
licher kolossaler frauenkopf aus der schule des Polyklet, der 
dem vernehmen nach für das kapitolinische museum gekauft 
werden soll. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Litterarisches centralblatt für Deutschland. Hrsg. u. verantworte 
redact. prof. dr. F. Zarncke, 1883, no. 50. Zeller, grundriß der ge- 
schiente der griechischen philosophic. Leipzig 1883, Fues. X, 317 p. 
4 mk. 10 pf. — Rosenthal, Ludw., A. Lazarus Geiger, seine lehre vom 
ursprange der spräche und Vernunft und sein leben. Stuttgart 1883, 
Scheibe. 8. XII, 156 p. 3 mk. C. C. Hense, lateinische Stilistik 
für obere gymnasialklassen Parchim 1882, Wehdemann. VIII, 214 p. 
2 mk. — C. T. Newton, the collection of ancient greek inscriptions 
in the british Museum. Part II. Oxford 1883, Clarendon Preß. 
157 p. 3 tables. fol. U. K{öhler). — Krumbacher, C, de codieibus 
quibus interpretamenta Pseudodositheana nobis tradita sunt. München 
Straub 1883. 8. 68 p. A. E{ußner). — O. Keller, der saturnische 
vers als rythmisch erwiesen. Leipzig, Freytag 1883. 8. III, 83 p. lmk.50pf. 
A. R{iese). — IJgaxTixü itjt; aoxctiokoyiztjs twioictg 1881. , Ev 'AS-qvccig 
1882. Anhang: Avaexatpai §p zw flfär^w tij? 'EmdavQov vnu U. Kaß- 
ßadia. 12, 40 p. 4 taff. Dasselbe 1882. ib. 1883. 103 p. u. 3 taff. 
U. K(öhler). 

No. 51. Ewald. Paul, de vocis Gvvei&tjosuyg apud scriptores novi 
testamenti vi ac potestate corarnentatio et biblico-philologica et bib- 
lico-theologica. Leipzig 1883, Hinrichs. 91p. 8. 3 mk. Schtn. — 
T. Livi ab urbe condita libri. Scholarum in usum ed. Ant. Zingerle. 
Pars IV, lib. XXVI -XXX. Prag, Tempsky 1883. 8. XIV, 233 p. 
1 mk. 20 pf. A. E{ußner). — Ciceronis, M. Tullii Tusculanarum dis- 
putationum libri quinque. Für den schulgebrauch von L. W. Hasper. 
I. bdehn. Buch I. II. Gotha 1883, Perthes. IV, 114 p. 8. 1 mk. 30 pf. 
A. E{ußner). 

No. 52. Rud. Hirzel, Untersuchungen zu Ciceros' philosophischen 
Schriften. 2. th.: de finibus. De offieiis. 3. th.: Academica priora. 
Tusculanae disputationes. Leipzig 1882/83, Hirzel. III, 913 p. 30 mk. — 
Fokke , A., rettungen des Alkibiades. I. theil: die sicilische expedi- 
tion. Emden 1883, Haynel. IV, 87 p. 1 mk. 75 pf. — Saalfeld, 
Günther Alex. E. A., der hellenismus in latium. Culturgeschichtl. 



252 Literatur. Nr. 4. 

Beiträge zur beurtheiliing des class. altertbumsän der hand der Sprach- 
wissenschaft gewonnen. Wolfenbüttel 1883, Zwißler. VEI, 281 p. 8. 

6 mk. — e— . — M. Porci Catonis de agricultura liber M. Terenti 
Varronis rerum rusticarum libri tres ex rec. Henr. Keilii. Vol. I, 
iasc. I. Lpz., Teubner 1882. 8. 109 p. 2 mk. 40 pf. A. E{ußner.) 

1884. No. 1. Weygoldt, G. P., die philosophie der stoa nach ih- 
rem wesen und ihren Schicksalen für weitere kreise dargestellt. Leip- 
zig, 0. Schulze 1883. 8. V, 218 p. 4 mk. — Flavius Insephus, jü- 
dische alterthümer übers, von Fr. Kaulen. 2. auü. Cöln, Bachern 
(1883.) 8. X, 696 p. 9 mk. xyz. — Probst, Arth., beitrage zur la- 
teinischen grammatik. II. zur lehre von den partikeln und conjunc- 
tionen. Leipzig 1883, Zangenberg u. Himly. V, 102—172 p. 2 mk. 
v. S. — C. Paucker, Supplementum lexicorum Latinorum. Fase. I — 
III. Berlin, Calvary 1883. 8. I. 288 p. 3 mk. K. S{ittl). — Coen, 
Achille , di una leggenda relativa alla nascita e alla gioventü di Co- 
stantino Magno. Born 1882, Forzani. IV, 191 p. 8. Rh Köhler. 

No. 2. Poetae Latini minores. Rec. et em. Aemil. Buehrens. Vol. 
V. Leipzig, Teubner 1883. 416 p. 16 mk. 4mk. 20 pf. A. Bliese). 

— Engelbrecht, Aug. Gottfr., Studia Terentiana. Wien, Gerolds söhn 
1883. 8. 90 p. 3 mk. .ig. 

No. 3. Kiepert, Heinr. , Wandkarte von alt -Italien. Maaßstab 
1:800000. 3. vollst, umgearb. aufl. Berlin, Reimer 1883. fol. 6 bl. 
9 mk. — Derselbe, Wandkarte von Altgriechenland. Maßstab 1 : 500000. 
4. vollst, umgearb. aufl. Berlin 1883, D. Reimer. 9 bl fol. 12 mk. 
d. — Flach, Hans, geschichte der griechischen lyrik nach den quellen 
dargestellt I. TübiDgen 1883, Fues. XVI, 818 p. 6 mk. 40 pf. C{ru- 
sius). — Cauer, Paul, delectus inscriptionum Graecarum propter dia- 
lectum metnorabilium. 2. ed. Leipzig, Hirzel 1883. 8. XVI, 365 p. 

7 mk. — Adamy, R., architektonik auf historischer u. aestbet grund- 
lage. 1. bd. 3. abth.: architektonik der Hellenen. Hannover, Hel- 
wing 1882. 8. XVI, 320 p. 13 mk. ß. 

No. 4. Benicken, Hans Karl, studien u. forschungen auf dem ge- 
biete der homerischen gedichte und ihrer litteratur. Das XII. und 
XIII. lied vom zorne des Achilleus in NSO der Homerischen Ilias. 
Innsbruck, Wagner 1883. 8. CCXLVII, 1312 p. 44 mk. Ed. Kammer. 

— Bücheier, Franz, Umbrica. Bonn 1883. 8. Cohen u. söhn. IV, 
223 p. 7 mk. B(ru)gm(an). — D. Magni Ausonii opuscula. Rec. 
Carolus Schenkl. Adiecta col. tabula. Berlin, Weidmann 1883. 4. 
LXIV, 302 p. (Monumenta Germ, histor. Auctt. antt. V, 2). A. R(iese). 

— Lepsius, R., die längenmaaße der alten. Aus sitzgsber. der preuß. 
akad. d. wiss. 1883, no. XL VI. 15 p. 8. F. H{ultsch.) 



Literatur 188», 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Studien, Berliner, für classische philologie und archäologie , hrsg. 
von Ferd. Ascherson. Erster halbband. Berlin, Calvary 1883. 8. 

Hörn, Eug. , de Aristarchi studiis Homericis. Gryphiswaldiae 
1883. 8. 90 p. 

TriantaßUis, Costantino, Marco Caleuo e l'iscrizione Greca che si 
trova in Rovigno d'Istria. Venezia 1883. 8. 23 p. 

Egger, Josef, Katharsisstudien. Wien 1883. 8. 40 p. 

Kirchner, loh. Ern., de litis instrumentis quae extant in Demo- 
sthenis quae fertur in Lacritum et priore adversus Stephanum ora- 
tionibus. Halis Sax. 1883. 8. 40 p. 

Buecheler, Franc. , Umbrica interpretatus est. Bonnae , Cohen 
1883. 8. 223 p. 7 mk. 



Nr. 5. 6. Mai. Juni 1884. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 






Ernst von Leutsch. 



42. Delectus inscriptionum Graecarum propter dialectum 
memorabilium. Iterum composuit Paulus Cauer. Lipsiae, 
impensis Salomonis Hirzelii. 1883. XVI, 365 p. 8. 

Die zweite aufläge des Cauer'schen Delectus unterscheidet 
sich schon durch den umfang wesentlich von der ersten. Sie 
enthält unter 557 nummern an die achthundert inschriften, von 
denen nur 103 aus der ersten aufläge herübergenommen sind. 
Die früher principiell weggelassenen grabsteine mit einzelnen 
namen sind jetzt reichlich vertreten , auch verstümmelte texte 
sind zugelassen, wenn sie bemerkenswerthe formen bieten. Die 
auswablder inschriften ist mit Sorgfalt und bedacht ge- 
troffen ; es würde zwar leicht sein , eine reihe weggelassener 
aufzuzählen , die ebenso gut wie andere die aufnähme verdient 
hätten , und eine reihe aufgenommener als entbehrlich zu be- 
zeichnen, aber von den hauptstücken, die dem Studium der dia- 
lekte in erster linie zu gründe gelegt werden müssen, fehlt kei- 
nes, wenn man vom pamphylischen absieht, dessen inschriftlichen 
Überresten Cauer leider die aufnähme versagt hat. Die cor- 
rectheit des drucks der texte ist lobenswerth ; von druck - 
fehlern, die den leser irre führen könnten, sind mir nur folgende 
aufgefallen: nr. 26, 6 rutdaae (lies vwa/xi;, d.i. PixäaS), nr. 30, 7 
|*o»- (lies etvv-), nr. 32, 11 pin*.piov£vovna (lies [xta/xoveiovaa), 
nr. 40, 115 TSTogai; (lies jfioqu), nr. 41, 10 xaxaxlrjzq) (lies 
y.<naxlij7rp), nr. 298, 16. 17 aovyyäqw (lies aovyyoücpw), nr. 362, 
31 nrnindSya (lies FIiaündwQa), nr. 409, 52 KlsovÖag (KJE n 
NldAZ), nr. 521 ibv (lies j'coi). — Die den inschriften beige- 
gebenen notizen über fundstelle, auf b ewahrungs ort 
Piniol. Anz. XIV. 18 



254 42. Epigraphik. Nr. 5. 

u. dgl. sind sehr kurz gefaßt, aber für die zwecke des buches 
für ausreichend zu erachten, Irrthümlich ist die bemerkung zu 
nr. 40. 41 ; das sogenannte fragmentum Britannicum der heraklei- 
schen tafeln hat sich zwar früher in England befunden, ist aber 
jetzt schon über ein Jahrhundert in Neapel mit der ersten tafel 
verbunden. Nr. 199 befindet sich wirklich im museum zu Neapel 
nach ausweis des Catalogo del museo di Napoli, Iscriaione Grecche 
ed Italiche p. 30 nr. 88 (2826). — Den texten folgt zunächst 
die angäbe der litteratur, bei den mehrfach edierten eine 
auswahl der publicationen. Zu wünschen wäre es, daß die ori- 
ginalpublicationen von den Wiederholungen geschieden würden, 
was freilich keine ganz leichte aufgäbe ist. Le Bas hat z. b. 
eine ganze anzahl seiner texte, namentlich viele unter den böo- 
tischen, nicht nach originalcopien sondern nach früheren publi- 
cationen, so nach dem ersten bände des Corpus inscriptionum Grae- 
carum, nach Leake's Travels in Northern Greece, nach der Keil'- 
schen Sylloge u. a. ediert. — Die benutzung der litte- 
ratur ist im ganzen eine sorgfältige, hier und da nur sind 
kleine ungenauigkeiten zu verbessern. Ich beschränke mich auf 
die angäbe der folgenden. Nr. 11 „Titulum Laconicum esse de- 
monstravit Kirchhoff Alph. 3 141 u . Vielmehr Ahrens, Dial. II, 8. 
— Nr. 291, 4 mußte nach Foucart's majuskeltext -nnsi (nicht 
-innsil) gedruckt werden. — Nr. 292, 43 Evgvztmvog „ita in 
lapide esse testatur Foucart Bull. Corr. Hell. IV p 88". Fou- 
cart spricht aber nicht von einer revision des steins oder einer 
ihm vorliegenden neuen copie, so daß seine erwähnung des „Po- 
tarnodoros, fils d'Eurytion" als eine conjectur zu der Rangabö'schen 
copie , selbstverständlich als eine ganz sichere Verbesserung , zu 
betrachten ist. — Nr. 322, 1 zu Außadeiijoic; „H in lapide legit 
Stephani", aber nicht in dieser, sondern in der links von ihr 
auf demselben steine befindlichen inschrift, die im Delectus nicht 
aufgenommen ist. — Nr. 323, 6 BA2IAEX ist durch ein miß- 
verständniß des kleinen liegenden kreuzes entstanden , mit dem 
Keil in seiner Wiederholung der inschrift die lücke hinter BA- 
ZIAE bezeichnet hat, die Leake in der originalcopie durch ein 
Sternchen andeutete. — Nr. 341, 7. Die dialektwidrige form &&- 
Xaaoav druckt Cauer der Le Bas'schen copie nach, während 
Rangabe' das richtige üälatzav bietet. — Nr. 352, 11, „EIMIA2, 
inde 'E\o][iiluQ Larfeld, quividitOS literas Alxivioc; apud Lebasium 



Nr. 5. 42. Epigraphik. 255 

vitio repetitas esse". Die fehlerhafte Schreibung stammt vielmehr 
von Cyriacus , die Larfeld'sche änderung von Boeckh. — Daß 
hei den großen äolischen inschriften nr. 428 und nr. 430 Hicks' 
Manual, in dem nach Newton'schen abdrucken viele neue lesun- 
gen mitgetheilt werden , ganz außer acht gelassen wurde , ist 
ebenso zu bedauern, wie daß die Latischew'sche neue collation 
der wichtigen Nikaretainschrift nr. 295 nicht benutzt worden 
ist. — Die texte werden, wie früher, aus praktischen gründen 
nur in Umschrift gegeben, die tr an s s crip tion der älteren 
alpha bete erfolgt nach einem in manchen punkten gegen frü- 
her geänderten principe. Manche dieser änderungen erscheinen 
mir unzweckmäßig. So wird jetzt für epigraphische E und O, 
wo sie zur bezeichnung der unechten diphthonge dienen, s(t) und 
o(v) gesetzt, wo ich die in allen anderen fällen für E und 
gebrauchte transscription s und o vorziehen würde, weil sie con- 
sequenter ist und den leser nicht, wie die Cauer'sche, irreführen 
kann ; ich halte z. b. die Schreibung o(y) für den durch contrac- 
tion oder ersatzdehnung entstandenen gedehnten o-laut in der 
Umschrift des melischen alphabets für irrthümlich : wenn das 
epigraphische zeichen der alten steine für diesen laut (C) sich 
von dem für gemeingriechisches co (0) unterscheidet, so folgt 
daraus nur , daß die beiden laute unterscheidbar waren — und 
das war gewiß auch anderwärts der fall — aber nicht, daß die- 
ser laut gleich nv war; daß derselbe auch nach der einführung 
des ionischen alphabets auf Melos nicht durch OT bezeichnet 
wurde, lehrt nr. 138. Das ov der aus römischer zeit stammen- 
den texte beweist nichts. — Ebenso wenig gefällt mir die neue- 
rung, das fälschlich sogenannte imra uw/^üiv^ior der alten texte 
unter die vocale statt neben sie zu setzen, zumal dieses princip 
überall da verletzt ist, wo das iota in schraffierter form gedruckt 
wird, wie z. b. in nr. 16. — Gegen das princip den Spiritus 
asper da, wo er auf den steinen fehlt, in klammern einzuschlie- 
ßen, verstößt die Schreibung aviopov nr 17, 8 14. 20. — Miß- 
lich steht es, wie bekannt, um unser wissen von der dialektischen 
accentuation. Die äolische läßt sich noch leidlich nach dem 
principe der barytonesis construieren , ein System aber der dori- 
schen betonungsweise aus den wenigen und vereinzelten notizen 
der grammatiker herzustellen, ist zur zeit unmöglich. Trotzdem 
hat Cauer nach den Ahrens'schen erklärungen dieser gramma- 

18* 



256 42. Epigraphik. Nr. 5. 

tikernotizen die von ihnen betroffenen Wortklassen „dorisch" ac- 
centuiert, die übrigen Wörter der dorischen texte aber unter atti- 
scher betonung belassen , als ob bekannt wäre , was nicht der 
fall ist, daß dieselben im dorischen dialekte ebenso wie im atti- 
schen betont gewesen wären. Nun kommt aber hinzu, daß ei- 
nige der Ahrens'schen erklärungen, wie ich in meiner programm- 
abhandlung „zur griechischen dialektologie" nachzuweisen ver- 
sucht habe, nicht stichhaltig sind. Cauer hat dieselben zwar in 
seiner anzeige meiner schrift in dieser Zeitschrift 1883, p. 581 ff. 
zu vertheidigen unternommen, aber die vertheidigung ist, so- 
viel ich sehen kann, nicht erfolgreich ausgefallen. Auch ist 
Cauer selbst weit davon entfernt, die von ihm befolgten accent- 
regeln für sicher zu halten , vgl. im Delectus p. VII f. : „Hanc 
legem, quamquam ne ipsa quidem absoluta et perfecta est, secutus 
sum in monumentis Doridis quae vocantur severioris" und in seiner 
eben genannten anzeige p. 583 : „wenn es aber darauf ankommt, 
vorläufig das wahrscheinliche zu bezeichnen, so spricht alles da- 
für, die endung -ai, die in zwei anderen fällen der flexion (nom. 
pluralis der a - deklination und infin. aor. I activi) dorisch als 
lang galt, auch in den medialen konjugationsendungen als lang 
gelten zu lassen". Ich glaube mir darnach eine weitere motivie- 
rung meines urtheils, daß Cauer auf die anwendung dieser so 
beschaffenen regeln besser verzichtet hätte, ersparen zu können. 
— Durch Wilamowitz' recension der ersten aufläge des Delectus 
hat sich Cauer zu der annähme von der Verbreitung 
des ätoli sehen dialekts über alle die Staaten, die längere 
oder kürzere zeit zum ätolischen bunde gehört haben, bestimmen 
lassen. Cauer meint demnach, wenn sich in lakonischen, messe- 
nischen, arkadischen inschriften analogiebildungen wie siaayör- 
zoig (nr. 30, nr. 462), fpiaXsoig, nolioig (nr. 45), avasßsoig, ini- 
telovvtom (n. 47) finden, so seien diese formen ätolisch und be- 
weisend für den ätolischen einfluß. Darauf hin benutzt er diese 
vermeintlich ätolischen formen peloponnesischer inschriften zur 
datierung der steine , z. b. nr. 30 ; „Cum dialectus nonnulla im- 
mixta habeat ex dialecto Aetolorum (e'f toi isgvt zeile 37, etaa- 
yövtoig xai s^ayövzotg zeile 33 f.), putaverim titulum scriptum esse 
ea aetate, qua Lacedaemonii cum foedere Aetolorum societatem ha- 
berent, i. e. intra aa. 220 — 200 a. Chr.". Das ist nun aber 
falsch ; Cauer hat übersehen , daß die inschrift die existenz des 



Nr. 5. 42. Epigraphik. 257 

ttoivov 7tö»' jdaxadatftovCooti bezeugt, dessen gründung erst durch 
die 195 v. Chr. erfolgte losreißung der küstenstädte von Sparta 
ermöglicht wurde (vgl. Foucart im commentar zu Le Bas , p. 
110 ff.). Daß sich, beiläufig bemerkt, die behauptung, zoi Isqöi 
sei ätolisch , durch nichts rechtfertigen läßt , weiß Cauer selbst, 
vgl. p. 156; aus dem ätolischen dialekte ist kein einziger dativ 
auf -oi bekannt. Jene analogiebildungen aber aus dem ätoli- 
schen dialekte herzuleiten, ist willkürlich , da niemand die that- 
sache ableugnen kann, daß sich solche bildungen unabhängig 
von einander an verschiedenen stellen entwickeln , wie wir da- 
tive auf -oii von consonantischen , -i- und -w-stämmen auch an 
stellen finden , wo absolut kein ätolischer einfluß angenommen 
werden kann (vgl. G. Meyer, Griechische grammatik § 376), 
und ist unwahrscheinlich, da es an beispielen fehlt, die uns 
glaubhaft machten , daß ein politisches bündniß ohne mischung 
der bevölkerung und von kurzer dauer, wie die von den Aeto- 
lern mit den peloponnesischen Staaten geschlossenen , auf die 
spräche dieser letzteren von bestimmendem einfluß hätte sein kön- 
nen. — In der kritik der texte wäre hier und da eine grö- 
ßere Selbständigkeit des herausgebers wünschenswerth gewesen, 
er folgt seinen Vorgängern zuweilen allzu rasch. Von offenbaren 
fehlem derselben finden wir bei ihm wieder die form apai nr. 
13, die für alpst stehen soll, den namen 'Idoiao nr. 382, der 
anlautendes digamma haben müßte, den falsch gebildeten namen 
Fel-ia* nr. 332, 10, tov%ui in einer phokischen inschrift nr. 221 
mit dialectwidrigem ov statt v ; der von den früheren heraus- 
geben! doch nur mit fragezeichen gedruckte ganz unglaubliche 
name rviönnaoTog nr. 363 wird nicht nur ohne jeden ausdruck 
eines zweifeis aufgenommen, sondern sogar als beispiel verwendet, 
um die fragwürdige Schreibung tu nndftaza nr. 295 glaublich 
erscheinen zu lassen u.s.w. Auf's nachdrücklichste warne ich vor 
benutzung der form nQiuvfAsvoe, die Cauer zu nr. 287 als chäro- 
neisch anführt; die inschrift, von der Preller nur die folgenden 
zeichen copierte nOIOTMENOE/UJTOTZTNEJP/ai \ NOMON 
war, wie mehrere andere desselben Steines in der y.oivr l abgefaßt; 
statt 2TNEJPI&I hat ovve8<ji[ov], statt TIOIOTMENOE sicher 
ebenfalls eine hellenistische form, wahrscheinlich noiov[ievo\g\ auf 
dem steine gestanden. Die schlechte beschaffenheit seiner unter 
ungünstigen umständen angefertigten copie der inschriften des 



258 42. Epigraphik. Nr. 5. 

Steines („wir waren eilig, die sonne brannte sehr, und der block 
war theilweise mit einer aus moos und feinem sande zusammen- 
gewachsenen kruste dergestalt überzogen, daß u. s. w." Preller) 
kannte und bedauerte Preller selbst am meisten („ich habe bedenken 
getragen, ob ich diese inschriften bei so mangelhafter abschrift 
publicieren solle. Doch könnte der stein inzwischen verschwun- 
den sein" Preller). — Anderes wird bei den folgenden bemer- 
kungen zu einzelnen inschriften zur spräche kommen. 
Nr. 2. Ich habe schon bei einer früheren gelegenheit dar- 
auf hingewiesen, daß die inschrift zu lesen ist: [To'i~\ xögoi (oder 
xcoqoi?) OioxXtj N<x-n\yQra (oder -SQtida) sc. avi&rjuar toig &eoig; 
mit Qioxlrj vgl. z. b. lakon. KahlixlTj nr. 32 , 18 ; die durch 
aneinanderrücken von -s-i entstandene endung -ti des dativ sing, 
von sigmastämmen ist auf alten inschriften niemals durch ein- 
faches E bezeichnet worden •, vgl. die Schreibungen HEAEl 
IGA. 79, 13, APIZTOKPATEl IGA. 145, KAAOKEI IGA. 
206a, AMPAAKEI IGA. 220, T1POKAEI IGA. 256. — Nr. 8. 
Zu Tivdagiöäv war auch die spartanische inschrift nr 36 zu ci- 
tiren. — Nr. 13. Ich glaube, daß die beiden formen des fragli- 
chen verbums annajQvQ^ajai und anooTQv&ijiat zu umschreiben 
sind, und das lakonische arroatQv&s'nfiai „schwatzen, lärmen" 
(gtqvQ- für OTQOvft- ist auch anderwärts bezeugt) mit a7QovOiX(o 
(aTQOv&it,o3t< • tqC^cov Suidas) zusammenzustellen ist. — Nr. 29. 
Die singulare Schreibung Ttväagidai, die sich auf alten wie auf 
jungen inschriften findet, giebt uns durchaus nicht das recht ei- 
nen im lakonischen dialekt wirkenden lautwandel von v zu t 
anzunehmen; darnach wäre die vermuthung, daß statt yvnvaoiao- 
li](>aii, von dessen T die copie nur den unteren theil der hasta 
erhalten zeigt, vielleicht yt^vaaiag^i'/oag zu lesen sei, besser un- 
ausgesprochen geblieben. — Nr. 40. 41. Daß die publication 
der herakleischen tafeln im Catalogo del Museo Nasionale di Na- 
poli, Pt. I Iscriäioni Grecche ed Italiche, Napoli 1867, nr. 81, 82, 
p. 17 — 24 von Cauer nicht benutzt worden ist, braucht nicht 
bedauert zu werden ; der text wird dort in einer Umschrift ge- 
geben, der offenbar diejenige des CIG zu gründe gelegt ist, vgl. 
die Schreibung £§ u. s. w. statt pe'£ u. s. w., die conjunctive auf 
-rj für -EI, 7&iQan{oa)[at. 1,40,41, 'HQ<p8(ei)a I, 114, 8tax(aT)imv 
II, 35, t(c5) II, 46 u. s. w., und ist außerdem voller fehler, vgl. 
z. b. 0ec8()Qog I, 182, 'AgiaTadn^ms I, 184, oxim II, 33 %oi- 



Nr. 5. 42. Epigraphik. 259 

viyan II, 63, ftedlftpot II, 86, 8e%a II, 86, pt^ijy.ovza II, 102, wonach 
es fraglich erscheinen muß , ob I, 37 am ende der zeile wirk- 
lich f-H steht, wie aus der Schreibung des Catalogo rj(ixiayotvov) 
geschlossen werden müßte, uud wie die berechnung auch in der 
that verlangt ; Mazocchi und Mommsen haben die zeichen aber 
nicht gelesen. I, 44 hat Cauer Mommsen's collation des frag- 
mentum Britannicum (Addenda zu CIG. III, p. 1253) außer acht 
gelassen, nach der rili ztzdfjzui fiegsat rät na.Q auf der tafel 
steht. Wie übrigens ixtoiui in dieser zeile, ist 'H^av.Xiav II, 32 
(Cauer 'Huuy.).t(i)ai') unangetastet zu lassen. I, 114 bietet rä 
'HqcüiÖh ,,die besitzung des Herodes" ebensowenig anstoß als zu 
(liivzte. I, 44, 58, 69, 92 •, Cauer hat mit unrecht die änderung 
tu 'Ho(ö8(ti)u , die Franz nach I, 15, 42, 55, 87 gemacht hat, 
aufgenommen. Mit recht aber ist die früher geänderte inschrift- 
liche lesung 70 nöz "Axiqiv II, 46 unter Verweisung auf II, 23, 
72, 74 von Cauer beibehalten. — Nr. 44 vermuthe ich zeile 18 
-T([ä]«ioj für 2i8dpco; zeile 30 enthält Cauer's vermuthung Asio- 
(%Xeog?) einen für diese inschrift unstatthaften itacismus. — Nr. 
47 ist zeile 37 "A [«]/} St? r/^en lv zulg ay.uvalg mit Foucart 
als titel eines neuen paragraphen zu lesen. — Nr. 58. Die 
von Cauer übersehene copie der inschrift in der Zeitschrift Muv- 
ostov v.u.) ßißXio&jjxq y.zl. I, p. 101, nr. 103 bietet zeile 13 
Atuitß statt Aioov. — Nr. 69. HABON kann nicht "Aßtov sein, 
da der namen i/ßa- gemeingriechisches ?/ hat; übrigens hat Höhl 
selbst inzwischen in dem Jahresbericht über die griechische epi- 
graphik für 1878 — 1882, bd. XXXII (1883. III), p. 2 mit recht 
der erklärung Comparetti's den vorzug vor der seinigen gegeben. 
— Nr. 104. Die bemerkung „Decreta Aegosthenitarum aetatis po- 
steriores partim dialecto Boeotica scripta sunt 11 ist geeignet eine 
irrthümliche Vorstellung hervorzurufen. Von den decreten der 
megarischen Stadt Aegosthenä ist lediglich das der böotischen 
stadt Siphä gesandte ehrendecret Le Bas 1 böotisch abgefaßt. — 
Nr. 116 üv&ivog „göttlich" verhält sich zu dem kretischen öivog 
(= &£ivog) in nr. 132, 33, wie tt-Otog zu &siog. — Nr. 122 — 
132. Die teischen Urkunden werden jetzt correcter als früher, 
mit berücksichtigung der Waddington'schen Varianten gegeben, 
aber es ist nicht zu billigen, daß sich Cauer bemüht die dialekt- 
fehler der ionischen Steinmetzen aus den texten herauszucorri- 
gieren. Sowohl das ionische // wie das nicht weniger als zehnmal 



260 43. Lateinische grammatik. Nr. 5. 

in den aufgenommenen stücken zu den genetiven auf -a und -a> 
gesetzte iota war zu belassen; die letztere auch aus äolischen 
inschriften (Griechische dialekte I, 88) bekannte Vermischung von 
genetiv- und dativform beweist, daß dieses iota damals wirklich 
avexcpcovtjTov war. Auch die Schreibung Tzdi'OffM^'] nr. 127, 9 
für ^ar(T«[e] würde ich unverändert gelassen haben. Ebenso 
scheint mir MA0ETAN nr. 132, 7 zu rasch in (iaQ\ri\Tdv ver- 
ändert; das attische kennt ja allerdings den stamm na&s- in 
tempus- und Wortbildung nur mit gedehntem e-laut, aber dadurch 
ist die möglichkeit dialektischer formen mit * nicht ausgeschlos- 
sen; denkbar ist ein kretisches MA0ETAZ ebenso wie z. b. 
attisch svQsaig neben evQrjpa, yafxijrjg neben yafiijzög besteht. 
An der änderung von MEAETHN AN nr. 128, 15 in disltyrjv 
[öi] nimmt Cauer selbst des vorhergehenden ts wegen mit recht 
anstoß ; mehr anspruch auf Wahrscheinlichkeit hat 8ieX?yri[a]ai>, 
wie Waddington schreibt, und wie Cauer selbst in der ersten 
aufläge hatte ; ich mache darauf aufmerksam , daß in den in- 
schriften nr. 125 — 129 nicht weniger als sechsmal von den tei- 
schen Steinmetzen fälschlich ein N für ein 2 der kretischen Ori- 
ginalurkunden eingemeißelt worden ist. — Nr. 280 — 382 um- 
fassen die böotischen inschriften , auf die ich unter hinweis auf 
meine behandlung derselben in der Sammlung der griechischen 
dialekt-inschriften, bd. I, heft 3, hier nicht eingehen will. Ich 
weise nur auf die vortreffliche emendation hin, die Cauer zu nr. 340, 
22 (EAETQEPAQENA: iJisv&ee[<o]d >sV[») gemacht hat. Auch 
für die eleischen, thessalischen, lesbischen, arkadischen und ky- 
prischen inschriften liegen jetzt in der genannten Sammlung neu- 
bearbeitungen vor, die Cauer für seinen Delectus noch nicht 
verwerthen konnte. Sie bieten an nicht wenigen punkten der 
von Cauer aufgenommenen texte correcturen , deren beachtung 
bei der benutzung des Delectus nicht versäumt werden darf. 

Richard Meister. 

43. Emanuel Hoff mann, Studien auf dem gebiete der 
lateinischen syntax. Wien 1884, C. Konegen. 8. 

Den hauptinhalt des vorliegenden werkes bildet eine Studie 
über die Zeitfolge nach dem Praesens historicum. Hug und 
Eeusch haben bekanntlich für diese frage regeln aus den archi- 
tektonischen Verhältnissen des Satzgefüges , der Stellung des ne- 



Nr. 5. 43. Lateinische grammatik. 261 

bensatzes zum hauptsatze , herzuleiten versucht. Im gegensatz 
hiezu stellte Heynacher auf grund der beobachtung des Sprach- 
gebrauchs Caesars die anwendung der haupttempora als regel 
hin. Den umgekehrten Standpunkt nun vertritt Hoffmann, wel- 
cher sich streng an die logik des historischen Zusammenhanges 
anschließt und daher im gebrauch der nebentempora das normale 
erblickt. Die abweichenden erscheinungen erklärt Hoffmann 
dann aus den logischen Verhältnissen des Satzgefüges, aus dem 
größeren oder geringeren inneren Zusammenhang zwischen haupt- 
satz und nebensatz. In der behandlung dieser frage ist Hoffmann 
seinen Vorgängern entschieden dadurch überlegen, daß er seine 
resultate auf einem viel größeren beobachtungsgebiete gemacht 
hat , als sie. Diese nämlich stützen sich nur auf Caesar und 
Cicero, bei Hoffmann dagegen sind außer diesen Plautus, Terenz, 
die fragmente der archaischen zeit, Nepos , Sallust, Vergil (Ae- 
neis), Livius , Ovid (Metamorphosen) , Velleius , Curtius, Plinius, 
Tacitus, Florus, Eutropius in betracht gezogen. Die fälle nun, 
in denen Hoffmann den gebrauch der praesentia für zulässig 
hält, sind folgende : 

■ 1) wenn der nebensatz nur einen begrifflichen bestandtheil 
des hauptsatzes bildet. 

2) wenn er die aussage desselben entweder als objekt oder 
als epexegese ist. 

3) wenn der inhalt des coniunctivischen relativ- final- oder 
fragesatzes durch präsentische fassung von den historischen be- 
standtheilen des Zusammenhanges geschieden und als aus dem 
sinne des berichterstatters gesprochen hingestellt werden soll. 

Dabei sucht die abhandlung gelegentlich zur beseitigung 
von irrthümern in bezug auf die Unterscheidung coordinierter 
Vordersätze von den eigentlichen nebensätzen beizutragen. — 

Wenn Hoffmann an einer stelle seiner studie dem gedanken 
ausdruck verleiht, daß die Schriftsteller nicht selten bei der in- 
terpretation „von der trivialgrammatik geschulmeistert werden", 
so hat er sicherlich recht ; sollte aber nicht vielleicht auch Hoff- 
mann dem sprachgeist zu bedeutende schranken auferlegen, wenn 
auch nicht durch zu engen anschluß an die herkömmliche gram- 
matische tradition, so doch durch zu weitgehendes bestreben ge- 
setze zu erkennen? Sollte man nicht in anbetracht der that- 
sache , daß in dieser frage , die doch scheinbar nur von der 



262 43. Lateinische grammatik. Nr. 5. 

beobachtung eines leickt zugänglicken materials abhängt , die 
meinungen so sehr divergieren und jede principielle entscheidung 
sofort mit einer sehr bedeutenden menge von fällen zu rechnen 
hat, für die eine anderweitige erklärung gesuckt werden muß, 
nickt vielleickt zur vermuthung kommen, daß die ganze frage- 
stellung Ursache dieses zustandes ist ? 

Mag man nämlich immer in dem praesens historicum ein mittel 
zur vergegenwärtigung vergangener thatsachen erblicken 
oder, wie Hoffmann lieber will, sein wesen darin erkennen, daß 
uns die vergangene kandlung eintretend vorgefükrt wird, je- 
denfalls kaben wir es mit einem mittel zur belebung der darstel- 
lung zu tkun , welckes , in dem lebkaften temperament des Süd- 
länders begründet, eine kervorragende rolle in der rketorisck 
ausgeprägten lateiniscken spracke spielt. Hieraus ergiebt sieb, 
daß die ganze ersekeinung mekr der psyckologisek - rketoriseken 
seite der spracke wie der logisek-grammatiseken angekört : daß 
sie vielmekr gerade eine durchkreuzung der logiseken verhält- 
nisse durck psyckologiseke ist. Dies würde nun zur folge kaben, 
daß wir überkaupt keine zwingenden gesetze für diese sprack- 
licke ersekeinung aufstellen können. Wenn wir auck zugeben 
müssen , daß selbst diejenigen spraeblicken probleme , die wir 
nickt durck subsumierung unter grammatiseke regeln, sondern 
mit külfe psyckologischer motive lösen, der logischen grundlage 
nicht entbehren dürfen und ebenfalls den allgemeinen denkge- 
setzen unterliegen, so dürfte es dock zu weit geken, wenn Hoff- 
mann für alle nebensätze, die dem kauptsatz einigermaßen selb- 
ständig gegenübersteken, mit bezug auf die logik des zusammen- 
kanges die praeterita vorschreibt. 

Ebenso weit geht allerdings nach der anderen seite hin 
Heynacher , wenn er die praesentia als das normale ansieht und 
sich dann in der unangenehmen läge befindet mit einer ebenfalls 
beträchtlichen anzahl von stellen rechnen zu müssen , die sich 
diesem prineip nicht fügen. Wenn wir dagegen die praesentia 
in nebensätzen ebenfalls als praesentia historica ansehen , dann 
geht es offenbar ebenso wenig an , für diese bestimmte , zwin- 
gende regeln aufzustellen wie für die der hauptsätze, bei denen 
noch niemand einen versuch dazu gemacht hat. Wir müssen 
uns dann darauf beschränken in diesem punkte die individuellen 
gewoknheiten der einzelnen autoren zu ermitteln und zu erforschen, 



Nr. 5. 43. Lateinische giatnmatik. 263 

welche momente den Schriftsteller in den einzelnen fällen be- 
wogen haben , die lebhaftigkeit der hauptsätze auch in den 
nebensätzen wiederhallen und ausklingen zu lassen. Bei diesem 
bemühen kommt es aber vor allem darauf an die verschie- 
densten momente in betracht zu ziehen und nicht bloß ein 
einziges als durchgreifend erkennen zu wollen. Von diesem 
Standpunkte aus kann man ganz gut mit Hug und Reusch der 
Stellung des nebensatzes einigen einfluß zuschreiben und nie- 
mand wird leugnen, daß ein nebensatz , der in einem hauptsatz 
mit praesentia historica vollständig eingeschaltet ist, mehr dispo- 
sition hat ebenfalls präsentisch gebildet zu werden , wie einer, 
der durch andere Satzglieder vermittelt ist. Ebenso dürfte sich 
erweisen lassen, daß in partieen, deren lebhaftigkeit sich in ge- 
häufterem gebrauch der praesentia historica offenbart , auch die 
nebensätze häufiger präsentisch erscheinen , wie an anders be- 
schaffenen stellen. Der referent hat diese frage in seiner disser- 
tation Quaestiones syntacticae de elocutione Tacitea comparato Cae- 
saris Sallusti Vellei usu loquendi , Gissae 1882 ebenfalls berührt 
und p. 27 die beobachtung ausgesprochen, daß einzelne verba, 
wie z. b. impero und ähnliche eine besondere Vorliebe für den 
coniunctivus praesentis bekunden, während der zweck bei Wörtern 
die schlechthin handlungen bezeichnen meist im imperfect ge- 
geben ist. Zu dieser beobachtung nun hat der referent bei Hoff- 
mann die begründung gefunden , welche in der engen logischen 
beziehung liegt, die in diesen fällen zwischen hauptsatz und ne- 
bensatz besteht. Die verhältnismäßig selteneren fälle der an- 
wendung des coniunctivus perfecti dürften dann natürlich eine 
gruppe für sich bilden , aber für die erklärung ebenso wenig 
Schwierigkeiten bieten , wie an den stellen , wo sie nach einem 
wirklichen praeteritum auftreten, sie sind eben in beiden fällen 
durch absolute zeitgebung zu erklären. 

P. 11 ff. bringt Hoffmann eine reihe von beispielen vor, 
um die Observation von Reusch und Hug zu entkräften , in de- 
nen der coniunctivus praesentis sich sogar nach vorausgehendem 
praeteritum findet. Diese fälle sprechen nun naturgemäß ebenso 
auch gegen Hoffmann. Sollten diese erscheinungen nicht auf 
einer stufe mit der zur regel gewordenen construction von dum 
in der historischen erzählung stehen und ein zeugnis dafür sein, 
daß die temporale Selbständigkeit der nebensätze überhaupt 



264 43. Lateinische grammatik. Nr. 5. 

größer ist als man auf grund der landläufigen grammatik ge- 
wöhnlich anzunehmen pflegt? P. 16 sucht Hoffmann den ge- 
brauch des präsens für vergangene ereignisse bezüglich des dich- 
terischen Sprachgebrauchs in zwei gruppen zu theilen , die eine, 
welche durch die falle des gewöhnlichen praesens historicum ge- 
bildet wird, die andere mit den beispielen einer wirklichen, nur 
dem dichter gestatteten vergegenwärtigung, welche daher nicht 
etwa das praesens historicum aufweisen, sondern das eigentliche 
praesens. Die berechtigung einer solchen Scheidung dürfte sich 
wohl schwer darthun lassen, man könnte sie höchstens als ein 
mittel ansehen den dichterischen Sprachgebrauch leichter unter 
regeln unterzuordnen. Der gebrauch des praesens hat doch of- 
fenbar in beiden literaturzweigen denselben zweck und wir kön- 
nen daher für den dichter nur eine größere freiheit in der aus- 
dehnung dieses gebrauchs annehmen, aber keine qualitative Ver- 
schiedenheit anerkennen. 

Daß allerdings den historiker vielfach die rücksicht auf die 
deutlichkeit zur tempuswahl nach rein logischen gesichtspunkten 
nöthigt, ist sicher und vielleicht ist dies eine hauptursache, wes- 
halb auch Tacitus im vergleich zu seinen sonstigen freiheiten 
gerade in ausprägung der temporalen beziehungen verhältnis- 
mäßig strenge ist, daß er nämlich so oft seine ansieht in die 
erzählung einfließen läßt, wodurch die nothwendigkeit der ge- 
nauen zeitlichen auseinanderhaltung größer wird. Wie sehr 
übrigens der häufige gebrauch der praesentia historica gerade einem 
bedürfnis der fortlaufenden erzählung entspricht, sieht man 
z. b. daraus, daß bei Sueton, der seinen stoff nach anderen ge- 
sichtspunkten gruppiert und ihm daher nicht mit der unmittel- 
barkeit der anderen historiker gegenübersteht, der gebrauch der 
praesentia historica selbst in den hauptsätzen immer mehr schwin- 
det. Dieser bemerkung widerstreitet übrigens nicht die häufige 
anwendung der praesentia historica in der narratio der reden, 
denn hier hat sie ihre begründung im gesteigerten bestreben 
die aufmerksamkeit der hörer zu fesseln. Die gleiche beob- 
achtung der abnähme des praesens historicum in hauptsätzen ma- 
chen wir übrigens auch in den erzählenden abschnitten des Pe- 
tron, bei welchem sie offenbar damit zusammenhängt, daß er 
überhaupt verhältnismäßig ruhig und ohne großen aufwand rhe- 
torischer mittel schreibt. — 



Nr. 5. 43. Lateinische grammatik. 265 

P. 81 scheint in 3er stelle Cic. Verr. II, 1, 26, 66 die Steige- 
rung der lebhaftigkeit in erster linie in der fortschreitenden be- 
wegtheit der Situation begründet zu sein. Ebenso drückt sich, 
um nur einzelne fälle hervorzuheben, bei denen wir das praesens 
des nebensatzes abweichend von Hoffmann erklären können , p. 
70 injder stelle Liv. VII, 34, 11 die lebhaftigkeit der beschriebenen 
Situation schon durch den anaphorischen gebrauch von nunc aus. 
P. 37 kommt es in der stelle Tac. Ann. 15, 33 bei erklärung 
der worte „qui sectantur" weniger darauf an, daß sie einen sub- 
stanzbegriff bilden, sondern darauf, daß es solche leute auch 
zur zeit des Tacitus gab, wir haben demnach ein wirkliches prae- 
sens vor uns, welches vom praesens des hauptsatzes durchaus unab- 
hängig ist. Schließlich sei noch hervorgehoben, daß bei der ge- 
ringen bindenden kraft, welche die regeln in dieser frage haben, 
es doch zu gewagt ist, wenn p. 30 auf grund eines solchen ge- 
setzes die lesart der besseren handschriften als „soloek" verur- 
theilt wird und die weniger gut beglaubigte den Vorzug erhält. — 

An diese abhandlung schließt sich ein abdruck eines 1874 
in den Jahrbüchern für classische philologie erschienenen auf- 
satzes über den angeblich elliptischen gebrauch des genetivus ge- 
rundii und gerundivi an, in welchem mit recht gegen die un- 
wissenschaftliche art mit graecismus und ellipse zu operieren po- 
lemisiert und der versuch gemacht wird , diesen gebrauch als 
im gei&t der lateinischen spräche und im wesen des genetiv be- 
gründet hinzustellen. Es wird ausgegangen von den fällen wo 
dieser genetiv als appositive bestimmung eines Substantivs auf- 
tritt, daran werden die gruppen des kühneren gebrauchs ange- 
reiht bis zu den beispielen , in welchen der genetivus gerundii 
einer handlung oder einem gansen satze zur näheren bestimmung 
dient. Wenn uns hierbei allerdings eine genaue wissenschaft- 
liche Classification der fälle auf grund der zunehmenden kühn- 
heit des Sprachgebrauchs geboten wird , so möchte ich doch be- 
zweifeln , ob hierdurch die kluft zwischen diesem und der vor- 
herrschenden redeweise thatsächlich ausgefüllt wird, wie der verf. 
p. 104 ankündigt. Man empfindet diese kluft nämlich auch jetzt 
noch da, wo die fälle aufhören , bei denen man den genetiv ge- 
rundii entweder an einen dastehenden oder aus dem Zusammen- 
hang zu entnehmenden substantivbegriff anlehnen kann. Diese 
erscheinung tritt besonders von p. 114 an ein. 



266 44. Lateinische grammatik. Nr. 5. 

Es läßt sich daher zwar darthun, daß ein solcher gebrauch 
weder dem geist der lateinischen spräche widerstreitet noch au- 
ßerhalb der natur des genetiv liegt, dagegen läßt sich kein be- 
friedigender überblick über die historische entwickelung desselben 
geben , noch aus den beispielen eines oder des andern Schrift- 
stellers eine kette bilden , in der kein glied fehlt. — Daß wir 
in der ausgedehnteren anwendung des kühneren gebrauchs eine 
neuerung der späteren historiker, besonders des Tacitus haben, 
lehrt schon ein blick auf die beispiele bei Hoffmann, aus deren 
reihe die stellen früherer autoren bald verschwinden. Sollte 
es daher nicht sachgemäß sein , anzunehmen , daß diese neue- 
rung trotz ihrer begründung in der lateinischen spräche und 
dem wesen des genetiv in dieser ausdehnung sich doch 
unter dem eindruck des thukydideischen Sprachgebrauchs voll- 
zogen hat, zumal sie sich wesentlich auf die historiker be- 
schränkt? — 

Die dritte abhandlung berichtigt einige aufstellungen Eeif- 
ferscheids und ist zuerst in den Jahrbüchern für classische phi- 
lologie 1878 erschienen. Der ablativ bei opus est wird darin 
instrumental gefaßt und für die construction von interest und re- 
fert die Ursache in der grundbedeutung der ursprünglich selb- 
ständigen bestandtheile beider Wörter gefunden. — 

Georg Ihm. 

44. Der Hellenismus in Latium. Kulturgeschichtliche bei- 
trage zur beurtheilung des klassischen alterthums an der hand 
der Sprachwissenschaft von G. A. Saalfeld. Wolfenbüttel 1883. 
Zwißler. VI und 282 p. 6 mk. 

Die vorliegende schritt Saalfelds basiert auf dem aus der hand 
desselben Verfassers hervorgegangenen Index verborum graecorum 
in linguam latinam translatorum, der, ursprünglich (1874) als dok- 
tordissertation gedruckt, in demselben jähre mit belegstellen und 
nachweisen aus neueren linguistischen werken vermehrt im buch- 
handel erschien. Sie zerfällt in drei theile, in deren erstem die 
religiösen und sittlichen beziehungen (p. 1 — 58) behandelt wer- 
den, während der zweite uns die gewerbe und künste (p. 58 — 
149) und der dritte die Wissenschaften (p. 149 — 282) vorführt. 
Der dritte abschnitt des ersten theiles „erziehung und Unterricht" 
ist im wesentlichen schon abgedruckt im august- und September- 



Nr. 5. 44. Lateinische grammatik. 267 

hefte der Neuen Jahrbücher für philologie und pädagogik vom 
jähre 1882. 

Der stoff ist nach den einzelnen gebieten im ganzen über- 
sichtlich geordnet, wenn auch vielfach größere kürze und knapp- 
heit in der darstellung wünschenswerth wäre. Aus den reichen, 
vorwiegend den Marquardt-Mommsenscken alterthümern entnom- 
menen quellenangaben hätte manches antiquierte buch gestrichen 
werden können oder es hätte ein verweis auf die beireffende 
seite der alterthümer genügt. In dem jedem kapitel angefügten 
Verzeichnis der einschlägigen griechischen Wörter war die auf- 
nähme der eigennamen möglichst zu beschränken. Daß z. b. 
bei Terentius, Varro und Martial der name einer buhldirne Thais 
vorkommt (p. 38) , hat für die kulturgeschichte wenig werth. 
Auch ist eine Scheidung der fremdwörter in vier perioden, wie 
sie Saalfeld vornimmt, aus dem gründe zu beanstanden, weil 
das bloße vorkommen eines wortes bei einem Schriftsteller noch 
gar nicht dafür bürgt, daß das wort nicht schon viel früher auf 
latinischem boden üblich gewesen ist. Es giebt uns nur den 
terminus ad quem, die eintheilung müßte aber nach dem terrninus 
a quo geschehen. Vorteilhafter wäre gewesen, die griechischen 
Wörter zu scheiden 1) in volksthümliche, durch das volk 
aufgenommene und im gewöhnlichen leben gebrauchte, die daher 
in der lingua rustica auftreten und in der regel noch in den ro- 
manischen sprachen fortleben wie nanus , zwerg, = französisch 
nain, spanisch enano oder petra , stein = französisch pierre. 2) 
in gelehrte, in der litteratur als termini technici eingebürgerte 
ausdrücke wie philosophia, rhetorica u. a. 3) in fremdwörter, 
die gelegentlich neben den römischen citiert oder aus besonde- 
ren gründen vom autor gebraucht werden und von Plautus an 
(vgl. chrysos für aurum Bacch. 240 E) in der römischen litte- 
ratur sehr häufig sind. In ganz vereinzelten fällen hat Saalfeld 
auch darauf hingewiesen, daß ein wort vor seinem auftreten in 
der litteratur übernommen worden ist z. b. p. 124 bei fides, 
saiten , wo er hinzufügt : „belegt erst bei Plautus , aber sicher- 
lich älter." Nur schade , daß fides trotz Mommsen , Römische 
geschichte I, 229 kein lehnwort, sondern ein echt römischer aus- 
druck ist (vgl. Curtius Grundzüge 247, 690; Vanicek, Etymo- 
logisches Wörterbuch 1169-, Fick, Vgl. Wörterbuch II, 173 ; Lott- 
ner, K. Z. VII, 172; Benfey, Wurzellexicon I, 565; Fick, Bez- 



268 . 45. Homeros. Nr. 5. 

zenbergers Beiträge V, 352 und meine Griechischen Wörter in der 
lateinischen spräche p. 78 und p. 288). Das wort ist entweder 
zu wurzel ghidh zu stellen, wovon auch xi&olqu herstammt, oder 
nach der gewöhnlichen annähme mit aqtideg wurzelverwandt. 
Dies schließt jedoch nicht aus , daß die sache selbst , also hier 
die leier, von den Kömern entlehnt worden ist. Denn wenn 
auch nicht so häufig wie die Griechen, so haben die Römer doch 
nicht ganz selten bei Übernahme fremder gegenstände ein- 
heimische bezeichnungen dafür aufgebracht, sei es, daß sie be- 
reits vorhandene benennungen ähnlicher gegenstände darauf über- 
trugen (z. b. morum, brombeere auf die maulbeere u. a.) oder 
direkt frei schaffend neue namen erfanden wie z. b. lentiscus für 
den mastixbaum. Im übrigen vgl. meine abhandlung über „Wort- 
entlehnung und Wortschöpfung" in der Zeitschrift für Völker- 
psychologie und Sprachwissenschaft bd. XIII, p. 233 — 250, be- 
sonders p. 244. 

Trotz all dieser ausstellungen ist das buch brauchbar und 
wohl geeignet, jedem als Wegweiser zu dienen, der sich für die 
Verpflanzung griechischer kultur auf römischen boden interessiert. 

O. Weise. 

45. Ferdinand Weck, beitrage zur erklärung Home- 
rischer personennamen. Progr. des Lyceums zu Metz 1883. 8. 

Der Verfasser geht in dieser abhandlung von der ansieht 
aus, daß die griechische namengebung auf dem einfachen adjee- 
tivum beruhe, an welches zum zweck der individualisirung nach 
und nach mehr und mehr suffixe hinzugetreten seien. Dieser 
gehäufte suffixanhang sei entweder geradezu verkannt worden, 
oder habe die hand zu einer umschmelzung der form geboten, 
„wodurch auf einmal schmeichelhafte anspielung in die späteren 
zuthaten des Stammes gelegt" worden seien. Die Volksetymo- 
logie sei es also gewesen , die den griechischen namen die ge- 
stalt gegeben, in der wir sie vor uns haben. Demgemäß leitet 
der Verfasser die namen auf nXoc, xltjg, ausgehend von der sta- 
tistisch nachgewiesenen thatsache, daß die form ndrQoxlog und 
zubehör bei Homer weit häufiger ist als die entsprechenden for- 
men der dritten deklination, und unter zuhülfenahme lateinischer 
namensformen wie Hercoles , Patricoles, Paterculus etc. auf ein 
suffix xolijg zurück. Ebenso sind ihm die eigennamen wie 



Nr. 5. ' 45. Homeros. 269 

Krtjamnog nicht Zusammensetzungen mit 'innog , sondern gehen 
seiner ansieht nach auf ein suffix nsTog zurück — davon ntö- 
Xfpog in NsoTiTÖlffiog auch nur erweiterung! — , welches er mit 
lateinisch pote, pte, pse gleichsetzt. Freilich ist hierbei übersehen, 
daß dieses lateinische suffix selbst von haus aus nomen ist. 
Ebenso werden die eigennamen auf fjia^og , o%og , Xo%og als de- 
minutivbildungen erklärt, denn wie rtjniog: pijma^og, so Tijls- 
(xog: Tifituuftog. Tldtdoxog wird auf wurzel pand , auch panth 
zurückgeführt, wovon auch Tldgig (aus Ilddigl), näiduoog, Tlav- 
8tcav und nür&oog. Auf das suffix (isvo-g werden nicht nur 
eigennamen wie 'l&a.tpsi'Tjg und das adjeetivum yvvaiftärrjg zu- 
rückgeführt, sondern auch KkvzaiuvtjarQa (aus KlviaTo^snarega) 
und 'sJyafiifAicoi . das aus ursprünglichem Aqaaog (vgl. ÄlyioQog 
und aiyt'oj[og !) hervorgegangen sein soll. 

Ich unterlasse es auf weitere einzelheiten einzugehen. Schwer- 
lich wird der Verfasser viele anhänger seiner suffixtheorie finden. 
Mir scheint dieselbe auf einer völligen verkennung des maßvol- 
len Charakters der griechischen spräche zu beruhen. Wo zeigt 
dieselbe jemals eine derartige Überwucherung der formalen ele- 
mente, d. h. der suffixe, über die bedeutungsvollen ? Am klar- 
sten wird dies , wenn man griechische wortgebilde neben die 
stamm - und sinnverwandten lateinischen stellt. Welches über- 
gewicht hat z. b. im lateinischen momentum das schwere suffix 
mentum über das eigentliche bedeutungselement ; wie ganz an- 
ders ist da das Verhältnis in den entsprechenden bildungen des 
griechischen auf /tttr. Oder man vergleiche mit dem maßvollen 
etvdyxi] oder uußnnTo*; die stamm- und sinnverwandten Wörter 
necessitas, necessitudo und immortalis. Auch an die bildungen des 
Superlativs der beiden sprachen ließe sich erinnern , z. b. an 
(jncj oü7«7oc neben sapientissimus. — Ferner aber ist es ungerecht- 
fertigt, in der so frühen Sprachperiode der homerischen gedichte 
der Volksetymologie eine so tief eingreifende, alle lautgesetze auf- 
hebende bedeutung für den gesammten Sprachorganismus zuzuwei- 
sen. Denn Volksetymologie beginnt nur dann ihre Wirkung, ent- 
weder wenn fremdes sprachgut eindringt, oder wenn heimisches 
sprachgut veraltet und abstirbt. Beides trifft aber für die zeit Homers 
in keiner oder nur sehr beschränkter weise zu. Eines der ältesten 
beispiele von Volksetymologie scheint mir, wie ich auch schon ander- 
wärts bemerkt, in dem namen 'Heay.).r;g vorzuliegen, den ich keines- 
Philol. Anz. XIV. 19 



270 46. Orpheus. Nr. 5. 

wegs mit dem Verfasser (p. 15) auf älteres 'Eaga-Alr/g (von Hup „früh- 
ling") zurückführe, sondern auf semitisches Archal, das am ge- 
treusten erhalten ist in ' jägxa'ksvq (Et. M. 219, 35). — End- 
lich sei auch noch daran erinnert, daß ja das griechische die 
wortkomposition überhaupt außerordentlich bevorzugt. Oder will 
etwa der Verfasser auch in adjectiven , wie nlrfemnoq und sv- 
[xevrjg keine komposition mit innog und pifvnq anerkennen? 

Nach alledem darf man wohl die bestimmte erwartung aus- 
sprechen, daß die onomatologen es auch ferner noch vorziehen 
werden, lieber mit Fick, gegen den der Verfasser scharf polemi- 
siert, — mag derselbe auch in einzelnen punkten zu weit ge- 
hen — die „Sackgasse" der bisherigen erklärungsweise weiter 
zu durchwandern, als sich mit dem Verfasser durch einen wald 
von Suffixen durchzuschlagen. C. Angermann. 

46. Orphei Lithica accedit Damigeron de lapidibus. 
Rec. E. Abel. 'Berlin, Calvary 1881. 198 p. 8. 

47. Fr. Hillmann, de arte critica in Orphei Argonau- 
ticis factitanda capita duo. Dissert. Leipzig 1883. 74 p. 8. 

Vorliegende neue ausgäbe der Lithica enthält eine kurze 
die abfassungszeit und die handschriften behandelnde vorrede, 
den text , einen ausführlichen commentarius criticus , einen index 
verborum, eine prosaische paraphrase und endlich die Schrift des 
Damigeron de lapidibus , die quelle , aus welcher der dichter sei- 
nen stoff geschöpft hat. Hinsichtlich der abfassungszeit wieder- 
holt der herausgeber die auch von Bernhardy gebilligte annähme 
Tyrwhitts , wonach dies gedieht nicht lange nach 371 n. Chr. 
unter Valens geschrieben ist, da es die energische Verfolgung der 
heidnischen magie und theurgie voraussetzt, andrerseits von dem 
einfluß des Nonnus und seiner schule noch völlig frei ist. In- 
folge eines Versehens heißt es p. 4 bei besprechung der ansieht 
von Beck „quarto saeculo 11 statt „quinto aut sexto". Die für die 
kritik der Lithica maßgebende handschrift ist ein von Abel zu- 
erst verglichener codex Ambrosianus aus dem anfange des 15. 
Jahrhunderts. Er stimmt in seinen lesarten zu der von Tzetzes 
in den scholien zu Hesiod und Lykophron , in den Chiliaden 
und der Iliasexegese benutzten handschrift, desgleichen der von 
dem Verfasser der prosaischen paraphrase benutzten vorläge 
Leider sind von dieser handschrift mehrere blätter verloren ge 






Nr. 5. 46. Orpheus. 271 

gangen. Ihr gegenüber geben alle bis jetzt bekannten hand- 
schriften des gedichts aus dem ausgange des 15. und dem 16. 
Jahrhundert (die Excerpta Vaticana des 14. Jahrhunderts geben 
nur eine auswahl einzelner stellen) einen schlechteren , interpo- 
lirten text, und gehen mit Abel sämmtlich auf eine von Deme- 
trius Moschus, dem söhne des Johannes Moschus aus Lacedaemon, 
verfertigte abschritt zurück. Eine handschrift des Moschus ist 
aber thatsächlich nicht vorhanden, wir haben nur unbedeutende 
seinen namen tragende scholien und eine kurze vaö&eatg slg zo 
77e(j} Xi&mv Vgcpscog , die wohl mit dem von Lilius Gyraldus ci- 
tirten commentariolum de Orphei lapidibus für Picus von Miran- 
dola identisch ist. Diese hypothesis aber mit den scholien findet 
sich nur in einigen, nicht in allen jüngeren handschriften, während 
alle mehr oder weniger wie in den lücken , so in der Schlech- 
tigkeit der lesarten übereinstimmen. Daraus dürfte sich erge- 
ben , daß der archetypus der interpolirten handschriften von 
der arbeit des Demetrius Moschus unabhängig war und über 
dieselbe zurückging, um so mehr als Abel p. 8 selbst sagt : „hie 
Demetrius exemplar suum immane quantum et vitiis et interpolatio- 
nibus corruptum fideliter, ut videtur , transscripsit , non nisi brevi 
praefatione et paucis quibusdam scholiis additis". Durch Zugrun- 
delegung des Ambrosianus hat nun der text der Lithica bedeu- 
tend gewonnen. Nicht nur sind sechs verse ganz neu dazu- 
gekommen, sondern es hat sich auch an mehr als fünfzig stellen 
aus der neuen quelle eine unzweifelhaft bessere lesart ergeben, 
während an manchen anderen sich aus ihrer Schreibung mit 
leichtigkeit das richtige gewinnen läßt. Immerhin bleibt für 
emendation nach wie vor ein großer Spielraum. In dieser hin- 
sieht hat der heiausgeber aus den arbeiten seiner Vorgänger mit 
glücklichem takt eine geeignete auswahl getroffen , einige male 
auch selbst in befriedigender weise die bessernde hand angelegt. 
Nach wie vor ist aber v. 451 heillos verdorben. Im einzelnen 
wäre etwa noch folgendes zu bemerken : v. 3 sieht man keinen 
grund ein , weshalb die lesart der Tzetzeshandschriften zu Ly- 
kophron onatq puv e/nifjs) mit dem ohnehin soloeken onco<; av 
fyoifiE* vertauscht ist. V. 39 ist schwerlich durch die einschie- 
bung von jj#oV richtig hergestellt , ebensowenig ist v. 62 mit 
aXtTQnavpui^ das richtige getroffen. V. 77 ist in den worten 
yatötfißgorov ix xaxör?]zng nicht n) em/jßoÖ7nv mit Tyrwhitt, son- 

19* 



272 46. Orpheus. Nr. 5. 

dem, wie ich vermuthe, de alqigo v og zu schreiben. V. 108 
ist ulfipaßuev aus A statt des [tifiveGvev der übrigen handschriften 
in den text genommen. Die richtigkeit der bemerkung Abel's 
p. 50 „quam verbi formam bonam esse puto] sattem verbi [tiuroa 
forma secundaria fiifivd^m extat, imperfecta autem in aaxov eorum 
tantum verborum reperiuntur, quorum etiam stirpes in «£cü exeuntis 
in usu fuerunt" muß ich auf sich beruhen lassen. Aus Apollo- 
nius Ehodius wenigstens habe ich mir iterativformen auf aaxei', 
aaxov nur von wirklichen, oder wenigstens vermeintlichen verben 
auf dm notirt: dvndaaxnv II, 100; podaoxsv I, 1272. II, 590. 
IV, 921; yodaaxev I, 264; yodo.ay.ov I, 293; dtjidaaxov 11,142. 
iXdaaxor I, 733. 1156. II, 1073. IV, 77. xayxaldaaxtv IV, 994. 
xvdidaaxov IV, 976. fxqTidaaxs III, 612. IV, 7. 492. fxtjTtdaaxov 

IV, 526. 1068. raisrdaaxsv I, 68. vaittdaaxor II, 999. IV, 1209. 
Von 8oid£co dagegen findet sich doid^eaxer III, 818, desgleichen 
imxafiä&oitov IV, 942. — V. 213 steht vgorrs im text, wäh- 
rend es im kritischen commentar heißt: ogorzs scripsi. Die 
handschriften haben ogtowzeg oder ögcävte g , woraus Tyrwhitt 
ogotTsg gemacht hat „a verbo r'gco", welche änderung Hermann 
und Lobeck zu Buttm. Gr. II, 5. 259 gebilligt haben. Wenn nun 
Abel bemerkt „sed nullum est verbum "gm — vgovrsg potius activum 
ceteroquin inusitatum verbi ogofiai putandum erit" — also doch selbst 
ein verbum ogta annimmt , so ist das höchst sonderbar. Auch 
wird man die dualform in Verbindung mit oi /asv und eaaotTo, 
trotzdem v. 115 ngol'dofts statt ngoi'dovrsg in A steht, schwer- 
lich billigen können. lapiv ö^eiav vgwvzfg ist wohl aus lafflv 
6%siav dqisvTsg verdorben. V. 114 muß natürlich gelesen wer- 
den: atyavfyg sögvvto Oomtegov tjs ßeXsfivov und nicht ßsXt'/jiiov. 

V. 171 ist wohl oqiga atv £v%opi?i>oio xXvoi fraog statt oyga tot. 
zu lesen. V. 178 durfte von der handschriftlichen lesart sl yug 
dztg xgazegoto dt'lotg schon um der trochaeischen caesur willen 
nicht abgewichen werden. Denn daß sich die späteren dichter 
um die Aristarchische beobachtung über den gebrauch von f&sXfiv 
nicht gekümmert haben, ist selbstverständlich und erhellt obenein 
zur genüge aus den von Gerhard Lectt. Apollon. p. 91 beige- 
brachten beispielen. V. 249 sieht man keinen grund , weshalb 
das handschriftliche xgazsgij mit azsgs?'j vertauscht ist, ebenso- 
wenig weshalb v. 307. 325 (tayv^anri mit kleinem anfangsbuch- 
staben erscheint. Die änderung des handschriftlichen ylaydqgora 



Nr. 5. 46. Orpheus. 273 

v. 309 in tfQSPOXQoa hat nicht die mindeste Wahrscheinlichkeit 
für sich. V. 448 ist eitel ov statt irtei ovx durch ein versehen 
in den text gerathen, aber die ganze von Hermann herrührende 
Schreibung des verses hat, wie dies Abel selbst recht wohl ge- 
fühlt hat, ihr bedenkliches. V. 479 heißt es in A vom ange- 
brannten gagat: 

dXX' r)).odi> 7io7i öitag äyei fteiog ' ovdt zi cpcözag 
Xyaorft' ojt x' e&e'Xeig ieur)v ano vovaov eXey^ai. 
Abel schreibt qxüzeg und interpretirt „viri non latent lapidem, 
in quibus sacrum morbum deprehendere volueris". Aber hier ist 
wohl die lesart der besseren vulgathandschriften Xrjnezai bei- 
zubehalten. Subject ist psvog. Die kraft wird den menschen 
nicht verborgen bleiben , an denen man das Vorhandensein der 
epilepsie constatiren will, d. h. sie wird sich an ihnen wirksam 
erweisen , sie werden sie empfinden. Der von Abel angeführte 
Plinius sagt ja vom gagates „depreliendit sonticum morbum — suf- 
fitus". Statt i&f.Xeig ist ideXyg, nicht iOsXoig zu schreiben. 
V. 524 steckt in dem uvuntevonouv (ßvaizvevaaaav vulgo) der 
handschrift doch wohl nichts anderes als das von Bernard ge- 
fundene , und von Hermann gebilligte avan X s v aaaav, Abel 
schreibt sehr gewaltsam avanXijadeiaav auf grund der epitome, 
in welcher es heißt enav degog avanXyadq. Aber das ist doch 
nur die paraphrase der dichterworte vri u'i'&oijg xgazvvo/Jievijv^ 
V. 563 ist durch ein versehen 8oXi%ov ze xsXnv&ov statt doki%jjs 
de xeXtvdov in den text gerathen. V. 689 war 'Enivvoi statt 
Eginiai zu schreiben. V. 632 ist statt ro de h' sqxeiui vaiazov 
>j(4uq , was Abel selbst nicht ohne bedenken aufgenommen hat, 
wohl zb <5' i n sQ^erai zu lesen. Zum beleg für die das fieber 
bändigende kraft des Antiachat heißt es v. 640 : 
er yüg fiir xgeaeoöi ßaXcor fxeaov sxpofxe'roiai 
zvzdov uvao%kO&ui ' zu 8e zrjxezai svbodi nävza. 
Abel schreibt aus A und der epitome xegueaa. Aber wozu in 
aller weit soll hörn weich gekocht werden? Und wenn es 
in der epitome heißt eiponeroig yuo xigaaiv rj xal öaze'oig ifißa- 
Xcöv zig avzöv, so sieht das auch nur nach einem versuche aus, 
das völlig absurde minder absurd erscheinen zu lassen. Eher 
könnte man mit Wiel an eine änderung von ztjxezui denken. 
V. 665 wird mit 0. Schneider Nicandr. p. 128 xXeiovcriv für 
keiXeovait geschrieben, da aber auch v. 362 xalittv steht, wo 



274 46. Orpheus. Nr. 5. 

xX sie.lv eben so gut in den vers gepaßt haben würde, so erscheint 
die änderung überflüssig. V. 710 ist dvagnä^cav wohl bloßer 
druckfehler für avagnä^uv, ebenso iXdl'ov v. 717 für släl'vov, 
und 776 8a v. 751 für noSi. V. 750 ist üvovai für üvoize zu 
lesen. V. 762. 3: 

AritoiSrj aio [ap'x 011 * fyov, Tloidvting qgmg 
f-aavfASvog td8s navra äfitj^ava qp^o« ntcfäaxstv 
harren noch ihrer endgültigen Verbesserung. Denn Abels emen- 
dation 

• sti]Toi8ao fxdXa %Q?]G[ioig f fJoiävTiog tjgcog, 
SGno/usi'Ov raSs navra (x aut]%ava (pTjpi nMjiavGxsiv 
erscheint viel zu gewaltsam. Uebrigens wird im kritischen com- 
mentar ß dlr^dia statt /.*' dyn'^ava als Schreibung des textes 
angeführt. 

Dieser kritische commentar ist mit ziemlicher Weitschweifigkeit 
in einer jetzt längst veralteten manier abgefaßt. Vollständig 
werden alle Varianten, selbst die albernsten Schreibfehler (merk- 
würdigerweise fehlt dxQWQeia bei v. 104), desgleichen die kri- 
tischen raisonnements der früheren herausgeber in extenso mitge- 
theilt, auch dann, wenn beide der neu gewonnenen lesart des A 
gegenüber von gar keinem werthe sind. Einzelne recht gute 
bemerkungen über die sprachlichen und metrischen eigenthüm- 
lichkeiten des autors gehen in diesem wüst von überflüssigem 
jetzt leider verloren, während sie, in der einleitung etwa im Zu- 
sammenhang vorgetragen, den werth der ausgäbe wesentlich er- 
höhen würden. P. 109 wird die beobachtung Wiels wiederholt, 
daß im ganzen gedieht eine elision nach der arsis des dritten 
fußes nicht vorkommt. Ganz natürlich. Nach der regel oti ij 
an6o7QO(pog hol würde ja in diesem falle die caesur nicht zur 
geltung kommen. Wenn wir de in zwei fällen (v. 100. 754) 
unmittelbar nach der arsis elidirt finden, so gehört das eben zur 
nächsten silbe. So ist auch x«t« tqitov tqoxoiov elision eigent- 
lich nur dann zulässig , wenn penthemimeres vorausgeht , oder 
hephthemimeres folgt, v. 23. 39. 396. 501. 519. 591. 637. 
Dreimal, v. 37. 307. 523 folgt wenigstens diaerese nach dem 
vierten fuße. Bios v. 557 ist die elision ohne weiteres zuge- 
lassen. Auch nach der arsis des vierten fußes kommt keine eli- 
sion vor. Doch findet sich nach derselben ö' v. 146. 407. 655. 
698. r' v. 271. x' v. 739. Das latein der vorrede und des kri- 



Nr. 5. 47. Orpheus. 275 

tischen commentars ist nicht gerade empfehlenswerth. Es fehlt 
ihm nicht blos an eleganz , sondern selbst an correctheit. P. 7 
liest man : „moneo in omnibus deterioribus codicibus tanta vitia le- 
vissima in A quoque reperta inveniri". P. 11: „Tyriohitt, qui ver- 
sionem quoque Gesnerianam editioni suae se ipso postea improbante 
adiecit". Ebendaselbst: „cuius textum, qui, secutus a Tauchnitzi- 
anae editore, recudendum curavit, G. H. Schaefer". P. 69 : „impro- 
bavit a Seidenadelio secutus Wiel u . Dergleichen ist in der that 
höchst störend. Der index verborum ist , soweit ich mich durch 
angestellte Stichproben davon überzeugt habe, sehr sorgfältig 
angefertigt. Die prosaische paraphrase der Lithica , als deren 
richtiger titel jetzt Ooqicot; hOixh xtjQvyfiata erscheint, hat durch 
die Zugrundelegung eines Vaticanus aus dem anfang des fünf- 
zehnten Jahrhunderts wesentlich gewonnen. Besonders dankens- 
werth endlich ist die zugäbe des Damigeron (d. i. /trjfAoyigcov) 
de lapidibus , nach einer erneuten vergleichung der einzigen bis 
jetzt bekannten Pariser handschrift , aus welcher das werk zu- 
erst von Pitra im Spicil. Solesm. III, p. 324 sqq. in einer aller- 
dings sehr unzuverlässigen weise veröffentlicht worden ist. Die- 
ser Damigeron ist eine wohl im fünften Jahrhundert entstandene 
lateinische bearbeitung eines viel älteren zauberbuchs, wie solche 
unter dem namen des Zoroaster und Demokrit bereits dem Pli- 
nius vorgelegen haben , und wie es unter dem namen des auch 
dem Tertullian bekannten Damigeron von Apuleius , dann von 
dem dichter der Lithika, einem bis jetzt noch nicht wieder auf- 
gefundenen Pseudodioscorides und weiterhin unter dem titel des 
Diogenes oder Demosthenes von Aetius benutzt worden ist. Der 
lateinische Damigeron hat dann wieder dem berühmten Lapidarius 
des bischofs Marbod von Rennes (jll23) als quelle gedient, wie 
dies alles in seiner gelehrten weise Val. Rose im Hermes IX, 
1875, p. 471 ff. gezeigt hat. 

Hillmann , der Verfasser der dissertation de arte critica in 
Orphei Argonauticis factitanda capita duo, hatte sich auf anregung 
R. Foersters die Untersuchung zur aufgäbe gestellt, ob die zu- 
letzt wieder von G. Hermann zum abdruck gebrachte lateinische 
metrische Übersetzung der Argonautica des Mailänder humanisten 
Leodrisius Cribellus, eines Zeitgenossen des Fr. Philelphus, welche 
noch vor dem erscheinen der editio princeps nach einer hand- 
schrift gemacht ist, für die kritische behandlung des textes der 



276 48. Eratosthenes. Nr. 5. 

Argonautica von werth sei, oder nicht. G. Hermann stellte den 
werth dieser allerdings gefälligen und geschmackvollen Über- 
setzung auch in kritischer hinsieht sehr hoch. Er glaubte, daß 
sie nach einer sehr guten handschrift gemacht sei und selbst 
den rang einer solchen einnehme, ohne sich jedoch bei der her- 
stellung des textes von ihr in so hohem grade beeinflussen zu 
lassen, als dies neuerdings von Wiel in seinen observationes in 
Orphei Argonautica geschehen ist. Um nun diese frage zu be- 
antworten , untersucht der verf. zunächst die beschaffenheit der 
bis jetzt für die kritik der Argonautica benutzten handschriften 
auf grund des Hermann'schen apparates , und kommt zu dem 
resultate , daß sämmtliche handschriften, von denen keine über 
das fünfzehnte Jahrhundert zurückgeht, in zwei classen zerfallen, 
die wiederum beide durch verloren gegangene Zwischenglieder 
auf einen nicht mehr vorhandenen , ziemlich fehlerhaften arche- 
typus zurückgehen. Die drei von einander fast gar nicht ab- 
weichenden handschriften APF (ein Askewianus, ein Parisinus 
und ein Rehdigeranus) sondern sich von den übrigen durch ge- 
meinsame fehler , correcturen und interpolationen als minder- 
werihige classe ab. Demnächst weist der verf. unwiderleglich 
nach, daß die Übersetzung des Cribellus eine sehr freie ist, der 
es nicht darauf ankommt um der eleganz des lateinischen aus- 
drucks willen auf die treue wiedergäbe des Originals zu ver- 
zichten. Wenn es schon deshalb sehr mißlich ist, aus ihr einen 
rückschiuß auf den Wortlaut der zu gründe liegenden handschrift 
zu machen, so erweist andrerseits der umstand, daß die Über- 
setzung gerade in den eigennamen mit den minderwerthigen les- 
arten der schlechteren handschriftenclasse auffällig übereinstimmt, 
die annähme der benutzung einer älteren und besseren hand- 
schrift als die uns erhaltenen , und somit eines besonderen wer- 
thes derselben für die kritische behandlung der Argonautica als 
völlig hinfällig. Der saubere, umsichtige und methodisch wohl 
begründete gang der Untersuchung, auf dem der verf. zu diesen 
resultaten gelangt ist, verdient besondere anerkennung. 

R. Volkmann. 

48. Anale et a Eratosthenica. Scripsit E. Maaß. 
Berlin, Weidmann 1883. 8. 153 p. (Sechtes heft von: Philolo- 



Nr. 5. 48. Eratosthenes. 277 

gische Untersuchungen, herausgegeben von A. Kießling und U. 
von Wilamowitz-Moellendorff.) 

Die arbeit enthält : A) De Eratosthenis qui feruntur Cata- 
sterismis (1 — 55); B) De Eratosthenis Erigona (57 — 138); C) Epi- 
metrum (139 — 149). Es folgt ein Index rerum (151 — 153). Wir 
geben den inhalt dieser drei abhandlungen an. 

A: Vier abschnitte. I) Suid. s. v. 'EQaroodivtjg ist zuschrei- 
ben: Eynuips de . . . . aGTQ'i&eaiuv // •AaruarsiJiapiovi; für aozoo- 
vofilav }/ xuzuGTeoiGfiovg. Des Achilles Tatios citat £i> tq> xata- 
ar>-Qinfiq) scheint bloß den inhalt zu geben; der titel war ver- 
mutlich uazQo&soia. — II) In Roberts ausgäbe fehlen einige 
passus des Cosmas Hieropolitanus , augenscheinlich aus den ka- 
tasterismen stammend und beweisend, daß im VIII. Jahrhundert 
handschriften existierten, die den archetypus der Codices unserer 
epitome an umfang übertreffen. Jene abschnitte werden abge- 
druckt. — III.) 1. Ein vergleich des aus Eratosthenes geschöpften 
„poeticus astronomicus" des Hyginus (III, 3) und des Baseler scho- 
liasten (Catast. ed. Robert p. 58, 7) ergiebt die richtige inter- 
pretation der stelle über den polarstem (Robert 58, 7) : ein ver- 
gleich dieser so ausgelegten stelle aber mit der ansieht des Py- 
theas und Eudoxus, sowie die erwägung, daß der polarstem, den 
diese stelle nennt, 13° vorn pol entfernt war, ergiebt die Un- 
möglichkeit, sie für Eratosthenisch zu halten ; ist sie interpoliert, 
so müßte sie schon vor Hyginus interpoliert sein. 2) Hipparch 
(Petav. Uranol. p. 184) sagt: ol ag^aim ndvTsg gaben dem gro- 
ßen baren nur sieben sterne; da die catasterismen deren 23 zählen, 
ist der sternkatalog der epitome schwerlich von Eratosthenes ; 
das bestätigt des Ptolemaeus' Almagest (VII, 1), welcher den 
einzigen nennenswerthen sternkatalog dem Hipparch zuschreibt. 
3) Die katasterismen nennen (Robert p. 134 sq.) den Hipparch; 
Robert sieht hier wieder die hand des interpolators ; Maaß aber 
den irrthum des compilators selbst, der den Hipparch vor Era- 
tosthenes setzte; die worte des Aratscholiasten Niketas (ad. v. 83) 
Elööhcp 8f xat ln7iUQ%cp aQ%aioz8QOtg ovaiv Aoäxov bilden hierzu 
ein analogon. 4) die Stellung des gestirns 'Eyyovaaw bei Aratus 
hatte Attalus sonderbar interpretiert (Petav. Uranol. p. 181 sq.); 
daß ihm nicht bloß Hyginus, sondern auch unser compilator 
(Robert p. 64) folgte , lehrt ein vergleich beider stellen ; auch 
der vergleich von Arat. 63 sq. mit Robert p. 64 macht die be- 



278 48. Eratosthenes. Nr. 5. 

nutzung eines commeutars wahrscheinlich. 5) Auch in den worten 
ta 5s fisTu ravza xrl. (Rohert p. 192) findet verf. die spur ei- 
nes commentars (vgl. Schol. Marc, ad Arat. v. 455). 6) An 
zwei stellen (Robert p. 120. 56) streicht Robert die erwähnung 
des Aratus , Maaß hält sie für worte eines commentators. 7) 
Auch die stelle über den widder, welcher ufxavQÖrsffog cpuipszai, 
die so nur im Aratus (215 sq.) wieder vorkommt, deutet auf be- 
nutzung eines Aratus-commentars. 8) Vergleicht man die stern- 
anzahl einzelner gestirne in den catasterismen mit der im Ovid 
und im Ptolemaeus , so erhellt , daß das original der catasteris- 
men nach Ovid und vor Ptolemaeus verfaßt ist. Es ergiebt 
sich sogar weiter das resultat: noch vor Hadrian! 9) Die ca- 
tasterismen beruhen also auf einem Aratus-commentar, der zuerst 
den sternkatalog und die astronomischen mythen vereinigte und 
zwischen Ovid 's und Hadrian's zeiten entstand. — IV.) Wie 
Leontios und Niketas (III, 9), so klagt auch der brief an Iu- 
lianos (cod. Marc. 476) über Verkehrtheit der commentatoren des 
Arat. Beispiel ist der scholiast zu v. 239 wie der biograph bei 
Westermann p. 59. Beide sind wohl derselbe. Er hieß (cod. 
Ambros. 263) Theo v. Alexandria, ist der verf. einer loyixi) 
scpodog und lebte im 4. saeculum n. Chr. Ihn hält Maaß für 
den verf. jenes briefes, den von ihm besonders getadelten gegner 
aber für den autor des commentars , aus dem die catasterismen 
stammen. Am Schluß handelt Maaß von Sporos (und Nicandros), 
der nicht ohne Wahrscheinlichkeit als dieser commentator ange- 
sehen werden kann. — Wir haben den inhalt dieser abhand- 
lung sehr genau angegeben , um dem leser den Scharfsinn und 
das Wissensmaterial, mit dem der verf. arbeitet, vor äugen zu 
führen. Im folgenden fassen wir uns kürzer. 

B. Zunächst handelt der Verfasser über die sage von 
der Erigone. I. In Hygins darstellung sind zwei verschiedene 
berichte verschmolzen, deren einer aus einer deutung der fixstern- 
bilder stammt, deren anderer aber die a'izia aller einzelnen züge 
der sage hervorhebt. II. Beide berichte lassen sich stückweise 
auch anderswärts nachweisen. Die Germanicus-scholien, des Am- 
pelius zweites capitel , Probus und scholien zu Vergil , Aelian, 
Apollodor werden vorgeführt. Ebenso das scholion der Ilias 
(X, 29) und die catasterismi bei Cosmas. Der zweite bericht 
muß der eines alexandrinischen , den Römern wohlbekannten 



Nr. 5. 49. Aischylos. 279 

dichters sein. Dieser lebte vor Hegesianax. Es war Eratosthenes ! 
III. Wahrscheinlich ist, Hegesianax sei der redacteur der Era- 
tosthenischen Erigone. — Sodann wird im Zusammenhang der 
inhalt der 'Hoiyönj des Eratothenes in allen ihren einzelnen zügen 
behandelt. 

C. Abdruck des unechten schriftchens 'lnnun%ov tzsqi räv 
dwdtxu ^wbicov aus dem codex Marcianus 303 s. XIV. 

Max C. P. Schmidt. 

49. Aeschyli fabulae IKETlAEZ XOH&OPOI in libro 

Mediceo mendose scriptae ex vv. dd. coniecturis emendatius editae 
cum scholiis Graecis et brevi adnotatione curante F. A. Paley. 
Cantabrigiae. Typis et sumptibus academicis. 1883. Xu.l35p. 8. 

Von einem manne wie Paley , der sich bereits ein halbes 
Jahrhundert mit der kritik und erklärung des Aeschylus be- 
schäftigt , wird man eine neue ausgäbe nicht ohne lebhaftes in- 
teresse in die hand nehmen. Wenn jemand etwa das vorurtheil 
hegen sollte , der Verfasser habe in den verschiedenen auflagen 
seiner gesammtausgabe des dichters — die vierte ist 1879 er- 
schienen — und in den ausgaben einzelner stücke hinreichend 
gelegenheit gehabt seine erfindungskraft zu erproben und müsse 
dieselbe wohl ziemlich erschöpft haben , so wird er durch die 
neue ausgäbe der Hiketiden und Choephoren eines besseren be- 
lehrt werden. Zu den alten conjecturen ist eine schöne reihe 
neuer gekommen , welche dem Scharfsinn und der geistesfrische 
des greisen gelehrten alle ehre machen. Er gibt sich der hoff- 
nung hin, die beiden stücke, die er wegen ihres hohen ethischen 
gehaltes vor den übrigen tragödien des dichters bevorzugt wis- 
sen möchte, in solcher form hergestellt zu haben, daß auch jün- 
geren die lektüre keine unüberwindlichen Schwierigkeiten biete 
und abgesehen von wenigen unheilbaren stellen alles wohl ver- 
ständlich sei. Besondere aufmerksamkeit hat er dabei den scho- 
lien des cod. Mediceus zugewandt, die er bereits in einer eigenen 
abhandlung zu emendieren, zu erläutern und für die feststellung 
des textes zu verwerthen gesucht hat, wozu hier für die beiden 
stücke manche nachtrage und berichtigungen gegeben werden. 

Hiermit haben wir die Vorzüge der anzuzeigenden schrift 
angedeutet. Wir wollen gleich einige Verbesserungen namhaft 
machen, welche uns besonderer beachtung werth erscheinen. Was 



280 49. Aischylos. Nr. 5. 

hat man nicht alles aufgeboten, um in Hik. 784 aqsvxtov 8' 
ovx.it av niXoi xsuq , xsXairc^Qtag 8s ndXXszai aov xagSia das 
prädikat zu dem Subjekt xiag passend zu machen und um 
die metrische härte in fiov xagSi'a zu beseitigen. Paley be- 
merkt einfach, daß nicht das prädikat, sondern das Subjekt 
verdorben sei. Da er niXoi uogog (oder yüfiog), xsXaivöigcov 
8s näXXszai aigaibv xiag schreiben will, so betrachtet er 
wohl xagSi'u als glossem zu xiag. Es kann aber wohl yä- 
fxog oder /xögog nicht das richtige wort sein, da es dann auch 
acf.vxro* heißen müßte. Das wort, welches durch eindrin- 
gen des glossems zu gründe gegangen, ließe sich nicht errathen, 
wenn es nicht gewisse ausdrücke des tragischen stils gäbe , die 
man nur nennen darf, um sie sofort als die richtigen zu fühlen. 
Ein solches wort ist hier xuxni, woran einmal schon Schütz ge- 
dacht hat. Im zweiten verse wird man nicht nur xagSia , son- 
dern auch (aov aus dem glossem abzuleiten haben. Das prono- 
men poss. wird in der poetischen spräche wieder durch eines je- 
ner stilwörter vertreten, welches uns die ähnliche stelle Cho. 410 
ninalrai, 8' avzi fiot qiiXov xiag an die hand giebt und welches 
bereits Schwerdt gefunden hat. Hiernach dürfte die ganze stelle 
so lauten: äqvxzov 8' ovxit'' av niXoi xaxov , xsXaiv6%g(ov 8s 
ndXXszai (fiXov '/.sag. In gleicher weise scheint es richtig, wenn 
der verf. Cho. 711 zd ngöocpoga als aus dem Schlüsse von 714 
herrührend ohne weiteres beseitigt und dafür ein nomen verlangt, 
von dem uaxgäg xeXev&ov abhängig wird. Freilich läßt sich 
hier das ausgefallene wort nicht mit einiger Sicherheit bestimmen ; 
xuzaazgoqijg , welches der verf. einsetzt, dürfte schwerlich das 
ursprüngliche sein, da der sinn mehr einen ausdruck wie pei- 
Xiypdzmv oder dtXxzrigia erfordert. Uebrigens hat schon Weil 
die stelle in ähnlicher weise {Idaifxa) zu heilen versucht. Eichtig 
sind die Verbesserungen im scholion zu Cho. 123 l8gvfisvog , zu 
414 dno aov. Ansprechend, wenn auch minder sicher, ist der 
Vorschlag, Hik. 760 f. dXX' 1 sazi <$i}nr) zig ' Xvxog xgsiaamv xv- 
vwv ' ßvßXov 8s xagnog o'tmoi' av xoazoi azd%vv zu lesen. Die 
vermuthung, daß ebd. 82 saztv xal noXifKp zsigofxivoig zu schrei- 
ben sei , wird nicht nur durch die responsion und das scholion 
zoig und noXifiov Tsigopivoig begünstigt, sondern auch durch den 
umstand, daß die in lyrischen partieen nicht beliebte krasis xdx 
beseitigt wird (vgl. meine Studien zu Aeschylus p. 10 f., wo 



Nr. 5. 49. Aischylos. 281 

ich die gleiche änderung empfohlen habe). Es scheint aber 
hm y.cu noXipov den vorzug zu verdienen, weil sich daraus die 
Überlieferung besser erklärt (i-OTtr xat yvyaai noXepov, reigofis- 
votg, ßcofto^ Qifui &Q*I$% vgl. das scholion xui zoig ix noXipov de 
tetQOfiiivoiii y.cu qtvyovaii' o pmptig dm to reo» 1 but(xovtov Gißag Qv/ja 
wtjg ßlnßtjc iotir). Auch ist es nicht ausgemacht, daß das scho- 
lion roTs vno noXifiov rsigofusvotg auf noXs/Jicp hinweist; es kann 
ebenso gut die erklärung von ix noXs'fiov zeigofisvoig sein. Die 
tilgung der worte y.ai ßovXag^og 12 unter der annähme, daß sie 
aus 970 stammen, kann richtig sein. Dagegen sieht t' ovoraQo- 
(isvai 11 nicht wie ein glossem aus, obwohl mit qievyofiev o'vtiv 
i(f aiftari dtjfÄTjXaaiav, a.XV avzoyetij tpv^avogiuv ydfjiov Aiyvnzov 
naiSmv uasßij ein tadelloser text hergestellt ist. Paley bemerkt : 
particula it post «ßeßij propter synapheam posita nullo modo ferri 
potest. Hermann wollte früher avioyetjj qv^uvogCa, so daß av- 
zoyerq uasßij ts ydfiov zu verbinden wäre , und dieser emenda- 
tion schließt sich Dindorf im lex. Aeschyl., neuerdings Kirchhoff 
an. Aber mit dem nackten tpv^avogfy gewinnen wir nur einen 
stilwidrigen ausdruck , während avzojsvijQ qiv^avngCa sich sofort 
als echt poetisch zu erkennen gibt. An der emendation von 
Bamberger avzaysvei (pv^avogt'a ist nichts auszusetzen, wenn 
man avtoysvsi q>v%aiOQia als selbständigen dativus causae be- 
trachtet und diesem onoza^o/isvat yiipov . . äaußi-j parallel stehen 
läßt. Daß zs die fünfte stelle einnimmt , kann kein bedenken 
erwecken, da die vier worte sich zu einem einzigen begriffe zu- 
sammenschließen. Es ist fast noch härter, wenn Prom 138, 
Eum. 291 ts an vierter stelle steht. — Die änderung von ai- 
ti'ag in alzCnt 235 scheint ansprechend , ist jedoch nicht durch- 
aus nothwendig. — Die sichersten emendationen sind die in den 
scholien zu Hik. 13 birsg, 505 nol- , 528 avTÖtv , 893 qyuyov, 
denn sie stehen bereits so in der Medic. handschrift. 

Wie gesagt also , findet sich manches schöne und gute in 
der neuen ausgäbe. Wir dürfen dieselbe billiger weise nur von 
diesem gesichtspunkte aus betrachten und müssen uns dankbar 
mit dem begnügen , was uns der das studium der tragiker so 
eifrig pflegende gelehrte neues bietet. Eine ausgäbe, welche in 
kritik und erklärung dem heutigen Standpunkt der Wissenschaft 
entspräche, welche leistete, was mit den vorhandenen hülfsmitteln 
geleistet werden kann, liegt nicht vor. 



282 49. Aischylos. Nr. 5. 

Von der Unsicherheit und unvollständigkeit der handschrift- 
lichen angaben und dem mangel einer neuen collation der scho- 
lien wollen wir nicht sprechen. Es lag einmal dieses dem plane 
des verf. fern. Nur hätte er, wenn er selbst sagt, daß die scho- 
lien von Dindorf non admodum accurate herausgegeben seien, sich 
von vornherein überzeugen müssen , daß seine bearbeitung der- 
selben eine sehr unsichere grundlage habe. Sehr häufig kann 
uns die auffassung der einzelnen stellen und des Zusammenhangs 
nicht befriedigen. Paley erwidert uns freilich : ao*t fih' Soxsitm 
tavt\ s(xo\ Ss ffuTega. Allein nicht immer ist ein solcher ein- 
wand berechtigt und über viele dinge werden kenner im reinen 
sein, über welche diejenigen, denen genauere kenntnis oder rich- 
tiges Verständnis abgeht, hin und her disputieren. Wenn Paley 
Hik. 319 iov navaöcfov rvv 'oropia xovzov fioi qgäaov in den 
text setzt, so braucht man nur an das Porson'sche gesetz zu er- 
innern und aller disput über diese verschlimmbesserung, die 
übrigens nicht einmal die ehre hat neu zu sein , ist zu ende. 
In 251 verschmäht Paley die emendation Tlelaayng, weil der 
könig an keiner stelle mit Uslaayog , sondern nur mit ßaadevg 
angeredet werde. Er bemerkt: haec autem dicit: ego qui Pelasgis 
praesum, ab iis nomen habeo. Aber in s'juoü 5' aiaxtog evloycog 
inoawfiov yivog fltlaoymv ist doch deutlich das umgekehrte aus- 
gesprochen. Wenn ebd. 271 fyco-v llv J/<5// geschrieben und 246 
— 49 dem Danaos gegeben werden, so daß 274 der chor statt 
des angeredeten und zur antwort aufgeforderten Danaos das wort 
ergreift, so widerspricht das allem brauche der griechischen tra- 
gödie. Ebd. 316 schreibt Paley Aißvrjg (liytatov yiqg nedov xag- 
noifievog und macht den Belos zum söhne der Io. Wer soll 
denn der vater des Belos sein? Daß Aeschylos der gewöhnli- 
chen sage, nach welcher Libye die tochter des Epaphos ist, 
folgt, zeigt der vers des Prom. 774 rgitog ye ysvvav nötig 8sx 
,al\aiaiv yoialg (vgl. dazu das scholion) und noch deutlicher 853 
nsfimr] ö' an avrov yivva nevrt]xoi7cinaig (1. Epaphos. 2. Libye. 
3. Belos. 4. Danaos. 5. Danaiden). Die ergänzung yijg n?.8ov 
hat vor Paley schon Kruse, vor Kruse schon Burges gemacht. 
Cho. 4 wird xrjQvaaav geschrieben mit beziehung auf Hermes 
und mit der ergänzung des folgenden verses tag ipag tt'iag 
■tilgt. Aber Hermes befindet sich doch nicht rvf/ßov in i>i&ap 
zepft?. Ebd. 224 setzt Paley oag £>v 'ÖQsaxijg xavtd pe noocwiiincig 



Nr 5. 49. Aischylos. 283 

in den text und giebt die erklärung „istis verhis ex persona Ore- 
stis me alloqueris. Imo ipsum Orestem vides , quamvis tarde agno- 
veris". Wenn man auch von der bedenklichen Verlängerung von 
pe absieht, so läßt sich schon daraus, daß nunmehr altöv sich 
auf das vorhergehende bezieht , während es augenscheinlich in 
gegensatz zu dem folgenden steht, die Unrichtigkeit jener ände- 
rung erweisen. Orestes sagt: „gewiß und da du mich selber 
siehst , willst du mich nicht kennen , während du vorher beim 
anblick der bloßen haarlocke und der fußspuren vor freude die 
fassung verlorst". Elektra muß also vorher gesagt haben : „da- 
mit willst du sagen, daß du Orestes seist, und als solchen soll 
ich dich begrüßen?" Das von Arnaud vermuthete wg ovt'' 'Oot- 
Gir^r züot g lya> ngoatweaeo; gibt den richtigen sinn, hat aber 
keinen guten rhythmus. Drum wird die — unbekannt geblie- 
bene — änderung von Francken znvd 1 iya> nooaavvinco; das 
richtige treffen. Die erklärung zu ebd. 331 „iustus luctus ob pa- 
rentes occisos haud parce excitatus totam rem exquirit, non sinit la- 
tere facinus" verräth eine vollständige verkennung des Zusam- 
menhangs. Orestes zweifelt, ob sein ruf vom vater gehört werde. 
Der chor tröstet ihn : ,,der geist des todten wird nicht mitver- 
brannt. Ein aufrichtiger , kräftiger jammerruf weiß ihn auch 
jenseit des Scheiterhaufens zu finden". Die stelle ist längst von 
Grotefend emendiert; nur ist die emendation von niemanden ge- 
kannt oder gewürdigt worden: narsocav 8i nett To.v.tvxwv yöog 
ei&txng ftarsvei (seil, avrovg oder ro qoöitjuc avzwr) ro nav xre. 
Daß Tuy.ttrcüv in t«xojtcoj und in folge davon 8s -au) in is xal 
überging, ist sehr begreiflich. Zu raxirzwi- (von der verzehrung 
durch den Scheiterhaufen) vgl. Eur. Hik. 1140 ai&rjQ sx^i viv 
7}8t] nvoi-g TkTaxöz«. anodrx). Ebd. 411 wird •/ßnvaav für y.lvov- 
aar eingesetzt und damit der augenscheinliche Zusammenhang 
zerstört („wenn ich deine — des Orestes, nicht der Elektra — 
worte höre, werde ich muthlos ; wenn ich dich aber in deiner 
kraft sehe, kehrt die hoffnung zurück"). Ebenso sind die fol- 
genden verse mißverstanden. Doch wir würden zu weitläufig 
werden, wenn wir alle stellen, an denen wir dem verf. entschie- 
den widersprechen müssen, darlegen wollten. 

Daß man bei einer richtigen beurtheilung der handschrift- 
lichen Überlieferung zu manchen anderen ergebnissen kommt als 
der verf. , dürfte sich am besten an Cho. 474 zeigen lassen. 



284 49. Aischylos. Nr. 5. 

Paley bemerkt: diw-Asiv sga pro alcapiai uigtit optime Hermannus. 
egn invenisse Schol. certum est. „Solum horum malorum remedium 
est, sibi ipsis fidere liberos". Wer sieht nicht, daß, was Klausen 
gefunden hat, tV toftur sgiv die handschriftliche lesart ist und 
den besten sinn giebt? Zu Hik. 323, wo der verf. mit Victorius 
ävoTTJfifig setzt, wird angemerkt: urarqaag M. „Fac ut erigas" 
dictum ut Eum. 769 JiQa^o/xev äg Kitoiöi fisrnfisXy »t'toj . ärTrj- 
oag Hermann. Aber der Mediceus hat nicht bloß avarijoag, sondern 
auch avrtfaag und wer einiges Verständnis für die handschrift- 
liche Überlieferung, einiges Verständnis auch für den sinn hat, 
der muß «vT?jaag aufnehmen, für den gibt es keine wähl und 
keinen zweifei. Ebd. 341 lesen wir: uigaa&ai i. e. agaadm M, 
sed a'i'geo&ai inf. 439. Wenn man weiß, wie die abschreiber 
sich an der langen ersten silbe in agaadai immer gestoßen ha- 
ben, wird man an der ersten stelle agaadai als das ursprüng- 
liche betrachten und eher geneigt sein, auch die zweite darnach 
zu corrigieren. Zu 950 ist nichts notiert, sondern ohne weiteres 
die Verbesserung Porsons uigeadai in den text gesetzt. Die 
Schreibung des Mediceus egiatJt corr. in tgstofte weist auf dgelaftai 
hin und damit erweist sich die treffliche emendation von Cobet, 
die den neueren herausgebern natürlich unbekannt geblieben ist, 
iotypsv rjdt] nöktfiov agtlaQai viov als sicher. Auf die ähnliche 
stelle Suppl. 909 sl^eiv ioitf v^äg verweist Paley zu Cho. 730 
soixev avqg u %?,vog tev%siv xaxov , um dort seine änderung rev- 
%siv zu rechtfertigen , ohne zu beachten , daß die beiden stellen 
keine ähnlichkeit haben und der chor hier von der Vergangen- 
heit spricht, wie es der scholiast richtig erklärt: aii\ tob ne- 
ttoitjxtvai nsvQog 7w o'i'x(p 8ia v/jg äyytliag. Merkwürdig, daß 
der verf., der sonst so viel auf die scholien giebt, oft an stellen, 
wo die scholien gerade besondere beachtung verdienen, sie bei 
seite liegen läßt. Das scholion zu Cho. 366 Xsinei ro wcpsiXfg be- 
weist doch sicher, daß der scholiast das zuerst von Tafel herge- 
stellte ts&äqid-ai, nicht das überlieferte is&axfjai gelesen hat. 
Paley schreibt tiißaipo, wie schon von Martin vorgeschlagen wor- 
den ist, und muß deshalb auch nachher xravoniei; vtv in ura- 
vövttg ö' verwandeln, obwohl, wie er selbst bemerkt, auch der 
scholiast tiv vorgefunden hat. Methodisch dürfte ein solches 
verfahren nicht heißen. Es ist einfach, wie schon andere gesehen 



Nr. 5. 49. AischyloB. 285 

haben, ndtzq 364 in narr/Q zu ändern. Im übrigen vgl. meine 
Studien zu Aeschylus p. 18. 

Ein richtiger herausgeber muß dasjenige, was andere ge- 
leistet haben, kennen und richtig zu beurtheilen wissen. Daß 
die mangelhafte kenntnis der litteratur bei den angaben der Ur- 
heber der einzelnen emendationen und conjecturen zahlreiche Un- 
richtigkeiten verschuldet hat, will ich weniger in anschlag brin- 
gen. Davon ist keine der neueren ausgaben frei, selbst die aus- 
gäbe von Hermann nicht. Ein größerer nachtheil ist es schon, 
wenn dem herausgeber treffliche emendationen ganz unbekannt 
bleiben. Hik. 79 hat Härtung nag? in tieq emendiert: damit 
ist die ganze stelle, die mit so vielen conjecturen heimgesucht 
worden ist , hergestellt : xIvet ev io dixatov idövreg , )} xoi frt/ 
teXeov 86vi£Q ?xeiv tteq aloav , vßoiv ö' irvfiwg arvyoi'Tsg nilon'' 
uv evdixot ydpoig, „höret und sehet, fleht der chor zu den göttern, 
das rechte oder wenn ihr, wenn es auch unser recht ist, doch 
es uns nicht gewähren wollt, so fasset doch wahren abscheu (das 
handschriftliche aivyövreg ist richtig) gegen übermuth, dann wer- 
det ihr unsrer ehe gerechtigkeit widerfahren lassen", also „wenn 
ihr auch nicht das recht schützet, wenn ihr nur den übermuth 
gehörig hasset, so genügt es uns". Ebd. 386 muß die emenda- 
tion von Burges dvonaQa&eXxrovg nothwendig in den text ge- 
setzt werden Paley hat das, man darf wohl sagen, sinnlose 
övanaQa&Elxrog aufgenommen. Ebd. 718 dyav no.Xäg xXvovaa 
tdcig dv ov cpili] hat man alles mögliche versucht. Paley be- 
merkt: versum (schol.) sie legebat: dyav naXöög • xXvovaa d' mg 
äv ov cpiXrj. Der scholiast las nichts anderes als was wir in den 
handschriften haben. Das richtige xXiovaa yXäaaav ov cpiXtjv 
ist längst hergestellt und damit ein trefflicher, echt aesehyleischer 
ausdruck wiedergewonnen. Wenn jemand an der kurzen letzten 
silbe in xXvovoa vor yX anstoß nimmt, so ist auf Pers. 591 und 
Ag. 1629, auch Frg. 165 Dind. zu verweisen. Cho. 704 hat 
Paley ö' nach nobg Övaosßslag eingesetzt. Heimsöth hat erkannt, 
daß vielmehr ngog d' evoeßsiag das richtige ist. Doch genug! 
Es wird zugegeben werden müssen, daß wer solche emendationen 
nicht kennt oder nicht zu würdigen versteht, seine pflicht als 
herausgeber nicht erfüllt. 

Ueber die bearbeitung der scholien, das verdienstliche und 
das mangelhafte derselben, haben wir bereits bei der besprechung 
Philol. Anz. XIV. 20 



286 49. Aischylos. Nr. 5. 

des oben berührten commentarius in scholia Aeschyli Medicea im 
Philol. anz. XII, p. 808 ff. unsere ansieht geäußert. Wir wollen hier 
nur einige punkte berühren, welche in der vorliegenden ausgäbe 
besonders hervortreten. Manchmal werden die scholien arg miß- 
verstanden. Man könnte das mißverstand nis kaum begreifen, 
wenn man nicht annehmen müßte, daß gerade das streben, die- 
selben zu emendieren und recht gründlich zu erklären, befangen 
gemacht habe. Zu Hik. 299 ßovv Ttjv yvvaix s&qxsv 'Agysia 
■&eog lautet das scholion : ztjv 8ia zr\v yevofisvijv vnb Aiog [xsza- 
ftogqiwGiv zrjg 'loiig zfj &eä ngoaijxpsv. Deutlich will der scho- 
liast sagen, daß die Verwandlung, die gewöhnlich von Zeus aus- 
geht und nur um der Hera willen geschieht, hier der Hera 
beigelegt werde. Der fehler des textes ist deutlich : Abresch 
wollte 8iä 7Tji> "Hgav schreiben: einfacher hat Chatelain (oder 
Graux) Siot zip in öt' avzr\v verbessert. Der Med. hat TiQoarjipsv, 
Dindorf hat ngoa^xpag , weil Dübner die abkürzung unrichtig 
gelesen , aber man hat längst das richtige durch conjeetur her- 
gestellt. Paley trennt das scholion in zwei theile: zfj 9tä ngoo- 
rjtyag soll in wenig verständlicher weise erklärung zu avyxö Xkcog 
sXs^ag 310 sein, welchen vers Paley nach 295 einsetzt, 8ia zr\v 
ysvofjtst'tjv vnb Awg [AEtafxÖQCpcßatv tijg 'luvg soll zu Svanoz^m 306 
gehören. In der Versetzung der scholien ist überhaupt Paley 
sehr willkürlich. Zu 351 giebt Dindorf das scholion yij zov 
ogovg. Es liegt nahe an zfj zov ogovg zu denken und so die 
passende erklärung zu aXxä darin zu finden. Man hat bereits 
so emendiert und die handschrift giebt selbst so. Paley will 
das scholion zu yä ßovvi 776 setzen. Cho. 55 öY mzav wird 
von dem scholiasten erklärt (pilovvzsg yag avzbv ov8s axoveiv 
Tjvsixovzo Y.m avzov. So, nicht avzär hat die handschrift. Dar- 
nach mag Paley ermessen, wie ungeeignet seine änderungen ov- 
8ev und 8i avzcov sind. Das scholion zu 126 vvv yag im- 
axonovg ist Paley mit recht unverständlich ; aber in der hand- 
schrift steht die abkürzung, welche auch zi bedeuten kann: vvv 
zC inioxunovg. Das scholion zu 155 wird nach dem vorgange 
von Davies in verschiedene theile auseinandergerissen. Aber 
der scholiast will, wie er mit za i^ijg anzeigt, die construetion 
und Zusammengehörigkeit der worte angeben und der Zwischen- 
satz zo 8dxgv yag untvxzbv ayog thiev soll nur erklären, warum 
er ayog ariev%eTow als nähere bestimmung zu 8äxgv gesetzt hat. 



Nr. 5. 49. Aischylos. 287 

Zu 262 y.6(iit,e heist das scholion: xa#' savtöv , ävz\ tov acü^e 
tjfiäg. Augenscheinlicli ist x«#' savzo zu schreiben, womit der 
absolute gebrauch von xöfxt^s bezeichnet wird. Paley nimmt 
xa#' eavzov zu sjfoig uv 259 , möchte aber dafür aaroc. aeuvzov 
schreiben. Alles mögliche wird mit dem scholion zu 275 ?} i/ut 
fyjfiiav (xsfxqto^Evog (Bamberger richtig [xEfA,q>6fjisvov) rj AiyiG&ov 
tov fjiTj ^tjfXKü&e'vTa noivyv ini 7<jj q,6vq> iov TzazQog versucht. 
Der scholiast ist sich nicht klar, ob uno^Q- ^üaig tavQov- 
(xsrov zu dem Subjekt von avzanoxzeivai , nämlich i/*i, oder zu 
dem objekt davou, diyic&ov, gehört. Eigenthümlich nimmt sich 
die erläuterung zu scrco und t^co 332, 334, 345, 355 aus : clara 
vel suppressa voce haec dicta fuisse tradit , wenn man weiß , was 
Heimsöth darin erkannt hat : dialij sgw vsvsvaviu. Zu 699 heißt 
das scholion, welches das lemma slnig nicht hat, rd^ov avztjv 
uqiario&siGuv uyä ' äg noog zo ilntg d' utzeÖcoxev. Paley bringt 
darüber ganz merkwürdige ansichten vor, wie daß zä^ov ordina, 
also so viel als to s^g bedeute. Der scholiast will offenbar sagen : 
„betrachte ihn (den Orestes) als verschwunden : der dichter hat 
aber das verbum mit (dem prädikat von Orestes) iXmg congruieren 
lassen". Nothwendig ist also zü^ov avzov a(favi6&evza zu schrei- 
ben. Solche emendationen aus dem sinne des scholiasten selbst 
heraus sind gerechtfertigt. Wenn man dagegen die emendationen 
des textes ohne weiteres auf die scholien überträgt oder die scho- 
lien kurzweg corrigiert, so wird man oft entweder den scholien 
ein anderes gewand geben, als sie ursprünglich hatten, oder ge- 
rade das zerstören, was man gutes an den scholien hat, finger- 
zeige besserer Überlieferung. Auch ist es nicht methodisch, wenn 
z. b. Paley Hik. 1045 im scholion oze für ozi setzt und daraus 
eine emendation des textes, ottoY für ti noz\ folgert. Text und 
scholion sind richtig verstanden ganz in Ordnung : „ich fürchte 
schlimmes ; warum auch haben sie glückliche fahrt erlangt, (wenn 
sie ihren zweck nicht erreichen sollen") ? Der scholiast sagt : 
„ich fürchte, weil sie guten fahrwind erlangt haben, daß sie auch 
ihre absieht wegen der ehe durchführen". Endlich hat Paley 
in den scholien alle möglichen vom text abweichenden lesarten 
gefunden, von denen gewöhnlich keine spur vorhanden ist. Er 
ist in betreff dessen sehr im irrthum befangen : die scholiasten 
haben meistentheils, seltene fälle ausgenommen, keine andere les- 
art als die in der handschrift vorliegende vor sich gehabt. Zu 

20* 



288 50. Aristophanes. Nr. 5. 

Cho. 202 vaviiXcov öintjv wird über das scholion bemerkt : videtur 
invenisse diny, non Slxtjv. Sicher; denn das gibt der scholiast 
ausdrücklich an. So hat aber auch die handschrift. Das scho- 
lion zu 279 soll etwa auf eine lesart wie zoig (xsv yag ix yijg, 
(iij 'xdixi/oavzag qiövov , Xtfiov nolizaig eins zurückgehen. Das 
scholion hat Xoifxä^eiv, nicht Xiixcö^aiv und r der scholiast hat höch- 
stens für ßgozoig , wie schon andere bemerkt haben , eine ver- 
schiedene lesart gehabt dozoig oder vielleicht ezaig. Ganz un- 
begreifliche dinge werden über 798 vorgebracht. Der scholiast 
will 801 mit rjnoxEhs xal öioixeize nichts anderes erklären als 
vofilt~eze, wie schon der zusatz diontshs zeigt, Paley hat für tjvio- 
%üt£ felicissimam Coningtoni coniecturam ivoixslze aufgenommen 
und ii'OiXEirs soll die erklärung von ivl^ezs sein., Die scholien 
zu 841 ff. werden als pessime in editionibus ordinata bezeichnet. 
Paley verfährt sehr willkürlich damit und entnimmt nicht nur, 
was schon andere gethan haben, aus mg inl (xaiaigag die Va- 
riante zs&j]y[ierq> (für dsdijyn^rcp) , sondern auch aus deifAviljazo^ 
eine zweite fisfiv^^vq), ferner aus iv yag zoig &gqvoig afxvacovoiv 
avzäv zd azrj&rj die lesart alfiazovfiEvoi luyoi für dsipazovfisvoi 
Xöyoi (845). Das scholion zu 841 vnovXtog zavzd qirjai , womit 
die trauer des Aegisthos über den tod des Orestes als heuchelei 
bezeichnet werden soll, wird zu einem theil des scholions zu 842 
genommen und soll den sinn haben : haec ex imagine cicatricis 
dicit. Allerdings ist ein fehler in dem scholion zu 843 : cog 
inl fia^aigag . ov nagaxaXvqi&tvzi , dXX' 1 aeifivrjozq) ' iv ydg zoig 
&orjvoig äfAvaaovaiv avzmv za czrj&i]. Offenbar liegen zwei scho- 
lien vor; das erste erklärt TE&tiyixircp , das zweite iXxaivovzi xal 
Ö£drjyn£i>a>. In dem zweiten ist a£i[xvrjozq> und der Zusammen- 
hang unverständlich. Sobald man aber detfiv^azcp in äfivxzm 
verbessert, ist alles klar. 

Die glänzende ausstattung des buchs macht den Syndics of 
the Cambridge üniversity Preß alle ehre. WecMein. 

50. Henry Dunbar, a complete concordance to the co- 
medies and fragments of Aristophanes. Oxford at the Clarendon 
Preß 1883. 4. IV, 342 p. 21 mk. 

An dem vorliegenden stattlichen bände ist die ausstattung, 
der klare , übersichtliche , wenn auch etwas kleine druck , ohne 
jeden zweifei zu loben; sie macht der oxforder Clarendon preß 



Nr. 5. 50. Aristophanes. 289 

alle ehre. Nicht so steht es mit dem inhalt. Ein gutes wissen- 
schaftlich gearbeitetes Aristophanes-lexikon ist ein bedürfnis, aber 
auch schon eine concordanz, die nach den wenigstens in Deutsch- 
land eingebürgerten principien bearbeitet wäre, würde willkommen 
gewesen sein. Bruder's concordanz zum Neuen testamente oder Bind- 
seil's Pindar-concordanz hätten geeignete muster abgeben können. 

Was professor Geddes zu Edinburgh aus des Verfassers 
nachlaß uns hier vorlegt , befriedigt unsere wünsche nur in ge- 
ringem maße. Fleiß kann dem werke nicht abgesprochen wer- 
den , aber es war ein stupider , unfruchtbarer fleiß , der dieses 
buch schuf. Das ganze scheint auf ziemlich rohe und rein äu- 
ßerliche weise angefertigt zu sein. Wie aus dem vorwort her- 
vorgeht, hat der Verfasser den drang in sich gefühlt, der clas- 
sischen philologie durch seine arbeit nützen zu wollen, und hat 
prof. Geddes wegen einer zu bearbeitenden homerischen gram- 
matik um rath gefragt. Dieser fand nach der skizze und den 
proben , daß Dunbar einer solchen aufgäbe durchaus nicht ge- 
wachsen sei , rieth ihm mithin ab , und empfahl ihm eventuell 
eine Homerconcordanz zu bearbeiten ; Dunbar stellte sie zur 
Odyssee fertig, vgl. Philol. anz. XI, p. 6, und die Delegates 
der Clarendon preß ließen sie drucken. Gesehen hat ref. diese 
nicht. Danach empfahl Geddes dem wiederum um anweisung 
bittenden Verfasser eine Aristophanes-concordanz und sie liegt 
uns jetzt vor , zugleich bat er um weitere aufgaben : Ovid und 
die elegischen dichter Roms waren in arbeit, als der verf. starb. 

Diese concordanzen scheinen nur mit der scheere gearbeitet 
zu sein. Eine genügende anzahl exemplare der zu gründe ge- 
legten ausgäbe wurden versweise nach bezeichnung des Stich- 
worts und des citats zerschnitten , alphabetisch geordnet und so 
gedruckt ; bei den häufig vorkommenden Wörtern wie dem arti- 
kel, pronomen , praepositionen , coniunctionen , adverbien, inter- 
jectionen , verbum sl/il etc. begnügte sich der Verfasser nur die 
ersten stellen (aus den Acharnernj anzuführen. Eine spur gei- 
stiger thätigkeit des Verfassers findet sich nicht. 

Stichworte sind mithin immer die jedesmaligen formen , in 
denen die Wörter zufällig erscheinen , sie sind in fetten lettern 
gesetzt , als belegsteile dient immer der ganze vers , in dem sie 
vorkommen, unbekümmert um den Zusammenhang. Verweise auf 
nebenfbrmen, auf die nominativform bei nominibus, auf die prä- 



290 50, Aristophanes. Nr. 5. 

sensform (1 sing., ind., praes., act.) bei verben fehlen völlig. — 
Innerhalb dieser angegebenen grenzen scheint die concordanz, 
wie Stichproben mehrerer abschnitte ergaben, äußerst vollständig 
zu sein, um so mehr wäre es zu wünschen gewesen, daß die 
anordnung des ganzen die brauchbarkeit zur benutzung geschaf- 
fen hätte, die jetzt fehlt. 

Zu gründe gelegt hat der verf. die Dindorf'sche Oxforder 
Aristophanesausgabe vom jähre 1835 und die Meineke'sche frag- 
mentsammlung (Berlin 1840). Die Clarendon preß hat wohl die 
erwünschte zahl von exemplaren dem verf. zur Verfügung ge- 
stellt. Andere ausgaben sind nicht berücksichtigt, auch die les- 
arten der handschriften vor allem des Eavennas sind nicht ver- 
merkt, geschweige denn die resultate der wissenschaftlichen 
kritik. 

Die anordnung mußte darauf ausgehen, sowohl alle formen 
vor äugen zu führen, als andererseits die leichte auffindung 
sämmtlicher im dichter vorkommenden beispiele eines jeden Wor- 
tes zu ermöglichen. Entweder waren mithin die zahlreichen for- 
men der flectirten Wörter unter einer grundform zu vereinigen, 
als welche für die nomina längst der nominativ singularis (even- 
tuell des männlichen geschlechts) für die verba die erste person sing, 
indic. , praes. , activ. in den lexicis üblich geworden ist , oder 
unter dieser war auf die einzelformen zu verweisen. Auch pa- 
rallelformen (sx — ii), dialektische formen mußten vielleicht durch 
ein confer zu einander in beziehung gesetzt werden. 

Bei dem äußerlichen verfahren Dunbar's dürfte es dem be- 
nutzer wohl schwer werden , ohne wieder die ganze concordanz 
oder dann besser gleich den Aristophanes selbst durchzulesen, 
mit Sicherheit alle stellen, an welchen z. b. das verbum axafivX- 
Ieiv vorkommt, aufzufinden, unter v. dürfte er doch wohl nur 
zufällig Kaarmfivläptrjv und xäoKonvlvtzo finden, man vergleiche 
formen wie ojv&oojcp' und tav&QCAnov , ana&ov , 'xvvev, 'xcpdyrjg, 
ötönV, aov^rjQ^aaro, 'an, '<7#', 'gsig u.s.w. , auf die man keines- 
wegs unter av&gconog u.s.w. eine Verweisung findet. 

Daß andererseits dsdiaai, und dsdi'ccv'fv (mit folgender encli- 
tica) als besondere artikel sorgfältigst getrennt sind, entschädigt 
uns wohl kaum dafür. 

Ein anderes hauptziel der concordanzen ist bei des verf. 
verfahren ebenfalls nur höchst mangelhaft erreicht worden, näm- 



Nr. 5. 51. Lucilius. 291 

lieb die Möglichkeit einer vergleichung des siuues der einzelnen 
gebrauchsfälle. Dunbar fiibrt ja zwar immer den ganzen vers 
als beleg des wortes an, aber vollständig obne rücksicht auf den 
gedankenzusammenhang — auch Bindseil bat hierauf in seiner 
Pindarconcordanz nicht genug gewicht gelegt , wohl dagegen 
Bruder beim Neuen testament — , so daß häufig für die erkennt- 
niß der bedeutung eines wortes das citat vollkommen nutzlos ist. 
Z. b. : s.v. xä^aaatcofisvog : 'Mjinslg) 1117 osig y.. wo niebt ein- 
mal , daß - osig zu %aiQ£tg vervollständigt ist , ebenso unter !j£- 
&Qoig: A. 802 yög (d. i. fxeXafijiv-yöi;) is roTg sx&ootg änaaiv. 
u. s. w. 

Wie wenig ferner die auslassung der partikeln zu billigen 
ist , ist zwar bei dem worte xai nicht gleich ersichtlich , wohl 
aber bei der Wichtigkeit einer großen anzahl von coniunetionen 
und der präpositionen sofort deutlich. Hierin steht Dunbar's 
concordanz dem Caravellaschen Index Aristophanicus weit nach, 
der selbst bei -ax) sich kein passim erlaubt, sondern sämmtliche 
stellen der Küster'schen ausgäbe getreulich citirt. Im übrigen 
hat auch dieser freilich dieselbe mangelhafte anordnung , zudem 
sind die fragmente nicht berücksichtigt. 

Daß man von den vielen notizen, wie sie Bruder in seiner 
concordanz noch anzubringen verstanden hat, die die bedeutung 
der Wörter , ihre formelhaften Verbindungen erläutern , hand- 
schriften- und ausgabenvarianten , spätere citate , scholien- und 
lexikographenerklärungen angeben , wird man nach dem bisher 
gesagten bei Dunbar nicht weiter erwarten. 

Am meisten nutzen wird das buch für den, der ein wissen- 
schaftliches Aristophanes-lexikon bearbeiten will, als stellensamm- 
lung haben, zu der für partikeln, dpi etc. ergänzend Caravella's 
index tritt. Der heutigen Wissenschaft ist wenig damit gedient, 
und professor Geddes muß vorgehalten werden, daß er nicht 
in diesem sinne bei dem Verfasser eingewirkt hat, den Delegates 
of tbe Clarendon preß, daß sie ihre liberalität auf ein werk ver- 
wandten, dessen Zweckmäßigkeit sie nicht von competenten leuten 
feststellen ließen. K. B. 

51. Zur litteratur des Lucilius x ). I. De Lucili saturarum 

1) Da eine ursprünglich für den »Philologischen anzeiger« be- 
stimmte besprechung der beiden oben verzeichneten arbeiten zu lang 



292 51. Lucilius. Nr. 5. 

genere dicendi. Scripsit Maxim ilianus Kleinschmit. 
Marpurgi Cattorum. In aedibus N. G. Elwerti. 1883. VIII, 
135 p. 8. 2 mk. 80 pf. 

52. II. Studia Luciliana. Edidit Fridericus Marx. 
Bonnae, Typis Caroli Georgi. 1882. 102 p. 8. 2 mk. 

I. Die dissertation Kleinsehmit's, eine von der philosophi- 
schen facultät zu Marburg gekrönte preisaufgabe , behandelt in 
drei kapiteln die formenlehre, syntax und rhetorik des Lucilius. 
— Sie zeugt von guter Schulung, richtiger methode und ziem- 
licher belesenheit , so daß sie denen , die sich mit Lucilius be- 
schäftigen, empfohlen zu werden verdient. Hauptsächlich besteht 
ihr verdienst freilich in Zusammenstellung und gruppirung des 
Stoffs , doch mangelt es auch nicht an tüchtigen eigenen bemer- 
kungen, wie z. b. Kleinschmit zuerst darauf hinweist, daß die 
apocope des s bei Lucilius (gleiches gilt auch für Lucrez) vor- 
nehmlich im 5. fuß des hexameters ihren platz hat, außerdem 
fast nur im 1. resp. 2 (p. 5. 6). Offenbar ward schon zu des 
Satirikers zeiten jene abwerfung der sibila unbequem empfunden 
(seit Catull schwindet sie bekanntlich ganz aus der römischen 
poesie, Lucrez hat sie bereits nur selten), und deshalb be- 
schränkte man sie auf den 5. fuß, der fast ausnahmslos dakty- 
lisch ist, und den anfang des verses, der gleichfalls den daktylus 
vorzieht und auch sonst wegen seiner metrischen und rhythmi- 
schen besonderheiten für diese licenz besonders geeignet erscheint. 

Leider stehen den vorhin erwähnten Vorzügen der arbeit 
Kleinschmits eine anzahl mehr oder weniger grober irrungen 
und fehler gegenüber, die meist leicht vermieden werden konn- 
ten, wenn er seine schrift vor beginn des druckes noch einmal 
gründlich revidirt hätte. — So beruht es auf mißverständniß, 
wenn Kleinschmit p. 6 meint, Lucilius habe Mutiu 1 und publicanu' 
für Mutium und publicanum gesagt. Dergleichen findet sich nur 
in inschriften. — P. 17 durften beispiele wie verginis, verosam, 
vellis nicht mit nebenformen wie ni für ne y cuppedo für cupido, 

gerathen ist , so gebe ich an dieser stelle nur einen auszug jener re- 
censionen. Dieselbe ist als besonderes schriftchen unter dem titel 
,, Luciliana" bei Calvary u. comp, erschienen, hauptsächlich um dem 
mißbrauch zu steuern, der von mehreren gelehrten mit Lachmanns 
namen getrieben wird, da er, wie die dissertation von Marx, einem sonst 
zu guten hoffnungen berechtigenden anfänger, zeigt, bereits für die 
jugend schädliche fruchte trägt. 



Nr. 5. 52. Lucilius. 293 

derectus für directus zusammengestellt werden, da sie bekanntlich 
aus der abneigung des latein gegen die Verbindung von u (v) 
und i hervorgegangen sind. — Ebenso irrig wird p.34 fami in 
fami plenum als ablativ gefaßt statt als genitiv, wofür es auch 
Gellius hielt. — So ließe sich noch verschiedenes andere rügen. 

Das latein Kleinschmits ist im ganzen correct ; gröbere feh- 
ler finden sich nur vereinzelt. Doch erinnert dasselbe, wie meist 
bei Jüngern philologen — auch bei Marx — allzusehr an das 
notenlatein. Soviel die alten grammatiker sonst zu wünschen übrig 
lassen — hinsichtlich des Stils sollte man sie thunlichst nach- 
ahmen, wie dies z. b. kein geringerer als Lachmann im Lucrez 
gethan. — Stärkere d ruckfehler endlich sind bei Kleinschmit, 
wie bei Marx selten. 

Wir empfehlen schließlich nochmals die in rede stehende 
dissertation den freunden des Lucilius : nur muß sie überall mit 
vorsieht benutzt werden. 

II. Die arbeit Marx's zerfällt in folgende abschnitte : Critica et 
Hermeneutica ; de argumento libri I, II, XIII, XIV; Chronologie a ; 
de dedicatione librorum ad Stüonem quae falso sumitur. 

Sie zeigt von guter belesenheit , zumal in griechischen au- 
toren , auch von einem schönen talente , das freilich noch sehr 
der Schulung und reife bedarf. — Wie wenig dem Verfasser 
noch klar ist , was eine wissenschaftliche bearbeitnng von frag- 
menten bieten muß, zeigt schon der umstand, daß er von einer 
„ausgäbe" des Lucilius von Lachmann spricht und dieselbe an 
erster stelle citiert ! — Ebenso zeugt z. b. von unreife der me- 
thode die argumentatio ex silentio; infolge deren Marx statuirt, 
p. 92, daß Lucilius zwischen den jähren 126 — 119 keine Sa- 
tiren verfaßt habe und dies auf sehr seltsame weise damit mo- 
tivirt, daß er während dieser zeit mit den übrigen socii Latini 
nominis in folge der lex Iunia aus der Stadt verbannt gewesen 
sei. Als ob er nicht trotzdem und grade wegen der erlittenen 
kränkung — falls er nämlich wirklich nicht römischer bürger, 
sondern socius Latini nominis war und der bruder eines römischen 
Senators, der freund so vieler vornehmen sich diesem gesetz nicht 
entziehen konnte — in jenen sieben jähren Satiren hätte schrei- 
ben und publiciren können ! — Jeder weiß wie äußerst wenig 
sichere Zeitbestimmungen sich in dem 1. und 2. buche, auf de- 
ren vermeintlichen inhalt sich Marx stützt, sowie in den meisten 



294 52. Lucilius. Nr. 5. 

bruchstücken des Lucilius finden. Marx's annähme schwebt also 
ganz in der luft, ebenso wie die behauptung p. 93, daß Luci- 
lius die bücher I — XXI nach der chronologischen reihenfolge 
geordnet habe. — Man sehe cap. I der „Quaestiones Lucilianae" . — 
Ebenso ist durchaus unwahrscheinlich die ansieht p. 71, daß der 
Nomentanus nepos von Lucilius nicht erwähnt sei, wenn ich auch 
gern zugebe, daß über die richtige lesung des 4. fragments im 
II. buch zweifei bestehen können. Das zeugniß des Porphyrio 
zu Hör. Sat. I, 1 , 102, das sich schon durch fertur als wenig 
sicher ankündigt, kommt gegen die übrigen bei dieser frage den 
ausschlag gebenden momente nicht in betracht. Man sehe mei- 
nen commentar p. 296. 

Auch gröbere fehler finden sich hier und da, wenn auch 
seltener als bei Kleinschmit. — So wird p. 84 sit verlängert 
bei folgendem vocal und umgekehrt hoc verkürzt p. 6 flg. — 
Zur entschuldigung dafür heißt es ebendaselbst: quam audacter 
Lucilius vocales longas corripuerit, testatur — ,,ore corrupto" ado- 
nius. Offenbar hat Marx weder meine anmerkung noch auch 
nur die Worte des Consentius , der jenes fragment citirt , ange- 
sehen. — Marx hätte, deshalb wohl die dissertation Kleinschmits 
etwas minder scharf kritisiren dürfen als er neulich in den Göt- 
tinger gelehrten anzeigen (1883, p. 1246 flg.) gethan, da, wer 
in einem glashause sitzt, nicht mit steinen werfen soll. 

Dagegen ist lesenswerth, wenn auch nicht überzeugend, 
was Marx über die angebliche ursprüngliche dreitheilung . des 
corpus der Satiren p. 86 flg. sagt. Nach ihm bestanden buch 
I— XXI, XXII— XXV, XXVI— XXX in besonderen ausgaben. 
Man vergl. auch hier cap. I der „Quaestiones Lucilianae u . Viel 
besprochen sind die worte : has res ad te scriptas Lud misimus 
Aeli, die der Auct. ad Herenn. IV, 12, 18 als beispiel einer 
inconcinna verborum traiectio anführt und die handschriften dem 
Caelius (resp. Caecilius) zuweisen, während die gelehrten sie seit 
Cratander dem Lucilius zuschreiben. Marx sucht mit unleug- 
barer gewandtheit, unter berufung auf Cic. Or. 229, darzuthun, 
daß der historiker Caelius gemeint sei, der sein werk über den 
zweiten punischen krieg dem L. Aelius Stilo gewidmet habe. 
Er weist auch die jenem vers vorausgehenden worte in priore 
libro dem Caelius zu , nicht dem rhetor. Allein jene annähme 
ist ebenso unmöglich aus chronologischen gründen als weil sich 



Nr. 5, 53. M. Porcius Cato. 295 

bei solcher lesart ein passender sinn nicht gewinnen läßt. Man 
vergl. die trefflichen ausführungen W. Sieglins in der „Philolo- 
gischen Wochenschrift" von 1883, p. 1450 flg. 

Dagegen finden sich auch manche lobwürdige, wirklich för- 
dernde bemerkungen in Marx's arbeit. So z. b. stimmen wir 
gern bei, wenn er in dem verse (XXVII, 20): 

viginti domi an triginta an centum cibicidas alas 
mit Corpet unter cibicidas parasiten versteht und damit aizoxov- 
nog vergleicht. Bemerkenswerth ist auch was pg. 56 anm. über 
Inc. 114 concilio antiquo sapiens vir soln? fuisti beigebracht ist, 
wo vir in bezug auf einen gott durch Lucians urÖQzg Oeoi und 
die bezeichnung des Ianus bei Seneca apocolocynt. c. 9 als homo 
vafer gerechtfertigt wird , so daß die vermuthung van Heusdes, 
daß die stelle in das erste buch gehöre , wo sie vor oder nach 
I, 7 einzuschalten ist, nun nicht mehr beanstandet werden kann. 
— Ebenso verdient beachtung, was über die geschichtlichen be- 
züge verschiedener fragmente angemerkt ist, wenn auch die re- 
sultate oft zweifelhaft bleiben. — Die conjecturen Marx's sind 
meist wenig überzeugend, mit ausnähme des auf p. 26 flg. über 
XIX, 5 ; 4 gesagten. 

Wir empfehlen auch diese abhandlung den freunden des 
Lucilius , aber , wie die von Kleinschmit , zu vorsichtigem ge- 
brauch , um so mehr als der apodictische , allzu selbstbewußte 
ton unaufmerksamen lesern leicht imponirt. 

Schließlich sprechen wir die Überzeugung aus, daß die phi- 
lologische weit noch schönes von Marx gewärtigen darf, wenn 
er erst den geist durch kritische bearbeitung eines vollständig 
erhaltenen Schriftwerkes der klassischen weit gebildet hat; denn 
aus der behandlung von fragmenten kann ein anfänger nie me- 
thode lernen. — Außerdem hüte er sich vor den einflüssen der- 
jenigen, die es im vorliegenden fall verschuldet, daß er über die 
grundlagen der kritik seines autors im unklaren blieb. 

Lucian Müller. 

53. M. Porci Catonis de agri cultura liber, M. Terenti 
Varronis rerum rusticarum libri tres ex recensione H e n r i c i 
Keilii. Vol. I. Fase. I. Lipsiae in aedibus B. G. Teubneri. 
MDCCCLXXXII. 109 p. 8. 2 mk. 40 pf. 

54. H. Keilii de libris manu scriptis Catonis de agri 



296 53. M. Porcins Cato. Nr. 5. 

cultura disputatio. (Index schol. in univ. Halensi per aestatem 
a. MDCCCLXXXII habendarum.) XII p. 4. 

Im jähre 1880 fand H. Keils große Sammlung der lateini- 
schen grammatiker ihren abschluß ; schon 1882 erschien das 
erste heft der ausgäbe von Catos und Varros büchern über den 
landbau , welches das werk de agri cultura des Cato enthält. 
„Wie viel Catos schrift von der landwirthschaft von einer me- 
thodischen durcharbeitung noch zu erwarten habe , wird nie- 
mandem verborgen geblieben sein , der mit diesem seit Gesner 
und Schneider Saxo wenig gelesenen ältesten prosawerk der la- 
teinischen litteratur auch nur kurze bekanntschaft gemacht hat". 
So schrieb vor fast zwanzig jähren ein kenner wie H. Usener 
im Rhein, mus. XIX, 141. Wenn über eine solche nunmehr vor- 
liegende durcharbeitung in diesem anzeiger erst jetzt berichtet 
wird, so trägt nur der referent, wie er bekennen muß, an die- 
ser Verspätung die schuld. Zu spät kommt der bericht jedoch 
nicht, denn Keils arbeit ist nicht von vorübergehendem werthe. 
Ueber alle früheren ausgaben erhebt sich die neue durch die 
zum ersten male durchgeführte reconstruction des archetypus. 
Wie diese herstellung möglich sei, hat Keil in den 1849 er- 
schienenen Observationes criticae nachgewiesen. Als der gereifte 
forscher nach mehr als drei decennien zu der unterbrochenen 
bearbeitung der beiden ältesten Scriptores rei rusticae zurück- 
kehrte, fand er die damals gelegte grundlage so unerschüttert, 
daß sich darauf sicher weiter bauen ließ. Eine umfassende ab- 
handlung von Keil über die tradition und kritik des buches de 
agvi cultura wird erst nach der herausgäbe des zweiten, die bü- 
cher Varros verum vusticavum enthaltenden heftes erscheinen. Einst- 
weilen orientiert uns seine oben verzeichnete Disputatio. 

Seitdem in Gesners ausgäbe die von Politian aus einem 
florentiner Marcianus mitgetheilten lesarten veröffentlicht waren, 
ließ sich erkennen, wenn es auch nicht allgemein erkannt wor- 
den ist, daß die gesammte Überlieferung der Catonischen schrift 
auf jenem von Politian und bald auch von Victorius benutzten, 
dann verlorenen codex beruht. Ein sicheres urtheil über die 
autorität des codex und über die Zuverlässigkeit der aus dem- 
selben gemachten angaben ergibt sich aus dem vorhandenen ex- 
emplar der editio princeps , in welches Politian seine collation 
eingetragen hat. Keil reproduciert die hier niedergelegten les- 



Nr. 5. 53. M. Porcius Cato. 297 

arten des Marcianus vollständig. Wo Politian zur editio princeps 
nichts angemerkt hat, ist natürlich Übereinstimmung des codex 
mit dieser anzunehmen ; da aber der Schluß ex süentio nicht die 
gleiche Sicherheit bietet, wie Politians Variantenangaben , so hat 
Keil genau geschieden und die ausdrücklichen Zeugnisse mit P, 
die nicht berührten lesarten der editio princeps (Venetiis apud 
Nicolaum Iensonum 1471) mit V bezeichnet. Zur bestätigung die- 
nen die mit Vict. bezeichneten lesarten der ausgäbe von Victorius 
(Lugduni apud Gryphium 1541), welche sich in den vorhergegan- 
genen ausgaben nicht finden, und die in dessen Explicationes 
(1542) enthaltenen angaben über den auch von ihm gewürdigten 
Marcianus, welche zumeist in ihrem Wortlaut von Keil mitge- 
theilt werden. Noch wichtiger für die beglaubigung oder auch 
berichtigung der zwar im allgemeinen sorgfältigen, aber doch 
nicht bis in alle einzelheiten genauen collation Politians erwei- 
sen sich die erhaltenen abschriften des verlorenen Marcianus. 
Unter diesen steht an alter und Zuverlässigkeit der Parisinus 
6842 A voran. Dieser von Keil mit A bezeichnete codex, der 
dem 12. oder 13. Jahrhundert angehört, wurde schon von J. F. 
Gronovius verglichen und ist in Schneiders anmerkungen hie 
und da als Gronovianus erwähnt. Neben dem Marcianus hat 
sowohl Politian als Victorius einen zweiten codex benutzt, wel- 
chen Keil in dem Laurentianus 30, 10 des 14. Jahrhunderts 
wieder erkannt hat. Von den übrigen erhaltenen handschriften 
geht keine über das 15. Jahrhundert zurück; sie sind alle erst ge- 
fertigt, nachdem das gemeinsame original in die bibliothek des Mar- 
cusklosters in Florenz gekommen, einige, nachdem dasselbe schon 
verstümmelt war ; alle leiden an den bekannten fehlem der Itali 
jener zeit ; alle tragen , seien es directe oder indirecte copien, 
die spuren , daß ihre vorläge schwer lesbar , vielfach corrigiert, 
bisweilen auch mit Varianten ausgestattet war. Doch haben sie 
nicht geringen werth in fällen, wo die angäbe oder das schwei- 
gen Politians mit der lesart in A nicht übereinstimmt und ein 
weiteres kriterium darüber, was im archetypus stand, erwünscht 
sein muß. Drei von diesen jüngeren handschriften, Laurentianus 
51, 1 (f) und 51, 2 (b) und Caesenas (c) hat Keil ausgewählt 
und deren gemeinsame (R) oder einzelne Varianten , wenn auch 
nicht gleich vollständig wie die von A, mitgetheilt. Daß nicht 
auch aus dem bereits erwähnten Laur. 30, 10, der doch ein 



298 53. M. Porcius Cato. Nr. 5. 

höheres alter hat, fortlaufende angaben gemacht werden, erklärt 
sich aus dessen beschaffenheit. Der codex ist nach Keils andeu- 
tungen höchst nachlässig und fehlerhaft geschrieben ; und er 
zeigt so willkürliche änderungen des textes, daß man auf eine 
besondere Überlieferung schließen möchte, wenn nicht daneben 
untrügliche kennzeichen auf die abstammung von dem gemein- 
samen archetypus hinwiesen. Uebrigens werden gegen dreißig 
lesarten aus Laur. 30,10 angeführt; neun derselben sind in den 
text aufgenommen, nämlich 10, 3 VIII statt N. III; 19, 1 di- 
vidito statt divito; 19,2 conlibrato statt conlibato; 37,3 vitis statt 
viti; 37,5 ficulnea statt des vielleicht nicht verwerflichen ficulna; 
38, 4 coctos statt coactos; 83 idinunumvas statt idinumvas; 117 
quomodo statt quem oder que\ 122 capreidam statt cäpidam. An 
den übrigen stellen liegen bisweilen einfache lesefehler vor, wie 
11, 5; 21, 5; 132, 2; 141, 2; öfter vielleicht versuche, die 
fehlerhafte oder nicht verstandene vorläge zu berichtigen , wie 
14, 2 zweimal cellas statt seilas und telas; 14, 3 uti verba fiant 
statt uba uti fiat (d. h. üba uti fiat); 18, 9 coniungito statt corri- 
gito; 20, 2 tunicas statt cunicas; 22, 3 sumptui statt sumpti; 53 
comedant statt edunt; 68 scutellas statt scutulas; 156, 4 dormitum 
statt deoritum ; 157,11 miseri statt des räthselhaften umseri. Die 
lesarten 67, 2 neque aV. quid olei statt neque olei und wohl auch 
50, 2 ef ea loca statt des in ea loca zu ändernden ei loca schei- 
nen auf eine im original angemerkte Variante zu deuten, wovon 
sonst nichts überliefert ist. Aber genauer anschluß an den ar- 
chetypus zeigt sich : 52, 2 in scrobem ponito statt des notwen- 
digen in scrobe ponito; 57 congius , wo congios zu schreiben ist; 
vielleicht 157, 1 conmoetatque statt des erwarteten commutatque ; 
besonders 155, 1, wo vor puras aus dem in der rubrik vorher- 
gegangenen depellere fälschlich pellere wiederholt ist. Ausführ- 
lichere erörterungen über den archetypus dürfen von Keil er- 
wartet werden; inzwischen entnehmen wir aus dem kritischen 
apparat der ausgäbe, was uns eine Vorstellung von jenem zu 
geben geeignet ist. 

Den alterthümlichen charakter von Catos Schreibart hat der 
archetypus in der syntax und im stile gewahrt; so findet man 
finalen dativ , utor mit accusativ , Gyj]ixaja xa& } olov xal [iioo$, 
auch xarä avvsaiv , vorwiegen der asyndetischen parataxe , um- 
ständliche breite und wiederum harte ellipsen. Aber in den 



Nr. 5. 53. M. Porcina Cato. 299 

formen ist wenig archaisches ; es fehlen z. b. accusative auf eis, 
Superlative auf umus , infinitive auf ier. Alte verbalbildungen 
wie praefamino, prohibessis , servassis begegnen nur in bestimmten 
fcrmeln. Andere archaismen erscheinen meist neben den später 
üblichen formen , wie auch richtiges und irriges im archetypus 
neben einander stand, z. b. 18, 1 und 3 quadridis und quadrinis, 
25 falsch illius rei und 2Q richtig Uli rei. Häufig ist im anlaut 
die aspiration : harena, harundo, holus ; im inlaut unterbleibt sie 
oft : conea, orcites, spaerita, sulpur. Gerne wird assimiliert : coli., 
comm., comp., imm., imp., daneben aber auch inl. und inr. ; obmo- 
vere neben wiederholtem ommovere, wie conicito neben häufigem 
coicito. Der archetypus bot libet und lubet , polenta und pulenta, 
medipontos und melipontos, fidloniam und fullonicam ; neben plostrum 
ist zweimal plaustrum bezeugt, was Keil verwirft, während er 
einmal olivetum statt des regelmäßigen oletum aufgenommen hat; 
neben calidus , wie wohl auch 65, 2 zu schreiben ist, begegnet 
caldus , aber stets calfacere wie arfacere, inrigivus neben inriguus, 
zweimal ficulnus , was Keil verschmäht, neben ficulneus, statt co- 
quas häufig cocas, was Keil auch nicht zuläßt. Der Wechsel von 
aliud und aliut, uti und ut u. dgl. bedarf kaum der erwähnung. 
Neben quot ist mindestens fünfmal quod bezeugt , auch aliquod, 
quodannis , ferner adque , formen , denen Keil die aufnähme ver- 
sagt hat. Ob neben dem üblichen dolium das zweimal überlie- 
ferte doleum zu beachten wäre , ist zweifelhaft , obschon die en- 
dungen eus und ius oft variieren. Der archetypus variiert auch 
in donec und donicum, deorsum und deosum, schreibt aber stets susum. 
Es findet sich materia und materies, qualus (quasillus) und qualum, 
trapes und trapetus und trapetum, canalis als masculin und feminin, 
das neutrum caseum, die nominative daps, lade, vomeris, der ab- 
lativ vaso (vgl. Gell. NA. XIII, 24, 1), der genet. pluralis culleum 
von culleus, der &&t\v pigneri neben pignori, der accusativ febrim ne- 
ben dem ablativ febre, segete und segeti, parte und parti, der ab- 
lativ fini als feminin, 113, 2 mit einem genetiv, 28,2 (wie eine 
Präposition) mit dem ablativ verbunden , ferner boverum neben 
boum, der ablativ holeris neben holeribus, der genet. singularis fructi 
und sumpti, nach Keils herstellung das neutr. pluralis conpluria 
(vgl. Gell. V, 21, 6), das adverb puriter und neben raro auch 
rarenter, die dative illae , hae , unae , der ablativ eabus , in feier- 
licher formel der genetiv quoium, häufig das adverbiale qui. In 



300 53. M. Porcius Cato. Nr. 5. 

den conjugationsformen zeigt die Überlieferung regelmäßig ter- 
gere, lavere (nur 74 lavato) , aber glubebit neben glubito] ferner 
siem, sies u. s. f. neben sim u. s. f. , die conjunctive edis und edit 
neben edant (edint f), posueris neben posiveris , siveris neben siris, 
fac neben face, persequito und utito und nascere neben den depo- 
neutialen formen , einmal aucb possitur. In Zusammensetzungen 
tritt bald lautwandel ein, wo er nicht erwartet wird, wie in re- 
sicare, deorire, bald unterbleibt er wie in decarpere. 

Die inconsequenzen des archetypus auszugleichen hat Keil 
in der regel unterlassen, und nicht mit unrecht. Zwar wimmelt 
es von fehlem in jenem für uns wiedergewonnenen codex ; er 
verändert declinations- und conjugationsendungen, genus und nu- 
merus , versetzt und vertauscht buchstaben und silben , stellt 
worte und Wortverbindungen um, gibt falsche worttrennung, ver- 
wandelt unverstandene worte in unverständliche (wie 40, 2 con- 
depsito in condeposito) , verwechselt buchstaben lind zahlen (wie 
57 cum statt Q. VIII überliefert ist), übergeht zahlen (beson- 
ders I) und verschiebt sie, läßt auch sonstige Kicken und bringt 
wieder ungehörige zusätze, namentlich in folge von dittographie. 
Aber trotz dieser mängel, zu denen noch beschädigungen kom- 
men, die der codex schon vor der abschrift in A erlitten haben 
muß, läßt er klar erkennen, daß Catos buch längst tief ein- 
schneidende änderungen erfahren hatte. Aufhebuug der Un- 
gleichheit wäre also noch keine aunäherung an die frühere ge- 
stalt desselben. Denn diese änderungen sind offenbar nicht von 
einem bearbeiter und nicht nach einem plane gemacht, sondern 
durch mannigfache umstände veranlaßt und zu verschiedenen 
Zeiten erfolgt , so daß der versuch , die ursprüngliche fassung 
und Ordnung wiederherzustellen , aussichtslos wäre. Am deut- 
lichsten ergibt sich dies, um nur ein moment hervorzuheben, aus 
der betrachtung und vergleichung der doubletten. Mag auch 
das buch de agri cultura nicht frei von Wiederholungen und nicht 
tadellos in der anordnung gewesen sein, so spricht doch die an- 
zahl und das verhältniß der doubletten gegen ihre integrität auf 
das bestimmteste. Man vergleiche über die behandlung der olea 
3, 3 f. und 64, 2; über vilici officio, 5 und 142; über das fällen 
der materies 17, 1 und 31, 2 (vgl. 37, 4); verno arare incipito; 
ea loca primum arato sqq. 50, 2 und 131; über propagatio po- 
morum 51 und 133; die drei recepte zu vinum ad alvum mo 






Nr. 5. 53. M. Porcins Cato. 301 

vendam 114 und 115; über die als panacee gepriesene brassica 
156 und 157. Der eingang und die ganze fassung des cap. 157 
nimmt keine rücksicht auf 156, ebenso erscheint cap. 156 ohne 
bezug auf 157; und doch setzt Keil, der dies nicht verkannt 
hat, an einer stelle bestimmte beziehung voraus, indem er 156, 1 
interpungiert : {brassica) mirifice concoquit, alvum bonam facit , lo- 
tiumqüe ad omnes res salubre est. Nun ist von der salubritas lotii 
derjenigen, welche brassica genommen haben, 157, 10 f. ausführ- 
lich die rede, und durch die beziehung hierauf gewänne der 
satz passenden sinn ; da diese aber bei der gegenseitigen Un- 
abhängigkeit der beiden capitel nicbt anzunehmen ist und da 
sich eine bezügliche stelle im cap. 156 nicht findet, so muß der 
satz unrichtig sein. Das richtige ergibt sich sofort , wenn das 
komma nicht vor , sondern hinter lotiumque gesetzt wird. Dem 
satze alvum bonam facit lotiumque entspricht das folgende genavi ; 
denn § 7 handelt von der guten Wirkung der brassica auf das 
lotium. Das schlußsätzchen unserer stelle lautet dann einfach : 
ad omnes res salubre est (seil, brassica). An dem neutrum ist 
kein anstoß zu nehmen , vgl. 5, 7 id (seil. Scabies) ex fame fieri 
solet; und an dem übertreibenden gedanken auch nicht, vgl. 
156, 1 brassica est quae omnibus holeribus antistat. Wie in die- 
sem falle, so wird auch sonst die emendation durch vergleichung 
der doubletten unterstützt. Ein beispiel: unklar ist 52, 1 in 
arboribus, uti radices capiant, calicem pertundito : per fundum aut qua- 
lum ramum, quem radicem capere voles, traicito. Nun vergleiche 
man 133, 3 in arboribus, radices uti capiant, calicem pertusum su- 
mito tibi aut quasillum: per eum ramulum transserito. So ergibt 
sich für 52, 1 calicem 'pertundito aut qualum: per eum ramum . . . 
traicito. Vermuthlich war per eum über aut qualum geschrieben 
und gerieth beim abschreiben fälschlich vor aut qualum in den 
text. Die verderbniß von per eum in per fundum geht wohl auf 
dittographie der ersten silben von pertundito zurück ; natürlich 
liegt wenigstens einer der beiden fehler vor unserem archetypus. 
Zur Voraussetzung so complicierter verderbniß zwingt eben die 
Überlieferung, wie sich aus Keils ausgäbe ersehen läßt. Und 
die herstellung des einklangs in einem punkte, wo die übrigen 
ohnehin übereinstimmen, ist natürlich etwas anderes, als die ega- 
lisierung des archetypus, auf welche Keil, wie wir bemerkten, 
mit recht verzichtet hat. 

Philol. Anz. XIV. 21 



302 53. M. Poroms Cato. Nr. 5. 

Welche von den drei quellen unserer kenntniß des arche- 
typus darf nun als die reinste gelten , die Überlieferung durch 
die älteste abschrift A oder jene durch den consensus der jünge- 
ren copien R oder die Zeugnisse von P V und Vict. ? Man 
könnte versucht sein , aus jener ersten quelle am liebsten zu 
schöpfen. Keil hat dies nicht gethan, und auch hierin müssen 
wir ihm beipflichten, wenn wir die beschaffenheit von A erwägen. 
Die handschrift ist weder mit hinreichendem verständniß noch 
mit genügender Sorgfalt geschrieben. Die wiederholte Verwechs- 
lung von a und u deutet wohl auf offenes a im archetypus. Die 
häufige vertauschung anderer buchstaben, wie sc statt s und um- 
gekehrt, nn statt mn, 11 statt li, qu statt c, ngn statt gn, das re- 
gelmäßige e statt ae, die Unterlassung der aspiration sind wohl 
aus der wahrscheinlichen provenienz der handschrift zu erklären. 
Oft wird ein buchstabe vorweggenommen z. b. patrietem, calnalis, 
sulculos, umbaram, posteremum, temparato u. dgl. Solche und an- 
dere kleine versehen werden bisweilen durch untergesetzte punkte 
oder übergeschriebene correcturen sofort . verbessert. Werthlos 
sind die correcturen einer zweiten hand ; zwar bieten sie oft das* 
richtige, wo es auf der hand lag, verschlimmern aber auch, z. b. 
5, 7, wo que hinzugefügt ist, während et fehlt, oder 33, 2 wo 
terenas statt teneras geschrieben war, aber in terrenas verwandelt 
wird. Auslassungen sind nicht selten, werden aber zuweilen er- 
gänzt , kleinere zwischen den zeilen , größere durch nachtrage 
am rande. Besonders oft hat die Wiederkehr eines wortes nach 
kurzem Zwischenraum das abirren des Schreibers von einem zum 
andern veranlaßt; z. b. 29 wo die worte postea — addito nach 
addito, 37, 2 wo permisceto — addito nach addito ausgefallen 
sind, vgl. 1, 6; 2, 6; 3, 4; 4; 5, 8 ; 6, 3 u. s. w. Einzelne 
auslassungen scheinen jedoch nicht unbeabsichtigt zu sein, z. b. 
1, 6 vinea est prima, vel si vino multo est wird in A vel wegge- 
lassen und dadurch die stelle geglättet, aber die spur einer aus 
Varro r. r. I, 7, 9 zu erschließenden lücke des archetypus ver- 
wischt. Man sieht, A ist nicht verlässig genug , um über P ge- 
stellt zu werden, wenn auch E hinter A zurücksteht. 

Mit diesen factoren hat Keil bei der emendation wie bei 
der recension des textes gerechnet. Aber während die recen- 
sion trotz aller Ungunst der Überlieferung durchgeführt werden 
kann und muß, wird die emendation gezwungen, vor erreichung 



Nr. 5. 53. M. Porcius Cato. 303 

des zieles halt zu machen, wenn sie nicht auf abwege geratheu 
will. So begegnen wir dem ominösen kreuze an mindestens fünf- 
zehn stellen. Zwar soll die gefahr vom kritiker nicht gescheut 
werden, der sich lieber verirren als auf weiteres vordringen ver- 
zichten wird , wenn er allein seine wege sucht. Aber ein kri- 
tiker, der als herausgeber für viele führer sein will, darf es nicht 
riskiren, in die irre zu leiten. Dieser pflicht war Keil sich be- 
wußt und hat das vertrauen derer, die ihm folgen, nie mißbraucht. 
Aber wenn er am Schlüsse des erwähnten programms von 1882 
sagt : „neque enim emendatam lectionem exhibere volebam , sed sub- 
latis quidem vitiis, quibus maxime lectio impedita erat, certum emen- 
dationis parare fundamenturu", so ist in diesen Worten seine lei- 
stung doch zu bescheiden geschätzt. Schon in den Observationes 
criticae hat manche Schwierigkeit befriedigende lösung gefunden ; 
natürlich kommen jene emendationen , theilweise mit nachbesse- 
rungen (z. b. 3, 5; 4; 44; 109; 135, 2; 157, 8j, der ausgäbe 
zu gute. Eine weitere probe , mit wie sorgfältiger und umsich- 
tiger erwägung der Überlieferung, des gedankens und des Sprach- 
gebrauches Keil bei der emendierung des textes zu werke ging, 
liegt in seinem programm zum Hallischen lectionskatalog für den 
sommer 1881 vor. Indem wir uns mit dem hinweise auf diese 
behandlung des 7. und 8. capitels begnügen, greifen wir unter 
den in der ausgäbe stehenden neuen und älteren emendationen 
die durch klammern bezeichneten zusätze und die in cursivdruck 
ergänzten Kicken der Überlieferung heraus. 

3, 1 agrum conserere \studere\ oportet, wo studere vielleicht 
das folgende cogitare glossiert hatte. — 7, 4 aniciana [e*l semen- 
tiva nach Varro RR. I, 59, 3. — 18, 4 [siet] ist aus der näch- 
sten zeile vorweggenommen. — 37, 4 lunaque dimidiata \tum\ ne 
tangas nach Plin. NH. XVI, 194. — 75 similaginis \solum\ aus 
76, 1 siligineae L. II unde solum entnommen. — 134, 1 C'ereri 
[porca praecidanea] porco femina, wo in der vorhergehenden zeile 
porcam praecidaneam steht. — 141, 4 \esto item\ dittographie. — 
157, 4 \id\ was vielleicht bestimmt war, das vorhergehende si- 
quod dem zweimal folgenden siquid entsprechend zu emendieren. 
— 157, 7 [wwwfo's] vor verum morbum. 

1 , 6 vinea est prima , <si vino bono> vel si vino multo est 
nach Varro I, 7, 9 (s. oben). — 2, 5 ubi <ea> cognita aequo 
animo sunt. — 3, 1 »e vüla fundum quaerat <neve fundus villam> 

21* 



304 54. M. Poroms Cato. Nr. 5. 

nach Colum. ER. I, 4, 8 und Plin. XVIII, 32. — 6, 3 <prius> bi- 
palio vortito nach Varro I, 24, 4 und Plin. XVI, 173. — 10, 
1 asinos omatos clitellarios . . . tris , asinum <molarium> I nach 
Varro I, 19, 3. — 10, 2 dhenum quod capiat Q. V, <operculum 
aheni> , nachdem ahenum quod capiat Q. XXX, operculum aheni 
kurz vorhergegangen. — 21, 1 eam (seil, cupam) mediam pertun- 
dito, uti in <eam> columellam indere possis. — 21, 2 tabulam fer- 
ream, <quam> lata cupa media erit, wo Dietze quae einfügen 
wollte. — 24 in eius musti culleum aquae marinäe veteris Q. II 
<indito>. — 53 quod edant <boves> vor bubus. — 54, 2 <de> 
vicia vel de lupino , item de ceterts frugibus. — 57 mense quinto, 
sexto, septimo, oetavo in dies sextarios, id est in mense congios quin- 
que : nono , deeimo , undeeimo , <duodecimo> in dies heminas ternas, 
id est <in mense> amphoram. — 61, 1 Qui oletum saepissime et 
altissi<me miscebit, is tenuissi>mas radices exarabit nach Plin. XVII, 
127. — 81 Erneum <sic facito>, wie in der rubrik steht. — 
85 id infundito in alveum purum, eo <addito> casei recentis P. III. 
— 90, 1 Palumbum recentem <sic farcito>, wie in der rubrik 
steht. — 96, 1 aquam <in qua> lupinus deferverit. — 104, 2 
oblinito <post> dies X, wo post vielleicht wegfiel, weil es in der 
nächsten linie wiederkehrt. — 114, 1 veratri <atri> radices, wo 
augenscheinlich haplographie vorliegt. — 135, 6 inter miliarium 
et labrum P. II <et> digitos II. — 151, 4 ita <uti> dictum est 
fieri oportet. — 157, 3 quod <aliud> medicamentum facere non 
potest, wie § 5 überliefert ist. — Die 13, 1 nach molas und 
nach lucernas ausgefallenen zahlen lassen sich nicht sicher er- 
gänzen, ebensowenig die lücke 135, 3. — Lückenhaft ist auch 
74 aquae paulatim addito. Es müßte aquam wie 87 oder paulum 
wie 92 stehen; aber wahrscheinlich ist nach aquae die angäbe 
des maßes ausgefallen, vgl. 76, 1-, 158, 1. 

Zahlreiche emendationen theilt Keil im kritischen apparat 
mit, indem er durch beigefügtes fortasse die fernhaltung dersel- 
ben aus dem urkundlichen texte motiviert. Wir heben auch von 
diesen einige proben hervor, zunächst die ausfüllung kleiner Ki- 
cken, wie sie in Catos hausbuch am häufigsten begegnen, näm- 
lich die ergänzung der in den reeepten ausgefallenen imperative, 
welche gewisse manipulationen bezeichnen : 37, 5 et vitis <al- 
liga> et ligna . . conpone. 84 farinae selibram, casei P. II S una 
conmisceto quasi libum, <addito> mellis P* und ita pone cum catillo 



Nr. 5. 54. M. Porcius Cato. 305 

et lingulas <addito>. S. oben zu 85. 87 eam patinam in sole 
ponito, <sinito> arescat. 88 , 2 eam muriam in labella vel in pa- 
tinas <diffundito>, in sole ponito. 127, 2 sextarium origaniti <ad- 
dito>, dato ieiuno. 156, 3 item eximito , in linteum <indito>, ex- 
urgeto sucum. Aehnlick 86 (triticum) in aulam indat et aquam 
puram <addat> coquatque. Andere ergänzungen schlägt Keil vor : 
77 simplicibus <tractis> conpleto. 105, 2 contundito, quod <satis> 
siet, sextarium unum. 141, 1 sive circumagi <iubes> sive circum- 
ferenda censeas. 145. 1 qui placebunt <domino> aut custodi, wie 
Usener empfahl, dessen vorschlage zu 144 und 145 nicht an- 
geführt sind. — 157, 4 bis <iri> die zweimal wie § 3. — 75 
folia <laurea> subdito. Eine ähnliche lücke ist wohl auch 30 
auszufüllen: ovibus frondern viridem, usque dum habebis , praebeto, 
et frondem <aridam> usque ad pabula matura , wo sich die über- 
gehung durch das unmittelbar folgende pabulum aridum leicht 
erklärt. Zwischen praebeto und et ist übrigens der satz über- 
liefert : ubi sementim facturus eris , ibi oves delectato , den wir an 
das ende transponieren. Die gleiche Störung findet sich 54, 1 
inde semodios singulis bubus in dies dari oportet , et si non labora- 
bunt, pascantur sathhs erit, aut modium vinaceorum , quos in dolium 
condideris. Der Vorschlag , [et] si — erit nachzustellen , ist schon 
längst gemacht , aber von Keil nicht gebilligt worden. Uns 
scheint auch 1 , 4 Verwirrung zu bestehen ; setzen wir uti — siet 
hinter caveto — contemnas, so ist die Ordnung hergestellt. An den 
satz qui in his agris praedia vendiderint, eos pigeat vendidisse schließt 
sich passend der gedanke caveto alienam disciplinam temere con- 
temnas ; und die worte uti bene aedificatum siet sind eine ebenso 
passende einleitung zu dem satze de domino bono colono bonoque 
aedificatore melius emetur. 

Transpositionen empfiehlt Keil u. a. 109 und 146, 3. Dort 
ist überliefert de ervo farinam facito libras IV et villi cyathos IV 
conspargito sapa. postea facito laterculos ; Keil möchte conspargito 
sapa: postea unter hinzufügung von addito zwischen et und vini 
setzen. An der zweiten stelle soll das hinter siquid überlieferte 
et vorantreten. Auch in der von Keil Observ. p. 31 behan- 
delten stelle 1, 2 möchten wir die Umstellung des vor circumspi- 
cias stehenden et vorschlagen, so daß zu lesen wäre: et uti eo 
introeas, circumspicias, et uti inde exire possis. 

Drei dittographien an einer stelle hat Keil 23, 1 angedeutet-, 



306 54. M. Porcius Cato. Nr. 5. 

demnach muß geschrieben werden : Fac ad vindemiam quae opus 
sunt ut parentur. vasa laventur, corbulae sarciantur, [picentur\ dolia 
[quae opus sunt] picentur. quom pluet, quala [parentur] sarciantur. 
Noch öfter ist in Keils apparat auf dittographien hingewiesen. 
Wir glauben solche zu erkennen: 3, 5 funes loreos privos, vectes 
senos , fibulas duodenas , medipontos privos \loreos] , wo funes loreos 
seine berechtigung durch den gegensatz zu den (im folgenden 
satze erwähnten) funibus sparteis hat, medipontos aber ohne gegen- 
satz steht, also wohl auch wie 12 ohne das überflüssige attribut 
stehen sollte. — 5, 2 erscheint familiam exerceat nach dem vor- 
aufgehenden opere bene exerceat (seil, familiam) als störende Wie- 
derholung. — 157, 4 et siquid contusum est, erumpet, brassicam 
tritam opponito, sanum faciet. Man vergleiche den folgenden satz 
et siquid in mammis ulceris natum et Carcinoma, brassicam tritam 
opponito, sanum faciet. So bestätigt sich, was der erste emdruck 
ergibt, daß erumpet stört und zu tilgen ist ; vielleicht wurde das 
§ 3 stehende erumpit unpassend wiederholt. Keil Observ. p. 31 sq. 
suchte durch kolon nach erumpet die Überlieferung zu schützen, 
hat aber diese interpunetion nicht in die ausgäbe aufgenommen. 
— Auf einen anderen störenden zusatz deutet Keil schon in 
den Observ. p. 34 sq. , schweigt aber in der ausgäbe darüber : 
8, 1 pratum si inrigivum habebis, si non erit siecum, ne faenum de- 
siet, summittito. Das tautologische si non erit siecum entstammt 
wohl einer marginalglosse zu 9 si aquam habebis. — ■ Ein wei- 
teres glossem braucht hoffentlich nur bezeichnet zu werden: 
38, 4 hoc signi erit, ubi calx coeta erit, summos lapides coctos esse 
oportebit [item infimi lapides codi cadeni\ et flamma minus fu- 
mosa exibit. 

Es ist bereits bemerkt worden, daß in dem buche de agri 
eultura complicierte emendationen nicht entbehrt werden können. 
Dahin gehören Keils vorschlage zu 7, 1 ; 21, 1 ; 144, 2 f. ; 145, 1 ; 
157, 8. Doch sind seine einfachen änderungen an zahl weit 
überwiegend: es würde zu weit führen sie aufzuzählen. Ver- 
suchen wir lieber, ein paar hinzuzufügen: 4 operas faeilius loca- 
lis; man lese opera, wie schon vorgeschlagen wurde, vgl. 5, 7 
und besonders 2, 2. — 61, 2 radices quam plurimas cum terra 
ferre , man lese plurima cum terra, vgl. 28, 1. — 2, 2 ubi ea 
cognovit (seil, pater familias) , rationem inire oportet operarum , die- 
rum. si ei opus non apparet . . ., ad rationem operum operarumque 



Nr. 5. 55. C. Iulius Caesar. 307 

vilicum revoca. Statt des ungefügen revoca ist revocare zu lesen, 
das von dem voraufgehenden oportet ebenso abhängt, wie § 5 
curare (wenn hier nicht oportet hinter opera sint ausgefallen ist). 
— Wir schließen, wie wir begonnen, mit einem worte Useners: 
„Gewiß wird die so lange sehnsüchtig erwartete ausgäbe von 
H. Keil nicht verfehlen ia die lateinischen forschungen unserer 
tage lebendig einzugreifen". 

55. Der feldzug Caesars gegen die Helvetier. Eine kri- 
tische beleuchtung mit einer vorausgehenden abhandlung über 
die glaubwürdigkeit der commentarien Caesars zum gallischen 
krieg. Von Hans Kauchenstein. Zürich 1882. 

Wenn ausnahmsweise das sonst allgemein bewunderte feld- 
herrngenie Cäsars und das nicht selten sogar überschätzte schrift- 
stellerische talent des Verfassers der commentarien angegriffen 
oder wenigstens einer neuen und scharfen kritischen Würdigung 
unterworfen werden , so hat ein versuch dieser art , wie sehr er 
auch gegen die gewöhnliche ansieht ankämpfen mag, seine volle 
berechtigung , vorausgesetzt , daß er vorurtheilsfrei und mit den 
zulänglichen kräften unternommen wird. Leider läßt sich das 
von der vorliegenden dissertation nicht behaupten. 

Der Verfasser erklärt in der einleitung die commentarien 
für eine tendenzschrift , von dem römischen Staatsmann einzig 
und allein darauf berechnet , dem großen häufen in Rom zu ge- 
fallen, seine eignen kriegsthaten und seinen rühm glänzen zu 
lassen , durch sie seine gegner niederzudrücken und sich selbst 
den weg zur alleinherrschaft zu bahnen. Daraus schließt er, 
sich auf Asinius Pollio's bekannte von Sueton angeführte bemer- 
kung stützend, ohne weiteres, daß er es überhaupt mit der Wahr- 
heit nicht eben genau genommen haben könne. Aber welche 
geschichtschreibung ist nicht in der einen oder der andern weise 
parteilich? Von Thucydides und Tacitus bis auf Thiers und 
Carlyle haben alle historiker eine bestimmte tendenz gehabt und 
mehr oder weniger hervortreten lassen : die geschichte der franzö- 
sischen revolution nimmt sich in der darstellung eines französi- 
schen republikaners wie Michelet oder Louis Blanc anders aus 
als in der beurtheilung eines preußischen monarchisten, und über 
die reformation Luthers denken die protestantischen pastoren 
anders als die katholischen priester, und schreiben Menzel und 



808 55. C. Iulius Caesar. Nr. 5. 

Marheineke anders als Bossuet. Man erwartet , wenn man die 
commentarien zur band nimmt, von dem Römer und dem Staats- 
mann gar keine objective Würdigung der barbarischen feinde und 
ihrer handlungsweise , mögen sie Gallier oder Germanen sein, 
am wenigsten von Cäsar, dem es in seiner ehrgeizigen engher- 
zigkeit durchaus an hinreichender hoheit der gesinnung und 
große des Charakters fehlte , um seinen gegnern in Worten und 
thaten gerechtigkeit widerfahren zu lassen , und der in echtrö- 
mischer weise treulosigkeit gegen die mit ihm krieg führenden 
nicht nur zu verüben, sondern auch zu beschönigen verstand. 

Aber von da bis zur betrügerischen entstellung der ge- 
schichtlichen ereignisse ist doch noch ein weiter Zwischenraum. 
Der Verfasser, der broschüre Eichheims „Die kämpfe der Hel- 
vetier, Sueben und Belgier gegen C. Iulius Cäsar, Neuburg a. D. 
1866 (oder München bei Finsterlin) folgend und nur ihre aus- 
drücke, in einem einzigen fall allein ihre Schlüsse mildernd, be- 
schuldigt den römischen geschichtschreiber ohne weiteres , nicht 
etwa seine erfolge vergrößert, sondern geradezu erlogen zu haben. 
Das nachzuweisen nimmt er sich den Helvetierkrieg vor. 

In dem advocatorischen bestreben , Cäsar der Unwahrheit 
zu überführen , begegnet es ihm gleich am eingang , das zu be- 
gehen, was er dem römischen schriftsteiler mehrfach vorwirft, näm- 
lich eine wahre thafsache vel consulto vel etiam memoria lapsus 
zu verschweigen. In der angäbe der motive, welche die Helve- 
tier zur auswanderung bewegen , findet er einen offenbaren Wi- 
derspruch zwischen Cäsar einerseits und Florus und Dio Cassius 
andererseits. Die letzteren sehen den grund der auswanderung 
in der Übervölkerung, terris non sufficientibus sagt der erstere 
III, 10*, nhfösi is außä^ovzsg nat %G)Qav ovx avtagni] zy noXv- 
av&oconia aycov '^orteg der andere XXXVIII, 31,2; Cäsar soll 
dagegen die auswanderung nur der kriegslust der Helvetier zu- 
schreiben , und es will Rauchenstein scheinen , als wenn jene 
hierbei eine andere quelle , Florus namentlich den Livius , vor 
äugen gehabt haben könnten. Nun sagt aber Cäsar bekannt- 
lich: pro multitudine autem hominum et pro gloria belli 
atque fortitudinis angustos se fines habere arbitrabantur ; und 
jeder andere als der Verfasser der dissertation wird wohl über- 
zeugt sein, daß die beiden andern schriftsteiler diesen satz genau 
aus den commentarien entlehnt und jeder nur in seiner weise 



Nr. 5. 55. C. lulius Caesar. 309 

mit etwas andern worten ausgedrückt hat; jeder wird auch die 
eben angeführte stelle so verstehen, daß die Übervölkerung den 
grund der auswanderung, der kriegsruhm und der ruf der tapfer- 
keit die beste gewährleistung ihres gelingens für den großen 
häufen des volks abgegeben habe. Für den großen häufen des 
volks sage ich ausdrücklich, denn wenn Ürgetorix selbst, um sie 
dazu zu überreden, für sich die herrschaft über das ganze Gal- 
lien und das heereskönigthum in's äuge gefaßt hatte , so fielen 
diese seine beweggründe für das gros der bevölkerung mit der 
gegen ihn erhobenen anklage und mit seinem tode natürlich fort. 

In andern fällen beruht der Vorwurf der wakrheitswidrig- 
keit, den Eauchenstein gegen die angaben der commentarien er- 
hebt, auf reinem mißverständniß. Wenn Cäsar berichtet, trium 
mensum molita cibaria sibi quemque domo efferre jubent, so rechnet 
der Verfasser der abhandlung diese Weisung auf jeden der 368000 
köpfe, statt auf die familienhäupter ; er nimmt ferner auf jeden 
köpf (also auch für die Säuglinge) nicht ganz einen centner oder 
genauer 90 pfund mehl an, und bringt so (jedem wagen zehn 
centner zutheilend) eine zahl von 33000 wagen heraus , die im 
günstigsten fall eine strecke von 165 kilometern oder 34 Weg- 
stunden eingenommen haben müßten". Die gegenrechnung er- 
giebt, auch wenn man Cäsars und Rauchensteins zahlen zu gründe 
legt, höchstens 100000 familienväter und 90000 centner-, und 
wenn die hälfte davon von den trauen , kindern und den nicht 
mehr die waffen führenden älteren leuten getragen wurden, wie 
das als selbstverständlich vorausgesetzt werden darf, so bleiben 
45000 centner, 4500 wagen und l 1 ^ bis 2 deutsche meilen des 
wagenzuges , der in dieser ausdehnung sehr wohl von den be- 
waffneten gedeckt werden und in einigen stunden die von Cäsar 
I, 24, 26 erwähnte Wagenburg bilden konnte. Und da Plu- 
tarch , Appian und Orosius für die ausgewanderten andere Zah- 
lenangaben machen, müssen, wie oben Florus und Dio Cassius, 
diese Schriftsteller, weil es so dem Verfasser für seine zwecke 
dienlich erscheint, den commentarien gegenüber als die glaub- 
würdigeren geschieh tsquellen ausgegeben werden. 

Schlimmeres jedoch begegnet Rauchenstein bei der darstel- 
lung des Verlaufs der kriegerischen Operationen. Er vergißt, 
daß unsere karten nach den commentarien entworfen sind , und 
will, im gegentheil, nach diesen karten die commentarien beur- 



310 55. C. Iulius Caesar. Nr. 5. 

theilen. Da der name Segusiavi nur auf der Westseite der Rhon^ 
und der Saone angemerkt steht, läßt er Cäsar unterhalb 
Lyon über den ersteren fluß übersetzen, wundert sich, daß von 
seiner rückkehr auf das östliche ufer nicht die rede ist und führt 
deshalb auf Labienus allein den sieg über die Tiguriner zurück, 
den Cäsar demnach in bloßem dunkel sich selbst zugeschrieben 
habe. Um ähnlichen mißdeutungen angehender doctoren der 
philosophie zuvorzukommen, rathe ich den kartenzeichnern, wenn 
sie die namen der gallischen Völkerschaften in lateinischer form 
geben , die endung vi , geben sie die namen in deutscher form, 
die endung ver in die ecke zwischen Rhone und Saone (nord- 
östlich von Lyon) einzuklemmen. Dann sieht jeder, der es aus 
den commentarien nicht herauszulesen vermag, daß Cäsar, nach 
seiner hier selbstverständlicher weise stattgefundenen Vereinigung 
mit Labienus, oberhalb Lyon, an einer stelle, wo die Rhone 
noch von osten nach westen fließt, hinübergegangen ist, mit sei- 
nem unterfeldherrn zusammen die Tiguriner erreicht und vernichtet 
hat und dann zur Verfolgung der übrigen Helvetier über die 
Saone gesetzt ist. 

Die erzählung von dem fehlschlagen des zwischen Cäsar 
und Labienus verabredeten plans, die Helvetier zu überfallen, 
ist nach Rauchenstein und Eichheim ein reiner Schwindel, nach 
dem letzteren einzig und allein zu dem zweck vorgebracht , um 
einen braven officier , der ihm lästig war , moralisch zu gründe 
zu richten. Als ob der proconsul um mittel verlegen gewesen 
sein könnte , einen ihm unbequemen untergebenen , wenn er es 
sonst wollte, aus dem heere zu beseitigen. Rauchenstein dagegen 
giebt, da die darstellung in den commentarien ihm nur unter 
den unsinnigsten Voraussetzungen glaubhaft erscheinen will, seine 
eigne erzählung von dem wirklichen Vorgang zum besten, der 
freilich das beste, nämlich die autorität des augenzeugen fehlt. 

In dem bericht über die schlacht bei Bibracte bemängelt 
der Verfasser der dissertation die aufstellung der beiden neuen 
legionen mit dem gepäck und den unzuverlässigen hülfstruppen 
auf einem berge im rücken der römischen Schlachtordnung und 
findet es mindestens seltsam und für die disposition eines großen 
feldherrn unerklärlich, daß er sie, bei der großen gefahr für die 
legionen, ganz unthätig hat stehen lassen. Es scheint ihm nicht 
bekannt, daß gerade in gefährlicher läge eine reserve und ein 



Nr. 5. 55. C. Iulius Caesar. 311 

gesicherter rückzug das hauptaugenrnerk eines generals sein muß. 
Hoffentlich wird er sich nicht als docent der strategik habilitiren, 
wenigstens wird er nicht erwarten dürfen , Moltke unter seinen 
zuhörern zu sehen. 

Die schlacht selbst ist nach ihm für Cäsar wenig günstig 
ausgefallen, die eroberung der wagenburg eine „muthmaßliche 
fiction", das verschwinden der helvetischen hauptmacht vom 
Schauplatz unerklärlich , und das dreitägige ungenügend moti- 
virte verweilen der Römer auf dem schlachtfelde ein beweis, 
daß die schlacht einen andern als den von Cäsar angegebenen 
verlauf gehabt hat. Wäre das der fall gewesen, würden die 
Helvetier sicherlich den versuch gemacht haben, den einmal ge- 
faßten plan einer ansiedelung in Gallien weiter fortzuführen. 
Außer dem söhn und der tochter des Orgetorix, meint der Ver- 
fasser , wurden keine gefangene gemacht. Als ob die namhaft- 
machung zweier bedeutender gefangener die gefangennehmuug 
anderer von geringer oder gar keiner bedeutung ausschlösse. 

Auch in der schlacht gegen Ariovist begreift Rauchenstein 
nicht, warum nothwendiger weise (necessario) bei dem anmarsch 
der Römer Ariovist aus seinem lager ausgerückt ist und das- 
selbe nicht vielmehr vertheidigt hat 5 er sieht auch nicht ein, 
wie Cäsar ihm hat zeit lassen können, seine truppen in Schlacht- 
ordnung zu stellen. Er übersieht aber dabei ganz, daß es sich 
bei den barbaren, wie das beispiel der Helvetier ihm hätte zei- 
gen können und wie auch aus I, 51, 3 hervorgeht, um eine 
schwer zu vertheidigende wagenburg gehandelt hat-, er übersieht 
ferner, daß aus einer solchen das ausrücken sehr viel schneller 
bewerkstelligt werden kann als aus dem engen thor eines ver- 
schanzten lagers , endlich, daß er, in seinem lagerplatz stehen 
bleibend, sich einer umwallung aussetzte , wie ihm die in seiner 
Umgebung befindlichen mit den römischen Verhältnissen wohl 
vertrauten leute unfehlbar werden gesagt haben. 

Alle diese angeblichen resultate hat übrigens der Verfasser 
der dissertation — mit wenigen zuthaten seinerseits, wozu seine 
einleitung über die glaubwürdigkeit der commentarien gehört — 
aus dem oben angeführten buch von Eichheim entnommen. Dieser 
geht in seinen beschuldigungen gegen Cäsar noch viel weiter; 
ihm ist es kein zweifei , daß der römische feldherr Orgetorix 
hat umbringen lassen, und seine ganze erzählung von der aus- 



312 55. C. IulJus Caesar. Nr. 5. 

Wanderung der Helvetier erscheint ihm lediglich wie eine „fata 
morgana". Seine einwendungen rühren größtenteils nur davon 
her, daß er sich nicht bemüht hat, den Schriftsteller hinreichend 
zu verstehen. 

Ich würde bei der besprechung der dissertation Eauchen- 
steins nicht so lange verweilt haben, wenn ich nicht dabei ver- 
anlassung gehabt hätte , einige punkte , für welche sich nicht 
leicht anderwärts gelegenheit findet , und welche in den erklä- 
renden ausgaben nicht berücksichtigt sind, zu erörtern. 

Die beiden broschüren, Eichheims sowohl wie Eauchensteins, 
gehen aus dem bestreben hervor, der tapferkeit unserer vorfahren 
gegen die darstellung Cäsars zu ihrem anerkenntniß zu verhelfen. 
Die Schriften sind demnach gleichfalls tendenziös , wie es von 
ihren Verfassern den commentarien vorgeworfen wird. Die ge- 
rechtigkeit , welche sie in des Römers berichten vermissen , lei- 
sten sie selbst auch nicht. Sie werden darum wenige gläubige 
finden. Am schlimmsten sieht es für ihre beweisführung darin 
aus, daß sie auch das feldherrntalent Cäsars, welches sich durch 
seine erfolge so unzweifelhaft herausgestellt hat , zu leugnen 
suchen. Ein gewinn für die Wissenschaft ist aus beiden abhand- 
lungen nicht erwachsen. Und wenn ich zu diesem urtheil komme, 
geschieht es keineswegs deshalb, weil ich eine stets erneute Un- 
tersuchung der kriegführung und der schriftstellerischen leistun- 
gen des römischen feldherrn für überflüssig hielte oder gar ab- 
wehren möchte. Ganz im gegentheil glaube ich, daß sie gegen- 
über der blinden Verehrung Cäsars und des cäsarismus, welche 
in unsrer zeit um sich gegriffen hat, sehr angebracht ist. Aber 
wie eine gerechte beurtheilung die mitte einzuhalten hat zwi- 
schen abgöttischer hochschätzung einerseits und ungerechtfertigter 
Verkleinerung andererseits , muß eine gründliche prüfung auch 
gleich entfernt bleiben von der Voreingenommenheit, die alles in 
den commentarien für schließlich ausgemacht und zweifellos hält, 
und der meinung, die nichts für richtig und sicher ansehen will. 

H. J. Heller. 

56. Franc. Seck, de Pompei Trogi sermone. Constan- 
tiae, pars prior 1881, pars altera 1882. 4. 

In zwei programmabhandlungen bietet uns verf. eine ein- 
gehende Untersuchung über den Sprachgebrauch des Trogus 



Nr. 5. 56. Pompeius Trogus. 313 

Pompeius. Das eigentümliche und erschwerende auf diesem 
gebiete der forschung Hegt namentlich in der festsetzung dessen, 
was mit — wenigstens annähernder — Sicherheit dem Trogus 
als sprachliches eigenthum zuzusprechen ist. Mit recht giebt 
daher verf. nach einer allgemein gehaltenen einleitung zunächst 
eine Übersicht der in betracht kommenden fragmente : es sind 
außer der anspräche des Mithridates an seine Soldaten , die lu- 
stin XXXVIII, 4 — 7, seiner eigenen angäbe nach wörtlich sei- 
ner vorläge entlehnt hat, nur sechs, theilweiöe minimalsten um- 
fanges. Verf. hat sich aber darauf nicht beschränkt. Mit lustin 
übereinstimmende stellen zeigen nämlich, daß auch Curtius Eufus, 
Velleius Paterculus, Valerius Maximus, Frontin (vielleicht sogar 
Ampelius und Macrobius) aus Trogus geschöpft haben. Auch 
darin ist dem verf. zuzustimmen , daß er im allgemeinen einen 
ziemlich engen anschluß des epitomators an seine vorläge an- 
nimmt. Dem hatte freilich E n m a n n , Untersuchung über die 
quellen des Pompeius Trogus für die griechische und sicilische 
geschichte , Dorpat 1880, widersprochen. So sprach er sich p. 
186 zu lustin. XXII, 4 ff . (einfall des Agathokles nach Afrika) 
dahin aus, daß lustin sich nicht damit begnügt habe, den Trogus 
auszuziehn , sondern ihn wenigstens rhetorisch zu erweitern : 
„diese ganze tirade mit ihren antithesen ist für eine eigene kleine 
rhetorische leistung lustins zu halten". Es läßt sich aber ge- 
rade an dieser stelle durch vergleichung mit Valerius Maxinms 
VII, 4, ext. 1 auf das schlagendste nachweisen, daß wir es kei- 
neswegs mit einer eigenen rhetorischen leistung des lustin, son- 
dern lediglich mit seiner quelle zu thun haben , der auch Vale- 
rius seine darstellung mitsammt den antithesen und der ganzen 
rhetorischen ausschmückung entnahm. Daß lustin ausdrücke, 
die seiner zeit geläufig waren, angewandt hat, wird darum noch 
niemand bestreiten; hin und wieder stoßen wir in. der that auf 
Wendungen und Verbindungen, die stark an die spräche des Apu- 
leius erinnern, vgl. übrigens progr. II, 11 u. ö. 

Das durch derartige vergleichende Untersuchung gewonnene 
material konnte und mußte also mit herangezogen werden , und 
das hat Seck mit der dabei nöthigen vorsieht gethan. 

Der rest der ersten abhandlung und der anfang der zweiten 
geben die formenlehre, der übrige theil die syntax. Die formen- 
lehre wird in zwei abschnitten behandelt: quaestiones ad formas 



314 56. Pompeius Trogus. Nr. 5. 

et verborum usum pertinentes , I, 8 — Schluß, und de verborum for- 
matione, 11,1 — 6. Dankenswerth ist namentlich bei besprechung 
der fremden eigennamen die angäbe, wie Curtius Rufus die en- 
dungen giebt, griechisch oder lateinisch-, stellenweise sind auch 
andere römische schriftsteiler , wie Cicero , Cornelius Nepos etc. 
herangezogen. 

Dem zweiten programme ist namentlich der umstand zu 
gute gekommen , daß verf. die im letzten decennium erschiene- 
nen einschlägigen schritten über das Vulgärlatein und den Sprach- 
gebrauch mehrerer ciceronianischer Schriften eingesehen hat. Unter 
dem titel „de verborum formatione" giebt verf. verschiedene nach- 
trage und ergänzungen zur formenlehre, um sich dann zur syntax 
zu wenden, die er in zwei hauptabschnitten „syntaxis convenientiae" 
und „de casibus" zu besprechen anfängt. Da die zweite aufläge 
von Draegers historischer syntax wesentlich vermehrt ist, hätte 
deren Seitenzahl citirt werden sollen. Vielleicht würde es sich 
empfehlen, für das genannte werk die Zählung nach paragraphen 
durch zuf üb ren, da diese in beiden auflagen im wesentlichen die- 
selben geblieben sind. 

Da dem verf. räum und zeit fehlt, den rest der syntax zu 
behandeln, gibt er als anhang eine Zusammenstellung über ei- 
genthümlichkeiten im gebrauch coordinierender und subordinie- 
render conjunktionen und die sogenannten rhetorischen figuren. 
In letzterer rubrik dürfte wohl als abundantia vel pleonasmus das 
verschiedentlich bei lustin vorkommende securus et laetus (z. b. 
XIII, 2, 1, XLII, 4, 8) zu verzeichnen sein, zumal es höchst 
wahrscheinlich ein ausdruck des Trogus selbst ist, wie sich wohl 
aus der vergleichung von Curt. III, 6, 11: non securum modo 
haec vox , sed etiam laetum regem . . . fecit mit lustin XI, 8, 9 : 
ut securum conspexit, laetior factus est ergiebt. 

Die sorgfältige Untersuchung bestätigt auch im einzelnen 
die bekannte thatsache , daß Trogus sich hauptsächlich an Sal- 
lust und Livius angelehnt hat. Wenn seine spräche auch weniger 
rhetorisch gefärbt war, als die des Livius, so ist doch an verschiede- 
nen stellen, wie Seck feststellt, die wähl der betreffenden Wendung 
aus dem streben nach variierung des ausdruckes hervorgegangen. 

Hoffentlich läßt nun der Schluß der Untersuchung nicht mehr 
allzu lange auf sich warten. Zu wünschen wäre freilich, daß end 
lieh ein gesicherter text zu gründe gelegt werden könnte. H. C. 






Nr. 5. 57. M. Tnllius Cicero. 315 

57. Die correspondenz Cicero's in den jähren 44 und 43. 
Von Edmund Ruete. Straßburger inaugural - dissertation. 
Marburg, N. Gr. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung 1883. 122 p. 
8. 2 mk. 40 pf. 

58. Die briefe Cicero's an Brutus. In bezug auf ihre 
echtheit geprüft von Ludwig Gurlitt. Philologus. Suppl.- 
bd. IV. Heft 5. p. 553 — 630. 

59. Zu Cicero's briefwechsel mit M. Brutus. Von 0. E. 
Schmidt. Neue Jahrb. f. phil. 127—128, 8. p. 559—567. 

Ruete's arbeit zerfällt in zwei kapitel. Das erste enthält 
nach einer einleitung (p. 1 — 6), welche die hauptdaten aus Ci- 
cero's beiden letzten lebensjahren in ihrer bedeutung für die 
Zeitgeschichte heraushebt, regesten über die gesammte corre- 
spondenz seit Caesars tode. In dieselben sind auch diejenigen 
fragmente aufgenommen , welche eine datierung zulassen , sowie 
wichtigere thatsachen , deren Chronologie in den anmerkungen 
oder im 2. theil festgestellt ist. Im zweiten kapitel (p. 58 — 120) 
ist die alte controverse über die echtheit des briefwechsels zwi- 
schen Cicero und M. Brutus geprüft und — „wie ich hoffe", 
setzt der verf. vertrauensselig hinzu — „endgültig erledigt". 
Ein anhang (p. 121 — 122) über die entfernung, welche ein brief- 
bote zu Cicero's zeit durchschnittlich an einem tage zurücklegte, 
beschließt das buch. 

Die regesten des 1. kapitels, ein tabellarisches Verzeich- 
nis, in dem zeile für zeile kurz und präcise die briefe und fakta 
vom 15. märz 44 bis mitte august 43 datiert und angesetzt 
sind (p. 7 — 16), und die zu den regesten gehörigen anmerkun- 
gen — 137 an der zahl — , in denen die begründung für den 
jedesmaligen ansatz versucht wird (p. 16 — 57), sichern der dis- 
sertation ihren werth : nicht als ob die datierungen alle über 
allen zweifei erhaben wären, aber hier ist das fundament gelegt, 
auf dem eine neue forschung weiter bauen kann *). Von vor 
theil wäre es jedenfalls gewesen, wenn Ruete sich sein gebiet 
etwas enger abgesteckt; mich will es bedünken, als ob die sache 
etwas überhastet wäre, um möglichst viel material zu bewältigen : 
historisch-kritische ausweitung und sicherstellung wäre an man- 
cher stelle nicht nur erwünscht , sondern nothwendig gewesen. 

1) Die durch Berechnung gefundenen daten sind mit einem stern 
versehen. 



316 57. M. Tiillius Cicero. Nr. 5. 

So stocke ich gleich bei der dritten zeile des ersten kapitels p. 7: 
*21 — 26. märz [ Ep. XI, 1. D. Brutus Bruto et Cassio. *Rom. 
Während 0. E. Schmidt (quaestiones chronologicae) p. 15 nicht 
über den 5. april zurückgegangen ist und Brutus und Cassius 
außerhalb Rom vermuthet , behauptet Ruete , der brief setze sie 
als noch in der hauptstadt befindlich voraus. Das gehe deut- 
lich aus § 1 hervor „neque arbitrari tuto in urbe esse quemquam 
nostrum" sowie aus Ad Att. XIV, 5, 2 „parietibus contineri". 
Aber warum soll denn die sprachliche form § 1 die annähme 
hindern, daß zwei verschworene bereits Rom verlassen? Und 
warum darf „parietibus contineri 11 nicht mit Schmidt „in suburbano 
quodam vel in municipio finitimo" gedacht werden? Ferner muß 
denn der brief wegen § 4 hoc nuntio de Caesare adlato u unbe- 
dingt auf die zeit unmittelbar nach dem leichenbegängnis be- 
zogen werden? So konnte Dec. Brutus am 5. april auch schrei- 
ben, wenn den betreffenden die nachricht schon verschiedene 
tage vorher zuging. Kurz ich bleibe bei Schmidts ansatz ste- 
hen. — Die datierung der briefe von mai bis zu december macht 
keine für die tagesgeschichte wesentlichen Schwierigkeiten : dank 
der briefe Ad Att. sind wir über diese zeit hinreichend orien- 
tiert, so daß kleinere differenzen in den ansätzen ohne gewicht 
sind. Dagegen muß mit Gurlitt (Philol. rundschau , 3. jahrg. 
no. 23, p. 713 — 720) energisch widersprach erhoben werden 
gegen die datierung fast aller briefe aus dem december. Beson- 
ders verhängnisvoll war es für Ruete, daß er XI, 7 vor XI, 6 
annahm und in den anfang december setzte. Nicht nur, daß er 
dadurch mit der handschriftlichen Überlieferung in conflikt ge- 
rieth: eine ganze reihe unwahrscheinlicher berechnungen , ja 
sachwidriger Interpretationen wird dadurch veranlaßt. Man lese 
dies des näheren bei Gurlitt nach ; nur über Ep. X, 4, 4 noch 
ein wort : „sum in exspectatione omnium rerum , quid in Gällia ci- 
teriore, quid in urbe rnense lanuario geratur ut sciam" ist sicher- 
lich mit Weiske zu erklären, als ob es hieße : „si quid ergo Ro- 
mae novi, fac ut sciam". Ist diese interpretation aber richtig, so 
folgt unmittelbar, daß der brief in die letzten decembertage zu 
verlegen ist. Ich kann wirklich Ruete nicht zugeben , daß die 
sehnsüchtige erwartung des Plancus und die halb ausgespro- 
chene bitte, ihn sofort über den mensis Ianuarius ins klare zu 
setzen, ebenso sehr einen sinn hätten, wenn wir uns den brief 






Nr. 5. 57. M. Tullius Cicero. 317 

etwa ende november, wie wenn wir ihn uns ende dezember ge- 
schrieben denken. Ruete wurde auf diese frühere zeit durch 
Cicero's antwort, Ep. X, 5, geführt, einen brief, den er nicht 
mit Nake in den februar 43, sondern noch in die mitte decem- 
ber 44 setzen möchte, weil in diesem brief die senatssitzung vom 
20. december, der er sich sonst gegen jedermann rühmt, ver- 
schwiegen wird. Aber mit einem solchen argumentum ex silentio 
muß man sehr vorsichtig sein, weil man nur selten im stände 
ist die gründe dafür zu eruieren. Eine lange reihe von beinahe 
täglichen briefen an Atticus mehrere monate hindurch beweist, 
wie schmerzlich Cicero den verlust seiner geliebten Tullia fühlte, 
und doch erfahren wir durch ihn nicht das mindeste von der 
eigentlichen zeit, den näheren Ursachen und besonderen umstän- 
den ihres im 32. oder 33. lebensjahre unvermuthet erfolgten 
todes. Warum? — Nake's berechnung bleibt also für X, 5 be- 
stehen. Andere datierungen Ruete's dagegen sind geschickt und 
glücklich: ich hebe namentlich heraus: *kurz vor 31. august 44 | 
Ep. XII, 27 Cicero Matio. Tusculanum. Ep. XI, 2« Matius Ci- 
ceroni. *Rom, mit der begründung anm. 42 und 43, *2, hälfte 
februar 43 | Ep. XII, 5 Cicero Cassio mit anm. 75, *15. — 25. 
mai 43 | Ep. X, 16 Cicero Planco mit der gegen Gruber und 
Nake gerichteten anm. 108. — Das zweite kapitel der disserta- 
tion, der erledigung des Streites um die Brutusbriefe gewidmet, 
zerfällt in folgende abschnitte: 1) übersieht der litteratur (p. 58 
— 60) , 2) worauf gründet sich die Verdächtigung der briefe ? 
(p. 60 — 68), 3) werden die briefe durch ihren inhalt als unecht 
erwiesen? (p. 68 — 100), 4) ist die echtheit aus sprachlichen 
gründen zu beanstanden? (p. 100 — 120). — Der erste abschnitt 
bietet nichts neues, rücksichtlich des zweiten bemerke ich, daß 
ich trotz Ruete noch heute die Überzeugung habe, I, 9, 1 — 2 
haben ihre quelle in Ep. IV, 5 , 5 — 6. Mich kann in dieser 
meiner Überzeugung nicht einmal eine stelle des Terenz erschüt- 
tern, die ich den gegnern suppeditieren will : Heaut. 922: Nonne 
id flagitiumst te aliis consilium clare, foris sapere, tibi non potis esse 
auxiliarier. Lieb aber wäre es mir gewesen , wenn Ruete die 
frage der entlehnung einer gründlicheren Untersuchung resp. 
abfertigung für werth erachtet hätte. Im 3. u. 4. abschnitt be- 
rührt sich Ruete in den wesentlichsten punkten mit L. Gurlitt 
(Philologus. Suppl.-bd. IV, 5), und da dieser dieselbe anordnuug 
Pliilol. Anz. XIV. 22 



318 58. M. Tullius Cicero. Nr. 5. 

befolgt, nämlich p. 557 — 609 chronologisch-historische prüfung 
der briefe, p. 609—625 kritik der spräche, und da Gurlitt au- 
ßerdem selbst p. 555 seine beweisführungen der hauptsache nach 
„als stützen und ergänzungen der Euete'schen" betrachtet, so 
wird es sich empfehlen die erörterungen beider gemeinschaftlich 
zu betrachten. Zunächst aber ein wort über den principiellen 
Standpunkt, der der controverse gegenüber einzunehmen ist, der, 
so einfach und naturgemäß er auch ist, dennoch von einigen 
verschoben wird. Die frage hat ebensogut ihre historisch-chro- 
nologische, wie sprachlich-logische seite, die eine ist so wichtig 
wie die andere, und keine darf auf kosten der andern nach in- 
dividuellem belieben und zufälligen anlagen oder Studien in den 
Vordergrund gerückt werden. Gesetzt in historischer beziehung 
wäre alles in Ordnung, so kann kein mensch die möglichkeit 
bestreiten, daß die briefe vom sprachlichen Standpunkte aus zu 
verurtheilen seien. Haben denn die philologen umsonst durch 
ihre genaue kenntnis der sprachlichen eigenthümlichkeiten eines 
Schriftstellers betrügereien entlarvt? Ich muß mich also gegen 
Gurlitt erklären, der p. 556 „der sprachlichen Untersuchung in 
diesem falle nur geringere beweiskraft zuspricht", und lasse mich 
nicht von 0. E. Schmidt a. a. o. p. 567 mit dem allbekannten 
wort des Cicero an Paetus aus dem felde schlagen : „epistulas vero 
cotidianis verbis texere solemus". Wunderbar ist es, wie selbst 
diejenigen, die die tragweite der sprachlichen Untersuchungen 
erkennen (Schirmer, Euete), sich dennoch einer eigenthümlichen 
inkonsequenz schuldig machen. Finden sie auffälliges und un- 
natürliches in den briefen von Brutus, so sind sie bereit von 
schriftstellerindividualität zu reden-, wird ihnen aber ganz das 
gleiche aus den briefen von Cicero's band entgegengehalten, so 
reden sie von möglichkeiten , daß der große redner den gedan- 
ken auch einmal habe anders formen können oder wollen gar 
emendieren. So wird man es gerechtfertigt finden, wenn ich im 
interesse des gleichgewichts der Untersuchung meine besprechung 
mit der spräche der briefe beginne. Daß der charakter dersel- 
ben affektiert, daß ihre art unart, Unnatur sei, das in extenso 
nachzuweisen war der zweck meiner abhandlung im Rhein, mus. 
neue folge 37, 4, p. 576— 597 1 ). Von den vier beispielen I, 

1) Wenn Knete mich einer gewissen petitio principii zeiht, weil 
ich die beiden schriftstellerindividualitäten Cicero und Brutus nicht 



Nr. 5. 58. M. Tullius Cicero. 319 

14, 2, I, 10, 5, I, 16,4, I, 16, 8, die ich als besonders schla- 
gend hervorhob zur feststellung des princips, nach dem der fal- 
sarius verfahren , haben die beiden letzten (aus einem brief des 
Brutus) Zustimmung gefunden, und auch das erste I, 14, 2 
„rempublicam , cui susceptus es" ist wenigstens von Gurlitt p. 613 
bedenklich genannt worden. In der that beweisen die citate 
Schirmer's (de harusp. resp. 57) und Ruete's (in Verr. III, 69) 
nichts gegen meine behauptung, daß Cicero das bildliche »natura esse u 
d. h. „geboren, von der natur oder Vorsehung bestimmtsein für" n i e 
mit „susceptum esse" vertauscht habe. — Zu I, 10, 5 „spes libertatis 
nusquam est nisiin vestrorum castrorum principiis" sagt Ruete p. 111 
„die behauptung (Becher 's), daß Cicero sich nicht so gekünstelt aus- 
gedrückt haben würde, ist nicht zu beweisen und darum auch nicht 
zu widerlegen". Mit verlaub ! Daß Cicero sich nie so ausgedrückt, 
wissen wir; wie er sich ausdrückt, wissen wir auch aus Ad. 
fam. XII, 9, 2 »itaque tibi persuade maximam reipublicae spem in 
te et in tuis copiis esse; firmos omnino exercitus habemus" ': Ist 
da noch etwas zu beweisen? Ich behaupte noch heute, daß 
XII, 9 das original zu den obigen worten bildet. Gurlitt giebt 
wenigstens p. 611 insofern eine lebendige Wechselbeziehung 
zwischen beiden briefen zu , als er sie an einem tage geschrie- 
ben sein läßt , will aber in dem „in vestrorum castrorum princi- 
piis" eine besondere scheidung zwischen führern und heer, einen 
tadel gegen Brutus und ein lob für die truppen wittern. Aber 
ist denn damit irgendwie „principiis" erklärt? Warum heißt es 
denn nicht in te wie Ep. XII, 9, 2? Der gedanke würde ja 
dadurch nicht im mindesten alteriert. Schirmer will (Phil. anz. 
1883, suppl.-heft 1) mit Manutius in v. c. praesidiis schreiben. 
Warum denn eigentlich? Doch wohl, weil es so schlecht zu 
Cicero's Schreibweise paßt, aber es paßt so vortrefflich zum 
genus dicendi unserer briefe, so daß eine emendation nichts an- 
deres als eine petitio principii hieße. Also ich konstatiere: zur 
feststellung des princips bleiben die beiden stellen in den Ci- 
cerobriefen ebenso gut stehen wie die beiden in den Brutus- 
briefen. Stünde doch susceptus und in v. c. principiis in den 
Brutusbriefen, wie liebend würde man es als beitrag zur schrift- 
geschieden, so erwidere ich darauf, daß mein aufsatz sieh an P. Meyer 
(Zürich 1881) anschloß, der die briefe beider getrennt „vorgenommen", 
ohne eine besondere „scbriftstellerindividualität" konstatieren zu können. 

22 * 



320 . 58. M. Tullius Cicero. Nr. 5. 

Steilerindividualität dieses mannes umfangen und begrüßen ! Oder 
sollte der zufall hier gewaltet haben? Er hat bei Ruete ein 
weites gebiet : ihm danken wir II , 1 , 2 „infödeliter" ; II, 5, 3 
„mihi non erat explicatum" , I, 1, 1 „ad scribendurn non necessaria", 

I, 2, 2 „exercitum movere", I, 5, 3 „quominus" nach „nee sanxit" 
und „nihil affertur" I, 10, 4 „quatefacere" (siehe Wölfilin : Ueber 
die latinität des Afrikaners Cassius Felix p. 423) u. s. w. Merk- 
würdiger tyrann, dieser zufall, daß er sich gerade diese wenigen 
briefe, die auch sonst so viel auffallendes und anstößiges bieten, 
auserkoren hat zur lagerstätte für alle möglichen sprachlichen 
Singularitäten! siehe Euete p. 115. Wenn aber Ruete sagt, 
daß er für die meisten anstößigen Wendungen (inßdeliter und 
quatefacere rettet er als anal- Xsycfxsva) „unabweisbare analogieen" 
aus Cicero nachgewiesen habe , so bestreite ich das. Das fol- 
gende wird lehren, daß diese vermeintlichen analogieen falscher 
Interpretation oder mangelndem Verständnis ihren Ursprung danken. 

II, 1 , 1 „non enim ignoras . , . quid intersit i dem illud utrum 
ante an post decernatur" ist „illud" unerklärlich und von Ruete 
sicher nicht erklärt. Seine interpretation beweist höchstens, 
daß es heißen könnte „quid illud (gerade daran) intersit idem 
utrum' 1 e. s., und Ep. ad Att. XV, 26, 1 ist deshalb kein analogon, 
weil an dieser stelle „idem illud" so viel bedeutet wie „quod tarn 
saepe ac paene importune petivit" (Orelli) — ibid. „in diem ex die 
dilata", trotz Ruete ein im lateinischen unerhörter Graecismus, ist 
nicht zu retten. Hier müßte es entschieden heißen : „in (singulos) 
dies" (Krebs- Allgayer : Antib. 5 p. 991 f.). Was soll denn Ruete's 
„differre in alium diem" (z. b. Ep. VII, 4)? Hat das schon je- 
mand bezweifelt? Uebrigens erklärt nicht Meyer die ausdrucks- 
weise für barbarisch, sondern Hand Turs. II, p. 207. — Wenn 
Ruete bei gelegenheit von II, 5, 3 „mihi non erat explicatum", 
was sicherlich eine Weiterbildung von „mihi non erat exploratum" ist, 
bemerkt, daß „explorare" stets „in erfahrung bringen" hieße und 
„mihi exploratum erat"" soviel sein müßte , wie ,,es war mir be- 
kannt", so ist das einfach falsch. Exploratus heißt sehr häufig 
„ausgemacht, ermittelt, gewiß" z. b. Cic. Mur. 49 oder Phil. X, 
20. — I, 2, 1 „adeone copiis abundat , ut is qui ex Asia fugere 
dicebatur Europam appetere coneturf" sucht Ruete dadurch zu 
halten, daß er den durch „is, qui" eingeleiteten satz als eine art 
parenthese faßt. Diese art von parenthese wird wohl jeder ken- 



Nr. 5. 58. M. Tullius Cicero. 321 

nen, nur erwartet man dieselbe gleich hinter „abundat", wie auch 
sämmtliche von Ruete beigebrachten beispiele bestätigen. Gur- 
litt's deutsche Übersetzung p. 610 rechtfertigt keineswegs die 
„mira verborum complexio et vitiosa compositio" (Cobet) , und seine 
eventuelle conjektur, „idem" für „is" zu lesen , ist nicht minder 
gewaltsam als überflüssig. — Ganz verfehlt ist die zu I, 2, 5 
„quod scribis me maximo otio egisse ut insectarer Antonios idque lau- 
das" von Ruete vorgeschlagene emendation „maximo negotio". 
Will man nicht maximo otio = fort a mon aise gelten lassen, so 
greife man zu dem Vorschlag des Manutius „maximo animo il , oder 
man substituire ein wort, welches den sinn „moderatio" hat, denn 
das erheischt der Zusammenhang. Ich wage ganz schüchtern 
„maximo modo", s. Or. pro Cluentio 191, pro Sestio 79 am ende, 
pro Marcello 1. Daß Gurlitt p. 572 — 573 den handschriftlichen 
text durch die erklärung „mit größter muße" zu ehren gebracht, 
kann ich ihm nicht zugestehen. Es war eben zu beweisen, daß 
maximo otio = fort ä mon aise sein kann. S. Harburger progr. 
p. 17 und Rhein, mus. a. a. o. p. 587 anm. — Auch gegen 
Ruete's erklärung resp. rettung von I, 5, 1 ist entschieden ein- 
spräche zu erheben. „Si minus id commodo reipublicae facere 
sive non existimares ex republica esse" soll deshalb ganz unan- 
stößig sein , weil Cicero hier einen Senatsbeschluß referiert und 
weil ve archaistisch ist. Das erste ist mehr als zweifelhaft, denn 
es geht „(ego) decrevi" voran , und das zAveite ist wieder einfach 
fälsch : v e trennt bloß in der leichtesten form zwei begriffe (Küh- 
ner , Dräger u. a.). — Zu I, 10, 1 „desiderare ut" heißt es bei 
Ruete : „desiderare kommt zwar sonst nicht mit u t vor, hat aber 
nichts auffälliges, da Cicero u. a. in den brieten das verwandte 
opto sehr häufig mit ut konstruieren". Die anmerkung giebt 
beispiele für opto ut aus den briefen , ich könnte auch mit an- 
dern dienen: Verr. I, 17, 60, Caec. 9, 23 u. s.w., sed difficile 
est satiram non scribere. Ich bedauere, daß Gurlitt sich p. 610 
durch eine so unmethodische argumentation Ruete's hat düpieren 
lassen. S. Rhein, mus. p. 584. — Betreffs imp eller e in (I, 
10, 2) schiebt mir Ruete etwas unter, was ich nie gedacht noch 
gesagt habe s. a. a. o. p. 583. — Exp edire = klarlegen, 
darlegen sucht Ruete mit berufung auf Asinius Pollio Ep. X, 
33,5 zustutzen. Ist das die richtige instanz? Wir wollen ana- 
loga aus Cicero. Ganz neu und unerhört ist Gurlitt's erklärungs- 



322 58. M. Tullius Cicero. Nr. 5. 

versuch p. 612, wonach „expedire" „aus der haft des Schweigens 
frei machen" bedeuten soll. Denn selbst wenn man von der 
ktihnheit der Metapher absieht, so kommt „elegantissime" = „lo- 
gisch richtig" (Naegelsbach-Müller: Lateinische stil. 7 p. 21) dabei 
absolut nicht zu seinem recht. — Eiusd. Ep. § 2 „quem cum a 
me dimittens graviter f er rem" wird unter Zustimmung Gur- 
litts (p. 612) der wunderbare ausweg eingeschlagen „graviter ferre" 
absolut zu fassen und „dimittens" nicht davon abhängen zu lassen, 
aber Cicero ist doch grade darüber betrübt , daß er den Mes- 
salla entlassen muß. — Meine rettung des handschriftlichen si 
in I, 18, 3 sucht Ruete zu entkräften, indem er einwirft: „Al- 
lein „dependere" ist gleichbedeutend mit „solvere". Wer bestrei- 
tet denn das? — Noch eine stelle muß ich hier anschließen, 
die nicht vor dem forum der geschichte zu erledigen , sondern 
durch die kenntnis des lateinischen Sprachgebrauchs abzuthun 
ist: I, 12, 1 „Lepidus bellum acerrime terra marique gerit". 
Eine sachliche, unlösbare Schwierigkeit läge nach dem urtheil 
fast aller interpreten vor — obwohl Ruete es p. 93 für „selbst- 
verständlich" hält, daß Lepidus in dem am meer gelegenen Nar- 
bonensischen Gallien eine flotte zur Verfügung gehabt und den 
krieg auch zur see auf das heftigste geführt habe — , wenn nicht 
terra marique eine etwas übertriebene volksthümliche redensart 
wäre „ad extremum conatum studiumque significandum", siehe meinen 
aufsatz Philol. Supplbd. IV, 4, p. 503 — 504. — Was die spräche 
der briefe des M. Brutus angeht, so scheine ich glücklicher ge- 
wesen zu sein : ich finde fast überall Zustimmung. Darum nur 
noch zwei bemerkungen : das epexegetische quod utinam 1,4,5 
soll nach Ruete noch stehen Ep. ad Att. XIII, 48, 1 und XIV, 3, 1. 
Das ist falsch, denn quod ist beide male in einem elliptischen 
satz objekt resp. Subjekt. — Die notiz, daß exp ectare dum 
(I, 6, 1 ; II, 3, 4) in der bedeutung „neugierig , begierig sein, 
ob wohl" zu fassen sei, richtet sich, denke ich, von selbst^). — 
Gurlitt's auslassungen über die spräche der briefe erheben nicht 
den anspruch auf selbständige besprechung. Zwei punkte in- 
dessen kann ich nicht übergehen. I, 2, 1 „cum tu eo quinque 
legione8, optimum equitatum , maxima auxilia haberes" soll zu „eo" 

2) Um nicht ungerecht zu scheinen , bemerke ich ausdrücklich, 
daß Ruete's conjektur 11,1,3 „maioris autem partis animi ie Cassium- 
que respiciunt" und die bemerkungen über die anreden p. 103 alle 
Beachtung verdienen. 



Nr. 5. 58. M. Tullius Cicero. 323 

missas aus dem „misisse" vier zeilen vorher ergänzt werden. 
Unmöglich , denn das misisse ist längst dem gedächtnis durch 
6 — 7 andere verba entzogen, und andererseits ist eine solche el- 
lipse ebensowenig, wie das sprachlich ähnliche Heyne'sche „du- 
cendas", zu belegen. Fehlte „haberes", so könnte man sich diese 
ellipse schon eher gefallen lassen, s. Ep. ad Att. XIII, 51, 2. So 
aber bleibt es bei dem Wesenberg'schen eo loco, nur daß man 
es auf keinen fall = in Europa mit Ruete setzen darf. Daß 
ibid. § 5 „agere ut" = „id facere ut" sein könnte , hat Gurlitt 
nicht bewiesen, am allerwenigsten durch Ep. ad Att. XIV, 10, 1 
„hoc Brutus egit ut Lanuvü esset". Auch das hat er unbewiesen 
gelassen, daß „agere ut" = „facere ut" zur stärkeren betonung 
des verbalbegriffs dienen könnte. Uebrigens wäre das auch ir- 
rationell, weil agere im Verhältnis zu facere ein viel zu determi- 
nierter begriff ist. Das allgemeinste verbum der thätigkeit thun 
(facere) kann wohl zur Umschreibung verwandt werden, im mit- 
telhochdeutschen tritt es bekanntlich einfach für das betreffende 
verbum ein. 

Es bedurfte eines etwas ausführlicheren eingehens auf sprach- 
liche einzelheiten , um konstatieren zu können, daß es sowohl 
Euete als auch Gurlitt versagt geblieben auch nur ein einziges 
wesentliches sprachliches bedenken wirklich zu beseitigen. — 
Doch zur historisch-chronologischen seite der controverse. Hier 
gestaltet sich die sache für den recensenten einfacher und leichter, 
weil beide forscher wirklich zu greifbaren resultaten gelangt 
sind. Es läßt sich in der that nicht leugnen, daß die Meyer 1 - 
schen Untersuchungen in den allerwesentlichsten punkten nicht 
allein ergänzt, sondern berichtigt sind. Ruete und Gurlitt haben 
sich — dank ihrer vortrefflichen historischen Schulung — wirk- 
liche Verdienste um die erledigung der ganzen frage erworben, 
nur nicht in dem sinne, wie sie selbst meinen. Ziehe ich aus 
Gurlitt's ergebnissen, die ja theilweise auf Ruete fußen, theilweise 
aus einer kritik der Rueteschen hervorgegangen sind, die summe 
und addiere dazu die ganze schaar der sprachlichen anstoße, 
wie sie von mir im Rhein, mus. vorgeführt sind, so ist für mich 
der unwiderleglich e beweis erbracht, daß die b riefe 
ad Brut um sämmtlich unecht sind. Eine nackte Zusam- 
menstellung des Gurlitt'schen resultates wird dies erhärten. Brief 
I, 2 ist in zwei brieffragmente aufzulösen I, 2 (tj 1 — 3) = 2 b 



324 59. M. Tullius Cicero. Nr. 5. 

und I, 2 (§ 4 — 6) = 2 a , I, 3, 4 „consules duos, bonos quidem, 
sed dumtaxat bonos, amisimus. Hirtius quidem in ipsa victoria oc- 
cidit, cum paucis diebus ante magno proelio vicisset; nam Pansa fu- 
gerat volneribus acceptis, quae ferre non potuit; reliquias hostium 
Brutus persequitur et Caesar", ist zu streichen, „da fast jeder ge- 
danke sei es gegen die geschiente, die Chronologie oder den 
geist der briefe verstößt" p. 579. Wenn nach der interpolation 
statt „hostes autem" e. s. „hostes enim u stehen müßte, so fiele das 
dem interpolator zur last". Zu streichen ist ferner I, 15, §3 — 
11 (ungefähr drei druckseiten bei Baiter umfassend), ferner I, 
16 ganz und I, 17 ganz (brief 16 und 17 bei Baiter 6 1 /* seiten 
füllend). Also von 30 ] /2 seiten, die die briefe bei Baiter un- 
gefähr umfassen, werden 9 1 /% seiten geopfert, dazu noch ein paar 
briefe als verloren gegangen angenommen, um in historisch-chro- 
nologischer beziehung einigermaßen Ordnung schaffen zu können. 
Ist das glaublich? Der aderlaß ist wirklich zu lebensgefähr- 
lich. Mit so gewaltsamen mittein kann man schließlich alles 
machen. Dabei ist es mir von Wichtigkeit zu bemerken, daß 
Gurlitt früher (dissertation p. 32) auch noch I, 18 über bord 
geworfen, jetzt hat er dies sein verdammungsurtheil über I, 18 
zurückgenommen. Vor einer solchen gewaltthat tritt die kühn- 
heit fast in den hintergrund , mit der sich Ruete wie Gurlitt 
über I, 4, 5 „consulem te (sc. Ciceronem) factum esse audivimus u 
wie über ein gerücht hinwegsetzen, obwohl ein so warmer ver- 
theidiger der briefe wie Schirmer diesen punkt für den heikel- 
sten in der ganzen echtheitsfrage erklärt hat, s. Meyer p. 48. 49. — 
Doch sapienti sat! Ruete - Gurlitt haben von neuem unumstöß- 
lich bewiesen, daß die briefe in historischer wie logischer beziehung 
kranken, und ich denke, daß es einfacher und methodischer ist, 
wenn wir die briefe ob der unmenge sachlicher, logischer und 
sprachlicher bedenken sämmtlich verurtheilen , als wenn wir ei- 
nem verfahren huldigen, welches in seiner gewaltsamkeit die toll- 
sten auswüchse übel beleumundeter destruetiver kritik fast über- 
bietet. — 

0. E. Schmidt beschäftigt sich in dem oben citierten auf- 
satz nach einigen einleitenden bemerkungen, die mit großer ent- 
schiedenheit für die echtheit der briefe eintreten und das Meyersche 
buch „einen schritt rückwärts" nennen, hauptsächlich mit I, 3, 
um zu beweisen, daß die worte § 4 „consules duos — et Caesar" 



Nr. 5. 60. Iuba. 325 

einen brief für sich oder das fragment eines selbständigen brie- 
fes 3 b bilden. Da wir die Gurlittsche meinung über diese worte 
bereits citiert und ihr bis auf die Schlußfolgerung, welche dar- 
aus gezogen wurde zugestimmt haben , so wird es nicht nöthig 
sein hier auf Schmidt's hypothese des näheren einzugehen. Die 
Übersetzung , welche Schmidt gegeben , ist wörtlich und kor- 
rekt, nur durfte , ) dissolutior u sc. liberalitas nicht mit ,, allzu kopf- 
los" übersetzt werden. S. Naegelsbach-Müller : Lateinische stil. 7 , 
p. 242. Ferd. Becher. 

60. De Iuba metrico. Part. I scripsit Hermannus 
Wentzel. Wissenschaftliche beilage zum Jahresbericht des 
königl. gymnasiums zu Oppeln 1881. 4. 17 p. 

Der Verfasser wendet sich mit vorliegender schritt zunächst 
gegen 0. Hense, der in seiner abhandlung „de Iuba artigrapho" 
(Acta soc. phil. Lips. tom. IV, Lips. 1875) nicht weniger als 149 
fragmente, meist aus Marius Victorinus entnommene stellen, dem 
Iuba vindiciert. Insbesondere tritt er Henses allzugünstiger meinung 
über spräche und diction Iubas entgegen, wobei freilich der verf. 
das kleine versehen begeht, ten Brinks urtheil über Iuba : „genus 
dicendi ad Ciceronis ubertatem non nihil esse conformatum" , als das 
Henses aufzufassen , trotzdem Hense ausdrücklich das genannte 
urtheil erst in wesentlicher beschränkung zu dem seimgen macht 
(p. 118). — Der Verfasser sucht nun seine aufgäbe dadurch zu 
lösen, daß er die als musterbeispiele den metrischen ausführungen 
Iubas folgenden lateinischen verse in bezug auf ihren Ursprung, 
etwaigen dichterischen gehalt und spräche prüft, „quod, cum se- 
mel qua ratione Iuba in versibus pangendis usus sit perspexerimus, 
iidem de hominis et ingenio et dignitate rectius et certius quam adhuc 
licebat cognovisse et ad eius quandam imaginem delineandam non 
nihil contulisse videbimur fp. 3). — 

Der bis jetzt vorliegende erste theil behandelt die metri- 
schen beispiele des Fragin. Bobiense. Der verf. nimmt an, 
die nach allgemeiner Überzeugung fWestphal, Keil, Hense) ur- 
sprünglich von Iuba beigefügten griechischen verse seien in be- 
zug auf inhalt den jetzt noch erhaltenen lateinischen völlig 
fremd gewesen, Iuba habe es sogar direkt vermieden, die grie- 
chischen verse in das lateinische zu übertragen „nullo alio vinctdo nisi 
metro contineri satis est (seil. Iubae) versus quos Rufinus laudat inspexisse 



60. Iuba. Nr. 5. 

(p. 5, womit p. 15, 7 zu vergleichen). Nur eine ausnähme gäbe es: 
das beispiel zu dem catalectischen octameter iambicus (Boissius.) 
Diese ansieht wird zunächst offenbar bestätigt durch die von Iuba 
aus Ovid und Vergil, vielleicht auch aus römischen tragikern (vgl. 
Eibbeck Trag. Rom. fragm. p. 248 ed. sec. und Keil Gramm, lat. VI, 
622, 11). entnommenen beispiele, ferner durch leicht erkennbare con- 
taminationen zweier oder mehrerer, meist vergilianischer, verse (vgl. 
p. 10 flg.). In allen diesen fällen müssen die ehemals vorhandenen 
griechischen verse anderer art gewesen sein. Ob man aber nur 
jene einzige ausnähme wird gelten lassen dürfen, bezweifle ich ; man 
wird vielmehr die möglichkeit wohl anerkennen müssen, daß Iuba 
auch noch in anderen fällen griechische verse in lateinische über- 
trug. Wenigstens glaube ich, daß das gegentheil von dem vrf. 
keineswegs bewiesen ist. Ja derselbe glaubt sogar selbst das 
griechische original zu dem Iuba'schen „ter peribimus" (fragm. V, 
mit der Keil'schen coniectur, vgl. Ind. lect. Halens. per hiem. 1873 
— 74, p. IX) in Eurip. Orest. 434: 8id zgimv ö" dnöXXvfiai ge- 
funden zu haben und bemüht sich so sehr beide verse ihrem sinne 
nach in völligen einklang zu bringen, daß er die meines erach- 
tens einzig annehmbare G. Hermann'sche interpretation der mat- 
ten Brunck-DindorfPschen (SiäzQiäv=navz£lwg) hintansetzt, einzig 
und allein in der absieht, dem also erklärten 8id zqiö>i> als ganz 
entsprechend das „ter peribimus" gegenüberzustellen, trotzdem in 
dieser und ähnlicher Verbindung „ter peribimus", wie der verf. selbst 
zugestehen muß, in der bedeutung = navzsXäg unlateinisch ist 
(vgl. auch Krebs Antibarbarus s. v. ter). Giebt das nicht ganz 
den anschein, als ob hier eine zweite ausnähme jener vermeint- 
lichen regel vorläge ? Auch was Hense a. a. o. p. 136 von 
den versen „perit, abit avipedis animula leporis" == i&i fioXs ia- 
yvnodog im 8i^.ag e!d(pov u und „ite, o Spartae primores u = dysz' 
co Unägzag svdvdgov schreibt, erweckt die Vorstellung, daß es 
sich hier um eine der Übersetzung fast gleich kommende Über- 
tragung griechischer verse handelt. Und wenn endlich Marius 
Victorinus dem homerischen verse II. 0, 2 die Vergilianische 
metaphrase aus Aen. X, 2 (vgl. noch M. Plotius bei Keil a.a.o. 
p. 517, 16 und 17, 520, 20 und 21, 522, 13 und 14) gegen- 
überstellt , so dürfte dies wohl auch die meinung zu bestätigen 
geeignet sein, daß die metriker, insbesondere daß Iuba ohne ir- 
gend welchen zwang sich aufzulegen die griechischen verse, 



Nr. 5. 60. Iuba. 327 

wenn sich schnell eine lateinische Übertragung fand , metaphra- 
sierten , oder wenn man will übersetzten. Ob hierauf auch die 
von Iuba wiederholt gebrauchten Wendungen wie: „ut est apud 
Euripidem" , „ut illud Alcmanis", „ut est apud Cratinum 11 u. s. w. 
hindeuten, ist sehr zweifelhaft. Vielleicht ergiebt eine ins einzelne 
gehende vergleichung sämmtlicher metrischer beispiele bei den 
grammatikern , für die hier selbstredend nicht der ort ist , nä- 
heren aufschluß (vgl. Keil a. a. o. 622 adn. v. 26). 

Während demnach der verf. die möglichkeit, daß [uba auch 
an anderen stellen den inhalt der griechischen verse in den la- 
teinischen wiedergegeben habe, mit nicht ausreichenden gründen 
zu bestreiten scheint ? billige ich gern recht vieles , was bei be- 
handlung der einzelnen fragmente in bezug auf quellen und 
mögliche reminiscenzen bei Iuba angeführt wird. Vieles hierbei 
läßt den scharfsinnigen , geübten philologen , alles den umsichti- 
gen, sorgsamen beobachter auf das deutlichste erkennen. — Zu- 
nächst werden die mehr oder minder auf griechische quellen zu- 
rückzuführenden fragmente behandelt. Was fragm. V („ter pe- 
ribimtis") betrifft, so glaube ich, daß der Verfasser das rechte 
hier nicht gefunden hat , und daß die stelle auch durch Keil 
noch nicht emendiert ist. Ich gedenke bei einer anderen gele- 
genheit auf dieses fragment zurückzukommen. — Auch in der 
beurtheilung des fragm. VI: „tale quäle vere primo („dulce" bei 
Hense) sibilat teres donax, das Wernsdorff Poet. lat. min. II, 291 
dem Septimius Serenus zuweist, kann ich dem verf. nicht bei- 
pflichten. Ich halte es zum mindesten für sehr gewagt, dem 
Iuba zuzumuthen , daß er „Järundo" und v arundo u , und sei es 
auch nur aus flüchtigkeit , oder um sich den vers bequemer zu 
gestalten , verwechselt und sein metrisches beispiel nach versen 
aus Stesichorus' Orestie gebildet habe. Die aus Bergk Poet, 
lyr. III 3 , p. 984 angezogenen stellen haben mit dem Iuba'schen 
verse nichts gemein , als daß j/qo? woa , beziehungsweise toiuös 
. . tfgog STisQyouirov, — das letzte ein sehr bekannter und viel 
gebrauchter ausdruck — dem tale vere primo zu gründe liegen 
soll. Ist der vers, der sich übrigens mit leichter mühe in einen 
griechischen derselben art verwandeln läßt , nicht etwa gar die 
lateinische Übersetzung eines solchen , so möchte ich ihn viel 
lieber , wenn schon eine beziehung gefunden werden soll , auf 
Eurip. Orest. v. 145 zurückführen: ovqiyyog onrng tivoul Xmtov 



328 ÖO. Iuba. Nr. 5. 

dövaxog. Das „sibilare" hat seinen ausdruck in „avgiyyog", onmg 
in tale quäle, und daß „Äsrcroe dova^ u mit „teres donax u identisch 
ist, braucht nicht bewiesen zu werden. Ich verweise kurz auf 
die „übertragene" bedeutung von „teres" und von „Ismbg", auf 
ausdrücke wie „teres atque rotundus" bei Horaz „teres oratio 11 und 
„teretes aures" bei Cicero im vergleich zu „Isntri [irjTig" „len- 
totsQoi [iv&ot u bei Euripides und Aristophanes , außerdem auf 
das „Xstitov ovgi&tv* 1 bei Hippocr. 477, 21 u. s. f. Mir ist es 
eben unmöglich zu denken, daß Iuba in erinnerung an die verse 
des Stesichorus und im begriff sie zur bildung eines lateinischen 
verses zu benutzen %sli8obv = hirundo gesetzt, dieses in „arundo" 
verkehrt und endlich noch für „arundo" das griechische wort 
„donax" eingesetzt habe, so daß in der that von dem verse Ste- 
sichorus' außer den landläufigen und überall vorkommenden 
ausdrücken „ijoog (aga u und „roiäds" nichts mehr vorhanden 
war. Eine solche mauipulation ist an sich schon zu compliciert, 
als daß sie glaubhaft wäre und durch hinweis auf anderweitige 
versehen, oder besser gesagt licenzen, die sich der metriker bei 
der bildung lateinischer verse aus griechischen erlaubt, entschul- 
digt werden kann. Und so klingt es mir denn auch bei der 
großen freiheit, der sich die metriker hierbei bedienten, sonder- 
bar, daraus daß in fragm. VII z. b. Iuba für das griechische 
avzi] Xiog, avtt] ^ano&gäxt] (aus dem Enchiridion Heliodors nach 
Wentzel, Gratulationsschrift p. 20) den vers bildet: „ipsa est 
Chios, ips a est Samothrace", anstatt etwa: „haec est etc., ich sage, 
es klingt sonderbar aus solchen an sich unbedeutenden freiheiten 
mit 0. Hense den Schluß zu ziehen: graecum sermonem Iubam 
parum calluisse, oder wie der verf. des vorliegenden schriftchens, 
von einer „mala confusio" (p. 8, 9) zu sprechen. Wer statt avrtj 
avrr/ liest — womöglich ohne accente und spiritusbezeichnung — 
und übersetzt, dem kann man ein „parum callere a oder ein „male 
confusis ovtog et avrog" noch nicht zum Vorwurf machen. Da 
übrigens auch „arundo 11 für „hirundo" mindestens eine ebenso be- 
denkliche mala confusio wäre, so müßte schließlich nach 0. Hense 
auch über die lateinischen kenntnisse Iubas das urtheil auf ein 
„parum callere" lauten. 

Vollkommen einverstanden bin ich mit den Verbesserungen 
Wentzels in fragm. IX : „Calliam" für „Caelium u ; fragm. X „Batte" 
für „bove u (Battus übrigens auch bei Ovid, Metam. II, 688, ge- 



Nr. 5. 60. luba. 329 

nannt). Ob indessen die „Libumica arva" Aen. I, 242 entnom- 
men sind , wage ich auf grund der gänzlichen Verschiedenheit 
des inhalts, der eine ideenassociation vollkommen auszuschließen 
scheint , zu bezweifeln. Im fragm. XI glaube ich mit recht 
darin eine nachahmung Vergils zu erblicken, daß „sirius" (Keils 
conjectur) adjectivisch gebraucht ist (vgl. Aen. X, 272)-, derselbe 
gebrauch findet sich auch bei Colum. RR. X, 289, dem luba viel- 
leicht auch anderweitig gefolgt ist (vgl. p. 16). Die beziehung 
des fragm. XI zu den versen aus der „Argo" (Bergk a. a. o. 
p. 1275) ist indessen recht unsicher. 

Der zweite theil des schriftchens behandelt diejenigen me- 
trischen beispiele , welche aus zwei oder mehreren stellen Ver- 
gils compiliert sind. Die art und weise wie fragm. XII. XIII. 
XIV zusammengeschweißt sind, erinnert an ähnliche machwerke 
bei Athenaeus (vgl. meine abhandlung „der vofiog", progr. des 
königl. Ratib. gymn. 1882, p. 17). Den verzweifelten vers 
(Keil a. a. o. p. 622, 9) gestaltet der verf. nicht ohne Scharf- 
sinn als contamination von Aen. XI, 624 flg. : „quae retro labens 
fugit voluta litoris vado u . 

Den dritten abschnitt endlich bilden diejenigen fragmente, 
bei denen irgend welche bedeutsame beziehungen auf griechische 
oder lateinische originale nicht ersichtlich sind. Mit trefflicher 
findigkeit , die von großer belesenheit zeigt, weiß der verf. ein- 
zelne parallelstellen anzuführen, die möglicherweise luba bei der 
gestaltung seiner verse vorgeschwebt haben. 

Auf grund seiner Untersuchungen kommt nun der verf. zu 
dem im ganzen sicher annehmbaren resultat, daß luba höchst 
unselbständig in der anfertigung seiner metrischen beispiele ge- 
wesen sei, daß er dieselben häufig mit wenig geschick bildete 
(„nam praeter 'quam quod ii fere omnes duritate quadam laborant, 
quae luculento est testimonio , qui tales fingere posset , non ita facile 
tum linguam latinam tractasse, singula parum aptis commodisque ver- 
bis latine dixisse metricus censendus est"), daß er mit Vorliebe grie- 
chische Wörter an stelle lateinischer gebraucht, daß er endlich 
außer Vergil (und nicht auchOvid?) keinen lateinischen dichter 
benutzt habe. Aus den letztgenannten umständen ergiebt sich : 
„eum graecis literis magis quam latinis fuisse doctum . ., also ein 
endresultat, das der mehrfach citierten Hense'schen meinung 
entgegensteht. 



330 61. Alte geschichte. Nr. 5. 

Die in flüssigem und gewähltem latein geschriebene abhand- 
lung ist somit sehr beachtenswerth und als werth voller, äußerst 
dankenswerther beitrag zur kenntniß des artigraphen zu regi- 
strieren. — 

Zum schluß ein kurzes verzeichniß der ungenauigkeiten im 
druck, die mir aufgefallen sind. P. 3, 23 muß „esse" vor „cen- 
seret" getilgt werden; p. 10, 8 ist statt Bergk, p. lyr. IIP, 
1274: 1275 zu lesen, ebenso p. 10,17 statt Aen. I, 667: 663. 
p. 11, 24 statt 383: 379 und ibid. 35 statt 188: 184-, p. 14, 
23 statt 13: 14 und ibid. 34 statt 14: 12, dementsprechend 
auch p. 15, 1 statt 17: 15. Heinr. Reimann. 

61. Weltgeschichte von Leopold vonRanke. Vierter 
theil. Das kaiserthum in Konstantinopel und der Ursprung ro- 
manisch-germanischer königreiche. Erste und zweite abtheilung. 
Erste bis dritte aufläge. Leipzig, Verlag von Duncker und 
Humblot 1883. 8. 20 mk. 

Der vierte theil, der mit gewohnter präcision an der Jahres- 
wende erschienen ist, schildert in seiner ersten abtheilung die 
kaiser, die kirche und die invasionen der Germanen vom vierten 
bis in das sechste Jahrhundert, während die zweite Iustinian und 
die definitive festsetzung germanischer Völker im westen des reichs 
behandelt und gleich den früheren bänden am Schlüsse „ana- 
lekten" gibt, die, wie alle diese quellenuntersuchungen, nicht von 
subjectivität frei sind. 

Keine periode der alten geschichte ist so bedeutend für die 
Weltgeschichte wie diese, in welcher neben dem sinkenden kai- 
serthum , das nur noch die kraft hat , im osten eine eigenartige 
Schöpfung ins leben zu rufen, die machtstellung der kirche be- 
gründet und der westen die beute der Germanen wird; chri- 
stenthum und Germanenthum werden die beherrschenden mächte 
der folgezeit. Zum letzten male vereinigte sich in Constantius II. 
die gewalt des kaiserthums und die moralische macht der christ- 
lichen kirche, doch in der weise , daß die kirche von der welt- 
lichen gewalt abhängig sein und bleiben sollte; kein kaiser vor 
und keiner nach ihm hat so klar diesen gedanken erfaßt und 
war so nahe daran, ihn zu verwirklichen. Schon unter Gratian, 
Valentinian II. und Theodosius I. war daran nicht mehr zu 
denken, und der triumph der kirche war vollendet als unter den 






Nr. 5. 61. Alte geschiente. 331 

gefahren, welche das eindringen der (iernianen dem reiche 
brachte, der dogmatische Zwiespalt, der so lange eine machtstel- 
lung der kirche gehindert hatte, durch die synode von Chalkedon 
einen mittelpunkt fand, in dem sich Orient und occident einigen 
konnten ; in letzter linie war es doch der römische bischof ge- 
wesen, dessen wort jetzt auch für den Orient maßgebend wurde ; 
er trat gewissermaßen gleichberechtigt und paktirend mit dem 
kaiserthron in Konstantinopel auf. Parallel dieser entwickelung 
läuft die germanische invasion, deren hauptzüge in meisterhafter 
darsteUung vorgeführt werden , auch hier überall mit erstaunli- 
cher kenntniß der details. 

Ranke sucht überall die beziehungen der ereignisse auf den 
weltgeschichtlichen gang herzustellen; im einzelnen geschieht 
dies manchmal nicht ohne gewaltsamkeit. Wie im dritten bände 
(1,211) der jüdische und der britannische aufstand in bezug auf 
die äußere macht in Zusammenhang gebracht werden und sogar 
in der religiösen bedeutung des sieges ein innerer Zusammen- 
hang gefunden wird, da in Britannien die vornehmste keltische 
opferstätte vernichtet wurde , während in Iudäa der im sinne 
des religiösen particularismus geleistete widerstand schritt für 
schritt vor den warfen der Römer wich, so wird im vierten bände 
die erhebung des Magnentius mit der kriegführung des Constan- 
tius gegen die Perser in Zusammenhang gebracht. Wenn hier 
nicht die bedeutung des kirchlichen eifers des Constans unter- 
schätzt wäre , welcher die noch immer mächtige und zahlreiche 
partei der heiden beleidigt hatte , sein heranziehen deutscher 
truppen sowie seine schlechte beamtenwirthschaft — Magnentius 
erscheint Wilm. Exempl. I. Lat. no. 1086 als liberator orbis Romani, 
restitutor libertatis et reipubl. conservator militum et provincialium — so 
hätte sich jene anknüpfung vielleicht weniger entgegengedrängt ; 
die empörer fühlten sich des anhangs im westen zu sicher, als daß 
sie durch die kriegerischen Verwicklungen im osten wesentlich 
beeinflußt werden konnten. — Zu einigem Widerspruche fordert 
auch die beurtheilung Iulians heraus. Nach Ranke „zeugen 
seine Schriften von reicher begabung und hervorragendem ta- 
lente ; unter den hervorbringungen der zeit gebührt ihnen eine 
der ersten stellen". Letzteres mag man zugeben , aber sicher 
haben die Schriften Iulians wenig originelles ; ein jagen nach 
citaten , gleichnissen und frostigen witzen muß oft die eignen 



332 61. Alte geschichte. Nr. 5. 

gedanken ersetzen-, und wenn er sich selbst für einen philoso- 
phen hält, so ist er doch wesentlich rhetor, von seinen gegnern 
nicht ganz unrichtig doctor umbratilis specie doctrinae stolidus ge- 
nannt. Aber diese literarische thätigkeit erscheint bei ihm auch 
in recht unpassender und schädlicher weise mit der politischen 
verquickt. Auch der mangel an innerer festigkeit tritt doch 
sehr bezeichnend an ihm hervor. — Ebenso dürfte für den ein- 
fall der Lentienser unter Gratian schwerlich „das germanische 
gemeingefühl" der grund gewesen sein, eher die hoffhung unge- 
straft rauben zu können. — Jedenfalls unsicher ist die 4, 2, 8 
ausgesprochene behauptung, der präfekt Valerians Balista, der 
von Odaenathus gestürzt wurde , sei ein Anicier gewesen ; denn 
die ihm zugeschriebenen münzen mit dem namen Serv. Anicius 
Balista werden von Eckhel DN. 7, p. 461 und Cohen 5 p. 8 
für unecht gehalten. 

Die analekten beschäftigen sich mit Eusebius, Zosimus, 
Procopius , Iordanes und Gregor von Tours. Das resultat der 
Untersuchung ist für Eusebius sehr günstig. Man müsse sich, 
meint Bänke, immer bei der darstellung des Eusebius des ge- 
dankenganges erinnern , der ihm eigen sei , alles beruhe darauf, 
daß sich Constantin um den sieg des wahren glaubens unend- 
lich verdient gemacht habe und von Gott unmittelbar dafür be- 
lohnt worden sei ; der habe ihm langes leben , viele siege und 
ein glückliches ende verliehen. Daß dabei die menschlich- 
keiten zurücktreten , verstehe sich von selbst ; an der Wahrheit 
der thatsachen der lebensbeschreibung dürfe man nicht zweifeln. 
Besonderes interesse bietet der versuch, den Widerspruch zwischen 
dem bericht der kirchengeschichte des Eusebius und der vita 
über die wunderbare kreuzeserscheinung zu erklären. Daß der 
bericht der letzteren erfunden sei, hält Ranke für unmöglich. 
Warum? „Eusebius würde ein verbrechen an der historischen 
Wahrheit begangen haben, was man dem um die allgemeine ge- 
schichte hochverdienten bischof nimmermehr zutrauen kann". 
Ranke sucht die sache so zu erklären, daß der bischof wirklich 
den Vorfall von Konstantin erfahren habe, dessen Stimmung im 
entscheidenden augenblicke sich mit Sicherheit aus dererzählung 
abnehmen lasse. „Diese aber beruhte auf einer von langer hand 
angebahnten, in der tiefe der seele ruhenden, religiösen Überzeu- 
gung , die inmitten der krise die oberhand behielt". Es ist 



Nr. 5. 61. Alte geschichte. 333 

natürlich sehr schwierig, diese frage in diesem oder einem andern 
sinne zu entscheiden ; Konstantin war unzweifelhaft eine religiöse 
natur, und ebenso sicher war er kryptochrist, und wenn er auch den 
confessionslosen staat über die religion stellen wollte , so hat er 
doch durch letztere eigenschaft sein werk selbst untergraben. 
Aber ob man deshalb von einer tiefen, in der seele ruhenden 
Überzeugung bei Konstantin sprechen darf, ist doch eine andere 
frage , die münzen tragen allerdings jene zeichen Christi , Kon- 
stantin hat für seine söhne christliche lehrer gewählt , die Chri- 
sten stark bevorzugt , ja er hat sich , wenn Eusebius hier recht 
hat , auf dem todtenbett taufen lassen ; aber Eusebius läßt ihn 
an seinem hofe reden halten, die allerdings entschieden religiös, 
aber durchaus farblos sind , und damit stimmen die zahlreichen 
mit dem heidenthum in Verbindung stehenden anordnungen, die 
Konstantin doch auch getroffen hat. Man wird vielleicht sagen 
können , Konstantin habe sich in späteren jähren mehr und 
mehr von seiner göttlichen mission durchdrungen gefühlt und 
dem bischof zum zeichen der beglaubigung jene erscheinung er- 
zählt; ob er sie deshalb wirklich selbst geglaubt, ist damit noch 
nicht entschieden, um so weniger, als doch die vermuthung nahe 
liegt, Konstantin habe sich als gottbegnadet hingestellt, um die 
erinnerung an seine minder rühmlichen thaten zu verwischen. 
Andererseits ist doch die annähme auch zu begründen, daß der 
bischof mit seiner vita eine vertheidigung des kaisers gegen die 
angriffe der heidnischen Schriftsteller mit wissen , ja nach dem 
Wunsche Konstantins unternommen hat , wobei er von diesem 
mit material unterstützt wurde. Auch darin werden wahrschein- 
lich nicht viele Ranke zustimmen , wenn er meint, Eusebius ge- 
rathe nicht mit sich in Widerspruch, wenn er von allen kriege- 
rischen Verwicklungen absehen zu wollen erklärt und doch kriegeri- 
scher Unternehmungen und ihrer erfolge gedenke, da er in diesen 
nur die geistigen motive hervorhebe ; dazu bedurfte es doch nicht 
der Schilderungen 1, 12 — 23; 26 — 40, 4, 5, 6; noch weniger 
erklären sich bei dieser annähme 1, 49 — 59; 2, 1. 2. Auch 
die Widersprüche zwischen der lebensbeschreibung und der kir- 
chengeschichte werden sich nicht allen wie Ranke als „wenig 
bedeutend" beweisen. Wie stimmt weiter zu der von Eusebius 
so sehr betonten kürze, deren er sich befleißigen will, die aus- 
führliche wiedergäbe des christenedikts 2 , 24 — 42 , nachdem 
Piniol. Anz. XIV. 23 



334 61. Alte geschichte. Nr. 5. 

dasselbe 2, 20, 21 schon genügend erwähnt war? und die des 
rescripts an die provinzialen im Orient 2, 47 — 60, namentlich 
mit c. 45 zusammengehalten? (Vgl. die schrift von P. Meyer 
De vita Constantini Eusebiana , progr. des gymnas. zu Crefeld 
1883). — Die angaben Eckhels über das erscheinen des labarum 
sind nach den Untersuchungen von Madden , Christian emblems 
ort the coins of Constantine I the Great, his family and his successors 
Num. Chron. 1877, 11 ff., 242 ff, 1878, 1 ff., 169 ff. nicht mehr 
ganz zutreffend; aber auch letztere werden von einem der be- 
deutendsten besitzer Konstantinischer münzen , dem grafen von 
Westphalen, als vielfach ungenau bezeichnet. 

Bei Iordanes' Getica gelangt Ranke zu dem ergebnisse, daß 
dieselben zwar als eine auf historischen Vorstudien basirte, aber 
zugleich auf den moment angelegte , politisch - historische arbeit 
über die geschichte der Gothen anzusehen seien. Aus einer ver- 
gleichung der Romana und Getica wird die vermuthung abge- 
leitet, daß Cassiodorius der intellektuelle Urheber der schrift des 
Iordanes, deren inhalt ihm selbst formell angehörte, gewesen sei. 
Er habe seiner ursprünglichen darstellung, die sich nur auf das 
verhältniß zu Rom bezog, die wendung, durch welche Konstan- 
tinopel in die fragen der politik gezogen wurde, selbst gegeben 
oder doch zugelassen, daß ihr eine solche gegeben wurde. Diese 
annähme würde alle die Schwierigkeiten, die sich aus der vor- 
rede , die aus einem fremden werke entlehnt ist , und dem ver- 
hältniß der texte ergeben , beseitigen. Iordanes hätte nur den 
namen gegeben, durch welchen der eigentliche Ursprung verborgen 
gehalten werden sollte ; er wäre mehr redactor als autor. Ich fürchte, 
der berühmte historiker wird nicht viele anhänger für diese an- 
nähme finden. Sicherlich hätte Cassiodorius, wenn er einen Strohmann 
vorschieben wollte, einen minder oberflächlichen und unwissenden 
gewählt als Iordanes. Die von Ranke in bezug auf Constanti- 
nopel gegebene vermuthung erklärt sich durch die annähme, 
daß Iordanes, wie Schirren annimmt, in Constantinopel schrieb, 
oder daß er, wie Mommsen meint, als kind der Donauprovinzen 
die dortigen Verhältnisse genau kannte und besonderes interesse 
dafür bewies, zur genüge (Mommsen p. XIII— X.) Auch geht 
Ranke überall von der annähme aus (s. p. 313 „ungleich wich- 
tiger ist sein genanntes werk, dem er wahrscheinlich mit bezug 
auf das erste etc."), daß die Romana vor den Getica vollendet 



Nr. G. Bibliographie. 335 

seien, während doch kein grund vorliegt, die angäbe des Iordanes 
Rom. praef. 5 quam iamdudum — edidissem zu bezweifeln , wie 
Mommsen p. XV und XXIX nachgewiesen hat; schon dadurch 
verliert aber seine annähme eine wesentliche gruncllage ; auch 
ist das, was Mommsen über das verhältniß beider Schriften be- 
züglich des inhalts p. XXIX vorgebracht hat, nicht widerlegt. 
So dürfte im wesentlichen die annähme richtig sein, daß Iordanes 
in beiden Schriften Cassiodorius mehr oder minder stark benutzt 
(Mommsen p. XLIV), aber die lokale färbung und die politische 
tendenz ganz unabhängig von letzterem dazu gegeben hat, falls 
man überhaupt von letzterer sprechen kann , wenn damit mehr 
gemeint ist , als eine naive Verherrlichung der Gothen , deren 
Übertreibungen doch schwerlich dem Senator zur last gelegt 
werden dürfen. Hermann Schüler. 

Bibliographie. 

Erschienen ist : Nekrolog für Conrad Bursian von Richard 
Richter und nekrolog für Wilhelm C'lemm von Hermann Schiller, 
beides separat -abdrücke aus Iwan Müllers biographischem Jahr- 
buch für alterthumskunde, Berlin, Calvary u. co. 

Versendet ist von Le Monnier's nachfolger in Florenz die 
ankündigung folgenden werkes : Collezione Fiorentina di Facsimili 
paleograföci greci e latini illustrati da Girolamo V Hellt e C e- 
sare Paoli, Professori del R. Istituto di Studi Superiori in Fi- 
renze. — In Italien legt man jetzt großes gewicht auf die pa- 
läographie : daher hat dies werk das R. Istituto di Studi supe- 
riori in Firenze veranlaßt 5 es bezweckt die wichtigsten paläogra- 
phischen facsimilia aus den florentinischen archiven 
und bibliotheken dem gelehrten publicum zngänglich zu 
machen. Es geschieht dies durch dem original täuschend ähn- 
liche abbildungen in unveränderlichem druck (heliogravure), die 
von erklärendem text begleitet sind. — Die bedeutung der flo- 
rentinischen archive und bibliotheken ist in der gelehrten weit 
zur genüge bekannt. Aus den schätzen der Biblioteca Lau- 
renziana, Nazionale, Riccardiana und Mar uc e lli ana, 
des R. Archivio di Stato, des Museo di San Marco 
und verschiedenen privat - Sammlungen haben die beiden ken- 
ner auf diesem gebiet , Girolamo Vitelli , professor der griechi- 
schen und lateinischen spräche, sowie der griechischen pa- 
läographie und C'esare Paoli, professor der lateinischen paläogra- 
phie und der diplomatik, eine auswahl der am meisten interesse 
bietenden handschriften getroffen , von denen zudem ein großer 
theil bisher noch gänzlich unbekannt oder wenig bekannt war. 
— Dem paläographen, sowie jedem gelehrten, der als philologe 



336 Bibliographie. Nr. 6. 

oder historiker sich mit dem classischen alterthum und mittel- 
alter beschäftigt, ist hiermit ein reiches material für neue Stu- 
dien geboten. — Es sei bemerkt, daß die erläuterungen sich 
nicht nur auf die abbildungen beziehen , sondern auch vielfach 
in eingehender weise den ganzen codex, die eigenheiten der co- 
pisten u. a. kritisch beleuchten. — Das ganze werk soll 300 
tafeln in großfolio umfassen und in 12 lieferungen, jede zum 
preise von 40 mark erscheinen : die lieferungen werden auch ein- 
zeln abgegeben. Aus dem ersten hefte heben wir als für philolo- 
gen wichtig hervor, von Griechen die facsimiles von Aescbylos, 
Laur. 32, 9, Oppian, Laur. 31, 3, Demosthenes, Laur. 59, 9, 
Aristoteles, Laur. 72, 5, Dio Chrysostomos, Conv. Soppr. 114, 
Lucianus, Conv. Soppr. 77, daneben kirchenväter wie Johann 
Chrysostomos , Gregor von Nazianz ; — von Lateinern Horaz, 
s. XIV, Tacitus s. IX , Orosius s. VI , daneben mancherlei do- 
cumente aus dem mittelalter, briefe von Petrarka u. s. w. 

Es ist erschienen Bibliotheca philologica herausgegeben von 
G. Kossinna Jahrg. 36, heft 1, Januar bis juni 1883, Göttingen 
bei Vandenhoeck und Ruprecht. 

Ausgegeben ist: Verzeichnis ausgewählter werke aus dem 
Verlage der Weidmannschen buchhandlung in Berlin, welche zu be- 
deutend ermäßigten preisen durch alle buchhandlungen zu be- 
ziehen sind. Gültig bis zum Schlüsse des Jahres 1884 , soweit 
die dazu bestimmten vorräthe reichen. — (Enthält sehr viele 
wichtige philologische artikel.) 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in 
'Leipzig, 1884 nr. 1 enthalten in abtheil. 1 angaben über fol- 
gende nächstens erscheinende werke : Comicorum Atticorum frag- 
menta ed. Th. Koch, vol. II, p. 1; — Glossae nominum ed. 
Gust. Loeive: accedunt ejusdem in Glossaria latina coniectanea 
collecta a G. Goetz -, — der saturnische vers und seine denkmäler 
von Lucian Müller ; — Vergil und die epische kunst von H. Th. 
Plüß; — [Aristotelis ethica Eudemia] Eudemi Khodii ethica, ad- 
iecto de virtutibus et vitiis libello , recognovit Fr. Susemihl • — 
Herodoti historiarum 11. IX edidit H. Dietsch ; edit. altera, cu- 
ravit H. Rallenberg. 

Verlagsbericht von Fr. A. Perthes in Gotha, darin zweiter 
bericht über die sogenannte Bibliotheca Gothana, Schulausgaben 
griechischer und lateinischer classiker mit deutschen anmerkun- 
gen , welche , so viel wir gesehen haben , auf etwas niedriger 
stufe zu stehen scheinen. Aus dem übrigen verlag ist hervor- 
zuheben: Orbis terrarum antiquus in scholarum usum descriptus 
ab A. von Kampen, der nächstens im Ph Anzeiger besprochen 
werden wird ; ferner Spruner- Bretschneider historischer wand-atlas, 
10 karten zur geschichte Europas im mittelalter bis auf die 
neuere zeit, 3. aufläge. 



Nr. 6. Bibliographie. 337 

Verzeichnis von Schulbüchern aus dem verlag der Weid- 
mann'schen buchhandlung in Berlin. 

Ausgegeben sind : Bericht über die durch prof. W. Oncken 
herausgegebene „Allgemeine geschichte in einzeldarstellungen", 
verlag von G. Grote in Berlin, — ferner Denkmäler des classi- 
schen alterthums zur erläuterung des lebens der Griechen und 
Römer . . . lexicalisch bearbeitet und in Verbindung mit einer 
reihe gelehrten herausgegeben von A. Baumeister , verlag von 
R. Oldenbourg in München und Leipzig: der prospect enthält 
näheres über die art des werkes. 

Versandt ein prospect der „Bibliothek sämmtlicher griechi- 
scher und römischer classiker ins deutsche übertragen und mit 
kritischen anmerkungen versehen , im verlag von A. Werther in 
Stuttgart. 

Von dem in Turin bei H. Löscher erscheinenden Giornale 
storico della litteratura italiana sind prospecte versendet. 

Ausgegeben sind die beiden ersten hefte nebst einem aus- 
führlichen prospecte des von W. H. Röscher und Th. Schreiber 
in verein mit einer reihe gelehrten bearbeiteten lexicon der griechi- 
schen und römischen mythologie, in verlag von B. G. Teubner. 

Der Reichsanzeiger enthält mittheilungen über folgende ca- 
taloge der antiquare: Joseph Baer u. comp, in Frankfurt a. M. 
und Paris nr. 139 in nr. 76, nr. 140 in nr. 78, nr. 141 und 
antiquarischer anzeiger nr. 340 in nr. 82 ; — Lehmann und 
Lutz in Frankfurt a. M. nr. 46 in nr 68 ; — Schletter' sehe buch- 
handlung (Franck und Weicherd) in Breslau in nr. 56. 

Cataloge der antiquare: catalog nr. 62 von lsaac St. Goar 
in Frankfurt a. M., classische philologie, nr. 63 von demselben, 
alterthumswissenschaft : beide cataloge enthalten die nachgelas- 
senen bibliotheken des dr. E. Brentano in Frankfurt a. M. und 
des oberschulrath professor Ph. Krebs in Weilburg; nr. 683 
bücherlager von Kirchhoff und Wigand in Leipzig ; — nr. 28 
von Weiß und Schach in Leipzig, alle für classische philologie 
zu beachten. 

Verzeicbniß der wichtigeren Publikationen auf dem gebiete der alter- 
thumswissenschaft. 1884. IV. 
Deutschland. Oesterreich. Schweiz. 

297. Anagnostopulos, Georgios, mal rrjs Xnuviyr^ ImTo/ttje iov Buq- 
ßdoov. Diss. Jena 1884. 40 p. 1 mk. 

298. Anonymi de situ orbis libri IL E cod. Leid, nunc primum 
ed. Max. Manitius. Stuttgart, Cotta 1884. 8. XV, 97 p. 5 mk. 

299. Balkis, Emil, Grrammatica Plautina. Spec. 1. 2. Berlin, 
Mayer u. Müller (1884). 8. und 4. 50 und 11 p. 2 mk. 

300. Bender, über die ausspräche des lateinischen. Vortrag. 
Tübingen 1883, Fues. 8. 11 p. 40 pf. (Aus Correspondenz-blatt d. 
Württemb. gelehrtsch.). 

301. Bergk, Theod., beitrage zur römischen Chronologie hrsg. v. 
Gust. Hinrirhs. Leipzig, Teubner 1884. 8. 84 p. (Aus Fleckeisens 

jahrbb. f. philol. Suppl.-bd. XIII). 2 mk. 40 pf. 



338 Bibliographie. Nr. 6. 

302. Biese, Alfr., die entwicklung des naturgefühls bei den Grie- 
chen und Römern. 2. theil: die entwicklung des naturgefühls bei d. 
Römern. Kiel, Lipsius u. Tischer 1884. 8. VI, 210 p. 4 mk. 

303. Brambach , Wilh. , hülfsbüchlein für lateinische rechtschrei- 
bung. 3. aufl. Leipzig, Teubner 1884. 8. VIII, 68 p. 75 pf. 

304. Cicero's rede für S. Roscius aus Ameria. Mit den Testimo- 
nia veterum und dem Scholiasta Gronovianus hrsg. u. erkl. von dr. 
Gust. Landgraf. IL hälfte. Commentar. Erlangen, Deichert 1884. 
8. p. 119-427. 4 mk. 

305. Cohn, Leopold, Untersuchungen über die quellen der Plato- 
scholien. Leipzig, Teubner 1884. 8. 94 p. 2 mk. 40 pf. (Aus Fleck- 
eisen's jahrbb. f. philol. Suppl.-bd. XIII.) 

306. Comelii Nepotis vitae ed. Geo. Andresen. Prag , Tempsky 
u. Leipzig, Freytag 1884. 8. 60 pf. 

307. Cornelius Nepos. Für den schulgebr. mit erklär, anmer- 
kungen hrsg. v. Gustav Gemss. Paderborn, F. Schöningh 1884. 8. XII, 
197 p. 1 mk. 20 pf. 

308. Deecke, W. , etruskiscbe forschungen und studien. Heft 4. 
Beiträge zur erforschung der etruskischen spräche von Sophus Bugge, 
1. Sammlung. Stuttgart, Heitz 1884. 8. XIII, 265 p. 12 mk. Heft 5: 
die etruskischen bilinguen von W. Deecke. (Der etrusk. forsch, hft. 6). 
Ebda. VIII, 163 p. 6 mk. 

309. Doblhoff, J., auf dem trümmerfelde Aventicum's dem „Caput 
Helvetiorum". Eine studie. (Aus Monatsblätter des wissenschaftl. 
clubs.) Wien 1883. 8. (Basel, Schwabe.) 40 p. 2 taff. 2 mk. 

310. Fehleisen, Geo., zur rettung des Tacitus. Tübingen, Fues 
1881. 8. 15 p. 40 pf. (Aus Correspondenz-blatt für d. Württenib. 
gelehrtensch.). 

311. Flach, Hans, Württemberg und die philologie. Stuttgart, 
Metzler 1884. 8. 40 p. 60 pf. 

312. Franz, Wilh., die lateinisch-romanischen demente im alt- 
hochdeutschen. Straßburg, Trübner 1884. 8. V. 79 p. 1 mk. 80 pf. 

313. Geschichtschreiber, die, der deutschen vorzeit. 2. gesammt- 
ausgabe. Bd. I : die Römerkriege aus Plutarch, Caesar, Velleius, Sue- 
tonius, Tacitus. Tacitus Germania übers, v. J. Horkel. 2. aufl. Neu 
bearb. u. eingeleitet von W. Wattenbach. 1. abth. Leipzig, F. Dun- 
cker 1884. 8. XII, 212 p. 3 mk. 

314. Giesing, Friedr. , de scholiis Platonicis quaestiones selectae. 
Pars I: De Aeli Dionysi et Pausaniae Atticistarum in scholiis frag- 
mentis. Leipzig 1883. 8. 1 mk. 20 pf. Diss. 

315. Gregorovius , Ferd., der kaiser Hadrian. Gemälde der rö- 
misch-hellenischen weit zu seiner zeit. 3. aufl. Stuttgart, Cotta 1884. 
8. X, 505 p. 10 mk. 

316. Heiberg, J. L., philologische Studien zu griechischen mathe- 
matikern. Leipzig, Teubner 1884. 8. 37 p. (Aus Fleckeisens jahrbb. 
f. philol. Suppl.-bd. XIII). 1 mk. 

317. Herzog, Ernst, geschichte und system der römischen Staats- 
verfassung. 1 bd.: königszeit und republik. Leipzig, Teubner 1884. 
8. LXIII, 1188 p. 15 mk. 

318. Heydemann , Heinr., Alexander der große und Dareios Ko- 
domannos auf unteritalischen vasenbildern. Mit 1 doppeltafel und 2 
holzschn. (8. Hallisches Winckelmannsprogr.). Halle, Niemeyer 1883. 
4. 26 p. 2 mk. 

319. Hilgenfeld, Adolf, die ketzergeschichte des urchristenthums. 
Urkundlich dargestellt. Leipzig, Fues 1884. 8. X, 642 p. 12 mk. 

320. Homeri Iliadis carmina seiuncta discreta einen data prolego- 



Nr. 6. Bibliographie. 339 

menis et apparatu critico instructa ed. Gull. Christ. Pars I. Leipzig, 
Teubner 1884. 8. IV, 398 p. 8 mk. 

321. Horatins Flaccus, Q., rec. atque interpretatus est Jo. Gasp. 
Orellius. Ed. minorem VI post Jo. Geo. Baiterum cur. Guil. Hirsch- 

felder. Vol. II, 2 fasc. Berlin, Calvary u. co. 1884. 8. p. 249—559. 
2 mk. 25 pf. 

322. Horawitz , Adalb. , griechische studien. Beiträge zur ge- 
schichte des griechischen in Deutschland. 1. stück. Berlin , Calvary 
u. co. 1884. 8. 42 p. 2 mk. 

323. Humboldt, Wilh. von, sprachphilosophische werke hrsg. und 
erkl. von H. Steinthal. 2. hälfte. Berlin, Dümmler 1884. 8. p. 257 
— 699. 12 mk. 

324. Jordan , Beinr. , quaestiones archaicae. Königsberg, (Här- 
tung) 1884. 4. 13 p. 1 mk. 50 pf. 

325. Iuvenalis et Persii fragmenta Bobiensia ed. a. Geo. Goetz. 
Jena 1884. 4. 10 p. 70 pf. 

326. Kaerst , J., kritische Untersuchungen zur geschichte des 
zweiten Samniterkriegs. Leipzig, Teubner 1884. 8. 47 p. 1 mk. 20 pf. 
(Aus Fleckeisens jahrbb. f. philol. Suppl.-bd. XIII.) 

327. Kampen, Alb. von, orbis terrarum antiquus in scholarum 
usuni descriptus. Gotha, Perthes 1884. quer 4. 16 karten. 2 mk. 

328. Klinqer, Geo., de decimi libri Livii fontibus. Diss. Leipzig 
1884. 8. 2 mk. 

329. Kraetsch , Emil, de abundanti dicendi genere Lucretiano. 
Diss. Berlin, Mayer u. Müller 1881. 8. 87 p. 4 mk. 80 pf. 

330. Kraut, über den stil des Livius mit besonderer rücksicht 
auf die Livianische syntax. Vortrag. Tübingen, Fues 1882. 8. 13 p. 
40 pf. (Aus Corresp.-blatt f. d. württemb. gelehrtensch.). 

331. Lijisius , Rieh. Adalb., die apokryphen apostelgeschichten 
und apostellegenden. Ein beitrag zur altchristl. litteraturgeschichte. 
2. bd. 2. hälfte. Braunschweig , Schwetschke und söhn 1884. 8. 
431 p. 11 mk. 

332. Loeschche, die Enneakrunosepisode bei Pausanias. Ein bei- 
trag zur topographie und geschichte Athens. Dorpat 1883. 4. 
26 p. 1 mk. 

333. Luebbert, Ed. , Commentatio de Pindaro Clisthenis Sicyonii 
institutorum censore. Bonn, Cohen u. söhn 1884. 4. 18 p. 1 mk. 

334. Luebke , Herrn., observationes criticae in historiam veteris 
Graecorum comoediae I. de comoediae licentia legibus coercita, II. de 
Aristophanis cum aequalibus poetis comicis amicitia et simultate. 
Berlin, Mayer u. Müller 1883. 8. 59 p. 1 mk. 20 pf. 

335. Madvig , J. N. , syntax der griechischen spräche, besonders 
der attischen sprachform für schulen und für jüngere philol. 2. verb. 
aufl. Braunschweig, Vieweg u. söhn 1884. 8. X, 301 p. 5 mk. 

336. Marinelli, G., die erdkunde bei den kirchenvätern. Vortrag. 
Deutsch von Ijudw. Neumann. Mit einem Vorworte von S. Günther. 
Leipzig, Teubner 1884. 8. VIII, 87 p. 2 taff. 3 mk. 60 pf. 

337. Matsat, Heinr. , römische Chronologie. 2. bd. Römische 
Zeittafeln von 506 bis 219 v. Chr. nebst zwei nachtragen zum 1. bände. 
Berlin, Weidmann 1884. 8. VIII, 424 p. 8 mk. 

338. Meyer, Leo, vergleichende grammatik der griechischen und 
latein. spräche. 1. bd. 2. hälfte. 2. auü. Berlin, Weidmann 1884. 
8. VIII, p. 641—1270. 9 mk. 

339. Monumenta Germaniae historica inde ab a. D. usque ad- 
annum MD ed. Societas aperiendis fontibus rerum Germanicarum medii 
aevi. Auctorum antiquissimorum torai VI pars 1. Q. Aurelii Si/m- 



340 Bibliographie. Nr. 6 

machi quae supersunt ed. Otto Seeck. Berlin, Weidmann 1884. 4. 
CCXII, 355 p. 15 mk. 

340. — — — . Poetarum latinorum medii aevi tomi II, pars 1. 
Berlin, Weidmann 1883. 4. 480 p. 12 mk. 

341. — — — . Scriptorum rerum Merovingicarum tomi I pars 1. 
Gregorii Turonensis opera ed. W. Arndt et B. Krusch. Pars I: Hi- 
storia Francorum. Hannover, Hahn 1884. 4. VIII, 450 p. 14 mk. 

342. Müllenhoff, Karl, deutsche alterthumskunde. 5. bd. 1. abth. 
Berlin, Weidmann 1883. 8. IV, 356 p. 10 mk. 

343. Novdk, J. V., Piaton und die rhetorik. Eine philologische 
studie. Leipzig, Teubner 1883. 8. 100 p. 2 mk. 40 pf. 

344. Peter sdor ff, R,, eine neue hauptquelle des Q. Curtius Rufus. 
Beiträge zur kritik der quellen der geschichte Alexanders des großen. 
Hannover, Hahn 1884. 8. Ell, 64 p. 2 mk. 

345. Plauti, T. Macci , comoediae rec. etc. Fr. Ritschelius sociis 
operae adsumptis Gast. Loewe , Geo. Goetz, Frid. Schoell. Tom. II, 
fasc. 5 : Poennlus rec. Ritschelii schedis adhibitis Geo. Goetz et Gust. 
Loewe. Leipzig, Teubner 1884. 8. XXVI, 176 p. 5 mk. 

346. Plutarch's Themistokles für quellenkritische Übungen com- 
mentirt u. hrsg. von Adolf Bauer. Leipzig, Teubner 1884. 8. IV, 
104 p. 2 mk. 

347. Poestion, Jos. Cal., aus Hellas, Rom und Thule. Cultur- u. 
litteraturbilder. 2. (titel)-aufl. Leipzig (1882), Friedrich. 184p. 2 mk. 

348. Roesch , W. , über den griechischen accent. Vortrag. Tü- 
bingen, Fues 1882. 8. 17 p. (Aus Correspondenz-blatt f. d. würt- 
temb. gelehrtensch.). 

349. Saalfeld, Günther Alex., haus und hof in Rom im Spiegel 
griechischer cultur. Culturgeschichtl. beitrage zur beurtheilung des 
class. altertbums an der band der sprachwissensch. gewonnen. Pa- 
derborn, J. Schoeningh 1884. 8. VII, 274 p. 4 mk. 

350. Sammlung Sabouroff, die. Kunstdenkmäler aus Griechen- 
land hrsg. von Adolf Furtwiingler. 5. liefg. Berlin, Asher u. co. 10 
tafeln. 25 mk. 

351. Sartorius , Max, die entwicklung der astronomie bei den 
Griechen bis Anaxagoras und Empedokles. In besonderem anschluß 
an Theophrast dargestellt. Halle 1883. 8. (Aus Zeitschr. f. philos.). 
66 p. 1 mk. 20 pf. 

352. Schmidt, Otto Ed., die letzten kämpfe der römischen repu- 
blik. I. theil: historische studien. Leipzig, Teubner 1884. 8. 62 p. 
(Aus Fleckeisens jahrbb. f. philol. Suppl.-bd. XIII.) 

353. Scholia in Pindari Epinicia ad librorum mss. fideni edidit 
Eugenius Abel. Vol. II, fasc. 1 : Scholia vetera in Pindari Nemea et 
Isthmia continens. Berlin, Calvary u. co. 1884. 8. 160 p. 5 mk. 

354. Sehrader, Otto, thier- und pflanzengeographie im lichte der 
Sprachforschung. Mit besonderer rücksicht auf die frage nach der Ur- 
heimat der Indogermanen. Berlin , Habel 1883. 8. 32 p. (Samm- 
lung gemein verst. wissensch. vortrage hrsg. v. Virchow u. v. Holtzen- 
dorff. Heft 427). 

355. Schubert, Rud., geschichte der könige von Lydien. Breslau, 
Koebner 1884. 8. 132 p. 3 mk. 

356. Seemann, O. S., über den Ursprung der spräche. Vortrag. 
Leipzig, Friedrich 1884. 8. 33 p. 50 pf. 

357. Sophoclis Electra schob in usum ed. Frid. Schubert. Prag, 
Tempsky u. Leipzig, Freitag 1884. 8. XVIII, 49 p. 40 pf. 

358. Steffen, hauptm., karten von Mykenai. Auf veranl. d. kai- 
serl. deutschen archaeol. Instituts aufgenommen. 2 bl. Mit erläut. 
text nebst einem anhang über die Kontoporeia und das mykenisch- 



Nr. 6. Bibliographie. 341 

korinth. bergland von H. Lolling. Mit Übersichtskarte von Argolis. 
Berlin, Reimer 1884. 4. 48 p. 12 mk. 

359. Studniczka, Franz, verinuthungen zur griechischen kunstge- 
schichte. Wien, Konegen 1884. 8. 45 p. 3 mk. 

360. l'aciti, Cornelii, opera quae supersunt ad fid. codd. Medice, ab 
/. Geo. Baitero denno excussorum ceterorumque optimorum librorum rec. 
atque interpretatus est Jo. Casp. Orellius. Vol. II: Germania Dia- 
logus de claris oratoribus. Agricola Historiae. Ed. II. Curaverunt 
H. Schweizer- Sidler , G. Andresen , C. Meiner. Fase. 4. Historiarum 
liber I ed. Carolas Meiser. Berlin, Calvary 1884. 8. p. 223-308. 
4 mk. 50 pf. 

361. — — Germania erläut. von Heinr. Schweizer -Sidler. 4. neu 
bearb. aufl. Halle, Waisenhaus 1884. 8. XVI, 95 p. 1 mk. 80 pf. 

362. — — , kaiser Tiberius annalen. Buch 1— VI übers, v. Vict. 
Pfannschmidt. Leipzig, Keinp 1884. 8. 429 p. 2 mk. 

363. Thukydides' geschichte des peloponnesischen krieges aus dem 
Griech. übers, von Joh. Dav. Heilmann. Neu hrsg. von Otto Güthling. 
2bde. Leipzig, Reclam 1884. 16. 407, 332 p. (Reclam's universal- 
bibliothek lief. 1811-1816). 1 mk. 20 pf. 

364. Warsberg, Alex, freih. von, homerische landschaften. 1. bd. : 
eine reise durch das reich des Sarpedon. Mit zahlreichen abbildungen. 
Wien, Graeser 1884. 8. XIII, 271 p. 8 mk. 

365. Weissenborn , Herrn., die irrationalen quadratwurzeln bei 
Archimedes und Heron. Berlin, Calvary 1883. 8. 52 p. 3mk. 60pf. 

Skandinavien. 

366. Nilen, N. F., Priscianea. Upsala, Almquist 1884. 8. 66 p. 
1 kr. 50 öre. 

367. Ovid , udvalgte stykker af, udg. til skolebrug af V- Voß 
og J. Richter. Anden Udgave. Kristiania, P. T. Mailing 1884. 8. 
XII, 120 p. 1 kr. 55 öre. 

368. SilUn, J. af, Teätet 156 Äff. (Filologiska studier I.) Up- 
sala, Landequist 1883. 8. 67 p. 1 kr. 

England. 

369. Bunhury, E. H. , a history of ancient geography among 
the Greeks and Romans from the earliest ages to the fall of the ro- 
man empire. With 20 maps. 2nd ed. 2 vols. London, Murray 1884. 
8. 1530 p. 21 sh. 

270. Baryon, J. W., the revision revised: three articles reprinted 
from the Quarterly Review ; to which is added a reply to Bishop El- 
licott's pamphlet in defence of the Revisers and their greek text of 
the New Testament including a vindication of the traditionel reading 
of Timothy III, 16. London, Murray 1883. 8. 590 p. 14 sh. 

371. Cicero Laelius de amicitia. Ed. for schools and Colleges by 
James S. Reid. New ed. with corrections and additions. Cambridge, 
üniversity Preß 1884. 12. 176 p. 3 sh. 6 d. 

372. Curtius , Georges , the greek verb : its strueture and deve- 
lopment. Translated by Augustus T. Wilkins and Edwin B. England. 
2. ed. London, Murray 1884. 8. 578 p. 12 sh. 

373. Dunbar, Henry, a complete concordance to the comedies 
and fraginents of Aristophanes. London, Frowde 1884. 8. 326 p. 21 sh. 

374. Duruy, Victor, History of Rome and the roman people from 
its origiu to the establishment of the Christian empire. Vol. I. 2 Parts. 
London, Paul, Trench u. co. 1884. 8. 846 p. 30 sh. 

375. Grate, George, Aristotle. Edit. by Alex. Bain and G. C, 
Robe, tson. 3d ed. London, Murray 1884. 8. 688 p. 12 sh. 



342 Bibliographie. Nr. 6. 

376. Orote, George, a history of Greece from the earliest period to 
the close of the generation contemporary with Alexander the Great. 
New ed. 12 vols. London, Murray 1884. 8. 12 vols. 48 sh. 

377. Margoliouth , David S. , Studia scenica. Part I, section 1. 
Study on the text of Sophocles Trachiniae 1—300. London, Mac- 
millan 1884. 8. 2 sh. 6 d. 

378. Murray, A. S., a history of greek sculpture under Pheidias 
and his successors with illustr. Vol. 2. London, Murray 1884. 8. 
31 sh. 6 d. 

379. Perrot, G. and C. Chipiez, a history of art in Chaldaea 
and Assyria. Illustr. with 452 engravings in the text and 15 steel 
and coloured plates transl. and ed. by Walter Armstrong. London, 
Chapman and Hall 1884. 8. 820 p. 42 sh. 

380. Plato Phaedo ed. with introduction notes appendices by R. 
D. Archer-Hind. London, Macmillan 1884. 8. 196 p. 8 sh. 6 d. 

381. Sayce, A. EL, fresh light from the ancient monuments. A 
sketch of the most striking confirmations of the bible from recent 
discoveries in Egypt, Assyria, Babylonia , Palestine and Asia minor. 
London, Religion Tract society 1884. 8 3 sh. 

382. — — , introduction to the science of language. London, 
Paul, Trench u. co. 1884. 8. 446 p. 21 sh. 

383. Sop>hoMes, the plays and fragments. With critical notes 
commentary and translations in english prose by R. C. Jebb. Part I. 
The Oedipus Tyrannus. Cambridge, Univ. Preß 1884. 8. 420 p. 15sh. 

384. Tacitus Annais ed. with introd. and notes by Henry Fur- 
neanx. Vol. I. London, Frowde 1884. 8. 612 p. 18 sh. 

385. Westcott, B. F., the gospel accorded to St. John. The au- 
thorised version with introduction and notes. New ed. London, 
Murray 1884. 8. 402 p. 10 sh. 6 d. 

386. Whitney, William Dwight, Language and the study of lan- 
guage. 4 ed. augmented by an analysis. London, Trübner 1884. 8. 
596 p. 5 sh. 6 d. 

387. XenopJion, Hiero. Edited with introd. and notes. London, 
Sonnenschein 1884. 8. 2 sh. 6 d. . 

Vereinigte Staaten von Nordamerika. 

388. Hall , J. H. , American greek testaments a critical biblio- 
graphy of the Greek New Testament as published in America. Phila- 
delphia 1883. 8. 8 sh. 6 d. 

389. Mahan, A., a critical history of philosophy. New York 
1884. 8. XII, 881 p. 20 sh. 

390. Virgil, Works of. Translated into english verse with va- 
riorum and other notes and various readings by Augustin J. Wilstach. 
Boston 1884. 8. 2 vols. 1222 p. 25 sh. 

Prankreich. 

391. Apulee, Oeuvres completes d'. Traduites en francais par 
Victor JBetolaud. Nouv. ed. entierement refondue. 2 vols. Paris, 
Garnier freres 1884. 18. XLVIII, 503 et 634 p. 

392. Chaignet, A. Ed., Essai sur la psychologie d'Aristote conte- 
nant l'histoire de sa vie et de ses ecrits. Paris, Hachette 1883. 
8. 637 p. 

393. Choisy, Aug., Etudes sur l'architecture grecque. 3. etude: 
l'Erechtheion d'apres les pieces originales de la comptabilite des tra- 
vaux. Paris 1884. 4. 190 p. 

394. Cornelius Nepos avec une traduction nouvelle par Amedee 
Pommier. Suivi de: Eutrope abrege de l'histoire romaine trad. par 






Nr. 6. Bibliographie. 343 

K. A. Dubois. Nouv. ed. avec le plus grand soin par le traducteur. 
Paris, Garnier 1384. 18. XXIV, 455 p. 

395. Gellem- Wilford, Ed., la famille et le cursus honorum de 
l'empereur Septime Severe. Conförence. Paris, Picard 1884. 8. 27 p. 
(Bibliotheque des antiquites africairies publ. p. Jul. Poinssot). 

396. Heuzey et Delisle, discours prononces aux funerailles de F. 
Lenormant. Paris, Firmin-Didot 1883. 4. 9 p. 

397. Jurien de la Graviere, les cainpagnes d'Alexandre. IV. La 
conquete de l'Inde et le voyage de Nearque. Paris, Plön Nourrit 
et co. 1884. 18. XX, 447 p. Carte coinparative de l'Inde etc. 

398. La Blanehere, Maria-Renatus, de rege Iuba regis Iubae filio. 
Paris, Thorin 1883. 8. 161 p. (These). 

399. — — , Terracine. Essai d'histoire locale. Paris, Thorin 

1883. 8. 244 p. Bibliotheque des ecoles franc. d'Athenes et de Ronie. 
fasc. 34e. 

400. Levi , Israel, la legende d'Alexandre dans le Talmud et le 
Midrasch. Paris, Durlacber 1883. 8. 20 p. (Extr. de la Revue des 
etudes juives. t. 7). 

401. Madvig, J. N., l'etat romain sa Constitution et son admini- 
stration. Trad. par Ch. Morel. T. 3. Paris, Vieweg 1884. 8. X, 
373 p. 

402. Mowat, Robert, les inscriptions et les tuiles legionnaires de 
Mirabeau (Cöte-d'Or.) Paris 1883. 8. 15 p. (Comptes rendus de 
l'acad. des inscript.). 

403. Müller, Otfried, Histoire de la litterature grecque jusqu'a 
Alexandre le Grand traduite annotee et precedee d'une etude sur Ot- 
fried Müller et sur l'ecole historique de la philologie allemande par 
C. Hildebrand. 3. ed. 3 vol. Paris, Pedone-Lauriel 1884. 18. 395, 
607, XV, 595 p. 

404. Notices et exiraits des manuscrits de la Bibliotheque natio- 
nale et autres bibliotheques publ. par l'lnstitut national de France, 
t. 26. Paris impr. national 1884. 4. 492 p. 

405. Omont, H., fragments d'une versio antiqua de l'Apocalypse. 
Paris 1884. 8. 7 p. (Extr. de la Bibliotheque de l'ecole des chartes. 
t. 44. 1883). 

406. Perrin , marche d'Annibal des Pyrenees au Po. lr fasc. 
Grenoble 1884. 8. 163 p. 3 cartes. 

407. — — , Descriptions de vallees qui se rendent de la vallee 
du Rhone dans celle du Po. Histoire d'Annibal 2 fasc. Grenoble 

1884. 4. 198 p. 

408. Pottier, E., Etude sur lecythes blancs antiques a represen- 
tations funeraires. Paris, Tborin 1884. §. 164 p. (Bibliotheque des 
ecoles fran^. d'Athenes et de Rome, 30 fasc). 

409. — — , Quam ob causam Graeci in sepulcris figlina sigilla 
deposuerint. Paris, Thorin 1884. 8. 130 p. planche. 

410. Reinach, Salomon , Manuel de philologie classique. 2. ed. 
revue et augmente'e. T. 1. Paris, Hachette 1883. 18. XVI, 468 p. 
7 frc. 50 c. 

411. Rochas, Albert du, la science dans l'antiquite: les origines 
de la science et ses premiers applications. Paris, Masson 1884. 8. 
296 p. 5 pl. 

412. Tacite, oeuvres complete de. Traduction de Dureau de la 
Malte. Nouv. ed. revue avec le plus grand soin par M. C'harpentier. 
Annales Histoires. Paris, Garnier 1884. 18. 596, XXIV, 516 p. 

Italien. 

413. Aristotele la niorale. (Etica Nicomachea) trad. sul testo del 



344 Bibliographie. Nr. 6. 

Susemild del d. Luigi Moschettini. Vol. I, lib. 1-5. Padova 1883. 8. 
(Fuori di commercio). 

414. Caprara , Aug. , dissertatio ad legem unicam Codicis de 
professoribus qui in urbe Constantinopolitana docentes ex lege me- 
ruerunt comitivam (lib. XII, tib. 15). Romae 1883. 4. 85 p. 

415. Cavallutti , Feiice, Opere vol. IV: Anticaglie (Alcibiade, la 
Critica e il secolo di Pericle). Milano 1883. 8. 382 p. Fuori di 
commercio. . 

416. Chiapelli, Alessandro, Sullo svolgimento dell' ideale romano 
nella letteratura greca fino al IV secolo. Verona, Duncker e Tedeschi 
1884. 8. 1 lire. 

417. Ciceronis M., Tullii , orationes selectae brevibus scholiis il- 
lustratae in usum scholarum curante Thoma Vallaurio. Augusta Tau- 
rinoram 1884. 16. 280 p. 2 lire. 

418. Cortese, Jac. , de M. Porcii Catonis vita operibus et lingua 
editio altera. Savonae 1883. 8. 173 p. 4 lire 50 c. 

419. Dali' Acqua Giusti, A. , I Veneziane in Atene nel 1687. 
Venezia 1883. 16. 112 p. 

420. Fedro , favole commentate da Feiice Ramorino. Torino, 
Loescher 1883. 8. X, 100 p. 1,20 lire. 

421. Gozzadini , G. , di recenti scavi e introvamenti di antichitä 
nel Bolognese. In Atti e Memorie della Deput. di storia patrie per 
le provincie di Romagna, III serie. Vol. I, fasc. 4. 

422. Lenormant, F., tete d'un guerrier gaulois. Ebendaselbst. 

423. Museo italiano di antichitä classica. Dir. da D. Comparetti. 
Vol. I, punt. 1. Firenze, Loescher 1884. 4. 138 p. 7 tavv. 20 lire. 

(Inhalt: Vitelli, Gr., Spicilegio fiorentino. — Pais , Ettore, le co- 
lonie militari dedotte in Italia dai triumviri ad Augusto ed il ca- 
talogo delle colonie italiane di Plinio. — Comparetti , Domenico, 
Frammenti dell' Etica di Epicuro tratto da un papiro ercolanese. — 
Milani, L. A., I frontoni di un tempio tuscanico scoperto in Luni. 
— Setti, G. , il linguaggio dell' uso comune presso Aristofane. — 
Milani, L. A., dattilioteca lunese). 

424. Pampirii , Josephi , de Plautina comoedia commentariolum. 
Alba 1882. 8. 70 p. 2 lire. 

425. Paoli, Cesare, programma di paleografia latina e di diplo- 
matica esposto sommariamente. Firenze, Le Monnier 1883. 8. II, 
67 p. 1,75 1. (Pubblic. del Istituto di studi superiori). 

426. Pautussi, V., I Codici miniati. Torino, Loescher 1883. 16. 
99 p. 20 tavv. 4 lire. 

427. Piccolomini, E., sulle morte favolosa di Eschilo Sofocle Eu- 
ripide Cratino Eupoli: ricerche. Pisa 1883. 4. 40 p. 

429. Pezzi, Domenico, la grecita non ionica nelle iscrizioni piü 
antiche. Torino, Loescher 1884. 4. 62 p. 3 lire 50 c. 

430. Triantafillis , C. , Marco Caleno , e l'iscrizione greca che si 
trova in Rovigo d'Istria. Studio. Venezia 1883. 8. 23 p. 1 lire. 

431. Vanzolini, Giacomo, Mimnermo. Studio e versione metrica. 
Ancona 1883. 16. 62 p. 1 lire. 

432. Vullo Guzzardella , G. , sull' antica citta che esistette nel 
sito dell' odierna Butera. Palermo 1883. 18. 19 p. 

433. Zambaldi, F., le parole grecche dell' uso italiano. 2a ediz. 
Torino, Paravia 1883. 8. VIII, 169 p. 3 lire. 

Spanien. 

434. Sdnchez Calvo, Estanisiao, Estudios filolögicos. Los nombres 
de los dioses Ra Osiris Belo Jehova Elobin Melkarte Adonis Endo- 
belico Pardjania Brahma Indra Mitra Perahom Heracles Apolo Dio- 



Nr. 6. Bibliographie. 345 

nyso Hermes 'Afrodite Venus Jano Saturno Jupiter Cibeles Minerva 
Proserpina Marte Vulcano etc. Indagaciön acerca del origen del 
lenguaje y de las religiones a la luz del Euskaro y de los idioinas 
turanianos. Madrid, Riva 1884. 4. XVI, 326 p. 34 reales. 

435. Seneca, Lucio Anneo, Tratados filosolicos. Traducciön de- 
derecta del latin por Pedro Fernändez Navarrete. Tomo I. Madrid, 
Navarro 1884. 8. 472 p. (Biblioteca clasica vol. 67.) 14 reales. 

436. — — Epistolas morales. Traducciön derecta del latin por 
Francesco Navarro y Calro con un estudio biogräfico del autor por 
D. Gaspur Varasco. Madrid, Navarro 1884. 8. XXX, 576 p. 14reales. 
(Biblioteca clasica vol. 66). 

Türkei. 

437. Hamdy-Bey, 0. et Osgan Effendi, le tumulus de Nenirud- 
Dagh. Voyage. Description Inscriptions avec plans et photographies. 
Constantinople, F. Loeffler 1883. 4. 30 p. VI taff. XX, p. 33. Pho- 
togr. 1 plan. 

Beilage B. Acadeinica und dissertationen. 
Erlangen. 438. Luchs , Aug. , comrnentationes prosodiacae 
Plautinae I. Erlangae 1883. 4. 23 p. 

439. Bauer, Ludwig, das verhältniß derPunica des C. Silius Ita- 
licus zur dritten dekade des T. Livius. Erlangen 1883. 8. 60 p. 

440. Bruno, Guil., de dictis VII sapientium a Demetrio Phalereo 
collectis. Particula prior. Erl. 1883. 8. 29 p. 

441. Gleitsmann, Anton, de Plutarchi in Luculli vita fontibus ac 
fide. Monachi 1883. 8. 29 p. 

442. 'Hqs iiuTrjg , II. N., r t fxvrjfxrj Iv Trj otjiogty.tj rwv dg^aicoy. Er- 
langen 1883. 8. 

443. Popp , Ernst , de Ciceronis de offieiis librorum codicibus 
Bernensi 104 eique cognatis. Erlangen 1883. 8. 56 p. 

444. Roschatt, A., über den gebrauch der parenthesen in Cicero's 
reden und rhetorischen schriften. Erlangen 1883. 8. 33 p. 

445. Stroebel, Eduard, de Ciceronis de oratore librorum codicibus 
mutilis antiquioribus. Erlangen 1883. 8. 76 p. 

446. Zink, Carl , adnotationes ad Demosthenis orationem in Co- 
nonem. Erlangen 1883. 8. 30 p. 

Koenigsberg. 447. Jordan, Henricus de commentatore Ho- 
ratii Cruquiano prolusio. Regimonti 1883. 4. 8 p. 

448. Bludau, Aloisius, de fontibus Frontini. Brunsbergae 1883. 
8. 44 p. 

449. Goltz , Carl Friedr. Gustav , quibus fontibus Plutarchus in 
vitis Arati , Agidis, Cleomenis enarrandis usus sit. Insterburgi 1883. 
8. 48 p. 

450. Harwardt , Maxim. , de Aristophanis irrisionibus earumque 
fide et usu. Partie. I. Regimonti 1883. 8. 70 p. 

451. Huhrich, Theod., de Diis Plautinis Terentianisque. Regi- 
monti 1883. 8. 134 p. 

452. Kopp, Arthur, de Ammonii Eranii aliorum distinetionibus 
synonymicis earumque communi fönte. Regimonti 1883. 8. 108 p. 

453. Kuhnert , Ernestus , de cura statuarum apud Graecos. Be- 
rolini 1883. 8. 34 p. 

454. Lehnerdt, Maxim., de locis Plutarchi ad artem speetantibus. 
Regimonti 1883. 8. 46 p. 

455. Przybülu , Carolus, de praepositionum xaia et dva usu Lu- 
cianeo. Regim. 1883. 8. 47 p. 



346 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

Kleine philologische zeitung. 

Ein Vortrag über die thätigkeit des historischen Vereins 
von Oberbayern in der Allg. ztg. 1884 beil. 2 zu nr. 36 ist 
auch für römische alterthümer zu beachten. 

Eine lesenswerthe anzeige der „Allgemeinen deutschen bio- 
graphie" findet sich in Allg. ztg. beil. 1 zu nr. 37. Es wird 
von der behandlung der philologen in diesem werke auch in 
diesen blättern die rede sein. 

Göttingen. Gustav Loewe's Corpus glossariorum Latinorum. 
Eine der für die geschichte der lateinischen spräche überaus 
wichtigen arbeiten, die die philologie von dem uns so früh ent- 
rissenen Loewe erwartete, war die Sammlung eines umfassenden 
Corpus glossariorum Latinorum, deren glänzender prodromus 
1876 erschien. Wir erfahren jetzt, daß für die weitere bear- 
beitung des in Loewe's nachlaß vorhandenen umfangreichen ma- 
terials in vortrefflicher weise gesorgt ist. Professor G. Goetz in 
Jena, der nächste und durch langjährige mitarbeit mit Loewe's 
forschungen vertrauteste freund des verstorbenen wird die her- 
ausgäbe der glossarien übernehmen. Für dieselbe hat die kö- 
niglich sächsische gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig die 
mittel bereitzustellen beschlossen und zugleich sendet sie einen 
jungen gelehrten, dr. Gotthold Gundermann, bekannt durch seine 
Untersuchungen über Frontin's Strategemata , zur Vervollständi- 
gung des von G. Loewe zusammengebrachten reichen materials 
auf eine wissenschaftliche reise, die derselbe in kurzer zeit an- 
treten wird. K. B. 

Ueber den proceß, der wegen des literarischen nachlasses 
des professor und bibliothekars Karl Pertz geführt wird, berichtet 
die Allg. ztg. beil. zu nr. 38 : der sehr werthvolle nachlaß kam 
zunächst in den besitz des sohnes, nach dessen frühem tode in 
den der wittwe desselben, welche sich darauf mit dem biblio- 
thekar Müller in Marburg verlobte: jetzt, wo dies verlöbniß auf- 
gehoben, klagt die frühere braut auf herausgäbe dieses nament- 
lich wegen der in ihm befindlichen briefschaften wichtigen und 
werthvollen nachlasses, welcher sich in den händen Müllers be- 
findet, da dieser die herausgäbe verweigert, weil er ihm von 
der frühern braut geschenkt sei. 

Ein nekrolog über Hermann Ulrici von M. Carriere steht 
Allg. ztg. beil. 1 zu nr. 39 : es ist in ihm „ein thatenreiches, 
aber an ereignissen einfaches gelehrtenleben" mit wohlthuender 
wärme geschildert. 

Im anfange märz wurden in Darmstadt auf der hofbühne 
die beiden Oedipus und die Antigone des Sophokles nach der 
Donnerschen Übersetzung aufgeführt: die darstellung war eine vor- 
zügliche, die Wirkung eine gewaltige. RAnzeig. nr. 63. 

Der erste mit großer Spannung erwartete band von Ruggero 
Bonghi römischer geschichte ist erschienen und in Allg. ztg. nr. 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 347 

42 kurz besprochen. Darnach umfaßt er die ersten 283 jähre 
der Stadt , erzählt diese erst nach der Überlieferung der alten 
und stellt darauf dieser die ergebnisse neuerer forschung ge- 
genüber. 

Pergamon. Professor Conze hat nach seiner rückkehr aus 
Per g amo n jüngst der akadeniie der Wissenschaften einen kur- 
zen bericht über die daselbst während des verflossenen Jahres 
stattgehabten ausgrabungen vorgelegt. Die ausgrabungen waren 
anfang mai 1883 wieder begonnen worden. Da C. Hurnann 
während des sommers durch seine expedition nach dem Nemrud- 
Dagh in anspruch genommen war , so wurde regierungsbaumei- 
ster P. Bonn mit der leitung der arbeiten betraut, unterstützt 
von dr. Fabricius. Im november traf Conze in Pergamon ein, 
mit dem dann auch Humann wieder zur gewohnten tbätigkeit 
zurückkehrte. Das hauptaugenmerk war auf die weitere nach- 
spürung von skulpturbruchstücken gerichtet , welche den bereits 
für die königlichen museen gewonnenen besitz , obenan die al- 
tarbildwerke , vervollständigen könnten. Diese koffnung ist er- 
füllt worden ; zahlreiche größere und kleinere fragmente , na- 
mentlich der Gigantomachie, wurden gefunden und harren ihrer 
Zusammensetzung mit dem bereits hier befindlichen. Das bedeu- 
tendste darunter ist eine erst jüngst aus einer späten mauer 
herausgebrochene platte , welche einen jugendlichen nach rück- 
wärts niederstürzenden giganten darstellt. Damit hand in band 
geht aber die zweite aufgäbe , das topographisch - monumentale 
bild der Stadt Pergamon in den verschiedenen phasen ihres be- 
stehens nach und nach in immer festeren zügen herauszuarbeiten. 
Während in der ersten ausgrabungsperiode der große altar und 
das Augusteum aufgedeckt wurden , in der zweiten namentlich 
das heiligthum der Athene Polias , so traten im verflossenen 
jähr zwei neue wichtige punkte hinzu , zwei brennpunkte des 
städtischen lebens während der königszeit , die agora und das 
theater. National-zeitung nr. 137, sonntags beilage nr. 9. 

Das Archivio Trentino Jahrg. II, hft. 2 enthält unter an- 
deren eine abhandlung von Paul Orsi über die neuesten archäo- 
logisch-epigraphischen entdeckungen im Trentino. Dann Vigi- 
lius Oberziener über die ausgrabungen am Piö di Castello bei 
Trient. Vergl. Allg. ztg. nr. 49. 

Die errichtung eines Grimm-denhmals in Hanau, worüber ob. 
hft. 4, p. 249 berichtet worden , ruft eine aller anerkennung 
werthe thätigkeit in den weitesten kreisen unseres Vaterlandes 
hervor. Gleich der erste schritt des für die errichtung des 
denkmals bestellten comites hatte einen glänzenden erfolg : die 
an die bürger Hanaus gerichtete aufforderung zur Zeichnung 
von beitragen ergab schon in den ersten tagen (vrgl. Allg. ztg. nr. 
56) die summe von 20000 mark, ein Vorgang, durch den Hanau 
allen deutschen städten ein nicht hoch genug anzuschlagendes 



348 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

beispiel gegeben, ein beispiel für die gelehrtenweit von erha- 
benster Wirkung, indem es von neuem bezeugt, daß das streben 
der stillen studierstube die Wissenschaft zum wahren gedeihen 
des yolkes zu fördern , von diesem nicht nur nicht vergessen, 
sondern bietet sich nur die gelegenheit, gern und opferwillig 
durch die that anerkannt und belohnt werde. Eben so hat aber 
auch anderwärts die erste künde von dem patriotischen unter- 
nehmen mannigfache beweise warmer theilnahme an das licht 
treten lassen: so hat dr. Albert Duncher, bibliothekar in Cassel, 
ursprünglich für einen ähnlichen zweck, die errichtung von mar- 
morbüsten der brüder für die bibliothek in Cassel, bestimmte 
vortrage jetzt in der Allg. ztg. beil. zu nr. 61. 62. 66. 67. 
69. 72. 74 veröffentlicht, in welchen der Verfasser das leben 
des treuen brüderpaares mit sichtbarer liebe schlicht und doch 
fesselnd entwickelt : dabei hat er in folge umfassender und sorg- 
fältiger benutzung der briefe und Schriften der brüder und ihrer 
freunde in sinniger weise verstanden die wichtigeren ereignisse 
und Wendepunkte des lebens mit den eignen worten der geschil- 
derten darzustellen und zu beurtheilen. Auf andere art verfährt 
der Reichsanzeiger : in seiner nr. 77 schildert er die fortsetzung 
des von den brüdern begonnenen Deutschen Wörterbuches , des- 
sen Vollendung durch gewährung der nöthigen geldmittel von 
der regierung des deutschen reichs sicher gestellt sei: müsse 
auch der größere theil des gewaltigen nationalwerks von andern 
händen durchgeführt werden, könne doch das verdienst der be- 
gründer und ersten bearbeiter des riesenwerkes nie vergessen 
werden, es werde vielmehr mit dem d euts che n wörterbuche 
der name der gebrüder Grimm stets unauflöslich verbunden 
bleiben. — E. v. L. 

Ein nekrolog über Theodor Heyse, als Übersetzer des Catull 
und herausgeber von fragmenten des Polybios bekannt, verfaßt 
von August Herzog steht in Allg. ztg. nr. 63: stets bereit an- 
dern zu helfen, ist er zur Vollendung größerer arbeiten , die er 
vorhatte, nicht gelangt. 

Zum papyrusfund in el-Faiyüm. Der im Philol. anzeiger 
bd. XIII, hft. 8, p. 397 und hft. 10, p. 527 erwähnte papyrus- 
fund ist zum größten theil von erzherzog Rainer angekauft und 
dem kais. königl. Museum in Wien einverleibt, wo professor 
Karabacek mit der Ordnung desselben beschäftigt ist. Ueber 
das bis jetzt geordnete berichten die Augsb. allg. ztg. nr. 65 
und National - zeitung , beilage zu nr. 144, denen wir folgendes 
entnehmen. Als älteste papyrus sind bisher zwei demotische aus 
der zeit um Christi geburt gefunden worden , so daß dadurch 
ein urkundenmaterial aus einem Zeiträume von fast 1000 jähren 
festgestellt erscheint. Allgemein nahm man bisher an, die pro- 
vinz Faijüm sei nur allein die große ägyptische fruchtbörse der 
alten weit gewesen, ohne jedes litterarische und geistige bestre- 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 349 

ben ihrer bevölkerung. Der fand eines kleinen papyrusfrag- 
mentes , welches augenscheinlich einem griechischen dichter an- 
gehört, war nur in sofern wichtig , als sich in mehreren Urkun- 
den auch die erwähnung von einem theater in Arsinoe (el-Faijüm) 
vorfindet , also die hoffnung begründet erschien , weitere belege 
von dem geistigen leben der griechischen einwohnerschaft da- 
selbst zu finden. Diese vermuthung wurde in den letzten tagen 
auf das glänzendste bestätigt. Dr. Karl Wessely hatte das glück, 
ein pergamentfragment des Thukydides aufzufinden. Dasselbe 
enthält in 44 zeilen den § 3 des 91 capitels und die §§ 1 bis 

6 des 92 capitels des buches VIII, in welchem sich einige wich- 
tige Varianten und zwei interessante interlinear - glossen finden 
sollen. Die glückliche auffinduug eines lateinischen papyrus 
aus dem V — VI. Jahrhundert n. Chr. eröffnet nunmehr eine 
siebente sprachgruppe der Faijüm-urkunden. Hochwichtig sind 
die griechischen evangelien - fragmente des IV. Jahrhunderts, 
welche einen text bieten, der an reinheit selbst den des gleich- 
zeitigen codex Sinaiticus übertrifft. Eine besondere specialität 
bilden die zauberpapyrus. Diese zeigen einen eigenthümlichen 
Synkretismus der deistischen Vorstellungen der Aegypter , He- 
bräer und Griechen. Zu diesen papyrus kommen eine masse 
griechischer documente vom jähre 203 bis 699 n. Chr. und 
weiter arabisch-griechischer (?) bis zum jähre 909 n. Chr. Wohl 
sind bisher schon an 1500 papyrus, zur hälfte vollständig er- 
haltene Urkunden, geordnet und bestimmt — an sich ein reicher 
schätz , und doch ist dies nur ein verschwindender theil dessen, 
was noch zu bewältigen ist. 

Samos. Auf Samos ist die Wasserleitung des Eupalinos, welche 
Herod. III, 60 als ein Wunderwerk beschreibt, durch Adossidos 
pascha vollständig aufgedeckt worden : der 1 m 75' hohe, 1 m 80' 
breite und 1500 m. lange tunnel, welcher heute den Gaul Kastri 
genannten berg durchschneidet, ist jetzt in seiner ganzen länge 
von anfang bis ende frei. Auf dem boden ist ein canal von 

7 meter tiefe und 80 centimeter breite gegraben, in welchem 
die alten tonröhren von 65 centimeter länge und 80 centimeter 
umfang liegen ; der canal ist gewölbt und mit Öffnungen verse- 
hen. Der tunnel selbst ist in den felsen eingehauen und stel- 
lenweise an den seifen durch mauern und quadersteine gestützt, 
welche an der decke in einen Spitzbogen auslaufen. Die Öffnung 
desselben an der seite der alten Stadt war durch einen alten 
steinbau verdeckt, welcher den zugang bisher verhinderte; die 
röhrenleitung geht bis zu der einige hundert meter vom berge 
Kastri abgelegenen kirche des heiligen Johannes; der tunnel 
beginnt an einer stelle, wo heute nur ein ehemals jedenfalls 
bedeutenderer wasserlauf sich befindet. Nach Stamatiadhis in 
einer in Samos gedruckten broschüre Allg. ztg. nr. 73. 

Archaelogisches. Neuerdings ist man bemüht, analogien zwischen 
Philol. Anz. XIV. 24 



350 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

den pergamenischen sculpturen und anderen uns erhaltenen werken 
antiker kunst einerseits und der Laokoongruppe, dem köpfe des 
sogenannten sterbenden Alexanders einem römischen relief im Va- 
tican mit der darstellung der Athene im Gigantenkampf andrer- 
seits nachzuweisen. Die sache ist zweifelhaft : jedoch mehrt sich 
das material. Dahin gehören zwei im assyrischen saale des mu- 
seum zu Berlin aufgestellte gipsabgüsse der in London befind- 
lichen fragmente des in Priene entdeckten Gigantenreliefs. 
Auf dem einen derselben kehrt die auf ihrem löwen in die 
Schlacht reitende Kybele in auffallend ähnlicher komposition und 
namentlich auch in gleicher anordnung des gewandes wieder, 
während auf dem andern jener ins knie gesunkene Gigant, über 
den ein löwe hergefallen ist, sich so genau wiederholt , daß die 
bewußte herübernahme dieses bewegungsmotivs aus dem einen 
in das andere werk nicht bezweifelt werden kann. Von einer 
weiteren vergleichung dieser arbeiten von Pergamon und Priene 
weiden hiernach mit höchster Wahrscheinlichkeit noch weitere 
nachweise zu erwarten sein , die vielleicht auch für die ergän- 
zung einzelner partien von Wichtigkeit werden dürften. Beson- 
dere beachtung aber verdient die immer deutlicher sich erge- 
bende Übereinstimmung zwischen gewissen zügen in der kompo- 
sition des pergamenischen reliefs und der ihm der ganzen auf- 
fassung nach nahe verwandten Laokoongruppe. Diese ähnlichkeit 
wird in einem aufsatze im ReichsAnz. nr. 56 weiter zu begründen 
gesucht : doch wird die frage noch ausführlicher besprochen wer- 
den müssen. 

Archäologische gesellschaft in Berlin. Sitzung vom 4. märz. 
Trendelenburg sprach über das verhältniß der Laokoon- 
gruppe zum Gi gan ten f ri es des pergamenischen 
altars, indem er sich besonders gegen die von Kekule" („Zur 
deutung und Zeitbestimmung des Laokoon") geltend gemachte 
auffassung wandte, daß die figur des Laokoon aus motiven des 
frieses abgeleitet, die gruppe also jünger sei als der altar. Ei- 
nerseits sei die Übereinstimmung der motive in der figur des 
Laokoon und des Athenagegners keineswegs eine so vollständige, 
wie sie auf den ersten blick erscheine, da der köpf, die haltung 
der beine und arme , die Schlangenwindungen , vor allem aber 
die stelle des bisses und sein verhältniß zur kopfneigung nicht 
nur verschieden, sondern zum tL eil entgegengesetzt seien •, ande- 
rerseits sei die haltung des Laokoon, namentlich das von Kekule* 
für unerklärlich gehaltene herumwerfen des kopfes , eine unum- 
gängliche, der natur mit bewunderungswürdigem Scharfsinn ab- 
gelauschte folge des flankenbisses der schlänge , da jeder inten- 
sive schmerz in der seite eine zusammenziehung des körpers an 
dieser stelle und als natürliche folge davon eine dehnung der 
gegenseite bewirke, die ihrerseits wieder den köpf zu einer nei- 
gung nach der verwundeten flanke hinzwinge : ein verhältniß, 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 351 

welches beim Giganten in's gegentheil verkehrt sei, insofern hier 
der köpf nach der linken seite gerissen werde , die wunde da- 
gegen auf der rechten sich befinde. Könne unter diesen um- 
ständen eine ableituug des Laokoon aus motiven des frieses nicht 
angenommen werden, so werde damit auch die hierauf gegrün- 
dete Schlußfolgerung Ks. über die entstehung der gruppe nach 
dem altar hinfällig, eine folgerung, die auch durch eine — vom 
vortragenden im einzelnen durchgeführte — vergleichung beider 
werke in bezug auf ihren künstlerischen Charakter außerordent- 
lich unwahrscheinlich gemacht werde. Wenn zwischen beiden 
ein Zusammenhang existire , was anzunehmen ein zwingender 
grund durchaus nicht vorhanden sei, so könnten nur die in Ver- 
arbeitung fremder motive nicht eben wählerischen verfertiger 
des altarfrieses als entlehnende angesehen werden ; man müßte 
denn gerade zu der annähme sich verstehen wollen, daß in die- 
sem einen fälle die kopie an lichtvoller komposition und stren- 
ger beobachtung aller der plastik eigenthümlichen gesetze das ori- 
ginal ebensoweit übertreffe, wie sonst kopien hinter dem original 
zurückzustehen pflegen. — Dessau sprach über das verzeichniß 
der 30 altlatinischen bundesstädte bei Dionys Hai. AR V, 61 
und suchte Niebuhr's ansieht durch ein fragment eines von den 
etruskischen bundesstädten in Caere (Cervetro) errichteten denk- 
mals zu stützen, welches sich im Lateran befindet und die namen 
Tarquinii, Volci, Vetulonia zeigt. — Hiibener sprach u. a. über 
am Hadrianswall in England neugefundene inschriftliche denk- 
mäler, welche von einer germanischen Völkerschaft herrühren. 
Näheres darüber in der National-zeitung nr. 183. 

Wie schwer Chios durch die erdstöße seit 8.aprill881 ge- 
litten hat, ergiebt sich daraus, daß in den jähren 1882 und 
1883 auf dieser insel 3416 steinerne häuser, 5445 holzbaracken, 
215 schulen und anstalten, 30 kirchen und 20 öffentliche brun- 
nen haben erbaut werden müssen. ReichsAnz. nr. 57. 

Schliernann in Tiryns. Heinrich Schliemann gedenkt jetzt in 
der uralten akropolis zu Tiryns ausgrabungen zu unternehmen. 
Die ruinen von Tiryns , zwischen Argos und Nauplia gelegen, 
gehören zu den ältesten bauwerken Griechenlands, berühmt wa- 
ren schon im alterthum seine cyclopischen mauern. Der ort heißt 
jetzt Palaiocastron. Schon im august 1876 stellte Schliemann 
nachforschungen in Tiryns an , die ihn zu der ansieht führten, 
daß jene mauern etwa 1800 — 1600 v. Chr. erbaut seien. (Aus 
Köln, zeitg. 1884, nr. 79, 1). 

Die Saburowschen Sammlungen. Bei seinem Weggang aus 
Berlin wird der russische botschafter herr von Saburow seine 
große und auserlesene Sammlung antiker kunstdenkmäler, die er 
als langjähriger gesandter am griechischen hofe allmählig zu- 
sammenbrachte, zu verkauf bringen. Verschiedene europäische 
museen werden sich in diese schätze theilen. Die Tanagräischen 

24* 



352 Kleine philologische zeitung. Nr. 6. 

terracotten werden in die kaiserliche Ermitage zu Petersburg 
wandern, in deren reichem museum Tanagra noch gar nicht ver- 
treten war. Unser Berliner museum, welches schon einen ansehn- 
lichen vorrath dieser kunstwerke hat , konnte nicht daran den- 
ken , diesen schätz , der nur in seiner gesammtheit abgegeben 
werden sollte, in anspruch zu nehmen. Um so wichtiger waren 
für uns die sculpturen und die vasen. Zu den erstem gehört 
eine lebensgroße bis auf den köpf vorzüglich erhaltene jünglings- 
figur aus erz am strande von Salamis gefunden und eine reiche 
Sammlung von marmorwerken des älteren stils und der vollen- 
deten kunst, köpfe freier sculptur und reliefs, vorzügliche grab- 
reliefs und weihgeschenke, lauter bildwerke, welche alle in Attika 
gefunden lebendige Zeugnisse des attischen lebens sind , auch 
grabstatuen vor den familiengräbern aufgestellt , wie sie bisher 
noch gar nicht zum Vorschein gekommen sind. Von gemalten 
thongefäßen sind 97 erworben, auch diese fast alle aus Attika, 
alle in der hauptsache wohl erhalten, von den verschiedensten 
formen und mit den anziehendsten darstellungen ausgestattet, 
einige werke älteren stils, die meisten rohfigurig und der blüthe 
der älteren attischen kunst angehörig, mythologische und häus- 
liche scenen darstellend. Auch die gattung der mit menschen- 
und thierköpfen oder mit plastischen gruppen verzierten trink- 
oder salzgefäße ist in ausgezeichneten exemplaren vertreten. 
Eine gelegenheit wie die jetzt dargebotene, die sculpturensamm- 
lung und das vasencabinet des königlichen museums mit einer 
fülle attischer kunstwerke zu bereichern , konnte nicht wieder- 
kehren und darum werden alle kunstfreunde, welchen die glück- 
liche entwicklung unseres hauptstädtischen museums am herzen 
liegt, es dem Vorsteher des Unterrichts - ministeriums , sowie der 
museumsverwaltung dank wissen, daß diese zwiefache erwerbung 
möglich geworden ist. Die von dr. A. Furtwängler begonnene 
publikation der Saburowschen Sammlungen (5 lieferungen jede 
zum preise von 25 mark sind bis jetzt bei Asher u. co. in Berlin 
erschienen) , wird durch den jetzigen besitzwechsel nicht unter- 
brochen werden. Köln, zeitung 1884, nr. 79, 2. 

Verein deutscher lehrer in England. Da die läge deutscher 
lehrer in England eine in vieler hinsieht beklagenswerthe ist, 
wie die schon in zweiter aufläge erschienene Schrift von H. Rei- 
chard , „der deutsche lehrer in England", Berlin , Weidmann, 
1883, das nähere nachweist, so hat sich ein verein deutscher 
lehrer in England gebildet, um diesen übelständen abzuhelfen, 
namentlich ankommenden stellen zu ermitteln , und sonst mit 
rath und that beizustehen. Der verein hat nun ein comite" ge- 
wählt zur förderung der sache und dieses hat einen auf ruf 
erlassen, den wir hier mit der bitte an unsere leser abdrucken 
lassen, demselben nach kräften zu folgen: „In einer am 29. 
december vorigen Jahres in Tolmers' Square Institute , London, 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 353 

unter dem Vorsitze C. Tuchmann' s, früheren Präsidenten der deut- 
schen wohlthätigkeits-gesellschaft, abgehaltenen Versammlung von 
deutschen lehrern und solchen, die sich für dieselben interessiren, 
wurde beschlossen, unter dem titel: German Teachers' Association 
einen „Verein deutscher lehrer in England" zu gründen, der sich 
folgende hauptaufgaben stellt: 1. Der verein bezweckt, die so- 
ciale und materielle läge des deutschen lehrers in 
England nach möglichkeit zu heben ; politische bestrebungen ir- 
gend welcher art sind ausgeschlossen. 2. Der verein übernimmt 
für seine mitglieder für eine geringfügige entschädigung die Ver- 
mittlung von stellen in englischen schulen und familien. 
3. Der verein will neu herübergekommenen deutschen lehrern, 
sowie andern mitgliedern, die sich an ihn wenden, mit rath und 
that an die hand gehen und den sich hier aufhaltenden lehrern 
und mitgliedern in einem vereinslocale ein heim bieten, mit 
lesezimmer, bibliothek u. s. w 4. Der verein unterhält eine stete 
Verbindung mit den deutschen hochschulen und der deutschen 
presse, um auf die Sachlage in bezug auf den wirklichen be- 
darf deutscher lehrer in England aufmerksam zu machen. 
5. Der verein wird ferner die aufgäbe übernehmen, für die kin- 
der englischer eitern passende schulen auf dem continent , wie 
auch umgekehrt solche schulen resp. familien für deutsche kin- 
der in England nachzuweisen , den austausch von kindern zum 
zwecke der erlernung der englischen und contiuentalen sprachen 
zu "vermitteln, u. s. w. 6. Endlich hofft der „Verein deutscher 
lehrer in England" im laufe der zeit und mit Unterstützung der 
kaiserlich deutschen regierung in den stand gesetzt zu werden, 
in London ein „Deutsches institut zum Studium der englischen spräche", 
dessen grundzüge bereits von einem comitemitgliede in einer 
denkschrift ausgearbeitet werden, zu gründen. — Der Lord-major 
von London sowie andere hervorragende persönlichkeiten haben 
bereits ihre betheiligung , event. ihre protektion zugesagt, und 
die vorläufigen kosten sind durch die gute C. Tuchmanns theil- 
weise schon gedeckt, doch sind noch erhebliche mittel erforder- 
lich, um den verein so weit lebensfähig zu machen, daß er auf 
eigenen fußen stehen und die oben berührten projekte zur aus- 
führung bringen kann. Aus diesem gründe wendet sich das 
untengenannte comit^ vertrauensvoll an alle deutschen lehrer 
und studierenden , auch ihrerseits die gute sache nach kräften 
zu fördern, entweder durch beitritt zu dem verein oder 
durch beitrage. So weit sich bis jetzt übersehen läßt, wür- 
den die Jahresbeiträge der mitglieder zehnmarh nicht übersteigen, 
und würden diese beitrage alle mitglieder zu dem schütze und 
den wohlthaten des Vereins berechtigen, deren umfang nach den 
oben angegebenen grundsätzen seiner zeit in den Statuten näher 
festgestellt werden wird. Beitrittserklärungen , sowie beitrage, 
werden von dem mitunterzeichneten secretär , sowie von dr. 



354 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 6. 

Bernard, Schatzmeister des allgem deutschen schulvereins , Kur- 
straße 34/35, Berlin, C, entgegengenommen. London, im märz 
1884. Das comite" des „Vereins deutscher lehrer in England". 
Chas. Tuchmann, (früherer präsident der deutschen wohlthätig- 
keits-gesellschaft), Vorsitzender. //. Baumann, director der deutsch- 
englischen knabenschule in Brixton. Otto Delfs , Oberlehrer an 
King's College, Sherborne. /. Holthusen, redacteur der „Londoner 
zeitung Hermann". C. Menget, director der ersten deutschen 
höheren töchterschule zu Islington. Dr. E. Oswald, Royal Naval 
College, Greenwich. Dr. W. Rohlfs, erzieher s. k. h. des prin- 
zen Alfred von Edinburg. Dr. Schneider, Vertreter der „Kölni- 
schen zeitung" für England. Dr. Scholl, pastor an der deut- 
schen lutherischen kirche in Cleveland Street, Fitzroy Square, 
W. C. C. Wagner, pastor an der deutschen evangelischen kirche, 
Sydenham, S E. H. Reichardt, oberlehrer an der höheren mäd- 
chenschule, Park Eoad, Haverstock Hill, London, N. W., secretär. 



Auszüge aus Zeitschriften. 

Hermes, XIX. bd., 1. hft. : Th. Mommsen , die conscriptionsord- 
nung der römischen kaiserzeit, p. 1. — Th. Thalheim, die Antidosis, 
p. 80. — E. Maaß, de Phaenomenis Arati recensendis, p. 92. — C. 
de Boor, zu den excerptsamrnlungen des Konstantin Porphyrogennetos, 
p. 123. — B. Keil, bemerkungen zur reconstruction der Philonäischen 
Skeuothek. (Dazu eine tafel in photographischem glasdruck), p. 149. 

— — Miscellen: O. Seeck , Claudian de cons. Fl. Malli Theodori 
58, p. 164. 

Neue Jahrbücher . . . herausgeg. von A. Fleckeisen, bd. CXXVII, 10. 
und 11. heft: (89.) Das erste jähr des peloponnesischen krieges. Ein 
beitrag zur Chronologie des Thucydides. (Schluß) , von H. Müller- 
Strähing, p. 657—713. - 103. Zu Xenophons Anabasis (111,4,19—23), 
von R. Bünger, p. 713 716. — 104. Anz. v. F. Weck: beitrage zur 
erklärung Homerischer personennamen (Metz 1883), von K. Schirmer, 
p. 717-720. - 105. Homerisches, von K Frey, p. 721-723. — 106. 
Zur kritik des Aischylos, von H. Stadtmüller, p. 724 — 728. — (5.) Zu 
Euripides, von H. GloSl, p. 729-733. — 107. Zu Ciceros Cato niaior, 
von J Lei/, p. 734.— 108. Vermischte bemerkungen, von F. Rühl, p. 
735-752. — 109. Zu Athenaios, von K. Ohlert, p. 753-767. — (40). 
Zur erklärung und kritik der Homerischen gedichte. II, von A. Ge- 
moll, p. 767 — 768. — 110. Pausanias und Olympia, von G. Hirschfeld, 
p. 769-771. - 111. Zu Tiberianus (II, 24), von K. Roßberg, p. 771. 

— 112. Zu Vergilius Aeneis (I, 393—400), von i. Mejer, p. 772— 773. 

— 113. Die consonantengemination im lateinischen, von E. Bährens, 
p. 774—798. - (50.) Philologische gelegenheitsschriften, p. 799—800. 

12. heft. 114. Zu Sophocles Philoktetes von Moritz Schmidt, p. 
801—808. — 115. Zur Ökonomie der historien des Timaios, von H. 
Kothe, p. 809 — 813. — 116. Zu den quellen der Messeniaka des Pau- 
sanias, von G. Busolt, p. 814 — 816. — (67.) Zu Aischylos (Agam. 521), 
von A. Lowinski , p. 816. — (103). Zu Xenophons anabasis, von F. 
Revß, p. 817 — 831. — 117. Zum fünften buche der Aristotelischen po- 
litik, von H. Flach, p. 832-839. — (40.) Zur erklärung und kritik 
der Homerischen gedichte. III, von A. Gemoll, p. 839 — 840. — (60). 



Nr. 6. Auszüge aus Zeitschriften. 355 

Zu Dionysios von Halikarnasos, von C. Jacoby, p. 841 — 851. — (78). 
Zu Hieronymus de viris illustribus (c. 59), von G. Terwelp, p. 851—852. 
— (45.) Zu Ovidius Fasti (III, 496 ff.), von H. Gilbert, p. 852. — 118. 
Horazische allegorie, von Th, I'liiß, p. 852— 860. - 119. Zu Tibullus, 
von E. Baehrens, p. 860 — 862. — 120. Die zeit der lex Antonia Cor- 
nelia de permutatione provinciarum (44 v. Chr.), von 0. E. Schmidt, 
p. 863— 865 — 121. Zu Ammianus Marcelliuus, von F. Voyel, p. 865 
- 866. — 122. Zu Gennadius de viris illustribus, von W. Gemoll, p. 
866 — 869. — Register der im Jahrgang 1883 beurtheilten Schriften und 
abbandlungen, p. 870. — Sachregister, p. 871 — 872. 

Bd. CXXIX, 1. hft. 1. Zur Homerischen worterklärung des Ari- 
starchos, von F. Kammer, p. 1 12. - 2. Homerische klemigkeiten, 
von Moritz Schmidt, p. 13 — 22. — 3. Pausanias und seine ankläger, 
von H. Brunn, p. 23 — 30. — 4. Zu Cicero de natura deorum , von 
A. Goethe, p. 30-34. — 5. Erotematia, 1-5, von **, p. 34. — 6. Anz. 
von J. Brzoska: de canone decem oratorum Atticorum quaestiones 
(Breslau 1883), von O. Harnecker, p. 35 — 48. — 7. Zu den griechi- 
schen elegikern, von ./. Sitzler, p. 48 53. — 8. Zu Ciceros Pompeiana 
(§ 18), von A. Mosbach, p. 54 — 56. — 9. Zu Tacitus historien, von 
A. Faßner, p. 56. — 10. Zu Horatius episteln (I. 15, 13. II. 1, 173), 
von R Duncker und Ch. Cron, p. 57 — 70. -- 11. De Vergilii arte 
rhythmica. von H. Draheim, p. 70 73. — 12. Zu Ciceros reden gegen 
Catilina (I, §1), von O. Wichmann, p. 74. — 13. Zu den scriptores 
historiae Augustae, von II Peter, p. 75—80. 

Rheinisches museum , bd. XXXIX, hft. 1. Parallelen zur entfüh- 
rungsgeschichte im Miles gloriosus. "Von E. Zunicke, p. 1. — Zu 
Sextus Empiricus. Von O. Apelt, p. 27. — Zur Finanzgeschichte 
Athens. Von J. Belach , p. 34. — Animadversiones criticae in Sci- 
pionis Aemiliani historiam et C. Gracchi orationem adversus Scipio- 
nem. Seripsit F. Marx, p. 65. — Der feneranbläser und der dorn- 
auszieher (mit 2 tafeln), von Th. Zielinski, p. 73. — Aristophanes als 
dichter und politiker. Von Th. Kock, p 118 — 141. — Die bleitafel 
von Magliano. Von W. Deecke, p. 141. — Griechisches epigramm aus 
Aegypten. Von F. Bwcheler, p. 151. — Miscellen: die epoden des 
Archilochus. Von E. Wölfflin, p. 156. — Piatonis locus correctus. 
Seripsit J. By water, p. 157. — Zu Theophrast. Von G. Reylbut , p. 
158 — Ueber die quellen der in die auabasis des Arrian eingelegten 
reden Von A. Franke/, p. 159. — Nachtrag zu den Scenica. Von 
E. Rohde, p. 161. — Der durchzug Hannibal's durch die Po -sümpfe 
im jähre 537/217. Von //*. Sieglin, p. 162. — Die Fabiani in der 
Luperealienfeier. Von O. Crusius, p. 164. — Nochmals die klage ei- 
nes ostgothischen professors. Von F. B. p. 168. 

Literatur 1883, 

(dem Philologus und PhAnzeiger zugesandt). 

Crusius, Otto, Analecta critica ad paroemiographos Graecos. Ac- 
cedunt Exeerpta ex Demone mQt nctooi/uiwv, Graminatici incerti frag- 
mentum paroemiographicum. Lipsiae, Teubner 1883. 8. 174 p. 

Dunbar, Henry, a complete concordance to the comedies and 
fragments of Aristophanes. Oxford 1883. 4. IV, 342 p. 

Nissen, Heinr. , Italische landeskunde. Bd. I: land und leute. 
Berlin, Weidmann 1883. 8. 566 p. 8 mk. 

Cauer, Fi'id. , de fabulis Graecis ad Romam conditam pertinen- 
tibus. Berolini 1884. 8. Dias. 



356 Literatur. Nr. 6. 

Faßbaender, Franc. , de optativo futuri. Lipsiae 1884. 8. 60 p. 

Gilbert, Otto, geschichte und topographie der stadt Rom im al- 
tertbum. Erste abth. Leipzig, Teubner 1883. 8. 368 p. 

Homer 's Ilias. Für den schulgebraucb erkl. von Karl Frid Ameis. 
2. bd. 3. heft. Gesang XIX— XXI bearb. von C. Hentze. Leipzig, 
Teubner 1882. 8. Anhang. 7. heft: zu gesang XIX— XXI bearb. v. 
C. Hentze. Leipzig 1882. 

Biese, J., die entwicklung des naturgefühls bei den Römern. Kiel, 
Lipsius u. Tischer 1884. 8. 210 p. 

Hoyer, Rudolf, de Antiocho Ascalonita. Bonn 1883. 8. 52 p. 

Sturm, Joh. Baptista, Quae ratio inter tertiam T. Livi decadem 
et L. Coeli Antipatri historias intercedat. Wirceburgi 1883. 8. 54 p. 

Aeschyli Agamemno einend. David S. Margolionth. Londini, Mac- 
millan 1884. 8. 72 p. 

Gregorovius , Ferd., der kaiser Hadrian. Gemälde der römisch- 
hellenischen weit zu seiner zeit. 3. aufl. Stuttgart, Cotta 1884. 8. 
VI, 505 p. 

Sophoclis Electra scholarum in usum edid. Frid. Schubert. Lip- 
siae, G. Freytag 1884. 8. 

Nitzschner, Aug., de locis Sallustianis qui apud scriptores et gram- 
matica veteres leguntur. Hannoverae 1884. 8. 

Studniczka, Franz, vermuthungen zur griechischen kunstgeschichte. 
Wien, Konegen 1884. 8. 46 p. 

Haas, Alfred, Quibus fontibus Aelius Aristides in componenda 
declamatione quae inscribitur ngog nkdriova vnto rüjv TiTiaotav usus 
sit. Gryphiswaldiae 1884. 8. 95 p. 

Bauer, Ludwig, das verhältniß der Punica des C. Sirius Italicus 
zur dritten dekade des T. Livius. Eine vergleichende studie. Erlan- 
gen 1883. 8. 60 p. 

Nitzsch, Carl Wilh., geschichte der römischen republik. Nach 
dessen hinterlasseuen papieren und Vorlesungen herausgeg. von Georg 
Thouret. Band I: bis ende des Hannibalischen krieges. Leipzig, 
Duncker u. Humblot 1884. 8. XV, 203 p. 

Manitius, Max, Anonymi de situ orbis libri duo. Stuttgart, Cotta 
1884. 8. XIV, 96 p. 

Susemihl, Franc, de carminis Lucretiani prooemio et de vitis Ti- 
siae, Lysiae , Isocratis, Piatonis, Antisthenis, Alcidamentis, Gorgiae 
quaestiones epicriticae. Gryphiswaldiae 1884. 4. XXII p. 

Müller, Lucian, Luciliana. Berlin 1884. 8. 

Jacoly, Joh., geist der griechischen geschichte. Auszug aus Grote's 
geschichte Griechenlands, hrsg. v. Franz Rühl. Berlin, Hofmann 1884. 
8. 258 p. 

Mayer, Maximilian, de Euripidis mythopoeia capita duo. Berlin, 
Mayer u. Müller 1883. 8. 83 p. 

T. Macci Plauti comoediae. Tom. II, fasc. 5 : Poenulus recc. Hu- 
scheln schedis adhibitis Georg Goetz et Gust. Loewe. Lipsiae , Teub- 
ner 1884. 8. XXVI, 176 p. 

Herzog, Ernst, geschichte und System der römischen Staatsverfas- 
sung. Bd. I: königszeit und republik. Leipzig, Teubner 1884. 8. 
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Homeri Iliadis carmina seiuncta discreta emendata prolegg. et app. 
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Keil, Henr., Emendationum Varronianarum pars II. Halael884. 4. 

Cocchia, Enrico, Studi latini. Napoli 1883. 8. 113 p. 

Alb. von Kampen , Orbis terrarum antiquus in scholarum usum 
descriptus. Gothae 1884, Perthes. Quer 4. 



Nr. 7. Ja« 1884. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutsch. 



62. Theodor Birt, das antike buchwesen in sei- 
nem verhältniß zur litteratur , mit beitragen zur textgesehichte 
des Theokrit, Catull, Properz und anderer autoren. Berlin, 
Hertz 1882. 8. VII, 518 p. 12 mk. 

Das vorliegende werk hat die form des antiken buches und 
ihr verhältniß zu den litteraturproducten zum gegenständ, einen 
stoff, der bisher nur gelegentlich in einzelnen kapiteln der hand- 
bücher über paläographie oder privatalterthümer gestreift war, 
hier aber mit dankenswerther grttndlichkeit unter berücksichti- 
gung der gesammten litteratur zusammenfassend bearbeitet ist. 

In dem ersten der neun kapitel „die buchterminologie", zeigt 
Birt, daß ßißXog ßiß/.iov Über volumen nicht nur sachlich, sondern 
vor allem räumlich abschnitte eines gesammtwerkes bezeichnen. 
Dieses selbst würde durch corpus aäfta aa^äiiov bezeichnet. 
Cap. 2 „das pergament" behandelt das büchermaterial. Obwohl 
neben dem uralten papyrus bei den asiatischen barbaren per- 
gament bekannt und in gebrauch gewesen sei, sei der papyrus 
doch im classischen alterthum das durchaus übliche material ge- 
wesen, pergament, gering im preise, sei nur von armen oder zu 
brouillons verwandt. Durch den gebrauch zur kirchlichen litte- 
ratur habe das pergament auch wieder für die profanlitteratur 
allgemeinen eingang gefunden. Einen Zeitpunkt gebe die Um- 
schreibung der bibliothek zu Caesarea 400 n. Chr. auf perga- 
ment. Cap. 3 „das buch als träger der schrift" sucht den 
einfluß der rollengröße der Papierfabriken auf den schriftsteiler 
bei eintheilung seines Werkes nachzuweisen, eine Untersuchung 
zu der cap. 4 „die buchzeile" (die stichometrischen fragen) die 
Philol. Anz. XIV. 25 



858 62. Buchwesen. Nr. 7. 

fortsetzung bildet. Birt bestimmt als normalgröße den hexa- 
meter mit etwa 35 buchstaben. Cap. 5 „die buchseite " be- 
handelt unter anleitung der bekannten Pliniusstelle die blatt- 
breite. Eine prüfung sämmtlicher papyrusreste aus dem alter- 
thum ist freilich für dies aufgestellte normalexempel nicht gün- 
stig. In cap. 6 „die buchgröße" erörtert Birt den unterschied 
der großen des prosa- und poesiebuchs, in cap. 7 die fragen, die 
in das gebiet der edition einschlagen , in cap. 8 die Störungen 
der antiken buchform unter revision der gesammten antiken lit- 
teratur von diesem gesichtspunkt aus. In cap. 9 „das voralex- 
andrinische buchwesen u wird für diese zeit die theilung der 
werke in bücher geleugnet und ihr das „großrollensystem" vin- 
dicirt, das erst der von der alexandrinischen gelehrsamkeit durch- 
geführten buchtheilung gewichen sei. Der erfinder des kleinrol- 
lensystems sei Callimachus. — 

Die folgende besprechung geht außer auf die grundlagen 
der Birtschen deductionen — normalzeile und normalexemplar — 
nur auf die punkte näher ein, wo eine erneute besprechung von 
nutzen scheint. 

Gegen die strengen Scheidungen der Birtschen terminologie 
der antiken ausdrücke hat E. Bohde (Gott. gel. anz. 1882, 
stück 49, p. 1537 ff.) durchschlagende gründe beigebracht, und 
man wird an Fr. Ritschrs erklärung festhalten müssen, daß ßi- 
ßkog ßißXiov Über mit „rolle" in nachalexandrinischer zeit zwar 
häufig zusammenfallen, es aber nicht an unbeträchtlichen aus- 
nahmen fehlt. 

In bezug auf das großrollensystem der athenischen zeit ver- 
mag ich Birt nicht beizupflichten. Die aus Plato (z. b. Apolog. 
26 D), Isokrates (Panath. 250) sich ergebende starke Verbreitung 
des bücherlesens setzt offenbar auch handliche formate voraus. 
Das zeugniß des Thukydidesscholiasten kann doch nur einen 
zweifelhaften werth haben. Auch ist es nicht festgestellt, ob 
neben der gesammtpublikation eines historischen prosa Werkes, 
nicht ausgaben von rhapsodienartigen theilen — wozu das Vor- 
bild Homer's und die sitte der öffentlichen Vorlesungen angeregt 
haben dürften — nebenherliefen , und man könnte die resultate 
der Kirchhoff'schen Untersuchungen über die entstehung des He- 
rodotischen geschichtswerks unter diesem gesichtspunkt verwenden 
oder modificiren. Indessen bleibt dies ohne eingehenden beweis 



Nr. 7. 62. Buchwesen. 359 

hypothese und kann daher zunächst nicht gegen Birts anschauung 
verwandt werden. Besser sprechen schon Plato, Aristoteles, Epho- 
rus gegen ihn. Wenn von Aristoteles dialogen z. b. der tieqi 
dtxaioovitjQ in vier büchern vorlag und jedes buch durch ein 
besonderes prooemium eingeleitet wurde, so darf dies nicht al- 
lein in der weise erklärt werden, wie es Birt p. 472 ff. thut. 
Gewiß ward Aristoteles durch die kunst der composition zu thei- 
lungen veranlaßt , aber weshalb hat er den dialog gerade auf 
diesen umfang beschränkt, und warum haben die alexandrini- 
schen gelehrten hier keine andere theilung vorgenommen ? Sicher 
war es ihm darum zu thun, seine Schriften in handlichem format 
zu edieren und sie so dem publikum annehmbar zu machen. 
Auch über Plato urtheilt Birt nicht richtig. Man beachte den 
umfang der apologie, an deren weitester Verbreitung dem Plato 
ohne zweifei sehr viel gelegen hat. Auch von den sonstigen 
Schriften des Plato sind es nur zwei, die in das system des groß- 
rollenwesens gut hineinpassen, der Staat und die gesetze. Wenn 
von ersterm werke Plato bereits eine erste ausgäbe in viel hand- 
licherer form, wie Krohn nachgewiesen hat, veranstaltet hat, wie 
sollte der philosoph dazu gekommen sein, dieses werk in einem 
für den leser so unbequemen convolut zu vereinen? Auch hier 
werden mehrere partien zu scheiden sein , und eine diesbezüg- 
liche aufmerksame iektüre des Werkes wird die spuren noch er- 
kennen lassen. Anders steht es mit den gesetzen. Sie sind 
von Plato selbst nicht in einer rolle ediert. Als paralipomenon 
fiel die herausgäbe dieses Werkes seinen schülern anheim. Die 
tradition schreibt die redaktion und herausgäbe desselben dem 
Philipp von Opus zu. Diogen. Laert. III, 27 : svioi cpaaiv, ori 
&iki7inog o 'Onovvxiog tohg Nöfxovg avtov [AeTsygctxpsv ovzag £v 
xrjQio • Tovzcp ds xai ir\v ^EnivoyiiSct. cpaaiv ehai. Suid. s. v. cpi- 
loaocpog — — og tohg TlXäravog Nofxovg dtsiXev arg ßißXt'ct iß'' 
to yäg iy' ctvtog ngog&Eivai Hyszai, wo der name Philipps aus- 
gefallen ist , wie Boeckh in Plat. Minoem p. 73 nachgewiesen. 
Aus welchem gründe Birt diese notiz verwirft , ist nicht einzu- 
sehen , da er doch sonst sich durchaus nicht abweisend gegen 
grammatikerzeugnisse verhält. Zur begründung dieser Verwer- 
fung führt er eine ganze reihe von Zeugnissen an, bei denen die 
redaktion von werken auf mythe beruht. Aber weshalb ist hier 
nicht angeführt, daß Eudemos die metaphysik des Aristoteles 

25* 



360 62. Buchwesen. Nr. 7. 

herausgegeben? Diese nachricht beruht allerdings auf so guter 
grundlage, daß Birt nicht wagen wird, dieselbe anzugreifen. 
Ferner unterscheidet sich die notiz bei Diog. Laert. II, 56, daß 
Xenophon des Thucydides geschichte ediert habe, während er 
sie doch vernichten konnte, beträchtlich von der oben erwähnten 
nachricht über Philipp von Opus. Nun hat aber auch Ivo 
Bruns (Piatos Gesetze, Weimar 1880) in scharfsinniger weise 
nachgewiesen, daß Philipp von Opus der gewaltsame redaktor 
der gesetze gewesen ist. Es ist daher jene Verwerfung dieser 
notiz von Seiten Birts nicht gerechtfertigt. Hierzu tritt noch 
der umstand ergänzend hinzu, daß auch bei Ephoros die buch- 
theilung auf den Verfasser selbst zurückgeht. Das werk lag 
dem Diodor XVI, 76 in dreißig büchern vor, jedes dieser xara 
yivog gesonderten bücher hatte je ein prooemium, welches als 
ein machwerk eines spätem redaktors hinzustellen kein grund 
vorliegt. Birt selbst muß hier zugeben (p. 471), daß diese buch- 
theilung bei Ephoros nicht zu leugnen sei. Er sucht dieselbe 
jedoch dahin zu erklären, daß „notwendigerweise , sich dem, 
der von den Herakliden ab erzählte, der stoff nach zeit und 
nach ort in große gruppen theilte; auch Herodot erzähle ja 
xaz« yhog ; während aber bei diesem die theilung in bücher 
zur Verdeutlichung der Stoffgruppierung nichts beitrüge, so wäre 
sie beim Ephorus offenbar geschickter und etwa so geschickt 
gemacht, wie in der Ilias ; wie die Ilias, so konnte auch Ephoros 
anfangs in fitgt] zerfallen". Jedem, der diese argumentation Birts 
liest, wird es klar, daß Birt sich nicht der nothwendigkeit ent- 
ziehen kann, daß bei Ephoros schon früh eine Scheidung des 
werkes in theile eingetreten sei. Wenn man sich den umfang 
der bücher des Ephoros nach analogie der uns erhaltenen histo- 
riker und nach dem überlieferten inhalt vergegenwärtigt, so wird 
jedem einleuchten, daß diese dreißig bücher nicht in einer rolle 
standen. Ferner umfaßte Theopompos geschichtswerk («*» oig Tag 
ts täv EhXrjvcov ytal ßuQßaQCov ngd^etg fiSXQi v ^ v cc7zayysXXofitvag 
eati laßsiv) mehr als 150000 satj nach Phot. Bibl. cod. 176, 
p. 120 b , 33 ed. Bekker. Soll man sich nun diese gesammten 
150000 S7i7] in einer rolle denken? Es ergiebt sich also, daß 
sowohl das geschichtswerk des Ephoros als auch das des Theo- 
pomp gleich von ihrer herausgäbe an, nicht in einer einzigen 
rolle vereinigt sein konnten. Eine derartige rolle wäre für die 



Nr. 7. 62. Buchwesen. 361 

lektüre des Werkes ein hindernis gewesen. Welche last mußte 
es sein, eine so schwere rolle beim lesen in der hand zu halten ! 
Aus allen den angeführten argumenten geht also deutlich 
hervor, daß in Athen keineswegs das großrollensystem in der 
weise geherrscht hat , wie Birt annimmt. Auch hier sah man 
schon auf handlichkeit der rollen. Nirgends auch nicht bei den 
komikern, wo sich doch so leicht ein anlaß geboten hätte, findet 
sich eine andeutung, aus der die mangelhafte handlichkeit der 
rollen ersichtlich wäre. Wenn also somit das „kleinrollensystem" 
auch für das perikleische Athen anzunehmen ist, so fällt damit 
auch die bedeutung, welche Birt dem Kallimachos 
beilegt. Der ausspruch des letzteren ro ue'ya ßißXiov i'aop efoat 
7% fxeyäXq> xuxm 1 ) muß also die bedeutung behalten, welche ihm 
Merkel prolusio ad Ibin p. 341 und später Rohde Geschichte 
des griechischen romans 1870, p. 56 gegeben haben. Birt in- 
terpretiert diesen ausspruch des Kallimachos allerdings mit großer 
schärfe und divinatorischem talent, aber dennoch hat mich seine 
argumentation nicht überzeugen können. In Verbindung mit 
dieser frage bebandelt Birt auch p. 485 ff. die bedeutung der 
ßlßXoi avfxuiyelg und uuiyetg. Die notiz über dieselben findet 
sich bei Ttzetzes proleg. ad Aristophanem, der hier alten quellen 
folgt: 8vai ßißXio&ijxaig ruvraig (sc. rag ßi'ßXovg) unsdezo, wv 
7tjg exTog fisv i\v agi&uog 7S7Qay.iguvgiat dtg%iXtai 6x7axöoiai, 
7>]g 8 1 eaco läv avax7ogmp xai ßaoiXeiov ßlßXcov psv av/a/xtuäv 
(cod. Ambros. ; avuuiyäv cod. Paris.) ugi&uog 7saaagdxov7a fiv- 
giadeg, änXäv de xai d/xiayäv (cod. Ambros. ; upnymv cod. Paris.) 
ßißXcov nvgiddsg hvta, tag ö KaXXtuayoq veavioxog &v tr\g aiXrjg 
vG7hQ(og /xs7u 7r t v arogd'coaiv 7ov g nivaxag uvtwv an?yoä\pa7o. 
Birt hält nun beide hier mit ovu^tiysTg und äuiyslg bezeichneten 
rollen für solche, die in das großrollensystem gehören (p. 490). 
Die avuuiyslg faßt er als miscellanhandschriften auf, die uuiyüg 
dagegen als handschriften, in denen nur Schriften desselben Ver- 
fassers, in der regel wohl nur ein werk zusammengestellt waren. 

1) Die worte stehen bei Athenaeus III, p. 72 A und werden ein- 
geführt: KakXifxctyog 6 yg et, ufxct7iy.bg tktytv. Birt erklärt dies iktytv 
p. 483 : „Kallimachos pflegte zu sagen", doch ist diese Übersetzung 
nicht unbedingt nothwendig. Denn man muß hierbei in erwägung 
ziehen, daß der aorist tlnov nie zur einführung von citaten gebraucht 
wird. Hier werden nur die von Xiyco gebildeten formen angewandt, 
und das imperfekturn tritt dann subsidiarisch für den aorist ein. 



362 62. Buchwesen. Nr. 7. 

Doch gesteht er selbst p. 491 ein, daß bei dieser erklärung die 
zahlengröße der av/ifiiyslg unerklärbar und unverständlich er- 
scheint. Eine änderung dieser Zahlenangabe hat Birt also nicht 
gewagt , er hält dieselbe demnach für richtig. Dieser umstand 
allein muß zweifei an der richtigkeit der Birtschen erklärung er- 
regen. Es ist nun in erster linie die frage , ob die worte a>g 
KaXXiua^og — ansygdxpaTO sich sowohl auf die av(X(iiyilg ßißXoi 
als auch auf die äpiysTg beziehen. Ich glaube, es ist nur das 
letztere der fall, wie die begründung im folgenden zeigen soll. 
Die worte jwer« t\v avoQ&oaoiv hat Birt nicht beachtet. Es fragt 
sich, worauf sich die ttvoo&eoaig des Kallimachos erstreckte, und 
welche dieser bücher aus derselben hervorgegangen sind. Sicher 
die geringere anzahl von 90000 äfityug. Schon diese auffassung 
führt auf den unterschied zwischen av^fiiynlg und ccfiiyslg. Die 
erstem sind die Schriften bunt durcheinander ohne Ordnung, 
ohne recension, die letztern die, welche aus der avogümaig 
hervorgegangen sind. Daß diese erklärung auch die richtige 
ist , beweist der text des Plautusscholions : duas bibliothecas 
fecit, älter am extra regiam, alter am autem in regia. In exteriore 
autem fuerunt milia voluminum quadraginta duo et octingenta ; in re- 
giae autem bibliotheca voluminum quidem commixtorum volumina 
quadraginta milia, simplicium autem et digestorum milia nonaginta, 
sicuti refert Callimachus. Es wird ferner hierdurch verständlich, 
daß in der pergamenischen bibliothek, welche Antonius der Kleo- 
patra schenkte, nur noch ßißlia änlä waren (Plut. Anton. 58). 
An der erhaltung der ovmjuyr} hatte man kein interesse; sie 
waren von den Ptolemaeern nur in der großen anzahl angekauft, 
um an der hand verschiedener exemplare die avoq&coatg zu er- 
möglichen. 

Daß in Alexandria eine buchtheilung der Schriftsteller bei 
der av6o9(oaig unternommen wurde, ist allerdings nicht zu leug- 
nen, aber dabei sind drei punkte zu beachten: 

1) Die buchtheilung erhielt keine allgemeine 
geltung. Dies beweisen zahlreiche angaben, in denen die 
spätem schriftsteiler die frühern nach verschiedener buchzahl ci- 
tieren. Das historische werk des Thucydides liegt uns heute 
in acht büchern vor. Man pflegt diese theilung auf die Alexan- 
driner zurückzuführen, aber mit recht? Diodoros XII, 37. XIII, 
42 las selbiges werk in neun büchern, der Thucydidesscholiast 



Nr. 7. 62. Buchwesen. 363 

(ad. Thuc. IV im.) gar in dreizehn büchern, vgl. Osaun im 
Philol. IX, 543. Krüger, Histor. philol. Studien I, 259. Von 
diesem gesichtspunkte aus sind auch die verschiedenen buchan- 
gaben des geschichtswerkes des Theopomp zu beurtheilen, welche 
Birt p. 461 f. angeführt hat. In gleicher weise ging es mit 
Homer , die rhapsodien waren auch nicht ursprünglich gleich, 
aber hier hat sich zuerst ein allgemeingültiger gebrauch einge- 
bürgert , jedenfalls weil sie das gelesenste buch waren und na- 
mentlich als Schulbuch dienten. Die zahl dieser beispiele sämmt- 
lich anzuführen kann nicht unser zweck sein. 

2) Die buchtheilung der al exandrinischen ge- 
lehrten ging in gleicher weise von dem gesichts- 
punkte der handlichkeit aus, wie dies auch früher 
der fall gewesen war. Dies beweisen aufs deutlichste die 
rfirjfiuza vgl. Birt p. 494 f. Daß man aber auch einen zu klei- 
nen umfang nicht bei jeder Schriftart zuließ, zeigen die dich- 
tungen Epicharms, welche Apollodoros von Athen auf zehn zö- 
uoi vertheilte (Porphyr. Vit. Plotin. 24), ferner die reden des De- 
mosthenes , von denen jedes mal sechs vereint gewesen zu sein 
scheinen Birt p. 308. In gleicher weise finden wir von den 
Schriften des Antisthenes nach dem katalog bei Diog. Laert. VI, 
15 f. nicht nur verschiedene selbständige biographien, sondern 
auch solche Schriften in einem tö/jiog vereint, die an sich wieder 
in mehrere bücher zerfielen. Es ist demnach evident, daß buch 
und stück nicht zusammenfielen, vielmehr in derselben 
rolle mehrere stücke vereint waren. Dabei ist auch zu beachten, 
daß der alexandrinischen zeit die Vereinigung mehrerer Schriften 
in eine rolle nicht unbekannt war , vgl. Galen. XVI, p. 5. Es 
gab also kein „machtwort" des Kallimachos, welches unmittelbar 
bewirkte, daß seit dieser zeit die papierfabriken des Nildeltas sich 
geradezu angewiesen sahen, keine buchrolle über 200 Seiten her- 
zustellen. 

3) Ein normal ex empl ar ist weder vonden Alex- 
andrinern für die ältere litteratur geschaffen, 
noch hat es später existiert, wie Birt p. 82 glaubt. In 
späterer zeit ist man allerdings immer auf die textrecensionen 
der Alexandriner zurückgegangen , aber nicht aus dem gründe, 
weil sie ein normalexemplar waren in dem sinne, wie Birt meint, 
sondern weil die exemplare dieser recension den reinsten text 



364 62. Buchwesen. Nr. 7. 

boten, da den redactoren derselben bei der ävÖQ&woig das reichste 
material (vgl. oben) zu geböte gestanden hatte. 

Die auseinandersetzungen Birts über die normalexe m- 
p 1 a r e bilden einen so hervorragenden punkt seiner ganzen auf- 
fassung, daß es sich verlohnt, auf diese hypothese ausführlicher 
einzugehen. Seit Kitschis epochemachender abhandlung ist wie- 
derholt über die stichometrie gehandelt. Birt bringt in seiner 
besprechung dieser frage kein neues material, er stützt sich we- 
sentlich auf Charles Graux' abhandlung (Nouvelles recherches 
sur la stichometrie in Eevue phil. II, Paris 1878), aber die sti- 
chometrische frage ist durchaus noch nicht vollständig klar ge- 
legt und eine erneute durchforschung dieses gebietes wäre sicher 
von nutzen gewesen. Denn wenn Curt Wachsmuth die sticho- 
metrie auf mittelalterliche handschriften zurückführen und Blaß 
die beim Demosthenes überlieferten crr/pt mit erfolg als sinn- 
zeilen erweisen konnte, so mußte hieraus hervorgehen, daß die 
wissenschaftliche grundlage, auf welche die Untersuchungen über 
stichometrie basierten , keine feste und über allen zweifei erha- 
bene war. Für eine erneuerte Untersuchung dieser frage wird 
es dringend nothwendig sein, die herkulanischen texte genau 
zu collationieren. Denn jene anerkannt schlechten editionen der 
Italiener können nicht stichhaltig sein, und so lange der text 
derselben nicht genau festgestellt ist, werden alle conjekturen, 
welche etwa hier gemacht werden, in der luft schweben. — In 
eine neue phase sind die stichometrischen Untersuchungen ohne 
zweifei durch Diels' kleinen aufsatz in Hermes XVII, 1882, 
p. 377 — 384 gekommen. Er hat erwiesen, daß die gti'xoi nicht 
nach buchstaben, sondern nach silben gemessen wurden, ferner 
hat er zwei arten der ati^oi praecisiert. Die übrigen von die- 
sen abweichenden faßt er in eine dritte classe zusammen. Aber 
in dieser sind die Gtlfni doch auch nicht gleich , sondern ver- 
schieden. Es scheint mir außerdem nicht ohne bedeutung, daß 
Galenos V, p. 655 ed. Kühn, eine stelle, die Birt p. 216 nicht 
in beifall erweckender weise behandelt hat, die sat], welche er 
als maß annimmt, an beiden stellen als i^dftszQa und die ari^oi 
als rjQcomoi bezeichnet. Dieser zusatz kann doch unmöglich ein 
müßiger sein •, er wäre es , wenn zu Galenos' zeiten ein jeder 
unter azi%og einen solchen von bestimmter ausdehnung verstan- 
den hätte. Dieser zusatz IjQouxvg macht es aber evident, daß 



Nr. 7. 62. Buchwesen. 365 

es damals schon eine verschiedenartige Stichenrechnung gab. 
Andere Stichenrechnungen waren vorhanden , wie die Subskrip- 
tionen unter den Plutarchischen viten beweisen , welche Birt p. 
203 durch conjektur zu beseitigen sucht. Ein grund muß al- 
lerdings vorhanden gewesen sein, weshalb die schreiber des al- 
terthums die zeilen nie bis ans ende in gleicher weise ausfüllten. 
Auch die außerattischen inschriften zeigen eine derartige Schreib- 
weise. Nicht ohne nutzen wird es für die stichometrische frage 
sein auch die papyrusurkunden herbeizuziehen. Birt hat die- 
selben allerdings p. 275 in den kreis seiner Untersuchung hin- 
eingezogen , aber nicht ausgebeutet. Lehrreich wären in dieser 
beziehung diejenigen Urkunden gewesen, welche wir in verschie- 
denen abschritten besitzen. Hierher gehört namentlich Notices 
extraits XVII, 2, nr. 18, welche ebenfalls in Leyden ist. Das 
beste exemplar aber besitzt die Ambrosiana in Mailand, welches 
in Deutschland wenig bekannt zu sein pflegt , trotzdem es von 
Ceriani in Rendiconti del r. istituto Lombardo, serie II, vol. IX, 
fasc. XV veröffentlicht ist. 

Alsdann möchte ich fragen , ob die stichometrie wirklich 
von großer bedeutung ist, wie man zu glauben scheint. Im al- 
terthum hat man sich nicht so viel um die üti/oi gekümmert, 
denn es kann nicht zufällig sein , daß so wenig nach oti%oi ci- 
tiert wird (Birt p. 175). Wenn eine derartige rechnung wirk- 
lich allgemein gültig gewesen wäre , so hätten die scholiasten 
und interpretatoren sicher mehr, als es geschieht, diese hülfe 
benutzt. 

Nicht anders steht es mit den normalexemplaren , welche 
nach Birt in den bibliotheken existiert haben sollen. Es ist 
doch bemerkenswerth, daß nur einer der uns erhaltenen papyri 
sich für Birt p. 216 als normalexemplar erweist, und auch die- 
ser ist kein normalexemplar im Birtschen sinne , denn er hat 
nicht die von Birt angenommene normalzeile zu 36 buchstaben, 
wie durch rechnung leicht zu ersehen ist. Dann muß es doch 
wieder auffallend sein , daß die Evdt^ov ti'fvi] , sicher eine sehr 
alte handschrift, im texte des verso die normalzeile nicht hat, 
wohl aber auf dem averso Birt p. 279. Bei diesen Untersuchun- 
gen hat Birt eine stelle des Kastor nicht gewürdigt, in welcher 
es (Rhet. graec. III, 721, ed. Walz) heißt: zoltov rbr löyov 
(Demosth. nqo^ t>jv imßToXtjv) azi^ofxsv xazu y.w\ov xuiaazr/auvTES 



366 62. Buchwesen. Nr. 7. 

slg trjv noouzt]7a rcav aälmv xaru rbv ägi&fior tov iyxeC- 
(isvov iv toig a q%u 10 i g ß iß X i o ig mg ifiirgtjasv avtog 6 
/Jrjfxoa&ivqg tov l8lov Xoyov. Die im druck gekennzeichneten 
worte können doch nur beweisen, daß die zahl der oti^oi in 
den alten Codices angegeben war, sie bezeugen aber nicht, daß 
die <XQ%aia ßißXia in ati^oi geschrieben waren. Hätte Kastor 
dies bezeichnen wollen, so hätte er sich anders ausgedrückt, und 
seine reconstruktion wäre nicht nöthig gewesen. Es ist also 
klar, daß es zur zeit des Kastor selbst keine normalexemplare, wie 
sie Birt annimmt, gab. 

Ueber den zweck der stichometrie hat Birt p. 206 ff. ganz 
richtig geurtheilt, sie hatte wohl dieselbe bedeutung, wie unsere 
heutige bogenzählung und konnte auch dann noch als maß die- 
nen, als sie nicht mehr innegehalten wurde. 

Daß das format zu den verschiedenen zeiten nicht gleich 
war, zeigen Ovids worte, der in den Tristien von seinen Amores 
rühmt, daß sie auch in einer zierlichen miniaturausgabe ver- 
breitet würden. In späterer zeit unterlag das format in gleicher 
weise der mode vgl. Gardtbausen Griechische paläographie p. 63. 

Eine technische frage scheint mir Birt nicht scharf genug 
gefaßt zu haben. Er nimmt an, daß die rolle bis zu 20 blätter 
(nach Plinius, conjektur) von den papierfabriken verkauft wurden. 
Doch scheint mir dies aus Martials Worten VII, 85 gefolgert zu 
sein, dem es schwer fällt seine rolle zu füllen. Die sache 
scheint vielmehr, wenn man Martianus Capeila Nupt. phil. II, 
2 1 9 ff. liest , sich so zu verhalten , daß die rollen von den pa- 
pierfabriken in einer gewissen minimallänge fabriciert wurden 
und in den handel gingen, daß nur an einem ende, welches den 
anfang bilden sollte , der umbilicus befestigt war. Der Schrift- 
steller resp. der abschreiber konnte nun die rolle beliebig ver- 
längern, indem er einen bogen nach dem andern anklebte und 
zuletzt am ende den umbilicus befestigte. Daß durch ankleben 
sehr häufig die rollen verlängert wurden , läßt sich durch viele 
beispiele aus den Schriftstellern z. b. Apocal. 18, 5 erhärten. 

Den begriff der aellg hat wohl Birt nicht präcis genug ge- 
faßt. P. 159 sagt er: „ein raummaß ist die seite (soll wohl 
heißen die columne) asXlg pagina", aber aus seinen notierungen 
über papyri des Berliner museums p. 259 ff. geht hervor, daß 
er unter aeVig den bogen versteht, durch dessen anklebung die 



Nr. 7. 62. Buchwesen. 367 

rolle verlängert wurde. (Daher die xoXh'j/Accza zav asl.i'dcov vgl. 
Gardthausen, Griech. paläographie p. 63 u.). Jedem, der sich 
mit den griechischen papyri beschäftigt hat, ist es bekannt, 
daß blatt und columne nicht zusammenfallen , vielmehr dieselbe 
columne auf zwei aneinandergeklebten blättern stehen kann. 

Birt hat sich nicht die frage vorgelegt , ob die Schreibung 
in columnen zu allen zeiten üblich gewesen sei. Nach verglei- 
chung der altern ägyptischen papyri glaube ich annehmen zu 
können, daß man auch ohne columneneintheilung schrieb. Dies 
scheint mir der umstand zu beweisen, daß wir von Sueton erfahren, 
daß in des Naevius bellum Punicum die verse continenti scriptura 
d. h. ohne absatz geschrieben wurden. Ein rest dieser Schreib- 
weise hat sich in den Urkunden erhalten. Hierbei möchte ich 
auch darauf aufmerksam machen, daß die lyrischen versmaße 
nicht in der weise geschrieben wurden , wie wir sie absetzen. 
Bei Horaz wurde ursprünglich nur abgesetzt, wenn das systema 
zu ende war. Denn wie hätte es sonst geschehen können , daß 
jene ode III, 12: Miserarum est neque amori etc. mit so ver- 
schiedenartigem absatz überliefert wurde, während das ende des 
systema in allen gleich ist. Hierdurch scheinen mir auch die 
stichosangaben bei Sophokles (vgl. Birt p. 193), welche mit un- 
serer verszählung nicht übereinstimmen, ihre erklärung zu finden. 
Die conjekturen, welche Birt zur beseitigung der angeblichen 
differenz gemacht, werden durch die von mir gegebene deutung 
überflüssig. 

Eine andere frage , welche Birt nicht eingehend genug be- 
handelt hat, ist folgende: wann ist der codex zuerst in 
gebrauch gekommen? Birt kommt allerdings auf diese 
frage zu sprechen, aber gleich die Überschrift des betreffenden 
abschnittes: „das pergament" veranlaßt mich zwei irrthümer zu 
berichtigen. Birt trägt sich fortwährend mit der falschen Vor- 
stellung, der papyrus sei theurer gewesen, als das pergament. 
Nirgends giebt es einen beleg dafür, und wenn er auf die preise 
beider (p. 83 ff.) näher eingegangen wäre, so würde er gefunden 
haben, daß das gegentheil der fall ist. Vielleicht ist dieser irr- 
thum veranlaßt durch eine Hieronymusstelle Ep. LXXXII Vall.: 
legi, inquam, legi Originem et si in legendo crimen est, fateor. Et 
nostrum marsupium Alexandrinae chartae ev acuerunt. Dies 
darf doch nicht dahin erklärt werden, daß der papyrus so hoch 



368 62. Buchwesen. Nr. 7. 

im preise stand , sondern ist vielmehr so aufzufassen , daß die 
werke des Origines als solche gleich viel auf welchem material 
sie geschrieben waren , einen guten preis hatten. Der zweite 
irrthum Birts ist der , daß er unter codex fast immer eine per- 
gamenthandschrift versteht. Giebt es denn keine papyruscodices? 
Birt zählt allerdings p. 120 einige auf, aber diese aufzählung 
ist nicht vollständig. Es fehlt einmal das älteste beispiel , auf 
das ich sogleich zu sprechen komme, und das Birt auch andern- 
orts in anderer Verbindung p. 218 anführt. Ferner muß es auf 
selbiger seite in anmerk. 9 nicht heißen : „hierher gehört auch 
der Mailänder Iosephus auf charta", sondern „der Mailänder 
ßufinus auf charta". Zu diesen beispielen mußte noch der cod. 
lat. nr. 44 der Münchener Staatsbibliothek hinzugefügt werden. 
Ueber ihn vgl. Philologus XLIII , 1884, p. 108. Er gehört 
in das zehnte Jahrhundert. Gerade durch dies beispiel wird er- 
kenntlich , wie lange sich der papyruscodex noch erhalten hat. 
Daß auf unsere zeit so wenig exemplare derartiger handschriften 
überkommen sind , hat seinen grund darin , daß der papyrus 
nicht den zähen widerstand leistete, sondern leicht schlecht wurde. 
Ferner hat Birt übersehen : homilienfragmente des 8. oder 9. 
Jahrhunderts im königl. archiv zu Florenz , sehr schlecht veröf- 
fentlicht von Zannoni im codice diplomatico Toscano I, 1, p. 
113 — 127 und homilienfragmente des papyrus Lambruschini (Flo- 
renz) vgl. unten p. 374. 

Daß aber papyrus häufig in codexform gebraucht wurde, 
konnte Birt einmal aus jener von ihm p. 9 7 f. behandelten 
Ulpianstelle (Corp. iur. civ. 1. 52 pr. de legat. et fide III) er- 
fahren , in der Codices chartacei genannt werden , dann aber 
auch aus einer stelle eines briefes des Hieronymus an Lucilius 
(ed. Migne nr. 71, p. 671a), welcher in das jähr 398 gehört. 
Birt hat diese stelle nicht angeführt. Die worte lauten : opus- 
cula mea quae non sine merito, sed bonitate tua desiderare te dicis 
ad describendum Jiominibus tuis dedi et descripta vidi in charta- 
ceis codicibus. Durch diese worte wird auch eine andere 
behauptung Birts p. 112, daß des Hieronymus Schriften auf 
rollen berechnet waren, widerlegt. Denn wenn dies wirklich 
der fall gewesen wäre, so hätte Hieronymus ohne zweifei dahin 
gewirkt, daß die exemplare für Lucilius auch in dieser form ab- 
geschrieben wurden. 



Nr. 7. 62. Buchwesen. 369 

Das durchdringen des codexformates glaubt Birt nun an 
folgende notiz anknüpfen zu können. P. 100 : „sobald wir das 
vierte Jahrhundert betreten, stoßen wir auf jene viel citierte nach- 
richt über die bibliothek des Pamphilus in Caesarea : die p a- 
pyrusrollen dieser bibliothek waren zum theil schadhaft ge- 
worden ; zwei priester , Acacius und Euzoius , unternahmen es 
sie auf membrane zu erneuern. Dieses umschreiben einer 
ganzen buchsammlung scheint so bedeutsam — , daß wir dies 
ereignis typisch zu fassen geneigt sein könnten und nach ihm 
das Jahrhundert des sieges des christenthums als die zeit anse- 
tzen, in welcher der codex in buchform durchdrang". Woraus 
geht es nun aber hervor , daß die bibliothek des Origines auf 
rollen geschrieben war? Hieronymus sagt ep. 141: Pamphilus 
— tunc maxime Originis libros impensius prosecutus Caesariensi 
ecclesiae dedicavit : quam ex parte corruptam Acacius dehinc et Eu- 
zoius eiusdem ecclesiae sacerdotes in membranis instaurare conati sunt 
und Hieronymus de vir. illustr. IV 2 , p. 126 Mart. : corruptam 
bibliothecam Originis et Pamphili in membranis instaurare conatus est. 
Es kann nun durch nichts bewiesen werden , daß libri in der 
zeit des Hieronymus rollen bedeutet habe , ja des Hieronymus 
worte im commentar zu Ecclesiast. 12, 13 und in der einleitung 
zum buch Hiob : libros in membranis purpureis auro argentoque de- 
scriptos — : onera magis exarata quam Codices müssen eine derar- 
tige Übersetzung widerlegen. Die von Birt vorgeschlagene deu- 
tung dieser stelle kann also nicht unbedingt zugegeben werden, 
vielmehr hat folgende erklärung dieselbe berechtigung. Als 
grund der Umschreibung der bibliothek auf membrane wird die 
leichte Zerbrechlichkeit und mangelhafte haltbarkeit angegeben 
(facilis senectus papyri scripta corrumpat). Es kann demnach keine 
Widerlegung folgender deutung jener notiz unternommen werden : 
die bibliothek des Origines habe papyruscodices umfaßt, und da 
diese schadhaft geworden, habe man alles auf pergament umge- 
schrieben. Ich will hier keineswegs behaupten, daß die biblio- 
thek nur aus papyruscodices bestanden habe, sondern nur als un- 
zweifelhaft hinstellen , daß wir sehr wohl berechtigt sind , das 
codexformat schon für exemplare der erstem gestalt der biblio- 
thek in anspruch zu nehmen. Demnach ergibt sich, daß unmög- 
lich auf diese notiz die meinung sich stützen kann, daß gerade 
in dieser zeit die codexform allgemeine geltung und Verbreitung 



370 62. Buchwesen. Nr. 7. 

gefunden habe. Den Zeitpunkt nun zu ermitteln , in dem der 
codex allgemeinere Verbreitung gefunden habe, ist höchst schwierig. 
"Wir können nur das aussagen, wann er eine Unmöglichkeit ge- 
wesen ist, d. i. in der zeit, als sich jene ausdrücke wie volvere, 
volumen u. a. bildeten , für deren Verständnis die Voraussetzung 
des gebrauches der rolle unumgänglich nothwendig ist. Nun 
hat sich unter den papyrusfunden aus Fayyüm, die vom Berliner 
museum erworben sind, ein bogen aus einem Aristotelescodex 
gefunden. Das fragment enthält ein stück der 'A&ijvaicov noXi- 
rsia und- geht im Berliner museum unter pap. graec. nr. 163. 
Nachdem sich schon Blaß (Hermes XV, 1880, p. 366 ff.) mit 
dem texte, beschäftigt hatte, habe ich denselben behufs einer 
sich daran knüpfenden historischen Untersuchung nochmals genau 
geprüft und kritisch eingehend behandelt : Papyrum Berolinensem 
nr. 163 musei Aegyptiaci commentario critico adiecto edidit H. 
L. Gothae, F. A. Perthes 1883. Ich habe mich auf p. 7 bei 
der datierung der handschrift an Charles Graux' urtheil ange- 
schlossen, der die handschrift zwischen die Ilias Bankesiana und 
den Hypereides setzt, jedenfalls sei sie nicht später als das 
zweite nachchristliche Jahrhundert zu setzen. Wenn ich nun ge- 
stehen muß, daß die argumente, welche Blaß (Hermes X, 1875, 
p. 24) für die datierung der Hypereideshandschrift in das jähr 
150 n. Chr. vorgebracht hat, keine zwingenden sind, und die 
schrift aus diesen gründen allein sicher nicht der mitte des zwei- 
ten Jahrhunderts zuzuweisen ist, so sind doch genügend andere 
argumente vorhanden, welche es zur evidenz bringen, daß diese 
Aristoteleshandschrift unzweifelhaft in die mitte 
des zweiten Jahrhunderts gehört. Schon der charakter 
und duktus der buchstaben, wenn man diese allgemeinen ausdrücke 
gebrauchen wollte, weist auf das hohe alter hin. Die schrift 
ist durchaus sorgfältig, und viele buchstabenformen zeigen eine 
nicht zu verkennende ähnlichkeit mit den voluminibüs Hercula- 
nensibus. Daß die handschrift aber jünger als diese ist, geht 
hervor: 1) aus der in einzelnen fällen z. b. bei « und i einge- 
tretenen ligatur der buchstaben; 2) aus der form des «, welche 
die in einem zuge geschriebene , schnell ausführbar ist. Für 
das hohe alter spricht die alte form des dreistrichigen S in fr 
IIb z. 13, welche sich in der handschrift nur an dieser stellt 
findet, während sonst die fünfstrichige, unten geschwungene fori 



Nr. 7. 62. Buchwesen. 371 

gebraucht wird. Birt selbst erwähnt diese handschrift p. 218 
bei der erörterung über die normalzeile. Er will in dieser hand- 
schrift ebenfalls die normalzeile finden , ja allem anschein nach 
gilt ihm der codex als ein normalexemplar. Wenn nun Birt 
an der betreffenden stelle nichts gegen das alter der handschrift 
einzuwenden 2 ) bat, so giebt er damit zu, daß bereits um 150 
n. Cbr. normalexemplare auch in codexform existieren konnten. 
Wenn somit gegen die oben gegebene datierung dieser hand- 
schrift sich nichts einwenden läßt , so geht daraus folgendes 
hervor : 

1) bereits im zweiten Jahrhundert n. Chr. war das codex- 
format üblich ; 

2) Birt ist nicht im recht, wenn er das eindringen des co- 
dexformates mit der Verbreitung der christlichen Schriften in Ver- 
bindung setzt. 

Mit der ersten these soll nun keineswegs gesagt sein, daß 
das codexformat das damals allein übliche gewesen sei, sondern 
wir müssen uns die sache vielmehr so denken, daß lange zeit 
neben einander rolle und codex bestanden, der letztere erst dann 
der allgemein übliche Vertreter wurde , als der papyrus mehr 
und mehr durch das pergament verdrängt wurde. Jener codex 
des Aristoteles ist nun keineswegs ein einsamer zeuge vergan- 
gener zeiten , sondern es läßt sich die existenz von Codices für 
diese und noch frühere zeiten nachweisen. Selbst wenn das an- 
gedeutete der fall wäre, müßten wir erwägen, daß der papyrus 
leicht vergänglich war, und nur durch diesen oder jenen glück- 
lichen zufall uns etwas aufbewahrt ist. Jene schon oben ange- 
führte Ulpianstelle darf keineswegs so ausgelegt werden , daß 
damals die Codices noch wenig üblich waren und als solche nicht 
als libri bezeichnet werden konnten. Liber bedeutet damals eben 
schlechtweg ein litteraturdenkmal , meistens wohl wurden rollen 
darunter verstanden, doch war der eigentliche begriff schon ver- 
loren gegangen. Es ist nun eine juristische tüfftelei, wennUlpian 

2) Man darf durchaus nicht einwenden , daß die sonstigen in 
Fayyüm gefundenen handschriften viel jünger sind. Ich führe z. b. 
an, daß die von U. Wilken in den Berliner sitzungsber. 1883, p. 897 ff. 
veröffentlichten Urkunden der römischen kaiserzeit (Commodus) ange- 
hören, aber es sind noch ältere stücke aus der zeit Domitians vor- 
handen. Ueberhaupt sind die funde noch nicht eingehend genug un- 
tersucht vgl. Philologus XLIII, 1884, p. 106 ff. 



372 62. Buchwesen. Nr. 7. 

den angegebenen fall setzt, jemand habe schlechtweg seine Ubri 
vermacht und die bibliothek habe zum theil aus rollen, zum theil 
aus Codices bestanden. Nun sei es zweifelhaft, ob unter die Ubri 
auch die Codices zu begreifen seien. Im gewöhnlichen leben 
machte man damals keinen unterschied zwischen Ubri und Codices. 
Das ist eine juristische hypothese , wie sie sich häufig finden 
und aus den Schriften des Cn. Flavius bekannt sind. Ulpian 
entscheidet jene Streitfrage durch die autorität des Gaius Cassius : 
Et Gaius Cassius scribit deberi et membranas libris legatis: conse- 
guenter igitur cetera quoque debebuntur si non adversetur voluntas 
testatoris. Aus dem vergleich mit den weiter folgenden Worten 
dieser digestenstelle, wo abermals des Gaius Cassius entscheidung 
in selbiger angelegenheit citiert wird, geht hervor, daß die rechts- 
frage bei Cassius folgendermaßen stand: A hat an B testamen- 
tarisch seine Ubri vermacht. Es finden sich nun im nachlaß so- 
wohl auf papyrus , als auf membrane geschriebene exemplare 3 ). 
Nun entsteht die frage, ob unter die Ubri auch die membranen 
einzubegreifen sind. Cassius bejaht die frage, da ja die auf 
membrane geschriebenen exemplare auch litteraturdenkmäler 
(Ubri) repräsentierten 4 ). Anders steht die juristische frage bei 
Ulpian. Auch hier ein Vermächtnis in gleicher weise, nur fin- 
den sich iriür- nachlaß Codices sowohl auf membrane als auf pa- 
pyrus 5 ) , und es entsteht die frage , ob die Codices auch unter 
die Ubri neben den vorhandenen rollen (volumina) zu begreifen 
sind. Ulpian bejaht die frage durch Schluß nach analogie der 
entscheidung des Gaius Cassius. 

Lange vor der zeit des Ulpian waren aber Codices schon 
in gebrauch. Aus der zeit des Augustus wird ein Anakreon- 
codex erwähnt Anth. Pal. IX, 239 (Krinagoras). Vergebens 
sträubt sich Birt p. 89 gegen eine derartige auffassung dieser 
stelle. Aber es steht zweifellos fest, daß rtv^og hier codex be- 
deutet , doch ist damit noch nicht gesagt , daß diese handschrift 

3) Ich gebrauche absichtlich diesen unbestimmten ausdruck. Denn 
aus Cassius worten läßt sich kein schluß ziehen, ob die bibliothek nur 
rollen, oder Codices und rollen umfaßte. 

4) Cassius lebte im ersten Jahrhundert n. Chr. Man darf aus 
der stelle keineswegs folgern, daß in der zeit desselben das codexfor- 
mat noch nicht üblich gewesen sei , oder daß etwa damals die mem- 
brane nur zu Codices verwendet wurde. 

5) Die übrigen ausdrücke sind der juristischen genauigkeit wegen 
hinzugefügt. 



Nr. 7. 62. Buchwesen. 373 

mit den pugillares membranei bei Martial in gleiche linie zu setzen 
ist. Worin liegt denn auch hier der beweis, daß dieser rsi^og 
ein pergamentcodex gewesen sein muß? Vielmehr widerstreitet 
nichts der annähme, daß wir uns einen papyruscodex unter die- 
sem ztvxnt,- zu denken haben. Denn daß tsv^o^ allgemein „co- 
dex" ohne beziehung auf das material bedeutet hat, steht zwei- 
fellos fest, und jene gewaltsame emendation der interpretamenta 
der handschrift 306 von Montpellier, welche Birt p. 16 f. vor- 
genommen hat, wird keineswegs allgemeinen anklang rinden. 

Daß aber das codexformat in noch früheren zeiten üblich 
war , beweist eine stelle 6 ) eines Aristeasbriefes an Philokrates : 
xaduj*, dpeyvcoa&t] zu iei>x>j (ed. M. Schmidt in Merx' Archiv für 
erforschung des alten testaments I, p. 67), deren pseudonymer 
Verfasser ohne zweifei dem zweiten Jahrhundert v. Chr. angehört, 
vgl. Freudenthal, Hellenistische Studien I, 112. 124 f. 

Die sache stellt sich demnach folgendermaßen: schon früh 
war das codexformat bekannt. Es kam ohne zweifei aus Ae- 
gypten. Hier war das falten des papyrus zum codexformat 
schon lange bekannt gewesen , und wir haben alte beispiele 
hierfür, vgl. Chabas, melanges e'gyptologiques comprenant onze 
dissertations sur differents sujets. Chalons - sur - Saöne et Paris 
1862 Leemans Monumenta Aegyptiaca Leidensia nr. 343. 
345. 369. Es mag sein, daß, wie Birt annimmt, die wachs- 
tafel das vorbild zum codexformat abgegeben habe. Dies schon 
frühzeitig vereinzelt übliche format konnte sich aber nicht gleich 
geltung in der litteratur verschaffen. Den Eömern mag es bis 
zur zeit des allgemeinen bekanntwerdens der griechischen litte- 
ratur unbekannt geblieben sein. Vereinzelt treten zuerst Codices 
auf, sie werden immer zahlreicher, bis das definitive durchdrin- 
gen der membranen dem codexformat allgemein übliche geltung 
verschafft. Aus welchen gründen man von der rolle abwich, 
kann nicht ermittelt werden. Vermuthungen darüber anzustellen, 
hieße mehr wissen zu wollen als möglich ist. Für den Übergang 
von der rolle zum codex war noch ein anderes von Wichtigkeit, 
was Birt nicht in erwägung gezogen hat. Jedenfalls wurden 
die ersten Codices nicht in der weise geschrieben, wie sie jetzt 

6) Ueber das citat bei Birt p. 107, 4: Ioseph. adv. Ap. I, 8 hat 
sich schon Rohde a.a.O. p. 1549 ausgesprochen. Das citat muß ohne 
zweifei Ioseph. Ant. XII, 2, 10 heißen. 

Philol. Anz. XIV. 26 



374 62. Buchwesen. Nr. 7. 

allgemein vorliegen., sondern das rollenwesen machte sich in der 
weise geltend, daß auch hier zuerst in columnen geschrieben wurde. 
So hat der Sinaiticus vier columnen , eine große anzahl anderer 
derartiger handschriften führt Wattenbach Schriftwesen 2 , p. 148 ff. 
an. Auch im papyruseodex erhielt sich die Schreibweise. Be- 
weis dafür ist der papyrus Lambruschini vgl. collezione cFopuscoli 
scientifici e letterari XVII, p. 65 — 102, Firenze 1813. Diese 
handschrift war bis vor einiger zeit in Florenz , ist aber jetzt 
nicht mehr aufzufinden. 

Ein anderer punkt, in dem ich Birts auffassung nicht zu 
der meinigen machen kann, ist die auseinandersetzung über das 
aufkommen des pergaments bez. die pergamenische bib- 
liothek. Birt verwirft p. 50 ff. den bericht , daß die benutzung 
der pergamentes als Schreibmaterial in Pergamum in folge des 
Verbotes der papyrusausfuhr, welches Ptolemaeus erließ, wieder 
in aufnähme gekommen sei. ■ Wenn nun in der that in dem 
Varronischen berichte bei Plinius Nat. hist. XIII, 68 ff. ohne 
zweifei die nachricht falsch ist, daß in Alexandria der papyrus 
erfunden sei, so kann doch einerseits die frage entstehen, ob 
Plinius nicht die worte Varros falsch verstanden hat , anderer- 
seits ist es doch nicht unbedingt nothwendig, daß die zweite 
notiz über Pergamum darum falsch sein muß, weil die erste als 
unrichtig erwiesen werden kann. Doch würde eine derartige 
argumentation nichts fruchten , wenn sich in der that nicht er- 
weisen ließe, daß in Pergamum membranhandschriften vorhanden 
waren. Galenos erzählt nämlich XVIII, 2, p. 630 ed. Kühn.: 
a ds ovxeri ro ßtpXi'ov , alV oi (ASTaygaq'Ovtsg , m SToiftcog slg 
oaeg at avtot ßovi-rj&äai duds^arro txov nosgßvtFgmv YQ a ~ 
(pft£, tjdt] aot dietfAi . rtvsg ufp yag xai navv naXatöiv ßtßlimt' artvgsh' 
ianovdaauv n o 6 r q i «z o ö t co v sräv yF.ygu/xfihit, rd pisv $.%ovitg 
iv roig ßtßlioig, tu 8f fv roig g/x £?»(«.', tu ds Fi dtaqogoii; qulv- 
gwg (Cobet dicpdf'gmg , Marquardt SiySegotig qulvguig) co g nsg 
r « nag' r)(jtli< er U t g y <i /* rp. Diese stelle, welche durch Birt 
und seine Vorgänger noch lange nicht vollständig kritisch auf- 
geklärt 7 ) ist, beweist aber ohne zweifei auf das deutlichste, daß 
in Pergamum membrane verwandt wurde. 

7) Die worte rh lifv t/ovTsg — qü.vQaig können ohne zweifei in 
der vorliegenden form von Galenos nicht geschrieben sein. Das zeigt 
sich deutlich, wenn wir fragen was unter den ßißlia, den ^«(»r«* und 



Nr. 7. 62. Buchwesen. 375 

In Pergamum ist das pergament nun keineswegs erfunden 
— man kannte es ja schon im Orient und gebrauchte es dort — , 
sondern wie Birt ganz richtig andeutet, nahm man zur zeit des 
Attalus nur eine technische Verbesserung vor. Zur allgemeinen 
geltung ist die membrane aber zur römischen zeit nicht gekom- 
men, sie wurde wohl vereinzelt verwandt, aber, wie Birt bemerkt, 
hauptsächlich zu brouillons. Dies geschah aber keineswegs aus 
dem gründe , weil die membrane billiger war , als der papyrus, 
sondern weil sie mit der wachstafel dieselbe eigenschaft theilte, 
daß das aufgeschriebene wieder ausgelöscht werden konnte und 
somit ein mehrmaliger gebrauch desselben Stückes möglich war. 
Die membrane wurde zuerst auch als rolle 8 ) verwandt, dann 
wurde sie wohl zuerst die brücke, über welche das codexformat 
sich eingang verschaffte. Sie wurde überall da gewählt, wo es 
auf eine größtmögliche haltbarkeit ankam. Deshalb sind die 
classiker , welche am häufigsten gelesen wurden bei Martial Ep. 
XIV, 184 f. auf membrane geschrieben, ebenso das lesebuch der 
schüler , aber zu briefen wird , wie Birt mit recht hervorhebt, 
membrane nie benutzt, da diese nur dem augenblicklichen zweck 
dienten. Aus gleichem gründe verbreitet die kirche ihre Schrif- 
ten auf pergament. Die exemplare , welche dem tagtäglichen 
gebrauch dienten, mußten haltbar sein, so daß nicht fortwährend 
es nöthig wurde, neue abschritten anzufertigen. Der papyrus 
wurde der membrane da vorgezogen, wo es auf eine nicht zu 

den dupftegwai qikvgai zu verstehen sei. Das letztere ist am ersten 
zu erklären. Hier war pergament als stofF genommen, aber über das 
format, ob rolle oder codex, läßt sich nichts sagen. Die /agjai er- 
klärt Birt p.504 als ,,schedae ohne die obligate rollenform", aber auf 
einzelnen blättern wird man schwerlich ganze werke aufbewahren. 
Ebenso wenig befriedigt Rohdes erklärung a. a. o. p. 1547, der dar- 
unter papyrus -Codices verstehen will. Der letztern vermuthuug wi- 
derstreiten Ulpians worte a. a. o.: in usu plerique libros Chartas appel- 
lant. Es wären nach dem damals gültigen Sprachgebrauch also rollen 
zu verstehen. Was soll aber dann lv rote ßißliotg bezeichnen? Es 
erscheint überflüssig. Dem ist vielleicht in folgender weise abzuhelfen. 
Die stelle ist kritisch so zu reconstruieren , daß der allgemeine aus- 
druck voransteht und durch die folgende zweitheilung seine erklärung 
erhält. Es wäre also etwa zu lesen : i/ovtis lv rolg ßißkioig tc< /jtt> iv 
ioiq xägtats, t« di lv (fKp&egivaie (ftkvqcng. Hierbei würde auch i/ovitg 
ein besseres Verständnis bekommen. 

8) Vgl. Birt p. 121. Martianus Capeila nupt. phil. II, 136 kann 
ebenso gut pergamentrollen im äuge haben. Dem widerstreitet durch- 
aus nichts vgl. p. 150. Das jüngste beispiel ist eine pergamentrolle 
aus dem sechsten Jahrhundert, welche Wessely in den Wiener studien 
1882, p. 214 ff. veröffentlicht hat. 

26* 



376 62. Buchwesen. Nr. 7. 

theuere publikation von Schriften ankam , von denen man aber 
annehmen konnte, daß sie nicht zu stark benutzt wurden. Lehr- 
reich sind in dieser beziehung die Fayyümer funde, welche aus 
einer zeit stammen, in der papyrus und membrane nebeneinander 
benutzt wurden. Die amulette, welche sich hier in großer an- 
zahl gefunden haben, sind durchweg auf pergament geschrieben. 
Es sind dies kleine stücke, auf denen in bestimmter formel die 
namen von heiligen aufgeschrieben sind. Die bibel wurde meist 
auf pergament verbreitet, der papyrus findet sich hier selten 
angewandt 9 ). Aus gleichen gründen sind ohne zweifei die quit- 
tungen , welche man lange aufbewahren wollte , auf pergament 
geschrieben. Ueber das eindringen des pergamentes wird sich 
ohne zweifei nach genauerer durchforschung der Fayyümer funde 
ein genaueres urtheil abgeben lassen. 

So nehmen wir denn abschied von Birt's arbeit in der 
Überzeugung ihr mancherlei belehrung zu verdanken. Es ist 
nicht zu leugnen, daß der Verfasser mit großem fleiße und großer 
liebe dieses thema bearbeitet hat. Er hat viele fragen in ein 
neues licht gestellt. Wenn auch viele seiner behauptungen zum 
Widerspruch herausfordern, und ich nur wenige fragen eingehen- 
der, das meiste nur aphoristisch behandeln konnte, um nicht zu 
sehr den einer recension zugemessenen räum zu überschreiten, 
so hat Birt doch das verdienst , auf ein noch nicht genügend 
ausgebeutetes forschungsgebiet aufmerksam gemacht und ge- 
zeigt zu haben, wie nothwendig in vielen fällen zur richti- 
gen beurtheilung der antiken litteratur die kenntnis der äu- 
ßern form ist. Recensent hat das buch vielfach bei sei- 
nen papyrusstudien und der durchforschung der Fayyümer 
funde in Berlin benutzt und verdankt ihm vielfach aufklärung 
und belehrung, aber es ist ihm vorgekommen, als ob Birt zu 
viel nach den Schriftstellern gearbeitet hat und nicht in er- 
ster linie von den gegebenen resten der antiken litteratur aus- 
ging. So drängt sich z. b. unwillkürlich die vermuthung auf, 

9) Zu den von Birt p. 106 citierten beispielen von papyri des bi- 
beltextes können die von Wessely in den Wiener Studien 1882, p. 
198 ff. veröffentlichten fragmente aus den evangelien hinzugefügt wer- 
den. In den Fayyümer funden sind die texte des neuen testamentes 
immer auf pergament geschrieben. Unter andern liegt mir ein papyrus- 
fragment der Septuaginta in großer unciale vor. Im Berliner museum 
(ägypt. abtheilung) liegt es in der mappe 154 b . Es ist ein bruchsttick 
aus dem vierten capitel der genesis. — Vgl. Wessely a. a. o. p. 200 2 . 



Nr. 7. 63. Aischylos. 377 

daß Birt die volwmina Herculanensia nur aus der ungenauen edi- 
tion, nicht aus eigener anschauung kennt. Von großem nutzen 
wäre ferner gewesen , wenn Birt die Fayyümer funde studiert 
hätte. Allerdings sind dieselben der litterarischen weit eben 
kurz vor der beendigung des werkes bekannt geworden , aber 
da Birt bereits künde von ihnen hatte (p. 120), mußte er sich 
über dieselben genauer orientieren. Die bedeutenden schätze, 
welche aus Fayyüm nach Europa gekommen sind , liegen auch 
heute noch zum größten theil ungehoben. In Wien hat man 
schon aus der Graf'schen Sammlung, welche neuerdings der erz- 
herzog Rainer erworben und der direktion des oesterreichischen 
museums überwiesen hat, verschiedenes veröffentlicht. Von den 
Berliner erwerbungen ist ebenfalls manches bekannt geworden 
(Philol. XLIII, 1884, p. 109 f.), aber der aufgäbe des ein- 
zelnen und den mittein der privaten wird eine vollkommene und 
allen ansprächen genügende publikation nicht möglich sein. Es 
kommt eben immer mehr das dringende bedürfnis der Sammlung 
aller griechischen papyri zum durchbrucb. Wenn schon im 
jähre 1842 Ad. Schmidt, Griechische papyrusurkunden p. 3 f. 
einen gesammtüberblick über dies gebiet erschwert sah, um wie- 
viel mehr ist es heute der fall, wo es sehr leicht begegnen kann, 
daß der gelehrte forscher dies oder jenes , was von Wichtigkeit 
ist , übersieht. Die immer zahlreicher werdenden alten hand- 
schriften sollten in ihren resten zusammengefaßt werden, um so 
durch anschauung ein bild vom antiken buchwesen zu geben. 

Hugo Landwehr. 

63. Quaestiones de trilogia Aeschylea. Scripsit Ioannes 
Wetzel. Programme du College royal francais. Berlin 1883. 
Inprimerie J. F. Starke. 27 p. 4. 

Es werden zunächst die belegstellen für die bezeichnung 
„trilogie und tetralogie" zusammengestellt und es wird darauf 
hingewiesen, daß dieselben keine beweisende kraft für den in- 
neren Zusammenhang der tragischen trilogieen und tetralogieen 
haben. Aus dem umstände , daß Aristarch das satyrspiel ab- 
löste, ist kein rückschluß auf den inneren Zusammenhang der 
übrig bleibenden trilogie gestattet. Dazu wird bemerkt (p. 6): 
Certe, seiunxit Aristarchus fabulas satyricas a tragoediis, sed cur id 
fecerit nescimus. Sin autem coniectura periclitanda est, eam non im- 



378 63. Aischylos. Nr. 7. 

probabilem existimo ideo eum sie statuisse quod genus satyricum om- 
nino non cum tragoediis sociandum esse arbitraretur. Neque aliud 
scholiastes dicit, cum scripsit; j4qC(Stmq%o<; xal AnoXXcöuoc tqiXo- 
yiav ItyovGi ^cogie tööv GarvQi/.mv. Welckers folgerung aus der 
notiz des Suidas von einem stücke TgtXnyia des zu Euripides 
zeit lebenden Nikomachos, daß der ausdruck „trilogie" schon 
früh in gemeinem gebrauche gewesen sei , wird durch den hin- 
weis auf die Unsicherheit der Überlieferung zurückgewiesen. Auch 
hatte, wie p. 6 bemerkt wird, Aristoteles schwerlich in seiner 
Poetik diesen terminus unbenutzt gelassen , wenn er ihn schon 
vorgefunden hätte. Gegen Heimsöth , welcher (im Bonner pro- 
gramm De tragoediae graecae trilogiis commentatio 1869) das 
schweigen des Aristoteles daraus erklärt, daß er die tragödie 
darstellen wollte, wie sie war fttsI l'ujf« trjv cpvqir, wird bemerkt 
daß, als Aeschylus die Orestie aufführte, diese bedingung zutraf. 
Doch scheint es uns, daß Heimsöth damit nur sagen wollte, daß 
Aristoteles , selbst wenn der ausdruck trilogie im Welckerschen 
sinne zu seiner zeit gebräuchlich gewesen wäre, keine veranlas- 
sung hatte, denselben zu brauchen, da ihn für den gang seiner 
Untersuchung diese kunstform nicht interessierte. 

Nachdem darauf in aller kürze auf den inneren Zusammen- 
hang der stücke der Orestie hingewiesen ist, wird dargelegt, was 
sich aus den „Sieben gegen Theben" für den inhalt des Laios 
und Oedipus schließen läßt (p. 10-14). Etwas neues wird 
man nach Schneidewins und Kruses gründlichen erörterungen 
nicht erwarten. 

Hinsichtlich der Lykurgie ist Wetzel geneigt der Hermann- 
schen reproduetion den vorzug vor der Welckerschen zu geben. 
Für die Perser wird die unhaltbarkeit der Welckerschen hypo- 
these mit schon bekannten gründen nachgewiesen. Wir ver- 
missen dabei den hinweis auf den aufsatz von Ernst von Leutsch 
über den Glaukos in Ersch und Grubers Encyclopädie sect. I. bd. 
LXIX, p. 193, sowie die recension der Einleitung zu den Per- 
sern von Ludwig Schiller von demselben gelehrten im Philolol. 
anzeiger, heft 2, 1869, nr. 49. In beziehung auf die trilo- 
gische composition des Prometheus tritt Wetzel Westphal bei. 
Für die Schutzflehenden steht so viel fest, daß sie anfangsstücl 
waren und daß die drei stücke der trilogie in engem zusammen- 
hange standen. 



Nr. 7. 64. Sophokles. 379 

Schließlich verzichtet der Verfasser darauf, die übrigen 
stücke nach trilogieen zu ordnen, bekennt sich aber zu der an- 
sieht, daß Aeschylus immer drei stücke zugleich aufgeführt hat 
und daß die trilogische composition im engeren sinne , wonach 
sie dem inhalte nach zusammenhängende stücke begreift , keine 
besondere kunstform war, sondern durch die natur des mythus 
herbeigeführt wurde. Diese herleitung der trilogischen compo- 
sition erscheint uns aber gar zu äußerlich. Daß ein für die 
trilogische composition so geeigneter mythus wie die Oedipussage 
auch in vereinzelten , künstlerisch abgerundeten stücken behan- 
delt werden konnte, hat Sophocles gezeigt; sollte es dem Ae- 
schylus nicht möglich gewesen sein , einen mythenstoff wie den 
der Orestie ebenso zu behandeln, wenn er es gewollt hätte, und 
nicht an der großartigen trilogischen composition inneres Wohl- 
gefallen gehabt hätte? — t — . 



64. Petrus N. Papageorgios, beitrage zur erklärung 
und kritik des Sophokles. Pars prima. Diss. von Jena 1883. 
40 p. 8. 

Der verf. rechtfertigt sich im vorwort, daß er besseren ab- 
handlungen diese schwächere leistung folgen lasse ; wir erfahren, 
daß sie nicht eigentlich folgt, sondern in einer früheren zeit 
entstanden ist. In der that würden wir von dem talente des 
verf. keine so hohe meinung haben , wenn wir es aus der vor- 
liegenden schritt zuerst kennen gelernt hätten. Immerhin aber 
kann man gegen die Veröffentlichung derselben nichts einwenden, 
da doch einige bemerkungen darin beachtung verdienen. So ist 
in fragm. 516 N die änderung von Xußovaa in Irj&ovaa durch 
den hinweis auf'Ant. 532 wohl begründet. Ebenso ist die hier- 
nach mitgetheilte Verbesserung von prof. Kontos zu Fragm. 916 
d. i. Bekk. Anecd. p. 439, 10 anoqtavm as (für unoqatäaai) • 
kig zit qiavsQOv xataoTtjaw (für xaiaa7?/oai) wohl richtig. Die 
änderung ovdsi? ?qcüt' ig tovö' scpaipar mqieXmv 0. K. 436 kann auch 
manchem gefallen, weil damit die Schwierigkeit der stelle beseitigt 
scheint ; aber es fragt sich doch, ob auch der poetische stil die 
änderung erlaubt. Passend könnte man ferner niaziv öijxiav in 
Oed. Kol. 1632 für niaziv ag^aiav finden-, allein ögniav dürfte zu 
viel sagen und andere emendationen otQ&ftCar, ugxiav liegen der 
überlieferten lesart jedenfalls näher, wie sie auch dem sinne besser 



380 64. Sophokles. Nr. 7. 

entsprechen. In Oed. Kol. 9 will der verf., um die Überliefe- 
rung zu halten, die worte so construieren : aiijaor [ie xafy'Sovaov 
&axotoiv, ei Tita (paxav) ßXt'netg -ats. Dabei ist ihm entgangen, 
daß wenn däxotaiv für &dxcp stünde, es dann auch si nvag ßls- 
neig heißen müßte. Wenn Papageorg in Fragm. 83 all' oga 
fit] XQsTaaov r\ xai 8vaaeßovvia tmv ivavrimv xoctTsiv /} %Q-qorov 
airbv ovra roäv nelag xXvsiv schreiben will, so hat er den durch 
avrov angezeigten gegensatz nicht gehörig beachtet, welcher in 
Verbindung mit avrov das gegentheil von rmv irarrimv xgareiv 
oder wenn avröv und xmv nsXag sich gegenüberstehen sollen, 
einen dem xXvsiv synonymen ausdruck fordert. Er citiert die 
bemerkung von Cobet über diese stelle-, die bemerkungen von 
Gomperz und Hartel scheinen ihm unbekannt geblieben zu sein. 
Gegen die emendation Cobets , die auch von Dindorf gebilligt 
wird, rj tovq ösovg atßovra rwr neXag xXveiv , läßt sich vor al- 
lem die geradlinige und steife form geltend machen. Dem poe- 
tischen stil entspricht es nur, den gegensatz zu dvoufßn vvra durch 
den infinitiv, den zu y-oardv durch das particip zu geben, also 
X«« bvßGpßovvru rwv tvavrimv xgarsiv tj 8o7)Xov avrov ortet rovg 
&eovg Ofßziv. Will man aber den ausdruck rmv nz'Xag xXveiv 
als augenscheinlich vom dichter herrührend nicht fallen lassen, 
während avröv als unnöthig erscheint, dann könnte man § rü>v 
rttlag xXvovra rovg &sovg oeßetv als die ursprüngliche form be- 
trachten. Es ist aber mit recht von Hartel hervorgehoben wor- 
den, daß bei der beachtung und richtigen betonung von xai vor 
dvaßfßovvra die Überlieferung als gut befunden wird. 

Die übrigen conjeeturen und exegetischen bemerkungen zu 
Sophokles sind von geringerem belang; geradezu verwerflich ist 
der versuch, den infinitiv dxovsiv Ant. 64 von iwosh abhängig zu 
machen: sngira 8\ ovvsx ao%o[iEad' ix xQEiaonvwv , xa) xavr 
axnvsiv xri. , „als unterthanen sollen wir bereit sein, uns den 
befehlen Kreons zu fügen". Schon der begriff von swoth, der 
sich nicht für passive resignation, sondern nur für entschlossene 
initiative eignet (vgl. die vom verf. angeführten beispiele Ant. 
664, Oed. Tyr. 330), widerspricht einer solchen auffassung. 

Wecklein. 

65. Alphonse Willems, noteset corrections sur l'Hippo- 
lyte d'Euripide. Bruxelles,G. A. van Trigt, eMiteur. 1883. 74p. 



Nr. 7. 65. Euripides. 381 

gr. 8. (Extrait du tome XXXVI des Mömoires couronnds et 
autres Memoires publi^s par l'Acad. royale de Belgique 1883). 3 fr. 

Diese unreife arbeit enthält kaum irgend einen punkt, wel- 
cher besondere beachtung verdient , wenn auch der verf. mit 
großer prätention auftritt und die Oberflächlichkeit seiner be- 
hauptungen durch einen schein von gelehrsamkeit, durch hoch- 
weise maximen und tapfere seitenhiebe zu verdecken sucht. Die 
Professoren Eoersch und Wagener , welche im auftrag der aka- 
demie die eingereichte abhandlung prüften , haben jedenfalls 
sehr nachsichtig geurtheilt, wenn sie über das ganze der arbeit 
sich günstig aussprachen ; die gegenbemerkungen derselben, 
welche größtentheils sehr richtig sind, haben den verf. von der 
Unrichtigkeit seiner annahmen nicht zu überzeugen vermocht; in 
dem bewußtsein, das stück gründlicher studiert zu haben, glaubt 
er seine rezensenten eines besseren belehren zu können ; diese 
haben auf eine replik verzichtet und konnten es ohne gefahr thun. 

Uebrigens haben die genannten rezensenten nicht immer die 
schlagendsten gegengründe gebracht. In v. 33 will der verf. ov 
v6(tt£ev für mvofia^tv lesen. Rörsch verlangt den nachweis, daß 
dsä für rewQ &säe gesagt sein könne, und erwartet statt des 
perf. IdgTö&at das futurum. Der verf. sucht diese bedenken zu 
entkräften. Aber es genügt ol rnm^ev als fehlerhaft zu bezeich- 
nen. Nach des verf. ansieht freilich ist der wegfall des sylla- 
bischen augments nach einem mit einem langen vocal oder diph- 
thongen endigenden wort bei den Attikern regel ; der unterschied 
zwischen ov vöfti&v und t| ob 'xgdttjaa (Soph. Ai. 1337) ist 
ihm unbekannt. Ueberhaupt muß man oft über die mangel- 
haften grammatischen kenntnisse , die sonderbaren erklärungen 
und die parallelen, mit denen ganz verschiedene dinge belegt 
werden, staunen. Die worte igöia' (omr txdrjknv in v. 32 be- 
deuten dem verf. montrant ainsi qu'elle itait amoureuse, ng'iv aap 
qiD.av «arapvaai (fgsvmv 364 f. kann heißen: avant que ton amie 
n'ait accompli son dessein, to yag nag rj/bih nado^ nngov dviex- 
nfgatov (QX^rai ßiov , wie in 678 geschrieben wird, erhält die 
erklärung : la souffrance vient ä nous apportant (nogov soll wie 
qpf ooij , KOfii^nv stehen!) une vie intolerable oder le malheur qui 
m'accable me rend la vie intolerable; evQtjpin 7r t a8£ avf/cpogüg 716 
wird mit x«x<mj> ftijxog gerechtfertigt! Bei der änderung von 
1034 f. iamcpQovfjae ft ov% ey.ovaa, acöcpgoYeg t/fieh' d sxnirtg ov 



382 65. Euripides. Nr. 7. 

xaXeög s^gcofjs&a wird die falsche Stellung von 81 mit der be- 
merkung entschuldigt: la particule ös apres rjfisig est a sa place, 
car c'est sur tjfis?g que porte Vantiihese. Die Stellung von coure 
in dem „verbesserten" v. 407 piaqua naaiv oj<jt\ oXouo naynä- 
ttmg wird mit <tXf-'xz<a>Q mars Ag. 1656, xogaxtq wäre Suppl. 732 
belegt, aber was soll oaozs selbst bedeuten? In 491 f. möchte 
der verf. ixXX un' dvdgng (für tlXiu lavdgdg} mg rd^og Stiazsov 
tov svdvv ihmovTag djjqj aov löyov schreiben. Einmal vermißt 
man ungern den artikel rot* vor ävSoog. Zweitens steht dnö 
in der angeführten parallelstelle an 1 dvögog oia&ä tov Soph. 
O. T. 43 in ganz anderem sinne. Drittens zeigt die bedeutung 
von sv&v.g , die dem verf. nicht klar zu sein scheint, daß top 
svdvv Xöyoi nicht zu Siiazt'or {il faut savoir d'Hippolyte son veri- 
table sentiment ä son egard), sondern zu s^sinövrag gehört, wie es 
auch die Stellung erfordert („indem man deine gefühle ihm gerade 
heraus offenbart"). Man setzte früher die interpunktion nach 
tavSgcg: c'etait, comme on Va du, preter a la nourrice un mot h 
la fois brutal et maladroit. Auch fehlte die Verbindung der sätze. 
Nauck und Weil haben tdifdgcg cog rd^og Suarsov verbunden. 
Mit recht bemerkt der verf, daß rdrSgog nicht r« cttSgog, son- 
dern nur to v ardoog bedeuten könne. Der genitiv aber kann nur 
von d.uar£ov abhängig sein (s. v. a. ttsq} tov ävdgoc). Die un- 
gewöhnliche construction dient offenbar einer Zweideutigkeit des 
ausdrucks : die amme setzt nach tatSgög etwas ab, so daß tdv- 
Sgog zunächst dem löymv t-ia^ijunroar gegenübersteht; auf einen 
solchen gegensatz weist auch die Stellung und der sinn der 
worte oi> Xöywv sva^tjfiovcov 8sl as hin. Die amme sagt also: 
„nicht der schönen worte bedarf es, sondern des mannes — sinn 
muß man erfahren". Das äußerliche und oberflächliche seiner 
grammatischen auffassung verräth der verf. besonders mit der 
stark betonten beobachtung, daß ydg in der Verbindung ov8s 
ydg nicht „denn", sondern „ja, selbst" bedeute. Eine ganze 
reihe von stellen wird zum beweise vorgeführt, aber an keiner 
der angeführten stellen heißt ovds ydg etwas anderes als es hei- 
ßen kann „denn auch nicht, denn selbst nicht". 

Die änderungen des verf. machen den ausdruck entweder 
matt und salopp wie 469 f. stg 8s ti]v tv%ijv ntaovaa zfjvS' ov 
aäg uv sxi>sioai doxstg oder unnütz und überflüssig wie 149 
%Foaop8' oder abstrus wie 200 läßst' ig nfystg , 467 ff. ov8' sk- 



Nr. 7 66. Strabcm. 383 

■sovmv am., xalwi; cexQißmaai nr, was bedeuten soll „iL ne fau- 
drait pas que les gens cherchassent trop ä pinetrer ta conduite. II 
ne faut pas meme que le toit que couvre ta maison connaisse ta vie 
trop exactement" . Die wände wohl haben ohren , das dach aber 
für gewöhnlich nicht. Womit läßt sich das epitheton ögofidg 
für die Danaiden rechtfertigen, wenn 550 ögopaöa davattf onrng 
7s Bä-A^av geschrieben wird ? 

Doch es lohnt sich nicht der mühe, die irrthümer alle ein- 
zeln zu erörtern. Wechlein. 

66. Le fonti di Strabone nella descrizione della Campania. 
Memoria di Gr. Bei och. Roma. Reale Accademia dei Lincei. 
1882. 4. p. 22. 

67. Quibus auctoribus Strabo in libr. III conscribendo 
usus sit, quaeritur. Pars prior. Scr. Ric. Zimmermann. 
Dissert. Hai. Halis 1883. 8. p. 38. 

Wir stellen diese beiden arbeiten zusammen, nicht nur weil 
sie beide Untersuchungen der Strabonischen quellen enthalten, 
sondern auch weil die ergebnisse beider sich gegenseitig ergän- 
zen und in gewisser weise bestätigen Wie nämlich die eine 
für die beschreibung Campaniens, so liefert die andere für die 
beschreibung Iberiens den nachweis , daß die dabei vorkommen- 
den angaben über die küsten fast ausschließlich aus dem werke 
des Artemidoros von Ephesos entlehnt sind. In diesem ergeb- 
niß liegt aber zugleich die hohe bedeutung dieser beiden ar- 
beiten für die erforschung der Strabonischen quellen überhaupt, 
indem dadurch die schon öfters ausgesprochene vermuthung, daß 
Artemidoros von Ephesos so ziemlich die einzige quelle Strabon's 
für die küstenbeschreibungen gewesen sei, eine neue bestätigung 
erhält. Für Campanien , dessen beschreibung freilich nur einen 
sehr kleinen theil des großen Werkes ausmacht (bd. 5, 4, 3 — 
ende), hat dies Beloch in klarer, nur hier und da etwas zu sehr 
ins einzelne gehender ausführung dargethan. Allerdings wird 
man über manche aufstellungen mit ihm rechten können. So 
geht er gewiß zu weit, wenn er auch diejenigen angaben, welche 
unter des Antiochos oder des Polybios namen angeführt werden 
(p. 242 C), als aus Artemidoros herübergenommen ansieht. Denn 
die direkte benutzung dieser beiden autoren durch Strabon steht 
außer zweifei ; vgl. für Antiochos Hunrath, Die quellen Strabon's 



384 67. Strabon. Nr. 7. 

im 6. buch-, p. 39. Ebenso wird man anstand nehmen mit 
Beloch an zwei stellen statt des dem Strabon sehr wohl bekannten 
Polybios den von ihm nirgends erwähnten oder benutzten Silenos 
als gemeinsamen gewährsmann des Strabon und des Polybios 
anzusetzen. Endlich darf ja nicht bezweifelt werden, daß auch 
Plinius das werk des Artemidoros ziemlich ausgiebig verwerthet 
hat , wenn jedoch Beloch auch bei Pomponius Mela reichliche 
spuren desselben findet, so ist seine behauptung so unzureichend 
begründet, daß man mit einigem recht auf dieselbe die kritik 
anwenden kann, welche er selbst p. 9 gegen einen aufsatz von 
Hansen in Fleckeisens Jahrbüchern 1878, p. 508 ff. richtet, daß 
nämlich notwendiger weise jeder periplus dieselben städte in 
derselben Ordnung aufführen muß. Beloch würde vermuthlich 
diese irrthümer vermieden haben, wenn er seine Untersuchungen 
nicht auf einen zu engen kreis beschränkt hätte. 

Mit verständniß und umsieht hat Zimmermann seine aufgäbe 
behandelt und besonders den antheil des Artemidoros in durch- 
aus überzeugender weise nachgewiesen. Vielleicht hätte er an 
einzelnen stellen, wie p. 12 und 17 dies ergebniß noch bestimm- 
ter hinstellen können , als er es gethan hat. Die übrigen ge- 
währsmänner Strabons für diese partien finden eine mehr bei- 
läufige erwähnung. Völlig zutreffend ist p. 31 die bemerkung 
über die anführungen aus Eratosthenes, und dasselbe war p. 15 
über Timosthenes zu sagen, dessen ntgtoSoi; von Strabon nir- 
gends direkt ausgeschrieben worden ist. Dagegen dürfte die an- 
nähme, daß 3, 4, 9 von Strabon Caesar's gedieht Iter zu gründe 
gelegt sei, schwerlich beifall finden. Entgegen steht weniger 
die immerhin auch nicht außer acht zu lassende thatsache , daß 
Strabon sich den römischen autoren gegenüber überhaupt sehr 
ablehnend verhält, als namentlich der umstand, daß wir über 
den inhalt jenes gedichtes ja lediglich auf vermuthungen ange- 
wiesen sind. Unter diesen umständen ist trotz der vom Ver- 
fasser dagegen geltend gemachten bedenken die autorschaft des 
Asinius Pollio immer noch das wahrscheinlichere. Weniger ge- 
wagt, aber auch nicht unbedenklich ist die p. 10 vorgetragene 
vermuthung, daß die stellen, an denen von Brutus Gallaecus die 
rede ist, dem Polybios entnommen sind. Denn zunächst ist es 
zweifelhaft, ob Polybios, in dessen hauptwerk dieser krieg nicht 
mehr behandelt sein konnte, in der besonderen schrift über den 



Nr. 7. 68. Demosthenes. 385 

Numantinischen krieg jene expedition eingehender behandelt 
hatte, wie Zimmermann annimmt, sodann aber auch, ob Strabon 
diese kleinere schrift des Polybios überhaupt gekannt und be- 
nutzt hat. Ich halte es nach dem Zusammenhang cap. 3, 1 und 
4 vielmehr für wahrscheinlich, daß diese notizen dem historischen 
werke des Poseidonios entlehnt sind, welchem Strabon so viel 
verdankt und aus dem vermuthlich auch cap. 2, 3 — 5 geschöpft 
sind. — Möge der fleißigen arbeit bald die pars posterior folgen. 

±1— 

68. Ioannes Ernestus Kirchner, De litis instru- 
mentis quae exstant in Demosthenis quae fertur in Lacritum et 
priore adversus Stephanum orationibus. Dissert. Halis Saxonum 
typis Hendeliis MDCCCLXXXIII. 8 40 p. 

Ais Johann Gustav Droysen in der Zeitschrift für alter- 
thumswissenschaft 1839, p. 537 ff. durch den beweis der unecht- 
heit der Urkunden in Demosthenes' rede vom kränze den ersten 
ernstlichen angriff auf die in die attischen redner eingelegten 
Urkunden machte, sprach er sich doch zugleich zum schütze der 
übrigen dahin aus, daß ursprünglich jede rede mit ihren aktenstü- 
cken ediert worden ist und demnach die beilagen erst in späteren 
abschriften weggelassen oder , wie in der kranzrede, durch ge- 
fälschte wieder ersetzt worden sind. Diesen Standpunkt nimmt 
auch der Verfasser obiger dissertation ein. Indem er mit Droysen 
und der mehrzahl der neuern gelehrten an der unechtheit der 
Urkunden in der kranzrede festhält, glaubt er dagegen mit Wach- 
holtz , De litis instrumentis in Demosthenis quae fertur oratione 
in Macartatum, Kiliae 1878 die der Makartatea für echt halten 
zu müssen und unternimmt es die einlagen der rede gegen La- 
kritos und der ersten gegen Stephanos gegen die angriffe von 
Westermann (in den Abhandlungen der sächsischen gesellschaft 
der Wissenschaften, philol.-histor. cl. I, 1850, p. 81 ff.) zu verthei- 
digen. Es wäre zu wünschen gewesen, daß sich der junge ge- 
lehrte gegen den verdienten Westermann hier und da maßvoller 
■ gezeigt und urtheile, wie temere, ineptissime, absurdissima sententia, 
vermieden hätte 1 ), zumal da es doch zweifelhaft sein dürfte, ober 

1) Nicht immer hat Kirchner bei Westermann aufmerksam ge- 
lesen. P. 22: West, ne illud qaiden: negare videtur arbitrum Tisia?)i pri- 
vatum esse potuisse. Dagegen West. p. 109: ,,Oder hielt der Ver- 
fasser der Urkunde den Schiedsrichter für einen compromissarischen? 



386 68. Demosth en es. Nr. 7. 

seinen versuch unternommen haben würde , wenn nicht männer 
wie Kirchhoff und U. Köhler durch ihre funde die erste bresche 
gelegt hätten. Uebrigens bekenne ich , daß mir durch die ret- 
tung dieses und jenes gesetzes oder dekretes die frage noch 
lange nicht entschieden zu sein scheint, da der interpolator zu 
einer derartigen einlage gute quellen benutzt haben kann. An- 
ders steht es mit den Zeugnissen namentlich in privatreden. 
Läßt es sich von einem solchen nachweisen, daß es unzweifelhaft 
echt ist und in seiner fassung aus der rede selbst nicht hat 
entlehnt werden können , so erhöht sich dadurch zugleich der 
werth der übrigen einlagen einer rede. Ein solcher nachweis 
ist aber Kirchner in vorliegender dissertation nicht gelungen. 
Denn identifikationen , wie des 'Sifquivoc; Meiexle'ovg ^^ugvi-vg 
mit einem inschriftlich wiederholt überlieferten Hrscparot; ' /4%Kgrev$ 
u. a. m., die Westermannn dem verf. selbst an die hand gegeben 
hat, sind ebensowenig beweiskräftig, als wenn wir einen „Adolf Müller 
aus Berlin" mit einem inschriftlich gesicherten „Müller aus Berlin" 
identificieren wollten. Ein einziger name kann als eine glückliche, 
übrigens von Kumanudis gemachte, entdeckung bezeichnet werden, 
die, wie es scheint, die ganze abhandlung veranlaßt hat : der in 
dem zeugnis adv. Steph. §19 aufgeführte KTjCfianqüv Kecpali'oavog 
' 4(pi8veM6t; wird in seinem vollen namen bestätigt durch CIA. 
II, 1, 114 C 6. Und doch könnte man, wenn man im übrigen 
Ursache hätte die Zeugnisse jener rede zu verwerfen, diese Über- 
einstimmung dadurch erklären, daß sich der Verfasser des Zeug- 
nisses mit recht oder unrecht denjenigen Kephisophon als depo- 
sitar gedacht hat , der in jener zeit als feldherr eine nicht un- 
bedeutende rolle gespielt zu haben scheint, und dessen vollen 
namen die alten ebenso leicht in ihren quellen finden konnten, 
wie wir. 

Da die einlagen meist mit den auf sie bezüglichen worten 
des redners ziemlich übereinstimmen — dies ist ganz besonders 
in der rede adv. Steph. I der fall — so bleiben natürlich nur 

Ebenso p. 23, n. 4: Falso West. Stephanum reum, Apollodorum accu- 
satorem esse contendit. Selbstverständlich entlehnt Westermann diese 
bezeichnung von dem parteiverhältnis des processes, für welchen die 
45. rede geschrieben ist. Dagegen irrt der verf. , wenn er seinerseits 
den Apollodoros zum angeklagten macht, da derjenige, welcher die 
nccQnyQaqr, einlegt, also in diesem falle Phormio, in dem Verhältnis des 
angeklagten verbleibt. 



Nr. 7. 68. Demosthenes. 387 

wenig angriffspunkte für den bekämpfer ihrer echtheit ; wenn 
nun aber gar ihre vertheidiger von jedem selbständigen zusatz 
eines aktenstückes, ja von einem Widerspruch zwischen rede und 
Urkunde auf die echtheit derselben schließen , da ein falscher 
unmöglich auf einen solchen einfall hätte kommen können , so 
machen sie sich ihre aufgäbe mindestens sehr leicht. Auch für 
Kirchner bleibt dieses vertheidigungsmittel die letzte Zuflucht ; 
ob dadurch aber alle bedenken mit einem schlage beseitigt sind, 
mögen einige beispiele zeigen. 

Ich finde, daß Kirchner die Urkunden zu wenig in dem 
Zusammenhang der rede behandelt hat ; es wäre dann manche 
frage gründlicher erwogen worden. Die rede adv. Lacritum ist 
gegen einen schüler des Isokrates gerichtet , dessen brüder Ar- 
temon und Apollodoros 2 ) dem Sprecher ein auf die fracht eines 
schiffes aufgenommenes darlehn nicht ausgezahlt haben. Artemon 
ist inzwischen gestorben ; es ergiebt sich aber aus dem ganzen 
Zusammenhang der rede, daß der Sprecher, da er von Apollo- 
doros sein geld nicht hat erhalten können, weil dieser wahrschein- 
lich ganz verarmt war, sich nunmehr an Lakritos als angeblichen 
erben seines bruders hält, um so mehr, da dieser das darlehn 
ermittelt haben soll. Es ist klar, daß der Sprecher guten grund 
hat, von Apollodoros, der doch zunächst zahlungspflichtig wäre, 
möglichst zu schweigen und dem verstorbenen Artemon die haupt- 
rolle in dem geschäfte zuzuertheilen. Dies geschieht denn auch, 
wie Westermann p. 89 richtig gesehen hat. In offenbarem Wi- 
derspruch mit dieser tendenz stehen die Zeugnisse , die , wie es 
fast scheinen möchte , aus einem vom Sprecher gegen Apollodor 
angestrengten proceß erhalten sein könnten; denn Apollodoros 
wird in ihnen allein als der erlediger des geschäftes erwähnt 
§ 20. 33. 34-, ja das erste zeugnis in § 34 geht soweit, den 
Apollodor als den angeklagten zu bezeichnen , ein so starker 
irrthum , daß man zu einer emendation , wie zov adtlyov tov 
qpf iyovrrtQ, sich versucht fühlte. Diesen widersprach hat Kirchner 
nicht zu lösen vermocht; denn wenn er behauptet, Artemon sei 
auf der reise gestorben , so ergiebt sich aus § 28 und § 52 f. 
das gegentheil ; auch §36 kann mit ädeXyog avzov nach obigem 

2) Daß sie brüder sind, hat Kirchner mit recht gegen Blaß, A. 
B. III, 1, p. 502 a. 4 aufrecht erhalten; nicht unmöglich, daß § 7 
zw roiiTov (<<?ii.ifw interpoliert ist. Die übrigen gründe von Blaß erle- 
digen sich durch obige darstellung. 



388 68. Demosthenes. Nr. 7. 

nur Artemon verstanden werden ; wenn er aber weiter die weg- 
lassung von Artemons namen motiviert, quod nomen Artemonis, 
cum mortuus esset, afferre nihil interesset, so ist damit der Sachver- 
halt geradezu auf den köpf gestellt. Ein Widerspruch bleibt 
mithin zwischen rede und Zeugnissen bestehen ; sollen wir nun 
mit Kirchner die Zeugnisse eben dieses Widerspruchs wegen für 
echt halten, weil ein falscher denselben gewiß vermieden haben 
würde? 

Wenn übrigens Kirchner behauptet, der inhalt der Zeug- 
nisse § 33 f. stimme genau mit den worten des redners überein, 
so kann ich ihm auch darin nicht beistimmen. Das erste Zeug- 
nis bezeichnet der redner mit den worten: zqv 'AnnXXmn'Sov oti 
' jävjinaTQOli i\v !> davtsiaag sn) 7c3 nXoicp, lovroig 8' ovS' otiovv 
7tQoarjY.il rJjg tavayiag. Die letzten worte — gewiß nur ein Zu- 
satz des redners — veranlaßten den falscher noch von dem 
Schiffbruch zu erzählen und hinzuzufügen, I'ti rj tavg x * r // 8is- 
cpdügrj etc. , was nicht einmal genau ist. Kirchner führt als 
hauptbeweis für die echtheit des Zeugnisses an, daß es nicht An- 
tipater selbst, sondern ein Apollonides ablegt, worauf ein falscher 
nicht gekommen sein würde, hat also obiges ttjv 'AnoXlouifiov 
gar nicht gelesen! Ebensowenig das nachfolgende rt]t> 'innlov; 
denn da Hippias in den Zeugnissen mit vollem namen angeführt 
wird, hätte er p. 8 nicht behaupten können : simplicia et nuda non 
posita sunt nomina nisi eorum quorum in orationis ipsius contextu mentio 
fit. Das zeugnis des Erasikles § 34 wird dadurch verdächtig, 
daß es nur die 80 Ktgü^ia wein erwähnt, weil auch der redner 
oben nur von ihnen spricht. Aus § 32 lernen wir aber, daß 
auch eine Quantität pökelfleisch für rechnung eines landwirths 
mitgeführt wurde-, an dieselbe adresse scheint auch — die worte 
sind allerdings nicht ganz deutlich — der wein bestimmt ge- 
wesen zu sein. Das zeugnis des Hippias holt nach , was das 
vorige versäumt hat ; nach ihm soll Apollodoros das pökelfleisch 
verladen haben ; demnach müßten wir §32 zu naQsxofAiXero: vn* 
' Anolko8(önnv ergänzen, was kaum angeht-, dazu sind noch an- 
dere waaren angeführt, welche Kirchner durch den ausdruck 
oiXX 1 atta in § 31 schützt, indem er übersieht, daß derselbe aus 
der vom redner durch die Zeugnisse bekämpften ausrede des 
Lakritos entlehnt ist. Man erkennt, wie auch ein falscher durch 
gleiche versehen zu seinem texte gelangen konnte. Es scheint 



Nr. 7. 68. Demosthenes. 389 

übrigens, daß das dritte zeugnis von anderer hand herrührt, als 
das erste und zweite , wie ich überhaupt der ansieht bin , daß 
die einlagen einer rede nicht immer einen Verfasser haben: 
dadurch erklärt sich auch am einfachsten, warum in derselben 
rede die Zeugnisse bald mit bald ohne namen ausgefertigt sind. 
So scheint auch das zweite zeugnis § 14 von anderer hand zu 
sein als das erste; denn in jenem fehlt der name des Nausikrates ; 
da derselbe § 8 nicht namentlich bezeichnet ist, so könnte er 
als stiller theilnehmer des geschäftes gelten, und wir würden 
seinen namen im ersten zeugnis für erfunden erklären, wenn wir 
grund hätten den text der avryyucprj zu verdächtigen. Doch 
zunächst noch ein wort von den iafiag-ivgiat § 20 und § 34. 
Ich stehe nicht an sie für reine Spielereien zu erklären. Wenn 
Kirchner gegen die richtigen bemerkungen von Westermann 
p. 85 einwendet, daß in beiden fällen die sauaoTVQia durch die 
vorhergehenden Zeugnisse bestätigt werde, so vergißt er, daß 
nicht der inhalt einer iy.uuQivtjia durch andere zeugen zu be- 
stätigen ist — denn gab es solche, so war das nothzeugnis von 
abwesenden überhaupt überflüssig — sondern die authenticität 
derselben (zu Isai. III, 20 und Aesch. II, 19 kommt noch [Dem.] 
XL VI, 7 : oi (xut)rvQi]aai'te^ ttjv enixoozvuiav) — denn ohne eine 
solche bestätigung war jede Fxuanzvoiu werthlos , da sie ja von 
dem interessenten selbst fingiert sein konnte. Uebrigens weist 
§ 20 die ankündigung: rt)v ^.aoxvqlav twv avfinXsovtcov auf ein 
gemeinsames zeugnis hin ; ebenso lautet § 33 die ankündigung 
des redners bestimmt genug. 

Wenn demnach die Zeugnisse der rede gegen Lacritus auch 
durch Kirchners vertheidigung nach meiner meinung nicht ge- 
rettet sind, so bleibt dagegen die einlage der nvyyguqtj bis jetzt 
unangefochten , doch nicht weil Kirchner sie vertheidigt hat — 
denn was dieser zu ihrer bestätigung anführt, würde leicht hin- 
fällig , wenn sich sonst ein wesentliches bedenken gegen die Ur- 
kunde (§ 24 dgyvfjioi dönißov gegen ivrsXsg in der Urkunde 
genügt nicht) erheben würde. Kirchner selbst bezweifelt, daß 
sie uns vollständig erhalten sei •, ich würde, wenn anders sie echt 
ist, mit Böckh (Staatsh. I, p. 193) darin übereinstimmen, daß sie 
nachlässig abgefaßt ist, nicht zum vortheil der gläubiger. Der 
räum verstattet nicht, auf die Urkunde näher einzugehen; nur 
eins: der ausdruck tovg ntovat yoaqthias Big Ti t i> avyyQuqriv 
Philol. Anz. XIV. 27 



390 68. Demosthenes. Nr. 7. 

wird auch durch Böckh nicht genügend erklärt-, statt dessen ver- 
langt man: „die an erster stelle im vertrag aufgeführten 
sinsen". Auf solche einzelheiten geht Kirchner nirgends ein, 
wie dies auch die summarische behandlung des in § 51 einge- 
legten gesetzes zeigt. Bekanntlich knüpft sich an dasselbe die 
controverse , ob dieses gesetz nur für getreideeinfuhr oder auch 
für den handel mit andern waaren geltung gehabt hat ; Böckh 
namentlich hat das letztere behauptet , insbesondere auf grund 
der fassung: sie vavv rjtn; dv fxrj piXkrj a~E,ttv altov ' AQi\va^s. und 
des auffälligen ausdrucks aal taXXa td yeygafxfisfa neg) ixdotov 
av7cöv. Ich glaube nicht, daß Böckh recht hat, da sich seine 
beweisführung eben nur auf diese höchst unklaren worte stützt. 
Diese wichtige frage hat Kirchner gänzlich unberührt gelassen, 
dafür zu einzelnen ausdrücken nach parallelen gesucht , als ob 
ein falscher mit der form der attischen gesetzgebung nicht hätte 
vertraut sein können. Seine ansieht über die einlage geht da- 
hin , daß uns der zweite theil des gesetzes erhalten sei , der al- 
lein für den Zusammenhang der rede nöthig sei; die worte ralla 
tu yeyQUfjinsva. mg) ixdotov altwv gehörten dem redner, der 
den Schreiber unterbricht, um ihn — zum weiterlesen aufzufor- 
dern (adhortatio oratoris inserta)! — weiter sei eine lücke an- 
zunehmen: an dieser stelle sei die strafe für das im ersten theil 
des gesetzes verbotene vergehen (Gnqyijaai dlloas not rj ' A&ipafy) 
angegeben gewesen; daran schließe sich dann: sdv 8s tig s'xöw, 
wobei das folgende nagd ravta ganz unverständlich wird. 

Man sieht daraus, wie verzweifelt die Überlieferung sein 
muß. Ich glaube allerdings, daß sich fragmente des fraglichen 
gesetzes erhalten haben, aber in der desperatesten fassung; am 
auffälligsten ist, daß in der einlage gerade die stelle fehlt, auf 
welche die worte des redners vor und nach dem vorlesen des 
gesetzes am meisten hindeuten: die höhe der strafe wird nicht 
angegeben, sondern betreffs derselben auf den ersten theil des 
gesetzes verwiesen, der mithin zur Vorlesung hätte kommen müssen. 

In der Or. adv. Steph. I schließen sich die meisten einlagen 
fast wörtlich an den text der rede an. Zu dem zeugnis § 8 
ist außerdem Or. adv. Steph. II, § 5 zu vergleichen, worauf Kirchner 
hätte aufmerksam machen sollen. Selbständig ist die einlage 
allein in den namen. Westermann hat darauf aufmerksam ge- 
macht, daß der diaitet Tisias nicht ein Acharner sein könne, 



Nr. 7. 68. Demosthenes. 391 

da nach § 17 die Verhandlung vor ihm in der azod nowi).?] 
war , die diaiteten der Acharner aber nach [Dem.] XL VII, 12 
in der Heliaia verhandelten. Was Kirchner dagegen einwendet, 
ist nicht von bedeutung ; verkehrt ist die interpretation der stelle 
bei Harpokr. s. v. diuizt]za(, in welcher die richter den diaiteten 
gegenübergestellt werden. Das einzige, was sich gegen Wester- 
mann einwenden läßt, ist, daß die diaiteten einer phyle viel- 
leicht nicht der pbyle, für die sie recht sprachen, angehört zu haben 
brauchten. Nicht wörtlich belegt sind die worte : zo ygafi^azslov 
b iveßttXszo (poQfjiicüv eig zov s%lvov ; dafür heißt es XL VI, §5: 
td iv zq> yga^xazticp a nageiftEzo ffroQfiicov (vgl. § 3 und § 28 
zd iv tm ygafA/iazsicp yiyQapifjisva). In der tzqoxXtjgis kann auch 
der ausdruck der einlage nicht gebraucht worden sein, da erst, 
nachdem das Schiedsgericht erfolglos gewesen war , die beige- 
brachten dokumente vom diaiteten im i^lvog verschlossen wurden • 
wir müßten also annehmen , daß die zeugen den ausdruck nach 
der späteren Sachlage verändert hätten 

Es sind kleinigkeiten, die bei beurtheilung dieser wichtigen 
frage oft in betracht kommen , aber doch nicht bedeutungslos. 
In dem Pachtvertrag § 31 legt Kirchner auf den infin. aor. 
7Qa7is£tTEvoai werth gegenüber ZQane&zsveiv § 32 und § 34 und 
vergleicht damit den gebrauch des inf. aor. in anderen Urkunden. 
Aber bei unoööa&ai , ixöovvai handelt es sich um eine einzelne 
handlung , bei zgan^izsvsiv um eine dauernde beschäftigung — 
derartige verba auf svsiv erhalten im aorist eine ingressive 
bedeutung — , und § 34 wird die stelle, wie aus dem yiyganzai 
folgt, wörtlich citiert. Wenn im text xcogig, ^ n der einlage dvav 
steht , so verräth sich auch hierin der falscher , der gern den 
synonymen ausdruck seiner vorläge gebraucht. Daß der vertrag 
nicht vollständig sein kann, sondern eben nur das enthält, was 
aus den worten des redners entlehnt werden konnte, giebt Kirchner 
selbst zu. Diese einlage halte ich ebenso für unecht, wie das 
fragment des testaments § 28 , in welchem die eingangsformel 
„Ttide 8ie&szo llaaiwv ' slxaQisvg", die doch wahrhaftig die echt- 
heit nicht beweisen kann , vor eine aus dem Zusammenhang ge- 
rissene stelle des testaments gesetzt ist. Das gleiche urtheil 
habe ich über die von Suidas citierte äpziygacp^ § 46 : die 
klagschrift ist unvollständig ; die angäbe des zl\nri\i.a steht an 
falscher stelle. Um mich jedoch nicht selbst dem Vorwurf der 

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392 68. Demosthenes. Nr. 7. 

Oberflächlichkeit auszusetzen, verzichte ich auf weitere andeutun- 
gen, die ich hier doch nicht ausführen kann. Nur noch ein 
wort über das Zeugnis § 55. Dasselbe steht in einem Zusam- 
menhang , dessen aufklärung man von dem eingelegten Zeugnis 
erwartet; die vorhandene einlage macht das räthsel nur unlös- 
barer. Kirchner hat sich große mühe gegeben dasselbe zu lösen: 
Deinias habe sich geweigert, gegen seinen verwandten Stephanos 
aufzutreten; dagegen habe er ein Zeugnis gegen die für die 
äcpsoig röiv iyxltj/jitttoav eintretenden zeugen eingereicht — und 
mit diesem begnüge sich hier Apollodoros; aber er wird wohl 
niemanden überzeugen können, daß mit dieser erklärung die 
worte oti raiza ält]d7/ liym einen sinn erhalten und die worte 
ovds lulrftii fiagrvosiv iOiXsiv vara tovtov sich ungezwungen 
und befriedigend derselben fügen. Was übrigens das zeugnis 
an und für sich d. h. v